Martin Rupps
Ausgabe 1914 | 22.05.2014 | 06:00 30

Generation Wohlstand

Deutschland Sie sind im Kern unpolitisch, vor allem auf ihre Sicherheit bedacht – und das stärkste Gefühl, zu dem sie fähig sind, ist Selbstmitleid. Zum 50. Geburtstag der Babyboomer

Einemilliondreihundertsiebenundfünfzigtausenddreihundertvier. Wer über den Jahrgang 1964 schreibt, braucht Platz. Die Frauen und Männer dieses Jahrgangs erst recht. Niemals vorher und nie mehr später wurden in beiden deutschen Staaten so viele Kinder geboren. Einemilliondreihundertsiebenundfünfzigtausenddreihundertvier. Im Laufe dieses Jahres wird also immer irgendwo ein 50. Geburtstag gefeiert, das größte Fruchtbarkeitsfest in der deutschen Geschichte.

Aber was macht das eigentlich mit einem Land, wenn die größte deutsche Alterskohorte 50 wird? Einerseits nichts, andererseits sehr viel. Denn die Spitzenjahrgänge der frühen sechziger Jahre torpedieren jene natürliche Generationenfolge, die mal für Phasen der Konsolidierung, mal für dialektische Erneuerung sorgt. Diese Masse von Menschen wird im nun gerade beginnenden sechsten Lebensjahrzehnt nicht kürzer treten, wie noch deren Eltern und Großeltern es taten, sondern politisch relevant bleiben wollen. Plötzlich stehen nicht mehr die Jungen gegen die Alten, sondern die Alten gegen die Jungen. Das wird eine spannende Auseinandersetzung, denn die Babyboomer sind eine im Kern unpolitische, vor allem auf Sicherheit und Wohlstand bedachte Kohorte, die für die Anspruchsgesellschaft längst vergangener Zeiten steht. Reformen? Nein, danke! Umbau von Sozialsystemen? Bloß nicht! Generationengerechtigkeit für die Jüngeren und ganz Jungen? Mit uns auf keinen Fall!

Der Jahrgang 1964 als Spitzenjahrgang war dabei kein Unfall oder Zufall. Der Babyboom kam zwar wegen des Krieges mit Verzögerung nach Deutschland, zwischen 1949 und 1958 aber stiegen die Geburtenzahlen langsam und stetig an. Im Jahr 1959 nahm der Boom dann richtig Fahrt auf, um schließlich im Jahr 1965 einzuknicken, weil die Antibabypille, 1961 auf den Markt gekommen, ihre Wirkung zeigte. So hohe Geburtenzahlen wie in den Jahren der Babyboomer wurden seither nie mehr erreicht.

Kinder der Nachkriegskinder

Massenhafte 50.-Geburtstags-Feiern sorgen auch für eine massenweise Rückschau auf das individuelle, nunmehr ein halbes Jahrhundert alte Leben. Ein guter Anlass, einmal zurückzublicken und zu fragen: Warum sind wir eigentlich, wie wir geworden sind? Haben wir das Land geprägt oder das Land uns? Mit anderen Worten: Wer machte uns letztlich zu denen, die wir sind? Und: Haben wir unser Schicksal wirklich in die Hand genommen?

Die Eltern der Babyboomer waren die von der Journalistin Sabine Bode in ihrem Buch beschriebenen Nachkriegskinder, die in das Feuer zerbombter Städte und die Todesangst im Luftschutzbunker hineingeboren wurden. Die Kinder der Nachkriegskinder wissen davon nichts, sie haben keine Trümmer gesehen und nie wirtschaftliche Not erlebt. Dennoch, die Verhältnisse blieben erst einmal materiell bescheiden: Jüngere Geschwister trugen die Klamotten der älteren auf, „Tri Top“ mit Leitungswasser ersetzte teureren Orangensaft, Kinder schliefen im Stockbett, weil nur ein Zimmer zur Verfügung stand. Doch die Mütter und Väter waren zum gesellschaftlichen Aufstieg ihrer Kinder entschlossen. „Ihr sollt es einmal besser haben“, lautete das Mantra. Also länger zur Schule gehen, möglichst studieren, auf jeden Fall einen angeseheneren Beruf ergreifen als sie selbst.

Die Voraussetzungen waren dafür so günstig wie nie vorher und nie mehr danach. Die Wirtschaft florierte, das Einkommen der Väter stieg jedes Jahr kräftig (zum Beispiel 1973 im öffentlichen Dienst deutlich über zehn Prozent). Der Wohnungsbau florierte – 1974 erreichte der Absatz von Tapeten mit durchschnittlich 2,4 Rollen je Bundesbürger seinen absoluten, nie mehr erreichten Höhepunkt – und schuf moderne Kinderzimmer. 1973 hatten immerhin schon 37 Prozent der Grundschulkinder in der Bundesrepublik ein eigenes Zimmer, noch 59 Prozent teilten sich ein Zimmer mit den Geschwistern.

Die Bundesrepublik gab sich in der Zeit, als die Babyboomer groß wurden, so unpolitisch wie möglich. Bundespräsident Walter Scheel sang im Fernsehen Hoch auf dem gelben Wagen, so etwas kann nur einer, der keine anderen Sorgen hat. Oder sie verdrängt. Seine Frohnatur, Scheel wurde auch „Mr. Bundesrepublik“ genannt, verkörperte den Stolz der Westdeutschen. Politisch war das Land zwar ein Zwerg, aber wirtschaftlich ein Riese, und jeder Babyboomer-Papa wirkte mit seiner Arbeitskraft daran mit. Der Kabinettssaal im neuen Kanzleramt, das Helmut Schmidt 1974 bezog, war genauso holzvertäfelt wie die Republik.

Politisches Denken war in unserer Erziehung nicht angesagt. Eine prägende Auseinandersetzung mit historischen und politischen Fragen ist uns irgendwie entgangen. Meine Großväter waren während des Krieges beide Lokführer gewesen. Hatten sie Reichsbahnkunden und Soldaten befördert oder auch an Deportationen mitgewirkt? Ich weiß es nicht. Als ich ihnen diese Frage stellen wollte, waren sie schon gestorben. Was meine Großmütter wussten, traute ich mich nicht zu fragen. Ich wollte ihnen nicht wehtun. Ich glaube, auch wenn das keine Entschuldigung ist, viele meiner Generation haben es so gehalten.

Für unseren Geschichtsunterricht war das Fernsehen zuständig: Im Januar 1979 lief der Vierteiler Holocaust. Er löste bei unseren Großeltern und Eltern ein Erinnerungsbeben aus. Wir, 15 Jahre alt, waren ebenfalls bewegt; die Szene, in der man Juden in eine Kirche gesperrt und die Kirche angezündet hatte, die Schreie der Kinder und Frauen, werde ich nie vergessen. Doch wir Babyboomer begriffen das als eine deutsche Geschichte, die eine gefühlte Ewigkeit zurücklag. Wir sahen auch, anders als die 68er-Generation, um uns herum keinen Anlass zur moralischen Kritik. Mit 15 liebt man seine Großeltern, man attackiert sie nicht. Und meine Mutter war 1944 fünf Jahre alt, als das Mietshaus, in dem die Familie wohnte, vor ihren Augen in Flammen aufging. So wuchsen wir zwar mit politischer Bildung, aber nicht mit einem an Welt- und Feindbildern geschliffenen Bewusstsein auf.

Vor dem Fernseher vereint

Die Politik sorgte für uns, unser Leben war eine Art Kreuzfahrt an Land. Babyboomer-Frauen und -Männer, die damals mühelos eine Lehrstelle fanden, schlossen einen Vertrag über „Vermögenswirksame Leistungen“ (der Staat gab zum monatlichen Sparbetrag etwas hinzu) und später, beim Bankberater des Vaters, einen Bausparvertrag. Nach der Ausbildung fanden wir sofort Anstellung. Studenten erhielten Bafög; das erste Semester verbrachten sie am Strand oder auf der Skipiste. Wenn man das Studium abgeschlossen hatte, trat man in eine Laufbahn ein, wie es damals im Deutsch der ersten Mondlandung hieß, als Beamter oder Angestellter im öffentlichen Dienst. Wenn man das Studium abbrach, machte man auf Umwegen Karriere.

Die Babyboomer in der DDR konnten keine vergleichbare Kreuzfahrt machen. Sie wuchsen ebenfalls in eine mittlere Phase ihrer Republik hinein; ihr neuer Staats- und Parteichef Erich Honecker stand für ein stabiles System, in dem die wirtschaftliche Versorgung von Jahr zu Jahr besser klappte. Weil der Kalte Krieg zwischen Sowjets und Amerikanern tobte, war ein Burgfrieden zwischen beiden deutschen Staaten möglich. Doch auch in dieser mittleren Phase gab es stets viel mehr, was es nicht gab. Kindheit und Jugend eines Babyboomers Ost waren vom Mangel geprägt. Die Eltern brauchten viel Energie zur Sicherung der Lebensgrundlagen. An ein besseres Leben für die Kinder dachten sie dennoch.

Auch hier wurde ein unpolitisches Bewusstsein erzeugt, gleichwohl aus anderen Motiven: Die SED förderte den Rückzug ins Private, die Babyboomer gründeten früh Familien und traten selbst in den Lebenskampf ein, den schon ihre Eltern für sie geführt hatten. Sie ersehnten sich eine Wohnung mit Zentralheizung, hofften auf Bananen an Feiertagen und träumten vom eigenen Auto. Auch die Beschäftigung mit der Vergangenheit wurde „von oben“ gesteuert. Die DDR nannte sich einen antifaschistischen Staat, der den Faschismus überwunden hatte. Hitlerdeutschland lebte, so die offizielle Lesart, in den Traditionen der Bundesrepublik fort.

Dass die Babyboomer Ost dank des Westfernsehens mit denselben Heldinnen und Helden groß wurden wie wir, mit der Bezaubernden Jeannie und Bonanza, mit Peter Frankenfeld und Hans Rosenthal, brachte kaum Trost. Gern hätten sie sich, wie auf dem Raumschiff Enterprise, mal woanders hingebeamt, nach Hamburg oder auch nur nach West-Berlin. Aber es blieb bekanntlich bei der Sehnsucht. Diese gemeinsame Fernseh-Sozialisation erwies sich allerdings Jahrzehnte später als nützlich, sie erleichterte die Kneipengespräche zwischen Babyboomern Ost und Babyboomern West. Was hatte man sonst schon gemeinsam in einer politisch geteilten Kindheit?

In der DDR gehörten die Universitäten zu den Kaderschmieden des Staates. In der Bundesrepublik war ihnen dagegen seit Ausbruch der studentischen Protestbewegung 1967 nicht mehr zu trauen. Auch wir Babyboomer trauten dieser ersten und wahrscheinlich letzten politischen Generation der Bundesrepublik nicht. Ihre Wortführer wirkten auf uns schrill und selbstsüchtig. Wir finden, dass der moralische Hochmut der Generation von Joschka Fischer nervt. Wir teilen diesen Hochmut nicht und haben, dank der Gnade unserer späteren Geburt, nicht einmal das Gen dazu. Wir machen niemandem Vorhaltungen und Vorwürfe; reden und streiten nicht aggressiv; sind von unseren Eltern gut erzogen worden und bemühen nicht eigens eine Moral. Wir finden, dass uns der artige, gesellschaftskonforme Auftritt nicht zum Vorwurf gemacht werden darf. Trotzdem würden wir gern von den 68ern in unserem Sosein akzeptiert werden. Es kränkt uns, dass Wolfgang Schmidbauer, der Psychotherapeut der 68er-Generation, keine eigene Kohorte in uns sieht. Für ihn sind die 68er die letzte relevante Generation.

Weshalb haben die Babyboomer ihre Politisierung nicht als junge Erwachsene nachgeholt? Eine eigene Identität im Protest entwickelt? Während unserer politischen Prägezeit ging die Saat auf, die ältere Generationen gelegt hatten: Die Wiederaufbaugeneration eines Konrad Adenauers hat die Bundesrepublik gegründet, die Kriegsgeneration von Helmut Schmidt führte das Aufbauwerk fort. Die 68er sorgten für ein Aufbrechen der Strukturen. Willy Brandt stand für die Modernisierung des Landes, Helmut Schmidt zwang die Rote Armee Fraktion in die Knie. Den Deutschen Herbst erlebten wir zwar jung, aber bewusst mit. Die dunkle Schwüle jener Wochen, das Gefühl der Gefährdung und Bedrohung, ist uns immer im Gedächtnis geblieben. Es hat unser Bedürfnis nach Sicherheit verstärkt.

Keine echten Gegner

Gegen wen hätten wir da aufbegehren sollen? Gegen Eltern, die ohne kollektive Schuld waren und alles Geld in uns Kinder steckten? Gegen einen Staat, der es, anders als in der DDR, durchaus gut mit uns meinte? Wir profitierten auch von den neuen sozialen Bewegungen: von der Frauenbewegung oder der Anti-Atomkraft-Bewegung, die einen Diskurs über die deutsche Technik- und Fortschrittsgläubigkeit begann. Selten ist es Heranwachsenden so gut gegangen wie uns.

Frank Schirrmacher, ein Babyboomer des Jahrgangs 1959, hat recht: Unsere Generation hatte keine politische Idee. Aber das war kein bewusstes Desinteresse an der Politik, sondern Folge der biografischen Erfahrung, dass wir uns dank der Sänfte, in der wir groß wurden, nicht um öffentliche Dinge kümmern mussten, sondern persönliche Ziele verfolgen konnten.

Daran haben auch die politischen Großereignisse nichts geändert. Von 1981 bis 1983 tobte der Widerstand gegen die Raketen-„Nachrüstung“, mit Demonstrationen in Bonn und rekordverdächtigen Menschenketten zwischen Mutlangen und Ulm. Die Angehörigen des Jahrgangs 1964 waren da 17, also Schüler oder Azubis. In diesem Alter war Politik interessant, aber Schule oder Ausbildung genauso wichtig und die Liebe am wichtigsten. Manche von uns wurden eine Zeit lang von der Endzeitstimmung der Friedensbewegten angesteckt und sprechen 30 Jahre später gern noch mit nostalgischer Erinnerung davon. Aber das reden wir uns schön, und wir wissen es. Und beim nächsten Großerlebnis, der Wiedervereinigung, blieben die westdeutschen Babyboomer wieder Zaungäste. Ihre Altersgenossen von drüben waren natürlich zahlreich auf der Straße; aber dort kämpften sie mehr für ihre persönliche Zukunft als für ein neues politisches Projekt.

Wenn ein Babyboomer trotzdem in die Politik ging, tat er es um der Laufbahn willen; der Entschluss dazu wurde schon in der Schul- oder Studienzeit gefasst. Der Weg führte nicht – wie zu 68er-Zeiten – über biografische Eskapaden und Brüche. Die Parteifarbe war eine Frage der Opportunität. In einem „roten“ Bundesland trat man in die SPD ein, in einem „schwarzen“ in die CDU, in Bayern natürlich in die CSU. Junge Leute bei der FDP waren ein kleines, etwas belächeltes Häuflein. Das Ergebnis dieser politischen, vom eigenen Utilitarismus geprägten Sozialisation ist bekannt, früh gescheiterte Politikerbiografien wie die von Guido Westerwelle oder Christian Wulff stehen dafür. Die Babyboomer haben keinen bedeutenden Politiker oder eine bedeutende Politikerin hervorgebracht.

Das Land kann von Glück sagen, dass die Wiedervereinigung kam, sonst wären solche wie Roland Koch oder Christian Wulff früher oder später an die Macht gekommen. Pragmatiker, Techniker des Machterwerbs und Machterhalts, flexibel in den Zielen, ohne Überhöhungen und Zuspitzungen in der Sprache. Aus unserer Perspektive betrachtet: Politiker für die Generation, aus der sie kamen, deren Bedürfnisse sie genau kannten und bedienten. Ein Politiker kann, wenn er kein politisches Genie ist wie Willy Brandt, nicht besser sein als die Generation, der er angehört.

Wenn eines Tages eine Babyboomerin oder ein Babyboomer auf Angela Merkel folgt, mutmaßlich Ursula von der Leyen oder Sigmar Gabriel, werden wir nicht mehr die Leitgeneration sein. Dort trifft sie oder er auf Themen, mit denen sie oder er nicht groß geworden ist: Digitalisierung, Globalisierung, Klimakollaps. Die Kanzlerinnen oder Kanzler der Bundesrepublik werden auch in Zukunft den Themen der Zeit hinterherhinken.

Gleichwohl bilden wir allein wegen unserer Masse eine wichtige Kohorte. Die Industrie hat uns längst entdeckt, das Alter der „werberelevanten Zielgruppe“ endet nicht mehr bei 49. Auch die Politik kommt in den nächsten Jahren nicht an uns vorbei. Ein Menschenleben kennt Jugend, Erwachsensein und Alter. Wir wollen die Wohlstandserfahrung aus unserem frühen und mittleren Leben auch im Alter machen. Bei den Generationen vor uns waren immer mindestens eine, manchmal zwei, manchmal alle drei Phasen von politischen Katastrophen und wirtschaftlicher Not bestimmt. Bei den Babyboomern soll es nicht mehr so sein – und sie werden alles dafür tun, einen Knick oder gar Absturz zu verhindern.

Diese Offensive hat schon begonnen: Mit der Reform der Pflegeversicherung und der Rente mit 63 erlebt der Sozialstaat der siebziger Jahre, in dem die Babyboomer groß wurden, eine Renaissance – auf Kosten der folgenden Generationen. Arbeitsministerin Andrea Nahles mag darin sozialdemokratische Politik sehen, aber vielleicht nicht zufällig gehört auch sie zu den einstmals wilden Jusos (sie war sogar ihre Vorsitzende), die in der alten Bundesrepublik, wie es heute nostalgisch heißt, in der die Löhne ständig stiegen und die Arbeitszeiten immer kürzer wurden, ihre politische Sozialisation erfuhr. Nahles könnte die übernächste Bundeskanzlerin sein.

Nach uns die Sintflut!

Wenn heute ein Teil der Union gegen die Rentenpläne der Großen Koalition opponiert, ist das kein Konflikt zwischen Schwarz und Rot, sondern zwischen Alt und Jung. Doch die Babyboomer, die Alten von morgen, stehen gegen eine überfällige, durchgreifende Reform der Sozialsysteme. Sie setzen alles daran, dass „es“ sie noch nicht trifft. Nach uns die Sintflut!

Weil es um unseren Wohlstand geht, werden wir bei der Feier unseres 50. Geburtstags heftig politisieren. Wie viel vom Ersparten darf sich der Staat, der kräftig zu unserer Wohlstandsbiografie hinzugebuttert hat, zurückholen? Plötzlich werden Versicherungen versteuert, Beiträge für Versicherungen steigen. Noch nie war uns Sicherheit so lieb – und teuer.

Nach ein, zwei Gläschen Wein kommen wir bei unserer Feier auf die Bilanz unserer Alterskohorte zu sprechen. Der Jahrgang 1964 hat trotz seiner Masse nicht viele Helden hervorgebracht – Katarina Witt und Henry Maske, Jürgen Klinsmann und Hape Kerkeling. Alle haben den Zenit ihres Ruhms lange überschritten. Ben Becker singt jetzt auch noch. Und die wenigen Künstler der 64er, Thomas Demand und Juergen Teller, sind nicht da. Der eine lebt in Berlin und Los Angeles, der andere in London. Wir werden wohl nur wegen unserer Masse in die Geschichte eingehen.

Wer es immer gut hatte wie wir, reagiert auf das Älterwerden empfindlich. Wird bei politischen Fragen bockbeinig. Das stärkste Gefühl, zu dem die Babyboomer fähig sind, ist Selbstmitleid. Unsere stärkste Überzeugung lautet: Wir Babyboomer sind die letzte geglückte, weil politische, fleißige, sozial fähige, gebildete, weil lesende Generation. Jede Generation sieht sich als die letzte vor dem allgemeinen Niedergang von Sitte und Moral – wir auch. Auf uns Babyboomer folgte die Generation Golf, die erste Generation der Kinder mit eigenem Zimmer, mit Playmobil und einem VW Golf. Die Babyboomer finden, die Golfer sind die erste unpolitische, verwöhnte, behütete Generation der Bundesrepublik. Mit den Generationen danach kam es noch schlimmer. In Wahrheit aber begann es mit uns.

Martin Rupps ist natürlich auch Jahrgang 1964. Von ihm erschien vor einigen Jahren Wir Babyboomer. Die wahre Geschichte unseres Lebens im Herder Verlag

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 19/14.

Kommentare (30)

denkenundhandelnbitte 22.05.2014 | 08:35

das stimmt leider alles , ich schäme mich für diese meine generation ! auf dem land , wo ich in BW aufwuchs , gab´s das bonmot von der einzigen sorge der bauern : den "langen lieferzeiten bei mercedes" , und ich sollte in die junge union eintreten...ich entschied mich fürs private und stellte mich so sehenden auges neben alles , denn DEN aspekt haben sie vernachlässigt : die netzwerk-lobby-parteiengesellschaft hat gegenseitige abhängigkeiten geschaffen , in denen der einzelne NICHTS mehr zählt !

Lethe 22.05.2014 | 12:15

Wertegewissheiten sind etwas schönes^^

Letztlich läuft alles darauf hinaus dass die Ziele des eigenen Egoismus als wünschenswert und unentbehrlich fürs Allgemeinwohl empfunden und vermittelt werden. Individueller Egoismus sowieso, aber auch gruppenspezifischer Egoismus zielt auf nichts anderes. Und wenn mensch sich schon nicht als besonders abgrenzen kann, dann eben dadurch, dass die Egoismen der anderen - Individuen oder Gruppen - suspekt gemacht werden.

Ist ein immer wieder gern gespieltes Spiel, mit rein zufälligen Auswirkungen aufs Allgemeinwohl.

tlacuache 24.05.2014 | 09:42

..."Damals war es noch Soziale Marktwirtschaft, und deshalb war großenteils ein problemloses Leben garantiert"...

Klar, die folgen der Kriegstechnik liess sich ja auch prima weltweit exportieren, d.h., der "Käfer", Höchst AG-, Bayer Medikamente, Siemens, weitere Automarken etc. etc. etc. etc. waren unmittelbare "Resteverwertungen" des II Weltkrieges die sich in die ganze Welt exportieren liess.

Ohne dieses wäre die Soziale Marktwirtschaft der 1960 - 70 und 80 in der BRD nicht finanzierbar gewesen, inclusive millionen Umschulungen vom DGB und Weiterbildungsmassnahmen und Bavög und und und fuer die 68er, wird immer wieder gerne vergessen...

Gruss

alalue 24.05.2014 | 10:05

Das ist jetzt echt hart.

Die Soziale Marktwirtschaft beruhte darauf, daß entgegen der liberalen Doktrin Löhne und Steuern erhöht wurden, um die Nachfrage bei Produktivitätsteigerung mitwachsen zu lassen.

Dieses Prinzip wurde im Laufe der Zeit immer mehr ausgehöhlt, und so kamen dann auch immer mehr Krisen, die mit der liberalen Doktrin nur noch v erstärkt wurden.

Deine Argumente sind die Lügen der Industrie & liberalen Wirtschaftsexperten, - hast Du deren Beschreibung gelesen ? https://www.freitag.de/autoren/alalue/qualifizierte-einsichen- platzierten, um deren Forderung nach Lohnzurückhaltung und Steuersenkungen; der liberalen Doktrin, zu begründen.

Aber mach Dir keine Sorgen, bald wird das alles aufgeklärt.

Gruss dahin, da wos alle skifarn.

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Ehemaliger Nutzer 24.05.2014 | 10:11

Kindheit und Jugend eines Babyboomers Ost waren vom Mangel geprägt. Die Eltern brauchten viel Energie zur Sicherung der Lebensgrundlagen.

und das wissen Sie aus persönlicher Anschauung? DDR ist für "ihre" Generation und alle davor und danach in der BRD natürlich ein Signalwort: Achtung, Stereotype und Vorurteile aktivieren, die da wären: Mangel...

Die SED förderte den Rückzug ins Private, die Babyboomer gründeten früh Familien und traten selbst in den Lebenskampf ein, den schon ihre Eltern für sie geführt hatten.

..."Lebenskampf" - hachja, die gute alte lingua tertii imperii! da wäre Ihr Großvater sicher stolz auf Sie!

In der DDR gehörten die Universitäten zu den Kaderschmieden des Staates. In der Bundesrepublik war ihnen dagegen seit Ausbruch der studentischen Protestbewegung 1967 nicht mehr zu trauen.

...natürlich gab es in der DDR keine echten Universitäten und keine echte Wissenschaft, sondern nur "Kaderschmieden"! Ja, in der DDR gab es nicht einmal echte Linke - die gab es nämlich nur an den echten westdeutschen Universitäten. Die waren nämlich alle von den 68ern besetzt worden. Haben Sie jemals eine westdeutsche Universität von innen gesehen? Welche Universitäten meinen Sie da? Wie groß war eigentlich der Anteil der 68er an der gesamten westdeutschen Studentenschaft? Und wie groß war der Anteil der 68er, die nach Abschluß ihres Studiums in den 70er Jahren irgendeinen prägenden Einfluß auf die westdeutsche Universität als solche ausgeübt haben?

Die DDR nannte sich einen antifaschistischen Staat, der den Faschismus überwunden hatte. Hitlerdeutschland lebte, so die offizielleLesart [in der DDR], in den Traditionen der Bundesrepublik fort.

und dem war nicht so? ist die BRD kein post-faschistischer Staat, mit all den alten Nazis im Land? ich weiß, was Sie sagen wollen: die DDR nannte sich bloß antifaschistisch, in Wahrheit aber war sie es nicht. Beweis: der in Ostdeutschland grassierende Neonazismus. So meinen Sie das doch, nicht wahr?

das die BRD Behörden bis heute eine Täterschutzgemeinschaft bilden, die es ungezählten NS Mördern erlaubt hat, ungestört von Strafverfolgung und Sühne eine bürgerliche Existenz zu führen, ist Ihnen auch entgangen? was ist denn der Verfassungsschutz anderes, als institutionalisierter Antikommunismus? bei linken "Umtrieben" ganz genau hinzusehen und zu spitzeln, was das Zeug hält, bei rechten aber alle Augen zu- bzw. alle Daumen zu drücken - ist das keine Tradition, die die BRD vom NS gern übernommen hat?

Bis hierher. Weiter habe ich dieses pseudobesinnliche Gefasel nicht ertragen. Oder habe ich Ihre Ironie übersehen?

tlacuache 24.05.2014 | 10:16

Du verwechselst hier was, ich rede nicht von der "Idee" der sozialen Markwirtschaft, die ist durchaus Anstrebenswert, ich rede von der "realen" sozialen Marktwirtschaft, wie jedes schissiges Schwimmbad in jedem Dorf finanziert wurde damit der SPD- oder CDU Bürgermeister in den 70ern wiedergewaehlt wurde, auf Kosten von irgendwelchen Idioten auf dem Rest der Welt.

Mal ein Beispiel:

Kennst du Reststoffverwertung in der Chemieindustrie?

Alles was bei uns an Sondermüll anfallen würde kannst du in der 3. Welt noch prima als Reinigungsmittel gegen Schimmelpilze in Badezimmern verkloppen, das ist bei uns schon 30 Jahre verboten, das Zeug.

Was meinst du was in den 70ern los war, "Wohlstand für alle" + Korruption...

Gruss

Mühlenkamper 24.05.2014 | 12:10

In der Regel dient das Generationengeschwätz nur zur Intonation eines angeblichen Konflikts Alt gegen Jung (Arm gegen Reich ist ja auch so mühsam). Und am Ende nur zur dümmlichen Polemik gegen die gesetzliche Rente. Der Gipfel ist aber das anmaßende "wir" in solchem politischen Bedeutungsgeraune. Herr Rupp mag peinliche Erklärungen abgeben so viel er mag, aber bitte in eigenem Namen. Eine Seite für solchen Käse ist einfach zuviel im Freitag.

klonkifanko 24.05.2014 | 12:16

Zur Sache:

Leider muss man, ausgehend von einem solchen Generationenpotrait, auch umgehend auf die zu sprechen kommen, die da noch kommen. Das Problem des unpolitischen Konsumismus hat sich schließlich auch weitervererbt. Heute treten die Kinder der Babyboomer im jungen Erwachsenenalter nicht mal mehr in die ihrem Bundesland entsprechende Partei ein. (Ohne das fordern zu wollen!)

Sie leben in noch viel größerem Maße in einer Blase aus Konsumangeboten, die ihnen - ich kann es in der Schule tagtäglich beobachten - mittlerweile schon die Lust am Leben verleiden. Wie der Soziologe Bauman beschrieben hat, ist das immer dominanter werdende Credo des "Lebens als Konsum" die Selbstgeißelung: "Du bist nicht up to date genug!" Daraus folgt ein Minderwertigkeitskomplex, der in extremen Persönlichkeitsmustern und dem immer aggressiver werdenden Kampf um Aufmerksamkeit seinen Ausdruck findet.

Das Allerschönste daran ist aber: Die Marktwirtschaft trägt sich selbst immer mehr das Fundament ab. Indem Kinder und Jugendliche schon als Minderjährige in erster Linie als Konsumenten betrachtet und mit Befriedigung ihrer (induzierten) Bedürfnisse angefixt werden, steht ihre Zufriedenstellung in keinem notwendigen Verhältnis mehr zu irgendeiner Anstrengung. Im Gegenteil: Der Wohlstand gelingt in der Adoleszenz vollständig auf Pump - auf Pump der Baby-Boomer und auf Pump von "easy credit". Kommt der Tag, an dem er selbst erarbeitet werden muss, ist dies durch Konditionierung ein so fremdes Konzept geworden, dass außer Überforderung nur Depression übrig bleibt.

PS: Nein, das ist keine Jugendschelte, sondern eine unserer Lebensform.

Flori 24.05.2014 | 13:01

Eine „Generation“ zu definieren ist, in politisch halbwegs stabilen Zeiten, immer unsinnig. Die „Generation Golf“ und was es nicht schon alles gab, jeweils journalistische Eintagsfliegen, von denen heute kein Mensch mehr spricht. Der Begriff ist kompromittiert. Eine uns aufgezwungene Vorstellung. Warum wird er trotzdem immer wieder bemüht? Aus Verkaufsgründen. Er klingt irgendwie knackig. Ist’s aber nicht. Im Fall dieses Textes besonders. Denn es kommt hinzu: Die westdeutschen heute 50-Jährigen kann der Autor ja noch mit einem halbwegs konkreten Hintergrund beschreiben. Über die ersten 25 Jahre der in der DDR Geborenen weiß er gar nichts. Deshalb käut er angelesene Plattitüden wider. Er kennt nicht die „zwei Öffentlichkeiten“, die Günther Gaus beschrieben hat. Sein Text ist damit, leider, wenigstens zur Hälfte komplett irrelevant, wenn nicht falsch.

alalue 24.05.2014 | 13:06

Ich bin einer der Babyboomer aus dem Westen, und wenn man nciht dabei war, kann man das nicht richtig beurteilen. Ich habe gar keine Lust, mich mit diesem Quatsch zu beschäftigen und schreibe, was mir Spaß macht. So sind wir eben, diese Wohlstandverwöhnten, die sich im Konsum suhlten, während die DDRler von unseren Pakteten lebten.

Und so ein schlaue linke Analyse, das ist in etwa genau so, wenn sich die Ex-Ostler über die arroganten Westler aufregen . Noch Fragen ?

SchrittmacherM 24.05.2014 | 17:11

Ja, und diese Generation hat es gerade erfolgreich vollbracht, sich gegen die notwendigerweise nachrückende zu behaupten. Mit der Einbildung im Hnterkopf, die bringe eh nichts zu stande. Und sowieso: Man ist ja auch so gut etabliert. "Sicherheit" sei hier anders konotiert. Nämlich Standessicherheit. Die Sicherung seiner Lebensleistung und dem erträumten Lohn dafür (siehe Rente). Dafür tritt man gerne nach "unten" (also auf die jüngeren) ein. Auf dem Weg nach oben hat man auch dafür gesorgt, dass genau seine eigenen Interessen gewahrt bleiben - so weit es ging. Wegen der horizontalen Vernetzung der nachrückenden Jugend hat man deren "Spielplätze" (Jugendfreizeit-Clubs) dichtgemacht und noch allerhand andere Maßnahmen ergriffen, um den Nachwuchs umfassend zu unterhalten und zu kontrollieren. Aber das Problem ist trotz niedriger Geburtenrate und dieser umfassend runtergebeteten Notwendigkeit von Bildung und Arbeit eskaliert und hat erneut fast die Welt zerrissen. Und zwar nicht ohne Grund. Denn es ist nicht zu verstehen, wozu man Bildung braucht, wenn man nicht erwünscht ist. Also bildet man sich nicht, sondern vegitiert dahin. Das lässt man sie nicht, also wird Druck aufgebaut. Aber der war nicht zu sublimieren, also gab es einen Vertrauensbruch mit folgender Wirtschaftskrise und daran anschliessender weltweiter Revolutionen, Unruhen und Unzufriedenheitsdemonstrationen.

Zum Glück sitzt man aber eigens dafür abgesichert fest im Sattel. Ja, was würden wir Überflüssigen dann auch machen, wenn es euch nicht gäbe?

Uns nicht eure Anmaßungen andrehen lassen müssen. Aber das Problem ist natürlich kompilizierter. Aber da ähnliche Unregelmässigkeiten regelmässig auftreten (siehe 68´ger Bewegung etwa) fragt sich, warum es keine Lösung dafür gibt und immer wieder eine Extremsituation daraus entspringen muß?

Zitat aus Wikipedia_68´ger Bewegung:

"Darüber hinaus war der Anteil junger Menschen gegenüber der Eltern- und Großeltergeneration auch relativ gesehen erheblich höher als je zuvor, so dass es für die Älteren schwieriger war, die erreichten zivilisatorischen Normen an die zahlreichen Kinder und Enkel weiterzugeben (James Q. Wilson). Die junge Generation in den 1960ern war durch die Entstehung einer selbständigen Jugendkultur (Musik, Kleidung) und durch Vermittlung neuer elektronischer Medien stärker horizontal vernetzt und war daher in der Lage, sich eher an (auch weit entfernten) Gleichaltrigen statt an den Älteren zu orientieren."

Gleiches Problem, wie in der jetzigen Krisensituation. Dass es ein eWirtschaftskrise geworden ist, lag an den mäßig wirksamen Maßnahmen, "Arbeit" und Wirtschaftssicherheit zu schaffen, um für alle Nachvollgenden auch genügend Unterhaltung (Beschäftigungstherapie) im Angebot zu haben. Die Agenda 2010 hat dann auch noch für den Annahmezwang gesorgt., der aber nicht das Problem lösste. Und so platzte es vor 5 Jahren raus, was solange unter Überdruck zurückgehalten wurde. Interessanterweise aber nicht nur in D, sondern eben global.

Es steht damit fest, was die Ursache sei:

Sobald die staatliche Organisation und Funktion (Nationbuilding) abgeschlossen ist und die Strukturen unverrückbar etabliert sind, beginnt die Phase der Horizontalvernetzung und somit der Beginn des Druckanstiegs. Das alles, weil alle nachgfolgenden Generationen in ein etablierte Struktur zu wenig Nachfolgemöglichkeit haben und sich in ihrer Entwicklung behindert fühlen. Übererfüüllende Bildung (2, 3 Uni-Abschlüsse) ist dabei nur ein kläglicher Ersatz, weil es simmuliertes Leben sei, was da auf vermeindlich hohem Niveau und großem Zukunftssinn passiert.

Wenn wir überall hören, die fetten Jahre seien vorbei, dann gilt das wohl nur für die nachfolgende Generation, weil für die gegenwärtig etablierte Generation haben sie meist eben erst begonnen. Man ist halt zu spät gekommen - das heisst vorbei. Erst die übernächste Generation hat dann wieder eine Möglichkeit, sich zu etablieren.

Anyway, mir kann jetzt jeder ein Beispiel sagen, was die These widerlegt. Das wären dann auch keine Ausnahmen von der Regel, sondern eben Beispiele von ausreichender/gelungener Vertikalvernetzung. Der Rest kann sich mit Stagnierung abfinden. Und horizontal selbstbemittleiden (ganz wie die Vorgängergeneration es dem Autor nach am besten kann und jetzt auf hohem Niveau vormacht).

Bildung ist natürlich keine heisse Luft, aber es ist dann einen Leerlaufhandlung, wenn man, wie derzeit schon länger im Gespräch, die vielen derart Qualifizierten institutionel (Wissenschaftsbetrieb etwa) gar nicht braucht, weil alle "Stellen" belegt sind mit einer Generation, die gerüchteweise, weil eh gesund, auf diesen Stühlen sehr lange sitzen wird.

Tja, bezüglich Geburtenrate fragt man sich: Wozu Nachwuchs? Wenn man den später sowieso aufwändig bespaßen und beherrschen muß.

Damit wäre die Frage nach einer auf niedrigem Niveau stagnierenden Geburtenrate beantwortet. Fragt sich nur, was genau hier der fortpflanzungsverhindernde Effekt ist.

Ein Herr M. Blume (auf Scilogs.de) weiß zu berichten, dass es an mangelnder Religiösität liegt. Übersetzt auf sekuläre verhältnisse heisst es, dass dem sekularisiertem "Bürger" der "Glaube" abhanden gekommen ist (oder auch Vertrauen - was sekulaisiert gesehen das Gleiche sei). Was auch kein Wunder sei, wenn man selbst aus geburtenschwachen Jahrgängen stammend keine Perspektive sieht/hat. Die fetten Jahre sind für jeden vorbei, der einen Vertrauensverlust erlitten hat. Und der kommt leider nicht aus eigenem verschulden, sondern angesichts der gläsernen Decke, wegen einer vollständig etablierten Elite, die sich in der Funktion glaubt, das Elend nur verwalten zu müssen. Und wer die etablierte Elite sei, ist letztlich auch kein Zufall - aus vermeindlicher Chancengleicheit im Wettbewerb entstanden...

SchrittmacherM 24.05.2014 | 17:19

Der vergleich mit der 68´ger Bewegung hinkt nicht am demografischen Wandel.

Denn es geht nicht ausschliesslich um Altersgruppen im Verhätlnis zueinander, sondern um die schlicht notwendige Kapazität zum Aufbau, und Aufrechterhaltung der Strukturen. Und die war damals offenbar schon 20 Jahre nach dem Ende des Krieges erfüllt. Es begann die Zeit, in der wieder eine Kulturidee aufgekommen sein muß, die erzeugt eine Aufmerksamkeit auf seine Mitmenschen/Nachkommen und dies erzeugt Druck. Und schon wird sich horizontal vernetzt, anstatt an seine Elterngeneration.

klarsicht 25.05.2014 | 11:59

Die Generation meiner Eltern

Generation Babyboom Ein interessanter Artikel! Ergänzend will ich den Blick aus meiner Generation anfügen.

Ich bin 1984 geboren, meine Eltern sind gerade 50 geworden. Meine Mutter wuchs im Osten auf und hat sich dort verstärkt politisch eingesetzt. Dies hat ihr Leben, ihr kritisches und politisches Bewusstsein von Jugend an geprägt. Auch mein Stiefvater, der mich großgezogen hat, aber aus dem Westen stammt, hat sich seit ich ihn kenne stark im Bereich Klimaschutz, Atomenergie, Menschrechte etc. engagiert. An beiden konnte ich nie ein politisches Deinteresse festmachen. Das Streben nach Selbstverwirklichung und Sicherheit, auch Wohlstand (allerdings nicht in aussergewöhnlichem Maße) hat sie in jedem Fall begleitet, das stimmt, aber auch, um etwas für ihre Kinder aufzubauen. Ich denke, dass dies (Sicherheit, Wohlstand...) kein generationenspezifisches Bedürfnis ist, sondern grundsätzlich ein menschliches. 20 Jahre nach dem Krieg war vielleicht erstmals wirklich Raum, um sich selbst zu verwirklichen. Zudem denke ich, es handelt sich zwar nicht um eine direkte Nachkriegsgeneration, dass der Krieg, die Verarbeitung all der Dinge, die geschehen sind, auch vor dieser Generation keinesfalls halt gemacht hat. Die traumatischen Kriegs-Erlebnisse ihrer Eltern und Großeltern, die psychologische Aufarbeitung dessen, hat ganz besonders in dieser Babyboom Generation auf ganz eigene Weise deutliche Spuren hinterlassen.

knattertom 25.05.2014 | 16:48

"In der Regel dient das Generationengeschwätz nur zur Intonation eines angeblichen Konflikts Alt gegen Jung (Arm gegen Reich ist ja auch so mühsam). Und am Ende nur zur dümmlichen Polemik gegen die gesetzliche Rente. Der Gipfel ist aber das anmaßende "wir" in solchem politischen Bedeutungsgeraune. Herr Rupp mag peinliche Erklärungen abgeben so viel er mag, aber bitte in eigenem Namen. Eine Seite für solchen Käse ist einfach zuviel im Freitag."

Eindeutige Zustimmung in Bezug auf die Konfliktfokusierung als Einheitsverhinderungstaktik........., aber auch Zustimmung fur den Autor, in seiner Einschätzung, dass die Babyboomer offensichtlich eine Geneartion sind, die sich in der Mehrheit für solch künstlich geschaffene Konflikte vereinnehmen zu lassen scheinen.

Daniela Waldmann 25.05.2014 | 20:04

……………

Interessant. Es gab auch viel Armut in den Städten, auch sehr arme Bauern, nicht nur reiche Bauern. Kinder die auf Feldern arbeiteten, unter Maschinen umkamen. Es gab Kinder, die nach der Schule in kleinen Stadtwohnungen Heimarbeitet leisteten, um die Familie über Wasser zu halten, weil das Familieneinkommen nicht reichte. Es gab und gibt Brennpunktviertel, Armut und Gewalt. Damals wie heute, aber wahrscheinlich schreiben die Journalisten/innen über all das nicht, weil diese Kinder nicht zu den kleinbürgerlichen Wohlstandsfamilien gehörten, keine Journalisten/innenschulen besuchten, noch nicht einmal Abi machten, noch nicht einmal gewiss Hauptschulabschluss machten und mit 15 am Fließband standen, Schrauben eindrehten, arbeitslos wurden als Automaten mehr und mehr Menschen ersetzten. Ein Artikel in einer linken Wochenzeitung und vergessen die Kinder aus Neuperlach, vergessen die Kinder aus Marzahn…….…………….

amorphus 26.05.2014 | 14:25

So ein kruder Aufsatz eines Meister Propper sozialisierten Vorstadtlurchs. Ein Pauschalisierungstext der mit Hohn auf die wahren Verhältnisse spuckt. Ein Hänschenklein der weltfremdesten Sorte schwingt sich auf seine eigene Gerneration in eine Schublade zu zwängen der er selbst nie entkommen konnte. Wieso kann man ungestraft auf eine verständnissvolle Öffentlichkeit hoffen wenn man solch einen infantilen, naiven und jegliche Lebenserfahrung verneinenden Batzen Text abliefert? Würde der Autor sich wenigsten als Überlebender von Contergan, Drogen und AIDS sehen könnte man ihm seine lächerliches Generationsbild teilweise abnehmen.

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Ehemaliger Nutzer 26.05.2014 | 18:55

Zur Ergänzung der Bauchnabelschau

Geburten | bpb

Wikipedia: Geburtenraten/Pillenknick D

Als ich geboren wurde, waren wir sehr wenige und nicht alle hatten dieses Jammerthal überlebt.

Warum gerade der Peak Babyboom gefeiert werden soll, erschließt sich mir eher nicht, denn die Aufholjagd bei den Babys bis auf ein Normalmaß war etwa 1950 erst einmal beendet und setzte sich dann mit dem wirtschaftlichen Erfolg in D ca 1954 weiter fort, bis zum Babyboompeak 1964.

Danach setz der Pillenknick dem Babyboom ein Ende und ich wundere mich doch stark, daß dieser Umstand, bzw. die selbstbestimmte Verhinderung des Umstands, hier weder im Bloggbeitrag, noch in den Kommentaren, überhaupt nicht thematisiert wurde.

Bis ca 1973 war die Geburtenrate dann auf ein Normalmaß abgesunken, ca 1%/Jahr der Bevölkerung. Damit wächst die Bevölkerung nicht mehr, sondern erhält nur noch ihre Zahl.

wolfwal 27.05.2014 | 01:06

Netter bunter Artikel. Der Autor kommt selbst aus der BabyBoomerGerneration. Die eigentlich Problem verkennt er: die Generation der davor Geborenen, die Alt-68er. Die Generation von 1945 bis 1955 (nicht zu verwechseln mit der us-amerikanischen BB-Generation, der dort schon früger stattfand). Unter dieser Genertion leiden wir heute noch. Die verwöhnten, die gegen alles waren aber alles bekamen. Denen es ohne Anstrengung gelang, vom Taxifahrer in Turnschuhen zum Außenminister aufzusteigen. Die Generation, die es mit Haußtschulabschluss noch bis zum Richter schaften. Die Generation, die alle Stellen besetzt hatten und die heute die Wohlstandsrentner sind, die diesen selbstgerechten und längst eigensüchtigen etablierten Wohlstand gegen die Masse der BabyBoomer verteidigen. Die BB-Generation war dann erstmalig z.B. mit NC an den Unis konfrontiert. Die BB-Generation hat sich den Arsch abgelaufen, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Die BB-Generation, die nur noch einen Bruchteil der Rente erhalten wird, den die Alt68er sich gesichert haben.

Sie müssen sich nochmals Gedanken über Ihren Artikel machen, der billig wie Bay City Rollers Musik auf der Kirmis im Autoscouter klingt.

wolfwal 27.05.2014 | 01:06

Netter bunter Artikel. Der Autor kommt selbst aus der BabyBoomerGerneration. Die eigentlich Problem verkennt er: die Generation der davor Geborenen, die Alt-68er. Die Generation von 1945 bis 1955 (nicht zu verwechseln mit der us-amerikanischen BB-Generation, der dort schon früger stattfand). Unter dieser Genertion leiden wir heute noch. Die verwöhnten, die gegen alles waren aber alles bekamen. Denen es ohne Anstrengung gelang, vom Taxifahrer in Turnschuhen zum Außenminister aufzusteigen. Die Generation, die es mit Haußtschulabschluss noch bis zum Richter schaften. Die Generation, die alle Stellen besetzt hatten und die heute die Wohlstandsrentner sind, die diesen selbstgerechten und längst eigensüchtigen etablierten Wohlstand gegen die Masse der BabyBoomer verteidigen. Die BB-Generation war dann erstmalig z.B. mit NC an den Unis konfrontiert. Die BB-Generation hat sich den Arsch abgelaufen, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Die BB-Generation, die nur noch einen Bruchteil der Rente erhalten wird, den die Alt68er sich gesichert haben.

Sie müssen sich nochmals Gedanken über Ihren Artikel machen, der billig wie Bay City Rollers Musik auf der Kirmis im Autoscouter klingt.

Grundgütiger 27.05.2014 | 13:02

Der Artikel könnte so auch, oder hat bestimmt schon im "Stern", "Spiegel", oder der "Zeit" gestanden, so abgestanden ist er.

Das Ziel ist eigentlich einfach, die umlagefinanzierte Rente.

Sie soll fallen.

Da wo, welch göttliche Logik, die "Jungen", die "Alten" finanzieren.

Wie eine Umlage-finanzierte Rente sonst funktionieren sollte, das bleiben uns die Autoren solcher Schmierenstücke immer schuldig.

Den Startschuss gab die Bertelsmann-Stiftung.

Seitdem rollt er durchs Land,der Versuch, die bislang erfolgreichste Altersversorgung die paritätisch (noch) einen gesetzlichen Mindestanspruch garantiert, zu killen.

Wer da nicht alles bemüht wird, als Zeuge wider dieses Teufelswerks.

Als wenn alle mit Turnschuhen an den Füßen korrupt und machtgeil wären. Oder für ihr Geburtsjahr verantwortlich sind.

Netter Versuch, erinnert an den den Dealer mit dem ersten kostenlosen Schuss.

Die Umlage-finanzierte Rente spiegelt immer die Lohnentwicklung wieder.

Löhne gesunken?

Mein Tipp, arbeiten gehen, Gewerkschaft beitreten, kämpfen!

Oder die Parteien fragen.

average_joe 27.05.2014 | 14:40

Ich gehöre den oben typisierten Babyboomern biologisch an (*1961), jedoch ansonsten nicht. Ich war ein politischer Mensch, seit ich denken kann, und kenne viele in meiner Generation, auf die das ebenso zutrifft. Sicherheitsdenken ist nicht das, was mein Leben prägt. Ich habe mich immer für das entschieden, was mir entspricht, nicht für das, was mir Sicherheit bringt. In meinem zukünftigen Leben - dem, in welchem ich nicht mehr arbeiten gehen werde (oder vielleicht doch?) - klafft eine recht große Sicherheitslücke, um mit den Angstmache-Worten von Versicherungsvertretern zu sprechen. Ich lebe mit stetiger Unsicherheit: aufgewachsen bei einer kriegstraumatisierten Mutter, das heißt mit sehr viel Ängstlichkeit, schlechte Arbeitsplatzaussichten zu Beginn meines Studiums, schlechte Arbeitsplatzaussichten nach Abschluss meines Studiums und meiner Promotion, unsichere Arbeitsverhältnisse und schlechte Rentenaussichten während meines gesamten bisherigen Arbeitslebens, das geprägt ist von 10 Jahren zeitlich befristeten Stellen und später 2 betriebsbedingten Entlassungen innerhalb von 5 Jahren. Ich habe mich an diese Arbeitsbedingungen gewöhnt, die für Menschen über 50 zusätzlich gefährlich sein können, allein aufgrund ihres Alters. Unsicherheit ist Normalzustand für mich. Und es ist mir egal. Ich lebe trotzdem recht gut. Das bisschen Riester, das ich privat obendrauf lege, lasse ich genug sein.

Was mich an meiner Generation wirklich stört, ist die merkwürdig unbewusste Misogynie sowohl unter Männern alsauch unter Frauen. Was haben die für ein Mutterbild? Was haben die bloß für ein negatives Frauenbild? Ich rätsele darüber seit Jahren. Vielleicht liegt es doch an so etwas wie einer durch und durch unpolitischen Mentalität, aus der heraus eine durch und durch unkritische Haltung erwächst. Der kritische Geist setzt erst ein, wenns an den Geldbeutel geht. Aber solche unpolitischen Menschen sind in Deutschland in jeder Generation sehr zahlreich. Der/die Deutsche geht generell nicht gerne auf die Straße - außer vielleicht beim Streik, der jedoch auch nur der eigenen Tasche dient, keinem Allgemeininteresse.

Robert Jakob 15.09.2014 | 12:30

Pointierter Artikel. Dass im Verlaufe der letzten Jahrzehnte die politischen Großideologien zerbröselten, die Sozialdemokraten sich mühten christdemokratischer zu sein als die, sich die besseren Sozialdemokraten zu sein mühenden, Christdemokraten; die Grünen sich im Kern "zur Sicherheit" verbürgerlichten und die Bürger zu "Wutbürgern" mutierten; flankiert von einer Flut parlamentarischer Eintagsfliegenparten haben wir einfach nicht verhindern können. Natürlich haben wir das nicht alleine hingekriegt, da mussten uns schon andere Generationen helfen. Überhaupt muss man unserer Babyboomkohorte bei allem Möglichen helfen. Die Zahl der Veröffentlichungen zu sämtlichen Themen der Lebensberatung ernährt ganze Landstriche. Ohne Erziehungsberater wüssten wir beispielsweise gar nicht, warum unsere Kinder in so großer Zahl mißraten. Und selbst mit: Wer hilft uns denn das alles auch noch anzuwenden?

Natürlich gab's auch weniger stille Kohortenhelden, aber da haben leider zu viele ihren 50sten Geburtstag knapp verpasst. Oder wurden mit der gnadenlosen Masse ihrer Altersgenossen weggemurmelt.

Da wird schon mal der Platz knapp und dann reicht's weder für die Gnade der späten Geburt noch kann man rechtzeitig zum Umbau der Gesellschaft, in der Gewissheit wirtschaftlicher Sorgenfreiheit, da sein. Wir waren politisch einfach unpünktlich.

Aber einem Konflikt Alt gegen Jung entgehen wir trotzdem. Die Babyboomer weigern sich nämlich einfach, älter zu werden. Wer das fünfzig Jahre lang schafft, der hält es auch noch fünfzig durch. Wir werden die Jüngsten 100jährigen. Und allen Gesundheits-, Renten-, Wirtschafts- und Reformreformen zum Trotz verweigern wir jegliches sozialverträgliche Frühableben, bilanzieren auch mit 100 und bestätigen uns gegenseitig die Minderwertigkeit nachfolgender, dann längst verhungerter, Beitragszahlerkohorten, à la vôtre.