Genug geredet

Engagement Sie würden gerne, aber wissen nicht wie? Möglichkeiten gibt es viele, wie man Flüchtlingen konkret helfen kann
Milena Fee Hassenkamp | Ausgabe 17/2015 6
Genug geredet
Wichtig ist für viele Flüchtlinge der Kontakt zu anderen
Foto: Jens Schlueter/Getty Images

Neben den vielen Menschen, die sich schon engagieren, gibt es viele weitere, die das gerne tun würden, aber nicht genau wissen, wie sie vorgehen sollen. Dabei ist es ganz einfach, sich für Flüchtlinge einzusetzen – jedenfalls in großen Städten wie Berlin, sagt Golde Ebding von Flüchtlinge Willkommen, einer Initiative, die Flüchtlinge in Privatunterkünfte vermittelt. In kleineren Orten komme man dagegen nicht so leicht an Informationen. Nicht jeder traut sich, einfach in die nächste Sammelunterkunft zu gehen und nachzufragen. Dieses Problem erkannte auch die freie Journalistin Birte Vogel und rief den Blog Wie kann ich helfen? ins Leben, in dem sie täglich neue Privatorganisationen in Deutschland vorstellt, bei denen man sich melden kann. Inzwischen findet man hier um die 160 Initiativen. „Es gibt so vieles, das die Kommunalen Behörden nicht leisten können, weil sie finanziell und personell an ihren Grenzen sind“, sagt sie. Wichtig sei für viele Flüchtlinge der Kontakt zu anderen. Helfen würde eigentlich alles, von der Kleiderspende bis zum Yogakurs.

Vor dem Engagement sollte man wissen, wie viel Zeit man in seine Tätigkeit investieren kann, ohne überfordert zu sein, und sich über die Verantwortung klar werden, die man im Umgang mit den Menschen übernimmt. „Spontane Hilfe wird oft enttäuscht“, sagt Bernd Mesovic von Pro Asyl, „weil man falsche Erwartungen hat“. Seit fast 30 Jahren engagiert er sich in der Arbeit mit Flüchtlingen. In den letzten eineinhalb Jahren sei die Zahl der Menschen, die helfen wollen, drastisch gestiegen. Viele wenden sich mit ihren Fragen an Pro Asyl. Hier erhält man Auskünfte über den Umgang mit Flüchtlingen und die Möglichkeiten von privatem Engagement. In der Regel verweist Pro Asyl auf die lokalen Flüchtlingsräte, die sich besser mit den ehrenamtlichen Tätigkeiten der Region auskennen oder rät, selbst in die Unterkünfte zu gehen. Auch das Bundesamt für Arbeit und Migration verweist auf lokale Vereine, die man auch über die Seite der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen finden kann. Caritas und Diakonie sind weitere Anlaufstellen.

Entschließt man sich, in eine Unterkunft zu gehen, kann man die Betreuer direkt fragen, was gebraucht wird: Sachspenden, Hausaufgabenbetreuung von Schulkindern, kostenloser Deutschunterricht, eine Übersetzertätigkeit, die Organisation von Freizeitaktivitäten oder Amtsbegleitung sind die gängigsten Angebote. Dann muss man entscheiden, was man selbst leisten kann. Für Sachspenden gilt: nicht einfach vorbeibringen, sondern nach Bedarf fragen. In Berlin nimmt das Landesamt für Gesundheit und Soziales Kleiderspenden entgegen und verteilt sie.

Wer sich noch stärker engagieren möchte, kann Menschen einen privaten Wohnraum anbieten. Dazu meldet man sich beim zuständigen Sozialamt, das genehmigen muss, dass der Flüchtling seine Sammelunterkunft verlassen darf. Außerdem finanziert die Behörde die Miete, wenn alle Anforderungen an die Wohnung erfüllt sind und der Flüchtling für den Wohnort ein Aufenthaltsrecht hat. Wie viel eine Wohnung kosten darf und welche Auflagen sie erfüllen muss, um vom Sozialamt übernommen zu werden, ist genau festgelegt. Bei einem positiven Beschluss schließt man entweder einen Mietvertrag mit der Behörde oder einen privatrechtlichen Vertrag mit dem Flüchtling. Private Organisationen wie Flüchtlinge Willkommen, schlagen vor, die Unterbringung andernfalls durch Spenden aus dem Freundeskreis zu finanzieren.

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06:00 23.04.2015

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