Georg Seeßlen
Ausgabe 0914 | 27.02.2014 | 06:00 181

German Rechthaberei

Fallstudie Thilo Sarrazin hat ein Buch geschrieben, das so kalt und weinerlich ist, dass es einem graust. Nicht einmal die eigene Bosheit kann es genießen

German Rechthaberei

"Was aber macht dieses Denken so attraktiv, das seine Gekränktheit und Krankheit gar nicht verbirgt?"

Foto: Reuters

Eigentlich möchte ich weder unhöflich noch indiskret sein, auch nicht gegenüber jemandem, den ich nicht mag. Aber bei Thilo Sarrazins aktuellem Buch Der neue Tugendterror gelingt es mir nicht, Ideen, Argumente, Polemik meinethalben zu entdecken, die sich nicht auf die Grundkonstanten der rechten Phantasmen zurückführen lassen: die Mischung aus ethnischem und kulturellem Überlegenheitsgefühl und gekränktem Narzissmus, gepaart mit Zuwanderungsängsten, der Furcht vor den anderen, die „unser Geld“ haben wollen, der Angst vor der Gebärfreudigkeit der Fremden, der Ablehnung der Gleichstellung von Mann und Frau, der Verteidigung des klassischen Familienmodells als „Keimzelle“ (Sarrazin), der Verachtung für alles „Gleichmacherische“ und „Linksliberale“, der Hass auf „Verharmloser und Schönfärber im harmoniefreudigen Müsli-Milieu“ (Sarrazin) etc. Das Buch enthält nichts, was dein lokaler Rechtspopulist um die Ecke nicht auch bei jeder Gelegenheit zum Besten gibt.

Allerdings hat es eine eigene Erzählhaltung. Es ist keine reine ideologische Propagandaschrift, vielmehr eine Mischung aus Bildungssplittern und selektierter Information, Bekenntnis und Zahlen, vor allem aber ist es eine persönliche Geste gegen seine Kritiker, die aus einer tiefen Kränkung zu stammen scheint. Sie liegt offenbar tiefer, als es die ach so bösen, unfairen und unsinnigen Kritiken hergeben, die Sarrazin über geschlagene 116 Seiten hinweg zitiert und zu widerlegen versucht. Offensichtlich hat er jeden noch so unbedeutenden Zeitungsschnipsel gesammelt, der ihn betraf. Ein Narziss im Spiegel seines Verfolgungswahns.

Es bleibt mir nichts anderes übrig, als dieses Buch wie eine Krankenakte zu studieren. Als eine erstaunlich präzise Wiedergabe einer deutschen Krankengeschichte. Man muss sich durch 340 radikal esprit-, fantasie- und humorlose Seiten kämpfen, um an einen biografischen Schlüssel zu gelangen: „In meiner Schulzeit war ich in einer recht links eingestellten Pfadfindergruppe. Bereits als ich zwölf oder 13 Jahre alt war, unterwies uns unser Sippenführer zum (sic!) Unterschied zwischen Histomat und Diamat und erklärte uns, weshalb eine Marktwirtschaft nicht funktionieren könne. Mir allein fiel die Rolle zu, gleichzeitig NATO und Kapitalismus zu verteidigen, denn alle anderen waren links. Später dann studierte mein Sippenführer Theologie und wurde evangelischer Pastor“.

Diskurs-Dadaismus

Man beginnt zu ahnen, warum es in Sarrazins neuem Buch nur so wimmelt vor „Linkspastoren“ und warum dieses „Ich allein“ zum Leitmotiv werden musste. Das Selbstbildnis des jungen Thilo Sarrazin setzt sich fort in einer Art des tragischen Verfehlens des eigenen Lebens: Er allein gegen die anderen; ein Rechthaber ist geboren. „Das war für mich aber nur der Beginn einer lebenslang währenden Diskussion mit überzeugten Wahrheitssuchern über die ganze Kette linker Themen“.

Der Rechthaber gegen die überzeugten Wahrheitssucher? Im richtigen Leben wäre es Zeit, das Lokal zu wechseln. „Deshalb kam ich im rot-grünen Berliner Senat auch mit den Vertretern der PDS so gut aus: Ich wusste, wie sie dachten, war immer dagegen und konnte es doch stets nachvollziehen“. Es ist ein Wesen des Rechthabers, dass er seine Feinde besser zu kennen meint, als er Freunde findet.

Und natürlich, dass ein Rechthaber immer im Dienst ist: „Außerdem kenne ich mehr Geschichten aus Tausendundeiner Nacht und mehr große Werke der europäischen und amerikanischen Literatur als vermutlich die meisten unserer Politiker und Journalisten“. Jeder Rechthaber war einmal ein Musterschüler. Genau gesagt verhält es sich wohl so, dass der Rechthaber unter anderem aus einem Musterschüler wird, der nicht genug Anerkennung bekommt.

Erfundener Feind

Der neue Tugendterror gewinnt aus dem schieren Gestus des „Ich habe recht und alle, die etwas was dagegen haben, sind Schurken, Wahnsinnige oder Verräter“ das einigermaßen geschlossene rechte Weltbild von einer Diktatur der linksliberalen Gleichmacher, einer „Medienklasse“, die von den „sogenannten 68ern“ abstammt, die es verbieten will, davon zu sprechen, „Deutschland und dem Deutschsein einen Eigenwert beizumessen“.

Kein ganz neuer Trick, sich einen Feind zu erfinden, damit man sich in eine Opferrolle wickeln kann. Der Tugendterror wird laut Sarrazin ausgeübt von „überzeugten Kommunisten, christlichen Missionaren, radikalen Umweltschützern, verbohrten Feministinnen und all jenen Vorkämpfern des islamischen Dschihad, die sich und andere irgendwo in der Welt in die Luft sprengen“. Das nennen wir, mit Thilo Sarrazin, „verständliche Sprache“.

Feministinnen, Christen, Kommunisten, Umweltschützer, Selbstmordattentäter ... (Übrigens, wussten Sie, was am Untergang des Römischen Reichs schuld war? „Der Geburtenreichtum“ der Christen.) Und noch eine Perle der Sarrazin’schen Wissenschaft: „So wie der Mops zu hundert Prozent vom Wolf abstammt, und jede einzelne seiner Gemütsregungen aus dessen DNA bezieht, so stehen der eifernde evangelische Linkspastor oder der mit der Wahrheit im Dienste der guten Sache freizügig umgehende Spiegel-Redakteur in der Tradition des zweitausendjährigen abendländischen Tugendterrors“. Derartiger Diskurs-Dadaismus verbirgt sich in einer endlosen Abfolge von Ich-Sätzen. (Und wenn’s hier nicht um Ernsteres ginge, wäre eine Stilblüten-Sammlung durchaus vergnüglich: „Menschen, die in Afrika südlich der Sahara leben bzw. von dort stammen, haben traditionell das gemeinsame Merkmal der schwarzen Hautfarbe.“)

Gekränktes Ego

Aber woher stammt diese erstaunliche Gier nach dem Rechthaben? Erst einmal etwas Oldschool-Psychologie: Eine Person will recht haben, weil sie sich nicht genug geliebt wähnt. Oder andersherum: Eine Person will recht haben, weil sie nicht lieben kann. Das Rechthaben ist eine abstrakte und erkaltete Form der Kommunikation, und wenn wir uns die Verschwörungstheorien und Verfolgungsfantasien in Der neue Tugendterror genauer ansehen, so geht es immer um die Abwehr des Emotionalen und des Empathischen.

Der Tugendterror, von dem Sarrazin spricht, dieses „Gleichmachen“, dieses hartnäckige Absehen von den naturgegebenen Unterschieden der Klassen, Rassen und Geschlechter, diese „linksliberale Medienklasse“, die er überall am Werk sieht – das ist eigentlich nichts anderes als das, was Sarrazins „linkstheologische“ Feinde „Liebe“, „Solidarität“ oder „Mitmenschlichkeit“ nennen würden. Die Nazis nannten es „Humanitätsduselei“. Was „die“ wollen, ist dem Rechthaber unerreichbar: „Harmonie“, „Wahrheit“, „Freude“, „Glück“ – alles Eigenschaften, die Sarrazin, wohlgemerkt, bei seinen Feinden sieht.

Auf der Tiefenstruktur von Der neue Tugendterror sehen wir einem Menschen dabei zu, wie er sich von seinen christlichen und humanistischen Restemotionen und -verpflichtungen befreien will. Aus seiner Empathieunfähigkeit macht er ein Weltbild. Neu ist das nicht.

Literarisches Idol der rechten Szene

Wenn man die Kommentare von Sarrazins Unterstützern von der rechtsextremen und xenophoben Szene zum Beispiel auf der Webseite Politically incorrect liest, gibt es immer wieder zwei Vorwürfe an das ansonsten verehrte literarische Idol. Der eine lautet, dass Sarrazin nur schreibt und nichts von all dem tut, was einer mit solchem Einfluss tun könnte, und der andere besteht in der offensichtlich völlig verständnislosen Reaktion darauf, dass Thilo Sarrazin immer noch in der, wie es in diesen Kreisen heißt, „Verräterpartei“ SPD ist.

Eben das mag man sich auch von der anderen Seite her fragen. Es ist das Unglückskonstrukt des Lebens von Thilo Sarrazin: Es gibt zwei widerläufige, nahezu gleich starke Impulse, nämlich einerseits „dazuzugehören“ zu einem Milieu, zu einer Firma, zu einer Kultur, und er muss andererseits zwanghaft dagegen sein, gegen alle anderen „recht zu haben“.

So war die politische und ökonomische Karriere von Thilo Sarrazin die endlose Wiederholung der Urszene: Immer war er der Mann am falschen Platz, immer suchte er sich den neuen Gegner (mit Hartmut Mehdorn bei der Bundesbahn, sagten die Kollegen, habe ihn eine „Dauerfeindschaft“ verbunden), immer stand der einsame rechte Rechthaber gegen alle anderen. Und wenn es schief ging, und es musste immer schiefgehen, dann waren natürlich immer die anderen schuld. Seit seiner Rolle des einsamen Rechthabers, die der junge Thilo Sarrazin gegen seinen linkstheologischen Sippenführer gefunden hat, hat dieser Mensch offensichtlich nicht mehr an sich gezweifelt.

Aber er war unentwegt gekränkt: „Meine Leistungen in 38 Jahren Dienst an Staat und Gesellschaft waren in den Medien stets nur auf mäßiges Interesse gestoßen“. Darin sieht Sarrazin ein Verbrechen gegenüber seiner Person, schließlich hat er als Berliner Finanzsenator „ein großes, aber auch sehr kontroverses Paket struktureller Einsparungen erfolgreich auf den Weg gebracht“ (mittlerweile wissen wir, wie das ging und welche Folgen das hatte – vom Golfplatz bis zum Verzocken des Geldes für den Nahverkehr). Niemand, außer dem Rechthaber, würde so hemmungslos egoman und selbstgerecht sprechen, doch der „darf“ das, weil er ja der Verfolgte ist.

Pfadfinder mit Zwangsneurose

Die Zwangsneurose, die jeder halbwegs erfahrene und psychologisch geschulte Berufsberater bei einem weniger exponierten Arbeitnehmer rasch als destruktiv für die eigene Arbeit wie für die Zusammenarbeit diagnostiziert hätte, führte zu einer steten Wiederholung der gleichen Katastrophe: Fleiß und Eifer (und die eine oder andere weniger sympathische Eigenschaft) führen den Rechthaber rasch auf der Karriereleiter nach oben, aber dort ist er ebenso rasch fachlich und, wie man so sagt, menschlich überfordert. Im Kern verhält er sich immer wieder, wie er sich in seiner Pfadfindersippe verhalten hat.

Und vieles ist dann in seiner Mischung aus Kleinkariertheit und Selbstüberschätzung absehbar: Wo es um wirkliche Macht geht, ist der Rechthaber bald extrem lästig, und die Dramen im Berufsleben des Thilo Sarrazin zeigen sich vor allem als zähe Abwehrkämpfe gegen die Bemühungen seiner Kollegen, ihn loszuwerden. Ohne jede Häme gesagt: Ein erfolgreiches, ein harmonisches Berufsleben sieht anders aus. Man muss sich Thilo Sarrazin als einen unglücklichen Menschen vorstellen.

Dieses Unglück ergibt sich aus dem Charakterbild des Rechthabers. Es ist ein Mensch, der sich zunächst nach Anerkennung, Zuwendung und Integration sehnt, eben dies alles aber verfehlt, weil er selber nichts davon geben kann, weil er Nähe, Verständnis und Berührung scheut. Wenn man ein Buch wie Der neue Tugendterror durchliest, es ist, wie gesagt, kein Vergnügen, dann fällt einem etwas auf: Es gibt in diesem Buch kein Wort der Sympathie, es gibt all diese linksliberalen, gleichmacherischen Feinde, und es gibt Menschen, die seinen Wert erkennen, aber es gibt keinen Freund.

Zahlenschwurbler

Es gibt oft tückische und verdrehte Beschimpfungen, aber kein Wort der Zuwendung zu irgendeinem anderen Menschen außer sich selbst. Wenn Thilo Sarrazin jemanden bewundert wie Oriana Fallaci für ihren verbalen Zornanfall nach 9/13, dann liest sich das so: „Ein Stahlbad der Sprache, eine klarsichtige, schonungslose Kritik nicht nur des islamischen Terrors, sondern auch der europäischen linksliberalen Medienklasse“. Sobald Tilo Sarrazin damit aufhört, sich hinter Zahlenschwurbel und seinem typischen Oberlehrer-Zeigefinger zu verstecken, und sobald er aufhört, sich zwischen Wehleidigkeit und Heimtücke gegen seine Kritiker zu positionieren, kommen ihm solche Sätze unter.

Das verbale Stahlbad gegen die europäischen linksliberalen Medienklassen, das muss einem erst einmal einfallen. Der Rechthaber braucht ein „gestähltes“ Denken gegen die Zumutungen der Gefühle und der Sinne, gegen die allfällige „Hexenjagd“ gegen ihn, die auch ins Private lappen muss: „Meine Frau verdankt es zu einem großen Teil ihrer robusten Konstitution und zu einem guten Teil meiner Unterstützung, dass sie über den unglaublichen Vorgängen um ihre Person, die durch mein Buch ausgelöst wurden, nicht psychisch erkrankte“. Selbst die eigene Ehefrau ist nichts anderes als Objekt des grotesk verzerrten Egos des Rechthabers. Nichts, wirklich gar nichts ist dem Rechthaber nicht Gelegenheit, sich selbst zu preisen.

Allerdings half der Frau ein eigenes Rechthaber-Buch mit dem Titel: Hexenjagd. Mein Schuldienst in Berlin. Auch sie war immer verfolgt und hatte immer recht. Aber, das versteht sich doch von selbst, „Reaktionen, soweit sie stattfanden, waren umso negativer, je linksliberaler das Medium war“. Echt jetzt.

Der Rechthaber argumentiert nicht, er akkumuliert. Was sein Rechthaben unterstützt, wird benutzt, gleichgültig welche Wertigkeit es hat, da gibt es keinen Filter, der das Unbedeutende vom Bedeutenden trennen könnte. Umgekehrt wird alles, was dem Feindbild nutzt, ebenso gesammelt, egal ob es überhaupt in den Kontext passt oder nicht. Daher muss in Der neue Tugendterror auch Sigmund Freud vorkommen, weil er etwas über das Tabu geschrieben hat.

Spirale von Kränkung und Denunziation

Der therapeutische Trick des gescheiterten rechten Rechthabers Sarrazin bestand in einem Buch, in dem seine Neurose zum System ausgedehnt wurde. In Deutschland schafft sich ab beschreibt er im Kern sich selbst, seine Ängste, sein endloses Winden in der Sehnsucht dazuzugehören und der Unfähigkeit zur Kooperation, dass aus ihm nichts mehr werden kann, weil die anderen so viele sind, weil dem Menschen, der doch recht hat, alle diese linksliberalen, linkstheologischen, „verbohrt feministischen“ „Gleichheitsapostel“ gegenüberstehen, die den Rechthaber um sein Recht bringen. Der neue Tugendterror ist nichts weiter als der Schatten von Deutschland schafft sich ab, die Spirale von Kränkung und Denunziation nur eine weitere Umdrehung gedreht.

Immerhin ist ein neuer Feind ausgemacht, nämlich die Nationale Armutskonferenz. Herr Sarrazin möchte die Dinge immer gern beim Namen nennen, und so ist ein Neger eben ein Neger und ein Wirtschaftsflüchtling ein Wirtschafstflüchtling: „Der Wirtschaftsflüchtling muss weder idealisiert noch verteufelt werden, er muss aus Sicht der deutschen Interessen schlicht verhindert werden“. Und: „Die NAK will offenbar die Benennung des Problems verhindern“. Warum? „Wahrscheinlich gehört sie zu jenen, die der Auffassung sind, dass eigentlich alle armen Menschen in der ganzen Welt mindestens einen moralischen Anspruch auf die deutsche Grundsicherung haben“. Heimtückischer kann man mitmenschliche Gleichgültigkeit kaum ausdrücken.

Der Rassismus des rechten Rechthabers will auf eine rassische Ordnung der Welt hinaus, und die wiederum bezieht sich auf eine simple Grundidee, nämlich die, dass es zwischen den Menschen, den Geschlechtern, den Rassen, schließlich auch den Klassen eingeschriebene Unterschiede gibt. Alles, was diese rassische Ordnung der Welt stört, ist der Feind. Wären nämlich die „Gleichmacher“ und „Tugendterroristen“ zum Schweigen gebracht, ja, dann wäre der, der qua Bestimmung doch was Besseres als die anderen ist, endlich am rechten Ort.

Der Rassismus ist im Kern eine logische Folge der Rechthaberei, und eine weitere logische Folge ist der Verfolgungswahn. Und das vierte Symptom dieser deutschen Krankheit ist die Monomanie, Sarrazin wiederholt immer wieder die gleichen Modelle und Phantasmen, es läuft sogar immer wieder auf die gleichen Worte hinaus, 388 Seiten lang. Eine trostlose Müdigkeit befällt einen nach der Lektüre.

Held und Märtyrer

Was aber macht dieses Denken so attrakiv, das seine Gekränktheit und Krankheit gar nicht verbirgt? Es ist zum einen, natürlich, die Komplexitätsreduzierung. Wer Sarrazin liest, darf glauben, dass die Dinge einfach sind. Sarrazin schreibt wie ein Lehrer, der weder die Intelligenz noch die Fantasie seiner Schüler hoch einschätzt, wohl aber ihre Verführbarkeit durch alles kennt, was Autorität und Ordnung verspricht. Der glaubt, dass man noch das dümmste Vorurteil pflegen darf, weil man es irgendwie durch Wissensautorität oder durch Zahlen unterstützen kann.

Es ist zum anderen ein Jive, der das Oberlehrerhafte des Rechthabers mit den Anbiederungen eines Kneipengesprächs versetzt. Schließlich ist es die Selbststilisierung als Held und Märtyrer. Der Rechthaber bietet sich selbst als Rollenmodell an; in ihm sollen all die Gescheiterten triumphieren, die für ihr Scheitern die anderen verantwortlich machen. Er bietet ein einfaches Modell: Man kann das System, in dem man so kläglich scheiterte, trotzdem akzeptieren, wenn man nur die richtigen Feindbilder hat.

In Sarrazin hat der Populismus in Europa auch insofern ein sehr, sehr deutsches Gesicht, als es aus performativer Lustlosigkeit entsteht. Die Rechtspopulisten ringsum, in der Schweiz, in Frankreich, in Italien etc., zeigen ein lebenslustiges, oft schon dionysisches Gesicht. Sie genießen ihre Bosheit, so viel steht fest. Nicht so dieser „hölzerne Finanzfachmann mit seinen Vorurteilen“ (Richard David Precht), dessen Erfolg offensichtlich genau mit dieser bewussten Selbstreduktion zusammenhängt.

Der Rechthaber verwandelt sein eigenes Unglück in eine rhetorische Figur. Ich bin nicht der Mensch, der ich sein könnte, sagt der Rechthaber, ich konnte „die im Menschen selbst begründeten Unterschiede“ (Sarrazin) nicht zu meinen Gunsten einsetzen. Schuld sind all jene, die diese Ordnung der Unterschiede infrage stellen: Die Kommunisten, die Frauen, die Christen, die 68er, die Terroristen, die „Linksliberalen“, die harmoniesüchtigen Gleichmacher. Die sind schuld daran, dass wir uns vor dem Islam fürchten müssen, wo sie doch wissenschaftlich bewiesen ist, „die Unterlegenheit der Muslime in Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft – kurz bei allem, worauf es in der modernen Welt ankommt“.

Es ist unnütz zu sagen, dass ein gekränkter Narziss und rechter Rechthaber wie Thilo Sarrazin, so wehleidig er auf Kränkungen reagiert, die ihm eingebildet oder tatsächlich beigefügt wurden, so hemmungslos und aggressiv auf jene Mitmenschen einschlägt, die entweder Feinde oder in ihren „im Menschen selbst begründeten Unterschieden“ abwertbar sind. Der neue Tugendterror ist das unchristlichste Buch, das ich je gelesen habe. Dass es auch zu den dümmsten gehört, macht das nicht besser.

Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland Thilo Sarrazin DVA 2014, 400 S., 22,99 €

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 09/14.

Kommentare (181)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 27.02.2014 | 09:52

Es bleibt mir nichts anderes übrig, als dieses Buch wie eine Krankenakte zu studieren.

Aus seiner Empathieunfähigkeit macht er ein Weltbild. Neu ist das nicht.

... hemmungslos und aggressiv auf jene Mitmenschen einschlägt, die entweder Feinde oder in ihren „im Menschen selbst begründeten Unterschieden“ abwertbar sind

auch "krankenakten" können durch die richtige lesart unterschiedlich wirken ... danke ... für mich hat es sich ihre "arbeit" gelohnt;)))

noch eine assoziation von mir zu brecht:

Die Abenteurer mit dem kühnen Wesen
Und ihrer Gier, die Haut zum Markt zu tragen
Die stets so frei sind und die Wahrheit sagen
Damit die Spießer etwas kühnes lesen

Wenn man sie sieht, wie das am Abend friert
Mit kalter ... schon zu Bette geht
Und horcht, doch niemand klatscht und nichts versteht
Und trostlos in das Jahr 5000 stiert

Jetzt frag ich sie nur noch, ist das bequem?
Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm.

Ich selber könnte mich durchaus begreifen
Wenn ich mich lieber groß und einsam sehe
Doch sah ich solche Leute aus der Nähe
Da sagt ich mir: das musst du dir verkneifen

„Die Wahrheitssucher mit dem kühnen Wesen
Und ihrer Gier, die Haut zum Markt zu tragen
Die stets so frei sind und die Wahrheit sagen
Damit die Spießer etwas Kühnes lesen:
Wenn man sie sieht, wie das am Abend friert
Mit kalter Gattin stumm zu Bette geht
Und horcht, ob niemand klatscht und nicht versteht
Und trostlos in das Jahr 5000 stiert:
Jetzt frag ich Sie nur noch: Ist das bequem?
Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm.“
„Die Wahrheitssucher mit dem kühnen Wesen
Und ihrer Gier, die Haut zum Markt zu tragen
Die stets so frei sind und die Wahrheit sagen
Damit die Spießer etwas Kühnes lesen:
Wenn man sie sieht, wie das am Abend friert
Mit kalter Gattin stumm zu Bette geht
Und horcht, ob niemand klatscht und nicht versteht
Und trostlos in das Jahr 5000 stiert:
Jetzt frag ich Sie nur noch: Ist das bequem?
Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm.“

„Die Wahrheitssucher mit dem kühnen Wesen
Und ihrer Gier, die Haut zum Markt zu tragen
Die stets so frei sind und die Wahrheit sagen
Damit die Spießer etwas Kühnes lesen:
Wenn man sie sieht, wie das am Abend friert
Mit kalter Gattin stumm zu Bette geht
Und horcht, ob niemand klatscht und nicht versteht
Und trostlos in das Jahr 5000 stiert:
Jetzt frag ich Sie nur noch: Ist das bequem?
Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm.“

Avatar
Ehemaliger Nutzer 27.02.2014 | 10:20

Ich versteh gar nicht, wieso man sich damit so ausführlich beschäftigen sollte. Mich hat nur interessiert, ob er irgendwas Neues aufs Tapet gebracht hat. 2 Minuten in der ortsansässigen Buchhandung haben mir gezeigt, dass es nicht so ist. Wies ihm persönlich geht, ist mir eigentlich egal.

Wieso sich drüber ereifern und auch noch Werbung machen für einen Neuaufgus des ersten Buches? Von mir kein Beitrag mehr zum Sarrazin-Hilfsfonds.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 27.02.2014 | 11:36

Oldschool Psychologie?! äh, das ist gar keine Psychologie. Rechthaberei ist als Persönlichkeitsmerkmal nicht erfasst. Eine Korrelation von Rechthaberei mit mangelnder Liebe auszurufen ist Senf.

Ich steig bei dieser Selbstmade"psychologie", die den anderen mit pseudowissenschaftlcihem Anstrich lediglich diffamieren möchte, komplett aus. Ein echter Sarrazin-Mechanismus könnte man sagen, er diffamiert ständig andere mit wissenschaftlichen Zahlen, die unwissenschaftlich verwendet werden. Und hier werden psychologische Konzepte einfach freihändig erfunden, um deutlich zu machen, wie scheiße der andere ist. Na super.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 27.02.2014 | 11:48

Was noch los ist bei uns? Ich höre, dass der Intendant des Berliner Ensemble Thilo Sarrazin als Gesprächsgast einlädt, um über den in Deutschland herrschenden Meinungskonformismus, also den Feind der Demokratie, zu diskutieren. Nun hätte man Claus Peymann gerne dazu gratuliert, wenn er seinerzeit nach dem Auffliegen des NSU den Meinungskonformismus in unseren Ermittlungsbehörden diskutiert hätte, denn dort war man über ein Jahrzehnt, Bundesländer und Ermittlungsbehörden übergreifend einer Meinung. Nämlich: Selbst ein toter Türke ist kein Opfer sondern ein Täter. Weshalb man, immer wenn ein Türke abgeknallt wurde, im Wesentlichen in der Familie des Türken ermittelte und den Hinterbliebenen das Leben zur Hölle machte.

Nun aber wird Thilo Sarrazin eingeladen, damit er allen Ernstes „den in Deutschland herrschenden Meinungskonformismus in Deutschland“ beschreiben darf. Hier wird der Meinungskonformismus – übrigens ein Merkmal von Diktaturen – als Befund gar nicht erst in Frage gestellt, sondern als Zustandbeschreibung und Ausgangspunkt der Diskussion markiert. Soll Thilo öffentlich verteidigt werden, weil er sich in seiner Freiheit bedroht sieht, Muslime zu kritisieren?

Man möchte rufen: Du kannst in diesem Land Muslime nicht nur als genetischen Müll deklarieren, sondern als Nazi im Hauptberuf abknallen, ja Du kannst sogar als vom Staat bezahlter Verfassungsschützer in diesem Land so unbeeindruckt von Anblick eines Moslems sein, der gerade in seiner Blutlache krepiert, dass du anschließend felsenfest behaupten darfst, dass du den Anblick vergessen hast und weiterhin unbehelligt Dienst schieben.

Wieviel Freiheit brauchst Du noch, Sarrazin?

Nun beherbergt also Peymann den Sozialdemokraten Sarrazin, damit dieser den aktuellen Zustand seiner Hirntätigkeit öffentlich zur Schau stellen darf – eigentlich auch eine Menschenrechtsverletzung – aber irgendwie auch ein Beitrag zum Antirassismus.

http://kolumne.gorki.de/kolumne-9/

Exilant 27.02.2014 | 12:34

Ob es sich um Rechthaberei handelt, mag dahingestellt sein.

Ich glaube eher an rechtspopulistisches Kalkül und Bedienen von rechten Klischees; desweiteren kann man mit einem Buch ja auch Geld verdienen. Daß Eitelkeit dazukommt, ist klar.

Das Verschieben des Pendesls nach rechts, kam doch schon vor seinem ersten Buch "Deutschland schafft sich ab."

Schröders Agenda-Rede war im März 2003.

Und schon Ende der 90er Jahre begann das Roll-back in den Wilhelminismus. Sarrazin ist m.E. nur auf den fahrenden Zug aufgesprungen.

MäkkaHex13 27.02.2014 | 13:59

mein Kind (damals 10) hat spontan bei einem Bericht über sein1. Buch, in einer Talk.show gesagt:

mama, der ist doch verrückt, sehen das die Leute nicht? Schau dir doch mal seine Augenbewegungen an und seine Sprache!

ich finde dem ist nix hinzu zu fügen

beziehungsweise: Warum kriegt dieser Mann soooooo viel mediale Aufmerksamkeit, incl kostenloser PR?

es gibt tolle Sendungen, tolle Artikel, tolle Bücher und kein Medium macht Lawinenartig kostenlose Werbung!

sagt das nicht vie über den Untergang unseres Dichter- und Denkerlandes?

rosi 27.02.2014 | 17:10

Sehr schön und detailliert anhand des Buchmaterials ausgearbeitet. Richtig, richtig gut, finde ich.

"ich finde dem ist nix hinzu zu fügen"

Fast, doch ich finde noch was ;)

Wenn ich Sarrazins der Öffentlichkeit zugängliches Schaffen zusammenfasse (also über den Inhalt seiner Bücher hinweg), müsste man m.E. eher dazu tendieren, er hätte möglicherweise die Schwelle zum Soziopathen schon überschritten. Zumindest fehlt mir vor dem Narziss das Wort «maligner», denn die Grenze zum Sozipathen ist hierbei fliessend. Fast nicht auszumachen und darüber streitet sich die Fachwelt. Einziges Unterscheidungsmerkmal soll sein: ein Rest an Empathie, was jedoch überwiegend für den eigenen Vorteil, vorzüglich taktiiert eingesetzt, genutzt wird. Dafür ist mir Sarrazin einfach zu grobschlächtig, sehr keine ausgefeilte Taktik.

Denn das hier:

http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/leute/In-seinen-Ohren-klingt-Vaters-Sozialkritik-wie-ein-Hohn/story/28324524?track

muss man als Vater (und Mutter) erst einmal bringen. Dies dürfte für einen "normalen" Narzissten schon eine Nummer zu hart sein. Und mir ist nicht bekannt, diese Grenze würde derart oft von Narzissten überschritten. Nein, nein, sicherlich nicht aus echter Warmherzigkeit, doch achtet der Narziss im allgemeinen sehr auf den äusseren Schein seiner Gutmenschen-Rolle und er lässt eher selten eine (familiäre) Strippe freiwillig aus seinen Fingern.

Kann aus dem Artikel nicht ableiten, der Sohn hätte sich vollends vom Vater losgesagt (wobei das häufig nicht einmal etwas nutzt), klingt eher nach einer kompletten Verstoßung.

Es ist für den Narziss von Nutzen, ein Familienbild gesund wirken zu lassen und/oder in die Rolle des aufopferungsvollen Vater gegenüber dem undankbaren Sohn zu schlüpfen , um den Rahmen des sorgsam aufgebauen Erscheinungsbildes nicht zu verletzen. Hier opfert sich elternseits jedoch niemand mehr.

Weiterhin hat (soll) der Narziss noch so viel an Empathie zur Verfügung, um rational einschätzen zu können, wie solch ein Verhalten von Betrachtern interpretiert wird, sie lernen auch schnell dazu. Das fehlt mir an allen Ecken und Enden bei Sarrazins gezeigten Verhalten. Deswegen bezweifle ich jeden Rest von Empathiefähigkeit.

Wenn ich die unklare Familiengeschichte noch mit hinzu nehme und davon etwas für wahrscheinlich setzen könnte:

http://studiengruppe.blogspot.ch/2013/01/von-gutsnachbarn-zu-geistesnachbarn.html

sollte es spätestens dann gruselig werden. Ist das «Familientradition».

Verknüpft man den Freitag-Artikel, die fämiläre Situation zusätzlich noch mit einem anderne beispielhaften Vorfall:

http://www.berliner-kurier.de/kiez-stadt/berliner-steuer-euro-sarrazin--150-mio-in-4-minuten-verzockt,7169128,26327848.html

wird die Sache m.E. richtig rund bzw. meine Meinung erhärtet sich. Soziopathen kümmern sich einen Scheixx darum, was mit dem Geld der anderen passiert (gut, das interessiert Narzissten auch nicht). Das gilt sowohl für eine sorgfältige Prüfung im Vorfeld sowie sie sich niemals dazu verpflichtet fühlen, sich an einer Schadensbegrenzung zu beteiligen.

So verwundert es m.E. wenig, wenn Sarrazin sich nicht dazu veranlasst fühlt, sich als Zeuge vor Gericht zu bemühen und statt dessen lieber seine Bücher verkauft. Gehe jedoch davon aus, ein Narzisss hätte an dieser Stelle eher dazu tendiert, den großen Retter zu spielen.

Wie sehr Sarrazin damit seinen Ruf gefährdet, wie solch eine Ignoranz gegenüber den Belangen der BVG und Gegenüber dem Gericht nebst Verfahren wirkt, dürfte er nicht bedacht haben.

Diese grenzenlose Skrupellosigkeit, mangelde Lernfähigkeit genrell und gegenüber gesellschaftlichen Reaktionen, fehlende Feinmotorik in der Taktig, gepaart mit fehlendem Risiko- und Schuldbewusstein ist es, was mich mehr dazu hin tendieren lässt, gleich einen Soziopathen anzunehmen.

Ein Narziss tackiert, lotet mehr aus. Er weiß genau, wie er die Klippen umschifft, die ihn enttarnen würden bzw. in einem sehr schlechten Licht dastehen lassen (dafür ist sein Rest an Empathie sehr nützlich und bekannt). Sarrazin dagegen taktiert aus meinen Betrachtungswinkel nicht, er fährt gleich wie eine Straßenwalze über alles hinweg.

"Warum kriegt dieser Mann soooooo viel mediale Aufmerksamkeit, incl kostenloser PR?"

Tja, darauf reagiert die Gesellschaft gespalten und ein klassisches Beispiel für die überall in der Literatur, fast schon als magisch beschriebene Anziehungskraft solcher Charkatere. Ausgerechnet das macht sie so gefährlich. Ignorieren ist m.E. keine Option, weil sie es trotzdem schaffen, ihre Fangemeinde um sich scharen und sammeln. Es besteht immer die Gefahr, dass sich dies zu einer bedenklich Masse vergrößert, also sollte man das im Auge behalten.

Ein Blick auf die Verkaufszahlen und/oder z.B. die unter Augsteins Artikel zu lesenden Kommentare dürfte dazu ausreichen. Er hat viele Fans, das dürfte unbestritten sein. Dagegen anzunehmen, er hätte sich jetzt damit für seine Fans demontiert, halte ich für Wunschdenken, geboren aus logischen Prozessen. Doch mit Logik hat das nichts zu tun.

Die Gesellschaft spaltet sich auf, in die Bewunderer, die man beinahe schon Verehrer nennen könnte und ihn jene, die vollends davon abgestoßen werden. Wenn man von der Fazsination, die Böses generell auf Menschen ausübt absieht, wird es dazwischen wenig Betrachtungsspielraum geben.

Auf jeden Fall bin ich mir sicher, dass er für die Analyse ein höchst interessanter Charakterfall sein wird.

"sagt das nicht vie über den Untergang unseres Dichter- und Denkerlandes?"

Ach, ich finde, das sagt mehr aus über die Menschheit. Denn die Faszination des Bösen beschränkt sich mitnichten auf die Nation Deutschland.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 27.02.2014 | 19:59

Mir graust es, wenn ich diesen Artikel lese und die Kommentare. Warum geht denn niemand auf Herrn Sarrazins Thesen ein? Nichts als eine Herabsetzung des Menschen Thilo Sarrazin. Warum denn sachlich, wenn es auch persönlich geht? Die linke Herrenrasse ernennt Sarrazin und seine Anhänger zu rechten Untermenschen. Das ist im Kern die Einstellung, die man sonst den Rassisten unterstellt.

fegalo 27.02.2014 | 22:45

Herr Sesslen liest Sarrazins Buch also wie ein Krankenakte. Insgesamt besteht sein Artikel hauptsächlich aus psychologischen Unterstellungen und daran geknüpften Verurteilungen der Person Thilo Sarrazins. Nun behauptet der Autor, das Buch gelesen zu haben, in dem Sarrazin zufällig genau das Thema aufgreift und expliziert, wie derzeit in Deutschland unliebsamen Meinungen in der Öffentlichkeit von linker Seite statt mit Argumenten eher mit Angriffen ad hominem bzw. mit Versuchen der persönlichen Diskreditierung der sie äußernden Personen begegnet wird.

Jeder, dem an einem fairen und vernünftigen öffentlichen Diskurs gelegen ist, muss sofort zustimmen, dass solche Methoden eines vernünftigen Diskurses unwürdig sind und sich verbieten in einer Öffentlichkeit, die beansprucht, „aufgeklärt“ zu sein.

Von daher ist es hochgradig erstaunlich, dass der Rezensent sich in solch atemberaubendem Ausmaß gerade dieses Vergehens gegen die Kultur des öffentlichen Diskurses schuldig macht, welches Sarrazin so ausführlich und wohl begründet darstellt und kritisiert.

Wie kann man im Anschluss an die Lektüre gerade dieses Buches eine regelrechte Karikatur dessen abliefern, was Sarrazin in Übereinstimmung mit jeglicher aufgeklärter Vernunft völlig zu recht als Unkultur darstellt?

Hier: Das Herabsetzen der Person mittels küchenpsychologischer Analysen und die Unterstellung minderwertiger Motive statt der Diskussion von Thesen?

salvo 28.02.2014 | 09:08

Diese rein 'psychologische' Auseinandersetzung mit Sarrazin läuft auf eine Verharmlosung seines Diskurses hinaus. Denn sie führt ihn auf eine persönliche Pathologie zurück, der abgeholfen werden könnte, wenn der Betroffene behandelt werden würde. Das ist ein schwerwiegender Fehler, der vielleicht auf die Harmonieshensucht des Autors zurückgeführt werden kann. Indem Sarrazin pathologisiert wird, wird er gleichsam aus einer sonst gesunden Gemeinschaft ausgeschlossen, als hätte er mit ihr nichts zu tun. Nein, Sarrazins Persönlichkeit und Diskurs sind vielmehr Ausdruck einer tief angelegten kollektiven Störung der deutschen Gesellschaft, welche strukturell niemals das verabeitet hat, geschweige denn überwunden, was in Vernichtungskriegen und Holocaust geführt hat. Sarrazin ist eben keine pathologische Ausnahme, als er genau das immer wieder anspricht, was - nach Lacan zu sprechen - die grundlegende Phantasie der deutschen Gesellschaft ausmacht, das, was sie mit nur dem historisch aber nicht strukturell untergegangenen Nazi-Deutschland verbindet.

karamasoff 28.02.2014 | 12:03

Sarrazins Mumpitz wird nur noch vom Mumpitz aus "Mein Kampf" übertroffen.

Ob das nun von einem Psychopathen oder sonstwie geistig und seelisch gestörten Menschen kommt, ist für mich unherblich. Unerheblich sind aber nicht seine logischen und kommunikationstheoretischen Fehler und die Reaktionen der Claqueure, da kann ich SALVO nur rechtgeben in seiner Schlussfolgerung. Dazu kommt noch die Eigenart vieler Bürger, daß nur der Experte mit Abschlussbescheinigung Stellungnahmeberechtigt ist, alles andere hülle sich gefälligst in Untertanenschweigen oder ergebe sich tunlichst in kritiklosem Untertanenapplaus unter Zuhilfenahme von Hinweisschildern, die auf das Feindbild zeigen. Ich führe die These von Salvo sogar weiter und behaupte, daß durch die Pathologisierung des Gegners die eigene UND die des Gegners relativiert und damit ausgelöscht werden soll.

Strukturell ist das nichts anderes als formuliertes Schweigen, analog dem Schweigen welches mit "damit muss doch endlich mal Schluss sein" eingefordert wird, sobald MIT RECHT zum x-ten Male die Geschichte des dritten Reiches in den Medien analysiert oder geschildert wird.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 28.02.2014 | 13:59

"Das Herabsetzen der Person mittels küchenpsychologischer Analysen und die Unterstellung minderwertiger Motive statt der Diskussion von Thesen?"

Sarrazin weiß wovon er schreibt. Er kennt seine Leser ganz genau. Das macht ihn als Bestseller aus. Niemand würde seine Bücher lesen, wenn er sich nicht mit dieser Rhetorik auf sie zu bewegte.

Die einzige Möglichkeit, ihn aus dem Verkehr zu ziehen, wäre die forensische Sicherungsverwahrung. Aber dann nur deshalb, weil er eine Gefahr für sich selber darstellt. Juristisch ist ihm nicht beizukommen.

Also muss man ihn dafür erst einmal psychologisch fertig machen. Wie man so was bewerkstelligt, beweist auch das Vorstehende.

Das kann kein normaler Mensch auf Dauer aushalten. Besonders dann nicht, wenn er wahrheitsbesessen ist.

Henry Cekano 28.02.2014 | 17:12

Vorsicht! - Leute, die andere Leute Rechthaber nennen sind weit überwiegend - also nicht immer (!) - selbst Rechthaber. Einfach, weil sie unterstellen, dass die von ihnen ausgemachten Rechthaber eben nicht Recht haben, für sich selbst aber in Anspruch nehmen, dass sie Recht haben, wenn sie dieses feststellen. - Meist liegen solchen Konstellationen unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten zugrunde, die nicht selten in grotesken Exzessen enden. - Für Beobachter fast immer eine interessante, weil anschauliche Darbietung des Gegenteils einer weiterführenden Diskussionskultur.

fegalo 28.02.2014 | 19:24

Sesslen: Der Rassismus des rechten Rechthabers will auf eine rassische Ordnung der Welt hinaus, und die wiederum bezieht sich auf eine simple Grundidee, nämlich die, dass es zwischen den Menschen, den Geschlechtern, den Rassen, schließlich auch den Klassen eingeschriebene Unterschiede gibt. Alles, was diese rassische Ordnung der Welt stört, ist der Feind.

Es fasziniert mich immer mehr, wie ein Autor womöglich einzig aufgrund der Art und Weise, in der er simple Tatsachen benennt, regelrecht paranoide Gegenreaktionen erzeugen kann. Ich will nicht einmal ausschließen, dass Sarrazin verstanden hat, mit welchem Duktus er seine Gegner auf die Palme bringen kann, aber dass diese dann über jedes hingehaltene Stöckchen springen, ist wiederum für diese bezeichnend.

Hier – nicht nur im Artikel, sondern auch in den Kommentaren - wird in irren Assoziationswolken von „Rassismus“, „Vernichtungskriegen und Holocaust“ (Salvo), „Mein Kampf“, „Psychopath“ (Karamasoff) etc. schwadroniert, doch niemand ist imstande, auch nur ein Zitat aus Sarrazins Büchern beizubringen, das einen sachlichen Bezug zu solchen Assoziationen herstellen könnte.

Statt dessen wird unverhohlen gefordert:

„Also muss man ihn dafür erst einmal psychologisch fertig machen.“ (Helmut Pirkl).

Fühlt sich hier eigentlich niemand hier den Spielregeln des rationalen demokratischen Diskurses verpflichtet?

weinsztein 01.03.2014 | 02:36

Diese "Angst vor der Gebärfreudigkeit der Fremden, der Ablehnung der Gleichstellung von Mann und Frau, der Verteidigung des klassischen Familienmodells als „Keimzelle“ (Sarrazin), der Verachtung für alles „Gleichmacherische“ und „Linksliberale“, der Hass auf „Verharmloser und Schönfärber im harmoniefreudigen Müsli-Milieu“ (Sarrazin) etc. Das Buch enthält nichts, was dein lokaler Rechtspopulist um die Ecke nicht auch bei jeder Gelegenheit zum Besten gibt."

Genau so sehe ich es auch.

Dass Sarrazin politisch seit Jahrzehnten in der SPD seine Heimat hat, die Partei ihn duldet, macht diesen Mann wie zugleich auch seine Partei sehr flexibel.

In welcher anderen Partei könnte Sarrazin politisch, dauerhaft als Mitglied, überleben?

Ratatörskr 01.03.2014 | 09:47

Nun gibt es Zitate genug, auch hier im Artikel, die das so didifamierte "Schwadronieren" unterlegen. Aber ich habe noch kein einziges stützendes Zitat der pro Sarrazin-Schwadronierer gelesen.

Mit der redlichen Absicht, diesen Schreiber verstehen zu wollen, habe ich mir seine Bucheinleitung angesehen und nach zwei Seiten eigentlich schon die kritisierte Linien seines Denkens bestätigt gelesen. Der Aufhänger ist das Spiegelinterview aus 2012 mit 3 jungen Persern und die Unfähigkeit Sarrazins, sich damit sachlich auseinanderzusetzen. Mehr habe ich mir nicht zugemutet und dachte in meinem "ungleichen Hirn", dass dies Buch eher den Titel " Der neue Dummterror" verdient.

Ich wollte die Einleitung als Einführung in sein Thema verstehen. Als besonderes Sprachmanko empfinde ich seine Unfähigkeit über den Sprachgeist der Begriffe, Menschen, Rasse, Herrenmensch, Untermensch, Unmensch nach unserer speziell deutschen Geschichtsepoche nicht anzudenken und nicht zu verstehen. Vielleicht sollte er weniger fremdlesen, aber selbst denken.

seriousguy47 01.03.2014 | 13:29

Da ich kein Interesse daran habe, Sarrazins Bücher zu kaufen oder zu lesen, kann ich nur über Links (s.u.) wenigstens ein Stück weit nachvollziehen, um was sich der Beitrag dreht.

Seeßlens "Fallstudie" finde ich unsäglich. Nicht zuletzt wäre sein inkompetenter Gebrauch (tiefen)psychologischer Begriffe Anlass genug, so etwas nicht im FREITAG abzudrucken.

So wird der Begriff der Zwangsneurose mindestens bis an seine Grenzen überdehnt, ohne dass man ihn als „politisch“ gemeint qualifiziert. Ähnlich ergeht es dem Begriff der Urszene, der hier weder in seinem ursprünglichen, allenfalls ziemlich platt in einem weiterentwickelten Sinne :

Each time a child is not held when he needs to be, each time he is shushed, ridiculed, ignored, or pushed beyond his limits, more weight will be added to his pool of hurts. This pool I call the Primal Pool. Each addition to his pool makes the child more unreal and neurotic.

As the assaults on the real system mount, they begin to crush the real person. One day an event will take place which, though not necessarily traumatic in itself--giving the child to a baby sitter for the hundredth time - will shift the balance between real and unreal and render the child neurotic. That event I call the major Primal Scene.“

Pubertären (vorpubertären) Widerstand gegen linke Indoktrination als eine solche Urszene zu behaupten, ohne wenigstens das Adjektiv „politisch“ anzufügen, scheint mir schon ziemlich missbräuchlich und übergriffig. Wenn die entsprechende Sarrazinsche Aussage schon kritisch angeschaut werden soll, dann wäre doch wohl eher zu fragen, was davon zu halten ist, dass der Beginn einer lebenslangen politischen Auseinandersetzung auf das 12. bis 13. Lebensjahr datiert wird. Das scheint mir als ehemaligem Lehrer dann doch sehr merkwürdig.....

Wenn der Begriff des Populismus angebracht ist, dann - in einer "linken" Variante - bei Seeßlen. Demagogik (unter der Gürtellinie) pur.

Solche sehe ich bei dem, was ich über die u.a. Links*) von Sarrazin lesen kann, bei Sarrazin selbst nicht. Ich könnte ihn mir auch nicht als "Volksverfüährer" vorstellen. Mal abgesehen davon, dass das "Volk" solche Bücher ohnehin nicht liest. Es ist wohl eher ein rechtskonservatives Bürgertum, dem es an der gewünschten politischen Nahrung mangelt.

Vielleicht dient das Sarrazinsche Geschreibe denn auch dem Abstellen eines tatsächlichen Mangels: dem Mangel an salonfähigem rechtskonservativem Gedankengut.

Aus historischen Gründen mag das offizielle politische Denken in der Tat gefühlt erst in der linken Mitte beginnen (von rechts gefühlt). Dagegen steht das überlebende rechtsradikale Denken, dem im Zweifel und aus polemischen Gründen auch der Rechtskonservatismus zugerechnet wird, weshalb letzterer sich möglicherweise nie als eigenständige, salonfähige Richtung etablieren konnte.

So betrachtet wäre Sarrazins vorgebliche "Weinerlichkeit" möglicherweise von der Wirklichkeit gedeckt und sein Versuch, eine eigenständige rechtskonservative Perspektive zu etablieren, nachvollziehbar.

Vielleicht täte es der Republik auch gut, wenn dieses Denken bei uns so normal würde wie in anderen westlichen Ländern. Gefährlicher könnte die seitherige Strategie sein, alles Rechte den Rechtsradikalen zuzuordnen.

Ebenso gefährlich könnte es sein, sich mit Sarrazin nicht auf der Sachebene auseinanderzusetzen, sondern ihn teilweise ziemlich unterirdisch zu diffamieren. Mir scheint, er nimmt sich durchuas zu Recht als "Opfer" war und Seeßlens "Fallstudie" liest sich über weite Strecken als Bestätigung desssen, was Sarrazin beklagt. Gutmensch gegen Schlechtmensch. Nur, wer jeweils was ist, ist schwer auseinanderzuhalten.

Übrig bleiben die Sarrazin-Leser, die sich unkommentiert & unkritisert Sarrazinschen Behauptungen gegenüber sehen, die ihnen treffend scheinen. Gleichzeitig erleben sie eine Kritik an Sarrazin, die in Wahrheit ein Niedermachen ist und zur Solidarisierung mit dem Opfer einlädt.

Erst so wird Sarrazin so richtig gefährlich.

*)

https://www.freitag.de/autoren/buerger/im-hamsterrad-gefangen/@@view#1393675292715706

Sarrazins Kampf gegen den vermeintlichen «Tugendterror»

"Multikulti-Freaks blenden Blutrache und Christenverfolgung aus"

karamasoff 01.03.2014 | 15:11

"Deutschland schafft sich ab"

Alleine der Titel strotzt vom für unkritische und nichtgebildete Leser gefährlichenHerumhantieren mit Unwissen, logischen Fehlern und suggestiven Strukturen (psychologische und kommunikationstheoretisch)

Dieser Titel ist entweder mit Absicht oder ohne genau so geschrieben und gewählt worden. Da kann niemand Sarrazin herausschwadronieren (meistens sogar noch mit genau den gleichen Methoden). Es ist nichts anderes als nicht zielgerichtetes undeutliches Denken und Schwadronieren im hell bis dunkelbraunen Begriffsuniversum versehen mit statististischem Material ohne jeden Aussagewert und daher begrifflich x-beliebig auffüllbar.

Zum Titel

1. ist "Deutschland" ein Begriff und keine handelnde Person. Falls Sarrazin mit dem Wort "sich" tatsächlich eine Personifizierung des Begriffs vorhat, dann kann ihm durchaus mit Psychologik entgegengetreten werden. Stichwort Wahnvorstellung und Paranoia (ängstlich aggressiv oder sogar schon mit Wahnbildern einer verschwörenden Macht versehen): die Wahnvorstellung eines personifizierten "Deutschland"s, welches sich in der Lage sei sich selbst "ab"zuschaffen und dies auch vorhat.

2. selbst unter der Prämisse der Begriff Deutschland sei Handlungsfähigkeit kann sich etwas nicht selbst abschaffen, sondern WIRD abgeschafft. Wenn ja, dann von WEM? Dem Kontext des Buches (soweit ich das Gefasel bisher lesen Zustande war) nach ist es, wie kann es anders sein DER AUSLÄNDER.

2. was genau wird mit dem Begriff "Deutschland" beschrieben und warum?

3. was ist mit dem begriff "abschaffen" genau gemeint? Der Synomybereich ist riesig und auch dieser Begriff ist damit unklar, unscharf und entweder mit Absicht so gehalten oder per se wegen Unfähigkkeit des Autors.

miauxx 01.03.2014 | 18:15

Sarrazin geht es doch offenbar nur scheinbar um den "öffentlichen Diskurs", irgendwelche "Meinungsdiktatur von links" etc.

Was Seeßlen plausibel herausarbeitet ist, dass es Sarrazin einzig um sich selbst geht, er daraus aber für sich beansprucht, eine Gesellschaftsanalyse zu machen. Sarrazin betreibt aber insofern gerade keine Gesellschaftsanalyse, weil er eben nie andere und noch weniger nach anderen fragt. Seeßlen spricht, wie gesagt, plausibel dargestellt, vom "Rechthaber" Sarrazin. Indem dieser nur ein solcher sein will, disqualifiziert er sich bezüglich der vermeintlichen Hauptaufgabe seines literarischen Schaffens selbst: Sein Vorwurf vom "Mediendiktat" und "linken Tugendterror" muss eigentlich wie ein Bumerang zu ihm zurückkommen, weil er ja gerade selber nur Behaupten, Ignorieren dessen, was nicht ins Konzept passt und Zurecht-Reden kennt.

MäkkaHex13 01.03.2014 | 19:53

seit Jahren frag ich mich ist das Flachmedium blöd oder wir menschen nicht gut genug....

zur Kenntnis: Ich finde einen gemütlichen Fernsehabend nicht schlimm für einen 10jährigen, und warum nicht mal hart aber fair ankucken, damit Kind lern, wei es auf keinenfall Diskutieren lernen sollte.... da fiel sein Blick halt auf S.

er war nicht von mir vorgewarnt worden, da ich Kinder-Meinung unglaublich schätze, ja sie sogar viel "ehrlicher" klüger finde als Erwachsene.!!

Also bevor per Tastatur "zurückgeschlagen" wird, doch erst mal nachfragen, geht auch mit dem Flachmedium!!

Sollten KInder....

es wird zu sehr der nächsten Generation UNSER Schwachsinn aufgedrückt... wäre es nicht mal an der Zeit, dass die jetzige herschenden und die jetzige berentete Generationen ihren Müll aufräumt, anstatt immer nur nach den Kindern zu schielen?

Der Umgang mit dem Boulevard-Journalismus und den Sarrazins ist kein gutes Bild von den Erwachsenen JETZT!

MäkkaHex13 01.03.2014 | 19:53

seit Jahren frag ich mich ist das Flachmedium blöd oder wir menschen nicht gut genug....

zur Kenntnis: Ich finde einen gemütlichen Fernsehabend nicht schlimm für einen 10jährigen, und warum nicht mal hart aber fair ankucken, damit Kind lern, wei es auf keinenfall Diskutieren lernen sollte.... da fiel sein Blick halt auf S.

er war nicht von mir vorgewarnt worden, da ich Kinder-Meinung unglaublich schätze, ja sie sogar viel "ehrlicher" klüger finde als Erwachsene.!!

Also bevor per Tastatur "zurückgeschlagen" wird, doch erst mal nachfragen, geht auch mit dem Flachmedium!!

Sollten KInder....

es wird zu sehr der nächsten Generation UNSER Schwachsinn aufgedrückt... wäre es nicht mal an der Zeit, dass die jetzige herschenden und die jetzige berentete Generationen ihren Müll aufräumt, anstatt immer nur nach den Kindern zu schielen?

Der Umgang mit dem Boulevard-Journalismus und den Sarrazins ist kein gutes Bild von den Erwachsenen JETZT!

Sabine Manning 01.03.2014 | 20:24

Die Fallstudie zu Sarrazins neuem Buch finde ich originell. Gewiss hat eine psychologische Ausdeutung dieser politischen Polemik ihre Grenzen. Aber so virtuos, wie Georg Seeßlen herangeht, ist die Kritik nicht nur vergnüglich, sondern höchst aufschlussreich zu lesen. Im "Tugendterror" geht es aus seiner Sicht "um die Abwehr des Emotionalen und des Empathischen". Wie ließe sich sonst erklären, weshalb Sarrazin gegen die "harmoniesüchtigen" Gleichmacher (ob Frauen, Christen oder Linksliberale) zu Felde zieht?

Neidhardt 02.03.2014 | 02:56

Respekt, Herr Seeßlen, ein luzider Text, der weitaus scharfsinnigste, den ich zur Abqualifizierung Sarrazins in den Medien gefunden habe. Es ist wirklich schade, dass Sie Ihre Intelligenz ausschließlich auf den Versuch verwenden, diesen Sarrazin als grotesk narzisstischen, unentwegt gekränkten, empathieunfähigen, zwangsneurotischen, menschlich überforderten, unglücklichen, heimtückischen, (irgendwie) rassistischen, verfolgungswahngeplagten, monomanischen, sich anbiedernden, sich selbst stilisierenden, zwanghaften, lustlosen, hölzernen, wehleidigen, hemmungslosen, aggressiven und gierigen Rechthaber zu exterminieren. -

Geschenkt. Das Problem ist halt, dass Sarrazin bei allen tatsächlichen oder angeblichen psychischen Beschädigungen wahrscheinlich im Prinzip tatsächlich Recht hat. Und dass eine erhebliche Unangepasstheit ohnehin die Voraussetzung dafür wäre, all jene menschheitsbeglückenden kollektiven Phantasmen zu durchschauen. Hans Ph. Neidhardt

Ratatörskr 02.03.2014 | 10:46

Und welches Prinzip ist das, das S. wahrscheinlich tatsächlich Recht gibt?

Reicht seine scheinbar erhebliche Unangepasstheit für den die Menschheit beglückenden Durchblick?

Offensichtlich ignoriert er den Durchblick in seiner eigenen kleinen Familie und glaubt, die Menschheit nicht nachvollziehbar überzeugen, zu belehren, sondern ihr seine Meinung zu diktieren. Kritik ist nicht zu prüfen. Zurückweisung reicht ihm.

Exilant 02.03.2014 | 11:25

@Enibas:

"Harmoniesüchtige Gleichmacher."

Vor ein paar Tagen war in allen Zeitungen über die extreme soziale Ungleichheit in Deutschland zu lesen. Diese (soz. Ungleichheit) besteht aber schon seit einiger Zeit.

Daher gilt es, die seit Jahren bestehende Umverteilung von unten nach oben zu verschleiern.

Und deshalb schreibt Sarrazin über angebliche linksliberale Medien, wie wenn es nicht so wäre, daß die "mainstream"- Medien neoliberal ausgerichtet seien.

In seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" hat er eben Migranten und HartzIV-Betroffene abgewertet.

oranier 02.03.2014 | 13:24

Ich käme nach den ersten Kommentaren zum ersten Buch von Sarrazin nicht auf die Idee, irgendetwas von ihm zu lesen, noch aber auch etwas, was darüber geschrieben wird .

Einigermaßen negativ beeindruckt bin ich allerdings davon, dass er sein neuerliches Elaborat unverdrossen im Fernsehen vorstellen kann und dass dieses in nahezu allen, sonst zeitweilig seriösen, Presseerzeugnissen, wie auch hier, besprochen wird.

Es gibt geschätzte 60 ooo Neuerscheinungen im Jahr. Die werden doch bei weitem nicht alle rezensiert. Was qualifiziert ausgerechnet ein Buch von diesem Wirrkopf dafür, unter diesen ausgewählt und allseits besprochen zu werden? Warum handeln die Medien, statt Sarrazin und seine Machwerke noch dergestalt bekannt zu machen, nicht einfach nach dem von Karl Kraus empfohlenen Grundsatz: "Goar net ignorieren"?

oranier 02.03.2014 | 14:01

Wieso gibt es eigentlich kein Ausrufezeichen samt "Bild melden!" unter Titelbildern? Das Bild oben kann doch nach Lage der Dinge auf niemand anderen als auf Sarrazin gemünzt sein, stellt doch die schlimmste Diskriminierung einer Person dar, die sich überhaupt denken lässt.

Die Redaktion sollte es augenblicklich beseitigen, sonst melde ich es dem Presserat.

oranier 02.03.2014 | 14:13

Vielleicht befasse ich mich doch ausnahmsweise noch mit dem Artikel und den Kommentaren.

Beim Überfliegen kommt es mir aber so vor, als sei hier weitgehend eine Methode federführend, die mir in der Freitags-Community, nicht zuletzt bei Augstein, seit je vertraut ist: persönliche Verunglimpfung des Autors, hier gar Pathologisierung, statt sachlicher Ktitik an seinen Thesen.

Das erfordert allerdings Denken, damit sind viele Leute nicht so vertraut oder es ist ihnen zu anstrengend im Vergleich zu: Gleichgesinnte suchen und diskriminierende Hetze zu betreiben.

Daher verstärkt meine Devise: Beschweigen, wenn bzw. da die Thesen die ernsthafte Aueinandersetzung nicht lohnen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 02.03.2014 | 14:23

"Wieso gibt es eigentlich kein Ausrufezeichen samt "Bild melden!" unter Titelbildern?" Och, ich vermute, da man mit physiognomischer Gegenpropaganda nicht weiterkommt und man es nun "subtiler" versucht. Frau Quindeau hat recht; in diesem Forum wird sehr viel Wert auf selbstgemachte Hausfrauen- und "Persönlichkeitspsychologie" gelegt. Über die asiatischen Tiere könnte ich jetzt einen Vortrag halten oder auch zur Bildauswahl Vermutungen anstellen, aber ich lasse es lieber. Gruß, Katsuo http://www.freitag.de/autoren/andreas-kemper/floppt-der-neue-sarrazin

Avatar
Ehemaliger Nutzer 02.03.2014 | 15:40

Die kritisierten Gedankengänge sind doch in allen Medien zu lesen.

Na ja: die Wiedergabe in den Medien und der tatsächliche Inhalt von Büchern sind oft sehr zweierlei! Daran würde ich jetzt keinen Autor, auch nicht Sarrazin messen.

Es illustriert eher das, was Augstein im Hahne-Gepräch ungefähr zu sagen versuchte: kolportiert wird gerne, was man hören will, nicht was tatsächlich drinsteht. Augstein "unterstellt" Sarrazin (vielleicht nciht völlig zu Unrecht?), dass er esdarauf anlegt, auf dieses Missverständnis. Das kann sein.

Ich habs nicht gelesen, kenne nur das og. Interview: aber gerade diese steinalte Statistik, dass Frauen bei IQ-Tests eine andere Verteilung aufweisen - das scheint gesichert.

Aber es "sagt" eben NUR genau das aus - eigentlich: nämlich, dass es bei Frauen einen anderen Verlauf der Ergebnisse genau dieses TESTS gibt.

Das Bild daraus ein "Frauen sind dümmer als Männer" machen, war zwar zu erwarten, aber deshalb ist die Statistik nicht falsch. Ich habe allerdings schon den männlichen Teil einer Soziologievorlesung genau das glucksend ebenso übersetzen hören wie Bild.

Daran lernt man eher, dass Medien (und die Leser) mit Statistiken nicht umgehen können.

Die viel spannendere Frage wäre, was dieser komische Test eigentlich misst und welche anderen Untersuchungen es gibt. Noch besser wäre aus meiner Sicht, eine so blöde Frage gar nicht erst zu stellen. Denn im Alltag begegnet man einfach nur konkreten Menschen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 02.03.2014 | 19:06

Was Seeßlen plausibel herausarbeitet ist, dass es Sarrazin einzig um sich selbst geht

Ne würd ich so nicht sagen, er hat ja immerhin schon davor zwei Bücher geschrieben, die nicht nur von "narzisstischen Kränkungen" und sonstigem Käse motiviert waren. Er glaubt einfach an seine Thesen. Dass er das tut, liegt eher daran, dass er das falsche Fach studiert hat und es wirklich tödlich ist, aus einzelnen Zahlen Theorien zu stricken ohne das entsprechende fachliche Hintergrundwissen.

Das erklärt, warum Sarrazin soviel Zuspruch kriegt von Leuten die sich nicht zur Bildungselite zählen: weil so ein Gefühl Aber-uns-gibts-doch-auch-noch durchaus in der Gesellschaft vorhanden ist. Sarrazin bewegt sich vom Niveau seiner Gedanken her, dadurch dass ihm jedes Fachwissen abgeht, einfach genau auf dem Nicht-Gebildeten-Level.

Für mich ist neben den unsäglichen Auswüchsen in der "Kritik" an ihm wie hier - das ist keine Kritk mehr, das ist strafrechtlich relevant, es wimmelt von persönlichen Diffamierungen und wenn Sarrazin das durchklagen würde, fände ich es richtig, damit gewisse Journalisten und Blätter mal endlich merken, dass sie keine Narrenfreiheit haben im Leuteruinieren. Eben ist Wulff freigesprochen worden, der ohne die medialen Exzesse nie vor Gericht gelandet worden wäre, und anstatt dass die Presse sich entschuldigt, sind offenbar die Grenzen nur verschoben worden.

Ich fände es richtig, wenn der Autor und Augstein, als verantwortlicher Chefredakteur, sich hierfür vor Gericht verantworten müssten, damit sie mal zur Kenntnis nehmen, dass für sie die Grenzen des Rechtsstaates auch gelten. Normal geäußerte Kritik geht ja offenbar da rein da raus und ist nur Beleg dafür, wie prima es ist zu beleidigen und skandalisieren. Die ungezügelte, unkontrollierte, völlig enthemmte Presse zerstört den Rechtstaat.

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, die Thesen von Sarrazin sind für mich vor allem ein Beleg dafür, dass man nicht über Themen schreiben sollte, zu denen einem das Fachwissen fehlt. Ein Link ersetzt kein Studium, und auch mit hundert wissenschaftlichen Quellen gerät man voll auf den Holzweg, wenn man sie nicht im fachlichen Zusammenhang sieht.

Das Gleiche gilt natürlich für die psychologischen "Diagnosen" hier und anderswo. Ein Psychologe würde aus dem Berufsverband ausgeschlossen, wenn er so etwas ablässt. Und völlig zu Recht. Dafür die Bezeichnung "Psychologie" zu verwenden schändet das Ansehen des Fachs.

karamasoff 02.03.2014 | 21:42

Woher weiss man dann, daß die Kritik an Psychologisierenden überhaupt von fachlicher Seite stammt?

Wem Texte im Detail inhaltlich oder fachlich falsch erscheinen soll das mit der gleichen Akribie auseinandernehmen und den Gegenbeweis antreten, die er von anderen abverlangt. Aber fachlich bitte. Wird ja von Sarrazinkritikern auch verlangt, am besten noch mit staatlich anerkanntem Hochschulabschluss als Grundvorraussetzung jeglicher Kritik.

Daß sich hier Leute privat und sogar auf nichtautodidaktischem Niveau (weil Autodidaktik immer die Gefahr birgt in einseitigen festgefahrenen Wissenständen Nabelschau zu betreiben) wird anscheinend für völlig abseitig gehalten und das Gegenteil jedem unterstellt der hier auch nur ein wenig von seinem Wissen preisgibt.

Wenn der alles nivellierender Relativismus bar jeglicher Haltung als Grundlage des Diskutierens herangezogen wird oder gleich wild mit juristischen Konsequenzen hantiert wird (natürlich ist das dann selbstverständlich NICHT Küchenjura), dann kann mans gleichsein lassen. Klappe zu Affe tot, der Freitag nicht öffentlich und nur für Fachpersonal offen, die sich dann gegenseitig genau das gleiche vorwerfen auf fachlich hohem Niveau natürlich.

Und nebenbei gesagt ist nahezu jeder journalistische Text offen zu lesen als Anregung, Fragestellung, Verwerfung oder Erweiterung und nicht als Fachliteratur von Experten für Experten. Immerhin reicht der Text des Autors hier aus, um so einige Grundhaltungen zu offenzulegen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 02.03.2014 | 22:34

Woher weiss man dann, daß die Kritik an Psychologisierenden überhaupt von fachlicher Seite stammt?

Deswegen wäre es ja wichtig, dass man unhaltbare Unterstellungen in Artikeln unterlässt. Weil es für die Leserin mit fachlichen Kenntnissen fast unmöglich ist, deutlich zu machen, dass es so nicht geht: erstens ist das Arbeit, die eigentlich nichts mehr bei einem Freizeitvergnügen zu suchen hat, zweitens wie Sie richtig anmerken, hat ja ein Artikel mehr "Autorität" als ein Kommentar. Deswegen halt ich es für dringend erforderlich, dass Artikel nur veröffentlicht werden, wenn sie sachlich in Ordnung sind.

Die Konsequenzen, die sie daraus ableiten, man könne als Laie dann nicht mehr mitdiskutieren, ist nicht zutreffend, über Haltungen und Meinungen kann man immer diskutieren, und zwar besser auf einer fachlich richtigen und rechtsstaatlichen Grundlage anstelle von manipulativen, falschen und diffamierenden Ergüssen.

Diese Unredlichkeit ist das was Sarrazin zu Recht angekreidet wird (es ist fachlich einfach nicht richtig gewichtet, sondern ein wildes Hantieren mit einzelnen Zahlen), das sollte man in der Kritik an ihm nicht toppen.

Es ist Usus geworden, anstatt dass Journalsiten fachlich schwierige Zusammenhänge lesergerecht aufbereiten und daraufhin eine Meinung vertreten, einfach polemischen Quatsch verbreiten - nicht nur vom Freitag, aber auch - und sich daran erfreuen, dass man Aufmerksamkeit erzeugt.

Man muss an einen veröffentlichten Artikel natürlich andere Ansprüche anlegen als an ein Blog, auch wenns mir auch bei Blogs lieber wäre, die Leute würden sich etwas mehr daran orientieren, womit sie sich auskennen, als lediglich wild Links aneinanderzureihen.

Fachgerechte Aufarbeitung ist völlig out, ich bedauere das. Und es ist mir persönlich etwas unverständlich wieso man das Bedürfnis hat, etwas in die Welt hinauszuposaunen, wovon man nicht annehmen kann, dass es stimmt. Das ist ein Unterschied zwischen Meinung und Fakten.

Bei Kommentaren sind reine Meinungen natürlich in Ordnung.

Nein das ist kein Küchenjura, ich bin u.a. Juristin. Also wenn ich sage das ist strafrechtlich relevant, hat das schon einen gewissen Background. Aber eigentlich sollte man in einer Zeitung die Gesetze der journalistischen Redlichkeit nicht so weit überdehnen, dass sich jemand genötigt fühlt, so etwas zu sagen. Genauso wenig wie jemand mit unhaltbaren pseudopsychologischen Diagnosen um sich werfen sollte, um eine unliebsame Position zu diskreditieren.

Ich finde mittlerweile Sarrazin hat Recht damit, dass Deutschland sich abschafft, allerdings nicht durch Zuwanderung, sondern durch die Abschaffung jeder Faktenverbundenheit, Diskussionskultur und journalistischen Qualität in den Medien.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 02.03.2014 | 23:11

Wem Texte im Detail inhaltlich oder fachlich falsch erscheinen soll das mit der gleichen Akribie auseinandernehmen und den Gegenbeweis antreten, die er von anderen abverlangt. Aber fachlich bitte.

Das ist eine ziemliche Zumutung, oder? Ich mein man möchte wenn, einfach eine Meinung, eine extra Anmerkung, eine andere Sicht etc. beitragen und nicht die fachlichen Fehler klarstellen. Man ist ja kein Erklärbär, abgesehen davon dass es echt schwierig ist das Ausmaß eines fachlichen Fehlers in einem Nicht-Fachforum verständlich zu erklären.

Also zur Psychologie: weswegen ich bei diesem "Artikel" jede Toleranz für unangebracht halte ist, dass das ein Fach ist, das dazu dient anderen Menschen zu helfen und nicht sie als "krank" zu etikettieren. Bevor man sein erste Gutachten verfasst, unterschreibt man, auf einen sehr kurzen Nenner gebracht, dass man sein Wissen nur zum Wohl anderer Menschen einsetzt. Psychologische Begriffe so als Waffe für Beleidigungen zu gebrauchen, ist fachlich und menschlich ein absolutes no-go.

Desweiteren gibt es für die Diagnose von Erkrankungen festgelegte Diagnosekriterien, die müssen einzeln säuberlich subsumiert und erfüllt sein, bevor man eine Erkrankung bejahen kann. Dann ist ja klar, dass man die nicht in die Öffentlichkeit rausposaunt. Als kleine rhetorische Gemeinheit ist die Behauptung von Persönlichkeitsstörungen gänzlich ungeeignet. Psychologen würden das (hoffentlich!!!) nicht machen. Nicht-Psychologen sollten sich auch um inhaltliche Argumente bemühen. Versteht sich sowas nicht von selbst? Muss man das echt erklären?

Haben Sie (und der Autor, und alle, die den Artikel genehmigt haben) nicht schon auf dem Schulhof gelernt, dass "du Spast, eye!!" kein gelungener Beitrag zu einer Debatte ist?

miauxx 03.03.2014 | 00:29

Was Seeßlen hier macht, ist eine literarische Analyse und Erörterung. Er begegnet dem Autor Sarrazin auf der gleichen Ebene, die dieser als solcher einnimmt. Seeßlen diagnostiziert auf der Ebene der Textanalyse. Sarrazin schrieb ein Sachbuch und ist somit keine fiktiv-literarische Figur. Er setzt sich unmittelbar selbst aus.

Wenn Du sagst, er habe für das Verfassen solcher Werke das falsche studiert, dann verkennt das völlig die Tragweite der sarrazinschen Werke.

Einerseits: Es sind gerade Studierte, die den größten Mist auf der Welt anrichten. Wissenschaftlichen Background, gerne auch mit summa cum laude (das Falsche studiert??), zu haben, schützt ganz offensichtlich nicht davor, Wissen und Kompetenzen völlig korrumpieren zu lassen. Die vermeintlich besten Qualifikationen paaren sich überaus oft mit dem schlechtesten Charakter - wobei letzterer mit zunehmender "Qualifikation" eben gar nicht nachlässt.

Andererseits: Ob Sarrazin nun das Richtige oder das Falsche studiert habe, ist relativ unerheblich. Man kann ein dussliges Buch schreiben, und die einen schütteln darüber den Kopf, die anderen verstehen es nicht und gut ist. Sarrazin aber hat mit gezielter Denunzierung, Verleumdung, Anklage, bis zur Verhetzung, und Selbstrechtfertigungsdruck jede Menge Erfolg - nicht nur kommerziell. Und das eben nicht allein bei Leuten, die "nicht zur Bildungselite zählen". Der Mann weiß schon, was er tut. Für ihn allein Täppischkeit oder wenigstens nur fehlende Kompetenz gelten zu machen, halte ich für hochgradig fahrlässig!

Seeßlen nun versucht aufzuspüren, was der Motor für Sarrazins Werk(e) sein könnte. Wie schon gesagt: Die Texte Sarrazins können nicht losgelöst von der Person betrachtet und gewertet werden. Und das gar nicht nur allein, weil es sich um Sachliteratur handelt, sondern weil Sarrazin selbst in höchstem Maße persönlich, und offenbar nur persönlich, wird und agiert. Da ist keine versuchte wissenschaftlich-objektive Distanz zum Gegenstand. Seeßlen kann hier sogar so weit gehen, wie er geht, und polemisch werden, weil sein schreibender Gegenüber, Sarrazin, nichts anderes anbietet. Und das hat, wie gesagt, Seeßlen palusibel herausgearbeitet. Und darüber lese ich nicht, dass Seeßlen in Anspruch nähme, psychologisch fundierte Befunde aufzustellen. Mit dem Hinweis "Oldschool-Psychologie" nimmt er doch gerade die notwendige Distanz dazu ein. Wäre er jetzt mit Zitaten aus einschlägigen Fachbüchern gekommen, wäre das sicher etwas anderes.

Der Vergleich zu Wulff hinkt auch enorm: Denn Seeßlen unternimmt keine Anklage, die justiziable Folgen für Sarrazin haben könnte. (NB: Anlass dazu gäben Sarrazins Schriften sicher)

Und zum Schluss: So viel an Feuilleton und Kritik auf Basis des Textes sollte schon möglich sein. Und ich kann mir auch nicht verkneifen zu sagen: Wer solche Steilvorlagen bietet, wie Sarrazin, mit derartigen ernstgemeinten Gemeinheiten + absoluter Egomanie, der muss das aushalten. Ansonsten soll er lieber an sich halten ...

Ratatörskr 03.03.2014 | 13:33

Was ist bei "Frauen eine andere Verteilung bei IQ-Tests"?

Anders gefragt: Welche andere Verteilung haben Männer?

In der Einleitung seines Buches hält sich der Mann Sarrrazin an dem Interview eines männlichen Spiegelredakteurs und den drei männlichen Gesprächspartnern auf, und zwar in einer Art der Kritik, die offensichtlich dem Gerüst seiner männlichen Gedanken entspricht: Zwar bestätigt er die im Schriftwechsel mit dem Journalisten die von diesem aufgelisteten Fakten, will ihm aber vorschreiben, wie er sie einzusetzen hat und schreibt ihm dabei vor, wann und wie er das Gespräch zu beenden hat.

Nach meinem Sprachverständnis bezieht er sich auf wissenschaftliche Quellen anderer, die er zu eigenen Thesen ummünzt, die aber nicht hinterfragt und kritisiert werden dürfen.

Die Frage, ob die Quelle mit seiner Interpretation noch übereinstimmt, ist nicht von der Verteilung meines weiblichen IQ-Tests abhängig. Die wohl lobenswert gemeinte "keine Überinterpretation" (H. Rindermann /Detlef Rost) kann ich zugegebener Maßen nicht verstehen.

Torben M. Nissen 04.03.2014 | 01:08

Als wenn es hier darum ginge ein psychologisches Gutachten zu erstellen. Ich bin noch nicht lange Leser vom Freitag , aber steht hier nicht irgendwo was von "Meinungsmedium"

Meinungen kann man nicht wissenschaftlich debattieren - man kann Thesen oder Aussagen und Methoden analyasieren, diskutieren und dann eventuell falsifizieren, aber Meinungen?

Nix da! Am Ende haben wieder alle, die sich von Sarrazin zurecht beleidigt fühlen, das Buch gekauft, weil sie ohne Zeilenangaben kein Recht auf Mitsprache haben.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 04.03.2014 | 10:38

Wie ich geschrieben habe, kenne ich nur das Interview Augstein/Sarrazin bei Hahne, nicht das Buch. Und in diesem Interview, muss ich sagen, hat Augstein das, was sie hier völlig richtig in Statistik und Interpretation unterscheiden, im Interview nicht auf dne Punkt zu bringen vermocht.

Das ist alles völlig richtig, was Sie ausführen!

Und man/frau sollte es auch - das ausführen. Was Sarrazin stark macht, ist argumentationslose Empörung bei den anderen.

Die Statistik selber ist steinalt und eine Art "Wiedergänger", der immer wieder mal herumspukt. Sei besagt im Grunde, dass mehr Frauen eine höhere Intelligenz besitzen als Männer, und dass sie auch am unteren Ende der IQ-Skala,w eniger vertreten sidn als Männer. Das einzige, worauf sich die Sarrazins stützen ist, dass Frauen auch im Bereich IQ > 130 weniger vorkommen als Männer - sagen die Männer, die eben im durchschnittlichen Bereich Frauen unterlegen sind. Es ist einfach nur albern, weil sich die Häme dieser Statistik auf den Bereich der (angeblichen) Hochbegabung reduziert. Wobei darüber hinaus immer noch keiner begreift, was so ein Test denn eigentlich wirklich misst ....

Aber genau das sollte man auch benennen. Der böse Sarrazin, der eine "Wahrheit" ausspricht, die keiner widerlegen kann ist das, was ihm Gläubige und Verkaufszahlen beschert.

Argumente ohne Empörung vorgebracht, könnten das ändern - nur so. Die reine linke Empörung macht ihn erst zu dem Hype, den seine Ausführungen nicht rechtfertigen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 04.03.2014 | 10:43

Am Ende haben wieder alle, die sich von Sarrazin zurecht beleidigt fühlen, das Buch gekauft, weil sie ohne Zeilenangaben kein Recht auf Mitsprache haben.

Fein beobachtet! Ich habe ohnehin den Verdacht, das sich ein nicht so unwesentlicher Teil der Sarrazinschen Auflage in linker Hand befindet;)

Was Argumentation und Meinung angeht: es ist immer die Frage, ob ich aufgrund einer Faktenlage eine Meinung BILDE oder ob ich eine Meinung HABE, für die ich Fakten suche. Letzteres verengt den Blick, und dass Sarrazin diese Verengung leider auch bei vielen Linken zu provozieren versteht - macht seinen Erfolg aus!

oranier 04.03.2014 | 11:32

Liebe Christine Quindeau,

ich stimme vollständig mit Ihnen überein und danke Ihnen ausdrücklich für Ihre Darlegungen hier. Sich des eigenen Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen ist offenbar auch just 230 Jahre nach Immanuel Kants „BEANTWORTUNG DER FRAGE: WAS IST AUFKLÄRUNG ?“ leider immer noch alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Vor etwa zwei Jahren hat Mely Kiyak, von der hier im Blog, ein bedenkenswerter engagierter Text verlinkt ist, wenn man auch dem großen Bogen, den sie dort spannt, nicht unbedingt folgen mag, als Kolumnistin in der FR Sarrazin als eine „lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“ bezeichnet. Der damalige Textchef der FR, mit dem ich in Verbindung stand, antwortete mir auf meine empörte Frage, was ihn dazu bringe, so etwas durchgehen zu lassen, lakonisch: „Toleranz“, dadurch noch den Begriff Lessings verballhornend, neben Kant der Lichtgestalt der deutschen Aufklärung.

In der taz sprach Daniel Bax in merkwürdiger Verkehrung des Bildes verständnisvoll von einem „zu groben Klotz auf einen groben Keil“ und konnte sich Kritiker, die eine Entschuldigung Kiyaks für angebracht hielten, nicht anders denn als „fanatische Sarrazin-Fans“ vorstellen. Chefredaktion und Verlag der FR stellten sich hinter ihre Kolumnistin, die im Gegenzug in rechten Blogs auf übelste Weise beschimpft und persönlich beleidigt wurde.

So steht es um die Diskussions- und Streit-„Kultur“ in unseren Foren und Medien.

Zur Sache ggf. später noch mehr.

Grüße

oranier

Ratatörskr 04.03.2014 | 19:34

Was hat denn nun "Der neue Jugendterror" mit dem Gejammer über seine, Sarrazins Meinungsfreiheit zu tun? Seine Meinungsfreiheit nutzt er doch grenzenlos und schlägt seinen "Meinungsterror" jedem um die Ohren, der auch nur wagt, etwas anderes zu denken oder gar zu meinen als er erlaubt!

Bin ich die Einzige, die an diesem blödsinnigen Titel Anstoß nimmt? Bei Wiki wurde die Seite über ihn bearbeitet, sein Werdegang offensichtlich neu verfasst und die Info, dass er 13 Schulen besuchte, herausgenommen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 08:55

Hei :-)

was Seeßlen macht ist doch keine literarische Analyse, weder Sarrazins Machwerk noch Seeßlens Diffamierungsaneinanderreihungen haben irgendetwas mit Literatur zu tun. Oder meinst du nur, weil Sarrazin wie Seeßlen sich von den Fesseln der Realität gelöst haben, kann man es als Literatur bezeichnen? Erinnert mich an Grass, nur weils schlecht geschrieben ist, ist es noch lang kein Gedicht ^^.

Das Problem ist doch, dass viele Menschen Sarrazin zustimmen. Also wäre es wichtig zu erklären und darzulegen warum und inwiefern Sarrazin sachlich falsch liegt (anstatt ihn mittels "krank" oder "böse" aus der angeblich normalen, gesunden Gesellschaft auszustoßen). Das Gefühl, das zu der gesellschaftlichen Zustimmung führt, muss also andere Gründe haben, als die von Sarrazin zusammengereimten. Das ist eine notwendige Vorbedingung dafür, dass sich Einstellungen ändern können. Den Menschen zu sagen, ihr findet die Ergüsse eines psychisch Kranken richtig, bringt niemandem was. Ist aber sowohl Sarrazin als auch psychisch Kranken gegenüber absolut unzumutbar. Und auch dem Fach Psychologie gegenüber nicht. Das wäre so wie wenn jemand krude Foltermethoden rechtfertigt mit Verweis auf rechtswissenschaftliche Erkenntnisse. Dann hätte er auch die Juristen am Hals, die ihn fragen, ob er noch ganz richtig tickt.

Sich hinzustellen und zu sagen Sarrazin hat nichts besseres verdient als Diffamierung wirft die Gesellschaft in ihrem Diskurs durch dieser Art Mode gewordenen Schweinejournalismus nur zurück.

Besonders ägerlich finde ich, dass die Debatten kaum mehr aus dem Sumpf gezogen werden können, in den solche Artikel sie versenken. Und egal wie ich reinarbeiten würde, um die Sarrazinischen Irrtümer aufzuklären, die Sumpfbereiter klopfen sich doch nur auf die Schenkel, weil sie Reaktion erzeugen. Man ist hier nur an zählbaren Kommentaren interessiert, je mehr man zählen kann desto erfolgreicher Artikel, Autor und Blatt. Das Prinzip Bild.

Betreffend Strafrecht: Nein, der Seeßlen-Artikel ist strafrechtlich relevant, Sarrazins Buch nicht.

Es ist doch irre dass wir darüber reden, anstatt sich des Problems anzunehmen, dass viele Menschen das Gefühl haben an Sarrazins völlig verfehlter Ideologie der Tauglichen sei etwas dran. Genau dahin bringt einen das Niveau der "intellektuellen", sich nicht die Finger schmutzig machenden Herren, die für ihren Ruhm auf Brandstiftung nicht verzichten wollen.

Man könnte Augstein aus dem Stegreif so auseinandernehmen, dass er sich drei Monate nicht mehr im Spiegel anschauen kann. Und was bringt das? Er ist darauf angewiesen, dass man ihm sachlich begegnet, er sollte das auch selbst tun. Wenn ihm solche Werte schon kein echtes Anliegen sind, sondern nur Fasssade, wie keine Krawatte anziehen, um die linke Gesinnung zu visualisieren, nämlich weil er denkt, dass es ihn kleidet. Also wenn ihm Werte schon kein echtes Anliegen, sondern zutiefst egal sind, dann sollte er sich wengistens deswegen an ihnen im Verhalten orientieren, weil er auch darauf angewiesen ist, dass andere ihn nicht in Grund und Boden psycholoanalysieren. Anstand ist keine Einbahnstraße.

Und es wird auf Dauer für die Glaubwürdigkeit nicht ganz reichen, als Gesinnungsetikett die Krawatte wegzulassen.

Falls jemand denkt, das war ja jetzt auch ein persönlicher Angriff: Nein, das war noch nicht mal ausgeholt. Und ich hoffe, dass ich mich nie zu so einem boshaften und sachfernen Beschuss wie in diesem Artikel hinreißen lass.

Aber die Heuchelei von den Freitagsmachern ärgert schon sehr.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 09:41

Was ist bei "Frauen eine andere Verteilung bei IQ-Tests"?

Im Schnitt haben Männer und Frauen den gleichen IQ, es gibt auch nicht mehr Hoch- oder Minderbegabte bei Frauen wie bei Männern. Nur in den äußersten Randbereichen (also bei den Extremen) gibt es bei der IQ-Messung Unterschiede zwischen Männern und Frauen: es gibt mehr extrem hohe sowie extrem niedrige Ergebnisse bei Männern.

Das ist wirklich nicht für irgendetwas relevant, kann auch gut sein, dass sich das mit den zunehmend angleichenden Lebensverhältnissen aufhebt. Also das ist noch keine in Stein gemeißelte letzte Wahrheit oder sowas. Das kann auch von der Testung abhängen, Frauen performen in Tests im Vergleich schlechter, wenn sie denken, es handele sich um eine Männerdomäne (der Effekt tritt auch in intellektuellen Tests bei Schwarzen Weißen gegenüber auf). Deswegen dachte man so lange, Mädchen seien schlechter in Mathe, was sich jetzt in Tests nicht mehr zeigt. Das ist einfach Angst und internalisiertes Rollenmodell.

Kann aber genauso gut sein, dass die Unterschiedlichkeit in den äußersten Extemen ein stabiles Ergebnis ist, weil bei IQ-Tests das räumliche Denkvermögen eine überproportional (zur Anwendung bei Denkleistungen) große Rolle spielt. Und im räumlichen Denken sind Männer etwas besser. Es ist also möglich dass für die absoluten Top-Ergebnisse die Ergebnisse der Aufgaben im räumlichen Denkvermögen den winzigen, aber für solche Aussagen entscheidenden Vorteil bringen.

Klingt kompliziert? Ist es auch, also normalerweise interessiert das nur noch Fachleute und das auch nur am Rand. Ich hab im Studium ein ganzes Semester mit Intelligenztestforschung verbracht und diese minimale Unterschiedlichkeit zwischen den Geschlechtern in den bisherigen Ergebnissen wird schon besprochen, aber ist von minimaler Bedeutung, nur als Randnotiz. Man weiß wie gesagt auch noch gar nicht, ob das auf Dauer stabil bleiben wird oder von veränderlichen Einflussfaktoren abhängig ist.

Soweit ich mich erinnere steht bei Sarrazin im Tugendterror nichts drin von Frauen seien dümmer als Männer. Da steht genug drin, was man widerlegen kann und muss, es ist ganz unnötig ihm auch noch falsches zu unterstellen :-)

Aber es ist natürlich schwer verwirrend, so eine Tatsache wie die unterschiedlichen Ergebnisse in den absoluten Extremen bei der IQ-Verteilung anzuführen, auf die man in der Wissenschaft kein Konzept aufbaut: zu klein der Unterschied, zu unbedeutend in der Aussage, zu unsicher, ob es zukünftig so bleibt. Und wie man sieht: Es braucht Zeit das halbwegs genau zu erklären und gleichzeitig deutlich zu machen, dass das ungefähr so bedeutsam ist wie der Sack Reis, der in China umfällt. In der Forschung bleibt natürlich kein Detail unbeachtet, das muss so sein, aber in einer gesellschaftlichen Debatte führt das ohne längere Reden zu halten zu krassen Fehldeutungen.

Und die gleiche Zeit und Kraft braucht ja auch das Gegenüber, eine Bereitschaft, den einzelnen Befund im Kontext zu sehen und nicht erfreut zu brüllen: Männer sind gescheiter/dümmer als Frauen, juchu!

:-)

Ratatörskr 05.03.2014 | 10:20

Danke für Ihre ausführliche Antwort. Nein das klingt nicht kompliziert. Ich hatte meine Frage etwas provozierend u. rhetorisch formuliert. Verstehen Sie meine Antwort bitte ein bisschen als weisen Humor. Ein bisschen davon könnte Sarrazin vielleicht gut bekommen.

Mein Studium beschränkt sich auf die Falkultät des Lebens. Und meiner 8j. Enkelin vermittelt sich ein Stück Weisheit als Metapher beim Kuchenbacken. Ihre Neugier ist die Hefe, in der notwendigen Ruhe, Zeit u. Temperatur reift das Verstehen und im Backofen entsteht der Erfolg. Das Ganze ist zu überwachen und die Hitze gebietet Vorsicht!

Und wir haben beide einen Gewinn. Wie oft überrascht sie mich in ihrer 8j. weiblichen Intelligenz mit ihrer Kreativität und Logik und verdeutlicht, wieviel Pflege so ein kleines Hirn benötigt, Dünger u. Geduld. Das sollte ein "Sachbuchschreiber" aber auch wissen und nicht verantwortungslos verquer schreibseln.

Magda 05.03.2014 | 10:31

Allerdings hat es eine eigene Erzählhaltung. Es ist keine reine ideologische Propagandaschrift, vielmehr eine Mischung aus Bildungssplittern und selektierter Information, Bekenntnis und Zahlen,

Hab ich anderswo - in oraniers Blog - auch schon angemerkt. Sarrazin weiß nicht immer, was wovon er schreibt, aber er weiß ganz genau, was er "sagen" will. Dass der andauernd beleidigt zu sein scheint, hat er mit anderen Leuten in der schreibenden Zunft gemeinsam, das ist nix Besonderes.

heutenicht 05.03.2014 | 11:03

Scharfe Polemik ist erlaubt, finde ich, aber man sollte Sarrazin nicht pathologisieren, weil man sonst mit dem Umstand nicht zurechtkommt, dass so viele Leute ihm offen oder heimlich zustimmen. Ich finde seine Art der Argumentation extrem gefährlich, weil offensichtlich so wirksam: vermeintlich neutrale Statistiken und Zahlen (deren Zustandekommen nie hinterfragt wird) vermengt mit Verzerrung und unbelegten Behauptungen. Diesen demagogischen Stil sollte man unermüdlich kritisieren und auseinandernehmen, wie Augstein es im ZDF ja bereits versucht hat: Sarrazin hat sich dort ziemlich verheddert, als er zwischen „Wirklichkeit“ und „meiner Wirklichkeit“ unterscheiden sollte.

dame.von.welt 05.03.2014 | 11:52

Ich fände es richtig, wenn der Autor und Augstein, als verantwortlicher Chefredakteur, sich hierfür vor Gericht verantworten müssten, damit sie mal zur Kenntnis nehmen, dass für sie die Grenzen des Rechtsstaates auch gelten.

Das Gleiche hätte für Hugendick und die Chefredaktion von Die Zeit und für Kuzmany, Augstein und die Chefredaktion des Spiegel Geltung. Ferndiagnosen und ad-hominem-Argumentation sind ganz grundsätzlich äußerst fragwürdige Stilmittel. Und empfehle Ihnen bei Bedarf Beschwerden beim Presserat. Wenn Sie dem zweiten link folgen, werden Sie allerdings vermutlich überrascht sein, was so alles dem Pressekodex noch entspricht.

Extrem bedauerlich finde ich, daß Journalisten, Chefredaktionen, Herausgeber, Fernsehintendanten et al dem Deutschlandabschaffer die Bühne nicht einfach entziehen, indem sie ihn in aller gebotenen Ausführlichkeit beschweigen, sondern sich auf oder gar unter dessen Niveau begeben. Das macht sie nicht eben glaubwürdiger, Fressefreiheit hat mit freier Presse kaum am Rande zu tun. Außerdem finde ich es schwer erträglich, wenn Sarrazin als Stichwortgeber der Dümmlich-Bräunlichen auch noch ohne jede Not Punkte zugeschanzt werden und das tut der obige wie die anderen Artikel.

Mein Mitgefühl mit Herrn Sarrazin hält sich allerdings in extrem engen Grenzen. Ich bedauere vor allem den Verfall journalistischer Ethik.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 13:09

Das Problem an Sarrazin ist, dass jede einzelne Zahl stimmt. Aber sie ist herausgerissen aus dem fachlichen Diskurs. Jetzt muss man, bleibt man beim Beispiel Intelligenz und Erblichkeit bedenken, dass es die empirische Psychologie erst seit ein paar Jahrzehnten gibt.

Hantiert man mit Zahlen aus der Forschung, sind also alle möglichen Fehlerquellen Teil des fachlichen Diskurses, sie gehören genauso selsbtverständlich dazu wie die Befunde und wie die Einordnung der Befunde. Sarrazin zitiert zum Beispiel eine Expertin zur Intelligenz, die sagt, es gibt keine Beweise dafür, dass Menschen afrikanischer Abstammung im Schnitt einen etwas niedrigeren IQ auch bei gleichen Lebensbedingungen haben. Für ihn ist das ein Beleg der Manipulation des PC, so als würde sie nivellieren oder sich nicht trauen bestimmte Sachverhalte zu Ende zu denken. Das ist aber ein absolut normaler und notwendiger Satz in einer wissenschaftlichen Debatte, will man nicht durch Testung zu völlig falschen Aussagen kommen.

Das weiß man, wenn man sich mit der Forschung befasst, mit dem ganzen Gebiet, wenn man weiß, wie Fehler in der Testung entstehen, das hat gar nichts damit zu tun unerwünschte Ergebnisse zu kaschieren, sondern damit kein Weltreich auf einem Fehler aufbauen zu wollen.

Dazu kommt, dass die Aussagen, die Studien überhaupt treffen können, oft ein mathematisches Problem beinhalten, die Frage ist stets: wird durch dieses mathematische Verfahren die Realität richtig abgebildet? Auch das ist ein eigenes Forschungsgebiet, wobei ständig noch neue Erkenntnisse herauskommen. Das muss man miteinbeziehen, daher sind Fachleute mit steilen Thesen, auch wenn es dazu eine Zahl gibt vorsichtig. Dewegen sind nicht alle Studien Nonsense, aber man kann nicht einfach ein Ergebnis herausrupfen und daran die Welt neu erklären. Und das ist genau das, was Sarrazin ständig tut.

Das Nächste ist, dass das was der IQ testet nicht identisch mit Intelligenz ist, so wie das Wort allgemein verstanden wird. Also jeder, der sich ausgiebig mit IQ-Testung befasst hat, weiß, dass IQ und Intelligenz im Laienverständnis nicht deckungsgleich sind. Das wird aber nicht ständig dazu gesagt, sondern verwendet wird das Wort Intelligenz, so wie sie im IQ erfasst wird, ohne ständige Erklärungen, was da überhaupt getestet wird und für das es leider missverständlicherweise kein eigenes Wort gibt.

Sarrazin weiß es nicht und macht eine Gleichung auf, die so absolut nicht stimmt: IQ = Intelligenz so wie sie allgemein verstanden wird, da IQ zum Teil erblich, Intelligenz auch zum Teil erblich, Intelligenz im allgemeinen Verständnis sehr wichtig für das Überleben einer Gesellschaft, folglich alle unintelligenten Gene von Deutschland fernhalten.

Das ist desaströs falsch. Ein Kernirrtum ist: der IQ ist nicht mit Intelligenz so wie wir sie im normalen Sprachgebrauch verstehen gleichzusetzen.

Der nächste Irrtum: Es gibt für den Lebenserfolg, dafür wieviel man leistet, viel aussagekräftigere psychologische Konstrukte als den IQ. Das ist wissenschaftlich erwiesen, nicht aus gutem Willen heraus so vor sich hinnormiert, um irgendwelche Fakten zu verschleiern.

Und was stimmt? Es stimmt, dass sich um Hochbegabte wenig gekümmert wird in Deutschland, da herrscht so die allgemeine Meinung, die sollen gefälligst selbst schauen, wo sie bleiben (liegt natürlich u.a. daran, dass sie eine absolute Minderheit darstellen und kaum ein Lehrer selbst hochbegabt ist und daher hochbegabten Kindern von keiner Seite Sympathien oder gar Förderung entgegengebracht wird). Und es stimmt, dass viele Eltern möchten, dass in der Schule auch Disziplin und Leistungsbereitschaft beigebracht werden, die allgemeine Haltung in den "Eliten" aber eher zur "Kuschelpädagogik" geht. Da gibt es eine Divergenz zwischen dem was Teile der Gesellschaft richtig finden und dem was von "oben" verordnet wird.

Das ist alles was an der vermaledieten Intelligenzdebatte an gesellschaftlich beachtenswerten Aspekten übrigbleibt. Aber Sarrazin glaubt wirklich, er legt den Finger auf die Wunde und er hat sich tatsächlich viel mit der Forschung beschäftigt, viel gelesen usw. und jede einzelne Zahl stimmt. Das wird nur völlig falsch, wenn man sich nicht insgesamt und strukturiert mit dem Fach beschäftigt hat.

Wer bis hierhin gelesen hat, ist ein Held. Und ich bin es auch. ;-))

LG an die Hartnäckigen von der Lesefront :-)

Ratatörskr 05.03.2014 | 13:31

"Ich bedauere vor allem den Verfall journalistischer Ethik."

Damit meinen Sie wohl diesen Verfall generell. Und ich denke, das ist eine Tatsache, die hervorgehoben werden muss, gerade weil das schnelle Anlesen, Durchlesen ebenso vordergründig eilig vergessen wird. Aber andererseits ist erst recht nach der Ethik des Buchautors zu fragen. Wo findet man seine? In der Quellensammlung oder in seinen "nicht überinterpretierten" Meinungsäußerungen, die für mich ganz unethisch nichts mit der Wahrheitssuche eines Sachbuches vorlegen. Pardon. Nochmals der Buchtitel: Sachlich, informativ - nein, demagogisch, polemisch - ja, Sprachqualität , Aussage - mangelhaft.

Wenn er auf unethischen Meinungsterror abheben wollte, was er versucht auf fast 400 Seiten nachzuweisen, liegt der Titel neben seinem Thema. Er bleibt bei seinen bekannten Thesen, und jammert über die Kritiker, obwohl sein Menschen- und Gesellschaftsbild nichts anderes ist und fordert als eine Gesellschaft der Unkultur. Titel, Klappentext und Einleitung seines Elaborats bestätigen das.

Ratatörskr 05.03.2014 | 13:53

Wenn er sich mit der Forschung tatsächlich beschäftigte, nachdem er gelesen hat, bestärkt das den Eindruck, dass er nicht analysiert, nicht versteht und Zusammenhänge nicht erkennen kann. Sein Buch als Sachbuch zu katalogisieren, ist dann falsch u. irreführend.

Vorsichtig formuliert haben das die Wissenschaftler Rindermann u. Rost, 07.09.2010 mit der Formulierung er habe "nicht überinterpretiert". Bleibt der Eindruck er "hat interpretiert"!

oranier 05.03.2014 | 15:51

"Ich fände es richtig, wenn der Autor und Augstein, als verantwortlicher Chefredakteur, sich hierfür vor Gericht verantworten müssten, damit sie mal zur Kenntnis nehmen, dass für sie die Grenzen des Rechtsstaates auch gelten. "

Auch hier stimme ich mit Ihnen überein, einer entsprechenden Anzeige würde ich mich ggf. anschließen. Nur: Was bewirkt man damit? Und vor allem wann?

Unterhalb dieser Schwelle habe ich das obige Bild, wie angekündigt, an den Presserat gemeldet. Von Achtermann erfahre ich in meinem Blog, das ich im Anschluss an dieses verfasst habe (s.u.!) dass der Artikel auch in der Print-Ausgabe erscheint.

Wenn Sie sich mit einer Zusammenfassung der neuralgischen Punkte an dieser - zugegeben niederschwelligen - Beschwerde beteiligen wollen:

http://www.presserat.de/beschwerde/online-beschwerde/

Ich weiß, der Presserat ist ein Zahnloser Tiger, aber eine Rüge von dieser Seite ausgerechnet an den Freitag wird Augstein nicht unberührt lassen.

P.S. Die Fortsetzung meines Blogs wollte ich mir neuerlich wegen der abseitigen Kommentare sparen, aber vielleicht darf ich mich ja Ihrer als Leserin versichern, die hier so unermüdlich Aufklärung betreibt.

Grüße

oranier

heutenicht 05.03.2014 | 17:05

Hab’s gelesen, vielen Dank für die Ausführlichkeit ;) Ich stimme zu, gerade was Kontext und Entstehungsbedingungen von IQ-Tests betrifft. Zahlen sind niemals selbstauslegend, ihre Aussagekraft erhalten sie über Interpretation. So wichtig die jeweilige Korrektur seiner „Thesen“ sein mag, finde ich vor allem notwendig, die rumpelnde Inszenierung als solche zu benennen und zu sezieren.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 17:10

♥♥♥♥♥ Fünf Daumen und drei dicke Zehen nach oben! "Und was stimmt? Es stimmt, dass sich um Hochbegabte wenig gekümmert wird in Deutschland, da herrscht so die allgemeine Meinung, die sollen gefälligst selbst schauen, wo sie bleiben (liegt natürlich u.a. daran, dass sie eine absolute Minderheit darstellen und kaum ein Lehrer selbst hochbegabt ist und daher hochbegabten Kindern von keiner Seite Sympathien oder gar Förderung entgegengebracht wird)." Dem ist noch hinzuzufügen der Neid und die Missgunst von Mitschülern, anderen Eltern usw.. Wie ich seit Beginn hier gesehen habe, insbesondere ausgerechnet in linken Kreisen, die sich doch sonst immer so gerechtigkeitsinteressiert und menschenfreundlich geben. Irrationale Ängste vor "dem Anderen" sind das. ;D

ed2murrow 05.03.2014 | 17:46

Guten Tag, Frau Quindeau, keineswegs will ich Sie in Ihrem Schreibeifer ausbremsen. Aber was Herr S. an naturwissenschaftlichem Zeugs geschrieben hat, wurde bereits hier, http://idw-online.de/pages/de/news384817 auseinander genommen. Weswegen er seine Ausführungen teilweise zurückgenommen hat, vgl. http://www.sueddeutsche.de/politik/streit-um-integration-sarrazin-streicht-die-genetik-1.1024651 ohne seinen, nennen wir es: Irrtum offen zu legen. Schon nach Cavalli-Sforza kann man sagen: Herr S. hat „Rasse“ nur mit „Gen“ vertauscht. Sollte man ihn statt Rassist nun Genetist nennen? O tempora …

Das jetzige Machwerk ist das Hinterherschieben einer Rechtfertigung des Ersten, dessen wesentliche Inhalte, nämlich: Motive für die Fakten passend gemacht wurden, ohnehin im bekannten Interview mit Lettre International nachgelesen werden können. Und aus denen er auch sonst in Interviews keinen Hehl gemacht hat. Eines mit der WELT habe ich unter http://www.freitag.de/autoren/ed2murrow/rassismus-und-die-meinungsfuhrerschaft besprochen. Mit „Zeit zu redigieren“ lag ich damals schon nicht falsch.

Zu einem anderen Aspekt, der mich aber in Ihren Ausführungen beunruhigt. Sie schreiben, um Ihr Stakkato zusammen zu fassen, sie fänden es „richtig, wenn der Autor und Augstein, als verantwortlicher Chefredakteur, sich hierfür vor Gericht verantworten müssten, damit sie mal zur Kenntnis nehmen, dass für sie die Grenzen des Rechtsstaates auch gelten.“

Nun würde ich Ihnen Ihr rechtsstaatliches Engagement abnehmen, hätte Sie in gleichen Termini zu den volksverhetzerischen Ausführungen des Herrn S. Stellung genommen. Sollten Sie nicht wissen, was das ist: http://dejure.org/gesetze/StGB/130.html , genauer Absatz 1 Ziffer 2, letzte Alternative.

Nachdem Sie aber offensichtlich Herrn S. zum Juste Milieu der Akademiker zählen, der leider nur „das falsche Fach studiert“ habe und es allenfalls für diese Kreise „tödlich“ sei, „aus einzelnen Zahlen Theorien zu stricken“, müssen Sie naturgemäß die sachliche Diskussion fördern und ihren Mitakademiker ansonsten in Schutz nehmen. Der Fehler wurde schon einmal gegenüber einem Treitschke begangen. Und von Fehler schreibe ich hier zu Ihren Gunsten, mir fiele noch ganz was anderes ein.

Das alles mag noch angehen, jeder von uns ist fehlbar. Aber dass Sie angesichts einer ostentativen Meinung wie der von Seeßlen, der es mit jedem Buchstaben schafft, den Herrn S. zu spiegeln (!), ernstlich vertreten, den Kadi zu rufen, sollte Sie eigentlich veranlassen, sofort diese Plattform zu verlassen. Denn an Herrn S. ist keine sachliche Kritik mehr möglich, dazu ist seit Jahren alles gesagt. Die Ihre, Frau Quindeau, ist eine Haltung, die zudem der Meinungsfreiheit Riegel nach Gutsherrnart vorschieben möchte, indem sie, ich zitiere: „gewisse Journalisten und Blätter“ Ihrem ganz eigenen Vorbehalt unterwerfen. Da aber, nämlich in einem gewissen und sogar identifizierbaren Blatt, schreiben Sie gänzlich ungeniert. Irgendwann werden Sie den Widerspruch wohl auflösen müssen.

ed2murrow 05.03.2014 | 17:49

Tebori, also ja, ich finde auch, dass Hochbegabte viel zu sehr unter ihrem Preis verkauft werden. Vor allem von den Eltern, die das Hochbegabtsein völlig verkennen. „Du Erna, seitdem Jean-Pascal im Kindergarten ist, macht er wieder ins Bett“. „Wieso das denn?“ „Ich glaub, mein Jean-Pascal ist hoch begabt“. „Und wie kommst Du darauf?“ „Er macht‘s vom Bettrand aus“.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 19:06

Ich stimme Ihnen voll und ganz zu.

Beispiele:

- "Und vieles ist dann in seiner Mischung aus Kleinkariertheit und Selbstüberschätzung absehbar: Wo es um wirkliche Macht geht, ist der Rechthaber bald extrem lästig, und die Dramen im Berufsleben des Thilo Sarrazin zeigen sich vor allem als zähe Abwehrkämpfe gegen die Bemühungen seiner Kollegen, ihn loszuwerden. Ohne jede Häme gesagt: Ein erfolgreiches, ein harmonisches Berufsleben sieht anders aus. Man muss sich Thilo Sarrazin als einen unglücklichen Menschen vorstellen.

Dieses Unglück ergibt sich aus dem Charakterbild des Rechthabers. Es ist ein Mensch, der sich zunächst nach Anerkennung, Zuwendung und Integration sehnt, eben dies alles aber verfehlt, weil er selber nichts davon geben kann, weil er Nähe, Verständnis und Berührung scheut."...

"Sobald Tilo Sarrazin damit aufhört, sich hinter Zahlenschwurbel und seinem typischen Oberlehrer-Zeigefinger zu verstecken, und sobald er aufhört, sich zwischen Wehleidigkeit und Heimtücke gegen seine Kritiker zu positionieren, kommen ihm solche Sätze unter....

Übebelstes Unterdiegürtellinieschlagen.

In dem von uns steckt mehr oder weniger der Rechthaber, Oberlehrer, Anererkennungsuchender, Liebebedürftige, Klugsch., Besserwisser... Außer in dem Autor des Artikels natürlich. .-) Und das stimmt auf alle Fälle. Wer das Gegenteil behauptet, hat null Ahnung und auf alle Fälle unrecht! (-:

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 19:46

Finde ich falsch, rechercheuse. Warum, verdammt noch mal, setzen sich nicht kluge, rhetorisch gute Leute, mit ihm und seinen Thesen sachlich auseinander. Sarrazin könnte sich im Anschluss an eine öffentliche Diskussion den Fragen aus dem Publikum stellen.

Wenn er tatsächlich Mist schreibt - ich habe nichts von ihm gelesen - dann muss es doch möglich sein, hn zu widerlegen.

Vielleicht hat er auch in einigen Punkten Recht, auch wenn's persönlich nicht gefällt.

Ich sehe mich ja fast genötigt ein Buch von ihm zu kaufen, um mitreden zu können.

Hat mal jemand ein zentrales Zitat, eine zentrale These, zu denen man etwas sagen kann?

Grüße, eliRea

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 20:02

"...dass Frauen bei IQ-Tests eine andere Verteilung aufweisen - das scheint gesichert.

Aber es "sagt" eben NUR genau das aus - eigentlich: nämlich, dass es bei Frauen einen anderen Verlauf der Ergebnisse genau dieses TESTS gibt."

Wissen Sie darüber mehr? Welche Frauen, wo, wann, wieviele wurden denn geteste? Geht es um einen bundesdeutschen oder weltweiten (?) Durchschnitt?

.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 20:05

"Für mich ist neben den unsäglichen Auswüchsen in der "Kritik" an ihm wie hier - das ist keine Kritk mehr, das ist strafrechtlich relevant, es wimmelt von persönlichen Diffamierungen und wenn Sarrazin das durchklagen würde, fände ich es richtig, damit gewisse Journalisten und Blätter mal endlich merken, dass sie keine Narrenfreiheit haben im Leuteruinieren. Eben ist Wulff freigesprochen worden, der ohne die medialen Exzesse nie vor Gericht gelandet worden wäre, und anstatt dass die Presse sich entschuldigt, sind offenbar die Grenzen nur verschoben worden."

Sehe ich auch so.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 20:10

Muss ich unbedingt noch mal posten und Ihnen absolut beipflichten!

"Also zur Psychologie: weswegen ich bei diesem "Artikel" jede Toleranz für unangebracht halte ist, dass das ein Fach ist, das dazu dient anderen Menschen zu helfen und nicht sie als "krank" zu etikettieren. Bevor man sein erste Gutachten verfasst, unterschreibt man, auf einen sehr kurzen Nenner gebracht, dass man sein Wissen nur zum Wohl anderer Menschen einsetzt.Psychologische Begriffe so als Waffe für Beleidigungen zu gebrauchen, ist fachlich und menschlich ein absolutes no-go."

(Fettformatierung von mir.)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 20:18

Na gut, dann muss ich es wohl dabei belassen mich selbst zu fragen. :-)

Ihren letzten Satz halte ich, wenn Sie gestatten, wenn nicht, auch o.k., für falsch. Ich zum Beispiel kenne Leute, die sich "außerhalb des Freitag" für Augsteins Projekt sehr interessieren, sogar solche, die sich massiv daran stören, dass es ein öffentliches Medium gibt, dass sich (noch) jeglicher Kontrolle von außen entzieht und ein Verleger, der sich trotz aller Schikane und Diffamierungsversuche gewissen Leuten nicht unterwirft.

Trotzdem nette Grüße und einen schönen Tag noch.

oranier 05.03.2014 | 20:44

Tut mir leid, dass meine ironisch gemeinte Antwort Sie nicht zufriedenstellt.

Ich bin aber der falsche Adressat für Ihre Frage. Es gibt und vor allem gab hier Leute in der FC, die meinen, Augstein fahre sein Projekt systematisch an die Wand.

Wenn Sie @CHRISTINE QUINDEAU recht geben, kritisieren Sie doch zugleich, dass Augstein den unsäglichen Artikel veröffentlicht.

"dass es ein öffentliches Medium gibt, dass sich (noch) jeglicher Kontrolle von außen entzieht und ein Verleger, der sich trotz aller Schikane und Diffamierungsversuche gewissen Leuten nicht unterwirft."

Wer die "gewissen Leute" sein sollen, denen sich Augstein widersetzt, keine Ahnung. Der Freitag kann sich jeglicher Kontrolle von außen entziehen, weil er Augsteins Spielzeug ist, mit dem er sich medial gut in Szene setzen konnte und kann. Er kann sich das leisten, nicht wegen seiner herausragenden yournalistischen Meriten, sondern weil er als Erbe des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein das nötige Kleingeld hat.

miauxx 05.03.2014 | 21:04

Auch was Sarrazin schreibt, ist Literatur. Wir können doch jetzt nicht ernsthaft anfangen, auf Basis von subjektiven Werturteilen zu bestimmen, was als Literatur gelten darf, und was nicht.

Meine Ansicht habe ich auch bereits erschöpfend dargelegt - soll heißen, mir fällt nicht mehr viel Neues dazu ein. Ich finde nach wie vor, dass sich Seeßlen dem gewählten Gegenstand entsprechend verhält. Zugeben würde ich aber, dass man in Seeßlens Besprechung den Versuch einer möglichst schmerzhaften Heimzahlung an Sarrazin lesen kann. Genaues Hinsehen dürfte aber deutlich machen, wie nah am Text Seeßlen argumentiert und erörtert.

Weitgehend würde ich mich ed2murrow anschließen - auch wenn der nicht meiner Einschätzung des Seeßlen-Textes zustimmt. Und zwar in puncto wissenschaftlicher Auseinanderstzung mit Sarrazin: Schon im Falle "Deutschland schafft sich ab" wurde doch ziemlich schnell klar, dass man dafür nicht lange und tief im Werk schürfen muss.

Ich denke auch, dass Seeßlen nicht allen Erntes beabsichtigt, mit dieser Besprechung Sarrazin möglichst wirkungsvoll auszuhebeln. Das wird nicht funktionieren - genauso wenig, wie sich wissenschaftliche Widerlegungen hier eignen. Ein Sarrazin müsste auf ganz anderer Ebene bekämpft werden.

Zum Schluss: Ich bin zwar kein Jurist - mir aber sicher, dass Sie keine Passage im Text Seeßlens finden, die den von Ihnen zitierten §186 StGB greifen lassen würde bzw. keine Passage, die im Sinne "übler Nachrede" ausgelegt werden könnte. Weil schlicht keine enthalten ist.

Magda 05.03.2014 | 22:20

Ich finde nach wie vor, dass sich Seeßlen dem gewählten Gegenstand entsprechend verhält. Zugeben würde ich aber, dass man in Seeßlens Besprechung den Versuch einer möglichst schmerzhaften Heimzahlung an Sarrazin lesenkann. Genaues Hinsehen dürfte aber deutlich machen, wie nah am Text Seeßlen argumentiert und erörtert.

Jo, ich lese den Seeßlen sowieso gern und wenn er meint, er liest den Text wie eine Krankenakte, dann ist das eine Meinung und nicht die Behauptung Sarrazin sei krank oder so. Wobei - die "Diagnose" ist gar nicht so schlecht.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 22:39

Ich versteh nicht was unverständlich ist. Ich will sagen, dass man "psychologisch" jeden so auseinandernehmen kann, dass es weh tut, auch Augstein. Und dass das generell kein hinnehmbarer Diskussionsmodus ist. Und Augstein, wenn ihm solche Werte, dass man sachlich und nicht persönlich argumentiert, nicht um ihrer selbst willen existenziell wichtig sind, was ich sehr bedauerlich finde, sich zumindest deswegen an ihnen orientieren sollte, weil er auch darauf angewiesen ist, dass andere nicht solche "Analysen" über ihn veröffentlichen, wie er sie hier über Sarrazin veröffentlicht. Debattenkultur.

Zu den anderen Punkten: naja hast du das Buch gelesen? Das ist wirklich keine Literatur, um Himmelswillen. Denke auch nicht, dass Sarrazin Anspruch drauf erheben würde, ich denke er denkt, das sei ein Sachbuch. Selbst wenn, ist das ein sehr schlecht geschriebenes ;-)

Ansonsten sind wir eben unterschiedlicher Ansicht. Auch wenn ich einräume, dass ich den Artikel nicht so scharf verurteilen würde, wenn Seeßlen seine persönlichen Angriffe und Diffamierungen nicht mit "Oldschool-Psychologie" geadelt hätte und es vermieden hätte psychologische Fachtermini zu Erkrankungen zu verwenden, nur um Sarrazin eins reinzuwürgen. Aber so: geht gar nicht.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 22:45

Ich bin zwar kein Jurist - mir aber sicher, dass Sie keine Passage im Text Seeßlens finden, die den von Ihnen zitierten §186 StGB greifen lassen würde bzw. keine Passage, die im Sinne "übler Nachrede" ausgelegt werden könnte. Weil schlicht keine enthalten ist.

Narzisst, Zwangsneurotiker, Verfolgungswahn... lässt sich sicher noch viel mehr finden, ich hab jetzt nur die, die mir grade präsent sind, genannt. Es ist üble Nachrede zu behaupten jemand hätte psychische Erkrankungen, wenn das nicht nachweislich wahr ist. Eigentlich klar, oder? Dass Seeßlen das selbst wahrscheinlich nicht ernst meint, sondern nur zu Diffamierungszwecken behauptet, macht die Sache ja nun nicht besser.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 23:03

Naja wer wann geht, muss man den Leuten schon noch selbst überlassen ;-)

Also grade die psychologisch-empirischen Aspekte zur Intelligenz sind noch nicht durch. Woran das liegt, weiß ich nicht. Es gibt kaum Journalisten, die Psychology of Science studiert haben, einerseits und andererseits sind die Psychologen der neueren Jahrgänge (und Psychologie ist erst seit ein paar jahren eine Naturwissenschaft) aus mir unerfindlichen Gründen total unpolitisch. Es ist hart zu sagen, aber bei der Guttenberg-Affäre wussten viele nicht, wer Guttenberg ist. Wenn man in einem Seminar mit einem politischen Vergleich zur Verdeutlichung kommt, sieht man in ihre Augen und man sieht: nichts. Die vollkommene Leere. Die einzigen, die glucksen, sind die Älteren. Deswegen sind die psychologischen Missverständnisse nicht hinreichend ausgeräumt. Wobei die nur ein Teil sind, das ist mir schon klar, aber stechen mir besonders ins Auge.

Und das liest sich einfach wie Laienfehler. Nachdem ich davon ausgehe, dass alle Fehler, die er macht, eindeutig Fehler sind, wie sie jemand machen würde, der das Fach nicht studiert hat, nehme ich an, dass das der Grund für die Fehler ist. Das ist keine Verteidigung von Sarrazin.

Wegen der Volksverhetzung: Also das subsumieren Sie mir vor!!! Das geht niemals durch.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 23:20

Hab’s gelesen, vielen Dank für die Ausführlichkeit

wacker, wacker! ;-)

finde ich vor allem notwendig, die rumpelnde Inszenierung als solche zu benennen und zu sezieren.

Sicher. Dazu hab ich bei seinem ersten Buch schon viel einschlägige Kritik gelesen. Nur niemand wollte damals glauben, dass Intelligenz, wie sie im IQ gemessen wird, tatsächlich zum Teil erblich ist. Und man dadurch gar nicht dazu kam, deutlich zu machen, wo die Fehler liegen. Aber das ist natürlich nicht Alpha und Omega der berechtigten und notwendigen Kritik, nur der Knackpunkt, wo Sarrazin auf den Holzweg gerät. Und ich nehm ihm schon ab, dass er wirklich an seine Thesen glaubt.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 23:31

Ja die Hochbegabten kiregen nirgends Unterstützung. Wieso Linke besonders allergisch darauf reagieren, wenn man findet ALLE Kinder müssen gefördert werden, nicht nur Schwache, liegt eben an der Tendenz zur Mitte. Alle sollen in die Mitte, folglich darf (soll) man die Hochbegabten ausbremsen.

Dass das Ausbremsen nicht zur Mitte führt, sondern schwere Probleme hervorruft, wie bei jedem Kind, das nicht angemessen gefördert wird, fällt dabei unter den Tisch. Zu mir hat letztens ein ehemals hochbegabtes Kind, das jetzt studiert, gesagt: Zum ersten Mal in meinem Leben werd ich verstanden, wenn ich etwas sage. Die Professoren finden es sogar gut und starren mich nicht nur verständnislos an, wahnsinn. Er hat so gestrahlt, als er es erzählt hat. Da hab ich mir auch gedacht: ouh je, wer hält denn das durch, wenn man die ganze Schulzeit durch nicht durchdringen kann, mit dem was man sagen möchte. Allerdings er hatte noch Glück. Viele versagen ja dann in der Schule oder werden so unangepasst, dass sie nicht mehr auf die Regelschule gehen können.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 23:44

Wenn er sich mit der Forschung tatsächlich beschäftigte, nachdem er gelesen hat, bestärkt das den Eindruck, dass er nicht analysiert, nicht versteht und Zusammenhänge nicht erkennen kann

Exakt, das ist mein Eindruck. Es hapert bei Sarrazin am Denken in Zusammenhängen, am abstrakten und analytischen Denken... ich will ja nicht sagen an der Intelligenz, aber....

eigentlich genau das :-)

Also falls er sie hat, hat er sie zumindest bei seinen Thesen nicht ausreichend in Anwendung gebracht ;-)

Seine Thesen sind auch wahnsinnig unstrukturiert. Man denkt bei 14 Thesen, was willst groß falsch machen? Schreibt man eben pro Punkt eine These auf. Aber alles greift in alles, er kann kaum beim Thema bleiben, und greift es dafür bei der übernächsten These wieder auf. Also strukturiertes Denken, Denken in Oberbegriffen, das Finden von Abstraktionen wurde nicht ausreichend angewendet ;-)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 06.03.2014 | 00:06

"... Das ist desaströs falsch. Ein Kernirrtum ist: der IQ ist nicht mit Intelligenz so wie wir sie im normalen Sprachgebrauch verstehen gleichzusetzen.

Der nächste Irrtum:..."

Sie kritisieren Sarrazin in der Sache mit Fachwissen, in verständlicher und glasklarer Sprache. Auch als Laie verstehe ich, was Sie meinen. Find' ich klasse. Und spannend und interessant.

elisRea

Avatar
Ehemaliger Nutzer 06.03.2014 | 00:12

Ich hab schon heute Mittag Ihr Blog gelesen, wollte aber nicht an zwei Stellen zum gleichen Thema posten.

Wegen Presserat: Das würde mich ja dann doch in einen Konflikt stürzen. Es ist ein Unterschied, ob man deutlich sagt, dass dieser Artikel unzumutbar ist und fände es richtig, dass der Geschädigte als Betroffener das durchklagt als mich zur Richterin zu machen. Diese Art persönlich zu diffamieren ist insgesamt leider so endemisch in den Medien geworden und dass man just beim Freitag anfängt, offizielle Schritte einzuleiten, kommt mir persönlich nicht eindeutig angemessen vor. Und gewiss nicht, solange ich hier noch meine Blogs hab. Also der erste Schritt ist sich selbst nachhaltig distanzieren. Wenn ich sagen würde: du kannst dich mit dem Freitag wirklich nicht (mehr) gemein machen, dann geh ich als Erstes raus und nicht als Erstes zum Presserat.

Sicher ist schwierig, denn ich hab mir schon ein paar mal gedacht, das geht ja nun gar nicht mehr. Aber nachdem Augstein und die Online-Redaktion eisern schweigen bei Kritik, sind sie eben wie der Wind, man sieht sie nicht, man sieht nur was sie tun. Und das ist mal so und mal so. Ich hoff ich verpass den Absprung nicht. Ich kann für mich nur sagen: Gut tut mir der Freitag schon seit einer Weile nicht mehr. Aber andererseits: Alles fließt ;-)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 06.03.2014 | 05:05

liebe elisrea,

hmm ... es war keine haltung von mir ... nur eine info zu diesem thema, zu dem ich eigentlich nix sagen möchte, genau weil ich seine bücher nicht gelesen habe und auch keine zeit und lust dazu habe ... doch auch ohne mich *lach* gibt es ja diese diskussion und zitate und reaktionen kursieren durch die medien

es gibt soviel, was bei mir ekel und widerspruch erregt ... ich bin aber nicht der contra- ... sondern eher der pro-typ und meide die nähe zu schlechter gesellschaft

grüsse

ed2murrow 06.03.2014 | 09:58

@ Christine Quindeau05.03.2014 | 23:03

Naja wer wann geht, muss man den Leuten schon noch selbst überlassen ;-)

Ich habe Sie zu nichts aufgefordert als zu der Konsequenz, die sie dann nachfolgend zumindest verbal gezeigt haben, wenn sie -> anderweitig betonen, das würde Sie „ja dann doch in einen Konflikt stürzen.“ Wie Sie sich verhalten, entspricht dem, einen Stein zu werfen und dann die Hand zu verstecken. Sie kommen damit offensichtlich klar.

Wegen der Volksverhetzung: Also das subsumieren Sie mir vor!!! Das geht niemals durch.

Die „Nichtintegrierbarkeit“ oder „Unbelehrbarkeit“ ist von Herrn S. postuliert, denn das hatte er weit vor dem Buch und bereits in Lettre International behauptet. Dass das ein Angriff auf die Menschenwürde ist und zwar durch Verleumdung ganzer Bevölkerungsteile, sollte hoffentlich keiner weiteren Begründung bedürfen. Spätestens dann, wenn es im Zusammenhang mit dem Buchtitel gelesen wird, dass das eines der Ursachen für den „Niedergang Deutschlands“ sei, dürfte der korrumpierende Charakter der Aussagen deutlich sein.

Daran ändert ihre Hilfsargumentation überhaupt nichts, es seien „die psychologischen Missverständnisse nicht hinreichend ausgeräumt.“ Abgesehen davon, dass hier Genetik à la Herr S. im Zentrum steht und nicht Ihr Studienfach, Frau Quindeau: Der deutsche strafrechtliche Ehrenschutz wendet sich gerade bei der Verleumdung gegen unsubstantiierte Aussagen, so dass sie erst dann und gegebenenfalls in ihrer Herabwürdigung legal sind, wenn sie nachweislich wahr sind. Die von Ihnen vorgenommene Beweislastumkehr ist also im Ergebnis nicht nur contra legem. Sie genügt nicht einmal sonstigen Ansprüchen an wissenschaftliche Lauterkeit, wie sie von Kerstin Elbing vom Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland als selbstverständlich ausgeführt und praktiziert wird. Sie ist also nicht einmal legitim. Meine Frage an Sie: Ist die Ihre Absicht, Fahrlässigkeit oder meinen Sie tatsächlich, das Ihre sei State of the Art?

Und natürlich ist es nicht (!) „geeignet, den öffentlichen Frieden zu stören“, weil das sarazzenische Postulat (!) gut verkleidet als „naturwissenschaftlich fundiert“ daher kommt. Es wird kaum einen Richter geben, der nicht analog zu Ihrer Argumentation hier in der Threadfolge darauf erkennen würde, Herr S. habe da lediglich etwas falsch verstanden oder interpretiert. Die so in eine fahrlässige Begehungumgedeutete, selbst wenn sie grob wäre, ist bekanntlich straflos, trotzdem Herr S. erkennbar induktiv statt deduktiv gearbeitet hat.

Aber es kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht nur der „öffentliche Friede“ Schutzgut des § 130 I Nr. 2 StGB ist, sondern in erster Linie die Menschenwürde. Deren rezeptive Ungleichbehandlung durch Sie, Frau Quindeau, wundert mich schon gar nicht mehr, sie ist mittlerweile State of Politics, trotz Antidiskriminierungsgesetz. Oder sollte ich schreiben: Gerade deswegen, nämlich auf der Suche nach der Lücke in jenem Schutzgesetz?

Aber damit sind wir bei der Meinungsfreiheit, die Sie derart protzig in den Mittelpunkt stellen, dass Sie Seeßlen und Augstein den Richter auf den Hals wünschen. Spätestens da wäre natürlich die Strafbarkeit von Herrn S. kein Thema mehr. Und weswegen ich im vorigen Kommentar geschrieben habe, Seeßlen habe in jeder Hinsicht Herrn S. „gespiegelt“.

Denn es kann gar kein Zweifel bestehen, dass Herr S. vor dem Tribunal der Öffentlichkeit beständig dieses Recht auf freie Meinungsäußerung angeführt hat, nachdem ihm die naturwissenschaftliche Basis als nachweislich falsch weggebrochen ist. Und natürlich hat sich Herr S. trotzdem nicht bei Herrn X oder Frau Y entschuldigt, die er mit seinen globalen, scheinsachlichen Anwürfen gegen deren „Migrantentum“ auch persönlich getroffen hat und treffen wollte.

Seeßlen hat Herrn S. nun spiegelbildlich höchst persönlich konfrontiert und ihm buchstäblich vor Augen geführt, was es bedeutet, politisch zu personalisieren.

Seeßlen hat damit auch die Lektion von Theodor Mommsen umgesetzt, dass dieser zu spät und zu zurückhaltend im Berlin des endenden 19. Jahrhunderts eingegriffen hat.

Wenn gleiche Maßstäbe anzusetzen sind, dann in der Freiheit, Gleiches mit Gleichem zu erwidern. Nennen wir es künstlerische oder Freiheit der Meinung: Herr S. wird sich hüten, Anzeige zu erstatten. Das Risiko, dass inzident wie zwangsläufig seine bisherigen Bekundungen auf den Prüfstand justizförmiger öffentlicher Verhandlungen kämen, ist ein Luxus, den er sich nicht leisten kann. Denn es käme ebenso zwangsläufig die Frage auf, welche berechtigten Interessen da wie von wem vertreten werden.

Ein Letztes. Ihre -> Bekundung, Zitat per c&p: „die Hochbegabten kiregen nirgends Unterstützung“ ist schlicht falsch. Ich neige dazu, sie als schriftliche Lüge zu bezeichnen. Ich habe über Jahre den Werdegang eines mittlerweile jungen Mannes mit verfolgen dürfen, der in naturwissenschaftlichen Fächern nachweislich außerordentliche Leistungen erbracht hat. Die auch finanzielle Förderung durch entsprechende Schulen, Institute, später Universitäten war nicht eine Frage des „Ob“, sondern nur noch eine der Qualitätsvergleichung anhand der massiven Angebote, die auch online abrufbar sind. Dahinter steht eine Mutter, die sich sehr objektiv mit der Situation ihres Sohnes auseinander gesetzt und nicht gleich weiche Knie bekommen hat, einen „Genius“ geboren zu haben.

„Eliteförderung“ gibt es zuhauf. Sie stellen Sie in Abrede. Und reihen sich damit perfekt in das Bild ein, das ein Herr S. als Selbstabschaffung bezeichnet: Zuviel für „Gemüseverkäufer“, zu wenig für die „Eliten“, also die Kreise, die Herr Seltsam tatsächlich für die eigenen hält. Das ist nicht nur überheblich: Das ist Elitarismus und das genaue Gegenteil von Förderung, nämlich eine gedachte und gewollte hermetische Abschließung eines Kreises, der dieses Land lenken solle. Sie haben sich vollumfänglich als dessen notionistischer Fan erwiesen. Besten Dank dafür.

Ratatörskr 06.03.2014 | 10:44

Es kann angenommen werden, dass kluge, rhetorisch gute Leute keine Lust mehr dazu verspüren, sich mit einem Mann auseinanderzusetzen, der auf dem Diskussionsrasen ohne strategisches Konzept 14 Bälle in ein Tor ballern will.

Was verstehen Sie unter einem "zentralen Zitat", wenn schon der Buchtitel kein Zentrum hat?

Auf die hier augenblicklich vorgetragene Meinungsvielfalt der Kritik an J.A., dem Freitag und dem Artikel "Fallstudie G.R." bezogen, wird der Widersinn der Doppeldeutigkeit des Buchtitels deutlich. Kritik u. Verteidigung ist möglich. Von "Tugendterror" keine Spur.

Sarrazin bleibt seiner Vita treu. Er stellt keine "zentrale These" heraus, spielt strategielos und löscht kommentarlos, was sich als nicht passend erweist. Er schmollt und fühlt sich tugendterrorisiert. Seinem Meinungsterror fehlt der strategische Mittelbau, Inspiration u. Kreativität.

Gibt es eine neutrale, positive Buchbesprechung?

Avatar
Ehemaliger Nutzer 06.03.2014 | 16:06

"Es kann angenommen werden, dass kluge, rhetorisch gute Leute keine Lust mehr dazu verspüren, sich mit einem Mann auseinanderzusetzen, der auf dem Diskussionsrasen ohne strategisches Konzept 14 Bälle in ein Tor ballern will."

Gut, und warum ignoriert und boykottiert man seine Schriftstücke nicht einfach, statt durch Negativkritik und lautstarke Proteste auf sie neugierig und somit Werbung zu machen?

Was verstehen Sie unter einem "zentralen Zitat", wenn schon der Buchtitel kein Zentrum hat?

Ersetzen Sie von mir aus "zentral" mit "irgendeinem", "skandalösen", "xy". Ich wollte mir Zeit und Arbeit sparen. Bin manchmal etwas faul und setze die Prioritäten anders als mein Nachbar.

"Auf die hier augenblicklich vorgetragene Meinungsvielfalt derKritik an J.A., dem Freitag und dem Artikel "Fallstudie G.R." bezogen, wird der Widersinn der Doppeldeutigkeit des Buchtitels deutlich. Kritik u. Verteidigung ist möglich. Von "Tugendterror" keine Spur."

Verstehe ich nicht.

"Sarrazin bleibt seiner Vita treu."

Ich kann mit "Vita" im Zusammenhang mit S. nichts anfangen. Bin wohl etwas begriffsstutzig. Pardon. Habe den Begriff extra nachgegoogelt:

"Eine Vita (v. lat. vita ‚Leben‘, pl. Vitae, Viten) ist im Allgemeinen die literarische Beschreibung des Lebens einer bekannten Persönlichkeit und zählt zur literarischen Gattung der Biografie. Traditionell werden bevorzugt antike und mittelalterliche Biografien Viten (oder Vitae) genannt. Eine Sonderform stellen die Heiligenlegenden dar.. "

Ich kenne weder die Biographie von S. in groben Zügen noch im Detail. Aber, wenn ich Sie richtig verstehe beziehen Sie "Vita" auf sein "literarisches Schaffen" und seine diesbezüglich vertretenen Thesen, auf die ich immer neugieriger werde.

"Er stellt keine "zentrale These" heraus, spielt strategielos und löscht kommentarlos, was sich als nicht passend erweist."

Wenn das so ist, dann wäre dies m.M. nicht der Rede wert. Ab in die Tonne damit und gut ist. Nur - was ist mit der Wirkung, die sein Buch auf Menschen hat, wenn ihm nicht in der Sache widersprochen wird?

"Er schmollt und fühlt sich tugendterrorisiert. Seinem Meinungsterror fehlt der strategische Mittelbau, Inspiration u. Kreativität."

Ja nun. Wo ist das Problem? Ich bin so naiv zu glauben, dass man Menschen, wenn man meint, vielleich sogar genau weiß, dass sie völlig daneben liegen mit ihren Gedankengebäuden, (weil sie etwas übersehen oder sich verannt haben) argumentativ überzeugen, zumindestens zum Nachdenken bringen kann (vorausgesetzt sie lügen nicht aus Profitgier).

Schönen Tag noch, elisRea

Gibt es eine neutrale, positive Buchbesprechung?

miauxx 06.03.2014 | 23:24

"Narzisst, Zwangsneurotiker, Verfolgungswahn"

"Pfadfinder mit Zwangsneurose" schreibt Seeßlen. Das ist grenzwertig, weil die Bezeichnung für den klinischen Befund Neurose drin steckt. Über die Qualität des Textes kann man streiten - aber der Rest der "Befunde" Seeßlens ist definitiv unverfänglich. Mensch - was soll "man" denn auch für Worte finden angesichts eines solchen Sarrazin??

Du beißt Dich aber auch furchtbar am 'Wissenschaftlichen' fest. Nur, behaupte ich, will das der Text Seeßlens nicht (habe ich oben bereits ausgeführt). Mit "Oldschool-Psychologie" versucht er doch nicht, einen Feuilleton-Beitrag als klinischen Befund zu "adeln". Alles spricht dagegen - sieht man das denn nicht??!!

Avatar
Ehemaliger Nutzer 07.03.2014 | 00:26

Wir haben uns jetzt schon ganz gut ausgetauscht, oder?

Du findest, dass Sarrazin das verdient hat und ich finde, die psychisch Kranken, die Psychologie und die Debattenkultur haben das nicht verdient ^^

Ich glaube man kanns auf den Nenner bringen. Dass sich jemand total arg ärgert, wenn er das ganze Buch gelesen hat, kann ich sehr gut verstehen und finde es auch einen sympathischen Aspekt an dem Artikel, dass Seeßlen sich das anmerken lässt. Ich kann auch verstehen und habe oft das gleiche Bedürfnis, mich für die entgangene Lebenszeit, in der man weiß Gott besseres tun könnte als den Schwachsinn lesen, zu rächen :-)

Du hast den Artikel gern gelesen, mir hat es so die Schuhe ausgezogen, dass ich beim ersten Lesen nach der Oldschool Psychologie weggeklickt hab. Falls es dir dein Verständnis für meine Haltung erleichtert: Ich hatte davor schon Mariam Lau auf Phoenix sagen hören, der Grund für das Buch sei eine "narzisstische Kränkung"(was für ein unsägliches Gewaffel. Was das sein soll, weiß nur sie allein, eine Kränkung der Persönlichckeitsstörung Narzissmus? Und woher weiß sie, dass er eine hat? Aus dem Kaffeesatz? Hauptsache, dumm dahergeschmarrt). Sie gab unumwunden zu, das Buch nicht gelesen zu haben, aber trotzdem scheint die narzisstische Kränkung vielen anderen Journalisten gefallen zu haben, denn man las es in Variationen mehrfach. Mich hatte davor schon sehr genervt, wie die Ferndiagnosen über Edathy einprasselten ohne dass auch nur EINER wenigstens die fachlich richtige Bezeichnung für seine Neigung verwendet hätte. Heißt: Kein Aas hat sich bemüßigt gefühlt, sich überhaupt mal mit Edathy und dem Phänomen zu beschäftigen, mit einer normalen neutralen Haltung, bevor er seine Urteile verkündete.

Es widerspricht für mich einfach elementar dem zwischenmenschlichen Anstand, jemandem psychische Störungen zuzuschreiben.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 07.03.2014 | 01:21

Meine Frage an Sie: Ist die Ihre Absicht, Fahrlässigkeit oder meinen Sie tatsächlich, das Ihre sei State of the Art?

Ich sprach nicht von Verleumdung, sondern von übler Nachrede und hab nirgends die Beweislast umgekehrt, sondern im Gegenteil darauf hingewiesen, dass es sich nur dann um üble Nachrede handelt, wenn es nicht nachweislich wahr ist. Den Nachweis zu erbingen dürfte für Seeßlen unmöglich sein.

Ich weiß nicht was Sie bezwecken, wen wollen Sie beeindrucken? Ein imaginäres Publikum? Unser juristisches Geplänkel interessiert keinen Schwanz. Also entweder Sie reden mit mir oder es geht ins Leere. Oder was ist Ihr Anliegen? Verständigung ganz offensichtlich nicht und an etwas anderem bin ich nicht interessiert.

Sie haben sich vollumfänglich als dessen notionistischer Fan erwiesen.

Nein. Sarrazin geht es nicht um Hochbegabung, ihm geht es um gesellschaftskonforme Leistung. Mir geht es um Hochbegabung nach der psychologischen Definition, die nichts anderes besagt als ein IQ von über 130. Die normale Bedeutung der Begrifflichkeit weicht von der psychologischen stark ab. Sie hat also nichts damit zu tun, ob jemand außergewöhnliche Leistungen zeigt. Wenn Sie die Schwierigkeiten von Hochbegabten in diesem Schulsystem interessiert, kann man sich darüber informieren. Ich halte die Schwierigkeiten von Hochbegabten nicht für wichtiger als die anderer Kinder, ich negiere sie nur nicht generell wie Sie.

Sarrazin geht es um etwas ganz anderes, der "Eliten"förderung auch, nämlich um einen genormten Leistungslevel, zu dem man eher mit leicht überdurchschnittlichem IQ befähigt ist (zwischen 110 und 125). Hochbegabte performen bei einfachen Arbeiten bereits schlechter als der Durchschnitt, also sie haben entgegen den allgemeinen Vorurteilen keineswegs nur Vorteile oder entsprächen Sarrazinischen oder Schavanschen Vorstellungen von "Elite".

Sie behaupten, weil ich die Schwierigkeiten von Hochbegabten anerkenne, stimme ich Sarrazin zu. Auf die Art Auseinandersetzung hab ich keine Lust.

ed2murrow 07.03.2014 | 09:45

@ Christine Quindeau07.03.2014 | 01:21

Ihre Replik strotzt geradezu:

Lüge Nr. 1, Zitat: „Ich sprach nicht von Verleumdung, sondern von übler Nachrede

Sie hatten mich aufgefordert, die Thesen des Herrn S. unter die Volksverhetzungsbestimmung zu subsumieren, -> wörtlich: „Also das subsumieren Sie mir vor!!! Das geht niemals durch.“ Das habe ich getan. Die üble Nachrede ist nicht Gegenstand der Volksverhetzung, das war Ihnen bereits bekannt gewesen. Sondern u.a. die Verleumdung.

Lüge Nr. 2,Zitat: „Unser juristisches Geplänkel interessiert keinen Schwanz

Sie haben in dieser Threadfolge, unter den Artikel des Herrn Seeßlen, in einem Medium, dessen Herausgeber und Chefredaktor Jakob Augstein ist, -> die Justiziabilität des Verhaltens der Beiden nicht nur thematisiert, sondern ganz zentral zur Aufmerksamkeit des Publikums präsentiert: „Ich fände es richtig, wenn der Autor und Augstein, als verantwortlicher Chefredakteur, sich hierfür vor Gericht verantworten müssten, damit sie mal zur Kenntnis nehmen, dass für sie die Grenzen des Rechtsstaates auch gelten.“ Sie haben das weiter ausgewalzt. Das ist juristisch, das ist kein Geplänkel und das interessiert die Leser, die Sie als „Schwanz“ bezeichnen. Offensichtlich ist alles außerhalb einer akademischen Forschungsgruppe für sie buchstäblich ein Untenrum. Haben Sie eigentlich so etwas wie Scham?

Lüge Nr. 3, Zitat: „Mir geht es um Hochbegabung nach der psychologischen Definition, die nichts anderes besagt als ein IQ von über 130.

Falsch, Ihnen geht es um, -> wie Sie selbst schreiben: „Ja die Hochbegabten kiregen nirgends Unterstützung.“ Nach meiner Widerlegung haben Sie, ganz nach Verhaltensmuster des Herrn S., anlassbedingt urplötzlich den Akzent verlagert.

Lüge Nr. 4, Zitat: „Ich halte die Schwierigkeiten von Hochbegabten nicht für wichtiger als die anderer Kinder, ich negiere sie nur nicht generell wie Sie.“

Sie stellen nicht nur deren angemessene, sondern überhaupt deren Förderung in vollständige Abrede, s. Nr. 3. Der Ihre ist nicht bloß ein Wahrnehmungsfehler. Denn die strukturellen wie finanziellen Möglichkeiten der Förderung sind ohne Weiteres auch im Netz abrufbar und lassen kraft ihrer Anzahl sogar eine breite Wahlmöglichkeit. Im Übrigen verweise ich auf meine Schilderung -> hier, vorletzter Absatz. Take it or leave it.

Lüge Nr. 5, Zitat: „Sie behaupten, weil ich die Schwierigkeiten von Hochbegabten anerkenne, stimme ich Sarrazin zu“.

Man könnte sich begnügen, Ihre Schlussbemerkung als übliche Rabulistik abzutun, um den Vorwand zur Gesprächsbeendigung zur liefern. Sie ist aber gleichzeitig eine Verfestigung ihrer völlig aus der Luft gegriffenen Behauptung, Hochbegabte kriegten nirgends Unterstützung. Und damit erst recht eine Apologie auf die Thesen des Herrn Seltsam, der sich wenigstens darauf beschränkte, cetero censeo die ungenügende Förderung an den für ihn richtigen Stellen zu beklagen.

Auf die Art Auseinandersetzung hab ich keine Lust“ kann ich verstehen. Denn zu Ihrer Verteidigung haben Sie in einem ¾ einer DIN-A4 Seite entsprechenden Raum, 5x bewusst falsche Tatsachen behauptet. Also gelogen. Und dabei habe ich mich lediglich auf Ihren letzten Exploit beschränkt. Sonst wäre ich gezwungen, das als „wie gedruckt“ zu bezeichnen.

Das mussten Sie, nachdem von mir Ihre Worte genauso auf die Goldwaage gelegt wurden, wie Sie es für die von Seeßlen und damit für die Verantwortung von Augstein sogar justiziabel wünschen. -> Mitgewissen Journalisten und Blätter“ haben Sie aber nicht nur diese ihrem fragwürdigen Wahrheits- und/oder Gerechtigkeitssinn -man sieht ja den Gehalt- unterworfen. Sie haben gleichzeitig die Plattform diffamiert, auf der sie selbst schreiben. Und damit sich selbst diskreditiert. Ich habe, ganz in Ihrem Sinne, Ihrem entrüsteten Brustton lediglich ein wenig aufgeholfen.

Ratatörskr 07.03.2014 | 10:17

"Negativkritik", was ist das? Falsche Kritik oder trifft sie das Sarrazin-Zentrum, zentrales Zitat, "Tugendterror"? Ich meine, Kritik ist jedenfalls immer auch Werbung zum Nachdenken.

Ihre Fragen treffen exakt ins Schwarze des Sarrazin-Systems. Er nennt seine Thesen "Axiom" - grundlegender Lehrsatz, der ohne Beweis einleuchtet -. Neugier, Frage und Antwort nicht erforderlich, nicht erwünscht.

"Vita", ja, ich meinte seine Persönlichkeit. Auch den Teil seines Lebens, der kommentarlos bei Wiki stark verkürzt, ohne den Teil Kindheit, Schule u. Uni, ersetzt wurde.

Ich habe kein Problem mit der Sarrazinmeinung, "ich meine, das ist ein Axiom". So ist das eben für ihn. Für mich nicht.

Einen schönen Tag wünsche ich.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 07.03.2014 | 10:51

Das ist nicht Ihr Ernst, oder? Sie sagen ich hätte die Beweislast umgekehrt und verweisen auf die Verleumdung und ich sage, erstens hab ich die Beweislast nicht umgekehrt und zweitens nicht von Verleumdung gesprochen.

Weil ich das klar stelle, unterstellen Sie mir Lüge, weil ich hätte wissen müssen, dass Sie die Verleumdung als Teil Ihrer Subsumption verstehen.... ja deswegen hat das immer noch nichts mit dem zu tun, was ich gesagt habe.

Ich hab ja versucht zu erklären, wieso die "Eliten"föderung nicht Hochbegabtenförderung oder -unterstürzung bedeutet. Und dass es an Regelschulen für Hochbegabte, also für Kinder mit einem IQ über 130 keine Unterstüzung gibt, ist nicht aus der Luft gegriffen. So kommen Lehrer/innen schneller auf die Idee ein Kind könne eine Lese-Rechtchreibschwäche oder ADHS haben, aber nicht es könne hochbegabt sein, und lassen das Kind mal einen IQ-Test machen, anstatt dass sie die Vermutung äußern es habe ADHS, woraufhin die Eltern zum Arzt gehen, und das Kind dort Ritalin bekommt. Zur statistischen Notwendigkeit: Hochbegabung ist in etwa so häufig wie ADHS. Also beides ist sehr selten. ADHS wird in 15-bis 20 Prozent aller Kinder von den Lehrern und Eltern ohne Diagnose angenommen und das Kind wird daraufhin behandelt, obwohl es tatsächlich nur um die zwei Prozent sind.

Also soviel zum Wahrheitsgehalt. Ich habe den Satz Hochbegabte bekämen nirgends Unterstüzung zu Tebori geäußert im Dialog, also das ist keine Aussage vor Gericht oder sowas. Selbstverständlich wird es Hochbegabte geben, deren Eltern sie unterstüzen.

Die Definition zur Hochbegabung ist zwar wissenschaftlich, aber völlig willkürlich, rein mathematisch getroffen, weil per Definition über 130 nur noch zwei Prozent haben, also ich würde Hochbegabung im normalen Sprachsinn auch anders definieren. Aber auf diese beschränkte wissenschaftliche Definition habe ich Tebori gegenüber zugestimmt, der weiß, was unter Hochbegabung psychologisch verstanden wird.

Nein ich halte Menschen, außerhalb wissenschaftlicher Arbeitskreise natürlich nicht für ein Untenrum (was für eine Unterstellung!!), sondern denke, dass viele konträre Meinungen auf dem Missverständnis beruhen, dass in der Psychologie viele Fachtermini eine andere Bedeutung haben als das was man normalerweise mit ihnen verbindet. Das versuche ich aufzuklären, um Missverständnisse aus der Debatte zu nehmen. Es bedeutet kein Werturteil, der Herr Sarrazin habe das alles "nur" falsch verstanden. Ich kann gar nicht mit Sicherheit sagen, ob er es übehaupt falsch verstanden hat oder absichtlich so missverständlich darstellt. Ich halte es allerdings für wahrscheinlich, weil ich denke wissenschaftliche Fehler zu machen, entspricht nicht seinem Selbstkonzept. Etwas falsch zu verstehen, sagt nichts über die Gesinnung aus. Die kann dessenungeachtet rabenschwarz sein.

Genauso versuche ich die möglichen Missverständnisse um das Wort Hochbegabung Ihnen gegenüber aufzuklären. Aber wenn man Ihnen so zuliest, ist Ihnen keineswegs daran gelegen, tatsächlich das zu verurteilen, was der andere sagt oder meint, sondern lediglich einen Satz aus einem Gespräch mit einem anderen herauszugreifen und daran zu beweisen, dass der andere lügt und eigentlich im Geheimen Sarrazins Ansicht vertritt. Macht das Spaß?

Also mir vermitteln Sie das Gefühl, es geht Ihnen kein bisschen um meine tatsächliche Meinung, sondern meine Äußerungen dienen Ihnen sozusagen nur als Wichsvorlage, auf der sie Ihre vermeintliche Großartigkeit feiern ^^

Ich hab das oben geschrieben, nämlich, dass das Problem an solchen Exzessen wie der Artikel von Seeßlen ist, dass man die Debatten in Unsachlichkeit versenkt, denn wenn man sie auf eine sachliche Grundlage stellen möchte, ist man nur damit beschäftigt auf wissenschaftliche oder sachliche Fehler hinzuweisen, um möglcihe Missverständnisse zu minimieren und die die eigene Meinung hat gar keinen Platz mehr, was müham und unbefriedigend wird.

Das haben Sie offensichtlich alles nicht gelesen haben, sonst hätten Sie sich nicht als Erstes an mich gewandt mit der herblassenden Feststellung das sei psychologisch alles schon längst gesagt worden und hätten als Beleg Links gebracht, in denen nichts davon steht, was ich geschrieben habe. Das müssen Sie auch nicht lesen, aber unterstellen Sie mir doch bitte keine anderen Absichten als die, einige sachlichen Fehler von Sarrazin aufzuklären und sich für eine andere Debattenkultur einzusetzen als die, die durch den Artikel befördert wird und den Artikel und seine Veröffentlichung daher scharf zu verurteilen.

goedzak 07.03.2014 | 11:05

Guter Artikel, mit Vergnügen und Häme gelesen! Ja, ich bekenne mich zu meiner dunklen Seite, macht man doch heute so. Ich würde z.B. auch gern mal so einem besonders prächtigen Exemplar der N-Wort-Fetischisten in die Fresse hauen. Sorry, ist offtopic...

Aber ich habe auch eine Kritik an diesem Artikel, sogar eine recht grundsätzliche: Er wäre besser nicht veröffentlicht worden! Das zum Anlass genommene Gegreine hat nur eines verdient: nicht mal ignoriert zu werden! Alles andere ist leider eine ungewollte Aufwertung...

Wiederum: Warum soll es Autoren und verantwortlichen Redakteuren anders gehen als ForumskommentatorInnen? Letztere können sich auch ums Verrecken nicht verkneifen, jeden Mist, der hier auf diese Plattform gekippt wird, nächtelang zu kommentieren.

Sophia 07.03.2014 | 11:25

Also mir vermitteln Sie das Gefühl, es geht Ihnen kein bisschen um meine tatsächliche Meinung, sondern meine Äußerungen dienen Ihnen sozusagen nur als Wichsvorlage, auf der sie Ihre vermeintliche Großartigkeit feiern ^^

So ein schöner Satz. So ähnlich, aber viel umständlicher, drücke ich mich auch aus, wenn sich jemand auf Kosten von anderen profilieren möchte.
Den Satz habe ich soeben - hoffentlich mit Ihrer Zustimmung - in mein Notizbuch übertragen. - Mit Bleistift! - falls Sie Widerspruch einlegen sollten :-)

Schöne Grüße!

Avatar
Ehemaliger Nutzer 07.03.2014 | 11:32

"... Ja, ich bekenne mich zu meiner dunklen Seite, macht man doch heute so. Ich würde z.B. auch gern mal so einem besonders prächtigen Exemplar der N-Wort-Fetischisten in die Fresse hauen. Sorry, ist offtopic..."

Ja, schön. Ich kann Ihre Rachegelüste nachvollziehen. Allerdings werden auch Sie außer Ihrer dunklen Seite noch eine helle haben. Die Frage ist, welche von welcher (in welcher Situation) beherrscht wird und welche Folgen damit verbunden sind.

Die Zeiten, wo Blutrache und das Gesetz: "Für einen Getöteten (Freund) töte sieben (Feinde)" Gang und Gebe waren, dachte ich, seien vorbei. Habe ich mich wohl geirrt.

ed2murrow 07.03.2014 | 12:42

@ Christine Quindeau07.03.2014 | 10:51

Ich zitiere Sie: „meine Äußerungen dienen Ihnen sozusagen nur als Wichsvorlage, auf der sie Ihre vermeintliche Großartigkeit feiern ^^

Das ist nach „Schwanz“ bereits das zweite Mal, dass Sie zu im öffentlichen Raum geschrieben Auffassungen eine negative sexuelle Konnotation anbringen, diesmal durch das Mittel der Ironie gesteigert. Ich bin nicht vom Fach, aber meine Mitteilung von Mensch zu Mensch: Arbeiten Sie daran.

Dies gilt umso mehr, als Sie etwaiger Konnotationen wegen anderen den Richter, die Sanktion an den Hals wünschen, zu der Sie nicht in der Lage sind: die staatliche. Sie werden sicher den Unterschied begreifen: Sie halten Seeßlen und Augstein für justiziabel. Ich Sie nach dem Austausch nicht einmal für mehr für im weitesten Sinn satisfaktionsfähig, Miss Mary Long: Hypokrisie lohnt einfach nicht.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 07.03.2014 | 14:17

Liebe Christine Quindeau, danke für Ihre geduldigen und klärenden Worte. :D Auch ich bin der Meinung, alle Menschen, also bereits Kinder, sollten nach ihren Begabungen gefördert werden, damit sie zufrieden sind und gar nicht erst an Über- oder Unterforderung leiden müssen. Eine Bildungs- statt einer Geldelite fände ich gut, unabhängig vom Elternhaus sollten Kinder in der Schule gefördert werden, und nicht nur der (eingebildete und gewünschte) "Habitus" vieler Eltern. Dies könnte theoretisch durch weniger Hobbies der Kinder Geschehen, indem mehr Wert auf schulische Inhalte (="Leistung") gelegt würde als Kinder mit Hobbies zuzustopfen, die letztenendes nur der Selbstvermarktung dienen und auf die viele Kinder auch gar keinen Bock haben. Dies hört sich vielleicht naiv und theoretisch an, aber oft bewirken einfachste kleine Änderungen ja mehr als Komplexität. Seit Sarrazins ersten Buchs steigen m.E. auch die Mißverständnisse gegenüber Hochbegabten (die, wie Sie schreiben, auch nicht immer gute schulische Leistungen erbringen und dadurch psychisch leiden). Das wollte ich nur anmerken, da diese Art Vorurteile insbesondere in linken Kreisen wachsen, die eigentlich gegen Sarrazins Elaborate sind und dass Vorurteile bekanntlich sehr harnäckig sind. Es werden von S. selbst offenbar (habe nur auszüge mitbekommen) wissenschatliche Erkenntnisse u.a. mit Alltags"psychologie" und -weisheiten vermengt, die allerdings teilweise (unbewusst) genauso rezipiert werden. Dies trägt zur Aufklärung nicht sonderlich viel bei. Wenn Ed2murrow mir durch eine Figur des Lächerlichmachens zu verstehen gibt, "jedes Kind sei hochbegabt", dann ist dies ein ähnliche Vorurteil wie das gegenüber AD(H)Slern, die, oder deren Eltern, ja nur simulierten. Bei vielen ist es ja auch so, aber mit dem kleinen rest, den es wirklich betrifft, setzt sich niemand auseinander. Dass genau diese Haltungen aufgrund mangelnder Kenntnis der Hintergründe zu Vorurteilen führen, kann ich verstehen und nachvollziehen. Doch übrig bleiben dann die tatsächlich Betroffenen, deren Bedürfnisse dann verlacht oder nicht anerkannt werden. Ich vermute, viele uninvolvierte Leute sind einfach mit diesen Themen überfordert. Das kann man auch schön mit Victim Blaming oder situationsbedingter Unterlassung von Hilfeleistungen, = je mehr Beobachter einer Gewaltsituation zusehen, vergleichen; zwar nicht 1:1, aber diese unbewussten Mechnismen greifen leider. Blöde Begriffe wie "Hochbegabung" tragen tatsächlich noch dazu bei, dass es angeblich eine kleine Gruppe von Menschen gäbe, die "hoch" b.z.w. "höher" stehen als andere. Dies impliziert natürlich den Anschein, Hochbegabte seien "etwas Besseres" oder "bessere" Menschen. Er wird so viel, insbesondere von links-grüner Seite, über Begrifflichkeiten diskutiert, die Diskriminierung vermindern sollen, aber Hochbegabung ist und bleibt irgendwie "igitt", "sozial inkompetent", "eiskalt" und "verpeilt", so mein Eindruck. Typen wie Sarrazin nutzen u.a. "Hochbegabung" und Forschungsergebnisse über Bildungsthemen für ihre anscheinend rabulistischen Zwecke aus. Ob dies bewusst oder unbeabsichtigt geschieht kann auch ich nicht einschätzen, nichtmals tendenziös, da ich zu wenig über Sarrazin und Hiuntergründe weiß. Ich weiß nur, wie es bei anderen (die von und über ihn einiges mehr gelesen haben) und mirankommt. Gruß, Katsuo :D

Im dunkeldeutschen Wald 07.03.2014 | 15:37

vor einiger Zeit fand ich am Kiosk eine lustige Karte. In Grün auf Blau war zu lesen „Ein ganzer Schrank voll nichts zum Anziehen“ Die Karte fand ich lustig. Sie fiel mir beim Lesen Ihres oben genannten Artikels ein. Der Witz ist ja gerade der, dass all die Dinge, die zum Anziehen dienen, als Kleidung nicht erkannt werden bzw. nicht taugen. Das, was gestern noch eine Gültigkeit hatte, einen Wert besaß, wird im dem Moment, in dem man genau die Attribute wie schick, passend, toll, warmhaltend, sexy usw. usf. aufrufend die Kleidung aus dem Schrank nimmt, diese das nicht mehr einlösen können. Nichts zum Anziehen.

Dieser Eindruck entsteht ja dann, wenn man den im Schrank hängenden Kleidungsstücken das substantielle abspricht. Das Kleid ist eben nicht zum Anziehen. Es ließ sich einmal gut ansehen. Zum Tragen war es nie geeignet. Also keine Sachen zum Anziehen.

Oder im Schrank hängen Sachen, die nie die Funktion von „Kleidung“ im eigentlichen Sinne hatten; Faschingskostüme, museale Artefakte o.d.gl. In beiden Fällen könnte man sich auch fragen, was habe ich in der letzten Zeit eigentlich angesammelt. Substantiell ist es keine Kleidung. Es sind nur Dinge von gewisser Zeitrelevanz aber sie stehen nicht für das, was sie sein sollten –Kleidung! Oder kommen Sie als Schweinchen Dick verkleidet in die Redaktion?

Auf Ihren Text bezogen kann man die Idee der Karte vielleicht so fassen. „Zwei Seiten voll nichts zum Lesen.“

Letzte Woche schrieb ich Ihnen, weil ich vom Freitag, ganz anders als erwartet, sehr enttäuscht war. Nun lese ich in der gleichen Sparte, nach „Im dukeldeutschen Wald“ der schon recht schmalbrüstig daher kam, nun Ihren neuen Unsinn. Wenn das nun das sogenannte linksliberale Sprachsohr sein will, dann muss ich das künftig nicht mehr lesen.

Polemik ist schön. Und gut zu bedienen. Sie bleibt vor allem Polemik dann, wenn man sie nicht substantiell werden lässt. Das macht sie ja gerade aus. Polemik braucht keine Fakten. Anders als Argumentation. Polemik wirkt so fabelhaft suggestiv. Allerding kam selbst Cicero nicht ganz ohne Fakten aus. Geschickt eingestreut können sie sogar in Verbindung mit Polemik Aussagen richtig griffig machen. Nur sollte man nicht ganz darauf verzichten.

Schön ist es zu lesen, wenn unter der Teilüberschrift „Zahlenschwurbler“ dann gleich gar keine Zahlen kommen, an dem das Schwurblen dann deutlich gemacht wird. Ganz ausbleibend, wird es dann leicht Wortgeschwurbel, -was auch immer das sein mag. Jedenfalls gewinnt der Leser deutlich den Eindruck, dass der Onkel Schreibschwurbler es nicht so ganz ernst meint mit dem was er so schwurbelt und sich auch nicht die Mühe macht, auch nur einmal, nach dem Reinhauen, oder sollte ich schreiben „reinsauen“ in die Tasten, das besondere Werk noch mal zu redigieren.

Wenn ich Ihre Texte nehme, um Herrn Sarrazin morgen gegenüberzutreten, bin ich, was das Faktische angeht, denkbar schlecht gerüstet. Fakten lesen sich vielleicht etwas sperrig und sie lassen sich nicht so in geschmeidiges Journalistendeutsch gießen. Fakten machen beim Zusammentrage natürlich mehr Arbeit, weil dann die Quellen und deren Beziehung zueinander zu prüfen sind und sie ermüden beim Lesen, das schmälert den Umsatz. Und auch den Freitag gibt es ja nicht umsonst. Der muss sich ja auch rechnen. Das, das Gegenüberhalten des Faktischen beim Freitag, auch mit den polemischen Texten nicht geschieht, war auch eine nicht so erfreuliche Einsicht beim durchgehen der beiden „Texte“. Also auch das Suggestive wird aus unterschiedlichen Lagen inszeniert. Ich weiß es jetzt nicht, ich konnte das neue Buch Sarrazins noch nicht lesen (das erst fand ich bemerkenswert), werde es jetzt selbstverständlich nachholen, könnte mir aber nach dem was ich las, denken, dass er das meinte, -mit seiner Kritik an den Medien. Wenig Substanz, viel Suggestion? Was meine Sie?

So ein kleinwenig Konsistenz kann schon auch überzeugen. Und gute Recherche ist ja nun nichts wofür man sich schämen muss, liebe Redaktion.

Es wäre schön, wenn hier ein bisschen Sorgfalt walten würde, und nicht der Text von heute den Text von gestern aushebelt. Eine Woche ist zwar auch verstrichene Zeit, aber eben dann doch nicht soviel. Und Sie lassen sich als Wochenblatt ja hoffentlich etwas mehr Zeit beim Nachdenken als Ihre Kollegen der Tagespresse. Das war ja auch der Grund dafür, warum ich mich für solch ein Produkt als Leser entschied. Ich wollte eben nicht die Schnellseiche der Tagespresse lesen, sondern hoffte auf einige reifere Gedanken. Es ist eben doch anders als bei guten Soßen. Die werden aus geschmorten Suppengrün aus Möhre, Pore‘, Sellerie, Meerrettichwurzel, Apfel, Zwiebel Brantweinessig und vor allem Bratensud mit eingekochtem Lorbeer und Piment, schön durchs Sieb gedrückt, abgeschmeckt mit, Salz, Pfeffer einen Spritzer Maggi, Zitrone nie vergessen, ein kleiner Löffel Marmelade, noch Sahne und vor allem aber Rotwein dran -versteht sich- nochmal aufkochen, fertig, zusammen gerührt.

Aber es ist wohl so wie mit den Sachen im Kleiderschrank. Wenn ich in den großen Fundus zusammen geklaubter linksliberaler hohler Blasen greife, kommt eben nichts zu Lesen dabei heraus.

Im Prinzip habe ich mich gefragt, über wen schreibt denn Herr Seeßlen?!? Wollte er Sarrazin charakterisieren oder uns ein Psychogramm seiner selbst anvertrauen?

Schön zu wissen, dass Herr Seeßlen kein Rechthaber ist. So ein Eindruck kann sich faktisch nicht einstellen—wenn man seinen Text so liest. -Liegt vielleicht daran, das er nicht wirklich gut in der Schule und im Studium war und immer auf der richtigen Seite, der linken, bei der Masse, den Leute, den kleinen Leuten stand; also den verkappten Nazis, die wir Deutschen ja unstrittig alle sind. Und wenn wir es noch nicht sind, dann doch eben in jedem Falle empfänglich für jedes Nazi-Geschwätz. Alles wichtige Attribute dafür, dass man kein Rechthaber ist. Oder doch nicht? Doch ein einflussreicher, charismatischer Journalist, -direkt aus dem Olymp der Erkenntnis? Und natürlich kein Sozialdemokrat, sondern sicher ganz links davon, also direkt aus der Mitte der Gesellschaft?!?

Na das liest man ja so richtig gern. Ein ganz feiner Text, voller großer Gedanken und ganz außergewöhnlicher Präsenz und Prägnanz. So habe ich mir guten Journalismus im 21 Jahrhundert wirklich vorgestellt. Alle Befürchtungen werden doch irgendwie wahr.

Ein wenig selbst auferlegte Kontrolle und Formulierung der inneren Ziele in der Redaktion, könnten schon profilschärfend wirken. Sonst können Sie mich als Redakteur einstellen. Ich bin Busfahrer und möchte auch für den Freitag schreiben!?! Ich passe bestimmt nahtlos in Ihr Konzept.

Ich bin zwar kein Journalist, aber etwas aus dem Bauch heraus zusammenschreiben, na, das kann ich auch noch, neben dem Kartoffelbrei stampfen.

Aber es ist nicht so, dass der Freitag in einer Sinnkrise steckt? Als traurige Neben- oder Nachwirkung des ernüchternden Wahlergebnis. -Virulente Erkrankungen müssen gut auskuriert werden! Das wissen Sie?! Es kann anderen falls zu einer bösen Myokarditis kommen. Achten Sie also auf Ihre Gesundheit.

Ich hatte über mehrere Jahre eine therapeutische Ausbildung absolvieren können. Dort wurden natürlich neben vielen Krankheitsbildern auch Charakterzüge besprochen. Der Rechthaber, als Typus, wurde dort nicht behandelt. Und so, wie ich es verstanden habe, gehörte der Rechthaber nicht direkt zu den Fachtermini über den sich ein konkretes Bild darstellte. Das ist ein sehr volkstümliches Bild, was deshalb ja nicht falsch sein muss. Rechthabern wurden vielleicht unter den Formen von sog. Altersstarrsinn subsumiert, ich weiß es nicht mehr, ich bin schon so alt. Aber ich glaube Herr Seeßlen meint hier tatsächlich etwas anderes. Aber das volkstümliche liegt eben doch sehr dicht beim populistischen. Nicht? Darum bin ich Herrn Seeßlen dankbar dafür, dass ich dahingehend noch einiges fundiert Untersetztes dazu lernen konnte. Mit Blick auf den Text des Herrn Seeßlen stellt sich die Frage, wie sich die Darstellung des dümmlichen Schreiberlings, des notorischen Blödmanns, des Dünnbrettbohrers, des Sabberracks oder Schlammscheißers, des HI’s ausnimmt?

Nicht schmollen, aber nicht doch. Nur ein wenig Populismus, das vertragen Sie doch Herr Seeßlen, sicher. Schön das Bild das der Tage durch die Medien ging: Die großartige Frau Schwarzer erklärt, „dass sie eine diebische Freude daran hat, Andersdenkende so richtig runter zu machen. Das war schon ihrer Oma zu Eigen“ Was für eine Oma! Und nun bittet Sie um Verständnis, Wie sich doch die Bilder gleichen! Herr Seeßlen. Na dann mal weiter so, wer weiß, was an Ihnen einst zu finden sein wird. Und dann wünsche ich Ihnen Ihr journalistisches Pendent auf der anderen, der dann besseren Seite. Sie Armleuchter. Das ist doch nicht beleidigend. Das ist nur wohlfeiles Aufnehmen und innbrünstiges Weiterführen Ihres linksliberalen Journalisten-Stils. Das sagt man sich so ganz selbstverständlich, unter aufgeklärten, mündigen Bürgern. Damit hält man nicht hinterm Berg, sondern sagt das seinem Gegenüber blank ins Gesicht. Das ist guter Stil! Das kann man vom Freitag lernen. Fein, dummes Arschloch! Na wie weit wollen wir es denn treiben? Liebe Redakteure?

Und es ist ja geradezu lächerlich, dass Sarrazins Frau unter den Anwürfen gegen ihren Mann leidet. Die dumme Terpe! Was ist die auch so stink doof und lebt mit solchen Stinktier zusammen? Werte Redaktion! Nicht? Oder? Diese Bauern, dieses Vieh! Na das liest sich doch schön und ist so substantiell treffend. Und überhaupt nicht ein bisschen populistisch, Ihr Stinktiere, was? Das ist guter Stil! Daran muss man sich gewöhnen. Ach, weiß heißt denn hier, nicht die Form verlieren. Welche Form? Blöder Konservatismus! Form?! Das ich nicht lache. Der Sarrazin soll nicht mehr schreiben. Dann nennen wir Ihnen auch nicht einen Rechthaber, sondern nur noch einen Ochsen. Wir, die Unfehlbaren und immer Richtigen! Und das Schöne ist, wir brauchen noch nicht einmal Argumente. Unser Anwurf genügt, um andere nieder zu machen. Das ist unser gutes Recht. Dafür haben wir jahrelang Politik und Journalismus studiert. Was interessieren uns konservative Werte. Wir sind die Neuen. Wir bringen das Heil. Wenn wer national denkt, dann wir. Wir, die selbsternannte Elite. Wir, das Zentrum der Macht, das Zentrum der Meinungsbildung. Na, BILD dir Deine Meinung. Aber Freitags! Hallo! Und wer wollte uns solche Einschätzungen streitig machen. Wer hier den Diskurs führt, na das wollen doch wir allein entscheiden. Wir wollen uns doch nicht mit einem Rechthaber wie Sarrazin an einen Tisch setzen und Fakten diskutieren. Wir doch nicht, Herr Seeßlen. Wir Linken doch nicht. Nein! Es langt doch, wenn wir Recht haben und die anderen die Rechthaber heißen. Und wenn Ihr Kollege Herr Brüggeman, im Artikel „im dunkeldeutschen Wald“ ihrer letzten Ausgabe die Unfähigkeit der politischen Linken betrauert und sich wünscht das aus der Mitte heraus gegen die neue Rechte zu argumentieren ist, dann fehlt offensichtlich dem wie Ihnen Herr Seeßlen, die Einsicht, das nicht der Fehler bei den anderen liegt, sondern dass Sie der Fehler sind. So wie es die FDP nicht wahrnahm oder wahrnimmt, dass sie nicht liberal sind. Weil das freie ungehinderte Spiel der Kräfte im politischen ein Katastrophe hervorbringt und die wirkenden Kräfte eine Kontrolle brauchen. So wenig haben Sie begriffen, dass Sie als „Meinungsbildner“ nicht einfach drauflos schreiben können, sondern sich ein bisschen an den realen Gegebenheiten zu orientieren haben. Das Motto: Ich bin da zu Hause, wo man mich versteht, gilt hier nicht. Sie müssen sich mit dem Gedanken anfreunden, dass das Leben offensichtlich nicht so homogen daher kommt, als dass es sich so einfach in gut und böse aufdröseln ließe. Hier dürfte in „Ihrem“ Hirn ein übler Tumor hausen. Und es tät wirklich Not, die Augen für die tatsächlichen Dinge zu öffnen. Man muss nicht gleich in das gliche Horn wie Herr Sarrazin tönen. Das sicher nicht. Aber man wird wohl kaum um die Erkenntnis umhin kommen, dass er offensichtlich ein umfassenderes Bild von der Wirklichkeit hat als unsere schreibenden Politik- Schulbankdrücker, mitten aus dem gut situierten linksliberalen Bildungsbürgertum, die ihre ersten Klimperlinge nicht durch Zeitungaustragen, sonder als Volontär in der Redaktion bekamen; nicht verdienten, wenn nicht im weißen Schiesser-Hemd, dann aber, weil man links war, im „anthrazitenen“ Wollpullover (Kaschmir). Smart und unheimlich eloquent am Telefon. Ok. Die italienischen Schuhe quietschten ein bisschen aufdringlich.

Es tut mir irgendwie leid um Herrn Augstein. Ich halte ihn nicht per se für einen schlechten Journalisten. Im Gegenteil. Auch habe ich schon so manch wirklich lesenswerten Artikel im Freitag gefunden. Aber wenn man sich nicht auch ein paar querdenkende Mitarbeiter dazu holt, dann kommt vor dem Wochenende eben nur noch der Freitag. Und es ist eben immer gefährlich sich in einem Akt der Selbstbestäubung vermehren zu wollen. Irgendwann merkt man dann nicht mehr, dass man den Ortsvektor der Kollegen aufgenommen hat und der weist nun mal nur in eine Richtung. Und der Leser fragt sich kopfschüttelnd, quo vadis Freitag?

Und nun freue ich mich auf die nächste Ausgabe, nach der ich dann entscheide, ob ich noch Lust habe mich linksliberal langweilen zu lassen.

Schönen Sonndach noch Herr Freidach

PS: (ist so schön altmodisch) Der Titel über Buschido war auch nur rum Gelaber. Wenn die Recherche nichts weiter liefert, als das der böse Rapper Onkel Buschido nur ein ganz gewöhnlicher Kapitalist ist und seinen Reichtum genauso wie alle anderen auch mehrt, dann ist das schon interessant und eben nicht nur ganz normal. Diese Aussagen kann man nur treffen, wenn man mit dem „ganz Normalen“ schwanger geht. Herr Buschido ist doch ganz anders, der will doch alle aufmischen, die das Establishment bedienen. Er ist doch der, der den Menschen das Wahre zu vermitteln sucht…. Eben nicht! Seine Musik ist nichts anderes als Money verdienen. Herrn Buschido stehen etwas die Augen zu dicht beieinander, als dass man glauben könnte, dass sich hinter dieser Stirn größere Absichten verbergen, als eben nur sein individuelles Wohlergehen. Ich gönn es Ihm. Soll er reich sein und viele Kinder haben. Jedenfalls wird denen wenigstens die Schule bezahlt. Hoffentlich?! Aber zu sagen hat er eben nichts. Eine solche Feststellung ist bestenfalls normal. Und genau das hätte der Artikel irgendwie aufarbeiten können. Dafür haben Sie doch so lange studiert und sind so schlau, wie sie sind.

Warum sind sie so elend farblos, unrevolutionär und so durch und durch mittelmäßig langweilig.

Nun, wir haben heute mittlerweile Fastnacht. Da verkleidet man sich ein letztes mal. Aber dann ist fasten anagesagt, dann ist Reinigung und Besinnung und wer katholisch ist tut etwas Buße. (Sie als Linke nicht, Sie haben immer Recht.) Dann kommt man wieder zu sich selbst und erkennt die Dinge, so wie sie sind. Wenn man dann das Völlegefühl verliert.

Alles nicht so ernst nehmen meine Damen

Avatar
Ehemaliger Nutzer 07.03.2014 | 17:28

Sie haben super herausgearbeitet, woran die Debatte krankt! Sarrazin erzählt etwas Müll, greift aber Zustimmung in der Bevölkerung ab, die Gegner widersprechen dem Müll und werfen die Aspekte, die bei den Leuten für Zustimmung sorgen gleich mit weg. Das Opfer sind die Verhältnisse, die man vielleicht verbessern könnte, wenn überhaupt klar wäre, worum es eigentlich geht.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 07.03.2014 | 17:45

Die Zeiten, wo Blutrache und das Gesetz: "Für einen Getöteten (Freund) töte sieben (Feinde)" Gang und Gebe waren, dachte ich, seien vorbei

Jo! Aber die sind immer so lange vorbei bis sich die Gelegenheit ergibt, es ist zum Ausderhautfahren. So ähnlich wie mit Kriegseinsätzen, alle Regierungen sind friedlich, es sei denn es gibt Krieg. Da müssen wir dann dringend hin und dürfen nicht zurückstehen. Es wäre ja vielleicht witzg, wenn das nicht die Erkennungsmelodie wie von einem Schallplattenkratzer durch die Jahrhunderte wäre. Und immer heißt es danach, es war ein Fehler. Und kaum winkt wo eine Krise: Auf auf die Luft ist frisch und rein, wir dürfen nicht zurückstehen. Und sie scharren mit den Hufen.

Ich versteh auch nicht, dass Werte offenbar nur modisches Accessoire sind, die man sonntags und bei gutem Wetter trägt, zur Arbeit (wenns um die Wurst geht), legt man den Firlefanz ab ;-)

ed2murrow 07.03.2014 | 17:50

@ Christine Quindeau 07.03.2014 | 17:31

Sie zitierend: "ich bin auch nicht zu Ihrer Satisfaktion/Befriedigung da"

zähle ich mit, dass Sie nicht nur das dritte Mal sexuell konnotiert antworten (zuerst "Schwanz" für das lesende Publikum, dann spezieller "meine Äußerungen dienen Ihnen sozusagen nur als Wichsvorlage, auf der sie Ihre vermeintliche Großartigkeit feiern"), sondern tatsächlich meinen, ich hätte ein entsprechendes Interesse. Das ist das erste Mal in dieser Threadfolge, dass Sie so etwas wie Sinn beweisen: für Humor.

Calvani 07.03.2014 | 18:41

Ed2murrow zählt sexuell konnotierte Antworten – wie habe ich mir das denn vorzustellen? Bekommen ForistInnen ein Aktenzeichen, unter dem minutiös nach Gusto und per Strichliste sämtliche Kommentare für die Ewigkeit festgehalten werden? Lustig.

Ceterum censeo, dass das Buch, das diesem Artikel als Aufhänger dient, lediglich drei Sätze wert ist, gerne mit viel Space drum herum, um der Dreifaltigkeit Nachdruck zu verschaffen:

1. Man wird ja wohl noch Sarrazin nicht lesen dürfen.

2. Es soll in seinem Buch irgendwie um Tugend gehen und einer der Letzten, an die ich mich wenden würde, wenn ich etwas über Tugend erfahren wollen würde, ist eben jener Autor dieses Buches.

3. Ende der Durchsage.

ed2murrow 07.03.2014 | 19:45

Danke für den Hinweis. Ich hatte das nicht gelesen, weil ich die Mitforistin nicht abonniert habe und es ganz sicher nicht tun werde.

Aber ich finde es eigenartig, und da zeigen sich mir die Parallelen, dass sie -> dort "die Redaktionsausrichtung unterirdisch" findet, -> hier sogar eine strafrechtliche Ahndung des Chefredaktors und seines Autors wünscht und dann das Engelsgesicht besitzt, jene, die Widerworte finden, unflätig zu belegen. Dass Letzteres eine Verschiebung ist, darüber besteht kein Zweifel: Matterhornsturz, selbst fabriziert.

wwalkie 07.03.2014 | 20:02

Frau Quindeau, haben Sie selber gelesen, was Sie so alles schreiben? Zum Beispiel dieses:

Sie haben super herausgearbeitet, woran die Debatte krankt! Sarrazin erzählt etwas Müll, greift aber Zustimmung in der Bevölkerung ab, die Gegner widersprechen dem Müll und werfen die Aspekte, die bei den Leuten für Zustimmung sorgen gleich mit weg. Das Opfer sind die Verhältnisse, die man vielleicht verbessern könnte, wenn überhaupt klar wäre, worum es eigentlich geht.

Ich wollte mich nicht einklinken in diese bizarre Diskussion, die auch eine deutsche Krankengeschichte ist. Aber wenn ich solche Texte lese - lesen muss, weil ich hier irgendwie Zwangsmitglied dieses Agglomerats, das den Namen Freitagscommunity trägt, bin.

Warum ich bei ihren wenigen Beiträgen und zahlreichen und sehr langen Kommentaren, die ich deswegen auch meistens nur überfliege, immer an eine überzeugte Grundschullehrerin denken muss, wird mit dem Zitat mehr als deutlich. so deutlich, dass man es eigentlich gar nicht mehr kommentieren mag.

Da wird nicht geschrieben: "Ich stimme Ihnen zu, ...", sondern: "Sie haben super herausgearbeitet" ("super", "herausgearbeitet" und positive Verstärkung, brrr!). Sarrazin produziert nicht, er "erzählt" "Müll", aber das auch nur "etwas", während er dies tut, "greift er die Stimmung der (?) Bevölkerung ab". Ah ja. Begabt, der Mann. Fast möchte man sagen: Echt super herausgearbeitet, Sarrazin. "Die Gegner (ach, die gibt's?) widersprechen dem Müll" (was antwortet der?) und "werfen die Aspekte weg" (auf den Müll? Gibt es eine Aspektedeponie?).

Ich würde gerne aufhören, aber da ist noch "das Opfer sind die Verhältnisse"...

Ach, ich hör' doch auf. Mir zuliebe.

ed2murrow 07.03.2014 | 20:10

@ Calvani07.03.2014 | 18:41

-> Ihr Kommentar an Frau Quindeau

Ed2murrow zählt sexuell konnotierte Antworten – wie habe ich mir das denn vorzustellen? Bekommen ForistInnen ein Aktenzeichen, unter dem minutiös nach Gusto und per Strichliste sämtliche Kommentare für die Ewigkeit festgehalten werden? Lustig

gilt offensichtlich mir und meinem -> hier vorgetragenen Argument. Gerne antworte ich darauf: Was Sie zu tun haben, wissen Sie alleine, wie etwa Öl aufs Feuer gießen.

Sollten Sie mir damit allerdings unterstellen wollen, ich würde systematisch hinter ForistInnen her sein und mich damit auch nur annäherungsweise zu einem stalkenden Verhalten in Beziehung setzen, so darf ich Sie an der Stelle auffordern, sich der Tragweite ihrer Worte jetzt schon bewusst zu werden.

Sie sind im Unterschied zu Frau Quindeau hier kein Newbie, und jede(r) kennt demgemäß seine Pappenheimer. Wenn Sie nur die Zählung wie Nennung von Argumenten in einem Thread als anstößig finden sollten, so sei Ihnen das und die damit verbundene Verschiebung gegönnt.

Nach wie vor steht im Raum, dass die Mitforistin die Plattform freitag.de insgesamt durch Rufe nach dem Kadi und der Diffamierung einer Redaktion als „unterirdisch“ massiv beeinträchtigt. Ich nehme zur Kenntnis, dass Sie das spontan und bereitwillig unterstützen. Ob Sie die nötige Geduld werden aufbringen können, wird sich weisen.

Ratatörskr 08.03.2014 | 10:16

Das fand ich bei der Suche nach einer "positiven Rezension" des "Der neue Tugendterror".

Die Verlagswerbung lobt die "scharfsinnige Intelligenz des Autors".

Ob der Verlag sich über folgende Werbung freut?

Deutschland schafft sich ab“ – so lautet der Titel des Erfolgsbuchs, mit dem Thilo Sarrazin im Jahr 2010 auf einen Schlag berühmt wurde. Der SPD-Politiker, der als Senator in Berlin die katastrophalen Folgen der deutschen Integrationspolitik mitbekam, schrieb in seinem Buch erstmals gnadenlos Klartext. Damit erreichte Sarrazin ein Millionenpublikum, machte sich aber auch mächtige Feinde in der Politik, den Medien und der Integrationsindustrie. In seinem jüngsten Buch „Der neue Tugendterror“ berichtet er, wie die Tugendwächter der Politischen Korrektheit gegen ihn zu Felde zogen. Und in der unabhängigen Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT lesen Sie jede Woche Beiträge, die aus unterschiedlichsten Perspektiven zeigen, warum Thilo Sarrazin mit seinen Thesen Recht hat!"

Der "Integrationsindustrie " , was ist das, mangelt es wohl deutlich am "Deutschtum".

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.03.2014 | 12:44

Eins müssen Sie hier noch lernen, Frau Quindeau. Kritisieren und hinterfragen Sie niemals die alteingesessene Clique um ed2murrow, calvani, magda, goedzak, kaykloetzer, weinsztein, und dame.von.welt, denn die haben immer Recht, können sich verhalten wie sie wollen, und Ihnen sogar Rassismus 'nachweisen', wenn man Sie loswerden will. Manche freundliche und intelligente Blogger gingen auch von selbst, wenn der Mob wieder zuschlug. Mit Kritik und Widerspruch können hier viele nicht umgehen. Viele Grüße!

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.03.2014 | 14:27

Wenn Sie ein Buch geschrieben hätten. Ich würde es kaufen. Unabhängig ob und wenn ja inwieweit ich Ihnen zustimme, habe ich Ihre langen Kommentare mit allergrößtem Genuss gelesen und konnte zudem noch richtig richtig lachen. Danke für den gute Launebringer. Auch, wenn der Anlass alles andere als ein solcher ist.

Ihre Kritik an dem Freitagtitelblatt und der Titelgeschichte "IM dunkeldeutschen Wald" kann ich so was von nachvollziehen. Mehr kann ich dazu nicht schreiben, weil sonst meine gute Laune futsch ist.

Beste Grüße und ein erholsames, entspanntes, fröhliches, die kleinen Ärgernisse relativierendes Wochenende von einem Nochfreitagfan, der (manchmal) ähnlich in seinen Erwartungen enttäuscht wurde wie Sie es beschreiben, der allerdings auch beim Lesen anderer FreitagArtikel und der hier im Forum gewährten, nahezu zensurlosen Meinungsfreiheit wieder versöhnlich gestimmt wird. :-) elisRea

Ratatörskr 09.03.2014 | 12:16

Die Kunst, falsch zu interpretieren, ist die unerlaubte Kunst zu lügen und dies als die Wahrheit zu verkaufen und dies mit dem Siegel der Wissenschaft? Das dann ein Axiom zu nennen, mit der Absicht, dies als "grundlegenden Lehrsatz ohne Beweis" stehen zu lassen, wird zur Charakterfrage.

Allerdings glaube ich nicht, dass ein Schüler, der 13 Schulen brauchte, um sein Abi zu schaffen, ein Musterschüler gewesen sein könnte.

Es geht nicht um Stil oder Inhalt, es geht um die Gesamtheit von beidem und darum, wer was wofür ausgibt. Das Gewicht der Sprache werden der/die verstehen, die z. B. die Originalstimme der Autorin des Satzes "...nicht ganz echt sind sie in meinen Augen, sondern zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas."

Wer sich das im Original anhört, hört Inhalt, Stil und Stimme dieses weiblichen Menschen, nicht ohne den eigenen Widerhall.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 16:14

Ich hab niemanden hinterfragt, ich wurde ungefragt aller möglichen Lügen und ähhh dem lasterhaften Umgang mit sexuellen Färbungen, heimlichem Sarrazin-Anhängertum und... grundschullehrerinnenhafter Überzeugungstäterschaft überführt.

Ich hätte zwar eine andere Liste, aber dass unter den von der Redaktion besonders geschätzten Usern auffallend häufig die größten Kotzbrocken vertreten sind, ist mir auch schon aufgefallen ;-)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 16:31

*lach*

Es ist echt lustig, das Problem ist, dass man leider nicht so necken und scherzen darf, wie einem zumute ist, sie verstehen ja nur Bahnhof. Ich musste mich so beherrschen, mich nicht für ein Gutteil der "Angriffe" zu bedanken, ich mein Absturz vom Matterhorn... äh ja, sorry, aber nach meiner Einschätzung war ich nie irgendwo oben, insofern ist mir den Absturz zu attestieren, ja schon ziemlich geschmeichelt... *prusst*.

Oder die überzeugte Grundschullehrerin, wusste gar nicht wie ich mich der schlimmen Beleidigung erwehren sollte, was für eine Gemeinheit... in Wahrheit bin ich narzisstisch und selbstbezogen bis zum Anschlag und wechsel meine Überzeugung wie die U.... jetzt wollt ich glatt Unterhosen schreiben, aber ich will nicht Ed2murrows Fetisch reizen ;-)

Aber ich hab mich soo beherrscht, weil es nicht danach aussieht, als ob hier irgendetwas verstanden würde, ich muss noch mal meinen Grundschulehrinnenmodus anmachen und Edmurrow erklären, dass ich NICHT gemeint oder darauf angespielt habe (oder es anders gerichtsverwertbart geäußert habe ^^), dass er hinter meiner Tugend her ist, menno. Erste Stunde, erstes Kapitel, erster Abschnitt: was ist eine Metapher?

Es ist einfach zum Lachen. Merci!

Avatar
Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 16:57

Lieber Ed2murrow, nein ich gehe nicht davon aus, dass Sie meine Person in allen ihren Äußerungsformen seuxuell attraktiv finden, sondern habe den Eindruck, "meine Äußerungen dienen Ihnen sozusagen nur als Wichsvorlage, auf der sie Ihre vermeintliche Großartigkeit feiern"

Also der von mir vermutete Reiz ist Ihre vermeintliche Großartigkeit, und nicht meine Postings. Nun können Sie bedauern, dass meine Metapher eine sexuelle Konnotation hatte, aber ganz und gar ehrlich: das ist mein Eindruck. Wenn ich mir Ihre an den Haaren herbeigezogenen Urteile über mich durchles, kommt mir einfach in den Sinn: der rubbelt sich doch darauf einen ab. Weil ich die sachliche Grundlage nicht erkennen kann oder Ihr Anliegen.

Meine angeblichen Lügen 1-5, die mit eben so viel Genuss wie mangelnder Relevanz ausgebreitet wurden, legen für mich nur den Schluss eines wie auch immer gearteten Lusterlebens nahe. Die Lust an Ihnen, an Ihrem Schreiben, Ihrer glasklaren, messerscharfen Analayse, Ihrer harten aber fairen Urteile... das wirkt auf wie ein großes Hoosianna, wie toll Ed2murrow ist, ich zumindest hab nichts damit zu tun ;-)

In der Hoffnung das geklärt zu haben und mit vielen lieben Grüßen an Ihren.... ich schreib das jetzt nicht, ich schreib das jetzt nicht...

Tschüssi ;-)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 17:01

Es stellt sich allerdings die Frage, wie man auf Dauer mit Leuten umgehen kann, die man nicht ernstnehmen kann. OK, man soll nicht von sich auf andere schließen, aber ändern kann man andere sowieso nicht, nur sich selbst. Ich sehe allerdings keinen Anlass, dass Sie sich ändern sollten. Der Mob und ein paar koekettierende 'Mandarinen bei Mondschein' werden tun dies llerdings schon lange, indem sie sich selbst zerfleischen. Ihr Freund Harvey

Avatar
Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 18:15

Was war denn mit Wolfram, ich hab das nicht mitbekommen, war in der Zeit nicht da. Hab nur bedauert, dass er, als ich wieder on gehen konnte, verschwunden war.

Wegen Abschussliste, naja, sicher geh ich Leuten auf die Nerven; wenns um solche Sachen wie hier geht, muss es wohl sein. Andererseits finden es sehr viele Leute gut, was ich schreib. Und die sind ja nicht weniger wert, sondern bereit so grundlegende Missverständnisse (wie die um die wissenschaftlichen Definitionen bei der Intelligenz) auszuräumen. Ich weiß nicht, ob ich die Bereitschaft hätte, bei Themen, bei denen ich mich nicht auskenn. Und zieh meinen Hut.

Wenn die Redaktion mich rausschmeißt, hat sie mein volles Verständnis. Ich mein, wenn ich mich frage, ob ich zum Freitag passe, hat sie ja nun auch das Recht, das zu tun. Und ich schrei hier ja nicht: Hilfe, Rechtsstaat, journalistischer Anstand etc und tippsel die Buchstaben von meiner Tastatur, weil ich ichs nicht nötig finden würde. Aber ich find auch nicht alles scheiße :-)

Dass sie die Angriffe von mir so stehen lassen, hat doch schon Größe. Ich finde zwar... *dreiseitiges Manual mit Verbesserungsanmerkungen* dass einiges noch viel besser ginge, aber das kann man evtl. an jedem / allem finden. Also jeder muss das für sich abwägen, ob man den eigenen Namen mit dem Projekt in Verbindung sehen möchte, der Freitag sieht eher die Güte, dass man hier bloggen kann (versteh ich immer nicht so ganz, bloggen kann man doch überall), und der User, vor allem der mit echtem Namen, sieht eben eher, dass er hier grade seinen Namen vers(ch)enkt. Also da haben ja beide Seiten das Recht und die Freiheit, sich für oder gegeneinander zu entscheiden. Gibt ja kein einseitiges Kündigungsrecht hier^^

Aber wenn mich jemand nicht haben will, sag ich, weise Entscheidung, and off. Also ich kann beim besten Willen noch nicht sehen, wo ich hier den Gewinn hab. Kommt vielleicht noch. Ich hab bei threads wie diesen das Gefühl, ich hab nur Arbeit. Und zwar die Arbeit, die sich eigentlich die Journalisten, die dafür bezahlt, hätten machen sollen. Also so mühseliges, fachliche Grundlagen klarstellen, find ich ganz besonders unbefriedigend. Man muss klar und unemotional aber allgemein verständlich schreiben, darf sich keine Fehler erlauben, muss hellsehen, wo mögliche Missverständnisse liegen und hat ja selber nichts geschafft. Im Sinn von geschaffen. Blogs schreiben sich wirklich sehr viel schneller und angenehmer. Also wenn ich eine Petition erhalte mit "Halts Maul!" hab ich erstens Verständnis und bin zweitens sicher auch erleichert.

kami 10.03.2014 | 19:40

Liebe Christine,

du bist für mich eine der widersprüchlichsten (nicht wertend gemeint!) Schreiberinnen hier. Ich finde deine Gedankengänge mitunter etwas wirr, andererseits formulierst du wieder sowas von luzide, dass ich kaum glauben kann, dass da die selbe Person schreibt.

Und wenn du mal daneben langst ("Wichsvorlage" - wenn das nicht sexistisch ist!) dann sind das für mich lediglich ein paar faule Äpfel auf einem schönen Baum:-)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 19:49

Danke für die Kritik :-)

Die Gedankengänge wirr... auweia. Ich geb mir solche Mühe. Aber vielen Dank dafür es anzumerken. Wieso ist Wichsvorlage sexistisch? Ich finds zwar lustig, dass das Wort soviel Reaktion auslöst. Bedenkt man all die Worte, die ich im vergangenen Jahr hier gepostet habe, lassen sich die, die irgendwie sexuell assoziierbar sind, an den Finger abzählen, und kaum kommt was, kriegt es soviel Aufmerksamkeit. Das ist doch lediglich eine Frage des Geschmacks, ob man so ein Wort raushaut, aber es ist doch nicht sexistisch? Sexismus wäre, wenn ich jemandem wegen seines Geschleechts abwerte.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 20:13

Hm, *lach* das wird schon wieder so grenzwertig ;-)

Ich hätte jetzt auch bei Frauen gesagt, das heißt wichsen. "Es sich selbst machen" ist vermutlich die höflichere Bezeichnung. Hm, ich weiß es auch nicht genau. Wenn Du zu einer Frau sagen würdest, sie geilt sich an deinen Kommentaren auf, fänd ich das nicht schlimm, sondern lustig. Und sexistisch fänd ichs bestimmt nicht. Aber keine Ahnung, wie das allgemein empfunden wird. Das wär mal ein Präzedenzfall :-)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 20:35

;-)

Kann auch sein, dass er zutrifft, es stimmt ja, man verwendet das Wort (glaub ich) meistens (nur?) auf Männer bezogen...

Tja, da müssten jetzt die Männerrechtler ran, die müssten das wissen. Es war auf jeden Fall nicht sexistisch von mir gemeint, aber irgendwie sollte ich vielleicht nicht unbedingt ein Wort verteidigen, das ich eh nicht im normalen Sprachgebrauch hab ^^

Im dunkeldeutschen Wald 15.03.2014 | 13:39

Nein, wusste ich nicht! Danke für den Hinweis. Das er ziemlich schräg war, hatte ich gehört. Wie ist er denn zu diesem Titel "Rechthaber"gekommen? Hatte er zuviel Recht? Es ist ja beaknnt, dass die Wahrheit nicht gern gehört wird.

Wer ist denn kein Rechthaber, auf den ich mich dann hätte besser beziehn können?

Ein Rechthaber? So, so ein Rechthaber!? Nee, wußte ich nicht. Bei mir ist die Sache mit dem Zweifel an dem, was man so meint zu wissen, hängen gebleiben. Ist das auch "Recht" haben? Wäre schön gewesen, Sie hätten mir etwas zu dem Zeitungartikel geschrieben. Aber nun weiß ich zumindest hinreichend abgesichert, dass Sokrates ein Rechthaber war. Wissen Sie vielleicht auch, wenn er schon Rechthaber war, ob er auch ein Rechter war?