Gespaltene Lager in Tschechien

Der 17. November 1989, der Tag der politischen Wende in der ehemaligen CSSR, bedeutet für die tschechische extreme Rechte das Datum ihrer ...

Der 17. November 1989, der Tag der politischen Wende in der ehemaligen CSSR, bedeutet für die tschechische extreme Rechte das Datum ihrer Wiedergeburt, deren Tradition mit dem Ende des 2. Weltkrieges für mehr als 40 Jahre unterbrochen war. Die bedeutendste Rolle dabei spielten die Skinheads, die es zwar in der CSSR schon vor der Wende gab, deren absolute Mehrheit sich aber als apolitisch präsentierte, und erst im Verlauf des Jahres 1989 durch Einfluss aus dem Ausland ideologisiert wurde.

Den Charakter der neuen tschechischen rechtsextremen Bewegung kann man von Anfang an aufgrund der historischen Konflikte als schizophren bezeichnen. Auf der einen Seite gab es Versuche, an die Traditionen der tschechischen faschistischen Bewegung von vor dem 2. Weltkrieg anzuknüpfen. Diese kennzeichnen sich durch starken und historisch motivierten Nationalismus, Antisemitismus und Antigermanismus. Die tschechischen Faschisten der zwanziger und dreißiger Jahre hatten sich als Vorbild Mussolinis Italien gewählt anstatt das Hitler-Deutschland mit seinem antislawischen Tonfall - in der Praxis wurden sie jedoch von der NSDAP seit Ende der 20er Jahren finanziell unterstützt. Dennoch ist Hitler ein Vorbild in der neuen tschechischen extremen Rechten, nämlich auf der anderen Seite in dem weit stärkeren Flügel der Nationalsozialisten. Zwischen den beiden Lagern kam es Anfang der neunziger Jahren zu offenen, meist gewalttätigen Konflikten.

Dieser Streit ist aber inzwischen nur noch latent. Entscheidenden Einfluss darauf hatte u. a. die fortschreitende Globalisierung der extremen Rechte, die das Moment "Nationalismus" langsam in den Hintergrund schiebt - im Tausch mit Aspekten wie "Europeanismus" und "weiße Rasse". Dabei kommt es auch zur immer mehr offeneren Hervorhebung von Rudolf Hess, der als Vereiniger der weißen Nationen gegen den gemeinsamen Feind verstanden wird und so auch die Lagerbildungen zu überbrücken hilft.

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieser Artikel ist für Sie kostenlos.
Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber auch in diesen Zeiten Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag hier abonnieren oder 3 Ausgaben gratis testen. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Ihre Freitag-Redaktion

00:00 31.08.2001

Ausgabe 42/2021

Hier finden Sie alle Inhalte der aktuellen Ausgabe

3 Ausgaben kostenlos lesen

Der Freitag ist eine Wochenzeitung, die für mutigen und unabhängigen Journalismus steht. Wir berichten über Politik, Kultur und Wirtschaft anders als die übrigen Medien. Überzeugen Sie sich selbst, und testen Sie den Freitag 3 Wochen kostenlos!

Kommentare