Glitzer-Boom, Bummelstreik & FARC

Chronik Nicht alles, was diese Woche unter dem Teppich landete, gehört dorthin: 5 weitere Themen der Woche in aller Kürze analysiert

./resolveuid/c04e532a2a0509e3d14d5c30b961970cLuxus
Krise, welche Krise?
Während eine Krisenmeldung die nächste jagt, kein Spardiktat durchgreifend genug erscheint und inzwischen sogar den Unternehmenslobbyisten dämmert, dass ein Kapitalismus ohne Massenkonsum keiner mehr 
ist, kommt diese Nachricht: Weltweit legen die Ausgaben für Luxusgüter deutlich zu. Im Vergleich zum vergangenen Jahr wird die Branche der ebenso teuren wie unnützen Distinktionsobjekte um zehn Prozent auf 191 Milliarden Euro wachsen, berichtet Bain Company und spricht von „einer Art Anti-Krise“. Dabei ist der Glitzer-Boom nicht Gegenteil, sondern Ausdruck des gegenwärtigen Kladderadatsches. Irgendwo muss das zuvor umverteilte Geld schließlich landen. TS

./resolveuid/874bccc5d0e1d9d100987117601632a5Hartz IV
100 Prozent nicht korrekt
Wenn vom Alltag der Langzeiterwerbslosen die Rede ist, geht es meist um die Sanktionspraxis, um das Zeittotschlagen in „Maßnahmen“ und 
die Schwierigkeiten, mit dem wenigen Geld über die Runden zu kommen. Gern wird auch das Vorurteil von der sozialen Hängematte bedient. Dass das System Hartz aber nicht zuletzt eines der unfähigen Bürokratie ist, zeigt jetzt ein Bericht des Arbeitsministeriums: Bei einer Prüfung von Eingliederungsvereinbarungen aus zwölf Jobcentern aus dem Jahr 2010 wurde keine einzige gefunden, die vollständig korrekt war: mal fehlten Angaben, mal konkrete Anforderungen, und individuell,
wie eigentlich vorgesehen, waren die Verträge auch nicht. TS

./resolveuid/aac24457c4000ab7528cdb0a7f6c5071Somalia
Kein Alleingang mehr
Kenia hat der Afrikanischen Union (AU) angeboten, ihr die in Somalia einmarschierte Interventionsmacht zu unterstellen. Die Regierung in
Nairobi spricht von Strategiewechsel, 
tatsächlich scheint unzureichender Terraingewinn der Grund für ein Ende des Alleingangs zu sein. Bisher konnte die Hafenstadt Kismayo, die von 
Shabaab-Milizen mit etwa 2.500 Mann verteidigt wird, nicht überrannt werden. Zunächst hieß es, Ziel der Operation Linda Nchi (die Nation schützen) sei eine Verlegung des mit einer 
halben Million Menschen besiedelten 
Flüchtlingscamps Dadaab von Kenia nach Somalia. Dafür sollte erobertes 
Gebiet genutzt werden – das wird von Nairobi inzwischen dementiert. LH

./resolveuid/c6f88c544dca4b0456ac45f746e7b17cZensus 2011
Bummelstreik
Von Euphorie in Sachen Volkszählung kann man hierzulande nicht sprechen. Zwar haben es die Gegner des Zensus 2011 nicht wie in den achtziger Jahren vermocht, mit ihren kritischen Argumenten eine Massenkampagne gegen die Vollerfassung loszutreten. Von 
einem „erfreulichen Rücklauf“, wie 
es Zensus-Leiterin Sabine Bechtold 
formuliert, kann aber auch keine Rede sein: Von den 25,1 Millionen mit der Staats-Umfrage Behelligten haben bis Ende Oktober fast 16 Prozent immer noch nicht geantwortet – obwohl 
sie dazu binnen vier Wochen nach Eingang der seit Frühjahr versandten Fragebögen verpflichtet sind. Boykott? Nicht doch. Bummelstreik lautet offenbar das Motto. TS

./resolveuid/ff15906c5d8fa5f90d0d846b3942df20Kolumbien
Timochenko
Die FARC-Guerilla hat nach dem Verlust ihres „historischen Führers“ 
Alfonso Cano, der am 4. November von der Armee getötet wurde, zwei Entscheidungen getroffen: Sie lehnt die von Präsident Santos geforderte Waffenübergabe ab. Und sie hat Timoleón Jimenez zum Oberkommandierenden gewählt. Unter dem Nom de Guerre Timochenko steht der 52-Jährige seit 1982 in den Reihen der FARC und 
führte zuletzt die Einheit Magdalena Medio im Osten Kolumbiens. Er gilt als Anhänger des unbedingten Widerstandes gegen die Streitkräfte. Nach dem Tod von Cano war zunächst mit Verhandlungen der FARC gerechnet worden, denen noch etwa 9.000 Kämpfer geblieben sein sollen. LH


(Alle Fotos AFP/ Getty Images; außer (2) Peer Grimm/ dpa)

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18:50 23.11.2011

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