Hans-Joachim Maaz
07.07.2011 | 08:00 95

Goodbye Ossi

Generation Ost Die letzten Kinder der DDR blicken ohne Scheu zurück. Sie unterscheiden genau zwischen den Vor- und Nachteilen beider Systeme und trotzen den Klischees

Die Erinnerung an die Kindheit wird gerne geschönt, weil die Wahrheit sehr belastend sein könnte. Mit dem Verweis, dass die Eltern schon ihr Bestes gegeben hätten oder die Verhältnisse halt so waren, wird emotionale Erschütterung vermieden. Und mit der Feststellung, man habe nichts Schlimmes erleben müssen, man sei gut versorgt und nie geschlagen worden und überhaupt habe man viele gute Erinnerungen, werden gerne Erfahrungen verleugnet. Etwa jene, die die Frage stellen, ob man wirklich mit seinen Möglichkeiten und Grenzen, mit seinen einmaligen Eigenschaften erkannt und bestätigt worden ist, ob wirklich liebende Zuwendung erfahren wurde oder wie sehr man sich an Erwartungen, Normen und vermittelte Werte anpassen musste. Die Entfremdung eines Menschen, die ihn später unglücklich werden lässt, geschieht viel häufiger suggestiv und manipulativ als durch grobe Gewalt und autoritären Zwang

Wie Menschen als Erwachsene die Gesellschaft gestalten, hat immer auch etwas mit ihrer frühen Beeinflussung zu tun. So wird man das individuell so verschiedene Erleben und Handeln von Menschen untersuchen und verstehen müssen, aber eben auch, wie die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Normen und Werte von einer Mehrheit der Bevölkerung ausgestaltet und getragen werden. In einer Demokratie etwa werden die freiheitlichen Möglichkeiten schnell durch psychosoziale Prägungen begrenzt oder durch den Arbeitsmarkt oder durch Mode und sozialen Status, um unbedingt dazuzugehören und Ansehen zu erfahren.

Wertvolle Unterschiede

Einige der Protokolle dieser Doppelseite deuten es an: Der Untergang der DDR wurde von vielen als Verlust erlebt, nicht weil man dem politischen System nachtrauerte – das gab es natürlich auch –, sondern weil die psychosoziale Passung verloren ging. In der DDR wurden wir immer wieder auf soziale Ungerechtigkeit aufmerksam gemacht, natürlich ideologisch eingefärbt: als Folge von Kapitalismus und Imperialismus mit dem Verweis auf die Vorteile des Sozialismus. Die ideologische Lüge haben viele durchschaut, aber die Auseinandersetzung mit „Ungerechtigkeit“ fiel insofern auf fruchtbaren Boden, als eine subjektiv erlebte Kränkung, Verletzung, Benachteiligung vom persönlichen Leid auf eine entferntere Not ab­gelenkt werden konnte. Die ­Sensibilisierung für soziale Gerechtigkeit hat sehr dazu beigetragen, dass viele DDR-Bürger in der ersehnten Freiheit nicht wirklich glücklich wurden. Ihre individuelle Kränkung wurde nicht gestillt, zugleich entlarvte sich für sie schnell die westliche Gesellschaft mit ihren schreienden Ungerechtigkeiten, gegen die auch ein Rechtsstaat wenig hilft.

Es ist richtig, die Menschen weniger nach Ost und West zu beurteilen als nach ihren individuellen Charakteren und den spezifischen Milieus, aus denen sie stammen. Ich teile aber nicht den immer noch verbreiteten Ärger über mitunter betonte Unterschiede zwischen Ost- und Westsozialisationen. Es gibt solche Unterschiede, die sich in unterschiedlichen Verhaltenstendenzen, im Wahrnehmen und Erleben ausdrücken und statistisch belegt sind. Ich lege Wert auf solche Unterschiede zwischen Ost und West, die im Umgang mit Geld, Besitz, Status, Geltung, Neid, Gier, sozialen Beziehungen und Lebensformen häufig deutlich werden und das Zusammenspiel individuell-familiärer und gesellschaftlich-ökonomischer Prägung verständlich machen.

Demgegenüber kann Gleichmacherei zwischen Ossis und Wessis dazu führen, dass die unterschiedlichen Vor- und Nachteile von sozialistischen und kapitalistischen Sozialisationen zugunsten primitiver Schwarz-Weiß-Malerei verleugnet werden. Das subjektive Erleben orientiert sich meistens nicht an politischen Strukturen, sondern vielmehr an der Qualität der persönlichen Beziehungen – und die waren in der DDR für viele Menschen gar nicht so schlecht. Aber Defizite und Verletzungen in den privaten Beziehungen werden gerne projektiv abgewehrt und dann auf die äußeren Verhältnisse geschoben – überall auf der Welt. Und jede schlechte Politik bietet auch Anlass, die notwendige Kritik mit Projektion zu beladen. Der Schlachtruf: „Wir sind das Volk!“ war ein kollektiver Versuch, die Projektionen zurückzunehmen, bis sie im mehrheitlichen Ruf: „Wir sind ein Volk!“ wieder hoffnungsvoll etabliert wurden. Der Fehler wurde bald in bitterer Ironie: „Wir sind ein Volk – wir auch!“ korrigiert, aber nicht mehr politisch wirksam.

Auch das klingt in den Protokollen an. Sie erwähnen wichtige Unterschiede, etwa die Bedeutung des Materiellen, den Umgang mit Kindern, das Wuchern der Bürokratie. Wer heute Vorteile im Leben der DDR erkennt, wird oft verhöhnt – Politiker greifen häufig sofort zur Keule: Unrechtsstaat, Maueropfer, politische Verfolgung, Unfreiheit – als wenn damit das Leben in der DDR umfassend charakterisiert wäre. Dass Deutschland aus den zwei verschiedenen Systemen nicht zu einem Dritten gefunden hat, in dem Vor- und Nachteile beider Gesellschaftsformen kritisch analysiert und integriert werden, ist vor allem ein Symptom der offenbar notwendigen westdeutschen Verleugnung von Wahrheiten mit verdrängungspflichtiger Selbstidealisierung. Dabei ist „alternativlos“ immer falsch, und Mehrheitsentscheidungen müssen der Wahrheit nicht immer näher sein, sondern können auch Ausdruck eines kollektiven Irrtums sein.

Aus dem Heimatverlust wächst Stärke

Viele Angehörige der hier Vorgestellten haben das Scheitern erlebt und integriert. In der Tat gehört für viele Menschen in der DDR Demut, Bescheidenheit und vor allem das Bewusstsein von Begrenzung zu den prägenden Erfahrungen. Die konnten eine neurotische Gehemmtheit bewirken, aber eben auch die Grundlage für eine realistischere Weltsicht bilden, als es der wahnwitzige Wachstumsglaube vermittelt, der nur die Suchtstruktur als Folge frühen narzisstischen Mangels zum Ausdruck bringt. Wenn Freiheit zu einer unbegrenzten äußeren Wachstumsillusion führt, sind wir Zeuge und Beteiligte an einer kollektiven Fehlentwicklung, die dazu dienen soll, beziehungsdynamische Defizite auszugleichen. Die Wachstumsidee ist am Ende tödlich, das zeigen Klima-Katastrophe, Umweltzerstörung und die Gefahr durch Atomkraft. Ostdeutsche könnten dagegen heute schon zeigen, dass auch in bescheideneren Verhältnissen gutes Leben möglich ist.

Eine der Interviewten macht deutlich, dass ostdeutsche Frauen selbstverständlich berufstätig waren und die Kinderbetreuung formal gut organisiert war. Aber leider war die Not der Kinder mit den Folgen für ihre Entwicklung bei zu früher Trennung von der Mutter kein diskussionswertes Thema. In beiden Systemen wurde und wird die Bedeutung der frühen Mutter-Kind-Beziehung nicht ausreichend gewürdigt und in der Lebensform berücksichtigt. Egoistisch-materielle Werte sind das Spiegelbild einer Leistungs- und Wachstumsgesellschaft, und dadurch emotional mangelhaft versorgte Kinder werden später noch mehr äußere Werte brauchen, um ihre unbefriedigte Bedürfnis-Spannung notdürftig zu beruhigen.

Auch der Heimatverlust wird von vielen Ostdeutschen geteilt, ebenso die erstaunliche Anpassungsfähigkeit. Aber in dieser Stärke kann auch eine Schwäche verborgen sein. Im Grunde kann die wirkliche Heimat nur als innerseelische Identität erfahren werden: Nur in mir selbst kann ich wirklich zu Hause sein. Und die Anpassungsfähigkeit kann auf Kosten der Identität und Würde überzogen werden und damit kritisches Protestieren und konstruktives Abgrenzen und selbstständiges Handeln verhindern – was ebenfalls vielen Ostdeutschen passiert ist. Damit findet man aber keine Ruhe. So darf der Wunsch, sich zu beheimaten – sich in sich selbst zu beheimaten – und aufgenötigte Entfremdung zu überwinden, als eine starke Kraft für gesellschaftliche Veränderungen gegen den Zeitgeist, ökonomische Zwänge und politische Fehlentscheidungen gewürdigt werden.

Damit emanzipieren sie sich von ihren Eltern

Hans-Joachim Maaz, 68, ist Psychiater, Psychoanalytiker und Autor. In vielfältigen Analysen hat er sich mit den seelischen Folgen der deutschen Einheit beschäftigt. Er arbeitete bis 2008 als Chefarzt im Evangelischen Diakoniewerk Halle

Vom 8.-10. Juli 2011 findet im Collegium Hungaricum Berlin das erste Treffen des Projekts statt.

Eine Anmeldung ist nicht mehr möglich, aber am 9. Juli diskutieren und lesen dort im Rahmen des öffentlichen Abends "Wendekinder in Europa" um 20 Uhr Léda Forgó, Gyoergy Dragoman und Robert Ide, Moderation: Gabriella Gönczy. Anschließend Party: esquilaxxx (dj/so pony) und kat lanoe (vj). Außen und im CHB werden Filme von Dörte Grimm und Hans Sparschuh sowie die multimediale Performance Projektionen einer Utopie durch die Kamera in sieben Videos von Katharina Groß gezeigt.

Kommentare (95)

Avatar
lisaschwert 07.07.2011 | 11:04

Auf den Artikel war ich wirklich gespannt! So als Ostkind. Danke.

Ich habe mich manchmal gefragt, wie meine Jugend in der DDR ausgesehen hätte; ich war 10 Jahre als die Mauer fiel. Waswärewenn? Psychologisch wäre das für mich eine einzige Qual gewesen, denn schon in jungen Jahren war diese allgegenwärtige Enge, diese Überwachung, diese stete Kontrolle - jedenfalls für mich - unerträglich. Kein Wunder, dass (sensible) Künstler rebellierten.

Aber nicht alles war schlecht, so wie im Westen nicht alles gut ist. Die Kinderkrippe, der Kindergarten, Impfungen, der Zusammenhalt in der Familie, der natürlich auch aus der Not gebeoren war, und was Sie ansprechen: die Sensibiliserung für Ungerechtigkeiten. Ganz wichtig.
Allerdings war die Wende das beste was passieren konnte, für mich persönlich, ein Nachtrauern ist mir fremd. Auch meine Eltern waren froh, obwohl sie zunächst viel mehr verloren als ich, nämlich ihre Sicherung am Arbeitsplatz, mein Vater verlor sogar seinen, meine Mutter musste - etwas demütigend - beweisen, dass ihre Arztausbildung auch im Westen taugt. Alles eine Frage der Einstellung, denke ich.

Bleibt die Frage was macht man aus diesen Erfahrungen. Das steht im Text so wunderbar: mit der sozialen Erziehung die Gegenwart verändern wollen, nicht um sich selbst kreisen und jammern, sondern etwas tun, etwas, das nicht nur einem selbst nützt. Gerade weil man Ossi ist.

Beobachter 07.07.2011 | 12:14

"...Dass Deutschland aus den zwei verschiedenen Systemen nicht zu einem Dritten gefunden hat, in dem Vor- und Nachteile beider Gesellschaftsformen kritisch analysiert und integriert werden, ist vor allem ein Symptom der offenbar notwendigen westdeutschen Verleugnung von Wahrheiten mit verdrängungspflichtiger Selbstidealisierung... "

Das ist meiner Meinung nach der wichtigste Satz in dem Artikel. Unter dieser Selbstidealisierung leidet Gesamtdeutschland noch immer, weil notwendige Modernisierungsschritte bis zum Letzten bekämpft und verhindert werden (siehe Kinderkrippen, Abi nach 12 Jahren, Oberschule, um nur mal den Bildungssektor herauszugreifen ). Wenn wir das nicht ganz schnell überwinden, wird unser aller Land immer mehr ins Hintertreffen geraten.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 07.07.2011 | 12:50

@lisaschwert
Die DDR ist Geschichte, aber die BRD ist auch Geschichte, weil es ein zugrunde gehender Staat ist, ohne Substanz und Zukunft.
Dieser Staat ist für mich ein einziges Gewürge.
Ich erzähle Ihnen einmal aus zwei Fällen, die eigentlich schockierend, aber bezeichnend für diesen Staat sind.
Ein Arbeitskollege hat die DDR und die SU gehaßt und hat 1985 mit seiner Familie den Ausreiseantrag gestellt.
Viele Erniedrigungen hatte die Familie durchlaufen müssen. Schließlich durfte er mit seiner Frau und die zwei Kinder die DDR verlassen.
Vor drei Jahren hatten wir uns bei der Goldenen Konfirmation in Bernburg wieder getroffen. Seit dieser Zeit telefonieren und mailen wir sehr viel. Da er wie ich viele Bücher liest, riet er mir, das Buch von Sahra Wagenknecht "Wahnsinn mit Methode" mir zu kaufen. Ich hatte das Buch schon, war aber über sein Umdenken sehr schockiert. Ich fragte ihn warum er sich so verändert hätte, worauf er antwortete, dass die BRD eigentlich der größere Unrechtstaat sei. Der Mensch ist hier nur Ware und hat keine Chance, dieses verlogene System zu verändern.
Dieselbe Meinung hatte ich schon gleich nach der Wende erkannt.
Mein Nachbar, den ich durch das "Gassigehen" kennen lernen durfte sagte mir eines Tages, dass er zu DDR-Zeiten 16 Jahre im Knast, wegen mehrerer Male Republikflucht gesessen habe. Zwei Jahre wurde ihm durch die Wende erlassen. Was mich jetzt fast umgehauen hat war seine Meinung, dass dieser Staat der größere Unrechtstaat sei.
Ich frage Sie nun, warum diese Leute zu dieser Meinung gekommen, die ich allerdings auch vertrete.
Sie sagen berechtigt, dass in der DDR eine gewisse Enge war.
Zeigen Sie mir einmal in diesem Staat die gewisse Weite?
Na klar, kann jeder machen was er will, dass Ergebnis sehen wir ja.
Jeder faselt von der großen Freiheit. Welche Freiheit meint man denn?
Der große Kabarettist Herr Hildebrandt sagte einmal, Freiheit ist, wenn ich will, was ich muss, dann bin ich frei. In diesem Staat ist es genau umgekehrt, dass hatrten wir auch in der DDR.
Oder Friedrich Engels sagte dazu und so ist es in diesem Staat BRD: Die Freiheit ist ein Privileg, dass sich nicht jeder Mensch leisten kann. Dieses Verhalten ersehen Sie an unseren werten Volksvertretern, von denen man auch nur verarscht wird.
Gerade stellt der UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte wieder deutscher Sozialpolitik ein schlechtes Zeugnis aus.
Über 2,5 Millionen Kinder, d.h. 13% der deutschen Bevölkerung würden unterhalb der Armutsgrenze leben. Das sind nur Kinder!! Über 25% des Deutsches Nachwuchses gehen "ohne Frühstück" zur Schule.
Ich trauere der DDR nicht nach, obwohl ich hier ein glückliche Jugend und trotz Mangel ein angenehmes Leben hatte. Diesen Staat BRD lehne ich ab, weil er ein menschenfeindlicher Staat ist.
Millionen von Menschen werden schikaniert, bevormundert und ausgebeutet.
Und die freien Wahlen kann man auch in die Tonne hauen, weil es die nicht gibt.
Herr Prof. von Arnim sagte (Die Deutschlandakte), dass die Bürger in der BRD bei den Wahlen gar nichts zu sagen haben, weil alles vorher schon fest steht. Deshalb bezeichnet er die BRD auch als Bananenrepublik, für mich vollkommen richtig.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 07.07.2011 | 13:23

@lisaschwert

Das ist die Beurteilung eines Kenners seiner Gesellschaft!
15.Günter Grass: Die Steine des Sisyphos
Nicht zuletzt sind es die großmächtigen Banken, deren Lobbytätigkeit mittlerweile das gewählte Parlament mitsamt der Regierung in Geiselhaft genommen hat. Die Banken spielen Schicksal, unabwendbares. Sie führen ein Eigenleben. Ihre Vorstände und Großaktionäre formieren sich zu einer Parallelgesellschaft. Die Folgen ihrer auf Risiko setzenden Finanzwirtschaft haben schlussendlich die Bürger als Steuerzahler auszubaden… Wir bürgen für Banken, deren Milliardengräber allzeit hungrig nach mehr sind.
Selbstverständlich sind auch die Tages- und Wochenzeitungen, also die Journalisten, dieser Allmacht ausgesetzt. Es bedarf keiner altmodischen Zensur mehr, die Vergabe oder Verweigerung von Anzeigen reicht aus, um die ohnehin in Existenznot geratenen Printmedien zu erpressen…
Ich muss und will mich nicht auf Weimar als warnendes Beispiel berufen, die gegenwärtigen Ermüdungs- und Zerfallserscheinungen im Gefüge unseres Staates bieten Anlass genug, ernsthaft daran zu zweifeln, ob unsere Verfassung noch garantiert was sie verspricht. Das Auseinanderdriften in eine Klassengesellschaft mit verarmender Mehrheit und sich absondernder reicher Oberschicht, der Schuldenberg, dessen Gipfel mittlerweile von einer Wolke aus Nullen verhüllt ist, die Unfähigkeit und dargestellte Ohnmacht freigewählter Parlamentarier gegenüber der geballten Macht der Interessenverbände und nicht zuletzt der Würgegriff der Banken machen aus meiner Sicht die Notwendigkeit vordringlich, etwas bislang Unaussprechliches zu tun, nämlich die Systemfrage zu stellen…
Mir jedenfalls ist sicher, dass das kapitalistische System, befördert durch den Neoliberalismus und alternativlos, wie es sich darstellt, zu einer Kapitalvernichtungsmaschinerie verkommen ist und fern der einst erfolgreichen Sozialen Marktwirtschaft nur noch sich selbst genügt: ein Moloch, asozial und von keinem Gesetz wirksam gezügelt…
Quelle: Günter Grass, Rede auf der Jahrestagung Netzwerk Recherche [PDF - 98 KB]

miauxx 07.07.2011 | 21:47

"In der DDR wurden wir immer wieder auf soziale Ungerechtigkeit aufmerksam gemacht, natürlich ideologisch eingefärbt: als Folge von Kapitalismus und Imperialismus mit dem Verweis auf die Vorteile des Sozialismus. Die ideologische Lüge haben viele durchschaut (...)"

Wieso ist das eine "ideologische Lüge" ?
Man kann freilich sagen, dass in jeder Ideologie ein Gutteil Lüge steckt. Aber nur diesen speziellen Punkt, die soziale Gerechtigkeit im Auge behaltend, ist der Sozialismus aber klar im Vorteil. Dass es in der DDR keine vollendete Gerechtigkeit gab - wo oder wann kann es die geben? - ist genau so eine Binsenweisheit wie die, dass es eben, Zirkelschluss, keinen vollendeten Sozialismus gab. Aber ich bin ja schon froh, dass nicht wieder vom Kommunismus geredet wird. Es ist ja gerade das Diffamierungsinstrument der sich gern als 'Vollendung der Geschichte' ansehenden sogenannten "freiheitlichen Demokratien", die real existierenden sozialistischen oder kommunistischen Systeme als Synonym für Sozialismus und Kommunismus hinzustellen. Da werden dann auch die teils himmelschreienden Unterschiede zwischen den Ideologien in Nordkorea, der Sowjetunion oder auch China einfach unter den Teppich gekehrt.

wwalkie 07.07.2011 | 22:20

Beim Lesen des Textes merkte ich, wie "westlich" ich bin. Ich habe zum Beispiel große Schwierigkeiten mit der Sprache des Autors: "So darf der Wunsch, sich zu beheimaten (im Blochschen Sinne??) ... und aufgenötigte Entfremdung (wieso "aufgenötigte", gibt es also auch "nicht aufgenötigte"? Entfremdung? Die "Einfach-so-Entfremdung"?) zu überwinden (aufgenötigte Entfremdung zu "überwinden"? Aber locker!), als eine starke Kraft (hier ist wohl der "Wunsch, sich zu beheimaten" gemeint) für gesellschaftliche Veränderungen gegen den Zeitgeist ("gesellschaftliche Veränderungen gegen den Zeitgeist"??), ökonomische Zwänge (die einfach so außer Kraft zu setzen sind?) und politische Fehlentscheidungen gewürdigt werden." Die Verbalkonstruktion haut mich sprachlich um: "Der Wunsch darf ... gewürdigt werden."

Ja, ist das denn erlaubt?

Avatar
lisaschwert 07.07.2011 | 22:40

Haben Sie denn geglaubt, dass es bei Spenden für Kinder aus Nicaragua oder bei Lesezirkeln für Freunde aus der SU immer nur und wirklich um Soziales ging. Ich nicht. Oder hatten Sie nicht selbst den Eindruck, dass es oft eher darum ging sich selbst zu stärken, das kapitalistische Ausland zu verteufeln und die Schäfchen schön alle in der Herde zu halten? Ich schon.

Das ist eine ideologische Lüge. Die echten Motive zu verheimlichen und dafür gutherzige als die wahren auszugeben ist eine ideologische Lüge.

Nietzsche 2011 07.07.2011 | 23:11

Zunächst - ich finde den Beitrag sehr gehaltvoll; Sprache hin oder her (wwalkie).
Ich merke zugleich, dass jeder eine andere DDR erlebt hat - ich betone das Erleben. Bei heutiger Erinnerung ist manches verzerrt; positiv wie negativ. Insofern bin ich froh, dass ich schon seit 1973 Tagebuch führe. Von diesen damaligen Aufzeichnungen ausgehend bemühe ich mich um ein realistisches Bewerten. Muss aber zugleich sagen, dass mich dieses ständige unreflektierte Hochhalten der "Demokratie-Fahne" (ähnlich der "Freiheit") dermaßen nervt, dass ich manchmal Gefahr laufe, in schwarz-weiß zu denken. Insofern habe ich Verständnis für Matto. Wichtig ist der gewollte (ich stoße immer noch auf "Berührungsängste") Dialog auf Augenhöhe, d.h. gleichberechtigt, über unsere Erfahrungen in Ost und West.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 07.07.2011 | 23:13

@lisaschwert
ich bin mit Ihrem Vorwurf " ideologische Lüge" vollkommen bei Ihnen.
Wodurch kommt diese aber?
Weil der Schlüssel für die DDR in Moskau hing und es nicht anders gemacht werden durfte, wie es von dort befohlen wurde.
In der BRD ist es doch nicht anders.
Wie kommt denn der Deal mit den 200 Panzern für Saudi Arabien zustande?
Weil ihn die USA und Israel abgesegnet haben.
Auch hier besteht eine ideologische Lüge, weil die BRD angeblich ein Friedensstaat ist.
Keiner verteufelt das kapitalistische Ausland. Der Kapitalismus ist so, wie er eben schon immer war, er geht über Leichen.
Kaufen Sie sich und vor allem lesen Sie das Buch von Sahra Wagenknecht "Freiheit oder Kapitalismus", dann werden Sie hoffentlich anschließend auch den Kapitalismus verteufeln.
Keiner will sich schützend vor die DDR stellen, wo es genug Unrecht gab, aber das Unrecht in diesem Staat ist für Millionen von Menschen viel verheerender, als in der DDR. Vor allem die Menschen können diesem Unrecht nicht ausweichen. Sie sind diesem Unrecht hoffnungslos ausgeliefert. Das ist der große Unterschied. In der DDR lebte jeder eben in seiner Nische, in diesem Staat ist das zwar auch wieder der Fall, aber sie müssen ja von etwas leben und auch eine Unterkunft haben. Und hier fängt der Teufelskreis an. Über 12 Millionen Menschen haben in diesem Staat nur bedingt Arbeit, 9 Millionen suchen davon eine feste Arbeit. Mit Dumpinglöhnen werden die Menschen abgespeist. Die Kriminalität wächst ins Uferlose.
Bewußt wird eine Generation "Doof" heran gezüchtet, die als Konsument jeden Dreck kauft, was angeboten wird. Diese Prozedur ist übrigens gut für das Wachstum.
Wir brauchen keine ausgebildeten Leute, der Dax beweist es immer wieder.
Ist es nicht furchtbar, dass der UN-Ausschuss sogar den Begriff "Gefahr der Unterernährung" für die BRD verwendet.
So etwas gab es in der DDR nicht, trotz Mangelerscheinung.

miauxx 07.07.2011 | 23:29

@lisaschwert

Ich entwerfe keinen verklärenden Rückblick und habe auch geschrieben, dass freilich jede Ideologie auch Lüge in sich birgt. Und natürlich war das Ideologie damals.
Was ich damals geglaubt habe oder nicht ... tja, ich war auch Kind. Zum Mauerfall war ich gerade frische 14 Jahre alt. Ich möchte mich daher jetzt auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, inwieweit mir damals die Kluft zwischen Anspruch und Realität bewußt war. Gemerkt habe ich aber schon eine Menge und auch einige Erfahrungen gemacht. Allein schon in meiner Familie prallten Überzeugung bzw. Glaube ans System und Opposition stark aufeinander. Und ich glaube auch, dass es in meiner Generation kaum noch jemanden gab, der mit Überzeugung der Pionier-, FDJ- und 'Briefe an Freunde'-Diktion mit Überzeugung folgte. Die Gründe dafür zu erörtern ist jetzt aber weniger der Ort in so einem Kommentar.

Nichtsdestotrotz, und auch wenn es ausgeleiert klingt: Soziale Ungerechtigkeit in der Neuzeit geht zuerst nunmal auf den Kapitalismus zurück. Im Gegensatz zur Idee des Sozialismus, gehört diese nämlich unweigerlich zum Kapitalismus dazu (auch wenn das gerne veklausuliert wird; etwa in der Behauptung, man habe nach der Überwindung des 'Manchester-Kapitalismus' Freiheit und prinzipielle Chancengleichheit geschaffen).

Auch wenn die Propaganda in der DDR "ideologisch eingefärbt" war, ist die Kernaussage, die H.-J. Maaz rhetorisch zu entkräften versucht, aber trotzdem eine wahre.
Dass etwa die Brieffreundschaften mit Pionieren aus der SU zunächst nicht viel mehr als Nebelbomben waren, oder die Entwicklungshilfe und Arbeiteraustausch mit Ländern wie Cuba oder Angola auch viel mit politischer Blockbildung zu tun hatte, hat hiermit aber zunächst nur mittelbar etwas zu tun.
Denn freilich haben sich auch die 'sozialistischen' Länder nicht einer Realpolitik zugunsten reiner Menschenfreude verschließen können.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 07.07.2011 | 23:39

@Nietsche 2011

Ich würde oder anders gesagt ich hätte mich sehr gefreut, wenn ich einmal einen Westdeutschen getroffen getroffen hätte, der Verständnis für uns Ostdeutsche gehabt hätte.
Ich kann die Begriffe gar nicht mehr aufzählen, was für für die Westdeutschen alles waren. Das fing von Zonis, Russen, Arbeitsfaule an und endete bei Kommunisten.
In keinem Land der Erde regierte der Kommunismus, auch nicht in Nordkorea und auch nicht in China.
Es ist ein abfälliger Ausdruck des Kalten Krieges, der auch so gemeint war.
Ich hatte mich schon einmal hier geäußert, dass sich die Westdeutschen zwar über den Eisernen Vorhang und die Berliner Mauer empören konnten, aber diese Grenzen waren ihre Freunde. Durch diese Mauer war die BRD ein Hochlohnland und billige Produkte kamen aus dem Osten durch die Mauer. Die Mauer war eine Membran des Guten und die Ein-Euro-Jobber saßen hinter der Mauer. Die gab es schon damals. Die Westdeutschen lebten von den billigen Produkten, die durch die Mauer kamen. Kein DDR-Bürger konnte sich solche Dinge leisten. Wären die Dinge in Westdeutschland hergestellt worden, wären sie bestimmt von Westdeutschen nicht gekauft worden.
Als die Mauer weg war, war Schluss mit dem Hochlohnland.
Warum gab den Strauß 1985 Honecker die 1,5 Milliarden? Doch nicht weil er Honecker liebte. Strauß war Kaufmann und er bemerkte, dass die BRD nur so leben konnte, solange die Mauer da war.
Nun war die Mauer weg und den Westdeutschen blies die neue Wirklichkeit kräftig ins Gesicht.
Wer ein bißchen Gehirn im Kopf hat, dass wollen aber die Westdeutschen nicht, müßte eigentlich zu dieser ganzen Thematik zustimmen.
Und ein Irrtum sollte auch ausgeräumt sein, die Vereinigung hat der Osten selbst bezahlt, so ein Institut in Halle/Saale.

Avatar
lisaschwert 07.07.2011 | 23:47

Na, ich sehe das so wie Sie. Aber ich denke der Autor hat das anders gemeint, als sie es interpretieren. Vielleicht hat er auch einen wunden Punkt getroffen; ich beispielsweise war schon enttäuscht diese Lüge zu entdecken und bin dann für eine Zeit sehr empfindlich geworden, weil es doch schließlich das war, in das man hinein geboren wurde. Und dann merkt man, dass die guten Absichten doch nicht da sind. Dazu kommt, dass die Bürger, also meine Familie, kurzgehalten wurden, das widerspricht doch einem so schönen sozialistischen Menschenbild.

Wenn ich den Text richtig verstanden habe, hat er ja nur gesagt, dass viel inszeniert war und nicht darauf beruhte, die Welt zu verbessern, sondern um die Menschen in der DDR zu manipulieren.

Wenn ich also das anspreche sage ich nicht automatisch, dass der Kapitalismus gut ist, nein, wir wissen das doch alle besser, sondern damit sagt man ja nur, dass es viele Lügen gab in der DDR. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.

Der Kapitalismus ist dann wieder ein anderes Thema. Hier ging es ja vordergründig um die DDR. Dass ein soziales/ sozialistisches Weltbild "besser" ist ist doch klar. Nur hat das in der DDR nicht stattgefunden, wie es wünschenswert gewesen wäre.

Avatar
lisaschwert 07.07.2011 | 23:53

Als Nachtrag noch:
Ich bin weit davon entfernt die DDR nur schlecht zu reden, es gab viele Dinge, die gut waren, und viel davon wurde nicht übernommen und einfach vom Westsystem überrollt.
Ich habe den Text jedenfalls nicht so verstanden, dass er den Sozialismus angreifen will, nein, im Gegenteil, er beschäftigt sich mit der DDR, das sind für mich zwei Paar Schuhe, die zwar Gemeinsamkeiten haben, aber nicht gleichzusetzen sind.

Joachim Petrick 07.07.2011 | 23:57

@Hans-Joachim Maaz

"Dass Deutschland aus den zwei verschiedenen Systemen nicht zu einem Dritten gefunden hat, in dem Vor- und Nachteile beider Gesellschaftsformen kritisch analysiert und integriert werden, ist vor allem ein Symptom der offenbar notwendigen westdeutschen Verleugnung von Wahrheiten mit verdrängungspflichtiger Selbstidealisierung. "

Ist das Dritte nicht seit 1968 block- und systemübergreifend mit den 68ern in Prag, Paris,Ostberlin, Warschau, Budapest, Belgrad, Split,Zagreb, Kopenhagen, Amsterdam, Rom, Madrid, Stockholm, Wien, Petersburg, vormals Leningrad Moskau, Woodstock seit Jahrzehnten da?, wird das Dritte nur immer noch nicht wahrgenommen, weil dieses Drittee in unser aller Mitte ranständig unter dem Motto
"Wer sine Mitte nicht halten kann, soll wenigstens seinen Rand halten und verstummen"
durch den Rost der jeweiligen Systeme gepresst wurde und bis zur Unkenntlichkeit weiter gepresst wird?

"Dabei ist „alternativlos“ immer falsch, und Mehrheitsentscheidungen müssen der Wahrheit nicht immer näher sein, sondern können auch Ausdruck eines kollektiven Irrtums sein."

So engagiert dieser Artikel als "Goodwill" in alle Richtungen, insbsondere in Richtung Westen gemeint ist, kommt er doch recht pfiffig fundiert akdemisch aufbereitet selber ziemlich "alternativlos" daher.
Schade eigentlich.

"Ostdeutsche könnten dagegen heute schon zeigen, dass auch in bescheideneren Verhältnissen gutes Leben möglich ist."
Das hat was von Blümchen "Sex" im Namen des gesellschaftlichen Aufbaus.
Wo gibt es das zu kaufen?, vielleicht als Leipziger Luft in Dosen mit aufgeblasenen Hosen

Joachim Petrick 08.07.2011 | 00:11

@wwalkie

Die Sprache des "Gefühlstaus", das erste Buch von Joachim Maaz nach der Wende 1989, ist das auf jeden Fall nicht, auch nicht das eingehend Dialogische im Zusammnewirken mit dem damals noch lebenden Michael Lukas Möller aus Göttingen, der in Westdeutschland das Selbshilfe Netz für Studenten/inen, psychisch Kranke, Verstörte, Missbrauchte, Ratlose federführen ab 1978 mit anschob.
.

Joachim Petrick 08.07.2011 | 00:29

@Matto

"Durch diese Mauer war die BRD ein Hochlohnland und billige Produkte kamen aus dem Osten durch die Mauer. Die Mauer war eine Membran des Guten und die Ein-Euro-Jobber saßen hinter der Mauer. Die gab es schon damals. Die Westdeutschen lebten von den billigen Produkten, die durch die Mauer kamen. Kein DDR-Bürger konnte sich solche Dinge leisten. "

Gut pointiert getroffen"Mein Reden hier im Freitag!". Danke.

Nur die Verallgemeinerung
"Westdeutsche"
ist hinten wie vorne unzureichend, die gibt es, bei Lichte betrachtet so wenig wie die Ostdeutschen in Toto!, oder?

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.07.2011 | 00:39

@Joachim Petrick,

was haben Sie gegen den Artikel?
Er ist gut recherchiert und trifft genau den Punkt.
Westdeutsche wie Sie, haben darauf eben keine Antwort.
Was mich eigentlich freut ist, dass viele Westdeutsche die vorher den großen Rand hatten, ziemlich kleinlaut werden.
Wir Ostdeutschen haben erkannt, dass in Westdeutschland vieles nur Fassade war. Wenn man dahinter schaute, war nicht viel vorhanden.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.07.2011 | 00:40

Ab einem bestimmten Alter, sagen wir ab 30, finde ich es ganz sonderbar, wenn jemand sein Leben als die Folge von Kindheitsprägungen darstellt. Ich höre zu und versuche an seinen Worten zu erkennen, wann er denn nun mal eine Haltung eingenommen, eine Entscheidung getroffen, einen Irrtum erfahren hat. Fehlen diese erwachsenen Erfahrungen, dann beginnt mich ein solches Gespräch zu langweilen.

Insofern war das Erlebnis der "Wende" eine sehr erwachsene Erfahrung und verschaffte vielen Ostdeutschen eine grundlegende Erfahrung: Wie schnell und radikal sich alles, aber auch alles ändern kann und zu welchen Anpassungsleistungen man selbst in der Lage ist.

Meine Kindheitserfahrungen sind natürlich nicht ohne Wirkung, aber die prägende Erfahrung meines Lebens ist die bewusste Wahrnehmung meiner eigenen Veränderung durch die "Wende". Sehr offen kann ich über meine Erfahrungen sprechen, mit meiner Liebsten, mit meinen Kindern, mit meinen Freunden. Einmal saßen wir mit Westdeutschen, genauer süddeutschen Freunden zusammen und sprachen über mein Verhalten in einem ziemlich bizarren Fall von Irrtum und Verrat, nichts worauf ich besonders stolz sein könnte - aber die bekamen leuchtende Augen, weil es so interessant war und sagten: "So etwas werden wir nie erleben. Ein wenig beneiden wir Euch um diese Erfahrung." So hatte ich das noch nie gesehen.

Diesen Vorsprung haben die Ostdeutschen bis zum heutigen Tag und erst eine gemeinsame erschütternde neue Erfahrung oder auch das gemeinsame Vergessen, werden diesen Vorsprung einebnen.

Joachim Petrick 08.07.2011 | 01:40

"Wir Ostdeutschen haben erkannt, dass in Westdeutschland vieles nur Fassade war. Wenn man dahinter schaute, war nicht viel vorhanden."

Das haben in Westdeutschland viele Menschen lange gewußt, die Sie bis heute zu vergessen gedenken, die haben aus Überzeugung bescheiden wie wißbegierig gen Osten, Norden, Süden danach gelebt, dass denen zum Teil der Unterkiefer herunterfiel zu erleben, wie der "Gefühlsstau" nicht weniger sogenannter Ostdeutsche in den flüchtigen Konsumrausch nach der Wende kippte, auch wenn dabei ostwestliche Beziehungen aus der Zeit vor der Wende erst in die Binsen, dann in die Brüche gingen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.07.2011 | 11:24

Es mag hier leicht OT sein, wo es doch eher um die Psyche, um Gefühle, vielleicht um Nostalgie geht. Akzeptiert, aber aus meiner Sicht möglicherweise "nicht verstehend" verbrämt, als doch schon verschwörerischer Pragmatismus, ggf. als Vision angemerkt:

Mein Eindruck, meine Erinnerungen als sog. Westler mit vielen Besuchen "drüben" und in der Regel privater Natur, aber auch via diverser Kontakte mit der Staatsmacht war dergestalt, dass (zumindest in den Köpfen) die strikte Trennung zwischen offiziellem Gemeinwesen und der (privaten) Parallelgesellschaft sehr erkennbar sich manifestierte.

Warum verschwörerisch? Vieles an Entwicklung, an staatlicher Einflußnahme in den letzten rund zwanzig Jahren auf dem Weg zur DDR 2.0, zur Stasi 2.0 zeigt Parallelen auf, auch wenn sich Geschichte nicht (oder als Farce, als Tragödie) wiederholt...

www.marcuse.org/herbert/pubs/60spubs/65MarcuseMarx18thBrumaireNachwort.pdf

Das Durchregieren der 90%-GroKo, die subtile, ebenfalls überwiegende mediale Gleichschaltung als permanenter gehirnwaschender alternativloser Sachzwang, die Stamokap-ähnlichen Verflechtungen von Regierung, Banken und Wirtschaft, die beinahe schon allumfassende Überwachung und Kontrolle des potentiellen Feindes, sprich jeden Bürgers ist weitgehende Realität.

Parallelgesellschaften werden daher und beinahe zwangsläufig ebenfalls Realität. Passiver Widerstand gegenüber dem System, wie eben "drüben" oft und dennoch sehr subtil erlebt, ist zwangsläufig; nun eben gesamtdeutsch. Brot und Spiele sowie das Hamsterrad tragen immer weniger und die vielen sog. Minderleister, Transferleistungsempfänger etc. werden mit ihrer schieren Existenz das postindustrielle Zeitalter bestimmen.

Dieser Blick nach vorn in all seinen möglichen Facetten scheint mir wesentlicher, als die Aufarbeitung von (auch persönlichen) Befindlichkeiten. "Der kommende Aufstand" als Marschgepäck sollte in dem Zusammenhang genau die richtige Literatur darstellen, Illusionen eher begrenzen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.07.2011 | 12:01

@ ebertus

Sie beschreiben den Weg einer "gemeinsamen erschütternden Erfahrung". Diese wird kommen. Insofern stimme ich Ihnen zu, dass der Blick "nach vorn" der wichtigere ist.

Lehrreich bleibt dennoch meine Erfahrung mit dem Ende der DDR, vor allem mit ihren letzten Jahren. Trotz eines unguten Gefühls wollte ich nicht wahrhaben, wie ausgehöhlt Gesellschaft und Ideologie waren.

Heute versuche ich nachträglich meine "unguten" Gefühle, meine Verdrängungsmechanismen zu analysieren, um meine heutigen "unguten" Gefühle und Verdrängungsmechanismen zu verstehen.

Die heutige Gesellschaft ist tief gespalten, für viele rechnet sich das System, für andere bleibt der Weg in abstruse Welten der Verdrängung und Ablenkung, um ihr Elend zu ertragen.

Der Unterschied besteht darin, dass die Organisation der Macht im "sozialistischen Lager" zwar hart aber simpel war. Die heutige Macht erscheint mir völlig intransparent aber sehr viel clever - zumindest in den Zentren des "kapitalistischen Lagers". Eine Kritik des lokalen Parteifunktionärs war im Sozialismus immer ein Angriff auf die Macht. Eine Kritik an einem heutigen Parteifunktionär ist völlig belanglos. Wen oder was aber kann ich heute kritisieren?

Diese Ratlosigkeit und die Wirkungslosigkeit der organisierten Kritik, z.B. bei der LINKEN, führt dann zu jenen selbstzerstörerischen Diskussionen um den richtigen Ansatzpunkt der Kritik, clever befeuert vom Dienstpersonal der kapitalistischen Medien.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.07.2011 | 12:38

@Rapanui

>>Sie beschreiben den Weg einer "gemeinsamen erschütternden Erfahrung".

Ja, genau so könnte man das verstehen und jegliche Frontstellung ist künstlich, von sehr partikularen Interessen geprägt. Es sind zwei Seiten der gleichen Medaille und "Für uns, die wir noch hoffen" (altes Stück von Pannach und Kuhnert) bleibt heute wie damals nur der Weg in die Parallelgesellschaft.

Die Repression drüben war simpler, direkter, offener und das Internet (gern als rechtsfreier Raum diffamiert) gab es "so" vor rund zwanzig Jahren noch nicht, als Noam Chomsky sein Propagandamodell postulierte. Die Staatsmacht hat diese "Gefahr" sehr genau erkannt, von Nordafrika über das südliche Europa bis in die Zentren der abendländischen Leitkultur; wenn auch die sog. Facebookgeneration dabei noch lange nicht den Stand der Multitude (Hardt/Negri) repräsentiert. Die Intransparenz der cleveren Gummiwand(zelle) ist zu hinterfragen, zu demaskieren, zu konterkarrieren; und dies eben ohne den Irrweg der offenen Gewalt.

Auch das meinte ich mit Geschichte, dem Hinweis/Link auf Marcuse. Selbst nicht mehr der Jüngste, so scheint mir das "nach vorn blicken", die eigenen Erfahrungen (ohne Penetranz und allwissender Attitüde) weiter zu geben die bei Weitem wichtigere Strategie; auch wenn es hart erscheinen mag, (eigene) Befindlichkeiten hintenan zu stellen.

Interessanter Beitrag in der taz zur "Krise der Repräsentation", dem Weiterdenken anheim gestellt:

www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/das-hat-es-noch-nie-gegeben/

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.07.2011 | 13:49

Man kann es ganz klar auf den Punkt bringen. Der Text von Herrn Maaz ist eher ein mittelprächtiges Herumgeschreibsel um die Interviews, dem bis auf das Grundthema der rote Faden fehlt mit anderen Worten: "Ei, des iss ein bisschen lieblos geschriwwe". Die Gespräche sind wesentlich besser. Sie laden zur Identifikation oder/und Reflexion ein.

Nietzsche 2011 08.07.2011 | 15:30

@Matto um 21.39
Hallo Matto,
"Ich würde oder anders gesagt ich hätte mich sehr gefreut, wenn ich einmal einen Westdeutschen getroffen getroffen hätte, der Verständnis für uns Ostdeutsche gehabt hätte. "
Ich hatte bis zur Grenzöffnung nie Kontakt mit "Wessis". Danach aber ziemlich geballt: Als Wahlkämpfer 1990, als Bertelsmann-Handelsvertreter in Hannover, an der Uni in Magdeburg etc. Ich habe viele Westdeutsche getroffen, die keine wirkliche Ahnung vom Leben in der DDR hatten (leider auch an der Uni) und dieses auch nicht wissen wollten. Aber es gab zum Glück auch andere. Mit meinem Zuzug nach Berlin 2003 habe ich mir einen großen Ost-West-Bekanntenkreis aufgebaut, wo das gegenseitige Kennenlernen der jeweiligen Sozialisation sehr gut klappt.
Kurz, ich hatte das Glück oder besser die Möglichkeit, sehr viele Westdeutsche kennenzulernen (und sie mich) und habe darunter allerhand Bekannte und sogar Freunde gefunden.

Nietzsche 2011 08.07.2011 | 15:34

@Joachim Petrick um 22.22 Uhr
Gesellschaftliche Bedingungen stellen ja immer "nur" die Rahmenbedngungen für individuelles Handeln. Gesellschaft wäre dann im logischen Sinne notwendige Bedingung, aber nicht hinreichende Bedingung. Letzteres wird aus meiner Sicht durch eigenen Willen und Verstand - kurz eigenes Handeln verkörpert. Und hier gibt es wohl auch die Vergleichsmöglichkeit Ost-West.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.07.2011 | 15:54

@Joachim Petrick.

vollkommen richtig erkannt von Ihnen.
Auch ich bin dem Kaufrausch zum Opfer gefallen und hatte mir ein kleines transportables Radio im Westen gekauft. Das Ding hatte gerade 4 Wochen gehalten und dann war es unreparierbar, weil ein Plastenippel abgebrochen war. Dummheit muß eben bestraft werden. Aber so soll die Marktwirtschaft funktionieren, kaufen, kurzzeitig gebrauchen und wegwerfen. Die DDR-Produkte haben jahrzehntelang gehalten, für die Marktwirtschaft unbrauchbar.
Sie werden sich erinnern, dass die ganze unbrauchbare Fahrzeugflotte in Richtung Osten verscherbelt wurde. Die Fahrzeuge wurden teilweise nicht zugelassen und waren nach 1 oder 2 Jahren Schrott.
Ja, wir Ostdeutschen waren naiv und glaubten eben an das Gute, denn zwei Ostdeutsche haben sich zu DDR-Zeiten nicht gegenseitig über den Tisch gezogen.
Das alles haben wir erst von den Westdeutschen
gelernt, denn lernbar sind wir allemal.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.07.2011 | 16:45

@ich

ich finde die Vorwürfe gegenüber Herrn Maaz unpassend, weil Herr Maaz ein Zeitzeuge ist und Sie vielleicht nicht.
Sicher kennen Sie den russischen Schriftsteller Herr Kaminer.
Herr Kaminer äußerte sich zu diesem Problem so, dass Ostdeutsche oder Ostberliner eben zwei Geschichten erzählen können. Viele Westdeutsche äußern sich zynisch und abwertend über die DDR, obwohl sie bis zu diesem Zeitpunkt nie in Ostdeutschland gewesen sind und es auch nicht wollen, weil ihr Gehirn durch den Kalten Krieg total vernebelt wurde. Ein klares Denken ist ihnen abhanden gekommen.
Wir Alten haben eben zwei Systeme kennen gelernt und können demzufolge sehr gut erkennen, welches Systen glaubwürdiger war und ist.
Ich möchte hier nochmals betonen, dass es in der DDR keinesfalls den Sozialismus gab, sondern den von Stalin befohlenen sowjetischen Sozialismus alias Stalinismus. Und genau dieser Stalinismus war ein Verbrechen.
Ich bin auch 1989 auf die Strasse gegangen, weil ich eine verbesserte DDR haben wollte, einen Westanschluss lehnte ich konsquent ab.
Was daraus geworden ist, erleben wir alle, nur mit dem Unterschied, dass inzwischen über Dreiviertel im gleichen Boot sitzen. Gerechtigkeit muss eben sein.
Und wenn hier alle schreien, ja die DDR war ja kaputt, dann möchte ich hier zu bedenken geben, dass die BRD höher verschuldet war, als die DDR. Die BRD hatte vor der Wende fast eine Billion Schulden. Nur hier wurde stets eine Abwertung vorgenommen und die Verschuldung konnte weiter betrieben werden. Inzwischen hat dieser Staat 2 Billionen Euro schulden, dass sind 4 Billionen DM.
Die DDR hatte bei ihrem Zusammenbruch 18 Milliarden DM Schulden eigentlich ein Lacher, weil z.B die HRE innerhalb von 2 bis 3 Tagen 750 Millionen Euro durch den Schornstein jagte, die anderen Banken nicht weniger. Und da werden heute Versuche gemacht, wann einer hirntot sei!
Die DDR hätte ja jetzt Geld drucken können, darüber hätte der Westen gelacht, weil es Spielgeld wäre.
Und was macht die USA, wo Tag und Nacht Dollars gedruckt werden, auch Spielgeld, weil der Dollar heute nichts mehr wert ist. Aber auf den Dollar setzen die Leute ihr Altersvermögen, ein Wahnsinn pur.

hadesnumb 08.07.2011 | 17:57

Ich empfinde den Satz auch als einen der besten im ganzen Artikel - allerdings zeigt sich an ihrer Ausführung schon sehr schön, dass man dabei sehr unterschiedliche Aspekte im Sinn haben kann.

Während Ihnen offensichtlich das bei solchen Gelegenheiten gern sogenannte "Bildungssystem" der DDR als nachahmenswert erscheint, stellt in meinen Augen die Abschaffung des faschistoiden DDR-Sozialisationssystems einen der größten Gewinne der Wende dar. Wer wie die überwältigende Mehrheit (seinen Kindern) das Pionierhalstuch immer brav umgebunden hat, wird wahrscheinlich Schwierigkeiten haben meinen Standpunkt zu verstehen.

hadesnumb 08.07.2011 | 18:10

Ich finde es ja interessant, dass sich alle einig darüber zu sein scheinen, dass soziale Gerechtigkeit in der DDR ein Wert war und auch angestrebt wurde, und dass das der Grund dafür sei, dass die DDR-Bürger heute so ein besonders ausgeprägtes Unrechtsempfinden haben. Ich verspüre dieses starke Unrechtsempfinden auch, und es wird mir von meiner (westdeutschen) Frau auch klar attestiert, allerdings führe ich es darauf zurück, dass die DDR so ein besonders ungerechtes System war und ich in diesem Sinne durch meine Eltern geprägt wurde.

Interessant.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.07.2011 | 19:16

@ Matto schrieb am 08.07.2011 um 14:45

Herr Maaz äußert ohne Zweifel eine ganze Reihe kluger Gedanken. Man kann einige interessante Ursachen für diese oder jene gesellschaftliche Entwicklung in der psychosozialen kindlichen Prägung finden.

Aber diese Sicht ist eben eine Teilsicht. Nicht ohne Grund habe ich oben auf das Alter von ca. 30 Jahren hingewiesen. Diejenigen, die noch bewusste Erinnerungen an die DDR haben sind heute, so auch die hier zu Wort kommenden Probanden, ca. 30 Jahre. Es ist ein Unfug, deren Biografie so stark aus der "Ostsozialisierung" zu erklären. Das sind erwachsene Leute, die wie z.B. der zu Wort kommende Rechtsanwalt, die eigenen Entscheidungen verantwortlich getroffen haben, ohne dauernd bewusst oder unbewusst an eine Ostsozialisation zu denken.

Maaz zieht hier die Nummer durch, die 1990 mit seinem "Gefühlsstau" noch sehr gut ging, aber jetzt eben nur noch >>>"Ei, des iss ein bisschen lieblos geschriwwe" sind wie "ICH" formuliert.

Der hatte es doch auch nicht leicht, er kommt aus Hessen und hat unter dem rechten CDU-Klüngel Kanther, Dregger, Koch und der entsetzlichen Sprache gelitten. Wer aber hilft denn nun ihm?

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.07.2011 | 20:16

@hadesnumb
ich weiß nun nicht welches Alter Sie haben, aber irgenwie kann ich Ihren Gedankengang nicht nachvollziehen.
Ich habe mir doch von meiner Mutter (mein Vater war 1945, weil er bei SS war, in den Westen geflohen) mein Bild von der DDR nicht aufdrücken lassen, dass habe ich mir doch selbst gebildet. Selbstverständlich wird man durch das Elternhaus zu einem anständigen Menschen erzogen, aber die Erfahrung hinsichtlich des Systems mußte man sich schon alleine aneignen.
Wir DDR-Bürger hatten immer zwei Gesichter, eines für zu Hause und das andere für den Betrieb oder der Gesellschaft.
Selbtverständlich war in der DDR die soziale Gerechtigkeit größer! Wir hatten ein Recht auf Arbeit, wir hatten ein Recht auf Bildung und vieles andere mehr.
Ich erwähne hier einmal einen Fall, der gerade heute bei uns in der Zeitung stand, für die BRD aber bezeichnend ist.
Ein Polizeipräsident hatte sich derart strafbar gemacht, dass er vom Gericht dementsprechend verurteilt und seines Amtes enthoben wurde. Damit fielen seine ganzen erworbenen Pensionen weg. Das macht doch jetzt fast gar nichts, der Mann wird jetzt rückversichert und erhält, bezahlt vom Bürger, eine entsprechende exquisiete Rente. Das ist die Gerechtigkeit in diesem Staat. Die Obrigkeit hat sich für alle diese Fälle rückversichert, der kleine Mann sitzt in diesem Fall unter der Brücke.
In unserem Bundesland wurde gerade die Wahle beendet und schon erhöhten sich die Landesabgeordneten ihre Diäten, vom Bundestag haben wir dies ja auch gehört.
Wer gibt diesen Leuten eigentlich das Recht, sich so maßlos die Taschen voll zu stopfen.
Das ist nur ein Fall, ich könnte hier endlos weiter aufzählen.
Woher stellen Sie Ihre These auf, dass die DDR ein besonderes Unrechtsystem war.
Beschäftigen Sie sich einmal mit der BRD richtig, dass machen Sie ja nicht, da werden Ihnen aber die Augen aus dem Kopf fallen.
Das Unrechtsystem BRD habe ich sehr ausgeprägt bei der Demo in Dresden erlebt, wo auf wehrlose Menschen mit Reizgas geschossen wurde und wo wir, stets den Knüppel im Rücken, aus der Stadt geworfen wurden. Von diesen Vorgang hätte aber die DDR-Obrigkeit noch eine Menge lernen können.
Sie sollte nicht so oberflächlich sein und besser recherchieren.
Ich möchte hier nicht mißverstanden werden, dass ich mich schützend vor das DDR-Regime stelle, ich bin aber der Meinung, wer die DDR kritisiert, sollte eben besser sein und das kann ich bei der alten und der jetzigen BRD beim besten Willen nicht erkennen.
In der DDR gab es ideologisches Unrecht, befohlen von Moskau.
Und wie sieht es in der BRD aus?
Wir können heute davon ausgehen, dass in der alten und der neuen BRD die Menschen mehr bespitzelt worden sind, als in der DDR. Selbst die Briefe aus der DDR in die BRD wurde vom Verfassungsschutz geöffnet und anschließend vernichtet, alles zu erfahren in den, allerdings noch schwer zugänglichen Archiven. Für die Wahrheit sind die Archive geschlossen.
Wenn der BND und die Staatssicherheit gleichzeitig ihre Archive geöffnet hätten, hätte sich ein Großteil der Westdeutschen vor Ekel übergeben.
Die Westdeutschen haben mit der Lüge Demokratie und Freiheit gelebt, sie hatten sie aber nicht.

hadesnumb 08.07.2011 | 21:25

"In der DDR gab es ideologisches Unrecht, befohlen von Moskau."

... und ausgeführt vom großen Teil der DDR-Bürger.

Die "zwei Gesichter", die man in der DDR hatte, scheinen Sie ja nicht großartig gestört zu haben. Die extreme Unfreiheit in der DDR wird von Ihnen offensichtlich vollständig ausgeblendet, da Sie sich sehr gut damit arrangieren konnten (?). Wenn jedoch jemand sich erdreistete überall mit dem gleichen Gesicht herumzulaufen (metaphorisch), bekam er von allen Seiten sehr deutlich zu spüren, was für eine Gerechtigkeit herrschte. Das hatte auch nichts mit Moskau zu tun - das waren die Menschen (mit ihrem "Gesicht für außerhalb der Wohnung" - super!), beginnend von den Nachbarn, über die Lehrer, Polizisten und Funktionäre. Das spielt nur heute in der Betrachtung der DDR keine Rolle, weil es die allerwenigsten erlebt haben.

Und das meine ich mit Prägung: Es geht ja in diesem Freitag-Dossier um meine Generation: die die Wende irgendwann in der späteren Kindheit / Jugend erlebt haben. Für mich war es noch nicht zu spät - ich konnte (nur!!!) dank der Wende noch Abitur machen und einen höheren Bildungsweg einschlagen. Ich bin mir durchaus bewusst, dass es auch heute keine Bildungsgerechtigkeit gibt, aber zu behaupten, dass diese in der DDR existiert hätte, wo Kinder aus nicht linientreuen Elternhäusern schon im Kindergarten und Grundschulalter von Lehrern schikaniert wurden, ist einfach absolut grotesk.

Wie gesagt: Wenn man das, wie wahrscheinlich 95% oder mehr der DDR-Bevölkerung, nicht erlebt hat sondern sich immer geschmeidig wie ein Aal arrangiert hat, dann ließ es sich auch in der DDR halbwegs leben.

Die Leute, die sich über 10 Jahre hinweg bis 1989 zu den Friedensgebeten versammelt haben, haben das nicht getan, weil Sie gern zerbrechliche Westplastikradios kaufen wollten. Sie haben es getan, weil sie gehofft haben dadurch die Ungerechtigkeit und Aussichtslosigkeit des DDR-Systems besser erdulden zu können.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.07.2011 | 21:44

@Matto

Ich bin exakt die Generation um die es in den Interviews geht und kann diese inhaltlich sehr gut nachvollziehen. Ich sage auch nicht dass Herr Maaz unrecht hat, ganz im Gegenteil, nur kann der Text den Gesprächsprächsnotizen, die Mikael Krogerus (als Aussenstehender) und Maxi Leinkauf (als nicht Aussenstehende) hier vorgelegt haben, nicht das Wasser reichen. Das ist wie ich finde nicht rein zufällig, da die Interviews der beiden meist die interessanteren Texte sind. Der Text von Herrn Maaz ist jedoch einfach nicht gut geschrieben. Punkt.

Was bei den Interviewten hingegen durchscheint ist teilweise die Fähigkeit eine andere Perspektive einzunehmen und in einigen Fällen ein gewisser Postmaterialismus. Deswegen stimme ich Herrn Maaz zu, dass besonders diese Generation das Rüstzeug hätte auf die kommenden Herausforderungen vorbereitet zu sein, wenn es darum geht den Pfad der Wachstumsideologie zu verlassen. Da sie aber vor dem Hintergrund der Wendeerfahrung jedoch dazu neigt bestimmte gesellschaftliche Entwürfe nicht ins Absolute zu setzen, denke ich fehlt es ihr in der gegenwärtige Gesellschaft, im Gegensatz zu den "Spielmachern", an Durchsetzungskraft- oder willen (siehe Flake-Interview weiter oben im Thread).

PS: Als besonderes Privileg der hier beschriebenen Generation empfinde ich es übrigens, dass bevor sie sich als selbstständig denkende und mündige Heranwachsende ernsthaft zum System hätten positionieren müssen, dieses in sich zusammengebrochen ist.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.07.2011 | 22:20

@hadesnumb
Sie sprechen wie der Blinde von der Farbe, eigentlich lächerlich. Wenn Sie denn so klug daherreden, warum haben Sie sich denn nicht offen geäußert. Sie haben also selbst gekniffen und haben jetzt den großen Rand.
Wenn ich z.B. nur ein Leben habe, dann werde ich versuchen, ohne mich später Vorwürfe zu machen, mein Leben in der DDR in der gewissen Nische einzurichten, ohne mich diesbezüglich von einem Wessi Vorwürfe deswegen machen zu lassen. Gerade Sie alle bilden sich ein, alles besser zu wissen. Und was Sie hier schreiben, ist eine Menge Unsinn und Unkenntnis dabei.
Denken Sie daran, dass in der BRD über 30 Tausend IM's und 5000 in höheren Positionen für die Stasi gearbeitet haben. Die Archive zur Aufklärung bleiben diesbezüglich aber geschlossen. Wir wollen aber die Namen der Leute wissen!
Ich habe von vielen Westdeutschen gehört, dass diese sich das nicht gefallen lassen hätten. Denkste. Von denen wären viele Parteisekretäre usw. geworden, bei ihrem Wahnsinn nach oben zu kommen.
Sie sollten bitteschön immer auf den Teppich bleiben.
Wissen Sie wer die mutigsten Menschen waren und zwar die, die im Osten geblieben sind, so einfach ist das.
Ich nehme es ihnen nicht übel, dass Sie sich mit den gewissen Dingen (Prof. Leonhard, Meine Geschichte der DDR) nicht beschäftigt haben. Aber genau das würde ihnen hinsichtlich ihrer Bildung gut tun. Wissen tun Sie herzlich wenig, aber vom Leder ziehen können Sie gut.
Millionen von DDR-Bürgern haben sich nichts vorzuwerfen, dass steht nun einmal fest. Keiner hat sich geschmeidig wie ein Aal an das Regime gelehnt, weil die Leute Familien und Kinder zu ernähren hatten.
Sie scheinen sich in einer Position zu befinden, wo Sie das eigentlich Elend in diesem System nicht kennen und auch nicht wissen wollen.
Über die Friedensgebete brauchen Sie mich nicht aufzuklären, an die habe ich selbst teilgenommen, dass nur mal nebenbei.
Sie haben sich im Westen schön angepasst und gehören jetzt eben zu den Besserwessis, nur Kenntnis haben Sie keine und genau das ist der große Unterschied zwischen uns beiden.
Meine beiden Kinder (beide Abitur und studiert) könnten in ihren Alter sein und beide, ohne das sie von mir je beeinflusst worden sind, haben die gleiche Meinung.
Sie sehen, es gibt solche und eben andere.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 09.07.2011 | 00:07

@hadesnumb,

Sie sind ja wie ich ein friedliebender Mensch.
Haben Sie in diesem Staat die Macht, Ihren Volksvertreter oder die Regierung dazu zu bringen, den Saudis eben keine 200 Panzer zu verkaufen?
Sie haben kein Recht und keine Macht, hier eine Änderung herbei zu führen.
Nun zu dem gerechten Lohn in diesem angeblichen Rechtstaat.
Jeder muß auf seine Lohn eine gewisse Steuer, für Lohnsteuer, Krankenversicherung usw.usw. bezahlen, dass sind 20%.
Wenn ich 2000 verdiene, bezahle ich 20% (im Monat)
Wenn ich 4000 verdiene, bezahle ich 20% (im Monat)
Was muß ich denn bezahlen, wenn ich 8000 verdiene?
20%? Denkste! 5%!
Diese 5% bleiben auch bei 100 Tausende und mehr!
Und was sagt verlogen der Staat?
Alles Verarschung, alles Lüge!
Die starken Schultern tragen mehr!

hadesnumb 09.07.2011 | 00:34

Für Sie bin ich also jetzt so eine Art "Wessi", denn "wer nicht für uns ist, ist gegen uns", verstehe ich das richtig?

"Millionen von DDR-Bürgern haben sich nichts vorzuwerfen, dass steht nun einmal fest."

Ach so, dann kann das ja nicht mehr diskutiert werden. War mir nicht klar.
Man könnte natürlich auch sagen: Die DDR hat so lange Bestand gehabt, weil der Großteil der Bürger so opportunistisch war. Aber das würde sich ja dann mit dem, was nun einmal fest steht, beißen.

Im Gegensatz zu Ihren Unterstellungen möchte ich übrigens überhaupt nicht behaupten, dass "die Wessis" sich in Ihren Charakterzügen da großartig unterscheiden oder generell den "Ossis" moralisch irgendetwas voraus hätten. Nur in der DDR konnten diese Probleme (der verbreitete Hang zum Opportunismus) eben in besonders klarer Weise hervortreten.

"Wenn Sie denn so klug daherreden, warum haben Sie sich denn nicht offen geäußert. Sie haben also selbst gekniffen und haben jetzt den großen Rand."

Da haben Sie mich offenbar gänzlich mißverstanden. Genau diejenigen, die sich offen geäußert haben, haben sich jenen ungerechten Repressalien ausgesetzt gesehen, von denen ich in meinem Beitrag geschrieben habe.
Davon hat nur kaum jemand etwas mitbekommen, wenn er es nicht ausprobiert hat und draußen sein "zweites Gesicht" aufgesetzt hat, um bei Ihrer Formulierung zu bleiben.

Zuguterletzt:
Glauben Sie wirklich, dass Ihre Kinder keinerlei Prägung durch Sie als Elternteil erfahren haben?

hadesnumb 09.07.2011 | 00:48

Dass unsere heutige Gesellschaft in vielerlei Hinsicht gravierende Probleme und himmelschreiende Ungerechtigkeiten hat will ich doch in keinster Weise in Abrede stellen. Ich bin wie Sie offenbar auch fleißiger Leser dieser Zeitung - so weit klaffen unsere politischen Ansichten zum heutigen Deutschland vermutlich gar nicht auseinander ;).

Ich schrieb ja in einem anderen Kommentar oben, dass ich es genau so wie vermutlich viele andere Ossis bedaure (Wessis tun es wahrscheinlich eher vereinzelt - sollten es aber eigentlich), dass die historische Chance eine bessere Gesellschaft für das geeinte Deutschland zu konstruieren nicht genutzt wurde / werden konnte (u.a. aufgrund von Demagogen wie Dr. Kohl, der dafür immerhin als Kandidat für den Friedensnobelpreis gehandelt wurde).

Jedoch scheint mir die heutige Sicht vieler Ossis auf die DDR häufig immernoch viel zu unkritisch. Die Gründe dafür kann ich nur im mangelnden Bewusstsein für die gravierenden Beschränkungen des Lebens in der DDR sehen, denen sich ein Großteil offensichtlich mit wenig Bauchschmerzen berührungslos unterwerfen konnte (und sie damit passiv zementiert hat).

Joachim Petrick 09.07.2011 | 01:09

@Matto

Ja diese DDR Waren aus der Gestattungsproduktion für den Billy Billig Möbelnabieter IKEA, die waren bombensicher, ganz zu schweigen von den DDR Bombastus Präservativen.
Die alle nur, bei der Vorlage von Mängeln, an die DDR. Bevölkerung als Kunden ausgeliefert wurden.
Ganz toll.

Spass beiseite, Ernst bleib hier
Auf meine DDR Blockfötensammlung aus den Jahren 1977 - 89 lass ich nischt kommen, die sind vom Allerfeinsten.

"Ja, wir Ostdeutschen waren naiv und glaubten eben an das Gute, denn zwei Ostdeutsche haben sich zu DDR-Zeiten nicht gegenseitig über den Tisch gezogen."

Steckt da nicht ein Selbstbetrug, angesichts des staatlichen Betrugs von oben durch die Kommerzielle Koordination unter Leitung des Volksarmee Obersten Alexander Schalck- Golodkowski mit den Inter Shops, Inter Hotels, Exquisite Läden, DM- Valuta Intershop Verbaucher Schecks als hegemonialer Zweitwährung, neben der MDN, der in der Tendenz die gesamte DDR- Gesellschaft im Laufe der vierzig Jahre ihres Bestehens bis in handwerkliche Kleinbetriebe korrumpierte?

Vonwegen nicht übern Tisch gezogen?
War das nicht von staats- und sed-parteiwegen programm?

Avatar
Ehemaliger Nutzer 09.07.2011 | 13:01

Vielen Dank für die Ergänzung, sonst wäre noch zu befürchten gewesen, dass wirklich niemand da ist, der dialektisch analysiert. Ein gelegentlich närrisch und ein wenig ärmlich daher kommendes System, das war die DDR schon, klar dass gerade das auffällt, wenn sich das grössere und damals wirtschaftlich weitaus erfolgreichere Land die kleine DDR angliedert. Der sich oft wiederholende Satz der Wessis, "was man sich da aufgelesen hat", kommt ja heute noch viel öfter zu Gehör als damals, im Jahre 1990 und er beschreibt doch allzu zutreffend die Herangehensweise.

Gemessen an Griechenland oder Portugal war die DDR vielleicht auch gar nicht ganz so furchtbar arm und wenn man zum Beispiel heute diese beiden Länder ähnlich beitreten liesse, mit rund 200.00 "Führungskräften" an allen Schaltstellen besetzen würde, die alten Eliten würden verjagt und vertrieben, den "Normalo" bei allen Dingen, die er macht, Arbeit, Rente, usw., immer wissen lässt, dass er auf der falschen Seite geboren wurde und keine gleichen Rechte hat, dann könnten sich alle angucken, wie sich die Griechen und Portugiesen unter solchen Laborbedingungen anstellen. Nur mal so zum Überlegen.

Sicher war es eben mit der alten DDR nur ein Anschluss an die BRD, nicht einmal ein Beitritt und keinesfalls eine Vereinigung, denn bei einer Vereinigung hätte es etwas Neues gegeben, einen neuen Staat, eine neue Verfassung und eine neue Nationalhymne.

So gab es nicht einmal eine Volksbefragung, wie es eine solche für Bahnhofsbauten der Bundesbahn nun geben soll.

Es war für den " Wessi-Normalo" gemeinhin alles uninteressanter als damals der Sommerschlussverkauf und wenn jetzt Interesse geheuchelt wird, dann meist nur deshalb, weil doch die " Einheit" so viel Geld kostet.

Warum nicht darüber nachdenken, was alternativ für Lösungen dafür gäbe? Nicht erlaubt. OK.

Maxi Scharfenberg
(KPM)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 09.07.2011 | 14:42

Zum Heimatverlust. Es ist ein Verbrechen am Unterlegenen, ihm täglich mehr als 100 Mal vor Augen zu führen, dass es ein Sch..staat war, in dem er als Kind Spass hatte, seine Eltern sich liebten und er etwas lernen durfte. Es eine hässliche Art des staatlichen Psychoterrors, knapp 17 Millionen Menschen zu Kollaborateuren werden zu lassen, da sie sonst keine Chance für ein anständiges Leben und eine Karriere hätten. Täglich grüsst die Stasi aus irgendwelchen Fernsehspielen, jemand verrät jemand und einer wird beim Grenzübertritt erschossen. Dabei wissen wir alle, was für Volltrottel in diesen Dienststellen saßen, was sie für einen Erfolgsdruck hatten und wie wenig sie über uns wussten, wenn man das am heutigen Wissen unserer googelnden Freunde am PC misst. Waisenknaben, einfach zu beherrschen. Ungefährlich für tapfere Leute. Gefährlich für weinerliche Gutmenschen.

Und im Arbeitsleben:
Jeder kleinste Chef im Besatzungsgebiet ist ein Wessi oder ein Kollaborateur. Immer wieder kehrende Ausnahme bildet der stets präsente Quotenossi, der noch eine Spur angepasster daher kommt, als sein Vorbild, die Führungskraft aus dem Westen. Soll das Feigenblatt dafür sein, dass auch aus einem Ossi ein Mensch werden kann, der mit Messer und Gabel zurecht kommt und demman es abgewöhnen kann, im Klassenkampf den Gegner zu massakrieren, also vorzeigbar wie ein Löwe im Zoo. Muss nur gefüttert werden,dann geht es.

Deshalb kann es mit der Beheimatung in sich selber nix werden. Absolutes Wunschdenken. Auch diese Heimat wird geschmäht und als nicht zulässiges Rückzugsgebiet negiert. Ich habe selbst bis voriges Jahr an führender Stelle im kirchlichen Dienst " geleitet und gelitten", mitten in der Besatzungszone und hatte gedacht, irgendwann müssen sich diese Dinge doch einmal geben? Machen sie nicht. Schon der Geburtsort in der Zone reicht, damit die Verhältnisse geregelt werden. Man kann Eltern im Osten nur raten, den Geburtsort ihrer Kinder präzisieren zu lassen. Mein Sohn bat mich unlängst darum. Nicht ohne Grund.

Maxi Scharfenberg
(KPM)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 09.07.2011 | 16:21

Die kritische Sicht kommt nicht mehr. Es hapert am Wissen. Deshalb wird so viel geglaubt. Wären nicht im Vorfeld alles schon in GUT und BÖSE eingeteilt, würde es den Jüngeren auch mehr Spass machen, sich zu informieren und zu diskutieren. So ist immer schon alles klar. Und, das war, wenn ich mich so recht erinnere, damals im Staatsbürgerkunde- Unterricht auch so.

Beste Grüsse
Maxi Scharfenberg

konyhakert 09.07.2011 | 17:22

daß günther grass einmal die systemfrage stellen würde, hätte ich nie gedacht. und eigentlich hielt ich günther grass bereits für eine historische figur, die dem heute nicht mehr so viel zu sagen hat. eine person aus den zeiten der fordistischen wohlstandsgesellschaft der 60er bis mitte der 80er ungefähr.

aber anscheinend hat auch günther grass sein gehirn noch nicht beim portier abgegeben und gedenkt auch nicht, sich aufs altenteil zu begeben. durch diese rede wächst er in meiner achtung. ich werde sie mir einmal ganz durchlesen. einen anderen teil davon hatte ich heute schon anderswo gelesen.

es wird helfen, daß auch günther grass die finger auf die wunden der gegenwart legt. grass ist eine integrationsfigur. so was ist dringend notwendig, schon um andere schichten, die sich zur zeit noch nicht trauen, klartext zu reden, den mut finden und dies auch tun.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 09.07.2011 | 18:54

Zitat: " Dabei wissen wir alle, was für Volltrottel in diesen Dienststellen saßen, was sie für einen Erfolgsdruck hatten und wie wenig sie über uns wussten, wenn man das am heutigen Wissen unserer googelnden Freunde am PC misst. Waisenknaben, einfach zu beherrschen. Ungefährlich für tapfere Leute. Gefährlich für weinerliche Gutmenschen."

Mir es ging um die Gefährlichkeit. Da die damalige Staatsmacht mit mir ein Hühnchen zu rupfen hatte, meinte sie jedenfalls, durfte ich mir einen bescheidenen Erfahrungsschatz andienen. Die Gefährlichkeit traf den einzelnen unterschiedlich. Die Reflexion der Vorgänge ist es heute nach den skizzierten Grundtypen auch.

Maxi Scharfenberg

Avatar
Ehemaliger Nutzer 09.07.2011 | 21:17

@hadesnumb
Mit Ihren Zeilen haben Sie bewiesen, dass Sie rein gar nichts verstehen.
Wie wollen Sie nach der Wende Feuer und Wasser vereinen?
Es ging dem Westen, was ja verständlich für einen kapitalistischen Staat ist nur darum, Konkurrenz auszuschalten und genau das hat man vortrefflich gemacht.
Was hier unter Kohl getrieben worden war, war ein Verbrechen gegenüber den Ostdeutschen.
Viele kluge Westdeutsche haben sich dementsprechend dazu geäußert. Herr Dr. Bräutigamm schlug sogar vor, dass moderne Rechtssystem der DDR zu übernehmen.
Und unterlassen Sie bitte die Vorwürfe gegenüber einem Großteil der DDR-Bevölkerung.
Die DDR ist nicht vom Himmel gefallen, sondern war ein Egebnis des Zweiten Weltkrieges und die Menschen dort mußten versuchen, ihr bißchen Leben zu meistern.
@Maxi Scharfenberg
Wenn Sie im kirchlichen Dienst arbeiteten und dann von Zone sprechen, dann beweisen Sie , dass Sie nicht alle Tassen im Schrank haben. Die BRD war auch nur ein Besatzungsgebiet der Alliierten, selbst jetzt ist sie noch ein Besatzungsgebiert durch die USA. Von Souveränität also keine Spur.
Sie scheinen alle fest geschlafen zu haben als jetzt zutage kam, dass in der BRD fast 1 Million Kinder in Heimen schikaniert, geschlagen und teilweise vergewaltigt wurden. Kümmern Sie erst einmal darum, dieses Verbrechen aufzuarbeiten.
Was hat der Staat eigentlich gegen diese Mißhandlungen gatan? Bis kurz vor der Wende hat die BRD sogar noch ein Züchtigungsgesetz für Kinder, stellen Sie sich das einmal vor.
Sie, ich meine die Westdeutschen, haben so viel eigenen Müll vor die Tür, den Sie gefälligt erst einmal selbst aufarbeiten sollten, ehe Sie andere kritisieren.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 09.07.2011 | 22:40

@hadeshumb,
Ich habe keine Berührungsängste, Sie können mit mit über jedes Thema reden, auch über Hohenschönhausen.
Warum muss aber nun ein Westdeutscher (Dr. Knabe) die Leitung der Gedenkstätte übernehmen, der keinerlei Kenntnisse über die Verhältnisse dort hat. Warum, und genau das ist meine Forderung, übergibt man nicht einen Menschen die Leitung dieser Gedenkstätte, der hier auch gequält und geschunden wurde.
Eines steht ganz offen fest, wer sich bei der Stasi, egal in welcher Sache strafbar gemacht hat, sollte dafür auch zur Verantwortung gezogen bzw. bestraft werden.
Unser damalige Ruf war ja "Stasi in den Tagebau, oder Stasi in die Produktion".
Dass das DDR-Ministerium für Staatssicherheit bis 1989 Post aus der BRD systematisch kontrolliert hat, ist kein Geheimnis.
Umgekehrt haben westdeutsche Behörden auch Sendungen aus der DDR vielfach geöffnet und ihren Inhalt untersucht.
In einer dem Tagesspiegel (12.12.09) vorliegenden Regierungsantwort auf eine Anfrage von Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) heißt es, verantwortlich dafür seien nach der so genannten Interzonenüberwachungsverordnung vom 09.06.1951 die Zollbehörden gewesen. Die Deutsche Post der DDR musste demnach alle Poststücke entsprechend “vorführen“, wenn sie “den Anschein nach Waren enthielten“. Finanz-Staatssekretär Hartmut Koschyk (CDU) schreibt: “Es ist davon auszugehen, dass Postsendungen aus der DDR in die BRD bis zur Wiedervereinigung am 3.Oktober kontrolliert wurden. “Formal gültig war die Verordnung laut Bundesregierung sogar bis zum 31. Dezember 1991.
Die regelmäßige Überwachung währte damit offenbar deutlich länger, als Experten bisher vermuteten.
Vor einigen Wochen hatte der Freiburger Historiker Josef Foschepoth die Kontrolle von Postsendungen aus der DDR durch westdeutsche und amerikanische Zensur zum Thema gemacht.
Nach seinen Hochrechnungen sind bis 1968 etwa 250 bis 300 Millionen Sendungen zensiert, oft sogar vernichtet worden.
Foscheboth meinte: “Nicht die DDR, sondern die BRD hat ein Spitzelsystem aufgebaut und ihre Bevölkerung flächendeckend überwacht. Die Westdeutschen waren keineswegs nur Opfer des Kalten Krieges, wie sie sich selbst gerne sehen, sondern auch Akteure und Gestalter des Kalten Krieges“.
Unter Bezug auf Recherchen Foscheboths hatte das ZDF-Magazin “Frontal 21“ im November 2009 berichtet, dass Ermittlungsbehörden in den 60er Jahren sogar DDR-Regionalzeitungen beschlagnahmt hatten, als “Schriften mit staatsgefährdendem Inhalt“.

Mitte der 90er Jahre, als die USA Akten über die West-Arbeit der Stasi herausrückten, tönte der damalige Kanzleramtchef Schmidbauer laut, nun würden reihenweise West- IM`s auffliegen. Dann aber wurde das Material erst mal auf möglichst viele Stellen von BND, Militärischen Abschirmdienst (MAD) und Verfassungsschutz verteilt. Nur hier und da kam mal was ans Licht, nicht selten von längst Verstorbenen.
Schlimmer noch: Selbst solche westdeutsche Intellektuelle, deren tiefe Verstrickung auf dem Tisch lag und liegt, wurden und werden weiterhin zu Talk-Shows eingeladen, in denen sie moralisierend dozieren. Und: Noch im Februar verständigten sich die Fraktionsvorsitzenden Röttgen (CDU) und Scholz (SPD) auf eine große Koalition des Verdunkelns mit dem unverfrorenen Verweis auf eine “Schutzpflicht“ gegenüber früheren Abgeordneten. Jetzt erfahren wir aus der Birthler-Behörde, dass allein in den 3 Jahren des 6.Bundestages von 1969-1972 sage und schreibe 49 Abgeordnete als IM geführt wurden, von denen “mindestens zehn“ zur HVA “direkten“ Bezug gehabt haben sollen. Nebenbei zum Größenvergleich: Die FDP stellte damals mit 30 Abgeordneten die kleinste Fraktion. Der Gipfel ist, dass die Passage, die Behörde erteile über “etwa 5000 bundesdeutsche IM keine Auskunft“, aus dem Entwurf auch noch gestrichen wurde.
Die Stasiaufarbeitung ist kein ostdeutsches Problem, sondern ein deutsches. Mehr noch: Die Verstrickung eines Westdeutschen ist schwerwiegender, eines Abgeordneten mit dem Grundgesetz unter dem Arm allemal, weil er schließlich in Freiheit und nicht im Zugriff der “Firma“ lebte.
Während im Osten weiter mit allen Konsequenzen aufgearbeitet wird, wird im Westen vertuscht und gedeckelt, werden die West- IM geschützt. Während Bürgerrechtler aus der Behörde herausgedrängt wurden, sind extrem links stehende Westdeutsche nachgerückt und arbeiten alte MfS-Leute dort weiter. Und während die früheren Hauptamtlichen vom “Schild und Schwert der Partei“ in Ruhe ihre staatliche Rente ausgeben, werden SED-Opfer mit Almosen gedemütigt, sofern sie “bedürftig“ sind.
Man sollte das Wort Skandal nicht leichtfertig und oft in den Mund nehmen. Aber dies ist einer!

REBELL 10.07.2011 | 00:03

Ich war 25 als die Wende kam und kann somit beide Seiten für mich beurteilen. Hier wurde schon angesprochen das wir mehr für den "Westen" als für uns selber produziert haben und deswegen der Mangel an Waren in der DDR zu stande kam. Dazu kommt ja noch das die DDR von den Russen regiert wurde. Doch die DDR hatte eine echte Verfassung die vom Volk abgestimmt wurde. Und die BRD? Sie hatte und hat nur ein Grundgesetz das jedoch von den Amerikanern diktiert wurde ohne das das Volk in der BRD darüber abstimmen konnten oder durften. Und was dem Rechtsstaat angeht, der im o.g. Artikel erwähnt wird, so kann ich für mich beurteilen, das es diesen nicht gibt und nie wirklich gab. Ja auch in der DDR gab es ungerechtigkeiten aber so ist das nun mal in Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen. Die DDR hatte wie die BRD ihre eigenen Gesetze und daran hatten wir ossis uns zu halten genauso wie die "wessis" auch. Prapaganda wurde hüben wie drüben im großen Stil betrieben.
Fazit für mich: Ich bin der festen Überzeugung das es in der DDR weitaus mehr Errungenschaften zum Wohle des Volkes gab als in der BRD, wie zum Beispiel kostenlose medizinische Betreuung, kostenlose Schulbildung (ausgenommen die Schulbücher und Hefte, aber die waren erschwinglich),kostengünstige Schulspeisung,kostenlose Kinderbetreuung in Kinderkrippen/Gärten usw.. Was die Mauer und die Grenze angeht und die damit betroffene eingeschränkte "Reisefreiheit": kurz vor dem Mauerfall äußerte ich meine Meinung, man sollte doch alle in die BRD reisen lassen die es wollen weil die meisten von denen wieder zurück kommen schon allein wegen der menschenfeindlichen Umgebung im Westen und das wäre die beste Propaganda. Ich wurde dafür sehr scharf zurechtgewiesen, konnte von Glück reden das ich nicht eingesperrt wurde. Und trotzdem bin ich nach der Wende nicht in den Westen gezogen weil das hier, die ehemalige DDR eben meine Heimat ist

Magda 10.07.2011 | 11:36

Eigentlich wollte ich mich zu dem Thema nicht mehr äußern - ich habe dazu massenweise zornige Beiträge hier verfasst. Aber hier will ich wenigstens einen zustimmenden Kommentar abgeben.
Ich sehe das alles genau wie Sie. Und noch viel blöder finde ich es, wenn Leute salbungsvoll erklären, sie wollten ja die Lebensleistung der Menschen im Osten nicht schmälern. Aber sie müssen - unter heftigem verbalen Nachtreten - den Palast der Republik einreißen, sie müssen über jedes Bauwerk über jede Errungenschaft Ost eine niederträchtige blöde und herablassende Wertung abgeben. Sie erwähnen selten, dass die Semperoper Dresden schon zu Ost-Zeiten rekonstruiert wurde und der Gendarmenmarkt zu Ostberliner Zeiten in Angriff genommen. Alle, was nur in Ansätzen vielleicht nach Erfolg oder Bemühen aussieht, wird runtergemacht. Es ist absolut widerwärtig und unerträglich.

Noch ein Beispiel: “Die Frau vom Check Point Charly”. Die ganze Geschichte stimmt vorn und hinten nicht. Das wurde in einer - nachgereichten - Fernseh-Dokumentation auch deutlich. Die Kinder lebten in der DDR beim Vater, sie waren nicht im Kinderheim und schon gar nicht zwangsadoptiert. Die ganze Geschichte Zwangsadoption in der DDR lässt sich - hat eine Wissenschaftlerin erforscht - auf wenige Fälle eingrenzen.

www.stiftung-aufarbeitung.de/marie-luise-warnecke-1267.html

Über die hunderttausendfachen Zwangsadoptionen im Franco-Spanien - unter tatkräftiger Mitwirkung der katholischen Kirche regt sich niemand auf.

www.kulturradio.de/download/manuskripte/gott_und_die_welt/die_gute_mafia___spaniens.file.pdf

Avatar
Ehemaliger Nutzer 10.07.2011 | 12:40

Da ich auch zur älteren Generation gehöre liegt es mir fern, hier mit Rechthaberei aufzutreten, sondern man sollte die Dinge sachlich betrachten.
Ich gehe einmal auf das Wort "Unrechtstaat DDR" ein. Dieser Kampfbegriff ist doch von der CDU nicht aufgestellt worden, weil man darüber bescheid wußte, sondern es war im Konrad-Adenauer-Haus für die nächsten Wahlen kreiert worden. Auch die Rote Socken-Kampagne, aufgestellt von einem sehr unappetitlichen Zeitgenossen Hintze (ehemals Pfarrer), diente nur Wahlkampfzwecken, doch nicht weil man so klug war, darüber Auskunft zu haben.
Die Menschen sollten manipuliert werden, ja die CDU zu wählen, genau darauf legte man großen Wert.
Schauen wir uns doch einmal die Typen, teilweise hochbetagt, an, die sich dort heute noch tummeln. Keiner hat diese Konsorten je gewählt, sondern die werden einfach von der Partei aufgestellt und gehen somit in die Rente.
Die große Lüge der Wessis, dass man durch Fleiß reich werde, hat sich in Luft aufgelöst. Die Westdeutschen konnten eben nur gut leben, solange die Mauer da war.
Wir Ostdeutschen waren viel fleißiger, nur unser erarbeiteter Fleiß wurde hinsichtlich des Internationalismus und der Versorgung der Sowejts verschenkt, so einfach ist das.
Ich war zu einem Prozessrechnerlehrgang ein halbes Jahr in Minsk. Dort stand ein 16-stöckiges Hotel, indem wir wohnten.
Dieses Haus wurde, nebst Inneneinrichtung von der DDR gebaut.
Und dieses Haus stand nicht nur in Minsk.
Mir wurde berechtigt gesagt, die Nazis haben Minsk zu 90% zerstört, also können die Deutschen die Stadt auch wieder aufbauen.
Aber warum nur wir Ostdeutschen, während sich die Westdeutschen dem Reichtum frönten und auf uns herabschauten und beschimpften?
Wie gesagt, die Westdeutschen wohnten durch ihren Freund "Mauer" in einem Paradies, dass ihnen das ganze prekariate Pack vom Halse hielt. Es gibt eben selten Menschen so wie die Westdeutschen es waren, die mit dem Marshallplan bis zum Anschlag im Hintern durch die Gegend schwebten.
Jetzt gottlob ist es anders und man merkt es auch, dass die Westdeutschen auch nur mit Wasser kochen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 10.07.2011 | 12:57

Es ging doch beim Palast der Republik nicht um die sogenannte Aspestverseuchung, die ist an westdeutschen Schulen noch viel intensiver.
Schulen mußten hier abgerissen, auch jetzt wieder in München, und viele Lehrer in Pension hinsichtlich Vergiftung geschickt werden.
Nein, man konnte es nicht ertragen, dass dieses Gebäude der Macht der SED mitten in Berlin steht. Es war der unerträgliche rote Stachel im Körper des Kapitalismus. Und man scheute auch keine Mittel. Die Schüler werden immer dümmer, aber Geld für ein totes Gebäude ist vorhanden. Das ist und war der einzige Grund.
Hier sieht man aber auch die ganze paranoide Entwicklung in diesem Staat.
Ich hatte mich ja diesbezüglich geäußert, dass die Namen von Antifaschisten für Kasernen der NVA, die von den Faschisten ermordet wurden, nach der Wende sofort geschliffen worden sind.
Mit Antifaschisten mag sich dieser Staat gar nicht gerne beschäftigen.
Wenn man sich richtig mit der BRD beschäftigt und das habe ich getan, kann man wirklich nur noch angewidert übergeben.

Adler46 10.07.2011 | 21:59

Der Artikel von Herrn Maaz ist ein weiterer Versuch gesellschaftliche Vorgaenge zu beschreiben und zu bewerten. Ein Versuch eben -und in gewohnter Art eben ein klaeglicher Versuch. Herr Maaz der offensichtlich keine Muehe scheut, seine Behauptungen und "Erkenntnisse" unter die Leute zu bringen, laesst auch weiterhin Tatsachen und Realitaetsnaehe aussen vor. Wer diverse Vorgaenge, Ereignisse und Zustaende so beschreibt wie er das macht., macht sich zum Handlanger der verlogenen, unfaehigen und unglaubwuerdigen Politik. Und wenn er wie gehabt in anderen "Werken" und in Diskussionen meint, in der DDR haette keine Revolution stattgefunden, so ist das nicht nur eine falsche Beschreibung der Ereignisse in der DDR-es ist ein Schlag ins Gesicht der ostdeutschen, die fuer Demokratie, Menschen-und Buergerrechte eintraten, die mit Berufsverboten belegt wurden, die eingesperrt wurden und ihre Heimat verlassen mussten. Und dieser Mann hat lange Zeit in Ostsachsen gewohnt?! Da bin ich aber als 65 jaehriger Dresdner erstaunt, dass dieser Moechtegernexperte zu solchen duemmlichen Aussagen kommt. Aber -es hatte/hat eben jeder seiner Erlebniswelten. Frage mich ueberhaupt, wie dieser Mann den Herbst 89 unmittelbar erlebt hat. Vielleicht kann er mal bei einer seiner oeffentlichen Selbstdarstellungen eimal darstellen, wie er gelebt hat in der DDR -was hat er konkret im Herbst 89 gemacht. Stand er hinter den Gardienen, hatte er die Hosen voll. Wuerde mich tatsaechlich interessieren -besonders dann, wenn wer heute seine Stimme erhebt und dabei ueberwiegend Fehlschuesse produziert. Wer glaubwuerdig sein will, muss Sachverstand mitbringen -muss Belege nennen. Will sagen: "Der Gefuehlsstau" -als Buch erschienen 90 ist der Beginn des oeffentlichen Irrweges des Herrn Maaz. Der eigentliche Kommentar des Schreibers ist aus meiner Sicht der Kommentierung unwuerdig.
Mittlerweile gibt es nicht wenige Versuche von "Experten" und "Volksbelehrern, die das Leben in der DDR und im heutigen Deutschland mehr oder weniger oeffentlich erklaeren moechten. Vieles ist bestenfalls fuer die Tonne zu gebrauchen. Erschreckend was da als Erkenntnisse und Erfahrungen bezeichnet werden. Aber wie gesagt, jeder hatte/hat seine Lebenswelten und so mancher ist eben nicht willens und faehig, die Dinge auf der Grundlage der Realitaeten zu benennen. So sind dann auch diverse Aktivitaeten der Viel/Fleisschreiber im Netz zu bewerten. Wir deutsche haben ein generelles Problem (gesellschaftlich betrachtet) Zu keiner Zeit wurde/wird unsere Geschichte tatsaechlich aufgearbeitet. War ja auch zu keiner Zeit politisch gewollt. Uebrigens ist das eben auch eine der Ursachen, wenn man uns nicht immer gut gesinnt begegnet.
Die Kroenung sind aber immer die westdeutschen, die uns - den Ostdeutschen die Vergangenheit erklaeren moechten. Ein laecherlicher Versuch. Wenn das dann noch Politiker tun, dann ist das nicht nur zum brechen. Nun -diese "Experten" sind aber keineswegs nur westdeutsche. Ach so -vielleicht kann uns mal Herr Maaz -von berufsher erklaeren, von welchen Motiven die Selbstdarsteller getrieben werden. So mancher "Vielschreiber" waere besser beraten, wenn er sich die Bedeutung diverser Begrifflichkeiten unter Nutzung geeigneter Quellen anlesen wuerde.
Man muss sich mal vorstellen-da gibt es nicht wenige westdeutsche, die sich nicht gerade Bestnoten verdienen, bei der Bewertung Ihrer gesellschaftlichen Umfeldes, aber sie meinen die Menschen im Osten beurteilen zu koennen. Es ist an der Zeit, dass sich noch mehr ostdeutsche zu Wort melden -und besonders die, die mutig fuer Demokratie, Menschen-und Buergerrechte und fuer den Fall der Mauer eintraten.
Oft frage ich mich, ist es ausreichend -der Streit ueber gut und boese, die Diskussionen ueber gut und schlecht. Wir -in Ost und West sollten uns gemeinsam wehren gegen die von der etablierten Politik gehaetschelten Tabus, denken wir an Berufsverbote, denken wir an all das, was auf dem Index steht. Wir alle sollten genauer hinschauen, wenn von Demokratie geredet wird. Wie ist denn das wirklich mit den Menschen -und Buergerrechten. Ist es nicht an der Zeit denen auf die Finger zu hauen, die uns da durchgaengig bespitzeln ?

Adler46 11.07.2011 | 04:39

@Matto
sehen Sie -beide koennen wir uns freuen. Sie konnten beim lesen meines Beitrages "sehr schmunzeln" und mir ist es offensichtlich gelungen, einen Vielschreiber hier auf die Fuesse zu treten. Kurzum: Ziel erreicht.
Allen ernstes Matto. Lesen sollte man erst einmal koennen, wenn man sich an einen Diskutanten wendet. Waere angebracht, wenn man Buergerjournalismus betreibt. Wie soll man Sie ernst nehmen, wenn Sie schon beim interpretieren Fehler machen. Ihre "Formulierung "ich haette andere "bezichtigt", sie haetten hinter der Gardine gestanden ist absolut daneben. Den Herrn Maaz als Ausgangspunkt fuer die hiesige Diskussion habe ich nicht "bezichtigt" -eine Frage habe ich Ihm gestellt.
Eine abschliessende Bemerkung zu Ihrem Kommentar vom 10.07.11 um 10.40 Uhr. Ein Freund der Region westlich der Elbe scheinen Sie nicht zu sein. Das klingt ja wie Propaganda des untergegangenen Systems.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 11.07.2011 | 07:26

"Manche Adler fliegen tief wie Hühner"

Das war in der DDR genauso wie in der BRD bzw. heute in "Ganzdeutschland":

"...Die Ordnung der Hühnervögel (Galliformes) umfasst fünf Familien, etwa 70 Gattungen und mehr als 250 Arten..."

Legebatterie, man beachte:
..."Broiler"mastbetriebe verkauft werden. Ein gängiges Geschäftsmodell in der Geflügelproduktion ist die Vertikale Integration"...,
erinnert unweigerlich an die Maslowsche Bedürfnispyramide (Oben trinken b....., unten malochen buckeln)

Die einen waren Kinder der SED - Bonzen, die anderen wuchsen in Edelvororten der BRD-Grosstädte auf,
den Bodensatz der Gesellschaft frisst die Geschichte sowieso auf, ob als "Abnicker" oder 5 € h Arbeitnehmer, ob Links oder Rechts der Elbe...

Ob "Staatsfernsehen" oder "Privatsender", nur nich' Nachdenken...

"Homo Rex Bananensis", der alte Lügner und Täuscher um sich die Banane vom Deppen eines Baumes runterholen zu lassen.
Mal so ganz ideologiefrei gedacht...

claudia 11.07.2011 | 11:48

@Matto:
>>Dieser Kampfbegriff ist doch von der CDU nicht aufgestellt worden, weil man darüber bescheid wußte, sondern es war im Konrad-Adenauer-Haus für die nächsten Wahlen kreiert worden.
CDU/CSU päsentierten sich seit Gründung der BRD als Speerspitze des kaltes Krieges. Was sollten sie den Leuten auch sagen: Dass sie Interessenverteter einer kleinen, besitzenden, extremistischen besitzenden Minderheit sind?
Krieger, auch kalte, müssen über ihren Feind nicht viel wissen.

>>Wenn man sich richtig mit der BRD beschäftigt und das habe ich getan, kann man wirklich nur noch angewidert übergeben.
Ich bin in der Trizone geboren und in der BRD aufgewachsen und mir geht es genau so.

>>Die Westdeutschen waren keineswegs nur Opfer des Kalten Krieges, wie sie sich selbst gerne sehen, sondern auch Akteure und Gestalter des Kalten Krieges“.
Selbstverständlich. Das wirkt in „Wessi“-Köpfen bis heute nach.
Die Taktik des Mashallplanes beruhte ja darauf, dass man den ostdeutschen Kriegsverlierer einen „Gewinner“ gegenüberstellte. Die BRD produzierte für die Gewinnerpose ein konsumistisches „“Schlaraffenland“ ohne jeden geistigen Untergrund. Das "Wirtschaftswunder" der BRD beruhte (neben der kapitalismusüblichen Ausbeutung der "3. Welt") zu einem nicht unwesentlichen Anteil auf dem unrealistischen "West"-Wechselkurs DM/MDN. Nicht dass das hier nicht bekannt gewesen wäre, aber da spielte etwas mit, das Psychologen als "Verdrängung" bezeichnen.

Was Spitzeldienste angeht: Wir würden auch nicht schlecht staunen, wenn wir mal eine Öffnung des „Verfassungsschutz“-Archives erzwingen könnten.

@Adler46:
>>Zu keiner Zeit wurde/wird unsere Geschichte tatsaechlich aufgearbeitet. War ja auch zu keiner Zeit politisch gewollt.
So ist es, auch heute. Für die Mehrheit ist eine Normdebilität Staatsraison. Auf diese Unbewusstheit können Inhaber der Definitionsmacht beliebig ihre Duftmarken setzen, die dann die Markierten sich gegenseitig bestätigen: Alle Untertanen riechen nach ihren Obertanen, reden wie sie, möchten sein wie sie.

---
@Rebell:
>>…kostenlose medizinische Betreuung, kostenlose Schulbildung (ausgenommen die Schulbücher und Hefte, aber die waren erschwinglich),kostengünstige Schulspeisung,kostenlose Kinderbetreuung in Kinderkrippen/Gärten usw..-
Das halte ich für wichtig. Mal eine Bilanz ziehen: „Was war gut und was war schlecht“. Die BRD der gleichen sachlichen Prüfung unterziehen. Dann hinterfragen, warum das Positive so war wie es war und warum das Negative so war wie es war, wobei für die BRD stehen muss „ist“ Das das Ergebnis würde Manche erstaunen: Auch die Armuts- und Kriegspolitik der BRD kann aus ihrer Kontinuität heraus erklärt werden.

---
Und nochmal zur "Besserwessi"-Siegerpose: Exakt die gleiche Siegerpose wird heute den Besserstressis eingeimpft, die noch nicht der Kategorie der "sozialschwachen" Armutsarbeiter zugewiesen wurden. Das ist die gute alte BRD, wie sie stinkt und fault.

Artel 11.07.2011 | 18:34

Günter Grass schreibt:
"Das Auseinanderdriften in eine Klassengesellschaft mit verarmender Mehrheit und sich absondernder reicher Oberschicht, der Schuldenberg, dessen Gipfel mittlerweile von einer Wolke aus Nullen verhüllt ist, die Unfähigkeit und dargestellte Ohnmacht freigewählter Parlamentarier gegenüber der geballten Macht der Interessenverbände und nicht zuletzt der Würgegriff der Banken machen aus meiner Sicht die Notwendigkeit vordringlich, etwas bislang Unaussprechliches zu tun, nämlich die Systemfrage zu stellen.

Keine Angst! Hier soll nicht die Revolution ausgerufen werden. Die fand, was Europa betrifft, zuletzt im zwanzigsten Jahrhundert statt und zwar im Plural mit bekannten Ergebnissen, zu denen als Folge Konterrevolutionen und Völkermord gehörten. Vielmehr geht es darum, aus der gesamten Gesellschaft heraus, wie es mittlerweile viele Bürger tun, fordernd Fragen zu stellen: Ist ein der Demokratie wie zwanghaft vorgeschriebenes kapitalistisches System, in dem sich die Finanzwirtschaft weitgehend von der realen Ökonomie gelöst hat, doch diese wiederholt durch hausgemachte Krisen gefährdet, noch zumutbar? Sollen uns weiterhin die Glaubensartikel Markt, Konsum und Profit als Religionsersatz tauglich sein?

Mir jedenfalls ist sicher, dass das kapitalistische System, befördert durch den Neoliberalismus und alternativlos, wie es sich darstellt, zu einer Kapitalvernichtungsmaschinerie verkommen ist und fern der einst erfolgreichen Sozialen Marktwirtschaft nur noch sich selbst genügt: ein Moloch, asozial und von keinem Gesetz wirksam gezügelt.

So stellt sich anschließend die Frage: Hat die von uns gewählte Staatsform, also die parlamentarische Demokratie, noch den Willen und auch die Kraft, diesen auf sie übergreifenden Zerfall abzuwenden? Oder wird weiterhin jeder Reformversuch, die Banken und deren Umgang mit Kapital unter Kontrolle zu bringen, – was heißen soll, sie gemeinnützig zu verpflichten – mit dem bislang gängigen Hinweis ‘so etwas ist, wenn überhaupt, nur global zu lösen’, in den Bereich der Unverbindlichkeit abgeschoben?"
le-bohemien.net/2011/07/09/die-steine-des-sisyphos/

Frage mich jetzt: Hatten nicht bedeutende Soziologen wie Ulrich Beck Begriffe wie Klassengeselllschaft als unbrauchbar weil nicht zutreffend entsorgt? Es gibt noch wesentlich bekanntere Linke die den Klassenkampf als Schnee von Gestern ablehnen.

TRETET IN DIE LINKE EIN UND KÄMPFT!

Avatar
Ehemaliger Nutzer 11.07.2011 | 19:31

@Adler
Schön ruhig bleiben!
Sie haben mich keinesfalls auf die Füsse getreten, Sie haben über Herrn Maaz viel Unsinn erzählt.
Ob der Dr. Maaz an der Wende teilgenommen hat ist doch nebensächlich, übrigens hat Ihre Kanzlerin an der Wende auch nicht teilgenommen. Sie saß zu dieser Zeit in der Sauna!
Herr Dr. Maaz hat aber erkannt, was in diesem System, hauptsächlich mit Kindern, schief läuft. Und da läuft eine ganze Menge schief, wenn nicht alles.
Sie haben gut begriffen, ich bin kein Freund der Region westlich der Elbe, zu verbrecherisch haben diese Leute uns nach der Wende behandelt. Ich bin ein bißchen älter als Sie!
Wenn Sie das nicht begriffen haben, dann tun Sie mir aber gewaltig leid.
Sie haben hoffentlich erfahren, dass schon wieder Buschgeld für nadelstreifende Anzugträger aus dem Westen für die Arbeit im Osten gezahlt wird. Als ob wir hier im Osten nicht genug kluge, wenn nicht klügere Leute, als im Westen haben. Hier ersehen wir schon wieder das Unrechtsystem!

Avatar
Ehemaliger Nutzer 11.07.2011 | 20:25

@claudia
Ihre Ausführungen kann ich voll unterschreiben.
Es ist ja gut, wenn man hier (unsere Generation) seine Gedanken einmal freien Lauf lassen kann.
Ich bin der Meinung, das in 2-3 Generationen der ganze Firlefanz vergessen ist.
Unsere Kinder haben noch erlebt, wie der Westen die Biographien der Eltern in den Dreck getreten hat und sie eben dadurch noch geprägt sind. Welches Kind sieht schon gern, wenn seine hochgebildeten Eltern so einfach weg geschoben werden, obwohl die Arbeit für sie ja da war. Die mußte aber nun unbedingt ein Westdeutscher machen, der im Westen allerdings eben überflüssig war. Ich habe diesbezüglich tolle Sachen miterlebt, da habe ich mich wirklich gefragt, was hatte dieser Mensch bis zur Wende im Westen so vollbracht.
Der ehemalige Bürgermeister Herr Voscherau hat über die Durchführung der Vereinigung auch gesagt, dass sie ein Verbrechen war. Sprechen konnte die alle gut, nur nach drei Stunden hatte man immer noch nicht gewußt, was er eigentlich wollte.
Und genau das hat ja Herr Dr. Maaz erkannt.
Mann muss sich im Westen verkaufen können, Wissen ist oft Nebensache.
Was sagte Regine Hildebrandt, die Wessis brauchen darum 13 Jahre bis zum Abitur, weil 1 Jahr davon Schauspielunterricht ist.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 11.07.2011 | 21:44

Ich möchte hier einmal von einer Gegebenheit berichten die ich heute erlebt habe und da bin ich mir ziemlich sicher, dass wir in einem Irrenstaat leben.
Ich hatte heute ein Paket von meiner Tochter zur Post gebracht, weil sie mich darum gebeten hatte.
Ich gab das Paket ab, bezahlte der verlangten Preis und ging nach Hause.
Zu Hause fragte meine Frau, warum ich so wenig bezahlt hätte, schließlich ginge das Paket ins Ausland, was teurer ist.
Ich fuhr sofort zur Post und erzählte mein Mißgeschickt. Was ich hier hörte, trieb mir die Zornesröte ins Gesicht, nicht der Bedienung gegenüber, sondern der paranoiden Anweisung des Staates oder eben der Post.
Ich hatte nicht laut gesagt, wohin das Paket gehen solle, weil wir hinsichtlich des Datenschutzes nicht auf den aufgeklebten Paketschein schauen dürfen, so die Bedienung.
Hurra, es lebe der Irrenstaat.
Überall in diesem Staat wird gespitzelt, dass sich die Balken biegen, die Bedienung darf aber nicht auf den Paketschein schauen.
Alles krank in diesem Staat und so taumelt er führungslos vor sich hin.

Adler46 12.07.2011 | 02:42

@Matto,
bewusst bin ich mir dessen, dass es mir nicht gelingt, Sie zum eigentlichen Thema zurueckzufuehren und Sie zur Sachlichkeit zu bewegen. TROTZ ALLEDEM:
Wenn ich es richtig erkannt habe, sollten sich die Diskussionen hier doch eigentlich auf den Artilel " Goodby Ossy " von Herrn Maaz beziehen. Nun verfehlt auch Ihr neuerliches Posting das Ziel.
Sie sind nicht sonderlich geeignet betreffs Herrn Maaz nun immer wieder als Beifallklatscher aufzutreten -ein eigenstaendige weiterfuehrende Gedanken Ihrerseits waeren eventuell interessanter. Wenn Herr Maaz richtig schreibt " die letzten Kinder der DDR blicken ohne Scheu zurueck, Sie unterscheiden genau zwischen den Vor -und Nachteilen beider Systeme und trotzen den Klischees. " Sie @Matto, Sie formulieren zu dieser Aussage des Autors: " Herr Dr Maaz hat aber werkannt, was in diesem System, hauptsaechlich mit Kindern schieflaeuft. Und da laeuft eine ganze Menge schief, wenn nicht alles ! " Wenn Sie schon nicht das Thema erfassen, dann sind Sie fuer mich ein Diskutant welcher in eine andere Themenwelt abtauchen sollte.

Nun sind Sie ja auf der Plattform " Der Freitag " gut aufgehoben, aber einen konkreten Beitrag zur Themenbearbeitung liefern Sie eben nicht. Sie ziehen es vor hier fleissig Ihre mindestens " linken " Positionen darzustellen. Sie ziehen es vor, Ihre Erlebniswelten als Systemcharakterisierend darzustellen und brachial zu verallgemeinern.

Ich habe Herrn Maaz in meinem ersten Kommentar Fragen gestellt. Das sollte Fuer Sie keine Berechtigung sein wie folgt hineinzuinterpretieren: " Ob der Dr. Maaz an der Wende teilgenommen hat ist doch nebensaechlich, uebrigens hat Ihre Kanzlerin an der Wende auch nicht teilgenommen. " Warum verkuerzen Sie meine Fragen auf eine solche duemmliche Formulierung ?

Eine Steigerung Ihrer fragwuerdigen und unangebrachten " Welterklaerungen " ist die Formulierung : " Sie haben gut begriffen, ich bin kein Freund der Region westlich der Elbe, zu verbrecherisch haben uns diese Leute nach der Wende behandelt. Ich bin ein bisschen aelter als Sie ! Wenn Sie das nicht begriffen haben, dann tun Sie mir aber gewaltig leid."
Zum ersten Teil Ihrer Formulierung: Meinen Sie nicht, dass Sie hier erneut zu weit gehen ? Es ist bedenklich wenn wer eine Region verkriminalisiert -manches bekommt da einen eigenartigen Geruch.
Was soll am Ende Ihrer Formulierung der Hinweis auf Ihr alter ? Wollen Sie hier eine Art von " Altersweisheit"
ableiten ? Nun letzteres lassen Sie aber nicht erkennen.

claudia 12.07.2011 | 11:43

@Artel:
>>Keine Angst! Hier soll nicht die Revolution ausgerufen werden.
Keine Sorge, das würde mir keine Angst machen.

>>Hat die von uns gewählte Staatsform,...
wie oft haben Völker wirklich schon frei darüber beraten und entschieden, wie sie ihren Staat und ihre Lebensgrundlagen organisieren wollen?

>>...also die parlamentarische Demokratie,…
Der Begriff „Demokratie“ gehört auch mal auf den Prüfstand. Dass es ein Parlament gibt, steht ausser Zweifel. Aber ob dieses die Aufgabe hat „Schaden von Volke zu wenden und seinen Nutzen zu mehren" oder Nutzen vom Volke zu wenden und seinen Schaden zu mehren: Darüber entscheiden wir nicht.
Wenn wir mal fragen würden: „Ist das, von dem uns eingetrichtert wurde, dass wir es ständig als Demokratihihie besingen sollen, wirklich das, was wir uns unter dem Begriff Demokratie vorstellen?“ dann täten wir eventuell auch staunen.

>>TRETET IN DIE LINKE EIN UND KÄMPFT!
Bin schon dabei, flattere mit dem linken Flügel der Linken ;-)

---
@apatit:
>>... jedenfalls habe ich mehr Angst vor den Kraken der Finanz-Oligarchie als vor bewaffneten Kommunisten...
Aber aber...
Die Oligarchen nehmen Dir höchstens das Gehalt weg.
Die Kommunisten aber, die nehmen Dir Deine Fabriken weg, Deine Supermarktketten und Deine Bankaktien. Und in Deine Villa würden 3 Familien einziehen und Du musst im Gartenhaus wohnen.
Und sie hetzen Deine Betriebsgefolgschaft auf, dass sie nicht mehr an Dich glauben soll.

Vor wem muss man also mehr Angste haben?

Fred Thiele 12.07.2011 | 13:28

Ich hatte das Thema „Wendekinder“ schon beinahe als „ad acta“ deklariert und fragte mich immer mal wieder, ob mein Wenderoman, den ich regelmäßig aber sporadisch weiterschreibe, doch noch von Interesse für irgendeinen Leserkreis sein könnte. Das Wochenthema des Freitag und insbesondere der auf mich als 1977er Leipziger hauteng passende Artikel von Hajo Maaz hat mich auf einen Schlag auf die stehende Aktualität des Themas zurückgeführt. Tatsächlich hätte ich mir gewünscht, auch interviewed zu werden. Dann hätte ich gesprochen von der Implosion des Konsumvakuums als Pubertierender, der Illusion von Freiheit, dem Austausch des einen Zwangs (Schweigezwang) durch einen anderen (Leistungszwang) oder von Ost-West-Grabenkämpfen der älteren Generation und meinen frühen Bemühungen, mich an diesen nicht zu beteiligen. Auch würde ich von dem Gefühl des „Andersseins“ meiner Person in einer „normalen“ westdeutschen Stadt sprechen wollen. Tatsächlich fällt mein erstes Abo des Freitags in genau diese Zeit um 2001/2, als die Zeitung sich noch den Untertitel „Ost-West-Zeitung“ gab.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 12.07.2011 | 15:16

@Adler,
Ich habe so den Eindruck, das sie ein verknatzter Zeitgenosse sind, der einfach nur das letzte Wort haben möchte.
Lesen Sie sich Ihre Texte durch, dann werden Sie hoffentlich feststellen, dass Sie nur kritisieren aber nicht offenbaren, was Sie getan haben.
Ich verwende hier Redewendungen von Herrn Dr. Maaz, die ich in vielen Fernsehsendungen von Ihm gehört habe, nicht mehr und nicht weniger. Und genau darum, bin ich Ihnen meilenweit voraus, so einfach ist.
Und nun @Adler kommen wir auf den eigentlichen Punkt : Was haben Sie zu dem Thema hier beigetragen.
Ihr erster Bericht geht kundernbunt, wie in einem Gemüsegarten, aber das eigentliche Thema haben Sie selbst verfehlt. Sie haben stets und ständig Herrn Dr. Maaz kritisiert.
Und nun können Sie weiter verfassen was Sie wollen!

Avatar
Ehemaliger Nutzer 12.07.2011 | 22:43

@Adler,

Ich habe ganz vergessen, auf den geistigen Diebstahl vom 11.07.11 einzugehen.
Wenn das geistiger Diebstahl war, lache ich mich tot.
Sie haben einfach nicht geschnallt, dass ich Ihnen bewußt Ihr "Machwerk" mit einer Frage vor Augen geführt habe.

Hier noch einmal!
Frage mich ueberhaupt, wie dieser Mann den Herbst 89 unmittelbar erlebt hat. Vielleicht kann er mal bei einer seiner oeffentlichen Selbstdarstellungen eimal darstellen, wie er gelebt hat in der DDR -was hat er konkret im Herbst 89 gemacht. Stand er hinter den Gardienen, hatte er die Hosen voll. Wuerde mich tatsaechlich interessieren -besonders dann, wenn wer heute seine Stimme erhebt und dabei ueberwiegend Fehlschuesse produziert.
Wie kommen Sie auf solch einen Stuss?

Dieses, Ihr Machwerk, war eine Beleidigung.
Wer solche Thesen streut, denn bezeichne ich als einen üblen Zeitgenossen.
Herr Dr. Maaz hat sich für die Probleme von Nachwendekinder bestimmt mehr eingesetzt als Sie, dass sollten auch Sie respektieren.

Adler46 13.07.2011 | 02:05

@Matto

nun -da ich Sie bis jetzt nicht ermutigen/bewegen konnte, sich nun endlich konstruktiv einzubringen in die hier gestellte Thematik, auch einmal meinerseits eine Frage an Sie, die am Thema vorbeigeht. Ihre Anrede "Matto" -kann/soll die selbsterklaerend, eben ein Fingerzeig sein, oder ist es objektiv begruendet ? Fremdsprachig betrachtet ist es ja durchaus erheiternd.
Da Sie nun trotz Hinweis meinerseits meinen "Namen" Adler46 weiterhin unvollstaendig schreiben -waere da evtl. ein Weg zum Optiker angeraten ?

Offensichtlich ist, dass Sie betreffs Thema, Sachverstand und Diskussionskultur andere Masstaebe setzen als ich. Das Sie aber in Ihrem Kommentar vom 11.07.11 um 19.52 Uhr ohne Kennzeichnung und ohne Quellenhinweis eine Passage von mir vom 10.07.11 um 19.59 Uhr verwendeten (meine Saetze sind in Ihrem Kommentar in der Mitte zu finden), dass ist eine erneute Steigerung Ihrer Auffassung von Buergerjournalismus. Ich habe dafuer kein Verstaendnis, und erst recht nicht, dass Sie trotz Hinweis meinerseits bis jetzt noch keine Aeusserung fuer notwendig erachten.

Sie sind absolut ungeeignet sich dauernd auf Herrn Maaz zu beziehen. Die Aufgabe die er sich stellt ist lobenswert, mutig und absolut erforderlich. Ich denke dass man sein Ansinnen als NEUBEGINN umrahmen kann. Was er will ist absolut lobenswert. Sein Buch habe ich im Schrank und mit Interesse Verfolge ich seine oeffentlichen Auftritte und ich wuerdige seine Art der Betrachtungsweise -da sie es erfordert und moeglich macht, jetz noch Fragen zu stellen. Und genau da sieht er den Schwerpunkt. Da sind die letzten Kinder der DDR und da sind wir alten "Saecke" -uebrigens da sind wir alten aus der ehemaligen DDR angesprochen und die aus der alten BRD. Wer soll unseren Kindern was auf den Weg geben ? Wir alle gemeinsam. Wie sieht nun aber der NEUBEGINN aus ? Wie sieht die Aufarbeitung der Geschichte -nicht zuletzt der neuerlichen Geschichte aus ? NEUBEGINN ist ohne Aufarbeitung der Geschichte nicht moeglich. Vor Jahren noch konnte man sagen "ohne Aufarbeitung ist der NEUBEGINN schwieriger" -wir muessen heute erkennen, das es ohne Aufarbeitung keinen NEUBEGINN gibt. Letzteres ist meine Auffassung. Maaz sieht die Dinge aus seiner Sicht und das ist auch alles o.k. Wie gesagt -90 hat er ein bedeutendes Buch rausgebracht und es gibt weitere Schriften und Aktivitaeten. Aber die Zeiten aendern sich -die Fragen werden heute schneller gestellt und auch andere Fragen werden gestellt. Will sagen: Hier liegt unsere Verantwortung und auch hier ist unsere Mitwirkung und so will Maaz auch verstanden werden. Das ist doch toll. Ein gebuertiger Sachse, der uns viel auf den Weg mitgibt -den Jungen und den Alten.
Maaz fordert aber auch unsere Hilfe ein -er sucht Zeitzeugen und er braucht Zeitzeugen. Wen findet er ? Wen finden die LETZTEN KINDER DER DDR ? Waere ein anderes Thema.
In keinem Ihrer Kommentare koennen Sie vermitteln, dass man bei Ihnen tatsaechlich Bezuege zum Maaz -Artikel oder seinem Ansinnen finden koennte. Noch einmal: Nicht annaehernd ist Ihr Weltbild mit dem Ansinnen von Maaz in Einklang zu bringen und schon garnicht " mit den letzten Kindern der DDR", die wie Maaz schreibt "............ den Klischees trotzen"

Anstatt die Diskussion hier zum Thema zu bereichern, verbreiten Sie ideologische Auffassungen ind Grundsaetze derer, die taeglich in die Kissen weinen, wenn sie daran denken, was sich in Osteuropa und in Deutschland in der juengsten Vergangenheit ereignete und ereignet. Ihr Ost -West Gelaber ist genau das, was dem NEUBEGIN nicht dienlich ist. Aber der Maazsche Geist ueber diese Problematik -den haben Sie ja auch nicht erkannt.

Uebrigens: Ihre Paketgeschichte vom 11.07.11 um 19.44 Uhr, die Sie in einem "Irrenstaat" erlebten, auch die zeigt wie man Sie einordnen muss.

Adler46 13.07.2011 | 03:20

@Matto,

die Definition geistiger Diebstahl ist keine Auslegungssache -klar beschrieben ist die. Bei geistigen Diebstahl geht es nicht darum wer wie was "schnallt", sondern wer wie schreibt.
Welche Definition waere denn fuer Sie angenehm ?

Ist eben so eine Sache mit den Begrifflichkeiten -gell.
Sie "servieren" eine Paketposse die Sie im "Irrenland" erlebten und ich wuerde den Begriff Vaterland auch fuer angebracht halten.

Es ist nicht notwendig, mir Herrn Maaz erklaeren zu muessen. Ihre Aeusserungen wie "Stuss", "Machwerk", "Beleidigung" -ist das alles was Sie beitragen koennen ?

Mal Unabhaengig jetzt von Ihrer Solidaritaet zu Herrn Maaz -meinen Sie Ihre fragwuerdigen Installierungen hier finden seine Zustimmung ?
Mich wundert uebrigens, dass Sie sich nicht zu meinen Aesserungen betreffs Ihren "Qualtaeten" aeussern. Stimmen Sie mir evtl. zu ? Herr Maaz......Herr Maaz -immer wieder Herr Maaz. Formulieren Sie doch nun endlich einmal Aussagen zum Thema.

apatit 13.07.2011 | 11:25

Hallo claudia, Angst haben?...… als geborener Habenichts, der durch Studium und ständigen Querulantentum sich ein gewissen “Wohlstand?“ auch durch regelmäßiges Einkommen erschuftet hat, kann als gelernter Ossi ganz gut auf die Benannten verzichten. Und Frau Merkel fühlt sich doch auch in China wohl wenn es ums Geschäft geht und das sind allerhand bewaffnete Kommunisten oder?

Joachim Petrick 13.07.2011 | 20:29

@Fred Thiele

"Auch würde ich von dem Gefühl des „Andersseins“ meiner Person in einer „normalen“ westdeutschen Stadt sprechen wollen. Tatsächlich fällt mein erstes Abo des Freitags in genau diese Zeit um 2001/2, als die Zeitung sich noch den Untertitel „Ost-West-Zeitung“ gab."

komisch, dass geht mir mit dem Meinungsmedium
Der Freitag
nach 1991,
fern vom westöstlichen Diwahn als Barmbeker in Hamburg auch so.

Ob es darum geht, sich an
"Anderssein"
nach der Konformität "formierter Gesellschaften"
wie die einstigen BRD DDR zu gewöhnen?

Ich hatte damit in den 68er Jahren so meine Probleme in Westberlin.

Bleib an Deinem Roman dran!!!!!!

tschüss aus Hamburg

JP