Georg Seeßlen
15.10.2011 | 12:00 16

Gott ist sterblich

Steve Jobs Steve Jobs ist gestorben. Der Tod des Apple-Chefs befeuert einen Mythos: Wie man eine populäre Ikone herstellt oder der Heilige der letzten Tage des Kapitalismus

Bei Joseph Vogl oder Giorgio Agamben kann man nachlesen, wie sich die Ökonomie aus der Theologie entwickelte – als eine nicht nur ideologische Glaubenslehre des Kapitalismus mit dem Markt als Natur des Menschen und der „unsichtbaren Hand“ als göttlichem Wirken, das alle und gerade die negativen Impulse („Gier“, „Konkurrenz“, „Materialismus“) zu einem positiven Ganzen zusammenführt. Es scheint, dieses Phantasma habe durch die Finanz- und Schuldenkrisen einen Knacks bekommen. Aber zur gleichen Zeit ist diese religiöse Aufladung des Kapitalismus in kleinere Narrative abgesunken. Im Fernsehen wird er als Schicksal, soap opera und Rating-Show verkauft, und nun zelebriert die Welt den Abschied von Steve Jobs als eine heilige Handlung, die einen Menschen betrifft, der „mehr war als ein erfolgreicher Unternehmer“.

Eine mythische Gestalt, die all das, was in der Krise auseinandergefallen ist, wieder zusammenbringt. Die Heilsversprechen des Neoliberalismus erfüllen sich nicht unbedingt real auf dem Markt und in der Welt, sie erfüllen sich in der Gestalt von Waren, von Design und von Personen wie Steve Jobs. Die Antwort auf die Krisen des Kapitalismus ist ein iPhone, und die unsichtbare Hand dahinter ist die von Steve Jobs. Der jetzt im Himmel ist.

Die Maschine im industriellen Kapitalismus und dann, unter veränderten Bedingungen, im digitalen hat vier Herren, die auch Diener sind (sie dürfen durchaus weiblichen Geschlechts sein, auch wenn es sich um Ableitungen eindeutig patriarchaler Art handelt): den Erfinder (dem eine Problemlösung geglückt zu sein scheint), den Besitzer (der sie für die Mehrwert-Erzeugung einsetzt), den Maschinisten (der die Maschine zu behandeln weiß und ihr Funktionieren durch seine symbiotische Arbeit an ihr garantiert) und den Verkäufer (der ihr Ästhetik und Sinnwert gibt, sie in die öffentlichen Bilder und Narrative bringt und sie am Ende in der einen oder anderen Weise vermehrt).

In einer Vor- oder Gründerzeit des industriellen Kapitalismus kam es vor, dass alle vier Rollen – die ihre ökonomischen und technischen Impulse ebenso entwickeln wie ihre religiösen und sexuellen – in einer Person vereinigt waren. Ein solcher Herr über die Maschine durfte damals, vor anderthalb Jahrhunderten etwa, durchaus als „gottgleich“ gelten. Später dann reichten schon zwei dieser Rollen, die sich in einer Person vereinen ließen – ein Erfinder, der auch Besitzer seiner Maschine blieb, oder ein Besitzer, der sich wenigstens als Maschinist um jede Schraube seiner Maschine kümmerte –, für große Erzählungen.

Der Mythos von St. Steve

Doch im Wesentlichen funktioniert die Vernetzung von Maschine und Kapital, Technik, Markt und Fortschritt gerade durch die Trennung, mit der man nebenbei auch die Verantwortung zum Verschwinden bringt: Erfinder, Besitzer, Maschinist und Verkäufer haben derart andere Beziehungen zu ihren Maschinen, dass es uns nicht wundert, dass etwa eine erfundene Wunderheilmaschine als Lustmaschine verkauft, als Ordnungsmaschine behandelt und am Ende als Zerstörungsmaschine Profit schafft. Die Aufteilung in Erfinder, Besitzer, Maschinist und Verkäufer vernichtet zwar den heroischen Mythos des prometheischen Gründers, der der Natur die Macht und den Reichtum entreißt, um sie in seiner Maschine zu bändigen und zu kultivieren. Sie beschleunigt aber wundersam die Kreisläufe von technologischer Innovation, Profit, Konsum und sozialer Praxis. Von Zeit zu Zeit muss ein solcher Mythos der Einheit wieder erstehen, eine Person wird inszeniert und inszeniert sich, die Erfinder, Besitzer, Maschinist und Verkäufer zugleich ist. So einer war Steve Jobs ­– im Leben in einer besonderen Methode von Unternehmungsführung und Marktmanipulation; nach dem Tod als „Ikone“, „Guru“, „Lichtgestalt“, „Michelangelo des 21. Jahrhunderts“, „Messias“, „Befreier“ des digitalen Kapitalismus, um ein paar der noch nüchterneren Nachruf-Worte zu zitieren.

Eine Heiligenlegende hat mehrere Elemente: Auserwählung, Lehre, Sammlung der Jünger, Wunder/Erlösung, Prüfung/Verrat, Vollendung, Passion, Tod und Wiederauferstehung, das Vermächtnis, die Gemeinde. Und es ist nicht überraschend, mit welchem Feuereifer populäre Medien an dem Mythos von St. Steve arbeiten.

Über Steve Jobs sagt das alles wenig aus. Ein paar Jahre oder auch nur Monate und man wird kritischere Töne finden, das Denkmal bald auch, so sind die Gesetze der Medien, anpinkeln. Dann wird man daran erinnern, dass Apple, für eine Zeit die wertvollste Marke der Welt (153,29 Milliarden Dollar), ihren Aufstieg einer Unternehmens­philosophie verdankt, die sich aus Umweltschutz, Arbeits- und Menschenrecht, aus Fairness gegenüber Mitbewerbern, letztendlich aus Ehrlichkeit gegenüber den Kunden nicht viel machte. Das Messianische seiner Person und seiner Waren setzte Jobs gezielt ein – etwa in Filmen, in denen die Konkurrenzprodukte als Exponate des bösen, Orwell‘schen Überwachungsstaates und die hellen Apple-Produkte als Objekte des Widerstandes gezeigt werden.

Die Apple-Fertigung findet größtenteils in Asien statt, etwa bei der taiwanesischen Foxconn, die für ihre unmenschlichen Arbeitsbedingungen berüchtigt ist; 18 Selbstmorde von ausgebeuteten Wanderarbeitern in einem Jahr mögen als Beleg genügen. Im Jahr 2003 kam es zu einer Sammelklage gegen Apple, die in der kurzen Lebensdauer der Akkus einen unfairen „geplanten Verschleiß“ sahen. Auf die Kritik von Greenpeace reagierte Jobs mit der Kampagne „ A greener Apple“, die die Verwendung toxischer Stoffe bei der Computerherstellung reduzieren soll. Greenpeace blieb beim Vorwurf, dass Apple sich in diesen Belangen nicht als Vorbild eignet.

Die Kirche Apple

Der Fall der rückdatierten Aktienoptionen für hohe Apple-Mitarbeiter schließlich führte im Jahr 2006 zwar zum Rücktritt des Finanzchefs der Firma, Steve Jobs aber beteuerte, er habe nicht gewusst, welchen enormen Vorteil diese illegale Praxis ihm auch persönlich bringe. Wir glauben ihm nur zu gerne. Zugegeben dagegen hat er immer wieder, dass er gelegentlich mal bei anderen geklaut hat – für seine mausgesteuerten Benutzeroberflächen müssten, wenn es menschlich zuginge in dieser Branche, heute andere wenigstens ein paar Millionen bekommen –, aber nie ohne den Hinweis darauf, dass nur Dilettanten imitieren, wahre Genies dagegen stehlen.

Die Heiligsprechung des Steve Jobs sagt etwas aus über den Zustand der Gesellschaften, in denen der Besitz eines Apple-Geräts oft schon den einer Persönlichkeit ersetzt und in der von der großen Erzählung von Kapitalismus und Fortschritt nur eine solche Popstar- und Sektenvariante bleiben kann. Aber nun?

Natürlich ahnt man, dass nicht nur die Kirche Apple schwereren Zeiten entgegengeht, sondern dass sich das Erlösungswerk des Steve Jobs als Illusion erweisen wird. Der Fels ist brüchig, auf dem diese Kirche errichtet ist; womöglich ist er nur aus Sand. Und das Messianische kippt ins Apokalyptische: „Jetzt müssen Aktionäre und Mitarbeiter um ihre Zukunft bangen... Sie müssen ein Unternehmen führen, das wie eine Sekte vollständig auf den charismatischen Chef zugeschnitten war“, deutet die SZ an.

Denn nun bricht die mythische Einheit wieder auseinander, die Troika, der Maschinist, der Verkäufer und der Designer werden um die Macht kämpfen und die Besitzer und Profiteure in den Nebeln des Finanzkapitalismus verschwinden. Doch einen Traum wird man so leicht nicht wieder los. Zum literarischen Vermächtnis von Steve Jobs wird die in Endlosschleifen zu Tode zitierte Rede in Stanford vor den Studenten im Jahr 2005: „Ihre Zeit ist begrenzt, also verschwenden Sie sie nicht. Lassen Sie sich nicht von Dogmen in die Falle locken. Lassen Sie nicht zu, dass die Meinung anderer Ihre innere Stimme erstickt. Am wichtigsten ist es, dass Sie den Mut haben, Ihrem Herzen und Ihrer Intuition zu folgen. Alles andere ist nebensächlich.“

Der da sprach, war vermutlich wirklich so etwas wie der kleine Prinz des piratischen Digitalkapitalismus. Und so zeigen ihn auch die Bilder: Der Apfel ist sein Planet, und Jobs ist auf ihm präsent, als Silhouette, als Kontur des „abgebissenen Teils“, in seinem Orbit – der Prinz, der Technik menschlich machte und Kapitalismus stylish.

Ein Märchenbuch wird zugeklappt.

Georg Seeßlen veröffentlichte zuletzt gemeinsam mit Markus Metz Blödmaschinen. Die Fabrikation der Stupidität bei Suhrkamp

Kommentare (16)

claudia 15.10.2011 | 21:49

>>...der Besitz eines Apple-Geräts oft schon den einer Persönlichkeit ersetzt und in der von der großen Erzählung von Kapitalismus und Fortschritt nur eine solche Popstar- und Sektenvariante bleiben kann. Aber nun?
... und sie sehen, dass sie nackt sind...
das Leben geht weiter. Wir können es gestalten. Auch ohne Kapitalismus, Betrüger, Diebe und Ikonen, die sich mit Schweiss, Blut und Tränen Anderer lackieren.

crumar 15.10.2011 | 23:43

Georg Seeßlen sollte bei Filmkritiken bleiben - das kann er sehr gut. Einen Nachruf auf die Ikone einer Branche, von der er wohl wenig genug versteht, um einen schlechten Artikel zu schreiben, sollte er m.E. unterlassen.

Die Firma Apple Computer (damals eben *Computer* - nicht ganz zufällig heißt die Firma nicht mehr so) wurde gegründet, lange bevor der Neoliberalismus gängige Unternehmenspraxis wurde.
Daher konnten damals weder Apple 2 noch Macintosh z.B. in Asien gefertigt worden sein.
Historische Kontinuitäten zu erfinden macht Geschichte einfacher, Erklärungen jedoch falsch.
Und Steve Jobs war auch niemals die Verkörperung der heiligen Viereinigkeit einer kapitalistischen Gründungspersönlichkeit, sondern in erster Linie (genialer) Promoter.
Der Erfinder, der Techniker war hingegen Steve Wozniak, Mitgründer von Apple.

Jobs gab ein Leitbild vor das, was neu ist, auch neu aussehen muss - daraus entwickelte sich die (neusprech) einzigartige Formensprache der Firma.
Und terrorisierte die Mitarbeiter mit seinem völlig ziellosen Perfektionismus.

Der Mythos der Firma Apple gründet sich in der klaren Frontstellung gegenüber der Firma IBM, die damals die Branche monopolisierte.
Der Spot unter Verwendung des Motivs von Orwells "1984" macht keinen Sinn, wenn man "Big Brother" nicht als "Big Blue" identifiziert.
Der verkaufte Kult war also immer ein rebellischer, anti-monopolistischer und immer "David gegen Goliath", immer "power to the people"...
Die besondere Ironie ist die Teilhabe an Herrschaftskritik via Konsum - nicht erst seit es das Modelabel "Protest" gibt, kann man ideologisches outfit kaufen.

Dass Apple und Microsoft bei Xerox Parc die grafische Benutzeroberfläche gestohlen haben ist richtig - nur unterschlägt das die Tatsache, dass Xerox mit der Erfindung ganz einfach nichts anzufangen wusste.
Jobs und Gates teilten jedoch die Vision eines Computers für jedermann, der auch von diesem einfach zu bedienen sein sollte - das war das genaue Gegenteil zu den elitären Vorstellungen der damaligen Computerindustrie.
Gates ging den entscheidenden Schritt über Jobs hinaus und ließ sich auf die Frontstellung gegenüber IBM gar nicht erst ein.
Nicht bessere Hard- und Software, sondern gar keine Hardware mehr.
Und erzwang damit die Arbeitsteilung von Hard- und Software in der Branche (unter den Bedingungen des Monopols von IBM, lustiger Weise).

Lange Zeit galt dies als Mantra der Branche.
Und Apple als Verlierer und knapp vor dem Bankrott.

Was Jobs - wesentlich später - mit der Kombination von ipod und itunes (also Hard- und Software) gelang: Die Musikbranche zu zerschlagen und sich bei der Distribution zwischen diese und den Konsumenten zu platzieren und Handelsprofite zu generieren (bzw. der Zwischenhandel zu sein), war daher erstaunlich.
Selbes Spiel mit iphone und Applikationen, selbes Spiel mit ipad und Verlagen.

Jobs hatte (zusammen mit einem richtig guten Team) m.E. ein einzigartiges Gespür für gesellschaftliche UND technische Entwicklungen, sie zu ihrem logischen Ende durchdacht und dann das passende Produkt zur richtigen Zeit herausgebracht.

Was übrigens gar nicht so einfach ist.
Nur so am Rande für die hiesige sozialwissenschaftliche Klientel, die davon keine blasse Ahnung hat...

Dass diese Produkte zielgenau für eine passende, neoliberale Klientel entwickelt worden sein sollen ist ein Scherz.
Apple pfeift auf ein solches Marketing (im Sinne von Kundenbefragungen) mit einer plausiblen Begründung: Woher sollen die Menschen wissen was sie brauchen, wenn ein solches Produkt noch gar nicht existiert?

Übrigens eine avantgardistische und revolutionäre Haltung, die mir unmittelbar einleuchtet.

Schönen Gruß, crumar

Tomas Balek 16.10.2011 | 12:08

@Georg Seeßlen
Zitat: "...Foxconn, die für ihre unmenschlichen Arbeitsbedingungen berüchtigt ist; 18 Selbstmorde von ausgebeuteten Wanderarbeitern in einem Jahr mögen als Beleg genügen. "
Ihr Argument halte ich für überholt.
Foxconn hat in Asien etwa 1 Million angestellte.
Die Selbstmordrate von 18 pro 1 Million Menschen ist weit aus niedriger als in den meisten westlichen Ländern.
2008 waren es in Deutschland 11,9 je 100.000 Einwohner.
Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Suizidrate_nach_L%C3%A4ndern

Und Apple setzt sich setzt stets für bessere Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferern ein, was gerade in China wegen der dortigen Gesetzgebung nicht so einfach sein dürfte:
images.apple.com/supplierresponsibility/pdf/Apple_SR_2011_Progress_Report.pdf

Man muss halt genau hinschauen....

Gruß,
Tomas

rheinhold2000 16.10.2011 | 15:48

@crumar
@thomas balleck

was mir an den apple jüngern wierklich auf die eier geht ist die religiöse insbrunst mit der sie ihre firma verteidigen.
mein gott , steve jobs ist was moralische standards angeht eher unter dem durchschnitt:

dominikimseng.wordpress.com/2008/07/13/stevejobs/

besonders gefällt mir dieser abschnitt:

"21 Jobs, der ein Vermögen von über fünf Milliarden Dollar besitzt, hat noch nie einen substanziellen Betrag für wohltätige Zwecke gespendet. Ganz im Gegensatz zu Bill Gates, der schon Millionen für die Bekämpfung von Krankheiten in Entwicklungsländern ausgegeben hat und sich in Zukunft nur noch um seine wohltätige Stiftung kümmern will."

und das ist ja auch nicht weiter schlimm. aber steve ist wirklich der prototyp des neoliberalalistischen kapitalismus: ne hübsche verpackung OHNE JEDEN INHALT.

ich persönlich finde es nicht schlimm asozial zu sein meine ibm thinkpads wurden sicher auch nicht unter besseren bedingungen produziert als apples aber ich fühle mich auch nicht bemüßigt lenovo mit quellen von lenovo (rofl) zu verteidigen und eben das unterscheidet mich von apple jüngern, ich weiß das lenovo eine kapitalistische schweinefirma ist die ganz gute produkte produziert(e) mein thinkpad ist 15 jahre alt. neu würde ich mir nur noch sony laptops kaufen die sind besser.
und ich finde linus thorvalds sympathisch so rein menschlich aber nur weil ich linux für ein gutes betriebssystem halte würde ich mich nicht nachts um 3 in ne schlange einreihen um es zu kaufen.
apple jünger hätten sogar von steve jobs signierte scheißhaufen gekauft.
allerdings in einem punkt haben die apple jünger gute arbeit geleistet. menschen die apple produkte haben finde ich einfach nur noch peinlich.

unionista 16.10.2011 | 17:35

Ich finde Georg Seeßlens Artikel richtig gut. Denn er zeigt die Mechanismen, wie Steve Jobs zum Erlöser (von den Unbilden der Maschine, dem eisernen Griff der Musikindustrie, dem Kartell der Verlage) stilisiert wird.
Natürlich hat er das für den Gewinn der Firma Apple und für sich gemacht hat, nicht aber um die Menschheit voranzubringen. Das wird gerne ausgeblendet.

Das hat er toll gemacht, Jobs hat es auch geschafft, dass Computer jetzt hand- oder A4-große Multifunktionsgadgets mit einem Mensch gerechten Interface sind und die darunter liegende Computertechnik nicht mehr für den Benutzer als Barriere fühlbar ist (was sind Treiberprobleme?). Klasse.

Aber man sollte mal die Kirche im Dorf lassen, Jobs war nie ein Heiliger und schon gar kein Revolutionär im gesellschaftlichen Sinn. Er wollte sein Ding machen und er war ein genialer Verkäufer und Firmenchef mit ausgezeichnetem Designgeschmack.

Ein paar wichtige Strategien hat er sich von IBM abgeschaut, und in Apple überführt: Das Bundling von Software und Hardware und die Exklusivität der Geräte (nur von Apple, von niemandem sonst). Und er ging sogar noch einen Schritt weiter als IBM: Nicht nur die Betriebssoftware und wichtige Programme gab es von Apple: Er übernahm beim iphone/ipad auch die Kontrolle über die Fremdsoftware, was nicht mal Microsoft für ihr BS gelang (Apps ausschließlich über den von Apple kontrollierten Appstore) und die Nutzerdaten (Musik über itunes).

Im Prinzip ist das also eine altbekannte Strategie der früheren Computerkonzerne, die ihre Kunden immer so weit wie möglich in einem abgeschlossenen Biotop knebelten. Nur noch perfektioniert und umfassender.

Nur weil die Geräte mit dem i so schön zu bedienen sind und alles so gut zusammenpasst und funktioniert, stört dieser goldene Käfig offensichtlich niemanden.

MIt der icloud wird der nächste Schritt gemacht. Wer wird den Applezoo nochmal verlassen, wenn alle relevanten Daten mit ihren ganzen iVerknüpfungen in der iWolke liegen und von dort vermutlich nie in ein anderes System automatisch migriert werden können?

Das ganze ist ein einziges System zur Kundenbindung, wie das Microsoft auch schon mal sehr unvollkommen mit seinen Officeprogrammen und ihren geheimen Binärformaten gemacht hat.

Ich sehe in alledem nichts Avantgardistisches und Revolutionäres. Nur ein nachhaltiges Marketingkonzept für Geräte, die tatsächlich neue Standards in Bedienung und Softwareintegration gesetzt haben.

johann 17.10.2011 | 01:13

Ohne eigentlich Apple verteidigen zu wollen, aber: dieses selbstgerechte ahnungslose Sichaufregen ist noch viel gräßlicher. Beispiel Foxconn: Dort läßt nicht nur Apple fertigen, sondern auch z.B. Acer, Amazon, ASRock, Intel, Cisco, Hewlett-Packard, Dell, Nintendo, Nokia, Microsoft, MSI, Motorola und Sony Ericsson. Müßte man nicht auch über die reden und auch von denen nie mehr was kaufen?

Und dann ist Foxconn beileibe kein typisches chinesisches Ausbeuterunternehmen, die Arbeitsbedingungen und Löhne dort sind gegen den Rest Chinas geradezu traumhaft und weit über dem üblichen Durchschnitt, die Arbeiter schlagen sich dementsprechend auch um Jobs dort.

Von den chinesischen Herstellern, die den ganzen Scheiß produzieren, den jeder hierzulande bedenkenlos jeden Tag kauft, von der Plastikschüssel über das USB-Kabel bis zum Gummireifen am Kinderwagen gar nicht erst zu reden. Dort herrschen grauenhafte Arbeitsbedingungen und die Arbeiter besitzen oft nichts außer ihrer Kleidung und schlafen in Unterständen am Werkszaun. Die bringen sich nicht um, die sterben so schon. Stört das hier irgendwen? Nein, natürlich nicht. Hauptsache man greift sich einfach einen schillernden Sündenbock heraus (wie Apple) und kann so weitermachen wie immer. Das Gewissen ist beruhigt, man hat sich nett aufgeregt und muß nicht mehr nachdenken.

Und man kann ja über Apple sagen was man will, aber der Laden macht immerhin schlicht Geschäfte nach guter alter Art: Geld gegen Ware und fertig. Mir sind tausend Apples und Steve Jobs immer noch tausendmal lieber als ein Ackermann und eine Deutsche Bank. Denn Apple kann ich einfach nicht kaufen, wenn ich nicht will. Die Ackermanns jedoch ruinieren uns alle, ob wir dort kaufen wollen oder nicht.

Aber das hier wird eh keiner mehr lesen. Jeder ist befriedigt, dass er mal wieder seine Vorurteile bestätigt bekommen hat, kotzt noch schnell einen Kommentar rein, in dem er sich dafür bedankt und dann schnell weg. Bloß nicht nachdenken, bloß keine Fakten und auf gar keinen Fall zu dem Schluß kommen, dass das vielleicht alles gar nicht so einfach ist.

Peinlicher als Leute, die Apple-Produkte benutzen, finde ich übrigens solche, die Samsung-Produkte benutzen, weil sie Apple peinlich finden. Samsung ist nämlich nicht nur korrupt ohne Ende, sondern ein Riesenkonzern ("Republik Samsung"), der seinen Arbeitnehmern die Mitgliedschaft in Gewerkschaften verbietet und von der koreanischen Regierung protegiert wird wie kein anderes Unternehmen der Welt (bei der Bestechung von zwei Ex-Premierministern auch kein Wunder). Gegen Samsung ist Apple geradezu ein Wohltätigkeitsverein. Aber sowas will auch keiner wissen, das ist einfach zu unbequem.

Jobs war kein Heiliger, aber viel mehr als ungeheuren Erfolg kann man ihm wirklich nicht vorwerfen. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen.

ZeitungsApp 17.10.2011 | 01:41

Steve Jobs war doch nur der Pizza-Lieferant für Steve Wozniak.
Spaß beiseite.

Alle reden von Jobs, keiner von Ritchie, der Maßgebendes für unserer jetziges Internet und Computer überhaupt geleistet hat.

Ich möchte Steve Jobs Rolle nicht bagatellisieren, aber er hat eigentlich nur Spielzeug an Hipster verkauft. Tablets usw. hätten sich auch so durchgesetzt. Das war nicht Jobs Verdienst. Er hatte nur den richtigen Riecher und das richtige Produkt. Die ganzen Fehlschläge von ihm werden einfach runtergeredet.

Natürlich ruhe er in Frieden. Er war ein charismatischer Mann und es ist sehr traurig, dass er so früh von uns gegangen ist. Aber wieso kriegt er mehr Aufmerksamkeit als Ritchie? Ich versteh die Welt nicht mehr.

Wer Ritchie war? Auf meinem Blog finden Sie mehr

rheinhold2000 17.10.2011 | 09:15

@johann

"Von den chinesischen Herstellern, die den ganzen Scheiß produzieren, den jeder hierzulande bedenkenlos jeden Tag kauft, von der Plastikschüssel über das USB-Kabel bis zum Gummireifen am Kinderwagen gar nicht erst zu reden. Dort herrschen grauenhafte Arbeitsbedingungen und die Arbeiter besitzen oft nichts außer ihrer Kleidung und schlafen in Unterständen am Werkszaun. Die bringen sich nicht um, die sterben so schon. Stört das hier irgendwen? Nein, natürlich nicht. Hauptsache man greift sich einfach einen schillernden Sündenbock heraus (wie Apple) und kann so weitermachen wie immer. Das Gewissen ist beruhigt, man hat sich nett aufgeregt und muß nicht mehr nachdenken."

diese argmentation ist typisch für apple jünger und ich verstehe sie nicht.
also ich kann die arbeitsbedingungen bei nike nicht kritisieren ohne auch adidas und puma zu erwähnen. und ich habe doch geschrieben, dass ich mir bewußt bin das die bdingungen bei allen computerherstellern scheiße finde.
im gegensatz zu dir verehre ich aber nicht einen menschen der für diee zustände direkt verantwortlich ist

"Und man kann ja über Apple sagen was man will, aber der Laden macht immerhin schlicht Geschäfte nach guter alter Art: Geld gegen Ware und fertig. Mir sind tausend Apples und Steve Jobs immer noch tausendmal lieber als ein Ackermann und eine Deutsche Bank. Denn Apple kann ich einfach nicht kaufen, wenn ich nicht will. Die Ackermanns jedoch ruinieren uns alle, ob wir dort kaufen wollen oder nicht."

APPLE BEUTET MENSCHEN AUS AUF DAS ALLERÜBESTE:
Apple könnte auch in China anständige löhne zahlen und trotzdem gute Gewinne machen.
Tut Apple aber nicht.
Damit ist Jobs genauso eklig gierig wie Ackermann und Co

"Aber das hier wird eh keiner mehr lesen. Jeder ist befriedigt, dass er mal wieder seine Vorurteile bestätigt bekommen hat, kotzt noch schnell einen Kommentar rein, in dem er sich dafür bedankt und dann schnell weg. Bloß nicht nachdenken, bloß keine Fakten und auf gar keinen Fall zu dem Schluß kommen, dass das vielleicht alles gar nicht so einfach ist."

Dswegen ist Apple Religion. Du bist echt empört, da hat man deine religiösen Gefühle angegriffen.Und das irritiert mich an Apple Jüngern.
Beispiel: Ich trag gerne Klamotten von Hugo Boss. Bin durchaus markenfixiert. Wenn mir jemand sagt Boss ist ne schweinefirma, hat für die ss uniforen produziert und beutet menschen aus, dann sage ich "ist mir bekannt, so ist halt dr kapitalismus. ich verteidige doch nicht firmen deren produkte ich konsumiere!
das ist doch total(!!!!) irre

"Peinlicher als Leute, die Apple-Produkte benutzen, finde ich übrigens solche, die Samsung-Produkte benutzen, weil sie Apple peinlich finden. Samsung ist nämlich nicht nur korrupt ohne Ende, sondern ein Riesenkonzern ("Republik Samsung"), der seinen Arbeitnehmern die Mitgliedschaft in Gewerkschaften verbietet und von der koreanischen Regierung protegiert wird wie kein anderes Unternehmen der Welt (bei der Bestechung von zwei Ex-Premierministern auch kein Wunder). Gegen Samsung ist Apple geradezu ein Wohltätigkeitsverein. Aber sowas will auch keiner wissen, das ist einfach zu unbequem."

Leute die Samsung Produkte konsumieren verehren aber nicht deren obermuftie als gott (wer ist das überhaupt?) und fühlen sich auch nicht bemüßigt samsung zu verteidigen wenn es angegriffen wird.

"Jobs war kein Heiliger, aber viel mehr als ungeheuren Erfolg kann man ihm wirklich nicht vorwerfen. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen."

sicher kann man ihm mehr vorwerfen.er war ein ganz ganz übler ausbeuter. wie der chef von samsung , bmw,vw,mercedes, wie halt der chef von fast jedem unternehmen auf dieser welt. mensche die solche typen verteidigen sind mir suspekt.menschen die solche typen verehren sind mir unheimlich. so nach dem motte :Scheiß auf die kaputtgearbeiteten chinesen, der typ hat charisma.

claudia 17.10.2011 | 10:27

Fromme Legenden gehören zum Kapitalismus, wie sie auch zum Feudalismus gehörten.

"Vom kleinen Zeitungsverkäufer zum Grossen Edison"
"Vom Tellerwäscher zum Millionär"
"Von der Garage zum Apple-Wunder"

Da wo ich früher mal wohnte, gab es die Legende: "Wie der Maurermeister Hans Liebherr mal einen fahrbaren Baukran bastelte und als er sah dass es gut war, sprach: 'Es werde eine grosse Fabrik!' Und es ward eine grosse Fabrik".

Oder wie der kleine Herr Nixdorf aus nix eine grosse Computerfabrik schuf.
und so weiter und so fort.

Der Glaube an die Wundertätigkeit der Grossen Kapitalherren lebt von diesen Legenden, die immer Wesentliches verschweigen.

Es gibt noch mehr Legenden:
wie die Verarmung der Arbeiterklasse den Wohlstand in die Welt bringt (eigentlich ein alter Gag)
oder
wie Geldanlagen einfach durch Spekulation "die Witschaft" erblühen lassen
oder
"die heilige Pflicht der Steuerzahler, Spekulationsmüll namens HRE zu kaufen"

ohne Legenden hat kein Herrschaftssystem lange Bestand.

crumar 17.10.2011 | 11:58

@unionista Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen: Steve Jobs hat es geschafft, den Apple Jüngern ihre eigene Enteignung zu verkaufen.

Um ein iphone oder ipad zu "aktivieren", musst du es erst einmal bei itunes anmelden.
Die Hardware ist so sehr mit der Software verdongelt, dass man die Geräte noch nicht einmal per simplen Druck auf den Ein Schalter anstellen kann.

Wie durchgeknallt muss man sein, um so etwas zuzulassen?

Gruß, C.

crumar 17.10.2011 | 12:07

@reinhold 2000 Dass Apple Jünger unzumutbar sind ist richtig - macht jedoch die Produkte von Apple nicht schlechter. Ich nutze jedoch kein einziges Produkt dieser Firma.

Und wie du richtig schreibst - und was Herr Seeßlen im Artikel nicht schreibt, weil er es anscheinend nicht weiß - die anderen Hersteller lassen ebenfalls in China fertigen und nutzen ebensolche kapitalistische Ausbeutungspraktiken wie Apple selbst.

Der Witz ist ja, dass nur noch F und E in den USA oder in Japan und Korea laufen.
Das ist reines badge engineering.

Du kannst wahrscheinlich auf die regelmäßige Erneuerung deines Technik Parks verzichten, weil du mit den Geräten deinen Lebensunterhalt nicht verdienen musst.
Ich muss jedoch und bin daher gezwungen, regelmäßig zu erneuern.

Gruß, C.

crumar 17.10.2011 | 12:36

@zeitungsapp
Wenn du 100 Leute beim "Freitag" fragst nach den Grundlagen für das Apple OS, dann wirst du zu 99,999% nicht Unix hören. ;)

Also: Rip Dennis Ritchie!

Leider blüht hier eine technikferne Unkultur und Atmosphäre, der wir auch Artikel wie den von Seeßlen verdanken.
Es ist eine sozialwissenschaftliche Unsitte, (s)ein theoretisches Instrumentarium für universell zu erklären und sich mit diesem Besteck an Themen zu wagen, wo ein Schraubendreher gefragt ist und keine Gabel.

Ich habe es bisher noch nicht einmal geschafft zu vermitteln, wie arrogant und faktenresistent solche "Schreibe" bei mir ankommt.

Als Jobs, kaum wieder bei Apple von Next angekommen den Cube herausbringen ließ dachte ich mir nur: Steve, such dir einen Therapeuten!
Nichts erzählt besser von seinem gekränkten Ego und seiner narzisstischen Persönlichkeit als dieser (weitere) Flop.

Wogegen ich jedoch bin ist eine Behauptung a la "es hätte sich ohnehin durchgesetzt".
Das schmälert die Pionierleistungen der Firma und von Jobs.
Es gibt keine Innovation, die sich mal eben so durchsetzt.
Ohne die Dreistigkeit der Firma Apple würden wir heute noch nicht einmal den USB-Anschluss durchgesetzt haben.
Du erinnerst dich an den imac? ;)

Schönen Gruß, crumar

johann 17.10.2011 | 14:14

Ich bin kein "Apple-Jünger". Ich bin bestenfalls Vernunft-Fan.

Genau das regt mich an diesen Schnellschußfans, die immer nur einen weithin sichtbaren Schuldigen suchen, immer so auf: Dass jeder Versuch, in diese wahnwitzigen Argumentationen ein bißchen Vernunft und Fakten und Kontext hereinzubringen, sofort mit der "Jünger"-Keule beantwortet wird.

Tatsache ist doch, dass wir alle jeden Tag von der Ausbeutung der Entwicklungs- und Schwellenländer profitieren. Kaum etwas von dem, was wir zu Spottpreisen kaufen, könnten wir uns leisten (und alles zusammen schon gar nicht), wenn es nicht zu Löhnen herstellt würde, für die wir nicht arbeiten wollten.

Dieses willkürliche Herausgreifen von einzelnen Unternehmen ist einfach intellektuell unredlich und vor allem bewirkt es nichts außer mit dem Finger auf irgendwen zu zeigen und dann wieder ganz zufrieden so weitermachen zu können wie vorher. Wie gesagt, nicht nur so gut wie jeder Computer und fast jedes Technikzubehör wird unter denselben oder schlechteren Bedingungen hergestellt wie Apple-Kram, bei Kleidung und Haushaltswaren sieht es noch viel, viel schlimmer aus. Aber da müßte man sich ja an die eigene Nase packen und das geht einfach nicht.

Denjenigen, die hier immer nur auf Apple zeigen, geht es gar nicht um die armen chinesischen Arbeiter. Denen geht es nur darum, einen gut sichtbaren Schuldigen zu finden, an dem sie sich auslassen können.

Und ja, man darf ruhig sagen, dass alle von Dell bis Nokia dort genauso fertigen lassen und es macht einen auch nicht zum Apple-Fan, wenn man das sagt. Es macht es bloß viel schwieriger, damit seinen Frieden zu machen, denn dann wird einem auch klar, dass sich das so einfach nicht ändern läßt. Apple oder Steve Jobs laut brüllend auf den Scheiterhaufen zu werfen ist natürlich sehr viel einfacher.

Und wo habe ich Steve Jobs als Gott verehrt? Sowas findet man immer nur als Vorwurf, ich habe noch nie jemanden gehört oder gelesen, der das tut.

Dieses wutschnaubende Suchen nach einem Sündenbock, damit man die eigenen Hände in Unschuld waschen kann, ist einfach nur widerlich und der verächtliche, selbstgerechte Ton, in dem das ganze immer rüberkommt, macht es nicht besser. Das ist irgendwie genau derselbe Ton, in dem die biertrinkenden Neonazis an der Straßenecke über Ausländer reden, die ihnen angeblich die Arbeitsplätze wegnehmen, während sie selber noch nicht einmal in der Lage wären, eine Pommesbude zu betreiben.

Sorry, ich meine nicht Dich persönlich, aber das mußte mal raus.