Grassierendes Fusionsfieber

RÜSTUNGSKONZERNE Westeuropas Investitionen in die eigene Verteidigungsidentität und Interventionsfähigkeit beflügeln die Fusionslaune und den globalen ...

Westeuropas Investitionen in die eigene Verteidigungsidentität und Interventionsfähigkeit beflügeln die Fusionslaune und den globalen Wettbewerbseifer der europäischen Rüstungsindustrie. Getragen vorzugsweise von Unternehmen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Schweden hat sich die Konzentrationsdynamik im vergangenen Jahr erkennbar verstärkt.

Im Kampfjet- und Raumfahrtsektor gab es den Paukenschlag in der zweiten Oktoberwoche 1999, als die französische Aerospatiale Matra und die deutsche DaimlerChrysler Aerospace zur European Aeronautic Defense and Space Company (EADS) fusionierten und damit zum drittgrößten Flugzeug- und Raumfahrtkonzern der Welt avancierten.

Bis zu diesem Zeitpunkt stellte sich das Produktionsspektrum der beiden Partner wie folgt dar (Angaben in Prozent):

DaimlerChrysler Aerospace


Satelliten und Raumfahrt

13,3

Hubschrauber

7,4

Zivilflugzeuge

32,1

Kampfjets

10,4

Antriebe Luftfahrt

18,0

Sonstiges

18,8

Aerospatiale Matra


Raketensysteme

17,2

Hubschrauber

20,2

Zivilflugzeuge

57,0

Sonstiges

5,6

Nach der Fusion repräsentiert EADS bei einzelnen Produktgruppen in Europa folgenden Marktanteil


Zivilflugzeuge (Airbus)

76,1

Ariane-Rakete

24,0

Kampfjets (Eurofighter)

30,0

Satelliten und Raumfahrt

75,1

EADS kalkuliert in diesem Jahr mit einem Umsatz von 21,5 Milliarden Euro und einem Betriebsgewinn von mehr als einer Milliarde Euro. Zum Jahreswechsel beschäftigte der Mischkonzern 89.000 Mitarbeiter.

Im maritimen Sektor schloss sich im Juli 1999 die Kieler Howaldtswerke Deutsche Werft AG (HDW), die sich mehrheitlich im Besitz der Deutschen Babcock AG befindet, mit der schwedischen Kockums Werft zusammen, womit der Weltmarkt anteil allein beim Bau nicht nuklear betriebener U-Boote auf etwa 80 Prozent gestiegen ist, da Kockums einen 49-Prozent-Anteil am australischen U-Boot-Produzenten ASC mit in die Fusion übernommen hat.

Die an Kockums ebenfalls beteiligte schwedische Celsius-Gruppe intensivierte ihrerseits die Geschäftsbeziehungen mit dem Rüstungskonzern Saab im eigenen Land, bei dem wiederum der britische Multi British Aerospace (BAe) - ebenfalls seit 1999 - mit einem Gesellschafteranteil von 35 Prozent engagiert ist. Über diese Strecke dürfte HDW seinen Einfluss auf die Firma STN Atlas Elektronik entscheidend erhöhen können, einem Produzenten für Präzisionswaffen-Elektronik, bei dem BAe ein Aktienpaket von 49 Prozent erworben hat, womit sich der Kreis schließt: Neben einer deutsch-französischen Rüstungskooperation gewinnt auch die zwischen britischen und deutschen Firmen weiter an Kontur - in jedem Fall Katalysatoren für eine Militarisierung der EU.

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