Griechenland, Nokia und die besetzte Wallstreet

Chronik Nicht alles, was diese Woche unter dem Teppich landete, gehört dorthin: 5 weitere Themen der Woche in aller Kürze analysiert

./resolveuid/40080f112e94e29787960eb9eb5d50bfGriechenland
Entweder oder
Athen ist zum Offenbarungseid gezwungen: Man schließe 2011 mit einer Neuverschuldung von 8,5 Prozent 
des Bruttoinlandsprodukts ab – statt des avisierten Defizits von 7,4 Prozent. 
Zugleich wird versprochen: 2012 soll es ein Budget ohne neue Schulden 
geben. Für wie realistisch dieses Ansinnen gehalten wird, kann seit Anfang der Woche einem weiter absackenden Eurokurs entnommen werden. Weil die Entscheidung über die nächste Hilfstranche für Griechenland aus dem Euro-Rettungsfonds (acht Milliarden Euro) weiter aussteht, lassen sich die Finanzmärkte kaum zügeln. Es scheint nur noch die Alternative zu geben: -Europäischer Marshallplan oder Staatsbankrott für Griechenland. LH

Bolivien
Morales will Vergebung
Ein Präsident stellt sich selbst infrage und wird mit einem schweren Vorwurf belastet: Verrat an den Ureinwohnern Boliviens und damit der eigenen Basis. Evo Morales hat dem Bau einer Straße durch das Natur-Reservat Isiboro-Sécure zugestimmt, um die südliche Amazonasregion mit dem Pazifik zu verbinden. Unverzichtbar für Boliviens Wirtschaft, so seine 
Begründung. Als Tausende Indigene zum Protest gegen das Projekt nach
 La Paz aufbrechen, werden sie von der Polizei zurückgeprügelt – ein Vorgang, als würde sich Morales selbst ins Gesicht schlagen. Seine Entschuldigung an die Protestierenden kam post-wendend, ein Kompromissvorschlag zum Trassenverlauf soll folgen. LH

./resolveuid/be860e24d61677d0226a1d0875ff5af1Kolonialverbrechen
Piepers Geste
Es hat lange gedauert, bis die Berliner Charité nun 20 Schädel getöteter 
Herero und Nama an Namibia zurückgegeben und sich für ein „unrühmliches Kapitel deutscher Wissenschaftsgeschichte“ entschuldigt hat. Wie lange es dauern wird, bis sich auch eine Bundesregierung ihrer Verantwortung für den Völkermord vor 100 Jahren stellt, bleibt offen. Mehr als „Versöhnung“ hatte Staatsministerin Pieper den Opfer-Vertretern bei der Übergabe jedenfalls nicht anzubieten. Und als diese lautstark eine offizielle Entschuldigung forderten, verließ sie grußlos die Zeremonie. Piepers Geste wurde als solche verstanden: Der namibische Kultusminister Kazenambo sprach von „erniedrigender Missachtung“. TS

./resolveuid/3895c4191d90808571c620135aefde9fNokia
Die Karawane zieht
Als der finnische Mobilfunkkonzern Nokia 2008 sein Werk in Bochum dichtmachte, um im rumänischen Jucu die Handys fortan billiger aus importierten Teilen zusammenbauen zu lassen, gab es viel Kritik, harsche Proteste der betroffenen 3.500 Arbeiter und manche Warnung: Irgendwann werde dem Unternehmen auch das ost-europäische Lohnniveau zu hoch sein! Nach drei Jahren ist es nun so weit – auch das verlagerte Werk soll geschlossen werden, diesmal würden 2.200 Beschäftigte ihren Job verlieren. Die kapitalistische Karawane zieht 
auf ihrem Weg nach Asien weiter, 
wohin Markt und Lieferkette vorausgeeilt sind. Für wie lange wird Nokia der neue Standort billig genug sein? TS

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Besetzte Wallstreet
Es brauchte ein bisschen, bis der Protest in Fahrt kam und die Polizei ihn ernst nahm. Schon zwei Wochen lang demonstrieren junge Leute unter dem Motto „Occupy Wall Street“ – unter anderem mit einem Zeltlager im 
Finanzdistrikt von Manhattan – gegen die Macht der Banken, soziale Un-gerechtigkeit und die Ursachen der 
globalen Erwärmung. Doch erst am Wochenende sahen die Behörden sich bemüßigt, einer Aktion auf der Brooklyn Bridge ein plötzliches Ende zu bereiten: Rund 700 Teilnehmer wurden mit der Begründung festgenommen, sie behinderten den Autoverkehr. 
Zu stoppen sind die Proteste damit nicht. Vielmehr greifen sie auf andere Großstädte der USA über. TT


(Alle Fotos: AFP/ Getty Images)

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