Hiroshima und Nagasaki mahnen

Appell An die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik

Wir Ärztinnen und Ärzte der Internationalen Friedensorganisation IPPNW, 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, erlauben uns, Sie auf die gemeinsame Chance hinzuweisen, mit der bevorstehenden Bundestagswahl einen demokratischen Einfluss in einer lebenswichtigen Frage auszuüben.

Noch immer halten die USA auf deutschem Boden eine geheim gehaltene Zahl von B 61-Atombomben bereit, jede davon mit einer bis zu sechsfachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe ausgestattet, die vor genau 60 Jahren etwa 90.000 Menschen in der japanischen Stadt getötet, viele tausend andere schwer chronisch geschädigt hat. 89 Prozent der Deutschen erwarten laut Forsa-Umfrage die dringende Beseitigung dieser Waffen, die unsere Regierung aufgrund des Atomwaffensperrvertrages von 1968, Artikel II, ohnehin nicht hätte annehmen dürfen. Soeben haben die USA erneut die Erfüllung einer weiteren Verpflichtung aus diesem Vertrag verweigert, nämlich in Verhandlungen mit dem Ziel einer vollständigen nuklearen Abrüstung einzutreten.

Verlangen Sie von den Kandidaten, die sich in Ihrem Wahlkreis um Ihre Stimme bewerben, eine klare Stellungnahme zur Frage der atomaren Abrüstung allgemein und speziell zur Befreiung von diesen Waffen aus unserem Land. Lassen Sie sich nicht weismachen, es gehe hierbei um Antiamerikanismus. 17 hohe Generäle und Admiräle der USA und 75 amerikanische Pax Christi Bischöfe haben entschieden gegen die Fortsetzung einer auf Atomwaffen gestützten so genannten Sicherheitspolitik protestiert.

Wir begründen diesen Appell an Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, mit der politischen, militärstrategischen und moralischen Unverantwortlichkeit der atomaren Risiken und bedenken das grauenhafte medizinische Elend der Folgen im Ernstfall, wie es die Japaner in Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 getroffen hat. Frieden kann nur von Menschen geschützt, von Massenvernichtungswaffen, gleich welcher Seite, stets nur bedroht werden.

(Gekürzte Fassung)

V.i.S.P.: Prof. Dr. Dr. Horst-Eberhard Richter, IPPNW, Körtestr. 10, 10967 Berlin


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00:00 05.08.2005

Ausgabe 38/2020

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