Hirsche schießen mit Trump junior

Klimakrise Tiere haben es immer schwerer, in ihren angestammten Lebensräumen zu überleben. Im Hause Trump sorgt man sich vor allem um das „wahre Jagderlebnis“
Damit der Junior sich den Beweis für die Ehrentaten auch ins Wohnzimmer hängen kann, lockerte Trump Senior die Regeln, um Jagdtrophäen in die USA einführen zu können
Damit der Junior sich den Beweis für die Ehrentaten auch ins Wohnzimmer hängen kann, lockerte Trump Senior die Regeln, um Jagdtrophäen in die USA einführen zu können

Foto: ZUMA Press/Imago

Hey, im November schon was vor? Nee? Da habe ich was für Sie: Donald Trump junior und sein Sohn laden Sie und Ihren Zögling zur „Traumjagd“ nach Alaska ein – nicht im Sinne von „Träume jagen“, sondern von traumhafter Jagd. Sieben Tage Luxusjacht mit dem Trump-Duo, tagsüber Jagd auf den Sitka-Schwarzwedelhirsch in der Wildnis, abends Prosecco. Der ganze Spaß wird bei der jährlichen Trophäenjagd-Messe des Safari Club International in Reno, Nevada, versteigert. Daneben gibt es den Abschuss von Elefanten, Büffeln, Krokodilen und Giraffen zu gewinnen. – Oh, ich höre gerade, die Reise mit Don Trump ist schon für 150.000 Dollar weggegangen, ärgerlich. Wenn Sie eine Frau sind, hätten Sie ohnehin nicht mitbieten können, das Angebot richtete sich an die Konstellationen „Vater/Sohn/Tochter/Großelternteil/Enkelkind“ – Frauen können ja nicht schießen.

Was, Sie finden es verwerflich, dass der Sohn des amerikanischen Präsidenten zu den Gewehren ruft, um sie gemeinsam mit den Kindern gegen Hirsche zu richten, die nur in dieser Region leben? Also erst einmal sei dieses Programm dazu da, das „wahre Jagderlebnis“ mit der nächsten Generation zu teilen, schreibt der Safari Club – ein Bildungsauftrag, sozusagen. Und mit der Jagd leiste man aktiven und beherzten Naturschutz, also Schutz durch Tötung. Sozusagen.

Und da ist ja auch etwas dran, irgendwie. Man muss nur das große Ganze betrachten, um die Zusammenhänge zu verstehen. Denn der Herr Papa Trump ist ja ein fleißiger Motor des Klimawandels. Letzten November reichte er seine Austrittserklärung aus dem Pariser Klimaabkommen ein, nächsten November ist der Austritt vollzogen. Zum Dank wird es überall muckelig warm. Eine Messstation in der Antarktis meldete gerade einen neuen Hitzerekord: satte 18,3 Grad.

Auch Alaska, wo es Sohnemann Trump zu jagen beliebt, heizt sich viel schneller auf als der globale Durchschnitt. Das sorgte letztes Jahr schon für verheerende Waldbrände. Die Tiere, die das überlebt haben, werden es in der künftigen Trockenheit immer schwerer haben, Nahrung zu finden. Da ist es doch eigentlich ehrenhaft, dass Trump junior ihnen schon mal vorab den Gnadenschuss gibt. So wie letzten Sommer, als er ein Schaf einer seltenen Rasse in der Mongolei schoss. Da wird’s ja auch heiß, das hätte dann eh nur noch gelitten.

Und damit Donald junior und dessen Junior sich den Beweis für ihre Ehrentaten auch ins Wohnzimmer hängen können, lockerte Senior die Regeln, um Jagdtrophäen in die USA einführen zu können. Läuft im Hause Trump.

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieser Artikel ist für Sie kostenlos.
Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber auch in diesen Zeiten Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag hier abonnieren oder 3 Ausgaben gratis testen. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Ihre Freitag-Redaktion

Kommentare