Hoffnung auf das Frauen-Netzwerk

PORTRAIT Kaori Sasaki (39), Frauenrechtlerin und Unternehmerin

Kaori Sasaki grüßt mit einem festen Handdruck. Eine erfrischende Geste in Japan, wo zu diesem Anlass gewöhnlich eine Verbeugung notwendig ist. Sasaki führt zum Besprechungszimmer, in dem ein farbiger Tisch in Schmetterlingsform darauf hindeutet, dass in diesem Raum die Kommunikation mit Gesprächspartnern auf eine neue Art gesucht wird. In ihrem dunkelbraunen Plissékleid von Issey Miyake legt die kleine, energiegeladene Frau erst einen Stapel von Unterlagen neben sich und zieht gleich ein Dokument über ihr neuestes Projekt hervor, ein Internetportal für frauenbezogene Dienstleistungen in Japan - Women's Gateway.

"Wir befinden uns in einer der aufregendsten Zeiten Japans. Erstmals haben berufstätige Frauen ähnliche Chancen wie die Männer", erklärt die 39jährige Frau bestimmt. Sasaki, die Unternehmerin, spricht über das Internet und seine neuen Möglichkeiten, Netzwerke unter Frauengruppen zu knüpfen. Die Portalseite Womens Gateway (http://www.women.cop.jp) wird ab Frühjahr 2000 ausgebaut und soll zur führenden Webpage für Frauenthemen in Japan werden. "Der Gebrauch des Internets verbreitet sich rasant unter jungen Frauen und hilft ihnen, neue Kontakte außerhalb der hierarchisch gegliederten Männerwelt herzustellen", sagt Sasaki.

Das Projekt ist vielversprechend, weil Kaori Sasaki als eine der wenigen Frauen-Unternehmerinnen in Japan große Erfolge vorweisen kann. Als sie vor zwölf Jahren ihre Kommunikationsfirma, Unicul International gründete, galt sie als Pionierin und erhielt 1988 den Preis für die innovativste Unternehmensgründung des Jahres. Heute gehört Unicul zu einer der großen Agenturen Tokios für Dolmetscher und Übersetzer. Sasaki wollte ihre Erfahrungen einem größeren Kreis von Frauen zugänglich machen und gründete 1989 das Netzwerk für berufstätige Frauen mit Karriereplänen (NAPW). Diesem offenen Interessenverband gehören inzwischen mehr als 2.000 Frauen in höheren Positionen an, die inzwischen auch politisch Druck machen können für die Verbesserung der Stellung der Frau am Arbeitsplatz. "Women's Gateway ist eine ideale Erweiterung dieser Aktivitäten", erklärt Sasaki.

Trotz der beruflichen Herausforderungen ist Kaori Sasaki Mutter von zwei Kindern. Im April diesen Jahres folgte ein Sohn. Da ihr Mann als Fernsehreporter viel im Ausland unterwegs ist, erledigt sie mit der Hilfe von Dienstboten die Hausarbeiten. Die Kinder besuchen fünf Tage pro Woche den öffentlichen Hort. Mit viel Glück fand sie diese Möglichkeit in der Nähe ihrer Wohnung und muss nicht wie viele berufstätige Mütter in Tokio lange Anfahrtswege in Kauf nehmen. Ohne den Hort wäre es wahrscheinlich schwierig gewesen, ihre Unternehmerinnen-Laufbahn fortzusetzen. "Natürlich konnte ich die Tochter mit ins Büro bringen, aber Sitzungen mit Kunden sind zusammen mit einem Kleinkind nicht möglich."

Sasaki glaubt, dass japanische Frauen in den nächsten zehn Jahren Riesenschritte in der Eroberung von Karrierestellen und der Gleichberechtigung machen werden. "Rollenmodelle waren bis vor fünf Jahren kaum zu finden. Inzwischen gibt es immer mehr Berichte in den japanischen Medien, die zeigen, dass es möglich ist, Kinder und Karriere zu vereinen", sagt Sasaki. In ihrer eigenen Firma ist ihre engste Mitarbeiterin, Sachie Yamada, die Vizepräsidentin von Unicul und Mutter eines drei-jährigen Sohnes. Eine jüngere Mitarbeiterin will sich demnächst ihren Kinderwunsch ebenfalls erfüllen, ohne die Arbeit als Kommunikationsberaterin aufzugeben.

"Nur, Berichte allein genügen nicht. Frauen wollen ihre Erfahrungen im Gespräch miteinander austauschen." Deshalb organisiert Sasaki auch ein jährlich stattfindendes Symposium für berufstätige Frauen in höheren Positionen. Im vergangenen Jahr nahmen mehr als 520 Frauen daran teil, die aus dem ganzen Land für einen Tag nach Tokio kamen, um miteinander ihre Ideen auszutauschen. "Ich wurde von Frauen ermutigt und getragen auf dem Weg zu dieser Stellung, deshalb will ich andere Frauen mit solchen Symposien ebenfalls ermutigen."

Das Netzwerk ist die Revolution. Mit diesem Leitspruch geht Karori Sasaki ins Jahr 2000.

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