Höhere Werte

Abschied von der Mark Am 1. Januar 2002 kommt der Euro über Brücken und durch Fenster. Aber eigentlich ist er längst da. Ein kleiner Rückblick auf die Kulturgeschichte der deutschen Währungen

Der Euro, wird uns allseits bedeutet, kommt, nämlich in zehn Tagen, aber ist er nicht schon lange da? Er war eingeführt und erschien alsbald auf Kontoauszügen und Rechnungen, als die Staaten der Europäischen Union sich vor zwei Jahren auf feste, unverrückbare Wechselkurse ihrer Währungen untereinander wie im Verhältnis zu der neuen Einheit, dem Euro, verpflichteten. Die Operation, die uns nun bevorsteht, ist kein Abschied von der Mark als eigenständiger Währung (längst sind wesentliche Befugnisse der Deutschen Bundesbank auf die ebenfalls in Frankfurt am Main residierende Europäische Zentralbank übergegangen), sondern von der Mark als Namen, rechnerischer Größe und ästhetischer Erscheinung, in Gestalt von Banknoten und Münzen, die nur in Deutschland gedruckt und ausgegeben werden. Nur zwölf der fünfzehn EU-Staaten vollziehen diese gegenständliche Aufgabe ihrer nationalen Währung; drei alte Monarchien: Schweden, Dänemark und Großbritannien (Norwegen, die vierte, steht außerhalb der Europäischen Union), verharren in der Schwebe, an feste Kurse gebunden, aber ohne einen Euro in den Händen des nächsten Jahres.

Rechnerisch haben wir es einfach; wir dividieren durch zwei und müssen dann noch einmal zwei Prozent des so ermittelten Betrags dazulegen; aus einem DM-Preis von fünf werden dargestellt zwei Euro und 55 Cents). Tiefer greift die nominale Veränderung; wir verlieren zwei schöne, in tausend Jahren deutscher Geschichte verankerte Namen: Mark und Pfennig, um sie gegen Euro und Cent einzutauschen; wird das im Alltag funktionieren? Es könnte sein, dass Cent, das nordamerikanische Münzwort romanischer Herkunft, sich im Deutschen nicht durchsetzt und, wie in den letzten zwölfhundert Jahren, weiterhin von Pfennig gesprochen wird. Beim Euro, dem Kunstwort der Banker, ist die Chance umgangssprachlicher Durchsetzung größer.

Zu der nominalen kommt die ästhetische Veränderung; wir verlieren ein schönes Geld, und wir bekommen ein seltsam ausdrucksloses. Die aus einem Wettbewerb siegreich hervorgegangenen Entwürfe eines österreichischen Grafikers sind Computer-Montagen ohne künstlerischen Eigensinn und -wert. Man sieht ihnen an, dass Gebrauchsgrafiker heute nicht mehr zeichnen können; sie lassen Maschinen für sich arbeiten. Das Resultat ist danach; grafisch präsentiert sich das neue Geld mit einer Dürftigkeit, die auf die jurierenden Banker offenbar unwiderstehlich gewirkt hat.


Auf der Rückseite der acht Euro-Scheine verbinden sich diverse Brückenansichten mit einer Landkarten-Silhouette West- und Mitteleuropas, die nach Osten bis in russisches, weißrussisches und ukrainisches Gebiet reicht; auf der Vorderseite zeigen sich Architekturzitate aus verschiedenen europäischen Stilepochen: Fenstermodelle aus Romanik, Gotik, Barock bis hin zur zeitgenössischen Glasfassade. Auf der Rückseite der Münzen hat man nationale Varianten zugelassen; die größeren deutschen Münzen zeigen den Bundesadler in der hennenartigen Version des Bundestagsplenarsaals, die kleineren das Brandenburger Tor oder einen Eichenzweig. Der Mischungsgrad der nationalen Münzen mit denen anderer Staaten in einer Stadt, einer Gegend wird ein unmittelbares Maß für das Ausmaß des Reiseverkehrs abgeben.

Die wievielte Währung meines Lebens ist diese bevorstehende, mit der sich keine Ent- oder Aufwertung des bisherigen Geldes, sondern nur eine Umbenennung und Umrechnung verbindet? Und wie sahen die Scheine, die Münzen aus, mit denen ich, von Umtausch zu Umtausch, seit Kindertagen hantiert habe? Das erste Taschengeld im Ruinen-Dresden habe ich in Reichsmark bekommen; der elfenbeinerne Brieföffner, den ich für fünf Mark davon kaufte, liegt heute noch auf meinem Schreibtisch. Ich sehe in Lexika und bemerke: man achtet des Geldes dort nicht; in großen und kleinen, alten und neueren Nachschlagwerken - nirgendwo zeigen sich Abbildungen der Münzen und Banknoten, die in Deutschland während der letzten hundert Jahre im Umlauf waren. Es waren mehr als in jedem anderen europäischen Land, wobei zwischen der Einführung neuer Währungen und dem Umtausch von Scheinen innerhalb einer Währung zu unterscheiden ist. Der ist überall einmal vorgekommen, sogar in der Schweiz, die noch dieselbe Währung hat wie im 19. Jahrhundert.


Einen historischen Einschnitt, der vier Jahrzehnte deutscher Geschichte bestimmte, bedeutete die Einführung der beiden deutschen Nachkriegswährungen im Juni 1948. Der Beschluss der Westmächte, in ihren Besatzungszonen eine eigene Währung einzuführen (vorangegangen waren Versuche, die Sowjetunion für eine gemeinsame Reform zu gewinnen), sollte die ökonomischen Verhältnisse stabilisieren und den Wiederaufbau ankurbeln; nach dem im September 1945 von Frankreich erzwungenen Verzicht auf eine einheitliche deutsche Verwaltung war dies der zweite initiale Schritt der deutschen Teilung. Er wurde, entgegen der ursprünglichen Absicht der Westmächte, auch auf die Westsektoren des bis dahin einheitlich verwalteten Berlin ausgedehnt, was die sowjetische Seite erwartungsgemäß als feindseligen Akt auffasste. Durch einen sowjetischen Agenten bei der britischen Botschaft in Washington erfuhr die sowjetische Führung das strenger Geheimhaltung unterliegende Datum des Geldumtauschs; so konnte sie den Währungsumtausch in ihrer Besatzungszone darauf abstimmen. Aus der monetär-ökonomischen folgte die politische Zweiteilung erst im Lande Berlin, ein Jahr später dann in ganz Deutschland, und auch hier, bei den beiden Staatsgründungen der Siegermächte auf deutschem Boden, tat der Westen den ersten, entscheidenden Schritt; der Osten folgte, um existenzfähig zu bleiben. Dieses zeitliche Verhältnis wird oft auf den Kopf gestellt, es ist für den Westen ja auch ein bisschen peinlich. Viel einfacher und für jedes Schulkind fasslich ist es, zu sagen, die Kommunisten, die in dem viel kleineren und wirtschaftlich ungleich schwächeren Teil des verbliebenen Deutschlands saßen, seien bei der deutschen Teilung vorangegangen; die Landblockade der Berliner Westsektoren durch die Sowjetunion erscheint dann wie eine Untat ohne jede Veranlassung. In Wahrheit hatte Ernst Reuter, der zu der Übertragung der Westmark auf die Westsektoren entscheidend beigetragen hatte, mit einer massiven Reaktion der östlichen Seite gerechnet und sich zugleich darauf verlassen, dass die Sowjetunion um Westberlin keinen Krieg führen werde. Er behielt Recht, und 13 Jahre später galt das Entsprechende für die Westmächte.

1 : 10 war damals in beiden deutschen Besatzungsgebieten das Entwertungsverhältnis; das war drastisch, aber nicht so extrem wie das Umtauschverhältnis, das 1924 mit der Einführung der Rentenmark die Inflation beendet hatte: Eins zu einer Billion. Unter dem Vorzeichen der neuen Währung, die, wie die westdeutsche, Deutsche Mark hieß, erholte sich allmählich auch die ostdeutsche Wirtschaft, die damals niemand im Westen so nennen durfte; Ostdeutschland, das waren die Gebiete östlich von Oder und Neiße. Durch ihre zentralistisch-bürokratische Struktur und die Last fortgesetzter Reparationen war diese östliche Wirtschaft von dem ökonomischen Aufschwung abgekoppelt, den die Westrepublik dank einer Politik nahm, die auf ingeniöse Weise staatsregulative mit marktwirtschaftlichen Elementen verband. Symptomatisch war, wie die Besatzungsmächte auf den ihnen unterstehenden Gebieten ihre wirtschaftlichen Interessen durchsetzten; die Sowjets, kriegsverwüstet, wie ihr Land war, taten es erst durch Demontagen, die die Wirtschaft ihrer Zone enorm belasteten, ohne ihnen selbst wesentlich zu nützen, später durch Reparationen, also Sachlieferungen in großem Ausmaß. Anders die Amerikaner, denen die Festsetzung des Wechselkurses der D-Mark zum Dollar in Höhe von 4,20 DM jahrzehntelang zu billigen Importen aus Westdeutschland verhalf. Zugleich schützte dieser ökonomisch irreale Kurs die westdeutsche Wirtschaft vor der Überschwemmung mit ausländischen Importen und wirkte wie eine Schutzmauer um die im Wiederaufbau befindliche Industrie. Der Vorgang war exemplarisch für die Verschiedenartigkeit der jeweiligen Steuerungsinstrumente: dort die handgreiflich-gegenständliche, gleichsam mechanische Verfahrensweise, hier eine Praxis auf höherer Abstraktionsebene, die der Komplexität entwickelter wirtschaftlicher Vorgänge entsprach.

1 : 2 (und unterhalb eines niedrigen Limits 1 : 1) lautete die Relation, mit der die westdeutsche Republik im Jahre 1990 den Trennungsakt von 1948 rückgängig machte. Am 1. Juli machte sie die DDR-Bürger zu Teilhabern einer Währung, die eine der stärksten der Welt war, und übernahm mit der wirtschaftlichen faktisch auch schon die politische Macht in dem revolutionär aufgebrochenen Land. Hatte die Währungsspaltung von 1948 die 16 Monate später gegründete DDR zu einer vom deutschen Westen isolierten, weitgehend selbstständigen Wirtschaftsentwicklung gezwungen, die nur mit äußerster Anstrengung zu bewältigen gewesen war (der Interzonenhandel erfand damals eine dritte deutsche Währung, die Verrechnungseinheit VE), so nahm die Aufgabe der eigenen Währung im Juli 1990 diese ökonomische Eigenständigkeit schlagartig und ohne jede Vorbereitung zurück, und das unter den ungünstigen Bedingungen einer Währungsübertragung, die faktisch eine 1 : 3-Aufwertung der bis dahin geltenden Währung bedeutete, ein Schritt, den die DDR-Industrie auch dann nicht hätte bewältigen können, wenn sie in einer intakten Verfassung gewesen wäre.


Die von den Fachleuten vorhergesehene und von der Regierungspolitik in den Wind geschlagene Folge war die durch einen totalen industriellen Ausverkauf zusätzlich beschleunigte Desindustrialisierung eines Gebiets, das dem quantitativen Ausstoß nach unter den Industriestaaten der Welt einmal an zehnter Stelle gelegen hatte. Sie führte zu dessen anhaltender Abhängigkeit von Zuwendungen aus dem ökonomisch intakten deutschen Westen und ging mit einem Bevölkerungsschwund und einer Fachkräfteabwanderung einher, der die Währungsunion eigentlich hatte Einhalt gebieten wollen. Das war die Katastrophenseite einer Operation, die auch eine Schokoladenseite hatte; sie bestand in der plötzlichen Teilhabe der DDR-Bevölkerung an den enormen konsumtiven Möglichkeiten, die sich mit der neuen Währung verbanden. Binnen weniger Jahre war fast der ganze Fuhrpark des Landes erneuert, eine Aussicht, die die wirtschaftlich desaströse Währungsüberstellung mehr als alles andere begünstigt hatte. Nicht die Banane - das Auto war das Konsumgut gewesen, an dem die DDR-Bevölkerung die technisch-ökonomische Zurückgebliebenheit ihres Landes ermessen hatte.

Das Geld, das damals in die freudig erhobenen Hände einer von täppischen Zwingherrn befreiten Bevölkerung gelangte, deren Glieder im westlichen Deutschland schon Staatsbürger waren, ehe noch ihr Staat sich mit Duldung der Großen Vier unter das Obdach des westdeutschen flüchtete, - dieses Geld war nach Schein und Anschein das westdeutsche von 1948, nicht nur eine der stärksten, sondern auch eine der schönsten Währungen der Welt, mit Banknoten von subtil variierter Farbgebung und Porträtdarstellungen, denen deutsche Gemälde des 16. Jahrhunderts zugrunde lagen, Menschenbilder aus jener wirtschaftlichen und kulturellen Blütezeit, der die Folgen der Religionsspaltung ein schreckenvolles Ende gesetzt hatten. Der Bildbezug auf die Dürerzeit war mit großer grafischer Kultur vorgetragen, und die 1991 nachfolgenden neuen Scheine (es war nachgerade, als habe die Bundesbank die Währungsunion vorgefühlt!) blieben grafisch und ästhetisch deutlich hinter ihren Vorgängern zurück. Doch waren sie in ihrer entschiedenen Farbigkeit und dem Porträtbezug auf bedeutende, aber nicht allzu geläufige Häupter deutscher Kulturgeschichte (auf der Rückseite waren ihnen bezügliche Geräte zugeordnet: Flügel und Sextant, Gänsekiel und Mikroskop) auf ihre Weise erfreulich, von Bettina von Arnim auf den kleinen Fünf-Mark-Noten bis zu jenem Tausend-Mark-Schein, für den ein Agent der Panzerindustrie, der die CDU zu bestechen gehabt hatte, den Decknamen "häßliche alte Männer" erfand. Er meinte damit die darauf abgebildeten Brüder Grimm.


Zwischen Bettina und den beiden Philologen: der Mathematiker Gauss in schönem Violett, ein überaus wohlgeratener Schein, dessen Wasserzeichen die hohe Mütze des Mathematikers vollständig zeigte, welche auf dem Schein selbst nur angeschnitten erschien. Die Dichterin Droste-Hülshoff sodann, mädchenhaft idealisiert und in etwas stichigem Grün; in edlem Braun ferner der Baumeister Neumann, der ein bisschen wie Sebastian Bach aussah, und in markantem Blau die Pianistin Schumann. Die DDR-Bürger, gewohnt, mit kleinen Scheinen umzugehen, staunten nicht wenig, als sie 1990 aus dem auf großem Fuß lebenden Bruderland erfuhren, dass dieser Hundert-Mark-Schein dort die am häufigsten gebrauchte und ausgegebene Banknote sei. Besonders gelungen, aber wenig zu haben war auf orangefarbenem Knisterpapier das Konterfei des Mediziners und Chemikers Paul Ehrlich, des einzigen der Neun, der ins 20. Jahrhundert hineinragte. Auf rosaroten Fünfhundert-Mark-Scheinen seltsam befangen und unanmutig hingesetzt dagegen das Bildnis der Kupferstecherin Merian, dem es an einer zulänglichen Vorlage gefehlt haben mochte.

Vier Damen, fünf Herren auf zweimal vier Scheinen - dies war die höflichste Währung der Welt, und auch das Verhältnis von Künsten und Wissenschaften war ausgewogen: hier Literatur, Musik, Architektur und bildende Kunst, dort Mathematik, Chemie, Philologie. Außer der Leipzigerin Clara Schumann stammten alle Dargestellten aus dem westlichen Deutschland, das sich nun "alte Bundesländer" nannte; immerhin waren vier von ihnen - Bettina v. Arnim, Ehrlich und die beiden Grimm - in späteren Jahren in den Osten gezogen, nach Berlin. Hatte die DDR das Vorbild dieser Porträtgalerie geliefert? Ihre Geldscheine hatten von jeher auf kulturgeschichtliche Häupter gesetzt: Goethe, Schiller und Wilhelm v. Humboldt hatten neben Marx und Engels das pekuniäre Gesicht des Landes in dessen ersten Jahrzehnten bestimmt. Die letzte Banknoten-Edition des Landes hatte dann zu Lasten der deutschen Klassik den Anteil der Kommunisten beträchtlich erhöht (wenn man sich siegreich glaubt, lässt man Rücksichten fahren); von Thomas Münzer, dem Fünf-Mark-Mann, war sie über Clara Zetkin, die einzige Frau des Noten-Ensembles (10 Mark), und Goethe (20 Mark) zu Engels (50 Mark) und Marx (100 Mark) hinaufgeschritten. Höhere Werte waren Ende der 80er Jahre zwar gedruckt, aber nicht in Umlauf gebracht worden; sie zeigten eine vierköpfige Familie vor´m Plattenbau (200 Mark) und - höher ging´s nimmer - das Staatswappen pur und als solches (500 Mark). Auf der Rückseite der Häupter waren Ansichten des fortgeschrittenen gesellschaftlichen Lebens zu sehen gewesen: eine Schule und ein Chemiegigant, eine Herde Mähdrescher und ein Steuerpult, schließlich die Berliner Linden mit Zeughaus und Marienkirche, Fernsehturm und Volkspalast.


Alles dies haben wir eingebüßt, ohne den trocken gezeichneten Bildchen nachzutrauern. Nun gehen uns Bettina und Annette, Balthasar und Carl Friedrich verloren, und wir fühlen uns stärker und geradezu in unserer nationalen Identität betroffen; im Dienste Europas sind wir fortan gehalten, unsere Vorstellungen von Geldeswert an Brücken und Fensterstücke zu heften. Hätte man nicht die Köpfe von acht großen europäischen Poeten oder Malern oder Komponisten auf die Scheine der zwölf Staaten setzen können? Sophokles und Dante, Cervantes und Voltaire, Goethe, Nestroy und Bernard Shaw - es wäre doch gar nicht so schwer gewesen. Oder Dürer und Michelangelo, Rubens und Rembrandt, Praxiteles, Watteau und Picasso! Ach, es hätte wohl Streit gegeben um die Namen, die Abfolge; zwölf Nationen hätten um sieben Notenbilder gestritten und die jeweils fehlenden ihren Anteil am Häupter-Reigen eingeklagt. Europas Banknotenbilder, wie sie nun dastehen, gehorchen der Regel vom kleinsten gemeinsamen Nenner.

Brücken und Fenster also: stellen wir uns ein auf das längst Verfügte, das - vielleicht - dazu hilft, aus Europa allmählich einen föderalen Staat zu machen, und bedenken wir: Was der Januar 2002 uns bringt, ist keine substantielle Operation mehr (die liegt längst hinter uns, einem Staatsvolk, das darüber unbefragt blieb), sondern allein eine nominale, numerische und bildhaft-dekorative. Zwecks allgemeiner Ermutigung wird manchmal auf die Reichsmark verwiesen, die 1871 erfolgreich an die Stelle zahlreicher deutscher Landeswährungen mit eigenen Namen, eigenen Münzen getreten war. Indessen: damals ging die Bildung des Bundesstaats - er nannte sich Deutsches Reich - der Einheitswährung voran. Ob es umgekehrt funktioniert: die Einheitswährung als ökonomischer Hebel zu einer politisch effizienten Gesamtorganisation, ist eine Frage, die, wie so viele fragen, nur die Zukunft beantworten kann. Die einen schütteln, wie Gore Vidal, den Kopf, den andern erscheint eine lichte Zukunft vor Augen, wieder andere fügen sich betrachtend in das obrigkeitlich Verhängte, ökonomisch leidlich Abgesicherte und hoffen, dass es, auch unter den Bedingungen aufziehender Rezession, einigermaßen gut geht.

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieser Artikel ist für Sie kostenlos.
Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber auch in diesen Zeiten Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag hier abonnieren oder 3 Ausgaben gratis testen. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Ihre Freitag-Redaktion

00:00 21.12.2001

Ausgabe 43/2021

Hier finden Sie alle Inhalte der aktuellen Ausgabe

3 Ausgaben kostenlos lesen

Der Freitag ist eine Wochenzeitung, die für mutigen und unabhängigen Journalismus steht. Wir berichten über Politik, Kultur und Wirtschaft anders als die übrigen Medien. Überzeugen Sie sich selbst, und testen Sie den Freitag 3 Wochen kostenlos!

Kommentare