Humor und Folter

Porträt Gina Haspel soll in den USA neue CIA-Direktorin werden. Ihre Ernennung testet das Gewissen der Nation
Humor und Folter
Gina Haspel müsste festgenommen werden, falls sie irgendwann einmal in Europa auftaucht

Foto: CIA/AFP/Getty Images

Nach gut drei Jahrzehnten Dienst, Orden und Auszeichnungen ist das die Krönung einer CIA-Karriere: Im März hat Präsident Trump Gina Haspel zur Direktorin des Auslandsgeheimdienstes ernannt, die erste Frau auf diesem Posten, wie das Weiße Haus vermerkt. Haspel soll 61 Jahre alt sein. Wie es sich für eine Geheimdienstlerin gehört, ist über sie wenig bekannt, das gilt für ihre Tätigkeit in der Central Intelligence Agency wie für ihr Privatleben. Doch sind da diese schrecklichen Geschichten. Über ein CIA-Geheimgefängnis in Thailand, das Haspel 2002 geleitet haben soll, über das Foltern von „Terrorverdächtigen“ und die Zerstörung der Videobänder mit Aufzeichnungen dieser Torturen. All das wird zur Sprache kommen bei den Senatsanhörungen zu Haspels Beförderung.

Ihre Ernennung teste das Gewissen der Nation, heißt es in manchen Kommentaren. Wobei die Frage im Raum steht, ob Nationen ein Gewissen haben können. Spätestens der Hunderte Seiten lange US-Senatsbericht von 2014 mit mehr als 2.000 Fußnoten über brutale Verhörpraktiken der CIA Anfang der 2000er Jahre hat dokumentiert, dass im „Krieg gegen den Terrorismus“ nicht irgendwelche eigenmächtigen Beamten Menschen dem Waterboarding aussetzten und gegen Wände schleuderten – die Brutalität war politisch abgesegnet von ganz oben. Wegen Haspels Ernennung fällt das Scheinwerferlicht nun auf jemanden, der – oder die – sich die Hände schmutzig gemacht haben soll.

Nie ist jemand von der CIA zur Rechenschaft gezogen worden. Die demokratische Senatorin Feinstein, damals federführend beim Senatsreport, hat die Freigabe der Akten über Haspel verlangt. Bei Nominierungen gehe es häufig um Personen mit einem „geheimen Background“, so die kalifornische Politikerin. Doch Gina Haspel sei „einzigartig, sie war nicht nur involviert in das geheime CIA-Folterprogramm, sondern hat nach Berichten eine führende Rolle gespielt“.

Haspel hat intern offenbar einen guten Ruf. Der frühere CIA-Direktor Michael Morell, 2016 als Wahlkämpfer für Hillary Clinton aktiv, schrieb auf thecipherbrief.com eine Lobeshymne auf Haspel, die immer gesetzestreu gehandelt habe. James Clapper, Direktor für National Intelligence unter Barack Obama, ist laut New York Times „sehr erfreut“.

Dennoch ist man in der CIA augenscheinlich besorgt über die PR-Wirkung, sollte Haspel bei ihrer Anhörung zur Nominierung gefragt werden, was sie denn nun genau gemacht habe im Geheimgefängnis und in anderen Phasen ihrer Karriere, die größtenteils aus Undercover-Missionen bestand.

Vor kurzem hat die Behörde den bisher äußerst knappen biografischen Eintrag zu Haspel auf cia.gov mit Persönlichem angereichert. Ihr Vater sei bei der Luftwaffe gewesen. Sie habe gleich nach einem Sprach- und Journalismus-Studium in Kentucky die CIA in der Hoffnung angeschrieben, dass Frauen „weltweit klandestine Arbeit verrichten“ könnten. Auch sei sie Fan der Kentucky-Wildcats-Basketballmannschaft. Sie habe „Teil von etwas Großem“ sein wollen, so Haspel laut Eintrag. „Ich wollte ein Abenteuer in Übersee, wo ich meine Liebe zu Fremdsprachen nutzen konnte.“ Das mit dem Abenteuer hat anscheinend geklappt. Haspels erster Einsatz erfolgte in Afrika, wo sie die Armut anfangs schockiert habe, heißt es. „Sie hat die Region bereist und gelernt, wie man Agenten rekrutiert und führt, und derweil einen Staatsstreich überstanden“, so cia.gov. Sie sei „Chefin einer CIA-Station“ in einer „exotischen und turbulenten Hauptstadt“ geworden, später das Gleiche „in der Hauptstadt eines bedeutenden Verbündeten“. Schließlich wurde sie Vizedirektorin der „klandestinen Abteilung“ in der CIA und Anfang 2017 stellvertretende CIA-Direktorin. Laut CIA-Website führte Haspel mit „Mitgefühl, Integrität, Disziplin und Humor“.

„Ich habe die Panik des Todes erlebt, und mein Körper hat sich verkrampft. Ich dachte: Ich werde sterben. Ich werde sterben. Dann habe ich die Kontrolle über meine Körperfunktionen verloren und uriniert.“ So beschrieb der von der CIA als Terrorverdächtiger eingestufte und heute in Guantánamo eingesperrte Abu Subaida, wie sich Waterboarden anfühlt. Der in Saudi-Arabien geborene Subaida wurde in einem CIA-Geheimgefängnis in Thailand gefoltert, bevor Haspel die Kontrolle übernommen hatte. Was sie später angeordnet hat, bleibt unbekannt. 2005 in die USA zurückgekehrt, hat sie die Weisung erteilt, Videos von diesen und anderen Folterungen zu vernichten. Das wurde von CIA-Direktor Mike Hayden 2007 mit dem Vorwand begründet, eine Freigabe der Videos würde CIA-Personal gefährden. Überdies seien die Verhörmethoden „legal“ gewesen.

Haspel soll nun in der CIA die Nachfolge des Tea-Party-Republikaners Mike Pompeo antreten, den Trump zum Außenminister ernannt hat. Auch der hatte nie prinzipielle Probleme mit der Folter. Als Dianne Feinstein 2014 den Senatsbericht publizierte, konterte Pompeo, die darin (anonym) kritisierten CIA-Leute seien Helden. Haspel zu akzeptieren, das wäre gleichbedeutend mit dem „Vergessen der dunklen Geschichte unserer Nation“, sagt Raha Wala von der Organisation Human Rights First.

Vielleicht werden Auslandsreisen schwierig für die CIA-Direktorin in spe. Das in Berlin ansässige European Center for Constitutional and Human Rights forderte bereits im Juni 2017, Haspel müsse festgenommen werden, sollte sie in Europa auftauchen. Von Gina Haspel selbst hat man bislang noch nichts gehört. Sie könnte erzählen, wie es dazu gekommen ist, dass aus ihrer jugendlichen Hoffnung auf „etwas Großes“ die Realität von Geheimgefängnissen und Folter wurde. Der Anhörungstermin steht noch nicht fest.

06:00 13.04.2018

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