Jürgen Todenhöfer
08.06.2017 | 11:27 50

Ideologien kann man nicht erschießen

Nach London Die Anti-Terrorpolitik des Westes ist gescheitert. Der Nahe und Mittlere Osten brauchen eine umfassende Friedenskonferenz – und den Abzug fremder Mächte

Ideologien kann man nicht erschießen

Ein junge steht im April 2017 zwischen im Kampf gegen den IS zerstörten Häusern in West-Mosul. Doch Bomben werden den Terror nicht beenden

Foto: CHRISTOPHE SIMON/AFP/Getty Images

Die Anschläge von London erfüllen mit Trauer und Abscheu. Doch Bomben-Kriege sind dagegen nicht die richtige Antwort. Die führen wir seit über 15 Jahren. Alles wurde durch sie nur schlimmer. Kein vernunftbegabter Mensch schlägt zur Bekämpfung bissiger Wespen mit Holzlatten auf ihre Nester ein. Weil es dann noch mehr tollwütige Wespen gibt. Doch genau das machen wir mit unseren Kriegen.

Um den Terror zu besiegen brauchen wir einen radikalen Kurswechsel. Die jungen Männer, die bei Bombenangriffen auf Kunduz, Aleppo, Mosul oder Raqqa alles verloren haben, sagen leider nicht: "Ich weiß, Ihr wolltet meine Familie nicht töten. Ihr wolltet Eure großen, edlen Werte verteidigen und nur Terroristen ausschalten. Ihr habt ja so Recht."

Nein, diese jungen Leute schwören blutige Rache. Sie schließen sich nicht uns, sondern dem IS oder anderen Terror-Organisationen an. Durch die Städte-Bombardements der US-geführten 68-Mächte-Koalition, die täglich Zivilisten tötet, steigt auch die Zahl der IS-Terroristen im Westen. Sie sind die Fünfte Kolonne der einst von Al Zarkawi als Antwort auf Bushs Irak-Invasion gegründeten Terror-Organisation. Chamäleon-artig hat sich der IS von einem Territorial-Staat zu einem Kraken-ähnlichen, weltweiten Online-Kalifat weiter entwickelt. Das von unseren strategischen Fehlern lebt.

Unsere Kriege im Mittleren Osten haben in den letzten 15 Jahren den Tod von über 1 Million Zivilisten verursacht. ("Ärzte gegen den Atomkrieg"). Dürfen wir uns wirklich wundern, dass es jetzt weltweit zehntausende Terroristen gibt? Bush, Obama, Trump, Blair, Sarkozy und Cameron, sie alle tragen Mitverantwortung für die Anschläge von London. Wie alle Regierungen, die sich aus Bündnisgründen an diesem kontraproduktiven Irrsinn beteiligen.

Terrorismus ist eine Ideologie. Ideologien kann man nicht erschießen. Man muss sie widerlegen, dem IS die islamische Maske vom Gesicht reißen. Und man muss dem Terrorismus den Nährboden entziehen. Konkret heißt das neben der klassischen Anti-Terrorarbeit im Westen durch Überwachung, Unterwanderung, Bekämpfung des Rekrutierungs-Netzwerks und enger Zusammenarbeit mit jenen "Rückkehrern" aus Syrien und dem Irak, die sich enttäuscht vom IS abgewandt haben:

1.) Wir brauchen eine umfassende Friedenskonferenz für den gesamten Mittleren Osten, die auch den zentralen Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran zu lösen versucht. Und die den Weg frei macht für eine gerechte Syrienlösung. Niemand profitiert mehr von der Zerrissenheit Syriens und der Zerstrittenheit der Regional-und Großmächte als der IS.

2.) Der Westen muss seine verdeckten Öl-Kriege beenden. Langfristig sollte er sogar völlig aus dem Mittleren Osten verschwinden. So wie er einst Indien oder China verlassen musste. Er hat im Mittleren Osten nichts zu suchen. Er hat dort nur Chaos und Leid gestiftet.

3.) Wir sollten, zumindest im Irak, den Kampf gegen den "sunnitischen" IS den Sunniten überlassen. Bomben und schwere Artillerie dürften auch sie nicht einsetzen. Führende Sunniten haben das dem Weißen Haus mehrfach vorgeschlagen.

4.) Auch mit Geld lässt sich im Kampf gegen den Terror viel erreichen. Mit einem Esel, vollgepackt mit Dollars, kommt man im Orient weiter als mit jedem Panzer.

Ich weiß, diese Strategie ist komplizierter als Bombenwerfen. Aber langfristig wirkungsvoller und gerechter. Gewalt ist eine ansteckende Krankheit. Und das Leid, das sie auf beiden Seiten verursacht, unvorstellbar. Bis wir es selber erleben. In Berlin, Paris, Manchester oder London.

Kommentare (50)

Joachim Petrick 08.06.2017 | 13:40

"Bush, Obama, Trump, Blair, Sarkozy und Cameron, sie alle tragen Mitverantwortung für die Anschläge von London."

Was ist mit Bundeskanzler Gerhard Schröder, Außenminister Joseph Fischer 1998-2005, Angela Merkel?, die seit 2005 Bundeskanzlerin ist?, die 2015 die Bundeswehr in den Syrienkrieg Einsatz befahl, dann überrascht tat, als im Sommer des gleichen Jahres Hunderttausende Geflüchtete aus Syrien Rettung vor Bombenangriffen neuerdings durch Russland in West- Europa suchten und nur noch ein blasses mattes "Wir schaffend das" ausgepowert matt murmeln konnte, ohne für die Aufnahme, Verpflegung, Unterkunft, medizinische Versorgung, Spracherwerb, Beschäftigung der Geflüchteten zeitnah Sorge zu tragen, Liegenschaften des Bundes, der Länder für den Bau von Wohnungen in Schnellbauweise freizugeben, damit die hohe Zahl der Geflüchteten nicht die Mietpreisblase in Ballungsgebieten zusätzlich nährt, die die Immonbilenhaie und Spekulanten frohlockend übers profitable Geschäft mit Geflüchteten die Sektkorken knallen lassen

"Die Anschläge von London erfüllen mit Trauer und Abscheu. Doch Bomben-Kriege sind dagegen nicht die richtige Antwort. Die führen wir seit über 15 Jahren. "

Das klingt als ginge es hier en passant UPPS um poitische Fehleinschätzungen, wo doch die Frage drängend erlaubt sein sollte, ob das nicht mit Vorsatz eine Art Weltkommandowirtschaft der G 7 plus X als Verlängerung des Kalten Krieges mit unerklärten Mitteln ist, ganze Weltregionen weltwirtschaftlich zumindset selektiv ausgesteuert im Standby Modus zu hatlen, wenn nicht in die "Steinzeit" zurückzubomben im Namen einer gigantischen War Deal - 2 % Rüstungsetat/BIP von 68 kriegführenden Ländern - Nachkriegskonjunktur an der Unternehmen in den kriegstreibenden Mächten zu allererst mit Moneten gepudert und steuerlich gefördert partizipieren und profitieren wollen und werden?

That's me 08.06.2017 | 14:09

Als erstes sollten über die Nato, UN oder wem auch immer - allen voran für DE - Waffenexporte in Krisengebiete und angrenzende Gebiete verboten werden.

Wenn schon Waffenlieferungen, dann bestenfalls innerhalb der Bündnisparter.

Waffendeals mit Saudi-Arabien geht gar nicht.

Der Westen ist mitverantwortlich für die Eskalationen im nahen Osten und hat auch gemeinsam für die Folgen (Flüchtlinge) einzustehen.

Wer weiß, wie der Islam tickt, wie weit da Religion und Gesetz miteinander verflochten ist, der muss sich aus "interregionalen Konflikten" auch heraus halten und dies diese Kulturen untereinander regeln lassen.

Gäbe es da unten kein Öl, oder geopolitische Interessen, ich bin mir sicher, es hätte sich kein Schw*** um die Menschenrechtsverletzungen - nach unseren Werten, Kultur und Maßstäben - geschert.

grashalm 08.06.2017 | 15:16

Leider ist es so, dass Politiker selten vernünftig handeln. Man sollte die Urteilskraft von Staatsführern und deren Beratern nicht zu hoch ansetzen.

Darüber hinaus gibt es eine Unmenge an Motiven und Interessen, die positive Konfliktbewältigungen erschweren oder verunmöglichen.

Europa wird mit Terroranschlägen genauso leben lernen, wie das in anderen Regionen der Fall ist.

Freuen können sich alle diejenigen, die mit dem Versprechen von mehr Sicherheit ihr Geld verdienen - ja, der Terrorismus hat auch seine guten Seiten.

Fro 08.06.2017 | 16:30

Gute Vorschläge, für jeden nachvollziehbar.
Nur „Nein“ zu Krieg und Terror sagen, bringt nichts.

Gute Gelegenheit 2017: Bewerber für den Job als Bürgervertreter werden mit konsensfähigen intelligenten gewaltfreien Konfliktlösungsmöglichkeiten konfrontiert und zu einer Stellungnahme bewegt ...
Gewählt werden nur Friedenspolitiker ...

Zack 08.06.2017 | 17:05

Herr Todenhöfer weiß doch aus seiner eigenen politischen Vergangenheit als verantwortlicher und deutscher Politiker am allerbesten, dass das, was da als islamistischer Terrorismus durch die Welt marodiert, Projekt und bis heute strategisch probates Mittel westlicher Proxy-Kriegsführung ist, und keine terroristische Antwort auf die jüngsten Verheerungen und Genozide westlicher Staaten.

Auffällig aber, wie im Beitrag genau das Bild bemüht wird, welches ein Großteil herrschender Verantwortlichkeit im Westen nun schon seit gut 25 Jahren, ununterbrochen und aufwendig herstellt: islam(ist)ischer Feind versus aufgeklärter Westen.

Gretel 08.06.2017 | 19:12

Die Mutter des Konfliktes - der Afghanistankrieg der Sowjetunion - hat innerhalb von wieviel Jahren 1 Million Tote und über 5 Millionen Flüchtlingen gezeitigt?

- Aber der vor naiv selbstgerechter Verlogenheit strotzende Todenhöfer hat recht: Die Krankenhausliebhaber Russland, Iran und die mit ihnen verbündete islamistische Terrormiliz Hisbollah sollten aus Syrien verschwinden.

Gugel 08.06.2017 | 19:55

Da ist noch viel zu wenig Blut geflossen. Wer sich zum Spielball fremder Interessen machen lässt (machen lässt !!!!!), der hat den Weg über den Blutzoll hin zu 1648 noch nicht genommen.

Wie elend ist doch die ständige Leier, dass eine außenstehende Macht sich so aufstellen könnte, wenn die Typen , in deren Territorium das Elend sich abspielt, nicht (gern) mitspielen würden.

Also, wer ist als ERSTER gefragt, sein Elend zu beenden ?

Weitermachen mit dem dämlcihen West-Bashing und em Verkennen der Wesentlichkeiten. Davor shützt auch der Habitus und die Aufstellung des Sir Deathyard nicht.

Hermann 08.06.2017 | 21:23

„Da ist noch viel zu wenig Blut geflossen. Wer sich zum Spielball fremder Interessen machen lässt (machen lässt !!!!!), der hat den Weg über den Blutzoll hin zu 1648 noch nicht genommen.“

Sie haben ja leider recht. Diese Kriege im Nahen und Mittleren Osten sind am ehesten mit dem 30jährigen Krieg vergleichbar. Wie damals kämpft Jeder gegen Jeden und alle Großmächte mischen mit. Fast könnte man glauben, es ist ein aktueller Kommentar:

„Der Krieg ernährt den Krieg. Gehen Bauern drauf, Ei, so gewinnt der Kaiser mehr Soldaten.“ (Schiller, Wallenstein)

Die Bereitschaft zum Frieden kam damals erst nach absoluter Erschöpfung der Bevölkerung in den Deutschen Landen auf. Das bedeutete aber im Durchschnitt den Verlust von ¼ der Bevölkerung, in einigen Gegenden bis zu 2/3. Davon sind die aktuellen Kriegsgebiete noch weit entfernt. Trotz der bisherigen Opferzahlen hat sich der Bevölkerungsanstieg „nur“ verlangsamt. Noch sind alle (Möchtegern-) Großmächte der Meinung, sich den Krieg leisten zu können und die Warlords auf allen Seiten verdienen prächtig. Da wird noch lange viel Blut fließen müssen.

hakufu 08.06.2017 | 22:54

Wenn es denn so einfach wäre, wäre der nahe Osten schon lange befriedet.

Nasser, Saddam Hussein, Assad, Gadaffi, Arafat wollten einen arabischen Sozialismus etablieren. Ausser Nasser haben die anderen Führer es dann mit einem sozialistischen Islam versucht. Aber dabei niemals ihre eigene Tasche vergessen ( der Dukatenesel ).

Der Wohlstand in den Golfstaaten und SA ist der Hauptgrund dafür, dass es nur vereinzelt zu Terrorattacken gekommen ist.

Saddam und Gaddafi haben Jahrzehnte Zeit gehabt, Staaten aufzubauen, die sozial gerecht sind, und unempfänglich für Bürgerkriege, oder Expansionskriege wie Saddam's Iran/Irakkrieg.

Wenn unsere westlichen Werte im nahen Osten nichts bedeuten ( was ich nicht glaube ), dann haben die Russen auch nichts in Syrien zu suchen, Warum soll die Mehrheit der Bevölkerung dann nicht ihren sunnitischen Weg gehen. Vor allen Dingen, wenn man sieht, wie auf der arabischen Halbinsel der Wohlstand blüht ?

Ähnliches gilt für Afghanistan. Die ( militärisch übermächtigen ) Russen mussten eine herbe Niederlage einstecken, an der sie heute noch zehren. Und das hat nicht nur mit den Amis zu tun, denn auch diese haben ähnliche Probleme, wie sie sie bereits in Vietnam erfahren mussten.

Das schließt den Kreis zu Syrien. Weder Russland noch Iran sind willkommene Partner, von der die Mehrheit der Syrer überzeugt ist, dass sie zur Lösung der syrischen Probleme beitragen. Wo ist der Unterschied für einen streng gläubigen Muslim zwischen den Amerikanern und den Russen ?

Was zum nächsten Punkz führt. Warum sollten Sunniten sich Schiiten unterwerfen, damit Friede in der muslimischen Welt ist ?

Wie ist das Zahlenverhältnis Sunniten / Schiiten weltweit ? Wie kann Friede entstehen, wenn die hardliner in Teheran und Ryadh auf ihre Führungsansprüche pochen ?

Die Mullahs im Iran haben nach ihrer Machtübernahme gezeigt, was sie vom Sozialismus und Kommunismus halten.

Ebenso wie Putin, der in Russland und angrenzendem Machtbereich keinen Islam duldet, der staatstragend ist.

Flegel 09.06.2017 | 11:04

Henry Kissinger: “If You Can’t Hear the Drums of War You Must Be Deaf”

"Oil is much too important a commodity to be left in the hands of the Arabs."

Dieses brutale und entlarvende Bekenntnis stammt von Henry Kissinger. Er war von 1969 bis 1973 Nationaler Sicherheitsberater und von 1973 bis 1977 Außenminister der Vereinigten Staaten.

Erdöl ist zu wichtig, als dass man es den Arabern überlassen könnte.

Im Januar 2012 erklärte er uns: "Control oil and you control nations; control food and you control the people.“ – (Kontrolliere das Öl und du kontrollierst die Nationen; kontrolliere die Lebensmittel, und du kontrollierst die Menschen.)

Und erstellte fest: “We told the military that we would have to take over seven Middle Eastern countries for their resources and they have nearly completed their job.“ – (Wir haben dem Militär gesagt, dass wir sieben Länder des Mittleren Osten wegen ihrer Ressourcen übernehmen müssen, und sie haben ihren Job fast erledigt.)

Zusammenfassend: „The United States is bating China and Russia, and the final nail in the coffin will be Iran, which is, of course, the main target of Israel.“ – (Die Vereinigten Staaten schlagen China und Russland, und der letzte Sargnagel wird der Iran sein, was natürlich das Hauptziel Israels ist.)

So klug hat uns Herr Kissinger bereits 2012 unterrichtet und fünf Jahre später organisieren sie den nächsten Konflikt: Katar wird zum Schurkenstaat erklärt und isoliert und die Lebensmittel werden gerade á la Kissinger verknappt. Im Iran werden symbolträchtige Attentate ausgeübt.

Ja, ja, es stimmt schon: Es gibt einen Haufen lokaler Probleme, aber der Westen weiß sie auch geschickt und skrupellos für sich zu nutzen. Entsprechend sind wir ja mithilfe der Medien spätestens seit dem Kosovokrieg darüber informiert worden, dass es gute Bomben gibt und dass es böse Bomben gibt. – Und dreimal darf man raten, wer über die guten Bomben verfügt.

Flegel 09.06.2017 | 13:16

Ergänzung: Katar wird zum Schurkenstaat erklärt und isoliert und die Lebensmittel werden gerade á la Kissinger verknappt. Inoffizieller Vorwurf: Der Emir von Katar kooperiere auch mit dem Iran - dem Hauptgegner Saudi-Arabiens. Im Iran selbst werden symbolträchtige Attentate ausgeübt. – Und das, nachdem Donald Trump soeben seinen Antrittsbesuch bei den Saudis und danach bei den Israelis absolvierte. –

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

KorrupterKanzler 09.06.2017 | 17:57

Es ist schon erstaunlich, dass Todenhöfer "den Westen" mit Schuld belädt, weil Flugzeuge der Amerikaner und ihrer Aliierten den IS bekämpfen, der die Iraker und Syrer mit Versklavung, Vergewaltigung und Mord überzieht. Ob "der Osten" das besser könnte? Vielleicht russische Bomben auf Aleppo, und zwar gezielt auf Krankenhäuser? Oh ja, die irakischen Sunniten, die von ihren schiitischen Brüdern übervorteilt werden, kämpfen gegen den IS, der ihnen gegen diese Hilfe verspricht. Gut, dass es die hunderttausenden von Irakern und Syrern, die täglich Opfer des IS-Terrors sind, einfach nicht gibt. Denn nach Todenhöfer gibt es eigentlich nur eine böse Sache: den Westen. Gott oh Gott.

hakufu 09.06.2017 | 21:39

Ja, schon erstaunlich.

Gestern noch war Katar die Inkarnation des Bösen, weil es den IS unterstütze , wahlweise aus ideologisch / religiösen Gründen ( Sunniten vs. säkulare Demokratie ), oder aus wirtschaftlichen ( weil Katar eine Gaspipeline vom größten Gasfeld der Welt ans Mittelmeer mitten durch Syrien bauen will ).

Das verwirrt mich alles. Machen jetzt vielleicht Assad und der Emir von Katar gemeinsame Sache ? Und Russland und Iran sind Schutzmacht dieser Allianz ?

hakufu 09.06.2017 | 21:39

Ja, schon erstaunlich.

Gestern noch war Katar die Inkarnation des Bösen, weil es den IS unterstütze , wahlweise aus ideologisch / religiösen Gründen ( Sunniten vs. säkulare Demokratie ), oder aus wirtschaftlichen ( weil Katar eine Gaspipeline vom größten Gasfeld der Welt ans Mittelmeer mitten durch Syrien bauen will ).

Das verwirrt mich alles. Machen jetzt vielleicht Assad und der Emir von Katar gemeinsame Sache ? Und Russland und Iran sind Schutzmacht dieser Allianz ?

gilmalik 09.06.2017 | 22:23

Wenn es denn so einfach wäre, wäre der nahe Osten schon lange befriedet
Richtig. Aber warum vereinfachen sie dann sofort: Warum soll die Mehrheit der Bevölkerung dann nicht ihren sunnitischen Weg gehen. Antwort: Weil es nicht die Sunniten gibt. In Syrien ist es nur ein sehr kleiner Teil der Sunniten die dem saudischen Wahhabismus nacheifert. Der Größteteil der syrischen Sunniten folgt einer moderaten Richtung und die haben nichts mit den von Saudi Arabien bezahlten Jihadisten am Hut. Im Gegenteil: Alle von ihnen, die ich gesprochen habe, sagen: Zuerst müssen die Jihadisten verschwinden, dann Assad und auf keinen Fall umgekehrt.
In Pakistan zum Beispiel sind der Großteil der Sunniten Brelwi-Sunniten und ihre größten Feinde sind nicht die Schia, sondern die Deobandis (Sunniten).
Wenn es denn so einfach wäre, wäre der nahe Osten schon lange befriedet.

hakufu 09.06.2017 | 22:36

Sie haben recht. Das ist schlecht formuliert.

Zuerst müssen die Jihadisten verschwinden, dann Assad und auf keinen Fall umgekehrt.

Das ist das wünschenswerte Szenario.

Leider wird es noch lange dauern, ehe diese, auch von aussen stark beeinflussten, Auseinandersetzungen ein Ende finden.

Wie ist Ihr Eindruck, gibt es eine Chance für den arabischen Frühling, die iranische grüne Revolution, oder ist mit einem Anstieg der kriegerischen Kriege und Bürgerkriege zu rechnen ?

Rafaela 09.06.2017 | 23:11

"Doch genau das machen wir mit unseren Kriegen.[...]Unsere Kriege im Mittleren Osten haben in den letzten 15 Jahren den Tod von über 1 Million Zivilisten verursacht. ("Ärzte gegen den Atomkrieg")."

"Wir".
"Uns".
"Unser".

"Wir" mit "unseren Kriegen"...

Junge-junge. Starker Tobak.

Also "meine" Kriege sind das ganz bestimmt nicht. Das nur mal am Rande.

Ihr ganzes, auf ziemlich dickes Moralin gesetztes Gedankenkonstrukt ist im Grunde nicht schlecht oder gar böse; die Intendierungen stimmen sozuagen.
Aber, Herr Todenhöfer, ich bitte Sie: wenn Faschisten, die sich hinter dem Koran verstecken und Nazis, die die Bibel wie eine Monstranz vor sich hertragen - Heuchler und Lügner der mörderischsten Sorte auf beiden Seiten - sich unbedingt gegenseitig die Schädel einschlagen wollen (weil das für beide Seiten bislang vor allem ein gutes Geschäft mit ordentlicher Rendite ist; trotzdem ist es prinzipiell nichts weiter als ein äußerst blutiger Bandenkrieg, eine gigantische, globale Mafia-Fehde), dann sollten "wir" "uns" von solch' widerlichem Lumpenpack nicht vereinnahmen lassen. Auch nicht sprachlich.
"Wir" sind nicht die, die Krieg führen. Weder "wir" auf der einen noch "wir" auf der anderen Seite.

Aber dass diese Kriege säuische Gewinner haben, einige Wenige, auf beiden Seiten und viele-viele arme, erbarmungswürdige Opfer, beiderseits und mithin das tödlich Trennende nicht zwischen "denen" und "uns", sondern, wenn schon, zwischen Oben und Unten verläuft (weil das im Kapitalismus nun einmal zwangsläufig so sein muss; "It's the economy, stupid." - um's mal nicht mit einem der üblichen Verdächtigen zu sagen), darüber letztlich aufzuklären, fällt um so schwerer, wenn wir die Kriege derer da "Oben" zu "unseren" machen (lassen). Und mit der Sprache fängt das an.

Wenn schon, muss man, nein: müssen "wir", gemeinsam, die Vielen gegen die Wenigen, diesen Kriegen die Geschäftsgrundlage entziehen.

[Ein ziemlich "gottloser" jüdischer Gelehrter (um jetzt doch mal einen der "üblichen Verdächtigen" anzuführen) hat in einem seiner grandiosen, fast prophetischen Werke folgendes Zitat als Fußnote eingefügt, welches "die ganze Scheiße", hier also aktuell den Terrorismus beider Seiten, den sogenannten "Dschihad", den "islamistischen Terror" und seinen Zwillingsbruder, den "Krieg gegen den Terror" der "westlichen Wert-Papier-Gemeinschaft" bestens und weitestgehend erklärt: "Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel."
Eine eindringliche Erklärung, pointierte Erläuterung, eine Metapher, die auf eine grundsätzliche und radikale (radix = Wurzel) Lösung verweist - welche "uns allen" überall, selbst letztlich den blutigen Kriegern, gut tun könnte.
Meinen Sie nicht auch?..]

gilmalik 09.06.2017 | 23:17

Ich bin kein Nahost Experte, denn ein Experte ist jemand für mich der sein Wissen aus Gesehenen und Gelesenen speist.
So halte ich es auch mit der Meinung , die zu äussern ich nur für hilfreich halte, wenn ich glaube, dass ich bei der Bildung dieser Meinung sehr weit fortgeschritten bin (was mir natürlich nicht immer geling. lol). So kann ich ihnen nur davon berichten, welches Unheil dieser untolerante Wahhabismus der Saudis in Pakistan angerichtet hat. Oder davon, wie sehr sich der Islam selbst innerhalb der Schia oder der Sunniten unterscheidet. Die Syrer die ich sprechen durfte, waren alle keine Aktivisten. Sie waren alles junge Bürger die 2011 auf die Straße gingen, weil sie angesteckt durch den arabischen Frühling "Demokratie" wollten. Jetzt im Jahre 2017 und mit Abstand betrachtet, halten sie ihr damaliges Tun für naiv. Nicht weil sie Demokratie für ein naives Verlangen halten, sondern weil sie hätten wissen müssen, dass die Mächte um sie herum (Iran- Der Block um die Saudis), es natürlich niemals zugelassen hätten, das Menschen einfach ohne sie zu fragen, von heute auf Morgen einen eigenen Weg gehen. Danke dass sie mich nicht gefragt haben oder fragen werden, ob ich den Iran oder die Saudis dort für die Guten halte, die Amerikaner oder die Russen.

gelse 09.06.2017 | 23:34

"Wir" mit "unseren Kriegen"...
Aber ja.
Verteidigungsministerien mit Wehrdienstlern verteidigen doch was, oder? Wenn nicht, würde man dann so locker von „Verteidigung“ sprechen, auch in diesem Forum?

>>Aber dass diese Kriege säuische Gewinner haben,…<<
Jobs. Konsumistischer way of life. Selige Imbezilität.
Mit uns die Sintflut.
Und Privatprofit für die , die haben, ganz nebenbei. Interessiert ja eigentlich kaum jemand

Rafaela 10.06.2017 | 00:50

Den gewissermaßen selig Imbezillen wird das mögliche Erkennen der eigenen Situation immens erschwert, wenn bspw. Todenhöfer von "unseren Kriegen" schreibt oder die Kriegsministerin, derzeit einer Armee von Söldnern vorstehend, statt dessen besinnungslos, bspw. auch von Augstein, fälschlich als "Verteidigungsministerin" tituliert wird; da kann man dann schon mal aus Versehen auf den Gedanken kommen, dass Söldner "Wehrdienst leisten". Oder das die Mega-Gewinne der Maximal-Profiteure, die sich ihr (Achtung: Oxymoron! + Contradictio in adiecto!) 'privat-kommunistisches Himmelreich' auf Kosten aller anderen und gerne auch auf deren blutigen Knochen bauen lassen, "Jobs sichern", wg. (Achtung: neoliberale Bullshit-Ideologie!) Trickle-down-Effekt und so...

-"Imbezillität" musste ich übrigens erst mal nachschlagen.

Flegel 10.06.2017 | 10:46

"Wir" - Die Steigbügelhalter

Warum werfen Sie mit Steinen nach Jürgen Todenhöfer, der eine Redewendung bemüht, ansonsten aber zu Recht auf Sachverhalte hinweist, die in diesem Sinne selbstverständlich auch mit „uns“ zu tun haben – ob Sie das mögen oder nicht.

Meine Beobachtung gerade zu dem Thema völkerrechtswidrige Angriffskriege der westlichen Wertegemeinschaft gegen die muslimischen Staaten Kosovo, Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien mit einer Bilanz all dieser Kriege von mittlerweile 1,5 Millionen Menschenleben und zig Millionen Kriegsflüchtlingen verführt offensichtlich viele Diskutanten hier in der dFC „Scheuklappenideologie“ zu betreiben. Ihnen geht es schon lange nicht mehr darum, Sachverhalte zu objektivieren – es geht um reine Weltanschauung, in der Verniedlichung der westlichen Verbrechen gegen die Menschheit eine große Rolle spielt.

Es geht um eine Gesinnung, die z. B. die Zustimmung der US-Senatorin Clinton von 2002 zum völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf den Irak eine „lässliche Sünde“ nennt.

Dieser Fraktion in diesem Forum (und außerhalb dieses Forums) werfe ich zudem vor, zu den Steigbügelhaltern dieser politischen Extremvarianten von Politikern wie z. B. Donald Trump zu gehören.

Transportieren sie doch in bedingungsloser und blinder Unterwerfung die seit Jahr und Tag gepflegte Lebenslüge der "westlichen Wertegemeinschaft" und deren Propaganda.

Sie unterstützten und rechtfertigten in der Vergangenheit die unbezähmbare Alimentierung der internationalen Finanz-Hasardeure bei paralleler Prekarisierung der Bürgerinnen und Bürger und die Kriege des supranationalen Angriffsbündnisses dieser „westlichen Wertegemeinschaft“ bestehend aus den USA, Kanada und der ganz überwiegenden Mehrzahl europäischer Nationen.

– Wie sie überhaupt alles, was sich mit der „westlichen Wertegemeinschaft“ verbindet, als legal und legitim feiern – auch noch den Regelverstoß.

Es gibt ein systemisches Bedingungsgefüge für die Probleme dieser Tage, und dazu gehört auch, die politischen westlichen Protagonisten der verkommenen Kriegsphilosophie und Kriegshandlungen nicht weggejagt zu haben – und dann sind wir eben doch wieder bei „uns“.

Die AGENDA 2010 hat das „Parteienkartell aus CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNE“ erzeugt, das von „uns“ durch Wahlen immer wieder treu und brav bestätigt wird. – Und genau das wird auch im September 2017 erneut erfolgen.

Und „wir“ werden wieder tausend Ausreden haben, warum „wir“ nicht involviert sind.

„Wir“ sind involviert – Sie und ich – und ich möchte, dass die Kriege der „westlichen Wertegemeinschaft“ aufhören.

4711_please 10.06.2017 | 11:02

Was denke ich die meisten Menschen so entsetzt, ist die Tatsache, dass dieser Kamikaze-Terrorismus das Maximum an Selbstzerstörung darstellt, was denkbar ist. Nicht nur in London, Paris, Berlin, auch und gerade in den syrisch-irakischen Kriegsgebieten opfern sich Menschen, um anderen Menschen Tod und Leid zuzufügen. Darunter Familienväter, die anscheinend das Morden und den eigenen Tod mit ihrer Familienrolle gut vereinbaren können.

Ich weiß nicht, ob das Wort Ideologie so passend ist für dieses Phänomen, das ich aus meiner Jugend nur als Kamikaze kannte. Wer sowas macht, ist dem Leben maximal abgewandt. Schon erstaunlich, dass eine islamische Sekte es versteht, Hass derart zu steigern, dass nur der eigene Tod und der von vielen anderen einen Wert hat. Nun ist in Kriegen ja immer so, dass der Tod eines Soldaten und der von vielen anderen glorifiziert wurde. Auch im verheerenden 1. Weltkrieg wurde das Christentum im Sinne vom römischen Spruch, es sei schön für das Vaterland zu sterben, ideologisch missbraucht. Doch weder Christentum, noch Islam sind Religionen, die dem Tod mehr Wert einräumen als dem Leben.

Ich denke, dass man da ansetzen müsste. Vor allem bei der Vorstellung, sich selbst und gleichzeitig vielen Menschen das Leben zu nehmen, die Märtyrerrolle, würde belohnt werden und würde irgendetwas Gutes bewirken.

Solange die Kriege anhalten. scheint Tod und Zerstörung mehr wert als Leben und Kultur. Mit Trump fürchte ich wird sich so schnell nichts ändern im Mittleren Osten. Ich vermute, dass dem Ultranarzissten eine Feldherrenrolle gut gefallen würde, und das Ziel könnte Iran sein.

Sikkimoto 11.06.2017 | 12:20

Gut gemeint ist eben nicht gleich gut. Todenhöfers Beitrag strotzt von Naivität. Eigentlich genau so, wie man sich einen CDU-Politiker vorstellt, der irgendwann feststellt dass er doch immer zu den Guten gehören wollte.

Es gibt ähnliche Fälle wie Willy Wimmer oder Heiner Geißler. Die werden hofiert, weil sie im fortgeschrittenen Alter erkannt haben, was vielen anderen Zeitgenossen schon in Jugendzeiten klar war. Auch ein blindes Huhn pickt mal ein Korn.

weinsztein 14.06.2017 | 02:18

Jürgen Todenhöfer, Willy Wimmer, Heiner Geißler ... "Die werden hofiert, weil sie im fortgeschrittenen Alter erkannt haben, was vielen anderen Zeitgenossen schon in Jugendzeiten klar war. Auch ein blindes Huhn pickt mal ein Korn."

Das ist, wenn nicht Sektiererkram, zumindest arrogantes dummes Zeug. Schön für Sie, dass Ihnen schon in Ihrer Jugend alles klar war.

Bedauerlich, dass Sie wie ein blindes Huhn kommentieren, gleich zu Beginn mit einer Kalenderspruch.

"Todenhöfers Beitrag strotzt von Naivität", schreiben Sie, weil Sie als Experte die Verhältnisse im Nahen Osten besser einschätzen können als Todenhöfer.

Bitte erläutern Sie, warum aus Ihrer Sicht Todenhöfers Beitrag vor Naivität strotzt.

weinsztein 14.06.2017 | 03:25

"Wir". "Uns". "Unser".

Im Namen des Volkes werden Gerichtsurteile gesprochen und seit jeher Kriege angezettelt. Das manipulierte Volk stimmt meist den Kriegen zu, auch Angriffskriegen.

Darauf bezieht sich vermutlich Todenhöfer. In unserem Namen führt der Westen im Nahen Osten den Krieg um die Ölreserven im Nahen Osten. Wir führen Krieg (verteidigen unsere Interessen, die Menschenrechte usw.)

Der "Islamische Staat" sieht das genau so.

Das von Dir angeführte Zitat stammt übrigens von P.J. Dunning (1860), nicht von Karl Marx. Ihm war es eine Fußnote wert, im „Kapital“.

Ich finde Todenhöfer-Bashing doof und unpolitisch.

Joachim Petrick 14.06.2017 | 11:19

ergänzt:

Und da sind die Rüstungsexporte via Bundeswehr Auslandseinsätze mit ihren Waffensystemen, Ausrüszung für sich selber und als Geschenk für hilfeersuchende Regierungen vor ort in Krisen- , Kriegsregionen noch nicht einmal mitgerechnet?, wenn ja, ist das der tiefere Grund, warum die Bundesregierung via Deutschen Bundestag mehr und mehr auf Bundeswehr Auslandseinsätze plädiert, weil in solchen Fällen die Genehmigungspflicht out od Order ist?

Rafaela 15.06.2017 | 01:31

"Das von Dir angeführte Zitat stammt übrigens von P.J. Dunning (1860), nicht von Karl Marx. Ihm war es eine Fußnote wert, im „Kapital“."

Hey, Weinsztein, "Du"!, wir haben doch nicht etwa mal die Schweine zusammen gehütet, oder? Aber ab davon: Richtig. Das schrub ich ja genau so, ohne es auf's Brot zu schmieren... "[...]hat in einem seiner grandiosen, fast prophetischen Werke folgendes Zitat als Fußnote eingefügt[...]". Dunning soll das übrigens in einer Kneipe beim Saufen zum Besten gegeben haben.

"Ich finde Todenhöfer-Bashing doof und unpolitisch."

Ich auch.
Deshalb stelle ich ihm konkrete Positionen anheim.

" "Wir". "Uns". "Unser".

Im Namen des Volkes werden Gerichtsurteile gesprochen und seit jeher Kriege angezettelt. Das manipulierte Volk stimmt meist den Kriegen zu, auch Angriffskriegen.

Darauf bezieht sich vermutlich Todenhöfer.In unserem Namen führt der Westen im Nahen Osten den Krieg um die Ölreserven im Nahen Osten. Wir führen Krieg (verteidigen unsere Interessen, die Menschenrechte usw.)

Der "Islamische Staat" sieht das genau so. "

Ehrlich? Darauf wäre ich ohne Sie ("Dich"!) nie gekommen, danke! Abseits aller Ironie: Diese rhetorischen Vereinnahmungen kann man sich zu eigen machen. Man kann (und sollte!) sie aber auch zurück weisen.

Conclusio aus einem anderen, hiermit zusammenhängenden Kommentar, von Ihnen ("Dir"!), Weinsztein, hier, geronnen in ein Erlebnis: Neulich textete mich ein öffentlich-rechtlicher Verantwortungsträger am Frühstücksbuffet damit zu, dass "wir uns im Geiste" sicherlich "verbrüdert" hätten auf Grund unserer ähnlichen Sozialisationen - wäre ich doch am Abend zuvor mit am informellen Kantinentisch dabei gewesen. Ich antwortete ihm, dass es aber darauf ankömme, sich i n d e r A r b e i t zu verbrüdern. Etwas ratlos, desillusioniert aber nicht gänzlich uninspiriert konzentrierte sich der gute Mann wieder auf sein Frühstück... -Dass Leute wie Tödenhöfer, Geißler oder Wimmer u.v.a.m. immer erst dann anfangen, weise zu werden, wenn sie gewissermaßen "keinen Schaden" mehr anrichten können, verweist mglw. auf dergestalte schizophrene Wahrnehmungen. Solche Leute beginnen lustigerweise immer erst dann Wasser zu predigen, wenn sie Wein nicht mehr vertragen.-Ziemlich unglaubwürdig unter'm Strich, das Ganze.

anne mohnen 19.06.2017 | 17:44

Zum Thema: Das kosten die deutschen Auslandseinsätze

Mein Lieber, das ist mal wieder ein interessanter Aspekt. Obwohl ich mich auf dem verminten Feld nicht auskenne, habe ich nicht schlecht gelacht, als zu hören war, dass die Bundeswehr von der Basis in Incirlik nach Jordanien verlegt wird. Da war doch was in der SZ letzten November? Und natürlich habe ich auch das für Sie servicemäßig gegoogelt ;)

Waffenexport Deutsche Panzer für das Königreich

(Man beachte den Zeitpunkt oder: „ein Schelm, der Böses dabei denkt“)

>>Das Königreich Jordanien etwa sei "ein ganz entscheidender Stabilitätsanker in der Region". Was sie nicht sagt: in einer Region, in die man üblicherweise möglichst wenig Waffen aus Deutschland liefert. Doch das Land schlage "die Brücke zwischen der muslimisch-arabischen Welt und uns", sagt von der Leyen. "Jordanien ist ein Bollwerk gegen den Terror, und deshalb ist es unendlich wichtig, Jordanien auch zu unterstützen."<<

Was die Verteidigungsministerin auch nicht erwähnt:

In Jordanien herrscht die Todesstrafe nicht nur auf dem Papier, sondern wird auch vollstreckt.

In Jordanien gibt es keine Pressefreiheit

In Jordanien werden Frauenrechte mit Füßen getreten, sofern überhaupt Gleichberechtigung dort herrscht. Da mag die Königin in noch so dollen Designerklamotten durch die Welt jetten und auf internationalen Konferenzen reüssieren wollen.

Es versteht sich von selbst, dass in „dem Bollwerk gegen Terrorismus“, religiöse Minderheiten und Homosexuelle unterdrückt werden.

Es mag gute Gründe geben, die sich mir freilich nicht erschließen,* nach Jordanien zu ziehen. Warum das Land hochgerüstet wird, ist mir ein Rätsel resp. wohl ein Faustpfand. Jedenfalls rückt man ein Stück näher an Iran (…)

*Scholl-Latour.Die arabische Revolution

nachträglich sehr sehenswert - bis auf diesen Börsenkaper

Joachim Petrick 20.06.2017 | 11:22

"Sehe ich ähnlich wie Du! Und Werte und Revolutionen kann man nicht exportieren – besonders wenn man rechthaberisch und mit Doppelmoral die Leute “missionieren“ will! (

Stichwort: “Die Mutter aller Bomben“ Und nicht nur die Presse jubelt …)"

Vor allem dann, wenn man in Koalitionen der Willigen in Wirklichkeit etwas ganz anderes vorhat, nämkich den sogenannten Internationalen Terrorismus zu instrumentalisieren, daheim innenpolitisch unkerlich einen überdimensionierten Sicherheitsapparat für den Fall von Störfällen in großtechnologischen Anlagen, Chemie, Atomenergie durch allgemein erhöhte Risikotoleranz - Begriff aus der Finanzwirtschaft - erst zu legitmieren, dann zu installieren, wasohne die vorgebliche Existenz des internationalen Terrorismus nicht ginge, dann müssten daheim womöglich Dieselabgassünder aus allen Wolken fallend, diesen Gefährder Part übernehmen - siehe Risikogesellschaft Ulrich beck:

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/mach-mir-angst-und-bange-also-bin-ich
Joachim Petrick
16.06.2017 | 18:20 12
Angst und Bange, also bin ich?

Risikogesellschaft In Glaubensgesellschaften hat der Klerus, manchenorts die Gelehrsamkeit das Sagen, in der Risikogesellschaft nach Ulrich Becks Prägung stets die Versicherungswirtschaft

anne mohnen 20.06.2017 | 16:42

Jedenfalls finde ich es seltsam, dass 'wir', anstatt die Bundeswehr als Bollwerkgegen den Terror , "mit 'Rosinenbomber' in den Libanon und nach Jordanien zu beordern und statt Rosinen Kita- & Schulcontainer in den Lagern aufzustellen, Lehrer zu beszahlen, den UNHCR mit Dollar, EURO, Penunsen auszustatten, um den monatlichen Hilfsbeitrag menschenwürdigaufzustocken, das THW seinen Job machen zu lassen, Militär in Jordanien. Was haben wir da zu suchen-militärisch? Und inwiefern war die Umstationierung nicht auch ein Schachzug....

Joachim Petrick 20.06.2017 | 17:49

"Was haben wir da zu suchen-militärisch? Und inwiefern war die Umstationierung nicht auch ein Schachzug.."

Ein infam verfassungsferner Schachzug? Genau das frage ich mich auch in meinem neuen Beitrag:

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/erst-incirlik-nun-das-wahre-ziel-jordanien

Joachim Petrick
20.06.2017 | 17:38
Erst Incirlik nun das wahre Ziel Jordanien?

Bundeswehr Ertüchtigungsinitiative in eigener Sache: Umweg Incirlik zum wahren Ziel Jordanien, dem Sicherheitsanker in der Region Naher Osten mit Grenzen zu Israel, Irak, Syrien?