Sandra Fejjeri
29.07.2010 | 09:38 73

In Deutschland zuhause

Menschenrechte Ihre Kinder sind hier aufgewachsen, nun sollen sie gehen. Für die Roma aus dem Kosovo ist es eine Katastrophe - und für Deutschland eine Blamage

Die Worte der 15-Jährigen klingen trotzig: „Ich bin in Olsberg geboren. Ich weiß nicht, warum man mich hierher gebracht hat.“ Vor drei Jahren wurde Sanije Kryeziu mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Florentina in das Kosovo abgeschoben. Ihr früheres Leben erscheint ihr aus der Ferne seltsam irreal: Mit Freundinnen Eis essen, Hausaufgaben machen, ein Nachmittag im Freibad – Dinge, von denen sie im Kosovo nur träumen kann. Geboren und aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen lebt sie heute in einem Land, dessen Sprache sie kaum spricht. Die Schule besucht sie schon lange nicht mehr.

Als Sanijes Eltern 1992 das Kosovo verließen, zerfiel Jugoslawien in Bürgerkriegen, ethnische Gewalt flammte auf. Die Roma, zu denen auch ihre Familie gehört, mussten fliehen. Ihr Hab und Gut ließen sie zurück. Sie werde nie wieder zurückkehren, das schwor sich ihre Mutter damals. Doch es kam anders: Als 2007 die Polizei vor der Tür ihrer Wohnung in Olsberg stand, hatte sie keine Wahl. Sie wurde abgeschoben mit den zwei Töchtern, nach 15 Jahren Aufenthalt.

Etwa 12.000 Roma, Ashkali und Kosovo-Ägyptern droht in den nächsten Jahren die Abschiebung aus Deutschland ins Kosovo, davon sind etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche. Ein im April geschlossenes Rückführungsabkommen zwischen der kosovarischen und der deutschen Regierung sieht vor, dass nun auch Angehörige der in den Neunzigern geflohenen Minderheiten zurückgeschickt werden. Nach Ansicht Hans-Herman Gutzmers vom niedersächsischen Innenministerium handele es sich bei ihnen um eine Gruppe, bei der besondere „Integrationsschwierigkeiten“ vorlägen. Es fehle an der „notwendigen Bereitschaft, sich intensiv um eine Erwerbstätigkeit zu bemühen“. Eine Ansicht, die Kirchen und Flüchtlingsverbände als zynisch kritisieren. Denn oft sind es alte und kranke Eltern, die mit ihren Familien von der Abschiebung betroffen sind. Weil sie ihr Einkommen nicht selbst erwirtschaften können, fallen sie durchs Raster der Bleiberechtsregelung, wie Bastian Wrede vom Niedersächsischen Flüchtlingsrat erläutert.

Humanitäre Linienbusse

Erkenntnisse, die eine aktuelle UNICEF-Studie vom Juli 2010 belegt. So seien etwa im Psychosozialen Zentrum für Migrantinnen und Migranten in Halle rund ein Drittel der Klienten Roma aus dem Kosovo. Viele von ihnen, so die Studie, litten unter posttraumatischen Belastungsstörungen, unter Angststörungen oder Depressionen. Der Tod von Familienangehörigen, die Erfahrung von Gewalt am eigenen Leib sind die häufigste Ursache für Traumata; doch auch die oftmals Wochen andauernde Flucht in den Wirren des Krieges unter Todesangst und der Verlust des heimatlichen Umfeldes lösen oftmals psychische Erkrankungen aus. Zwar sind die Patienten für die Dauer der Behandlung geschützt, doch das Wissen um die drohende Abschiebung, so die Studie, belaste die gesamte Familie und erschwere den Genesungsprozess.

Einmal in das Kosovo abgeschoben, können Roma und andere Minderheiten in der Regel nicht an ihre Herkunftsorte zurück. Ihre Dörfer und Gemeinden wurden ausgelöscht, ganze Stadtteile zerstört. Mehr als 235.000 Minderheitsangehörige verloren laut Amnesty International als Folge von Flucht und Vertreibung ihren Wohnsitz. Weitere 4.000 wurden vertrieben, als 2004 eine neue Welle ethnisch motivierter Gewalt ausbrach. Sie wurden zu Flüchtlingen, die ihre Rechte kaum gelten machen können. Laut einer aktuellen Studie des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind „grundlegende Menschenrechte und der Zugang zu Sozialleistungen erheblich eingeschränkt“. Sie leben in Armut, oftmals ohne Zugang zu medizinischer Versorgung. Knapp 80 Euro habe eine Familie im Schnitt pro Monat zur Verfügung, sagt Stephan Dünnwald von der Organisation PRO ASYL, der Rückkehrer vor Ort besuchte. Die wenigen Förderprogramme, die es im Kosovo gibt, richten sich fast ausschließlich an „freiwillige Rückkehrer“. Die meisten Roma jedoch werden zwangsweise abgeschoben und fallen somit durchs Raster internationaler Hilfsprogramme, wie die OSZE jüngst in einem Bericht kritisierte. „Die meisten leben nur davon, was ihnen in Deutschland gebliebene Verwandte überweisen“, sagt Dünnwald.

Trotz ethnischer Spannungen, der Separierung in getrennte Stadtteile, Schulen und der Notwendigkeit des Betriebs von „humanitären Buslinien“, um Minderheitsangehörige vor Übergriffen zu schützen, wird das Kosovo von den deutschen Behörden als „sicher“ eingestuft – eine Ansicht, der internationale Beobachter sowie Flüchtlingsverbände widersprechen. „Die Nachkriegsgesellschaft des Kosovo ist nach wie vor ethnisch gespalten“, warnt Bernd Wrede vom Niedersächsischen Flüchtlingsrat. Zwar sei die Lage angesichts beachtlicher NATO-Präsenz ruhig, doch man könne nicht abschätzen, wann ethnische Spannungen – wie im März 2004 gegen die Ashkali-Minderheit – neu aufflammen.

Nicht länger geduldet

Die UN-Übergangsverwaltung des Kosovo (UNMIK) hatte Abschiebungen von Roma in das Kosovo lange verhindert. Im November 2008 gab die UNMIK die Zuständigkeit für die Rückführung jedoch an die kosovarische Regierung zurück, die am 12. April das Rückführungsabkommen mit Deutschland unterzeichnete. „Kosovo steht unter hohem politischen Druck, diese Abkommen zu akzeptieren, ohne über Mittel zu verfügen, diese Familien in Würde und Sicherheit aufnehmen zu können“, kritisierte der EU-Menschenrechtskommissar Thomas Hammarberg schon im März 2009. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon warnte den Sicherheitsrat, dass Abschiebungen von Roma die Stabilität im Kosovo gefährden und bestehende Spannungen verschärfen könnten.

Die 12.000 ausreisepflichtigen Roma, Ashkali und Kosovo-Ägypter leben zur Zeit mit einer „Duldung“ in Deutschland, ohne gesicherte Aufenthaltserlaubnis. Obwohl rund die Hälfte von ihnen Kinder und Jugendliche sind, steht das Kindeswohl bei der Debatte über ihre „Rückkehr“ bisher nicht im Mittelpunkt. Dabei bedeutet eine Abschiebung oft das Ende des Bildungswegs, wie Johannes Wedenig, der Leiter des UNICEF-Büros in Priština, erläutert: „Drei von vier Kindern gehen im Kosovo nicht mehr zur Schule, weil sich die Direktoren weigern, Roma-Kinder aufzunehmen, wenn Geburtsurkunden und Zeugnisse fehlen.“ Zwei von drei Kindern wurden in Deutschland geboren und wuchsen dort auf. Das Land, in das sie „zurückkehren“, haben die meisten noch nie gesehen. Oft sprechen sie weder Albanisch noch Serbisch – „ein Umstand, der sie um Jahre zurückwirft“, sagt Wedenig. „Die Kinder betrachten Deutschland als ihre Heimat.“ Viele Familien versuchten daher um jeden Preis, nach Deutschland zurückzukehren.

Unrühmliche Tradition

Die Augen für die Situation der Roma zu verschließen hat in Deutschland eine unrühmliche Tradition. „Aufgrund des Holocaust gibt es heute in der internationalen Politik eine große Sensibilität für die unterschiedlichen Erscheinungsformen des Antisemitismus. Demgegenüber hat der gegen Roma und Sinti gerichtete Rassismus nur einen geringen Stellenwert auf der politischen Agenda“, schrieb Romani Rose in den Blättern für deutsche und internationale Politik. Der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma forderte im Dezember die Bundesrepublik auf, ihre historische Verantwortung als Nachfolgestaat des NS-Regimes endlich wahrzunehmen und den Roma ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht zu gewähren. Bislang blieb seine Forderung in der Innenministerkonferenz ungehört.

Anders, als etwa bei jüdischen Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion, die 1991 unbefristete Aufenthaltstitel bekamen, spielt die Frage der historischen Verantwortung gegenüber den Roma, die in den Kriegen des ehemaligen Jugoslawiens nach Deutschland flüchteten, keine Rolle. Im Schnitt verlor jede zweite Romafamilie auf dem Balkan Familienangehörige im Holocaust. Am 2. August 1944 wurden in Auschwitz-Birkenau die letzten 2.897 Sinti und Roma in nur einer Nacht umgebracht. Danach wurde das Sinti- und Roma-Lager aufgelöst. Wie eine Studie des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin feststellt, ist dieses Schicksal für politische Entscheidungen jedoch irrelevant. „Die Kontingentregelung für russische Juden wurde mit dem erklärten Willen der Bundesregierung begründet, wieder jüdisches Leben in Deutschland zu haben“, sagt Bernd Mesovic von PRO ASYL. „Der Völkermord an den Sinti und Roma hingegen wird nicht mit der realen Verfolgungssituation auf dem Balkan in Verbindung gebracht“.

Sandra Fejjeri ist Autorin des Freitag und schreibt vor allem zu den Themen Erinnerung, Minderheiten und Migration

Kommentare (73)

Querdenker 29.07.2010 | 12:32

Wenn es um eine Migration nach Deutschland geht, hört man Argumente wie "Land, dessen Sprache sie kaum spricht" oder "das Land haben die meisten noch nie gesehen." eher selten von Autoren wie Sandra Fejjeri. Andersrum ist das aber immer ein großes Problem. Da wird das Wort Rückkehr gerne in Anführungszeichen gesetzt und Abkommen gegeißelt. Warum eigentlich? Menschen werden sich immer anpassen, Konflikte und Spannungen im Kosovo müssen vor Ort gelöst und können nicht einfach über Grenzen verschoben werden. Was man der Gesellschaft hierzulande abverlangt, kann man auch von anderen Gesellschaften in Europa erwarten.

radikalinsky 29.07.2010 | 16:12

Klar kann man verlangen, dass man in Kosovo versucht die Probleme zu lösen. Es ist aber trotzdem fahrlässig die Menschen in das Land zurück zuschicken, wenn ihnen dort immer noch Gefahr droht. Und man kann auch nicht von heute auf morgen den Hass, den verschiedene ethnische Gruppen aufeinander haben, auflösen.

Deutsche Politiker werden nicht müde zu betonen, dass wir hier eine christlich abendländische Kultur haben. Wenn man es nicht besser wüsste, müsste man meinen, dass Jesus die ganzen ungeliebten Gruppen seiner Zeit auch nur abschieben wollte.

Emma in Uniform 29.07.2010 | 17:07

Nun ja, es geht in diesem Beitrag aber doch um Jugendliche, die mit Fug und Recht Deutschland als ihre Heimat bezeichnen können, darin stimmen Sie mir sicher zu, sehr geehrter Querdenker. Abgesehen davon, daß viele von ihnen auch noch hier geboren wurden, haben diese Menschen nämlich ihre Kindheit und frühe Jugend in Deutschland verbracht, und dieser Umstand prägt nun einmal das Zugehörigkeits- und Heimatgefühl, nichts sonst. Diese Jugendlichen und Kinder abzuschieben, diese zu entwurzeln ist ein unmenschlicher Skandal, einer Demokratie unwürdig. Und solcher Kinder Eltern ist das Bleiberecht auch nicht abzusprechen, es sei denn diese sind schwerkriminell bzw. WOLLEN ihren Lebensunterhalt nicht selber bestreiten.

Oder wie würden Sie meinen?

Querdenker 29.07.2010 | 18:56

Ach so, Zugehörigkeits- und Heimatgefühl. War das nicht was böses? Wessen Brot ich eß, dessen Nationalhymne ich sing. Gerade Jugendliche und Kinder stecken einen Umgebungswechsel viel besser weg als Erwachsene. Die brauchen ihr Mitleid nicht. Ein Skandal ist, wie einige Leute hier ihre Argumente nach der Himmelsrichtung drehen.

Radikalinsky, das ist überhaupt nicht fahrlässig. Wann und wie gedenken Sie denn, den vermeintlichen Hass aufzulösen, doch nicht etwa mit einem menschenleeren Kosovo? Wenn ethnische oder sonstige Konflikte nicht vor der eigenen Haustür erlebt und ausgetragen werden, gibt es auch keinen gesellschaftlichen Entwicklungs- und Reifeprozess.

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sachichma 29.07.2010 | 21:23

Mensch Sandra, schön das Du diesen Thema aufgegriffen hast!
Die Kommentatoren hier sind ja sehr interessant. Ich meine, das sind ja Freitagsleser, - oder? Klar Querdenken, wenn's geht in Uniform, ist ja richtig geil und liegt im Trend wie kleine Boys in Thinktanks mit Panzern und so. Naja, lassen wir das, bin ja unterwegs in den Urlaub und hänge hier auf dem Flugplatz rum.

Trotzdem, vielleicht hilft den girls da etwas Lektüre aus dem was schon vor Jahren von Marina Achenbach hier im Freitag zu diesem Thema geschrieben wurde: www.freitag.de/1999/42/99420301.htm

Wie die Situation aussieht im Kosovo, wie de fakto die Kinder dem Krepieren ausgeliefert werden wenn sie abgeschoben werden sollten steht hier: news.bbc.co.uk/2/hi/europe/7827031.stm

Ich könnte hier endlos links einfügen, habe aber die Hoffnung aufgegeben das in Deutschland Leute Interesse daran haben. In Frankreich ist es genauso.

radikalinsky 29.07.2010 | 23:58

Würden wir denn zwei Leute, die sich auf der Straße bis aufs Blut prügeln, nicht erstmal trennen?

Wenn dieses "erleben und austragen" von Konflikten eigentlich Mord und Totschlag bedeutet, dann sollten wir doch ersteinmal abwarten, bis man im Kosovo in der Lage ist den Konflikt friedlich zu lösen.

Menschenleer kann es dort nicht sein, denn sonst würden die Menschen nicht aneinandergeraten.

Alien59 30.07.2010 | 12:21

Frankreich: Sarkozy scheint ja auch mal wieder die Roma als Sündenbock entdeckt zu haben.
In Deutschland interessiert es nicht, wie lange Kinder hier gelebt haben. Wenn man kann, schiebt man sie ab.
Seit ich erlebt habe, wie hier geborene Kinder nach dem Abitur dastanden, noch nie aus dem Landkreis rausgedurft haben, dann gesagt bekamen, dass sie weder studieren, noch eine Ausbildung machen, noch arbeiten dürften, bin ich in diesem Punkt sehr zynisch geworden.
Und Roma? über die will man nur reden, wenn es darum geht, sie schnellstmöglich los zu werden. Kommentarstränge auf Internetseiten sprechen da Bände - dieser hier scheint auch schon wieder die üblichen Verdächtigen anzuziehen.

Ich habe mich über das Titelthema daher sehr gefreut - mein Kompliment.

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rahab 30.07.2010 | 12:35

ich finde es immer wieder eine frechheit, in diesem land geborene menschen als 'migranten' zu bezeichnen. wie soll deren migration denn konkret abgelaufen sein? in ovo etwa?

nicht, dass ich damit sagen will, dass migration was schlechtes sei. ich halte es da mit Lieselotte Funke, der ersten ausländerbeauftragten des bundes, aus deren 'haus' der satz stammt: migration ist ein ur-phänomen der menschheit.

den satz "Wenn ethnische oder sonstige Konflikte nicht vor der eigenen Haustür erlebt und ausgetragen werden, gibt es auch keinen gesellschaftlichen Entwicklungs- und Reifeprozess." finde ich zynisch. sollen diese kinder und jugendlichen nun also life im Kosovo das austragen, was sie bisher 'nur' in den nächtlichen alpträumen ihrer eltern mit-erleben durften? da schlage ich vor: stellen Sie sich vor, es seien 'unsere' kinder!

Querdenker 30.07.2010 | 15:15

Niemand hat "in diesem land geborene menschen als 'migranten' " bezeichnet, Rahab. Es ging eingangs um Migration in den Kosovo, also reden wir bei diesem Thema über Migranten und Rückkehrer - ist das formal jetzt richtig?

Wie Sie sagten: Migration ist nicht schlechtes, Rückkehr noch weniger. Mein Leben ist durch beides geprägt. Wenn Eltern mit ihren Kindern in die seit Jahrhunderten angestammte Heimat zurückkehren können, ist das immer zu begrüßen. Wenn sich da irgendein Schuldirektor im Kosovo daneben benimmt, ist das kein Grund 12.000 Roma, Ashkali und Kosovo-Ägyptern in Deutschland zu behalten. Schutz und Rückkehr sind gleich hehre Ziele von Asyl, sonst werden Sie immer auch ein Akzeptanzproblem haben.

Und überhaupt, was wissen Sie/wir denn schon vom Kosovo? Gefährlicher als in europäischen Hauptstädten kann es kaum sein. Das ist jetzt vermutlich zynisch, gelle? Zynisch sind aber vor allem Leute, welche glauben, die Konflikte dieser Welt "zu Hause" lösen zu können.

Celsior 30.07.2010 | 20:05

Das sind ja die grossen Denkfehler in unserem System.
Wer hier aufgewachsen ist oder hier weit über 10 Jahre lebt,
ist für mich als Deutscher anzusehen da er/sie durch unsere Gemeinschaft geprägt ist.
Was den Kindern angetan wird ist eine Schande.
Das ganze Ausländer/Asyl Recht gehört in die Papiertonne.
Jeder der hier schon Jahre Lebt oder hier Geboren ist sollte einen Pass erhalten. Da weiss dann jeder wo er dran iss und weder der Staat noch der Bürger können sich Rausreden.
Das ist querdenken Querdenker.

Querdenker 30.07.2010 | 21:54

Wenn es um Abschiebung geht, dann doch um die Abschiebung von Problemen und Sozialfällen nach Deutschland. Sowas kann man heute nicht mehr akzeptieren, nicht in Europa. Und wenn es ein Rückführungsabkommen gibt, dann ist das bindend. Wieso fallen rückgekehrte Roma eigentlich durchs Raster internationaler Hilfsorganisationen? Letzlich gehts um Geld und Aufbauarbeit, und da sehe ich Handlungsbedarf vor Ort im Kosovo.

Celsior 31.07.2010 | 02:21

Nee bei näherer Betrachtung bringt es nur Vorteile.
1. Vor einem halben Jahr gab es mehrere Berichte über zurückgekehrte Roma ins Kosovo. Die Jugendlichen waren bei uns voll Integriert. Die zustände dort waren eine einzige Katastrophe, mit vielen Kranken.

2. Jemanden nach 18 Jahren Rauszuwerfen !!!!
Da muss mann sich Schämen
Das heisst 18 Jahre Angst vor Abschiebung, keine Lebensplanung,
18 Jahre auf einen Ort beschränkt.

3. Scheint hier einigen die Moral verlorengegangen zu sein.
Das grenzt schon an Rassismus.

Hier gehts um Menschen und nicht um Rinder dennen es egal ist auf welcher Wiese sie stehen.

Querdenker 31.07.2010 | 16:45

Celsior, das ist Ihre ganz bequeme, altruistische Betrachtung der Dinge. Sie können diese Sicht vertreten, weil es ein offensichtlich zementiertes Wohlstandsgefälle zwischen Deutschland und dem Kosovo gibt. Wären die Verhältnisse andersrum, würde die Überschrift der Autorin "Im Kosovo zuhause" lauten. Würde sich der Kosovo wie Deutschland* damals nach dem Krieg zum Wirtschaftswunderland entwickeln - die Jugendlichen würden auf Integration und Lebensplanung scheißen und ihren Rucksack packen. Vielleicht sehen wir das Wirtschaftswunder nur noch nicht? Diese ganze Argumentation von wegen "Heimat" und "Zugehörigkeitsgefühl" ist doch pure Heuchelei.

Mittlerweile schäme ich mich für Leute, welche Deutschland als gelobtes Land verklären, und sich mit einer Art Arche-Noah-Ideologie zum Wohltäter gebeutelter Minderheiten und ganzer Landstriche aufbauschen. Das riecht nach Selektion und Kulturchauvinismus.

*) wurde von Dagebliebenen, Rückkehrern und Migranten wieder aufgebaut.

Red Bavarian 31.07.2010 | 17:37

sachichma schrieb am 29.07.2010 um 19:23: »Mensch Sandra, schön das Du diesen Thema aufgegriffen hast!«

Da schließe ich mich an.

Überhaupt geht es darum, ein gesamthaftes positives Bewusstsein gegenüber den Minderheiten in der Mehrheitsbevölkerung zu schaffen. Wobei zu bedenken ist, dass in unserer pluralen Gesellschaft so gut wie jeder Mensch mindestens einer Minderheit angehören dürfte. Zudem auch in eine Minderheit stigmatisiert abrutschen kann, beispielsweise vom sicher Beschäftigten zum Hartz4'ler.

oca 31.07.2010 | 18:48

@Querdenker: schreiben Sie eigentlich auch in der "Jungen Freiheit" oder der "Deutschen Stimme"? Dort würden Ihre Meinungen sicherlich gut hinpassen.

Die Art, wie Sie hier über Migrations- oder Bleibewünsche in Deutschland lebender bzw. hier geborener Menschen bestimmen möchten, ist mit menschenverachtendem, nationalistischem Zynismus noch milde beschrieben.

Zum Thema: "Deutschland wurde ... wieder aufgebaut" empfehle ich Ihnen eine ernsthafte Beschäftigung mit der deutschen Geschichte (z.B. Milward: "War, Economy and Society 1939-1945"). Deutschland konnte nach dem 2. WK auf gut zehn Jahre massiver Zwangstechnologisierung, -Entwicklung, -Enteignung und -Disziplinierung zurückblicken und wurde hauptsächlich von den alten Nazis "wieder aufgebaut" (das Wort sagt schon einiges). Aus dem BRD-Gründungsmythos des "Aufstiegs aus Trümmern" nun das Recht abzuleiten, in Punkto Menschenrechte weiterzumachen wie 1933 (bevor die Sache ein wenig aus dem Ruder lief), ist zwar widerlich, scheint aber leider auch zum Grundkonsens der Republik zu gehören. Einen wirklich großen Genozit kann man sich zwar nicht mehr leisten, aber die Erinnerung an den Holocaust hat schließlich auch den Vorteil, dass sich ein paar ermordete und tausende ins Elend abgeschobene Menschen dagegen so unbedeutend ausnehmen, dass man weiterhin ohne rot zu werden behaupten kann, man habe "aus der Geschichte gelernt".

Insofern vertreten Sie mit Ihren autoritären Abschiebe- und Abschottungswünschen lediglich den politischen Mainstream.

Querdenker 31.07.2010 | 19:57

Was steht denn so in der "Jungen Freiheit" und der "Deutschen Stimme"?

Die Art und Weise, wie Sie bei jedem Kommentar, der nicht in ihr kleines Weltbild passt, mit der abgestumpften Nationalismus/Rassismus-Keule kommen, ist wirklich ermüdend.

Ich kann übrigens nicht mal über meine eigenen Migrations- oder Bleibewünsche bestimmen, also hören Sie auf mit ihren wüsten Unterstellungen.

oca 01.08.2010 | 01:43

Ich nehme stark an, dass Sie über einen deutschen Pass verfügen und somit in ganz wesentlichem Umfang über Ihre Migrations- und Bleibewünsche selbst bestimmen können. Was für ein Glück für Sie, wäre es nämlich ein serbischer, oder einer aus ca. 150 anderen Ländern der Erde, sähe es ganz anders aus. So aber können Sie ganz entspannt Ihren Abschiebephantasien nachgehen, schließlich besteht keine große Gefahr, dass Sie selbst einmal in eine ähnliche Lage geraten könnten, wie die Menschen, um die es in obigem Artikel geht.

Noch eine Frage aus Neugier: wie kann eingentlich eine Keule abstumpfen?

Querdenker 01.08.2010 | 14:59

Mein Pass spielt überhaupt keine Rolle.

Sie wollen mir jetzt nicht erzählen, daß Menschen aus 150 Ländern der Erde unglücklich über ihre Staatszugehörigkeit sind? Das ist schon wieder diese Arroganz und Naivität, mit der Sie auf die Welt blicken. Die Verklärung eines deutschen Passes zur Eintrittskarte ins Paradies. Wollen Sie jetzt der ganzen Welt einen deutschen Pass ausstellen? Sieht so etwa Ihre Vision von einer besseren und gerechteren Welt aus?

So ein Pass bietet letztlich auch nur eine theoretische Bewegungsfreiheit und Wohlstandsgarantie, in der Praxis sieht es da ganz anders aus.

Was glauben Sie denn, wie viele 15jährige in Deutschland mit ihren Eltern auf Grund wirtschaftlicher Zwänge umziehen müssen, innerhalb Deutschlands, Europas, nach Übersee z.B. weil der Vater eine neue Arbeitsstelle gefunden hat, und sich fragen: "Ich weiß nicht, warum man mich hierher gebracht hat.“ - das ist das reale Leben.

Übrigens: Wenn minderjährige Roma-Mädchen oder Mädchen aus muslimisch geprägten Ländern zwangsverheiratet und von ihren Familien über Grenzen abgeschoben werden, hält sich Ihre Kritik vermutlich in Grenzen. Das ist dann wieder die kulturelle Freiheit und Tradition, die man "hierzulande" respektieren muss.

Zum Thema Keule:
de.wikipedia.org/wiki/Keule

Wieso wundert es mich jetzt nicht, daß Ihre Keule schon lange stumpf ist?

WhiteHaven 01.08.2010 | 18:22

Die Kosovaren wollten auf Teufel komm raus ihren eigenen Staat, nun sollen sie auch mit all den Problemen, die Staaten so haben, z.bs. schwierig kompatible, ethnische Minderheiten, auch zurecht kommen.
Ich persönlich bin es manchmal irgendwie überdrüssig, das nach dem Motto, ihr Armen und Verfolgten der Welt, kommet zu uns, am deutschen Sozialwesen soll die Welt genesen, argumentiert wird.
Da Deutschland aber maßgeblich bei der Zerschlagung Jugoslawiens beteiligt war, ist es selbstverständlich eine Pflicht Deutschlands dafür zu sorgen das den zurückgeführten Sinti und Roma im Kosovo ein menschenwürdiger Neustart ermöglicht wird.

oca 01.08.2010 | 22:12

@Querdenker:

"Sie wollen mir jetzt nicht erzählen, daß Menschen aus 150 Ländern der Erde unglücklich über ihre Staatszugehörigkeit sind?" -- Nein, habe ich das irgendwo behauptet?

"Wollen Sie jetzt der ganzen Welt einen deutschen Pass ausstellen?" -- Damit hätte ich kein Problem. Wer einen will...

"Was glauben Sie denn, wie viele 15jährige in Deutschland mit ihren Eltern auf Grund wirtschaftlicher Zwänge umziehen müssen..." -- Ach, und wie viele von diesen deutschen Jugendlichen werden dann mit 18 wieder in ein Flugzeug gesteckt und zurück nach Deutschland abgeschoben (oder von Wuppertal nach Braunschweig, wenn Sie schon über interne Migration reden wollen)??? Ihre Darstellung des deutschen Elends ist wirklich rührend. Warum sollte man Flüchtlinge aus anderen Ländern auch wie Menschen behandeln, wenn es den Deutschen selbst schon so dreckig geht, wie Sie es gerne darstellen? Ihr Mitgefühl kennt ja keine Grenzen - jedenfalls dann nicht, wenn die Bemitleideten einen deutschen Pass besitzen.

""Ich weiß nicht, warum man mich hierher gebracht hat.“ - das ist das reale Leben." -- Klar, im "realen Leben" besteht sicherlich kein Unterschied darin, ob ein Jugendlicher mit den Eltern umzieht oder von Polizisten in ein Flugzeug gesteckt und abgeschoben wird. Ihre Argumentationsakrobatik ist wirklich lustig.

"Wenn minderjährige Roma-Mädchen oder Mädchen aus muslimisch geprägten Ländern zwangsverheiratet und von ihren Familien über Grenzen abgeschoben werden, hält sich Ihre Kritik vermutlich in Grenzen." -- Ja, vermuten Sie mal. Selbst wenn Ihre billigen Vorurteile in Einzelfällen zutreffen sollten, soll das jetzt heißen, "wenn einige Roma-Familien gegen Menschenrechte verstoßen, kann man auf die Menschenrechte sämtlicher Roma pfeifen"? Ich sag's ja, fragen Sie mal bei der 'Deutschen Stimme' nach, ob die Ihren rassistischen Murks veröffentlichen möchten.

oca 01.08.2010 | 23:52

@DerFreitag: Man könnte sich angesichts der Beobachtung, dass jeder kritische Artikel zur deutschen Abschiebepolitik sofort mit rassistischen Kommentaren und Nazi-Müll übergossen wird, ja durchaus fragen, ob es Sinn macht, Community-Mitglieder auszuschließen, die Euch wegen Ihrer Kritik am Antisemitismus von links (fidelche) oder sonstiger Kleinigkeiten (Rainer Kühn) nicht in den Kram passen. Ich bin grundsätzlich gegen die Sperrung von Kommentatoren, aber wenn schon, dann doch bitte nicht aufgrund persönlicher ideologischer Befindlichkeiten der Freitags-Redaktion, während gleichzeitig jeder rassistische Mist hier abgeladen werden kann (siehe einige Kommentare oben), solange er einigermaßen heuchlerisch-höflich verpackt ist.

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rahab 02.08.2010 | 16:22

wenn ich mich richtig erinnere, kamen die menschen aus süd-ost-europa nicht als "Probleme und Sozialfälle", sondern als flüchtlinge vor bürgerkrieg und anderen säuberungsaktionen. eigentlich hätte es dafür auch einen vom gesetz vorgesehenen aufenthaltsrechtlichen status gegeben, aber ... da sich die bundesländer nicht über kostenfragen einigen konnten (?wollten? durften?), wurden diese flüchtlinge entweder ins asylverfahren gedrängt oder aber gleich mit einer duldung ausgestattet.

ich habe damals mitarbeiter der ABH Berlin heulen sehen: die hätten gern das geltende gesetz angewandt und eine aufenthaltserlaubnis/befugnis für bürgerkriegsflüchtlinge erteilt, sie durften dies aber nicht, weil ... die bundesländer sich ja nicht über die kostenfragen hatten einigen können. was schon für sich genommen blödsinn war, denn wären solche aufenthaltstitel erteilt worden, dann hätten die bundesländer sich - falls nötig - eben einigen müssen. oder sie hätten festgestellt, dass diese notwendigkeit garnicht bestand, denn der nicht erteilte aufenthaltstitel hätte unter anderem den flüchtlingen erlaubt, ihren lebensunterhalt durch eigene erwerbstätigkeit zu bestreiten....

gut. das alles war nicht. sondern es war die schaffung von problemen und sozialfällen, die in großem stil stattfand. was die meisten nicht besonders aufregend fanden, einerseits, weil auf die art flüchtlinge ihnen keine arbeitsplätze wegnahmen. und was jeder dann doch wieder besonders aufregend finden konnte, weil damit ja wieder mal bewiesen war, dass flüchtlinge ja nur deshalb nach deutschland kamen/kommen, weil sie hier durch sozialhilfe großzügig alimentiert wurden/werden und - mit ausnahme Bayerns, welches eine etwas andere politik der produktivierung verfolgte - nicht arbeiten mußten/müssen.

womöglich gibt es auch einen zusammenhang zwischen der erzwungenen arbeitslosigkeit von flüchtlingen und der rückkehrbereitschaft ... es wäre interessant, dem mal nachzugehen.

fakt ist: die eltern der kinder, welche nun in den Kosovo abgeschoben werden sollen, durften im bundesdeutschen durchschnitt bestenfalls für ne mark/später nen juro die stunde in ihren wohnheimen die treppenhäuser putzen.

nun, nach etlichen freiwilligen wie erzwungenen rückkehrwellen sind die roma aus süd-ost-europa übriggeblieben. keiner der sich neu benannt und formiert habenden nationalstaaten wollte sie. und den letzten beißen die hunde.
der letzte ist in diesem fall der sich selbständig gemacht habende staat Kosovo. der sich womöglich vom abschluß eines rücknahmeabkommens mit der BRD eine verbesserung seines renommé innerhalb der staatengemeinschaft versprach - der honig der anerkennung staatlicher souveränität wird im zweifel auch aus aas gezogen (Samson läßt grüßen).

wer sich nun allerdings die mühe macht, mal nachzufragen, wie es roma in süd-ost-europa ergeht, wird nicht umhinkommen festzustellen: nicht gut. milde gesprochen.

vor diesem hier nur knapp angerissenen hintergrund halte ich es für legitim und geboten, sich gegen diese "Rückführung" zu engagieren.

oca 02.08.2010 | 17:27

Eine "kontroverse Debatte" über die europäische Asylpolitik ist ungefähr genau so notwendig wie eine "kontroverse Debatte" über Folter oder öffentliche Auspeitschungen. Sollen wir jetzt "kontrovers" darüber debattieren, ob elementare Menschenrechte einfach ignoriert werden können?

Und bitte: keine Zensur oder "Moderation". Dass die in der Praxis zu ziemlich absurden Ergebnissen führt, konnte im Freitag bereits zu Genüge beobachtet werden.

Querdenker 02.08.2010 | 18:43

Man kann sich z.B. hier informieren:

dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/006/1700692.pdf

Abgesehen von den Informationen zur Lage im Kosovo, hätte Frau Sandra Fejjeri durchaus die folgenden Punkte in ihrem Artikel positv hervorheben können, ja müssen:

5.) [...] Die deutsche entwicklungspolitische Zusam- menarbeit konzentriert sich dabei auf den Ausbau der öffentlichen Verwaltung sowie auf die Bereiche Bildung, Infrastrukturentwicklung und nachhaltige Wirtschaftsförderung. Aus Mitteln des Stabilitätspakts für Südosteuropa werden zudem Projekte zur Förderung von Demokratie, Menschen- und Minderheitenrechten, friedlicher Konfliktbewältigung und Rechtsstaatlichkeit finanziert.

6.) [...] Zur Unterstützung der Wiedereingliederung von zurückgeführten Kindern in das kosovarische Schulsystem gibt es vor allem in deutschen Großstädten bereits die Möglichkeit, albanisch zu lernen. In Kosovo bieten fünf Grundschulen Unterricht in der Sprache Romani an, mehrere Nichtregierungsorganisationen veranstalten Sprachkurse.

7.) [...] Zudem bietet das Diakonische Werk in Zusammenarbeit mit der Diakonie Trier Ausbildungsmöglichkeiten für Rückkehrer aus Deutschland in diversen Handwerksberufen an.

10.) [...] Die Bundesregierung räumt einer freiwilligen Rückkehr von Ausreisepflichtigen Vorrang ein. Gemeinsam mit den Ländern fördert sie daher u. a. die freiwillige Rückkehr von Kosovaren mittels der Rückkehrförderprogramme „Reintegration and Emigration Programme for Asylum-Seekers in Germany“ und „Government Assisted Repatriation Programme“ (REAG/GARP). Zusätzlich wird für alle Rückkehrer aus Deutschland im Rahmen des Kosovo-Rückkehrprojektes „URA 2“, das vom Bund und den Ländern Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen initiiert wurde, ein vielfältiges Angebot an Betreuung und Unterstützung bereitgehalten.

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rahab 02.08.2010 | 19:09

Einfach lesen
www.amnesty.de/asylpolitik/2010/5/situation-der-roma-im-kosovo
www.fluechtlingsrat-nrw.de/3518/
www.aktion302.de/Die-Situation-im-Kosovo.242.0.html
www.nds-fluerat.org/3276/aktuelles/chachipe-bezeichnet-abschiebungen-von-roma-nach-kosovo-als-grossangelegten-menschenversuch/
www.fluechtlingshilfe.ch/news/fluchtpunkt/fluchtpunkt-47
www.gfbv.de/pressemit.php?id=2306

ich hör jetzt auf. Sonst kriegt meine magenschleimhaut nur wieder die krätze!

Aber zwei fragen habe ich noch:
Spinnen die leute, welche in den obigen links verantwortlich zeichnen, allesamt?
Was haben die von @querdenker geposteten zitate mit verantwortung im lichte menschenrechtlicher konventionen zu tun?

Emma in Uniform 02.08.2010 | 19:46

Ach so, Heimat und Zugehörigkeit, das war "etwas böses", ja natürlich, klar, Mensch, stimmt ja, Sie sagen es. Also wirklich, diese unrealistischen Irren hier, die das Bleiberecht für hiergeborene Zigeunerkinder fordern, ein Skandal, dass die sich trauen Ihnen zu widersprechen. Fremdes Brot gleich dem Drang zur Nationalhymne, logisch.
Sie sind ein richtiger Deutscher, im deutschen Mutterleib gereift und hier geboren? Und dürfen somit unbedrängt von uns armen Deppen bewerten, wem welches Brot wie lange schmeckt? Bis er nach Hause muss?

Sie sind sehr sympathisch.

Ich stelle bildhaft mir vor, wie Sie zwar am Rande eines Nervenzusammenbruches, aber jede eigene Sicherheit ignorierend, 1936 die Flucht von vier Dutzend Roma- und Sintikinder ins sichere Ausland ermöglicht bzw. organisiert hätten.

Sie Guter, Sie!

gesellschaftlich gereifte Grüße - emma

Querdenker 02.08.2010 | 20:08

Zu Ihrer letzten Frage: Sie müssen halt auch die anderen Antworten im verlinkten PDF lesen, z.B. wo auf den Bericht des UNHCR eingegangen wird. Die Zitate oben erschienen mir wichtig, weil dieser Aspekt des Aufbaus und der Unterstützung im Artikel völlig unterschlagen wurde.

Zu ersten Frage: Wenn eine "Gesellschaft für bedrohte Völker" in einer Stellungsnahme positiv herausstreicht, daß Kinder bedrohter Völker jetzt "Deutsch als Muttersprache sprechen und ethnisch wie kulturell längst Deutsche sind" muss ich sagen: Ja, die spinnen.

Emma in Uniform 02.08.2010 | 20:09

Sagen Sie Herr Querdenker, haben Sie Angst vor "Überfremdung"? Angst "ausgenützt" zu werden? Und könnten Sie vieleicht nochmal genauer hinlesen, wenn Ihnen die Leute hier schreiben? Oder sind Sie einfach nur ein bißchen gereizt beim Thema Minderheiten? Denn rethorisch nimmt es sich so aus.

Denn Niemand behauptet, dass in Deutschland Milch und Honig fließen. Zeigen Sie mir die Stellen, wenn es doch so ist.

Es geht um KINDER, die hier geboren sind und stets angenommen haben, sie könnten, wenn sie wollten, so lange bleiben, wie es ihnnen beliebt. DARUM GEHT ES! HALLO HALLO! NOCHMAL LESEN!!!

Und dann sollten Sie sich nicht OSTENTATIV SCHÄMEN, wie die sich sonst nur DVU und die NPD schämen, für das doofe Miß0verständnis und den "Kulturchauvinismus", hahahaha, Sie sind ja eine richtige SPASSKANONE!

Denn was Sie verleugnen (aber doch hoffentlich wissen) ist der Umstand, das die Mehrheit der politischen Flüchtlinge des Dritten Reiches nämlich nach Kriegsende NICHT nach Deutschland heimgekehrt sind, weil: es nämlich Heimkehrer sehr sehr schwer haben, verurteilt, nicht integriert, mißtrauisch beäugt, ausgeschlossen und als Verräter betrachtet werden.

Haben Sie davon schon mal was gehört?

Und nennen Sie sich doch vieleicht besser Querschläger, wenn Sie wissen, was ich meine....

aus dem gelobten Land - Emma Rothschild

Emma in Uniform 02.08.2010 | 20:27

Oca ist ein Psychopath?
Wie bitte?

Erst bewerten Sie die Zumutbarkeit von Abschiebungen Adoleszenter in das ehemalige und noch keinesfalls befriedete Jugoslawien. Und nun stellen Sie medizinische Diagnosen für Mitblogger auf? Frei wie Sie sind? Mensch, klasse, Sie sind echt gut, Sie sollten SCHREIBEN!

(Sie sind nicht zufällig Psychiater, oder? Und wenn doch, dürften sich Ihre Kollegen ja kringeln vor Lachen, wenn die Ihre Beiträge hier lesen, immerhin haben Sie ja einen köstlichen, ja angstfreien Humor.)

in dubio pro - emma

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rahab 03.08.2010 | 02:57

ich weiß nicht, querdenker, was Sie mit "positiv herausstreichen" meinen.
diese kinder sprechen deutsch, sind in deutscher sprache alphabetisiert, haben in deutscher sprache rechnen und schreiben und lesen gelernt, haben ihr ganzes bisheriges leben in deutschland verbracht, hiesige kindergärten und schulen besucht, im hiesigen discounter eingekauft, auf hiesigen spielplätzen gespielt, in hiesigen schwimmbädern das schwimmen gelernt, hiesige klamotten getragen, mit hiesigen kindern peer-groups gebildet, bei hiesigen ärzten und sozialarbeiter_innen und sonstigen behörden für ihre eltern das übersetzen gelernt und ausgeübt ...
und jetzt sollen sie richtig (?) roma-nisiert werden/sich selbst roma-nisieren, um eine der fünf schulen besuchen zu können und am ende vielleicht einen handwerklichen beruf zu erlernen?
nix gegen handwerkliche berufe und nix gegen diese fünf schulen. aber warum können diese kinder, die ihren lebensweg hierzulande begonnen haben, diesen nicht hier einfach fortsetzen, weiter hier in die schulen gehen, einen beruf erlernen, sei es ein handwerklicher oder auch ein anderer (was weiß ich - die spanne reicht von bankkauffmann über polizist bis außenminister und richter am bundesverfassungsgericht.)?

weil es gesponnen ist zu sagen, sie seien ethnisch wie kulturell deutsche? was auch immer sie sein mögen, diese kinder, sie sind auf jeden fall weder ethnisch noch kulturell kosovaren!

Novalis 03.08.2010 | 03:30

Oh,OH,OH,OH ........ , welche Sau wird da wieder durch's Dorf gejagt, um von anderen Themen abzulenken. Menschen, geschweige denn ihr Leben, ist dabei völlig unwichtig. Es ist wie im Mittelalter, wie eh und jeh, wenn es den Mächtigen sinnvoll erscheint, müssen Sündenböcke geschaffen werden. Es ist die Frage, wovon soll abgelenkt werden? Darüber müssen wir nachdenken. Vielleicht ist das ganz einfach. Einige wenige wollen noch reicher werden und das wollen sie ganz ungestört tun. Und damit sich möglichst niemand mit dieser Fragestellung beschäftigt, muss man Sündenböcke schaffen. Roma und Sinti sind "bestens" geeignet.

Emma in Uniform 03.08.2010 | 15:22

Hallo Flugplatz-Girl oder -Boy,

woran leiden Sie denn? Hätten Sie die Freundlichkeit
zu erklären, warum Sie uns mit dem Herrn Querdenker in eine Liga stecken´, Sie ?

Und "sachichma" ist ja schließlich ein sonderschöner Name, leicht und flockig, so richtig prall und prollig jovial, solarium-braungebrannter-i-Pod-Pad-Phone-Sprech, wahrscheinlich tragen Sie auch ein buntes Hemd, nennnen Ihren Partner "Schatzi", sagen ständig zu allem "geil" oder "lecker" und waren schon überall im Urlaub, nicht wahr?

Und, da Sie ja hier nichts gelesen haben, verrate ich es Ihnen: Ihre vorgeblichen Ansichten zum Kosovo werden von den Kommentatoren hier geteilt, außer eben: dem Querdenker. Aber statt sich die Zeit zu nehmen und die Mühe zu machen, die Beiträge hier zu studieren, klinken Sie sich recht schleimig und auffällig unbemüht hier ein ( "Ich könnte hier noch endlos links einfügen, habe aber die Hoffnung aufgegeben", bla bla, könnte, hätte , Herrentoilette..) und finden ganz launig die Namen hier "lustig", hohohaha, boys and girls, ne, alder,ey.

Naja, lassen wir das, bin ja unterwegs in den Urlaub und häng hier auf dem Flugplatz rum - Emma

Emma in Uniform 03.08.2010 | 15:36

Höhö, jaaaa, ist aber ok, ja richtig, ok...macht jeder gerne, jaaa, klar, Sie sind ja soooo souverän in ihrer schmandigen Argumentation, ..ihre Heimat wieder aufbauen...klaro,..das ist aber nicht die HEIMAT dieser besagten Kinder. Was verstehen SIE denn Sie wohl unter dem Begriff Heimat?

Der Rest hier versteht unter dem Begriff Heimat, das Land, in dem man aufgewachsen ist, in dem man seine Kindheit verbracht hat.

Aber Sie verwechseln vermutlich Heimat mit Vaterland. Ist aber ok, macht jede Schlaumütze, die vor Überfremdung Angst hat, gerne:-)

Skepsis 03.08.2010 | 21:02

Ich finde man sollte auch einmal darauf hinweisen, dass sich im Alltag das Zusammenleben mit Siniti Roma nicht ganz unproblematisch gestaltet. Ich lebe seit meinen Kindesbeinen in einem sog. "sozialen Brennpunkt" (Hamburg-Billstedt), in den nach dem Krieg (und erneut nach dem Fall der Mauer) diverse Siniti und auch Roma Sippen angesiedelt worden sind. Ich weiß also wovon ich spreche - solche Szenen sind keine Seltenheit:



PS: Es geht mir nicht um Schuldzuweisungen etc. Man sollte nur nicht übersehen, dass so manches poltische Problem gewisse praktische Aspekte beinhaltet, die in der Lebenswirklichkeit der Menschen eine große Rolle spielen, die aber im öffentlichen Diskurs nicht angemessen berücksichtigt werden.
oca 03.08.2010 | 22:33

Na klasse. "Zigeuner Großfamilie rastet aus" ist ja schonmal eine vielversprechende Überschrift, und der durchschnittliche RTL-Explosiv-Zuschauer wird in seinen Erwartungen nicht enttäuscht. Wer sich diesen reißerischen Müll nicht antun möchte, dem sei hier das Video kurz zusammengefasst: ** Verlobungsfeier -- Gäste beklauen sich -- Schlägerei entsteht -- Polizei und Rettungswagen -- Sanitäter kommen auf die gloreiche Idee, zwei sich prügelnde Menschen im selben Wagen zu behandeln -- Polizei trennt die sich weiterprügelnden durch Mitprügeln im Rettunswagen (die Szene wird dreimal wiederholt). ** Und was sagt uns das jetzt, außer über das Lagebewertungsdefizit der hamburger Sanis?

oca 03.08.2010 | 23:23

@Skepsis: Wenn Sie möchten, dass die hektischen Leser Ihre feinsinnigen und intelligenten Texte zur Kenntnis nehmen, sollten Sie diese vielleicht nicht mit vulgären und hetzerischen "Primärreizen" dekorieren.

Und was bitte gibt es zu Ihrem Text zu sagen? Es ging um Abschiebung und Sie möchten über "soziale Brennpunkte" reden. Das sind zwei verschiedene Themen, es sei denn, man ist der Meinung, es sei legitim, soziale Probleme durch Abschiebung zu entsorgen.

Skepsis 04.08.2010 | 00:49

Es ging mir nicht um RTL-Explosiv oder um irgendwelche Konflikte am irgendeinem beliebigen Ort. Ich habe das Video gepostet, weil sich diese Szenen (nahezu) vor meiner Haustür abgespiet haben!

Und seit wann spielen sozialen Kontexte keine Rolle mehr? Sehr interessante Grundhaltung! Dann brauchen wir hier gar nicht mehr weiter diskutieren, denn somit würde es sich bei dem aufgeworfenen Problem um eine rein (formal-)juristische Frage handeln, die Anwälte zu klären haben. Na, toll!

Skepsis 04.08.2010 | 13:36

Der soziale Kontext spielt in dem Fall (wie in anderen auch) eine Schlüsselrolle:

"Nach Ansicht Hans-Herman Gutzmers vom niedersächsischen Innenministerium handele es sich bei ihnen um eine Gruppe, bei der besondere `Integrationsschwierigkeiten` vorlägen."

Diese Feststellung wurde von der Autorin recht lapidar vom Tisch gewischt. Jedoch nach meinen Erfahrungen stimmt diese Einschätzung durchaus - die Integration läuft (aus sehr unterschiedlichen Gründen) nicht reibungslos.

Nun könnte man ja - und dafür würde ich plädieren - die Schlussfolgerung ziehen, dass man auf eine Abscheibung verzichtet und sich stattdessen um diese Gruppen intensiver bemüht - das bedeutet im Klartext man muss Geld ausgeben (für Beratung, Hilfestellung etc.). Ich finde angesichts der Historie sollte man in dieser Frage keine falsche Sparsamkeit an den Tag legen.

Aber generell zu leugnen, dass es im Alltag Probleme gibt, halte ich für geradezu verantwortungslos.

oca 04.08.2010 | 16:19

@Skepsis:

1) "Aber generell zu leugnen, dass es im Alltag Probleme gibt, halte ich für geradezu verantwortungslos."

Wer leugnet hier was?

2) "Nun könnte man ja - und dafür würde ich plädieren - die Schlussfolgerung ziehen, dass man auf eine Abscheibung verzichtet und sich stattdessen um diese Gruppen intensiver bemüht - das bedeutet im Klartext man muss Geld ausgeben..."

Zustimmung.

3) "...handele es sich bei ihnen um eine Gruppe, bei der besondere `Integrationsschwierigkeiten` vorlägen."

Bei diesem Zynismus kommt mir die Galle hoch. Als ob es erwünscht sei, dass sich Menschen mit Aufenthaltsstatus "Duldung" irgendwie integrierten. Zugang zu Arbeit und Bildung sind erheblich erschwert bis unmöglich, die Bewegungsfreiheit ist zum Teil erheblich eingeschränkt, die Sozialleistungen sind miserabel, liegen noch deutlich unter Hartz IV und werden zum Teil sogar in Form von Gutscheinen ausgegeben, um selbst der Kassiererin im Supermarkt noch klar zu machen, dass Ausländer nicht mit Geld umgehen können. Hinzu kommt die allgemeine rassistische Ablehnung in Deutschland. Wer soll sich denn unter solchen Bedingungen "integrieren" (mal ganz abgesehen davon, was ein Innenminister so unter "Integration" versteht)? Wer es nicht schafft, unter solchen Bedingungen zu einem produktiven Teil der deutschen Volksgemeinschaft zu werden, wird dann nach fünfzehn Jahren abgeschoben - Kinder und Jugendliche natürlich auch.

Red Bavarian 05.08.2010 | 14:31

Skepsis schrieb am 03.08.2010 um 22:49: »Und seit wann spielen sozialen Kontexte keine Rolle mehr?«

Soziale Kontexte spielen eine Rolle. Allerdings sind da alle Seiten zu betrachten, nicht nur eine. Es geht derzeit konkret um den sozialen Kontext, den die abzuschiebenden Roma im Kosovo von der dortigen Mehrheitsbevölkerung zu erwarten haben. Weiters um den sozialen Kontext, der ihnen in Deutschland von der Mehrheitsbevölkerung entgegengebracht wird.

Da sehe ich allgemein im Mainstream (Politik, Wirtschaft, Medien, Bevölkerung) einen negativen Trend, der sich aus uralten Ängsten vorm Fremden, Andersseienden und Stigmatisierten speist. Aus verschiedenen Aspekten hergeleitet: herkunftsmäßig, ethnisch, sozial, politisch usw. In Deutschland wird immer wieder unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung, unsere plurale und aufgeklärte Gesellschaft, sowie die Menschenrechte und die Bürgerrechte betont. Aber real existierend schaut es vielfach anders aus.

Die gesellschaftliche Stigmatisierung kann jede und jeden treffen. Wir sehen es im 21. Jahrhundert deutlich, wo regelrecht eine neue Unterschicht im Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft, Medien und Bevölkerung geschaffen worden ist: die Hartz4'ler. Die gleichen Mechanismen der Ab- und Ausgrenzung funktionieren da wieder wie eh und je.

Linksquerdenkend gesagt: Wir alle können zu Roma mit sogenannten Integrationsschwierigkeiten werden.

bloggi 19.08.2010 | 18:58

Ich versuche es manchmal schön simpel zu halten und auf meine persönlichen Erfahrungen zu schauen. Da ist einmal die Sache mit dem Patientencafé in der Düsseldorfer Uniklinik, das in schöner Regelmäßigkeit hinter vorgehaltener Hand des Klinikpersonals etwa alle zwei bis drei Monate so auseinandergenommen wird, dass die Ford Transits der Polizei großzügig davor parken. Laut sagen wird das natürlich niemand.

Dann war da die Episode auf der Tankstelle, wo ich von einer Großlimousine fast überrollt wurde, weil es den Fahrer einen Kehricht interessierte, ob sich ein Fußgänger vor ihm rechtzeitig in Sicherheit bringen könnte. Es entstieg dem Wagen eine Gruppe, die sich über das Wagendach so anbrüllte, dass sie wie ein Lärmschutz-Kopfhörer gegen andere Umweltgeräusche wirkte. Meiner Beurteilung nach Roma.

Ich muss meine Political Correctness nicht starrsinnig aufrecht erhalten, bis man mir an meinem eigenen Grab bescheinigt, stets korrekt gewesen zu sein.

In dieser Frage bin ich dann wohl Sarkozist.