inferno : höllen

Gedichte höllen 1 ...

höllen 1

unser plan war die wüste
durchqueren wir zähmten
kamele wir brauten im
flimmern glühenden tee
den herren spannten wir
harems wie nichts aus
und wir berechneten
heimliche flüsse aber
wir vergaßen auf die
gleißende stille kurz
vor dem ziel als sich
erstmals und wirklich
nichts in uns traf

höllen 2

hölle sagt sie ich weiß doch
ich hör nichts nach mir verzehrt
sich kein engel kein teufel weint
mir eine silbe nach ich esse ich
schlafe ich suche auf zetteln nach
dem was ich übersehen hab sie
ging mitsamt dem palast wo wir
hausten und trat verrichteter
dinge ab alles was ich höre
sind türen wie sie mundstarr
aus den schlössern fallen

höllen 3

ich krieche abschüssige
treppen hinauf und aus
den himmeln hängen hufe
ich streiche die bäuche
rumpfloser schiffe und
aus den halden fahren
entsorgte auf ich versenge
mir finger an gletschern an
gelen und die hölle lügt
lieder aus feinfüßigem schnee

höllen 4

hölle brüllt sie lass
mich in frieden mit
meta und sub selbst
göttin statt gott zahl
mir die miete wärm
mir die füße oder
mach dass es irgend
wer tut ansonsten -
himmel du weißt
nichts - redest du
hierbei nicht mit

höllen 5

ist ihr hölle der doppelte
schatten des bruders das
abgesprochene schweigen
um sie in positur zu halten
auf die münder die rachen
eine muss bezwungen werden
die herren beuteln die zeuge
mit denen wir endlich spielen
sollen weil so ist das
normal scharf und schön

Die Gedichte sind Teil des Zyklus "Höllen 1 - 34".

Barbara Hundegger, geboren 1963, lebt in Innsbruck. Ihr erster Gedichtband Und in den Schwestern schlafen vergessene Dinge erschien im Wien-Verlag, Klagenfurt 1998

Ihr letzter Gedichtband Desto leichter die Mädchen und alles andre als das erschien in der Edition Das-fröhliche-Wohnzimmer, Wien 2002.


00:00 14.05.2004

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