Interna aus HKW-Literaturpreis-Jury: „Das Ende des Anstands“

Gastbeitrag Zwei ehemalige Jury-Mitglieder behaupten, der Internationale Kulturpreis sei nach politischen Kriterien vergeben worden. In der „Zeit“ machten sie die Jurydiskussionen publik. Für Kritikerin Insa Wilke ein ungeheuerlicher Vertrauensbruch
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Vorsicht: Als Jurymitglied diskutieren Sie hier nicht abseits der Öffentlichkeit
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Foto: Studio Bowie/HKW

Als ich anfing, in Literaturjurys zu arbeiten, wurden sie von den Kritikern der Generation dominiert, die 1968 auf der einen oder anderen Seite erlebt hatten. Damals verstand ich schnell, dass Juryarbeit besondere Kompetenzen erfordert. Staunend erlebte ich, wie zum Ende einer Sitzung einer der Herren seinen Kandidaten durchgesetzt hatte, obwohl von ihm während der Diskussion kaum die Rede gewesen war. Während ich meine Karten sofort auf den Tisch gelegt hatte, hielten diese erfahreneren Jury-Kollegen ihr Blatt verdeckt und spielten gezinkte Karten oder auch echte Asse erst am Schluss aus. Die hohe Kunst und ganz offenkundig auch ein großes Vergnügen für die siegreichen Kritiker.

Eine andere Erfahrung – und die wurde mein Maßstab für zukünftige