Internationale des Fanatismus

Manifest algerischer Terroropfer vom Juni 2001 Für ein "Nürnberg" gegen den "integristischen Faschismus" und die Anstifter islamistischer Netzwerke

Afghanistan, Pakistan, Sudan, Iran, die Philippinen, Ägypten, Marokko. Algerien, Nigeria und so weiter - die Liste der Länder, in denen grauenhafte Verbrechen im Zeichen eines "politischen Islam" an der Tagesordnung sind, wird stetig länger. Der Gebrauch des Islam zu politischen Zwecken hat zu einem so authentischen wie konsistenten Projekt faschistoiden Typs geführt, das mit ökonomischen Zielen wie mit politischer Autokratie verbunden ist.
In den als westlich bezeichneten Ländern gelten neue Enthüllungen als Bestätigung dafür, das ein - teilweise schon bekanntes - islamistisches Netzwerk existiert und die Tentakel dieser Hydra, die bis in die Organisation der mörderischen Attentate auf das World Trade Center 1993, die Anschläge von Nairobi und Daressalam 1998 oder vom Sommer 1995 in Frankreich reichen.
Ungeachtet ihrer Diversifizierung ist diesen Bewegungen ein Wille eigen: die Gesellschaft um Jahrhunderte zurückzuwerfen. Wir sind an zahlreichen Orten unseres Planeten Zeuge der religiösen Ummantelung eines Konzepts, das von seinem Wesen her fundamentaler Faschismus ist. Die Stränge zwischen den einzelnen Bewegungen sind mittlerweile bekannt - wir sehen uns nicht mehr mit "nationalen Diktaturen" konfrontiert, sondern mit einer "Internationale des Terrors".

Mission des ersten Aufgebots

Die ökonomische und politische Geographie erklärt die Konzilianz - wenn nicht gar Instrumentalisierung - die diese Gruppierungen durch die "Realpolitik" jener Mächten erfahren, von denen die Welt heute beherrscht wird. Die Unterstützung des Politischen Islam hat extensive Formen der Ausbildung seiner Anhänger wie des Transfers von Waffen sowie von logistischen und finanziellen Mitteln gefunden. Das hat sich besonders im "Fall Afghanistan" gezeigt.
Das widerwärtige, kriminelle Vorgehen dieser Integrismen hat gewisse westliche Staatskanzleien keineswegs schwanken lassen. Die als "Afghanen" bezeichneten Kämpfer - das heißt die von der CIA angeworbenen und ausgebildeten "freiwilligen" Algerier, Bosniaken, Ägypter und andere - erfüllen die Mission eines ersten Aufgebots bei den militärisch-terroristischen Operationen, die in zahlreichen Ländern stattfinden.
Dort, wo er die Macht erobert hat, etabliert der "Politische Islam" eine Ordnung des Terrors. Demokratische Rechte werden verhöhnt, staatliche Repressionen de facto legalisiert, Oppositionelle kriminalisiert. Der Bürger verliert jeden legalen Schutz, die Frauen werden erniedrigt als ob sie kein menschliches Wesen mehr wären - jede Freiheit des Denkens wird negiert. Im Iran, in Saudi-Arabien oder in Pakistan kennt die Staatsmacht keine Scheu, ihr wahre Natur zu zeigen.
In den Staaten, in denen der Politische Islam noch versucht, die Macht zu erobern, lässt er uns Zeuge einer scheußlichen Barbarei werden: Attentate, Massaker, kollektive Erhängungen, inszeniert mit dem Ziel, Nichtmuselmanen zu eliminieren.

Kulturell herrscht Nihilismus

Das algerische Drama unterstreicht in seiner ganzen Absurdität, das der Terror sich durch den Islamismus privilegiert glaubt - seine Gewalttätigkeit wurde um so größer, je mehr sich das algerische Volk diesem Wahn verweigerte.
In der Art aller faschistischen Diktaturen ist gerade das nebulös Integristische Ausdruck einer absoluten Verweigerung aller Formen der Demokratie. Einerseits fordert der Integrismus eine vollkommen deregulierte Ökonomie, andererseits etabliert er innerhalb staatlicher Strukturen ein Regime des Terrors und der nackten Gewalt. Kulturell herrscht Nihilismus - die von den Taleban verursachten Zerstörungen von Heiligtümern erinnern unerbittlich an Autodafés der Nazis. Wir erleben die Präsenz einer neuen Form des Faschismus.
Angesichts der Genese dieser Internationale des Fanatismus und seiner Instrumentalisierung durch die Großmächte steht die Frage einer demokratischen Gegenwehr auf der Tagesordnung - ansonsten bleiben wir gegenüber den integristisch-faschistischen Staaten ohnmächtig.
Gemeinsam fordern wir, im Jahre 2002 in einer "ersten Phase von Nürnberg" gegen all jene Anklage zu erheben, die weltweit Netzwerke organisieren, strukturieren, trainieren, finanzieren, ausrüsten und unterhalten, von denen eine Anstiftung zum Terrorismus ausgeht.

Angenommen am 25. Juni 2001

(Bearbeitung und Übersetzung Lutz Herden)

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