Iranischer Geist in Deutschland

Kreativszene Wir sind ja gerade alle kleine Iran-Experten. Aber was wissen wir über die Iraner, die bei uns leben? Ist ihr Beitrag zur Kulturszene bekannt? Ein kleines Who is Who.

1. Behrooz Abdolvand, Politikwissenschaftler

Abdolvand, geboren 1956 im Iran, lehrt seit 1998 am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Energie- und Machtpolitik der Staaten der Greater-Middle-East-Region.

Publikationen

2. Ali Samadi Ahadi, Filmemacher
Ahadi, geboren 1972 in Aserbaidschan, floh alleine im Alter von zwölf Jahren während des Iran-Irak-Krieges aus seiner Heimat. Ahadi studierte in Kassel visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Film und TV. 2006 wurde er als Autor und Regisseur des Dokumentarfilms Lost Children, der das Leben von Kindersoldaten in Ruanda schildert, mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

3. Kani Alavi, Maler, Grafiker und Initiator der East Side Gallery in Berlin

Alavi wurde 1957 im nordiranischen Lahijan geboren. 1980 kam er nach Berlin und studierte dort Kunst. Die Mauersegmente der East Side Gallery, die Alavi bemalte, stehen heute im Skulpturengarten der UN in New York.

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4. Navid Akhavan, Film- und Fernsehschauspieler
Akhavan ist gebürtiger Teheraner. Er lebt seit 1985 in Deutschland und bekam 2003 die Hauptrolle in Elmar Fischers Film Fremder Freund. Aktuell ist er im Kino in der Komödie Salami Aleikum zu sehen.
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5. Nassrin Bassiri Politologin, Journalistin und Frauenrechtlerin

Bassiri wurde im Iran politisch verfolgt, zu zehn Jahren Haft verurteilt und schließlich ausgewiesen. Sie moderierte in Berlin bis 2008 iranische Sendungen bei Radio Multikulti. Bassiri ist Frauenbeauftragte an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee.

6. Fahimeh Farsaie, Juristin, Kunsthistorikern, freie Journalistin und Kriegsgegnerin

Farsaie, geboren 1952 in Teheran, wurde sowohl während des Schah-Regimes als auch unter der Chomeini-Herrschaft verfolgt. Sie arbeitete als Korrespondentin und Redakteurin in London, 1983 kam sie nach Deutschland. Neben ihrer journalistischen Tätigkeit, u.a. für den Freitag, veröffentlichte Farsaie mehrere Romane und Erzählungen. Sie lebt heute in Köln.

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7. Parastou Forouhar, Künstlerin
Forouhar, geboren 1962 in Teheran, studierte Kunst und Design an der Universität Teheran und der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Ihre Eltern wurden im Herbst 1998 ermordet, sie hatten sich als führende oppositionelle Politiker für die Trennung von Religion und Staat eingesetzt.

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8. Sharam Entekhabi, Medienkünstler
Entekhabi, geboren 1963 in Beroujerd, studierte Grafikdesign an der Universität von Teheran und Architektur im italienischen Perugia. 1983 verschlägt es Entekhabi nach Berlin, wo er zunächst als freischaffender Architekt tätig ist, seit 2001 arbeitet er als Medienkünstler mit den Schwerpunkten Videokunst, Fotografie und Installation.
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9. Navid Kermani, Journalist und Schriftsteller

Kermani wurde 1967 in Siegen als Sohn iranischer Eltern geboren. Der habilitierte Orientalist ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Deutschen Islamkonferenz. Kermani arbeitete als Dramaturg am Mühlheimer Theater an der Ruhr und am Schauspielhaus Frankfurt, er war Autor der Frankfurter Allgemeine Zeitung und lebt heute als freier Schriftsteller in Köln. 2008 berief ihn das Haus der Kulturen der Welt in Berlin zum Permanent Fellow. In diesem Jahr wurde er für den Hessischen Kulturpreis vorgeschlagen.

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10. Bahman Nirumand, Schriftsteller und Journalist
Nirumand, geboren 1936 in Teheran, wurde mit 14 Jahren von seiner Familie nach Deutschland geschickt. Er studierte Germanistik, Philosophie und Iranistik, ging dann als Dozent an die Universität von Teheran. Während des Schah-Regimes verließ Nirumand 1965 erneut das Land. Sein Buch Persien, Modell eines Entwicklungslandes oder Die Diktatur der Freien Welt, erschienen 1967, beeinflusste maßgeblich den Internationalismus der Studentenbewegung.1979 kehrte Nirumand noch einmal für wenige Jahre in den Iran zurück, seither lebt er in Berlin. Nirumand verfasst unter anderem seit 2001 den monatlich erscheinenden iran-report der Heinrich-Böll-Stiftung und ist Autor der Taz.

11. SAID, Schriftsteller

SAID wurde 1947 in Teheran geboren, als Achtzehnjähriger ging er nach München. Die Rückkehr in den Iran stand dem politisch engagierten Schriftsteller erst nach dem Sturz des Schahs 1979 wieder offen, unter dem Eindruck der Khomeini-Herrschaft kehrte er bald ins deutsche Exil zurück. SAID war Präsident des westdeutschen P.E.N.-Zentrums, 2002 wurde ihm der Adelbert-von-Chamisso-Preis verliehen.

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12. Abdolkarim Soroush, (eigentlich Hossein Dabbagh), Philosoph
Soroush, geboren 1945 in Teheran, studierte Chemie und Philosophie in London. Er war von 1980-1982 Mitglied im Rat der Kulturrevolution, danach nahm er nie wieder ein politisches Amt an. 1990 gründete er das kritische Monatsmagazin Kiyan, welches 1998 verboten wurde. Er war 1990/91 Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin. Seit dem Jahr 2000 ist er Visiting Professor in Harvard. Soroush wertet den Koran nicht als reines Gotteswort, sondern als vom Propheten vermittelte Botschaft und zählt somit zu den Reformdenkern.

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13. Jasmin Tabatabai, Schauspielerin und Musikerin
Tabatabai wurde 1967 in Teheran als Tochter einer Deutschen und eines Iraners geboren. Während der Islamischen Revolution verließ sie mit ihrer Mutter und den Geschwistern den Iran. Tabatabai studierte Musik und Schauspiel in Stuttgart, der Druchbruch gelang ihr 1997 mit dem Film Bandits. 2005 wird sie für ihre Rolle als lesbische Iranerin im Film Fremde Haut für den Deutschen Filmpreis nominiert.
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14. Golbarg Tavakolian, Grafikerin
Tavakolian wurde 1979 in Teheran geboren. Die Grafikerin arbeitet mit dem Schwerpunkt Cross Cultural Design, unter anderem entwickelte sie eine Schablone für einen Perserteppich aus der Sprühdose. Tavakolian lebt heute in Köln.

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15. Tirdad Zolghadr, Kurator, Filmemacher und Kritiker

Zolghadr wurde 1973 in San Francisco geboren, aufgewachsen ist er in Teheran, Zürich und Afrika. Er lebt in Berlin. Sein Roman Softcore, der 2008 auch in deutscher Übersetzung erschien, beschreibt das moderne, junge Teheran: Im Zentrum des Romans steht die Eröffnung eines Nachtclubs mit Gallerie. Zolghadr schreibt für das  Frieze Magazine und kuratierte in diesem Jahr für die Biennale in Venedig den Pavillion der Pavillions der Vereinigten Arabischen Emirate.


 

Mitarbeit: Christine Käppeler
16:45 24.06.2009

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