Ist die Zeit der 68er nicht endlich vorbei, Frau Volk?

Aktuell Nachgefragt

Traditionell sah sich der Sozialistische Deutsche Studentenbund, kurz SDS, als außerparlamentarische Opposition. Stellen Sie das auf Ihrem Kongress "40 Jahre 1968" in Frage? Nein, wieso?

Sie nennen sich DieLinke.SDS und arbeiten eng mit einer Partei zusammen ... Es geht darum, die Verhältnisse zu überwinden - und da nützt uns die Linke. Schließlich versucht sie, die parlamentarische Arbeit, die Gewerkschaften und die außerparlamentarischen Kräfte zu bündeln.

Ihr Kongressmotto ist "Die letzte Schlacht gewinnen wir". Welche Schlacht ist gemeint? Wir kämpfen gegen Kapitalismus und wollen ihn überwinden, um eine Demokratisierung an den Hochschulen und einen fairen Lohn zu erreichen.

Sie berufen sich auf die 68er. Auf wen genau - auf Adorno oder Cohn-Bendit? Weniger auf Daniel Cohn-Bendit - der wechselte die Seite. Interessanter scheint uns der SDS. Der setzte damals eine wichtige Hochschulreform durch, half dabei, kritische Wissenschaft an den Hochschulen zu verankern und suchte nach Alternativen zum Kapitalismus.

Viele 68iger distanzieren sich von ihrer "wilden" Zeit. Was fasziniert Sie an jenem Jahr? Die Entschlossenheit der Studierenden, mit der sie die Verhältnisse überwinden wollten, und die Begeisterung, mit der Das Kapital von Marx gelesen wurde. Götz Aly täuscht sich, wenn er glaubt, dass jede systemkritische Bewegung im Terrorismus endet.

68 fand nicht nur in Berlin statt, sondern auch in New York, Prag, Paris ... ... so wie heute globalisierungskritische Bewegung. Und wir werden uns auf dem europäischen Sozialforum in Malmö mit europäischen Studierenden treffen.

Gibt es überhaupt noch linke Professoren und Institute in Deutschland? Wir erleben, dass Kritische Wissenschaft an der Hochschule immer mehr verdrängt wird. In Berlin gab es den Streit um Albert Scharenberg, der nicht an die Freie Universität berufen wurde, und in Marburg wurde die Stelle von Frank Deppe nicht mehr mit einer Person besetzt, die sich mit Kritischer Wissenschaft auseinandersetzt. So etwas geschieht weder in England noch in den USA.

Das Gespräch führte Ben Beutler

Katharina Volk ist Geschäftsführerin von DieLinke.SDS. Der Kongress findet vom 2. bis zum 4. Mai in der Berliner Humboldt Universität statt.

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00:00 02.05.2008

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