Toxische Zustände

Meinung Der stärkste Block bei der Wahl in Italien sind die Nichtwähler, nicht die Rechten. Das zeigt: Immer mehr Menschen meinen, es ist völlig egal wer gerade regiert
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 39/2022
Italien hat gewählt, doch die Wahlbeteiligung war erschreckend gering. Das hat Folgen: Das Land rutscht nach rechts
Italien hat gewählt, doch die Wahlbeteiligung war erschreckend gering. Das hat Folgen: Das Land rutscht nach rechts

Foto: Antonio Balasco/Imago

Vor lauter Faschismus-Geschrei wird das Hauptergebnis übersehen: 18 Millionen Italiener haben gewählt, nicht zu wählen. Der historische Rekord kommt nicht überraschend, er bestätigt einen langfristigen Trend, der sich zumindest in Südeuropa immer mehr verstärkt: Wird einmal berücksichtigt, dass auch Trägheit eine Kraft ist, werden die Nichtwähler zur größten politischen Kraft. Nach den jüngsten Urnengängen zu urteilen ist ihr Anteil in Italien einen Tick größer als in Spanien, dafür niedriger als in Griechenland. Auch in Frankreich haben bei der letzten Präsidentenwahl 17 Millionen nicht oder ungültig gewählt, obwohl auch dort die faschistische Gefahr an die Wand gemalt worden war.

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