Peter Rehberg
Ausgabe 0514 | 29.01.2014 | 14:30 21

Jens Lehmann und das Dusch-Problem

Hitzlsperger-Debatte Der Ex-Nationalkeeper möchte nicht so gern mit Schwulen duschen, hat er in einem Interview gesagt. Damit legt er die Logik des Fußballs bloß

Jens Lehmann und das Dusch-Problem

Hat sich ins Abseits manövriert: Jens Lehmann

Foto: Vladimir Rys/Bongarts/Getty Images

Jens Lehmanns Worte in der Sendung Sky90 zum Coming-out von Thomas Hitzlsperger waren, nun ja, nicht gerade bedachtsam gewählt. Sinngemäß hat er gesagt, dass er mit einem Schwulen nicht duschen will. Das war eher hilflos, als wirklich homophob. Am interessantesten aber ist, dass er mit seinen blöden Sprüchen auf ein paar blinde Flecken der Debatte aufmerksam gemacht hat.

Lehmann, früher Hitzlspergers Teamkollege in der Nationalelf und beim VFB Stuttgart, stimmte nämlich nicht in den Gesang jener ein, die dem Ex-Fußballprofi zu seinem Schritt gratulierten. Er zeigt in dem TV-Interview vielmehr eine Haltung, die im Grunde Hitzlsperger selbst vertritt: Von einem Coming-out während der Karriere als Profifußballer ist in Deutschland weiterhin abzuraten. Was in der überwältigenden Harmoniewelle so keiner wahrhaben wollte, hat jetzt Jens Lehmann noch einmal kurz und knapp ausgesprochen: „Wenn ein Spieler das machen würde, wäre er blöd.“

Also macht Hitzlspergers nicht den Weg frei für das Coming-out anderer während ihrer Zeit als Fußballprofi? Lehmanns Äußerungen erinnern daran, dass man davon nicht ausgehen kann. Und auch sonst bewies der ehemalige Keeper ein sicheres Händchen und packte ein Thema an, das allen die ganze Zeit im Kopf rumschwirrt, das sich aber keiner traute, auszusprechen.

Auf die Frage, wie er reagiert hätte, wenn ihm Hitzlspergers Homosexualität schon früher bekannt gewesen wäre, sagte Lehmann: „Ich weiß nicht, was ich gedacht hätte, wenn ich mit jemand zusammengespielt hätte, den ich tagtäglich gesehen hätte: beim Duschen, in Zweikämpfen. Niemand kann seine Gedanken kontrollieren.“ Das mit dem Duschen kommt gleich ein paar Mal. Und damit verrät Lehmann, warum nicht nur er, sondern wahrscheinlich noch ein paar andere Heteros Probleme mit dem Homo Hitzlsperger haben.

Der Raum für ungebrochene Männlichkeit

Männlicher Mannschaftssport ist der kulturelle Raum, in dem Männlichkeit wie nirgends sonst ungebrochen gefeiert und genossen werden kann. Beim Mannschaftssport können Männer ungehemmt Männer anfassen, angucken oder bewundern. Sie können sich zusammen auf dem Rasen wälzen und kommen dabei ins Schwitzen. Hinterher gehen sie gemeinsam duschen.

Aber der Genuss daran, eine Art heterosexuelle Homosexualität, für die teilnehmenden Fußballspieler ebenso wie für das männliche Publikum im Stadion oder vor dem Fernseher, ist nur möglich unter der Bedingung, dass der Verdacht der Homosexualität selbst nicht aufkommt. Der Genuss von Männern mit Männern und an Männern als Massenspektakel ist nur erlaubt, wenn für alle klargestellt ist, dass die Erregung auf dem Platz und bei den Zuschauern bitteschön nichts mit Schwulsein zu tun hat.

Gerade weil Fußball zu spielen ein Ritual ist, bei dem die Grenze zwischen homo und hetero instabil wird, muss sie hier betont werden. Damit ist die Paranoia vor der Homosexualität ein grundlegender Bestandteil des Mannschaftssports. Der Schwule gehört zum Männerfußball dazu – als derjenige, der nicht dabei sein darf.

Jens Lehmann buchstabiert diese heteronormative Logik des Fußballsports beispielhaft aus. Die Jungs können ihren Spaß nur solange haben, wie der nackte Mann unter der Dusche nebenan ganz sicher kein Homo ist. Sonst müssten sie sich ja unbequeme Fragen stellen, was sie an diesem Sport so fasziniert. Lehmanns Sprüche erinnern daran, dass Hitzlspergers Coming-out diese Spielregel mit Sicherheit noch nicht gebrochen hat.

Peter Rehberg schrieb im Freitag zuletzt eine Titelgeschichte über Homophobie

  

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 05/14.

Kommentare (21)

ftMainlaender 29.01.2014 | 16:04

Ich finde es wichtig, dass Herr Lehmann ausgesprochen hat, was das wirklich problematische an einem Coming out im Teamsport und evtl. versärkt im Teamkontaktsport. Dieser ständige Verweis auf mögliche problematische Reaktionen in der Fanszene in allen Medien war unerträglich. Wenn wir (in diesem Fall als heterosexuelle) uns einmal vorstellen, wir selbst wären in der Situation, tagtäglich mit Homosexuellen zu duschen - wäre das nicht tatsächlich anders, als mit den Heterosexuellen? Würden wir uns nicht ab uns an fragen, wie ein bestimmten Verhalten, eine Bewegung, eine Äußerung zu verstehen ist? Würden wir nicht zu der homosexuellen Person unter der Dusche einen größeren Abstand einhalten als zu den heterosexuellen?

Und damit kommen wir zum wahren Problem: Wir. Besser gesagt unser gesamtes Verhaltensspektrum, vom Fühlen über das Denken, bis hin zum Handeln. Man könnte sagen, dass wir noch zu konservativ sind, gefangen in einem altmodischen Denken. Das trifft es nur zum Teil. Akkurater wäre es zu sagen, dass wir zwar auf kognitiver Ebene das Nicht-Normale an der Duschsituation rationalisieren können, uns das auf emotionaler Ebene aber noch schwerfällt. Wir sind deswegen keine schlechten Menschen, sondern lediglich Menschen, die es noch nicht gewohnt sind, dass es normal ist, dass heterosexuelle und homosexuelle Menschen gemeinsam duschen. Wir haben noch nicht als Resultat für das gemeinsame Duschen ein Feedback bzw. einen Lerneffekt erhalten, der uns zeigt: Es ist ja gar nicht so anders gewesen als sonst. Wir haben noch nicht gelernt, dass ein Homosexueller andere, nackte, Menschen nicht automatisch als Sexobjekte versteht, wenn es darum geht, nach dem Sport gemeinsam zu duschen. Und das ist eine große Angst von uns: Als Sexobjekt zu gelten, ohne überhaupt die Möglichkeit zu haben, diese Gedanken zu erwidern. So fühlen wir uns ausgenutzt, missbraucht, als unfreiwillige Teilnehmer eines homoerotischen Vorspiels.

Wir durchschauen ihn noch nicht, unseren Zentrismus auf unsere eigene geschlechtliche Orientierung, der uns (analog zum Ethnozentrismus) und unsere "Gleichgesinnten" als "menschlicher", normaler und prototypischer erscheinen lässt. Verstehen weder die Konsequenzen, noch die tiefe Verwurzelung dessen. Bleiben ignorant und sprechen von der Homophobie der anderen. Grenzen diese Homophoben aus, stellen sie vielleicht an den Pranger - und unterstützen sie andererseits mit unserem subtil-negativen Gefühl, dass die Überschreitung der Grenzen des aktuell Normalen für uns mit sich bringt.

Wie aber können wir uns daraus lösen? Da wir unser Verhalten (samt Emotionen und Denken) nur schwer von der Normalität lösen können, müssen wir versuchen, die Normalität zu ändern. Und da nutzt es wenig, in Dauerschleife zu wiederholen, dass ein Schritt wie Hitzlsperger längst überfällig war und mutig - und natürlich, dass es traurig ist, dass so etwas heute überhaupt noch notwendig ist.

Nein, wenn wir wirklich Interesse daran haben, unsere Paranoia gegenüber den Homosexuellen als potentielle Bedrohung unseres willkürlich entstandenen Selbstverständnisses als Personen mit der "richtigen" sexuellen Orientierung zu besiegen, müssen wir zu einem Status quo gelangen, in dem Homosexuelle in unseren Duschen, wie unserer Gesellschaft, gleichberechtigt sind (und das heißt v.a., dass man ihnen mit dem gleichen Verhalten wie heterosexuellen begegnet wie anderen, solange nicht durch die Verschiedenheit z.B. bestimmter Bedürfnisse unterschiedliches Verhalten impliziert ist). Und um dahin zu kommen, bedürfen wir eines Zustands, in dem selbst die gefühlsmäßige, unmittelbare Ablehnung überwunden wird, zugunsten eines Gefühls, das nur selten aufzutauchen braucht, aber wenn es das tut, nur eines ausdrückt und das mit vollster Bestimmtheit: "Warum nicht?"

Diese Entwicklung wird nicht leicht sein und, wie der Term "Entwicklung" ja bereits ausdrückt, nicht von heute auf morgen geschehen. Aber eines ist sicher, sie bedarf zwei Seiten, die aufeinander eingehen und zusammenspielen. Gewissermaßen ein Fußballspiel auf ein Tor - in einem Team. Nachdem wir uns mit Hitzlsberger warm gemacht haben, ist es jetzt an der Zeit zu zeigen, dass wir bereit sind, an unserem Zentrismus und unser Paranoia zu arbeiten, um Fußballer den Weg zu angenehmen Konsequenzen nach einem Coming out zu sichern - das 1:0. Folgende Coming-outs, verbunden mit dem gemeinsamen Duschen werden das viel umjubelte 2:0 sein. Von da an geht es gestärkt weiter und die Tore fallen im Akkord. Und irgendwann können wir dieses Spiel zufrieden beenden, da es längst haushoch gewonnen ist und unsere inneren Gegner vom Feld gedrängt sind. Und sollte das verschwitzte und erschöpfte Team nach dem Spiel gemeinsam duschen?

Warum denn nicht?

Der Kommentar wurde versteckt
qwpoeriu 29.01.2014 | 16:44

Ich frage mich immer, was Leute, die wie Lehmann denken, eigentlich im Schwimmbad, im Fitnessstudio oder auch nur, um im Genre zu bleiben, beim Feiern auf der Fanmeile für Todesängste ausstehen müssen. Könnte doch glatt jemand die Gemeinschaftsdusche und die Sauna mit ihnen teilen ... oder ihnen zu nahe kommen.

Und umgekehrt: Was lässt dieses Denken eigentlich für Rückschlüsse für ihre Gedanken und ihr Verhalten im Hinblick auf Frauen zu, mit denen sie die genannten und andere Bereiche teilen?

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Ehemaliger Nutzer 29.01.2014 | 17:56

Das also versteht die "Political Correctness" unter Meinungsfreiheit und -vielfalt. Das läßt auch so einige Rückschlüsse zu. S.G. Tallentyre hat in Ihrer Voltaire-Biographie dem großen Aufkläreer den Satz in den Mund gelegt: "Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen." Aber damit kommt man bei der der selbstgerechten "Political Coreectness" nicht weit. Bezeichnenderweise.

Marcus Kutsch 29.01.2014 | 20:58

Ich finde der Autor Peter Rehberg missinterpretiert die Antworten von Lehmann etwas. Nehme ich seinen link zu den Stuttgarter Nachrichten als Quelle, heißt es dort :

"Auf die Frage von Moderator Wasserziehr, wie Lehmann reagiert hätte, wenn er während seiner aktiven Karriere von Hitzlspergers Homosexualität gewusst hätte, antwortete Lehmann: „Komisch, glaube ich. Man duscht jeden Tag zusammen, man hat Phasen, in denen es nicht so läuft. [...]""

Lehmann sagt, er hätte komisch reagiert und das ist die einzige Stelle in der es um Lehmann selbst, Schwule und duschen geht. Daraus "Sinngemäß hat er gesagt, dass er mit einem Schwulen nicht duschen will." zu machen, finde ich nicht ok, finde ich übertrieben.

Ich fand es auch komisch, als ich das erste Mal mit Schwulen geduscht habe, als ich das erste Mal mit Frauen zusammen geduscht habe und als ich das erste Mal der einzige Weiße in einem Bus voller Schwarzer war auch. Bin ich deswegen schwulen-, frauenfeindlich oder Rassist? Nein. Je nach Sozialisation machte das Fremde, Unbekannte, Ungewohnte erst einmal Angst. Das ist normal.

Wie ich mit diesem Gefühl Angst umgehe, macht mich dann zu einem ...phoben oder eben nicht.

Lehmann ist der erste mir bekannte Spieler, der zugibt, dass ihm so eine Situation Angst macht.
Das finde ich nicht skandalös.

Man sollte es als Aufhänger dafür nehmen, worum es eigentlich geht: Um die Unsicherheit der Männer.

Noch einmal Lehmann: "Ich weiß nicht, was ich gedacht hätte, wenn ich mit jemand zusammengespielt hätte, den ich tagtäglich gesehen hätte: beim Duschen, in Zweikämpfen. Niemand kann seine Gedanken kontrollieren"

Ja was könnte man denken?
- Findet der mich attraktiv? Will der was von mir? Schaut er mit auf den Penis? Findet er meinen Penis geil? Hat er sexuelle Fantasien mit mir? -

Mehr ist es ja nicht. (Ein sexueller Übergriff ist ja wohl in diesem Szenario völlig ausgeschlossen). Alles Gedanken, mit denen sich Frauen wahrscheinlich tagtäglich außeinander setzen müssen.

Und diese Gedanken sind es, die die ach so starken Männer nicht aushalten können?
So stark scheinen sie also gar nicht zu sein, die harten Fussballer. Es sieht eher nach einer klassischen Ich-Schwäche und Selbstunsicherheit zumindest im sexuellen Bereich aus.

Gepaart mit schwachen sozialen und kommunikativen Fähigkeiten auf der Beziehungsebene.
"Deine Blicke sind mir unangenehm"
"Ich habe bemerkt, dass du auf mich stehst. Ich will dir nur klar machen da läuft nichts, ich bin hetero"

Vorvor genau haben sie Angst die Fussballer. Das würde mich wirklich interessieren.






sch123 29.01.2014 | 22:04

Die Analyse ist selbstverständlich zutreffend, Sportarten mit homoerotischen Aspekten (die hier allerdings deutlich überspitzt dargestellt sind) neigen zur homophoben Selbstversicherung und übertriebenem Männlichkeitsgehabe ( z.B. auch Bodybuilding ).

Aber der Aspekt des Duschens wird hier eigenartig diskutiert. Lehmann wird unterstellt, dass er homophob ist, weil er es evtl. "komisch" fände mit einem Schwulen zu gemeinsam zu duschen. Warum?

@qwpoeriu: Ich weiß nicht in welche Schwimmbäder Sie gehen, aber ich würde es als Mann nicht wagen in die Damendusche hereinzuspazieren, das könnte schnell strafrechtliche Konsequenzen haben. Ganz so einfach ist es also sicher nicht.

Daher frage ich mich auch, wie hält man es da als Schwuler? Ist es eher unangenehm mit Männern zusammen zu duschen, völlig belanglos, angenehm?

Für mich wäre es zumindest ein großer Unterschied, ob ich mit einem Haufen Frauen gemeinsam dusche, oder einem Haufen Männer.

Viele Frauen nutzen gerne und mit Recht Frauenabende in der Sauna und selbstverständlich auch getrennte Duschen, Umkleiden etc... Ich fände es auch merkwürdig wenn Männer auf ein Recht des von Schwulen getrennten Duschens pochen würden, aber es "komisch" finden gestehe ich ihnen vor diesem Hintergrund ohne Weiteres zu, ohne gleich Homophobie oder andere Ängste unterstellen zu müssen.

miauxx 29.01.2014 | 23:27

Wenn die in dem verlinkten Artikel der stuttgarter-nachrichten.de Aussagen Lehmanns korrekt zitiert sind und auch die sind, um die es geht, so hat Lehmann nicht gesagt, dass er nicht mit einem Schwulen duschen wolle. Er sagt, er wäre sehr überrascht gewesen, hätte er plötzlich erfahren, der ihm doch so vertraute Hitzlsperger ("Man duscht jeden Tag zusammen, man hat Phasen, in denen es nicht so läuft.") sei schwul. Lehmann gibt dagegen zu, dass die gängigen Stereotype in den Köpfen der Fussballer und seinem natürlich vorhanden seien. Das kann man als entwaffnend ehrlich ansehen und unterm Strich ist es vielleicht sogar mehr wert, als das vorübergehende Hochgejubele Hitzlspergers und die scheinheiligen Respektsbezeugungen ihm gegenüber.

Die Aussagen Lehmanns so, wie die stuttgarter-nachrichten.de (deren These Rehberg hier leider übernimmt!) zu verstehen, geht eigentlich nicht. Hier wird verzerrt - und das wohl ganz im Sinne der medialen Verwertungslogik: Die Hitzlsperger Geschichte so weit wie es geht mit weiteren Skandälchen und Aufregern ausschlachten.

SLADO 30.01.2014 | 12:31

Ich habe mir mal die Diskussion auf Sky angeschaut. Tatsächlich erwähnt Lehmann das "Duscherlebnis" mehrmals. Es wirkt geradezu traumatisch. Eine These dazu: Er hat Angst davor, dass schwule Männer so mit ihm umgehen (in deren Phantasie), wie er mit Frauen in seiner Phantasie umgeht (Lehmann spricht ja auch vom duschen mit Frauen). Man fragt sich wirklich warum so viel Bohei darum gemacht wird, das Schwule mit unter der Dusche stehen oder beim Freudentaumel im Stadion mit in den Arm genommne werden. Sexualität sollte bei Erwachsenen nicht mehr so viele Ängste und Unsicherheiten auslösen... eigentlich.

sch123 30.01.2014 | 13:20

Zunächst einmal ist doch Unsicherheit ein ganz zentraler Aspekt von Sexualität und macht ein Teile deren Spannung aus, aber das ist ein anderes Thema.

Ein Homosexueller möchte grundsätzlich ernstgenommen werden in seiner sexuellen Identität und angesichts dessen kann es doch genauso missachtend sein, wenn man das Duschen mit ihm genauso erlebt, wie das Duschen mit heterosexuellen Männern, weil seine sexuelle Identität dadurch als belanglos qualifiziert wird.

Mich würde wirklich mal interessieren wie ein homosexueller Mann das sieht.

Echte gemischte Duschen, z.B. auf Festivals, sind natürlich wieder etwas anderes, aber in sehr vielen Bereichen (Schwimmbad, teilweise Sauna, Fitness/Sport etc...) sind Duschen und Umkleidekabinen ja getrennt.

ThomasMorus 30.01.2014 | 14:46

Merkwürdig - lesen und kommentieren denn hier überhaupt keine Fußballer? Ich selbst mit mittlerweile über 40 Jahren Praxis würde sagen: Gemeinsam duschen hat mit Homoerotik nun gar nix zu tun - weil es eigentlich überhaupt mit Erotik erstmal nix zu tun hat. Es war immer völlig klar war: Wenn Frauen mitspielen, kann man sich auf dem Spielfeld genauso abklatschen oder umarmen wie mit den männlichen Mitspielern. Aber Umziehen und Duschen blieb natürlich stets getrennt - sich vor einer Frau komplett nackt zu zeigen, würde uns immer "komisch" vorkommen - wie Lehmann ganz richtig beschreibt. Das hat also - im Fall von homosexuellen Männern - überhaupt nichts mit Homophobie zu tun, eher mit dem Gefühl, dass hier - wie gegenüber einer Frau - eine irgendwie unangebrachte erotische Aufladung ins Spiel (bzw. unter die Dusche) kommen könnte.

Exilant 30.01.2014 | 17:10

@ThomasMorus: Doch, doch, zum Thema habe ich in einem anderen Blog schon kommentiert.

Nur ist es eben so, daß akademisch gebildete Bürger ganz anders zu schreiben in der Lage sind als einfache Fußballer.

Und Sie wissen ja, wie es ist beim Fußballschauen auf den Sportplätzen oder vorm Fernseher: Die größten Fachleute sind die, die noch niemals gegen einen Ball getreten haben

CS Spuhr 30.01.2014 | 18:26

Was mich etwas wunder ist, dass Lehmann es nicht so angenehm empfingen würde, mit Schulen zu duschen. Dass heisst, Hitzlsperger wurde nach Lehmanns empfinden erst Schwul nachdem er sich geoutet hat? Vorher war er hetero?

Und warum hat er ein Problem damit, schwule Kollegen zu haben (speziell in der Dusche), aber nicht damit, vor 20.000 Zuschauern und dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen hinter sein Tor zu gehen und in die Ecke zu pinkeln? Ist duschen sexuell aufgeladener als pinkeln? Anscheinend...

Leider zeigt die Praxis (z.B. in Schulduschen, und Duschen von Sportvereinen), dass die allermeisten sexuellen Übergriffe beim, vor oder nach dem Duschen von heterosexuellen Männern auf Frauen (homo- und heterosexuell) und speziell auch auf homosexuelle Männer stattfindet. Wenn sich ein Jugendlicher in der Schule outet, kann er heutzutage leider fast sicher sein, dass er während und nach dem Sportunterricht mindestens dumme Sprüche zu hören bekommt. Manchmal, gar nicht selten, kommt es sogar zu richtigen Über- und Angriffen sexueller Art bis hin zur Vergewaltigung. Von übergriffen von Schwulen auf Heteros in (Schul-)Duschenhabe ich noch nichts mitbekommen.

Warum haben heterosexuelle Männer oft ein Problem mit dem Gedanken mit homosexuellen Männern zu duschen? Warum empfinden sie den Gedanken mit Frauen zu duschen jedoch oft als nicht schlimm? Ich bekomme sicher gleich ein hinter die Ohren hier, aber ich vermute doch mal stark, dass es damit zu tun hat, dass Männer sich immer noch größtenteils in der (sexuellen) Machtpostition befinden. Sie sind es gewohnt zu sexualisieren und dabei die Macht zu haben. Wenn sie mit Frauen duschen, kann ihnen diese Machtposition kaum oder gar nicht genommen werden. Wenn plötzlich ein anderer Mann das (möglicherweise) "sexualisierende" Gegenüber ist, also die aktive Rolle innehaben kann, die Macht hat, dann würde der heterosexuelle Mann ja plötzlich gegen seinen Willen sexualisiert und in die passive Rolle gedrängt. Das ist Mann nicht gewohnt, will er sich auch nicht einfach so gefallen lassen...

Zum Glück sind die meisten Männer (zumindest in meinem Bekanntenkreis), ob hetero oder homo, nicht mehr so wie Herr Lehmann.

CS Spuhr 30.01.2014 | 18:28

Was mich etwas wunder ist, dass Lehmann es nicht so angenehm empfingen würde, mit Schulen zu duschen. Dass heisst, Hitzlsperger wurde nach Lehmanns empfinden erst Schwul nachdem er sich geoutet hat? Vorher war er hetero?

Und warum hat er ein Problem damit, schwule Kollegen zu haben (speziell in der Dusche), aber nicht damit, vor 20.000 Zuschauern und dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen hinter sein Tor zu gehen und in die Ecke zu pinkeln? Ist duschen sexuell aufgeladener als pinkeln? Anscheinend...

Leider zeigt die Praxis (z.B. in Schulduschen, und Duschen von Sportvereinen), dass die allermeisten sexuellen Übergriffe beim, vor oder nach dem Duschen von heterosexuellen Männern auf Frauen (homo- und heterosexuell) und speziell auch auf homosexuelle Männer stattfindet. Wenn sich ein Jugendlicher in der Schule outet, kann er heutzutage leider fast sicher sein, dass er während und nach dem Sportunterricht mindestens dumme Sprüche zu hören bekommt. Manchmal, gar nicht selten, kommt es sogar zu richtigen Über- und Angriffen sexueller Art bis hin zur Vergewaltigung. Von übergriffen von Schwulen auf Heteros in (Schul-)Duschenhabe ich noch nichts mitbekommen.

Warum haben heterosexuelle Männer oft ein Problem mit dem Gedanken mit homosexuellen Männern zu duschen? Warum empfinden sie den Gedanken mit Frauen zu duschen jedoch oft als nicht schlimm? Ich bekomme sicher gleich ein hinter die Ohren hier, aber ich vermute doch mal stark, dass es damit zu tun hat, dass Männer sich immer noch größtenteils in der (sexuellen) Machtpostition befinden. Sie sind es gewohnt zu sexualisieren und dabei die Macht zu haben. Wenn sie mit Frauen duschen, kann ihnen diese Machtposition kaum oder gar nicht genommen werden. Wenn plötzlich ein anderer Mann das (möglicherweise) "sexualisierende" Gegenüber ist, also die aktive Rolle innehaben kann, die Macht hat, dann würde der heterosexuelle Mann ja plötzlich gegen seinen Willen sexualisiert und in die passive Rolle gedrängt. Das ist Mann nicht gewohnt, will er sich auch nicht einfach so gefallen lassen...

Zum Glück sind die meisten Männer (zumindest in meinem Bekanntenkreis), ob hetero oder homo, nicht mehr so wie Herr Lehmann.

miauxx 30.01.2014 | 20:03

"Gemeinsam duschen hat mit Homoerotik nun gar nix zu tun - weil es eigentlich überhaupt mit Erotik erstmal nix zu tun hat ...

... sich vor einer Frau komplett nackt zu zeigen, würde uns immer "komisch" vorkommen ..." -- Aha, ist das so bei "echten Fussballern" ? :-)

Mit anderen Worten plädieren Sie also dafür, dass auch ein extra Duschbereich für Schwule wie auch Lesben eingerichtet werden müsste, damit auf jeden Fall und ohne jeden Zweifel jedes erotische Gefühl draußen bleibt? Wobei natürlich völlig klar ist - nach 40 Jahren Fussballerfahrung -, dass das gemeinsame Duschen nur unter echten Fussballern mit geprüfter Heterosexualität funktioniert.

Sie argumentieren ähnlich wie die Mullahs in islamischen Staaten hinsichtlich der Verschleierung der Frau: Diese habe sich zu bedecken, damit sie keinen Mann zu irgendeinem erotischen Gefühl animiere, was natürlich nur in ihrem Interesse und dem des sozialen Friedens geschieht.

rheinhold2000 31.01.2014 | 17:44

"Mit anderen Worten plädieren Sie also dafür, dass auch ein extra Duschbereich für Schwule wie auch Lesben eingerichtet werden müsste, damit auf jeden Fall und ohne jeden Zweifel jedes erotische Gefühl draußen bleibt?"

wo ist das Problem?

wir haben ja geschlechtsgetrennte Toiletten und Duschen (und viele bevorzugen auch geschlechtsgetrennte Saunen) weil wir eben keine erotischen gefühle in diesen bereichen haben wollen. Und da sind Schwule und Lesben ein "Problem".ich bevorzuge z.B. ein ARZT. Mit einer Ärztin hätte ich Probleme. Mit einem schwulen Arzt auch. Mit einer lesbischen Ärztin übrigens nicht.

und das wäre vauch die lösung bei Duschen. die schwulen Männer duschen einfach mit den frauen. die lesbischen frauen mit den Männern :-)

miauxx 31.01.2014 | 23:58

Gut, wenn Sie so wollen: Ich hätte gerne spezielle Toiletten für Männer, die in der Lage sind, den Spülknopf am Pissoir zu bedienen - mit denen, die das nicht vermögen, habe ich nämlich meine "Probleme", wenn ich danach auf ein ungespültes Becken treffe. Das im übrigen ist ein Erfahrungswert. Haben Sie schon alle von Ihnen genannten "Gattungen" von Ärzten durchprobiert? Wissen Sie, wie oft Sie vielleicht schon mit Schwulen in der Dusche standen oder vielleicht mit Bisexuellen oder nur mit einem Handtuch bedeckt in der Sauna oder allein mit Badehose am Strand solche vielleicht erregt haben?? Haben Sie's bemerkt?

rheinhold2000 01.02.2014 | 08:13

Ich frage mich jetzt ernsthaft womit sie ein problem haben. es gibt menschen die sich zwar nackt zeigen wollen (oder müssen) arzt, sauna, toilette und duschen, aber sicher sein wollen das das nicht sexualisiert wird. ein grund warum frauen und männer z.B lieber in geschlechtsgetrennte saunas gehen , männer eher selten zu urologINNEN und die meisten Frauen die ich kenne auch eher zu FrauenärztINNEN. Und da ich mir als MENSCH die Leute vor denen ich mich Nackt zeige aussuchen kann (ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen) habe ich persönlein problem damit wenn (heterosexuelle)frauen in der männerdusche meines fitnesstudios auftauchen würden oder halt auch schwule männer. nicht weil sie die situation sexualisieren, es reicht mir schon das sie die situation sexualisieren KÖNNTEN.

vieleicht solltest du auch mal über den kölner spruch nachdenksen: jeder jeck is anders. (und empfindet halt auch anders)

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Ehemaliger Nutzer 01.02.2014 | 16:11

Homosexualität braucht IMMER viel Aufmerksamkeit, weil die Betreffenden nicht viel mehr anzubieten haben als ihre Möchtegern-Diskriminiertheit und (meist) ihre Promiskuität.

Eine Phobie haben Hetero`s nicht, sondern nur ein Gefühl von Widerwärtigkeit- der entscheidende Begriff müsste der der Heterophobie sein (z.B. im Sinne einer biologischen Sicht; von der psychologischen ganz abgesehen!) .