Jenseits des bloßen Überlebens

BRASILIEN Die Landlosen-Bewegung MST vereint inzwischen vier Millionen Menschen und zwingt die Regierung, in der Landfrage die Verfassung zu respektieren
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Völlig alltäglich - überall im Land sieht man sie: Zelte aus schwarzer Plastikplane, davor ein Feuer unter einem Kochtopf. Ein paar magere, zerlumpte Menschen warten darauf, sich die Mahlzeit zu teilen - wahrscheinlich die einzige, die sie heute essen werden. Und neben den Zelten weht an einer Stange eine rote Fahne. Eine rote Fahne?

Hier beginnt das Ungewöhnliche. Die brasilianischen Metropolen sind voll dieser kleinen provisorischen Camps, voll von Leuten, die so arm sind, dass sie nicht einmal eine Hütte in einem Slum besitzen. Doch diejenigen, die eine rote Fahne hissen, stehen nicht allein da: Sie gehören zum MST - Movimento dos Trabalhadores Rurais sem Terra - einer Liga der Landlosen, die (gegründet 1984) inzwischen als größte Massenbewegu