Kap der Unruhe

Peru Drei Jahre, vier Präsidenten: Das Land verfolgt eine anhaltende Instabilität. Die jetzige Wahl wird daran nichts ändern
Der sozialistische Präsidentschaftskandidat Pedro Castillo begrüßt seine Unterstützer in Lima
Der sozialistische Präsidentschaftskandidat Pedro Castillo begrüßt seine Unterstützer in Lima

Foto: Ricardo Moreira/Getty Images

Zunächst lag bei der Stichwahl um die Präsidentschaft Keiko Fujimori mit einem Plus von fünf Prozent vorn. Die Stimmen für die Rechtspopulistin waren im Großraum Lima und einigen Städten am schnellsten erfasst. Dann aber schloss der Sozialist Pedro Castillo von „Perú Libre“ mit seinen Hochburgen im abgelegenen Bergland zusehends auf. Die Auszählung des letzten Fünftels der Stimmen dauerte mehr als 48 Stunden. Am Dienstagabend führte der Linkskandidat mit 50,2 Prozent, doch war das Votum der Auslandsperuaner noch offen.

Auf das Wahlverhalten hatte vielfach das Mantra vom kleineren Übel Einfluss. Die einen fürchteten, man müsse wieder mit einem Regime wie unter Alberto Fujimori rechnen. Der Vater von Keiko Fujimori hatte nach 1990 Parlament und Justiz entmachtet, die Medien kontrolliert und war brutal gegen Oppositionelle vorgegangen, die sich nicht kaufen ließen. Die anderen fürchteten, das Land werde durch einen sozialistischen Staatschef wie in Venezuela in eine noch tiefere Krise abrutschen. Auch könne linker Terror zurückkehren, wie er einst von der maoistischen Guerilla „Leuchtender Pfad“ ausging. Vor allem die Angst vor diesem Szenario wurde durch eine umfassende Diffamierungskampagne der Privatmedien gegen Castillo geschürt.

So bleibt die Stimmung extrem angespannt. Nachdem es in der Wahlnacht zu Zusammenstößen der rivalisierenden Lager kam, appellierten verschiedene Politiker an die Bevölkerung, das Ergebnis in Ruhe abzuwarten. Sie ermahnten zudem die beiden Kontrahenten, den Wahlprozess anzuerkennen und auf eine „nationale Versöhnung“ hinzuwirken. Castillo und Fujimori schienen sich zunächst daran halten zu wollen. Als jedoch Castillo erkennbar an Fujimori vorbeizog, erhob die den Vorwurf von Wahlbetrug. Was auch immer davon zu halten ist – Peru steht vor unruhigen Tagen oder gar Wochen, in denen weiter um das Ergebnis gerungen wird.

Die Instabilität der vergangenen drei Jahre, in denen das Land vier Präsidenten hatte, wird nun erst recht andauern. Wichtig wird sein, wie sich relevante Akteure positionieren, allen voran die Armee. Und selbst wenn Castillo ins Präsidentenamt einzieht, wird er von Anfang an mit einer Übermacht von Mitte-Rechts-Parteien im Kongress konfrontiert sein.

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