Kein Herz für die Arbeitenden

Air Berlin Das Ende der Airline versinkt im Kitsch. Man betrauert die Marke und ignoriert die Beschäftigten
Kein Herz für die Arbeitenden
Wessen Gesicht sollte diese Torte zieren?

Foto: Christof Stache/AFP/Getty Images

Frank Kebekus, der Generalbevollmächtigte des Air-Berlin-Insolvenzverfahrens, stellte am Tag nach der Landung des letzten rot-weißen Fliegers in Tegel erfreut fest: Alle Unternehmensteile der Fluglinie seien verkauft.

Die Lufthansa hatte sich bereits vor zwei Wochen mit 81 Maschinen den Löwenanteil der abgestürzten Airline für ihre Biligtochter Eurowings gesichert, der Billigstkonkurrent Easyjet zuletzt 24 weitere Airbus-Flieger im Leasing-Angebot übernommen. Air Berlins Signatur-Schokoherzen wurden auf Ebay verhökert. Überhaupt versank das Ende der Fluglinie in aviatischem Kitsch: Der letzte Flug zeichnete ein Herz über Berlin in die Flugdaten, und eine Ehrenrunde des finalen Langstreckenfluges über Düsseldorf geriet zum viralen Internethit.

Der Werbeslogan „Ich bin ein Air Berliner“ wurde noch einmal bemüht, und konnte doch nicht verdecken, dass bei all der Sentimentalität die wirklichen Air Berliner, die 8.000 Beschäftigten, überhaupt keine Rolle spielten. Sie waren offenbar kein „Unternehmensteil“, dessen Anschlussverwertung es sicherzustellen galt, waren nicht Teil der Marke, von der man sich gerührt verabschiedete.

Auch die „Rettung“ der Airline, die die Bundesregierung angesichts des nahenden Wahltermins unternahm und der 150 Millionen Euro-Staatskredit hatten anscheinend vor allem das Ziel, die Insolvenz über Feriensaison und Wahl hinaus zu verschleppen. Dazu galt es, den größten Teil der Start- und Landerechte von Air Berlin in einer geordneten Notlandung für die Lufthansa zu sichern.

Für die 8.000 Beschäftigten hingegen hieß von Anfang die Devise: „Rette sich, wer kann“. Dem Unternehmen ließ man den Staatseingriff angedeihen, das Schicksal der Piloten und des Bodenpersonals aber sollte der Markt alleine regeln.

Als diese mit einem wilden Kurzzeitarbeitskampf an ihre Existenz erinnerten, stießen sie auf Empörung und die Mahnung, doch bitte die Marke nicht zu beschädigen. Auch zu der gehörten sie also nicht. Als Transfergesellschaft kam nur eine Minimalvariante zustande, offenbar wollte man keinen Präzedenzfall. Genau den hat das Aus von Air Berlin aber sehr wohl geschaffen: Alle Jets sind verkauft, alle Start- und Landerechte übernommen. Von den 8.000 Beschäftigten stehen hunderte, vielleicht tausende vor dem Aus.

06:00 02.11.2017

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