Kinder, das Essen ist gedruckt!

Ausstellung Kleider, Möbel, Schmuck und ganze Menüs: All das soll ein 3D-Drucker bald bequem herstellen können. Das Museum für Gestaltung in Zürich zeigt erste Ergebnisse
Kinder, das Essen  ist gedruckt!
Querflöte, Material: FDM/ ABS

Foto: Amit Zoran, Robert Swartz

Sieht so der Anfang einer industriellen Revolution aus? Ein wulstiger Stuhl, ein futuristischer Plastikschuh, wurmförmige Deckenlampen. Auf den ersten Blick ist die Ausstellung 3D – Dreidimensionale Dinge drucken im Museum für Gestaltung Zürich nicht mehr als eine Ansammlung von amorphen Gebilden auf Sockeln. Doch es ist ja nicht in erster Linie ihr Aussehen, sondern ihre Herstellungsart, die diese Objekte zu etwas Besonderem macht.

Erfunden wurde die 3D-Drucktechnik 1995 am Massachussetts Institute of Technology. Zwei Studenten bauten einen Tintenstrahldrucker um, sodass er statt Tinte Bindemittel auf ein Pulverbett druckte. Heutige Modelle tun im Prinzip nichts anderes: Der Druckkopf fährt eine Fläche ab und hinterlässt aufgrund einer digitalen Vorlage Materialspuren. Nur, dass sich der Druckkopf auch in die Höhe bewegen kann und somit eben – statt nur ein Papier zu bedrucken – dreidimensionale Formen aufbaut.

3D-Druck ist – anders als die meisten Produktionsverfahren – ein Vorgang, der kaum Abfall hinterlässt. Hier wird nicht aus einem Block gesägt, gehämmert oder gemeißelt. Das Verfahren ist ökologisch und bestechend einfach. Und wie so oft, wenn neue Technologien die Vorstellungskraft des einfachen Konsumenten übersteigen, sind die Geeks schon einen Schritt weiter: Technik-Aktivisten haben es sich zur Aufgabe gemacht, den 3D-Druck zu demokratisieren. Heute gibt es gemeinfreie 3D-Druckvorlagen zum Download, und Drucker sind für weniger als 1.000 Euro zu bekommen.

Die Geräte muss man allerdings zu Hause mühevoll zusammenschrauben wie ein ordinäres Ikea-Regal. Wären sie selbst Erzeugnisse des 3D-Drucks, so könnte man sich diesen Aufwand sparen. Denn im Druckverfahren lassen sich Scharniere und Gelenke bauen, die mechanisch nur in minutiöser Feinstarbeit hergestellt werden können.

Hilfreich ist das beispielsweise in der Flugzeugindustrie und der Medizintechnik. Flugzeughersteller drucken Kleinstbauteile aus Leichtmetall und tüfteln an besonders robusten Rohren, deren Struktur an die Verästelungen von Knochengewebe erinnert. In der Medizintechnik wiederum werden Prothesen und Knochenimplantate gedruckt und so individuell an die versehrten Körper der Patienten angepasst. So muss kein künstliches Hüftgelenk von der Stange implantiert werden.

„Beim 3D-Druck herrscht eine absolute Gestaltungsfreiheit“, sagt Kuratorin Marta Malé-Alemany. Ihr schwebt eine Welt vor, in der jeder seine komplette Wohnungseinrichtung zu Hause ausdruckt, seine alten Klamotten einschmilzt, um daraus wieder neue herzustellen – ach was, sogar das Abendessen soll in nicht allzu ferner Zukunft aus dem Drucker kommen, sobald sich Nahrungsmittel zweckmäßig in Druckpatronen abfüllen lassen.

Die meisten dürften das Experimentieren mit der neuen Technik vorerst jedoch professionellen Designern überlassen. Und auch da zeichnet sich Verheißungsvolles ab: Von mechanischen Einschränkungen befreit, können sich Formen entwickeln, die sich weder rechten Winkeln noch Schrauben und Nieten verpflichten, sondern frei nach den Vorbildern der Natur gestalten lassen. Wer weiß: Vielleicht ist der 3D-Druck die Initialzündung für ein Revival des Jugendstils.

3D – Dreidimensionale Dinge drucken Museum für Gestaltung Zürich, bis 5. Mai 2013. Eine Ausstellung des Disseny Hub Barcelona

AUSGABE

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 8/13 vom 21.02.20013

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