Koch oder Gärtner?

Kolumne Heute der Gärtner. Jakob Augstein beantwortet alle Fragen rund um den Garten. Heute: Wann kommt endlich der Frühling?

Gärtnerisch gesehen gibt es keinen Winter. Die letzten Rosen haben bis kurz vor Weihnachten geblüht. Dann schloss sich gleich Helleborus Niger an, die Christrose, oder auch Schwarzer Nieswurz. Auch die Hamamelis strahlt schon seit Beginn des Jahres leuchtend gelb. Und der rosafarbene Winterschneeball, Viburnum bodnantense „Dawn“ kann im günstigen Fall von November bis April blühen. Das ist die Theorie. In Wahrheit ist im Garten in unseren Breiten von Ende Dezember bis Mitte März Feierabend: Der Frost macht keine Gefangenen und selbst die tapfersten Durchblüher kapitulieren wenn die Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt liegen.

Also meinen Garten hat der Winter in festem Griff. Und ich werde langsam ungeduldig. Ich sitze am Fenster, gucke in die weiß-verschneite Ödnis hinaus und hoffe, dass es mir am Ende nicht geht wie Oscar Wildes selbstsüchtigem Riesen, von dessen Garten es heißt: „Die einzigen, denen (er) noch gefiel, waren der Schnee und der Frost. ‚Der Frühling hat diesen Garten vergessen‘, riefen sie erfreut, ‚wir werden das ganze Jahr über hier bleiben‘.“ Und der Hagel „sauste, so schnell er konnte, quer durch den Garten. Er war ganz in grau gekleidet und sein Atem war so kalt wie Eis.“

Vor ein paar Wochen habe ich doch schon die ersten Schneeglöckchen gesehen. Ich habe inzwischen viele Hundert davon, die übliche Sorte, Nivalis, die sich manchmal schon im Dezember zeigt und hervorragend verwildert. Mit den hohen Sorten, Viride-Apice oder Elwesii habe ich keine guten Erfahrungen gemacht. Sie widerstehen Hagel, Wind und Regen der Winterstürme zu schlecht. Meine Schneeglöckchen stehen alle im Beet. Aber man kann sie auch sehr gut im Rasen setzen, da sie sich vor der ersten Mahd schon zurückgezogen haben.

Die Planung für das große Projekt geht derweil weiter. Ich habe jetzt genauere Vorstellungen vom Aufbau des Teiches. Zunächst Grube ausheben. (Muss überlegen, wer das macht. Freunde? Familie? Kollegen? Oder ich allein, wenn ich rechtzeitig anfange?) Dann zwei Höhenabstufungen anlegen als deutlich voneinander getrennte Zonen verschiedener Wassertiefe . Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Arten von Teich – in die Grube wird eine vorgeformte Schale eingebracht, oder eine Teichfolie oder man gießt alles mit Beton aus. Die Schale ist sicher die einfachste Variante, aber nicht sinnvoll bei größeren Teichen und in Wahrheit auch nicht besonders schön – ganz abgesehen davon, dass diese Variante auch nicht wirklich sportlich ist. Man mogelt sich irgendwie um den eigentlichen Teichbau herum. Man will sozusagen einen Teich, ohne sich der Herausforderung zu stellen. Ein Teich für Angsthasen. Beton – oder Stein – ist sicher die beste und dauerhafteste Lösung. Aber sehr teuer und außerdem technisch nicht zu unterschätzen. Ohne die Hilfe – oder die Kenntnisse – eines Fachmanns sollte man die Finger davon lassen. Stellen Sie sich vor, unter dem beträchtlichen Gewicht des Wasser käme es zur Absenkung einer mangelhaft befestigten Sohle, dann zu Rissen und schließlich liefe der Teich einfach aus. Kein Spaß. Also Folie. Man kann sie selber verlegen. Sie ist haltbar. Wenn Sie einen Sohn haben, sollten Sie allerdings darauf achten, ihn im Sommer nicht in den Teich zu werfen, solange er mit Lanze oder Schwert bewaffnet ist. Den Rand der Folie belegen Sie mit Kies oder Feldsteinen. Sorgen Sie für einen sanften Übergang zum Erdreich hin. Bepflanzen Sie den Rand mit Stauden, den Rest macht der Garten dann von allein. Aber ich greife vor. Die Ungeduld. So schnell wird es nicht gehen. Noch ist der Boden gefroren und ich warte darauf, dass der Winter seinen Griff lockert.

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