KoKo

SPD Ein Name sagt, was drin steckt. Wer hätte gedacht, dass sich die Sozialdemokraten so freimütig wie unverhüllt auf die DDR beziehen – und vor allem auf sie besinnen
KoKo
Als KoKo kein Phantom war, sondern ein Gesicht hatte – Alexander Schalck-Golodkowski

Foto: Imago / Jürgen Eis

Na endlich! Ein Traum. Die Worte sind nicht länger Hülsen zum Verhüllen, nicht da, um zu kaschieren. Sondern ein Name sagt, was drin steckt in der Packung. Man darf dem Etikett glauben. KoKo – der Vorschlag für eine neue Bundesregierung. KoKo. Kommerzielle Koordinierung. Das ist's, das bringt es auf den Punkt! Endlich. Die Bundesregierung, Hebelmaschine für Konzern-Interessen, hier ein bisschen Strom für den Strom, da ein paar Oktan für den Diesel. Wir wussten es ja immer. Endlich darf's auch so heißen. Danke.

Schade nur, dass der Vater der Idee, Alexander Schalck-Golodkowski, es nicht mehr erleben kann. Rest in Peace, respektive Berlin-Weißensee, Alter!

Auf Schalck, der Name ist Programm, beruft sich, wie sollte es anders sein, die von der SPD ins Rennen geschickte Benennung. Da die unter- und vergangene DDR ja sowieso immer mehr Einzug hält in unsere lichte Gegenwart, was läge näher? Auch hier wieder ist der Mut zu würdigen. Dass einfach ausgesprochen wird, was Sache ist.

Schließlich ganz verquer

Kurzer Rückblick? Schalck verhökerte einstmals Waffen und anderes Pestzeug irgendwie irgendwohin. Machte Kohle wie Mist, aus der DDR eine Bananenrepublik (ohne Bananen) und residierte zuletzt, nach dem Ende jener, unbehelligt am Tegernsee. Er war ein Mafiosi und sah auch so aus. Aber das ist Geschichte. Jetzt gibt's Bananen überall, billig. Da haben Sie den Unterschied.

Brecht, Bertolt, der so vieles wusste, hat es einmal als Comedy-Nummer vorgeführt: Wie eine bürgerliche Regierung ihre Arbeit tut. Also. Wenn da eine Entscheidung getroffen werden muss, ächz, stöhn, dann, soll er gesagt haben, denkt man nicht etwa nach, welche jetzt die beste, auch politisch beste ist, nein. Sonden da ruft das Öl an und sagt, hören Sie, dasunddas, absolut unmöglich, wir wollen soundso. Dann klingelt die Kohle und will dies. Ein Dritter ruft an, will jenes. Alle wollen immer was.

Und die bürgerliche Regierung – und hier begann dann sein Stand-Up, indem er auf einem Stuhl sich immer unbequemer hin und her platzierte und schließlich, ganz verquer an der Kante, zu sitzen kam - ist wie ein Mann, dem drückt was am Hintern. Irgendwas. Sitzt sich schlecht. Sehr unangenehm. Aber jetzt denkt der Mann nicht etwa nach und beseitigt die Ursache seiner Qual, das wär ja verrückt, sondern er ruckelt und zuckelt sich da irgendwie schlecht und recht in eine Position. Er gibt nach jedem Einfluss. und das nennt er dann: eine Entscheidung. Wir sagen dazu heute: politisches Handwerk.

Ich find's schön, dass die so mafiös jetzt auch heißen darf.

Karsten Laske ist Filmregisseur und Drehbuchautor

12:05 18.12.2017

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