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IM GESPRÄCH Der Musikwissenschaftler Gerd Rienäcker über das Humanitätsproblem und den Antijudaismus bei Johann Sebastian Bach
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Am 28. Juli gedenkt die Musikwelt des 250. Todestages von Johann Sebastian Bach. In den Würdigungen des begnadeten Komponisten, der 1685 in Eisenach zur Welt kam und 1750 in Leipzig verstarb, dürfte ein Aspekt dieses Meisters der geistlichen Musik fehlen: sein Antijudaimus. Über die historische Gebundenheit dieser Haltung und ihre Folgen äußert sich der namhafte Berliner Musikwissenschaftler Prof. Dr. Gerd Rienäcker.

FREITAG: Im Staat Israel können nach wie vor Bachs Passionen nur unter größtem Vorbehalt aufgeführt werden. Es heißt, diese Werke würden dem Antisemitismus Vorschub leisten. Als der Jude Mendelssohn die Matthäus-Passion 1829 erstmals aufführte, hat ihm an Bachs Deutungen offenkundig nichts gravierend missfall