Lauschangriff 27/03

Kolumne Josh Haden kommt zwar aus Kalifornien, aber nachts träumte er nicht den amerikanischen Traum, sondern sah Bilder von Spanien und nannte seine Band ...

Josh Haden kommt zwar aus Kalifornien, aber nachts träumte er nicht den amerikanischen Traum, sondern sah Bilder von Spanien und nannte seine Band daraufhin "Spain". Die vier Musiker lebten nicht in der selben Stadt, trotzdem galt die Gruppe als Band aus San Francisco, weil eben der Kopf und Songschreiber der Gruppe dort lebte. 1994 gegründet, trennte sich die Band 2001 nach drei Alben, aber nun ist ein Compilationalbum erschienen: Spirituals, The Best of Spain. Vier Songs von jedem der drei Alben sind vertreten, aber darüber hinaus bietet sie noch weiteren Anreiz für Spain-Sammler: Diverse Liveaufnahmen einer kalifornischen Radiosession sind mit dabei, und zwei Songs, die bisher nur als Singles erhältlich waren. Unter den Liveaufnahmen befinden sich zwei bemerkenswerte Coverversionen: Zum einen eine Version von Willie Nelson´s Funny how time slips away und zum anderen Kurt Weill´s September Song. Von einer "unnötigen" Compilation-CD kann deshalb nicht die Rede sein.

Josh Haden ist der Sohn des berühmten Jazz-Bassisten Charlie Hayden, der wiederum der Lieblingsbassist von Ornette Coleman war. Man könnte glauben, Josh hätte Angst im Schatten seines Vaters zu stehen. Bedingt mag das zutreffen, allerdings hatte es Julian Lennon bestimmt schwerer, als er in den achtziger Jahren versuchte, seinen Vater John zu übertreffen. Berühmtheit ist eben relativ.

Zwar spielt Josh Haden wie sein Vater Bass, aber er schlug doch einen anderen Weg ein: Spain war eine "alternative" Rock-, Blues-, Country- (und doch ein Hauch von Cool Jazz) Band, die sich auf Balladen spezialisierte. Hadens Songs waren in der Regel sehr langsam und sparsam arrangiert. Er wollte in seiner Musik stets viel Raum lassen; seine Musik sollte nicht wie ein überladenes Sammelsurium zusammenhangloser Komponenten klingen. Seinen Bass hörte man oft stark im Vordergrund, so als sei er das Hauptinstrument. Haydens Gesang wiederum klang so emotional und verwundbar, dass er beinahe zur Parodie herausforderte. Ich kenne so manche, die laut lachen mussten, als sie Hadens Stimme zum ersten Mal hörten. Er singt mit intensiver Baritonstimme in gedämpftem Flüsterton, so, als sei würde er so manches Geheimnis bewahren, wolle aber unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bevor er uns seine Botschaften anvertraut. Was das für Botschaften sind? In der Regel beinhalten die Texte eher durchschnittliche Mitteilungen über das Wesen der Liebe. Teilweise sind die Songs optimistisch, teilweise pessimistisch; Sehnsucht ist immer dabei. Das hört sich wenig spektakulär an, aber die präzise, langsame Art, mit der er die Songzeilen artikuliert, ist schon eindrucksvoll. In der Popmusik geht es eben oft weniger um das, was gesagt wird, sondern darum, wie sexy man es sagt. Wenn er beim Song Make your body move singt: I just wanna take you home, and make your body move ("Ich möchte Dich nach Hause nehmen, und Deinen Körper in Bewegung setzen") klingt er so überzeugend, dass man ihn in diesem Moment fast beneidet.

Der Titel des Compilationalbums Spirituals, The Best of Spain hat seine Berechtigung: Obwohl er überwiegend mit romantischer Liebe beschäftigt ist, tut er das immer auf hochsensible, "spirituelle" Art und Weise. Erotische Gedanken sind auch nicht seine einzige Stärke. Das Debütalbum Blue Moods of Spain 1995 enthielt das Lied Spiritual, das auch von Johnny Cash gecovert wurde. Hier ist eine einfache religiöse Sprache zu finden, die genau so direkt und wenig intellektuell ist, wie bei seinen Liebesliedern: Jesus, I don´t wanna die alone, my love was untrue, now all I have is you. Jesus, oh Jesus, if your hear my last breath, don´t leave me here to die a lonely death ("Jesus, ich möchte nicht allein sterben, meine Liebe war unecht, nun habe ich nur Dich, wenn Du meinen letzten Atemzug hörst, lass´ mich nicht hier, um einen einsamen Tod zu sterben"). Auf dem zweitem Album She haunts my dreams 1999 und auf dem dritten I believe 2001 blieb Josh Haden seiner stillen Art treu, dennoch waren die Produktionen geringfügig üppiger arrangiert. Dadurch ging Spain ein wenig der schlichte Charme verloren. Aber letztlich ist das kleinliche Kritik.

Übrigens, wenn ich Sie von Spains Qualitäten noch nicht überzeugt habe: Spain ist eine von Bonos Lieblingsbands. Wahrscheinlich beneidet er Haden um dessen Fähigkeit zum understated ego und seine Natürlichkeit, zu der er selbst nicht fähig ist.


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00:00 26.12.2003
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