Lob der Aufklärung

Kunduz Verteidigungsminister zu Guttenberg besucht die Ausstellung über die Hinterbliebenen des Bombenangriffs von Kunduz

Es kommt nicht unbedingt oft vor, dass sich Minister Zeit nehmen, eine Ausstellung anzuschauen. Das gilt wohl insbesondere für einen Verteidigungsminister. Karl-Theodor zu Guttenberg jedenfalls nahm sich an diesem Wochenende trotzdem Zeit für den Besuch einer Ausstellung, die in seinem Haus möglicherweise nicht nur auf Zustimmung stößt. Der CSU-Politiker sah sich die Dokumentation "Kunduz, 4. September" in der Galerie Kunstraum in Postdam an. Hauptsponsor der Potsdamer Ausstellung ist der Freitag.

Es ist eine Ausstellung über die Familien der Menschen, die bei dem Bomben-Angriff auf zwei Tanklastzüge im Kunduz-River getötet worden waren. Den Befehl zum Angriff hatte ein deutscher Offizier gegeben. Wochenlang hatten der Stern-Reporter Christoph Reuter und der Fotograf Marcel Mettelsiefen in den Dörfern rund um den Bombenkrater recherchiert und Fotos gemacht. Sie haben die Namen von 91 Opfern herausgefunden.

Guttenberg nahm sich Zeit und ließ sich von Christoph Reuter und Marcel Mettelsiefen durch die Ausstellung führen. Der Minister, der den Bombenangriff erst verteidigt hatte, später aber seine Meinung änderte und ihn als "nicht angemessen" bezeichnete, lobt den publizistischen Wert der Ausstellung. Diese umfassende Dokumentation sei "sehr wichtig". Denn erst durch die akribischen Nachforschungen von Reuter und Mettelsiefen – und eben nicht durch die Untersuchungen von Nato oder Bundeswehr – konnte die genaue Zahl der Opfer festgestellt werden. Für zu Guttenberg jedenfalls sei es von Anfang an "völlig klar" gewesen, die Ausstellung zu besuchen. Auf die Frage eines Journalisten, ob es denn im Ministerium Widerstände gegen den Besuch gegeben habe, antwortete er nicht direkt, sagte aber, selbst wenn Widerstände da sein sollten, heiße das nicht, dass "im Kopf nicht klar ist, was man tun muss". Die Ausstellung bringe eine Komponente in die Debatte, die der Minister nach eigenen Worten bisher vermisst habe. Man müsse mehr über die Opfer nachdenken – und damit meinte zu Guttenberg nicht zur die Toten auf afghanischer, sondern auch auf deutscher Seite.

Möglicherweise profitiert zu Guttenberg nicht nur als Besucher von der Ausstellung, sondern auch als Minister. Denn gegenwärtig hat er einen Staatssekretär nach Afghanistan entsandt, der sich mit der Entschädigung der Hinterbliebenen befassen soll. Guttenberg möchte, dass die Gespräche direkt mit den Familien der Opfer geführt werden. Da ist es sicher hilfreich, wenn man bei Bedarf auf so eine umfassende Dokumentation zurückgreifen kann.

Die Ausstellung Kunduz, 4. September 2009 ist von 24. April bis 13. Juni im , Schiffbauergasse 4d zu sehen (Mi bis So, 1218 Uhr)Kunstraum Potsdam

Das Buch Kunduz, 4. September 2009. Eine Spurensuche mit 109 Abbildungen von Marcel Mettelsiefen und Christoph Reuter erschreint am 23. April zum Preis von 19,90 im Rogner Bernhard Verlag bei Zweitausendeins.


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