Männerfußball wird nicht besser

Sport Es wird Zeit für gemischte Teams. Auch im Interesse der Zuschauer
Männerfußball wird nicht besser
Beim französischen FC Fleury 91 wird in der U14-Liga bereits gemischtgeschlechtlich gekickt

Foto: Franck Fife/AFP/Getty Images

Kürzlich merkte der deutsche Popstar Henning May unter einem Instagram-Post an: „Warum spielen wir eigentlich getrennt Fußball? Warum spielen wir nicht12 vs. 12? Sechs Frauen und sechs Männer gemeinsam.“ Stellt man sich den Liveticker zu einem solchen Spiel auf nationaler Ebene vor, könnte das in etwa so aussehen: „Neuer schießt einen langen Ball ins Mittelfeld, Gwinn nimmt den Ball gekonnt an, Pass an Draxler, der dribbelt die gegnerische Verteidigung aus, passt den Ball zu Popp und ... Tor! Tor des deutschen Nationalteams!“ Welch eine Vorstellung!

Der Begriff Fußball-Weltmeisterschaft würde auf die Allgemeinheit zutreffen, der Zusatz „Frauen“ wäre nicht nötig. Zumal er nur illustriert, was im Fußball eindeutig ist, auf andere Bereiche aber genauso zutrifft: Der Mann ist die Norm. Typisch männliche Aktivitäten brauchen eine erklärende Ergänzung, wenn sie von Frauen ausgeübt werden. Andersherum ist dem nicht so. Wenn Männer im Fitnessstudio auf einer Matte turnen, machen sie kein Männer-Pilates, sondern einfach Pilates.

Selbst die gewinnorientierten Veranstalter könnten von einem gemeinsamen Turnier profitieren. Der heutige Profifußball ist wahrscheinlich der beste, den es je gegeben hat. Getrieben vom ewigen Drang, besser zu werden, sind die Spieler*innen schneller, präziser, stärker. Fans sehen das gern und erwarten immer mehr. Doch irgendwann ist Schluss, da können sich die besten Teams nicht mehr steigern. Der Entertainment-Faktor „maximale Leistung“ stagniert. Gemischte Teams würden Fußball (wieder) attraktiver machen – für Zuschauer- und Spieler*innen.

Man muss das aber nicht aus der Profit-Perspektive betrachten. Eigentlich reicht es, zu sagen, dass gemischter Sport zu einer geschlechtergerechteren Gesellschaft beiträgt. Das biologische Geschlecht rückt in den Hintergrund. Dass gemischte Teams in vielen Sportarten problemlos möglich wären, ohne dass ein Geschlecht einen Nachteil hätte, meinte auch die Medizinphysikerin Joanna Harper neulich im Gespräch mit dem Freitag (26/2019).

Vielleicht würde das Spiel an Geschwindigkeit verlieren. Vielleicht würden Männer mehr an den Ball kommen. Vielleicht aber auch nicht. Niemand kann vorhersehen, wie gemischte Teams auf Profiebene den Fußball verändern würden. Geht es um die Frauenquote, beklagen Männer oft, dass der Wettbewerb um die Kompetenz verzerrt würde. Höchste Zeit, das Spielfeld zu öffnen. Mögen die Besseren gewinnen.

06:00 11.07.2019
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