Mama macht das schon

Haushalt In der Krise fallen viele Paare in althergebrachte Geschlechterrollen zurück

Vor der Krise haben wir uns zu Hause die Klinke in die Hand gegeben (ein pendelnder Lehrer, eine selbstständige Moderatorin, ein Krippenkind). Fünfzig-fünfzig, Familienkalender auf dem Smartphone, du heute das Kind, ich den Einkauf – so machen die modernen Paare das doch. Inzwischen sind alle meine Auftritte abgesagt. Der Lehrer sitzt in Online-Konferenzen und versucht, seine Schüler*innen zu unterrichten. Ich repariere Trecker, schiebe Züge, lese vor, schneide Birnen und wische das Bad. Keine Zeit, um Aufträge von zu Hause aus zu erledigen. Stattdessen denke ich beim Spielen darüber nach, ob mir einer dieser Haushaltskittel meiner Oma stehen würde und was man außer Nudeln sonst so für ein Kind kochen kann.

„Die Corona-Krise forciert die traditionelle Arbeitsteilung bei Paaren“, sagt die Soziologin Bettina Kohlrausch, designierte Wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung. Eine Online-Befragung im Auftrag der Stiftung zeigt: Von den Elternpaaren, die vor der Krise die Betreuung der Kinder gleichmäßig aufgeteilt haben, machen das aktuell nur noch 62 Prozent. Bei den übrigen übernehmen die Frauen vermehrt die Care-Arbeit – sie sind diejenigen, die in der Krise Arbeitsstunden reduzieren und häufiger freigestellt werden. Das ist also die Rolle der Frauen in der Krise – entweder halten sie unterbezahlt das Sozialsystem am Laufen oder sie machen, komplett unbezahlt, zu Hause die Erziehungsarbeit. Oder beides. Die Quittung bekommen wir Frauen spätestens im Rentenalter. Denn wer weniger erwirtschaftet, der zahlt weniger ein – egal, wie liebevoll man sich um die Kinder kümmert. Erste hilfreiche Schritte verlangen jetzt zahlreiche Eltern in den sozialen Netzwerken unter #coronaeltern sowie mit der Forderung nach einem Corona-Elterngeld und einer verantwortungsvollen Öffnung der Kitas und Schulen. Das ändert zwar wenig an der neuen Rollenaufteilung zu Hause – sichert aber zumindest Existenzen, wenn ein Elternteil die Betreuung des Kindes auffangen muss. Mir brennt derweil die Zucker-Butter-Mischung für die Zimtschnecken an. „Warum machst du das überhaupt, Mama?“ Ja, mein Kind, das frage ich mich auch.

Ninia „LaGrande“ Binias aus Hannover ist Autorin, Moderatorin und – mit der Schauspielerin Denise M’Baye – Podcasterin (Die kleine schwarze Chaospraxis)

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06:00 30.04.2020

Ausgabe 48/2020

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