Teresa Bücker
01.03.2012 | 07:00 32

Mariannes Töchter

Can-Do-Girls Intelligente, attraktive Frauen erobern die Politik. Der Glamour gibt ihnen Macht. Trotzdem: Noch immer entscheiden andere, wer überhaupt Alphamädchen sein darf

In den öffentlichen Debatten wird jungen Frauen im Moment mit überraschend großer Faszination, mit Enthusiasmus, aber auch mit Besorgnis und Angst begegnet. Es herrscht lustvolle Aufregung. Die Frauen, so heißt es, sind „auf dem Sprung“.

Das Can-Do-Girl als attraktive Vorbotin der sozialen Transformation sei allgegenwärtig, schreibt die britische Kulturwissenschaftlerin Angela McRobbie in ihrem Buch Top Girls – einer Studie über den Aufstieg des neoliberalen Geschlechterregimes. Geschlechtergerechtigkeit ist nach McRobbie ein wichtiger Gradmesser für die Fortschrittlichkeit einer Gesellschaft geworden. Solange die aber nur schleppend vorankommt, erscheint es als eine notwendige Kompensation, zumindest die Inszenierung zu wagen: Man tut so, als hätten Frauen den Kampf um Gleichberechtigung längst gewonnen.


Eine Überraschung ist es daher nicht, dass insbesondere junge Frauen zu den neuen Ikonen politischer Bewegungen geworden sind. Camila Vallejo ist das Gesicht der chilenischen Studentenbewegung; die in der Ukraine geborene Jüdin Marina Weisband kann man hierzulande als die bekannteste Piratin bezeichnen, und auch Die Linke hat mit Sahra Wagenknecht eine neue Protagonistin gefunden.

Damit die Erzählung über moderne Revolutionen gelingt, ist es nur logisch, die Rolle von Jugend, Schönheit und Weiblichkeit stark herauszustellen. Denn diese Ästhetik bricht den Alltag der Macht auf: Über den bewussten Kontrast zum ergrauten Politikbetrieb provoziert sie Aufmerksamkeit und bedient den Markt mit sprachgewaltigen Bildern. Doch verfügt diese neue Ästhetik, diese Macht der Schönheit, auch über politische Relevanz?

Zuerst einmal offenbart sie eine doppelte Sehnsucht des Publikums: Die Revolution will Utopie. Und Revolutionärinnen können Anhänger für Ideen, die eher ein neue