Walter van Rossum
03.12.2009 | 11:30 6

Mit Macht auf Sendung

Öffentliche Sender Statt auf Qualitätsjournalismus zu setzen, käuen die öffentlich-rechtlichen Sender konformistische Meinungen wieder. Kritik oder gar Originalität: Fehlanzeige

Verblüffend. Verblüffend. Neuerdings sieht man in den öffentlich-rechtlichen News-Sendungen schon mal einen etwas weniger staatstragenden Bericht über unseren neuen Bundesminister des Auswärtigen. Anderntags macht sich ein Reporter offen lustig über die wirren finanzpolitischen Pläne der Regierung. Das gelegentlich erstaunlich ungemütliche Medienmagazin „Zapp“ des NDR erhält die Weihen des Hauptprogramms. Was ist los?

Zehn Jahre einer faktischen großen Koalition liegen hinter uns. Die bleiernen Zeiten einer fast totalitären Fixierung auf ein halbes Dutzend dürftig begründeter Maximen des politischen Handels und Denkens sind vorbei. Wer in jenen Jahren Bedenken gegen die Wonnen des Neoliberalismus hegte oder an Sinn und Rechtmäßigkeit der militärischen Afghanistan-Mission zweifelte, musste bei auflagenschwachen Kampfblättern um mediales Asyl bitten.

Wir wollen die Erleichterung nicht übertreiben. Der Vorhang hat sich ein wenig gehoben, die schlimmsten Auswüchse sind vorbei, eine so infernalische Propagandanummer wie die Gedenkstaffel zum Mauerfall ist vorläufig so nicht mehr zu erwarten. Doch wie haben wir das zu verstehen? Wieso hat der öffentlich-rechtliche Qualitätsjournalismus in den vergangenen zehn Jahren so meisterhaft seine Qualitäten versteckt? Wieso erleben wir nach der Bundestagswahl eine wenigstens in Ansätzen etwas lockerere, etwas differenziertere Berichterstattung? Es scheint, dass der Blick, den der gegenwärtige Journalismus auf die Welt riskiert, stets parlamentarischer Deckung bedarf. Hätte es im Parlament eine nennenswerte Opposition gegen die Agenda 2010 gegeben, dann hätte es auch nicht dieses flächendeckende mediale Einverständnis mit den neoliberalen Reformen gegeben. Die Entlassung von Nikolaus Brender als ZDF-Chefredakteur in der vergangenen Woche ist nur ein weiteres Beispiel für das Kuschen der Öffentlich-Rechtlichen vor der Macht.

Willkommen zur Tagesshow

Dieter Hildebrandt hat vor Jahrzehnten gesagt, die Tagesschau habe den Informationswert eines Fix Das stimmt, wenn man einen klassischen Informationsbegriff zugrunde legt. Die Berichterstattung über die Agenda 2010 ist aber ein schönes Beispiel dafür, wie die parlamentarischen Perspektiven exakt in Sprach- und Bildregelungen übersetzt werden. Insofern kommt der Tagesschau sogar ein hoher Informationswert zu: besser kann man kaum abbilden, was wir nicht wissen sollen. Allein, mit unabhängigem Journalismus hat das nichts zu tun.

Am 13. November vernehmen wir in der Tagesschau eine erfreuliche Meldung: Die fünf Hauptverdächtigen der Anschläge vom 11. September sollen von Guantanamo nach New York der zivilen Gerichtsbarkeit überstellt werden. Man fragt sich, was der Nachricht ihr Gewicht verleiht. Wahrscheinlich geht es um einen weiteren Nachweis der zivilisatorischen Fortschrittlichkeit der USA unter Obama. Dahinter verschwindet die eigentliche Sensation dieses Berichts. Sie besteht aus zwei Statements des amerikanischen Justizminister Eric Holder, der verkündet: „Ich hätte die Anklage vor einem Zivilgericht nicht zugelassen, wenn wir nicht glauben würden, dass sie am Ende erfolgreich ist.“ Mit anderen Worten: Der Ausgang des Verfahrens steht längst fest. Damit kein Missverständnis entsteht, bekräftigt Holder: „Ich gehe davon aus, dass wir die Staatsanwälte dazu bringen, für jeden der mutmaßlichen Verschwörer die Todesstrafe zu beantragen.“ Da verkündet also der Justizminister der mächtigsten Demokratie auf Erden, dass ihn der Rechtsstaat einen Dreck schert. Die Tagesschau feiert das als Rückkehr der USA zu zivilen Rechtsnormen und beruhigt gleichzeitig die Zuschauer, dass die Terroristen schon nicht freikommen. So funktioniert die Tagesschau als reibungslose Einweisung in das feine Spiel der gerade geltenden Sprachregelungen.

Rudel statt Recherche

„Oh, Sie halten also sämtliche Journalisten für korrupt“, wird man mir mit überlegener Empörung entgegenhalten. Nein, ich halte sie bloß für außerordentlich konformistisch. Und Konformismus ist für alle Seiten die billigste und effizienteste Lösung. Wer die Routinen medialer Betriebe ein wenig aus der Nähe kennt, weiß, dass Konformismus die sicherste Währung ist: Rudelbildung bietet den größten Schutz. Das fast reibungslose Funktionieren des Konformismus, hat eine stabile Grundlage: Journalisten wissen nicht, was sie tun. Wenn man einen erfahrenen Journalisten fragt: „Wie kann eigentlich der Journalismus Zeugnis von der Welt ablegen?“ – dann wird er meist schon die Frage putzig finden, bestenfalls wird er ein paar Sätzchen aus dem Katechismus des Journalismus in der freien Welt zum besten geben. Die haben aber mit den Produkten des real existierenden Journalismus nichts zu tun. Dabei wäre ihre Umsetzung der Auftrag der Journalisten – insbesondere beim gebührenfinanzierten Rundfunk.

Wer sich die Qual antut, einige hundert Ausgaben etwa der Tagesschau anzusehen, ringt bald mit Lähmungserscheinungen. Hundertfach sehen wir ihren Karossen entsteigende Politiker, gestelltes Händeschütteln, durch und durch vorhersehbare Ansprachen von mobilen Kanzeln aller Art und Experten, die vor Bücherregalen nachdenklich in Schriften blättern. Die Tagesschau stellt das Reale still, friert sie in Ereignissen ein, in denen die Wirklichkeit Audienz gewährt. Sendungen wie die Tagesschau sorgen dafür, dass die Welt so aussieht, als schließe sie unmittelbar an die Tagesschau von gestern an und als sei dies der tiefste Sinn des Laufs der Dinge. In Wahrheit ist die Welt wild, widersprüchlich, durchgeknallt und eben auch hinreißend. Mit Sicherheit findet sie nicht statt als eine Folge abfilmbarer Ereignisse.

Wir wissen einfach nicht, wo und wie die Welt gestrickt wird. Geht es um die Klimaveränderung, geht es um die neuesten Fortschritte der Gentechnologie, geht es um Hunger, um Wasser, um ökonomische Prozesse in China oder um die clouds im Web 2.0? Man muss ja nicht gleich postmodern werden. Es reichte, wenn die Tagesshows endlich davon abließen, die Welt im wesentlichen als eine Angelegenheit von ein paar Dutzend Staatsschauspielern mit grausamen Texten darzubieten, wenn Journalisten damit aufhörten, den Stand der Dinge aus der Perspektive der gerade geltenden parlamentarischen Vernunft zu schildern, und stattdessen die Welt als unlösbare Aufgabe einer jeden Berichterstattung behandelten. Dann bestünde vielleicht eine Chance zu verhindern, dass Generationen von jungen Leuten ins Internet abbiegen, wo sie sich sicher vor Merkels wirren Bekenntnissen zu mehr Wachstum fühlen dürfen. Dann wäre es zwar mit der Tagesschau als Familienzeremonie vorbei, als ritueller Kommunion, die uns mit den Sünden der Welt erwärmt – doch wir wären in einem Zustand, in dem die Frage: „Was ist eigentlich journalistische Information?“ nicht mehr nach Oberseminar klänge, sondern uns der medialen Verfassung unseres Daseins näher brächte und nebenbei ein bisschen besser informierte. Das wäre die wahre, die wunderbare journalistische Herausforderung: von der Unruhe des Realen vorläufiges Zeugnis abzulegen.

Walter van Rossum ist Autor des Buches Die Tagesshow. Wie man in 15 Minuten die Welt unbegreiflich macht (Kiepenheuer und Witsch)

Kommentare (6)

klonkifanko 03.12.2009 | 19:02

Harscher Kommentar, aber inhaltlich gleichwohl größtenteils berechtigt, wie ich fürchte. Es existiert ein sich deutlich manifestierender Medien- und Meinungsmainstream in Deutschland, der weder vor öffentlich-rechtlichen Medien noch vor renommierten Zeitungen Halt macht.

Die Frage nach den Ursachen respektive Gründen hierfür muss gestellt werden. Ich halte es für ein kompliziertes Dilemma, einerseits politische Unabhängigkeit der Medien gewährleisten zu wollen und andererseits privatwirtschaftlichen Unternehmen die Informationspflicht der Bevölkerung aufzutragen. Warum sollte ich als großer Verleger kritische Inhalte fördern? Wie weit könnte Kritik überhaupt gehen, wenn ich sie zuließe und unterstützte?

Es wäre also vielleicht klüger, nicht nur Schelte zu betreiben, sondern die Journaille selbst als gefangen in bestimmten Mechanismen zu betrachten. Alles andere spräche ihr auch Macht zu, die sie selbst nicht besitzt.

misterl 03.12.2009 | 20:38

Ich nicke ja gerne und eifrig mit dem Kopf stelle aber dennoch zum Anschein eine kritische Frage. Ist der Unterschied Nachrichtensendung (Tagsschau) und journalistische Informationssendung (Monitor, Panorama, Markt, etcpp.) am Ende des Tages eben auch eine andere Zielrichtung?

Die Tagesschau als Schlagwortregister/Index für alle jene die danach mehr Wissen wollen?!? Das macht die Qualität nicht besser als sie ist, aber der Anspruch wird ein reduzierter im Bezug auf guten Journalismus.

Columbus 04.12.2009 | 00:48

Ich bin für ein neues Kunstwort in den Medien, "Schrillisierung". Warum?

Nun, sowohl Web-Communities als auch Blogs und Foren lassen sich gerne anstecken von einer Masche, die sie selbst überhaupt nicht erfunden haben. Anders, als derzeit ein beliebter Meinungstrend lautet, nämlich Alles was leicht faul rieche, krieche aus dem Netz, stammt die Kunst des schrillen Tons aus den irgendwie ganz gewöhnlichen Medien und wird höchst professionell befördert.

Einige Beispiele und Protagonisten so genannter öffentlicher, ja sogar öffentlich-rechtlicher "Schrillisierungen":

I
Der Postmanager Klaus Zumwinkel war in der Lage, einige Millionen am Finanzamt vorbei in Lichtenstein anzulegen. Der klassische Fall der Steuerhinterziehung, skandalisiert an der Person des Managers, nicht etwa an der dauerhaften Unfähigkeit des Staates, sich endlich der frei flottierenden, meist unversteuerten Geldströme in Abermilliardenhöhe anzunehmen, die nicht etwa nur aus privater Eigensucht weggebracht werden, sondern ganz systematisch und systemkonform im großen Stile und selbstverständlich von Geldhändlern aller Art unterstützt. - Nein, der Staat hatte nicht viel Besseres im Sinn und die Medien, vor allem jene die sich Orientierungsmedien schimpfen unterstützten das bereitwillig, als diese unerträgliche, aber oftmals juristisch nicht greifbare Abzocke, auf das vergleichbar banale Niveau von Steuerhinterziehung und juristischen Petitessen zurück zu drängen.

Die mediale Öffentlichkeit regte sich über Zumwinkel maßlos auf, reagiert aber umgekehrt weiterhin völlig gelassen, wenn durch geschickte Refinanzierungsmodelle und komplizierte, weitgehend geheime Wirtschaftsverträge des Staates mit den Banken nicht nur Milliarden aus öffentlichen Haushalten in privaten Besitz übergehen, sondern auch noch ein fleißiges Provisionswesen manchmal mehr an einem Geschäft ausmacht, als der ausgewiesene und dann zu versteuernde Gewinn. Die Provisionen fachmännisch von der Steuer ab zu setzen, sollte den Könnern auf diesem Gebiet auch noch gelingen.

Recherchen in diesen Bereichen sind schwer, spröde niederzuschreiben und fern ab, der viel lieber geübten Stilform, in klugen Essays die Rettung des Kapitalismus vor seinen Betreibern herbei zu schreiben, in dem man einen "ethischen Kapitalismus" ausruft und Manager ins Kloster, zu Einkehr und Besinnung oder zu Dominikanermönchen ins Ethik-Seminar schickt, oder ihnen ein paar Weltethos-Reden von Küng über Schmidt und Gorbatschow bis zu Bono, zu Gemüte bringt.

Gegen eine prinzipiell ohne Ethtik formulierte Wirtschafts- und Eigentumsphilosophie, sie hat sich, das kann man nicht anders sagen für einen kleineren Teil der Weltbevölkerung wirklich massiv gelohnt, helfen nur klare, transparente und durchsetzbare Regeln und die beständige gesicherte Abschöpfung spekulativ und eben nicht produktiv geschaffener Kapitalien.

Eine Wette, daran kann sich niemand mehr trauen, denn er landete entweder als Terrorist und Staatsfeind im Knast oder aber in der "Irrenanstalt". -"Irgendwie Links" erscheint mir am Ende dann wie eine Vermählung der Chance, sowohl im Knastabseits, als auch im Narrenkäfig zu enden.

II
In jeder zweiten, Unsinn, in jeder TV-Sendung zum Thema Wirtschaft, in den feuilletonistischen Wirtschaftsteilen großer Zeitungen, in der Tagespresse allgemein, tönt es derzeit, mit viel Applaus seitens des Publikums, die Managergehälter müssten begrenzt werden. An der Tatsache, dass selbst die exorbitant gute Bezahlung dieser elitären "Arbeiterklasse" nichts ist, im Vergleich zu der rein spekulativen Strategie von Großvermögenden, Kapitalien durch Kapitalanlage überproportional zu vermehren, ändert das aber nicht viel.

Manager, oder sagen wir doch besser, es trifft auf die Spitzenleute in der Wirtschaft allemal besser zu, Privatvermögende mit dem Hang außer ihren Vermögen auch noch Macht und fremdes Vermögen steuern und lenken zu können, definieren sich doch längst nicht mehr an einem festen Gehalt oder an festen Gratifikationen für eine Arbeitsleistung. Sehr geschickt, aber auch eindeutig, heißt das heutige Zauberwort Gewinnbeteiligung, Beteiligung am Erfolg und Bezahlung nach Marktwert. Sogar die Gewerkschaften haben diese Sprache mittlerweile geschluckt und hadern damit, nicht den ausreichenden Arbeitnehmeranteil am Erfolg eines Unternehmens zu erlangen. Sie sind ja auch nur die Vertreter der Produkthersteller oder der Dienstleister. An der Spekulation und am Handel mit der Leistung ihrer Mitglieder auf dem Markt sind sie natürlich nicht beteiligt. - Leider schreibt kaum ein Journalist einmal dazu, wie sehr doch die eingebrachte Leistung und der dafür ausgezahlte Betrag an die Arbeitnehmer, vom mit ihrem Einsatz ermöglichten realen Gewinn der Kapitalseite abweicht.

Begründet wird das immer mit dem "Risiko" der Kapitalseite, obwohl das bei Unternehmungen und Dienstleistungen weitgehend bei den Arbeitnehmern verbleibt. Das Risiko der Unternehmer beschränkt sich, selbst bei den immer wieder so gelobten größeren Familienunternehmen in Deutschland, wenn es in die höheren Millionen- und Milliardenbeträge geht, eher auf eine mehr oder weniger starke relative Abnahme der Buchwertvermögen und keinesfalls auf ein tatsächliches persönliches Lebensrisiko der Eigner oder Kapitalgeber, oder ihrer Familien. Was große Eigner in Schwierigkeiten wirklich stört, das ist die schnell schrumpfende Renditeerwartung auf den Kapitalmärkten, mangelnde Kreditwürdigkeit bei den großen Geschäftsbanken und institutionellen Anlegern für das nächste "Merger" und der Machtverlust in der Krise, sobald nachkontrolliert, staatliche Hilfen und Kredite gewährt werden. Keiner stellt sich gegen Hilfen. Das wäre auch töricht, denn wer lässt schon so günstige Konditionen liegen. Aber die damit verbundenen Einblicke in die Geschäftsbücher, die stören beträchtlich.

III
Der neueste Trend der "Schrillisierung" kommt aber aus den hehren Gefilden der Kultur- und Geisteseliten selbst.
Sie haben das Prinzip Markt ja mittlerweile akzeptiert und eben auch erkannt, dass dort Regularien für die Zugehörigekeit und den Erfolg gelten, die vorher, im beschaulichen Reich des Erkenntnisinteresses und der individuellen Gestaltung, keine oder doch kaum eine Rolle spielten. So fürchten nun reihenweise Großautoren und Großverleger um "ihr" materielles und geistiges Eigentum und schreiben Petition um Petition. Das zwingt sie auch zu kräftigen Verrenkungen bezüglich politischer Positionen, die Ihnen, geistig flexibler als das Publikum, nicht allzu schwer fallen. Geistiges Eigentum wird so kapitalisiert und das verlangt die Anerkenntnis der Spielregeln und des Marktes.

Hans Magnus Enzensberger wird zum Mathematiker der Nation, Peter Sloterdijk zum Apologeten der Eigentumsordnung, ja zum neuen Apostel der rechtzeitigen Grenzziehung, dass vom Eigentum nur noch freiwillige Beträge abzuführen seien, so wie es einst in der Ära des Industriekapitalismus reiche Philantropen gab, die die fehlende soziale Sicherheit zumindest punktuell beseitigten. So wie diese Leute, freiwillig zu Vermögen gekommen, dann freiwillig für die Häuser sorgten, in denen sich bürgerlicher Kunstsinn schon immer am liebsten und besten aufgehoben sah, im Museum.

Sloterdijk hat sich auf seine alten Tage hin, fest entschlossen, ganz nahe bei den wirklich produktiven Kräften im Lande zu bleiben. Das geht im "Philosophiemuseum" einfacher, als zum Staatsfeind oder zum Irren erklärt zu werden und es zahlt sich aus.

Grüße

Christoph Leusch

misterl 07.12.2009 | 18:12

Nun, Deine "Schrillisierung" ist am Ende doch nur nur ein anderer Begriff für unter den Teppich kehren von Dingen, die zu skandalisieren wären im Gegensatz zu denen, die skandalisiert werden.

Beispiel Brötchenklau und Kündigung und (Bank-)Manager, Boni und was goutieren "wir", also Gesellschaft.

Beispiel Zumwinkel und die zu guten hessichen Finanzbeamten.

Beispiel alltäglicher Hungertod und Schweinegrippe.

Wo ein Busunfall auf einer Strasse irgendow in der Welt eine Nachricht in der Tagesschau ist, der alltägliche Hungertod als Summe nicht, da ist die Welt nicht in Ordnung. Gibt es einen Brennpunkt wegen einer Bruchlandung im Hudson aber keinen wegen der hessichen Finanzbeamten, so brauchen wir nicht nach Enzensberger oder Sloterdijk zu rufen. Sie hülfen nicht selbst wenn sie helfen wollten.

Also - "Schrillisierung" ist nichts Neues, sondern DAS Weichspül Programm im westlichen Medieninformationstheater auf jedem Niveau. Wenn jetzt auch noch Enzensberger oder Sloterdijk auf den Zug aufgesprungen sind - warum darüber aufregen? Sehr viel größer wird der Schaden dadurch nicht werden.

Pankefuchs 07.12.2009 | 23:10

Wer quält sich denn mit Analysen o.ä. zum Problem der nicht mehr vorhandenen "freien Presse"?
Für mich ist das Ganze sehr einfach. Im nicht mehr existierenden anderen Deutschlands nannte sich die Zeitung "Zentralorgan der S....E....D". Dort wusste man was man kauft und was drin steht.
Heute ist es kein Unterschied. Es sind alles (bis auf ein paar kleine Provinzmedien) ebenfalls Zentralorgane der CDU,CSU,SPD,FDP usw., eben von Wirtschaft und Politik. Wer erwartet denn etwas Anderes? Wer gut leben will muss gut verdienen. Und wer gut verdienen will steht unter ökonomischen Zwang.
Dafür gibt es kein besser treffenderes Wort als: Wessen Brot ich eß, dessen Lied ich sing!