Moralische Grenzüberschreitung

GENFORSCHUNG Sachverständige erklären ihre Missbilligung der britischen Unterhaus-Entscheidung zum "therapeutischen Klonen"

Unmittelbar nachdem die Entscheidung des britischen Unterhauses zum sogenannten "therapeutischen Klonen" bekannt wurde, haben eine Reihe von Sachverständigen der Bundestags-Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" eine öffentliche Erklärung verfasst und die Öffentlichkeit und den Deutschen Bundestag dazu aufgerufen, das "therapeutische Klonen" zu verhindern und sich für die Suche nach besseren Wegen der Behandlung einzusetzen.

Gegen das so genannte "therapeutische Klonen" sprechen nach Ansicht der ExpertInnen folgende Argumente:

Sie weisen darauf hin, dass die Technik, mit der das "therapeutische Klonen" ermöglicht wird, auch für das bislang von niemand gewollten reproduktive Klonen genutzt werden kann und dieses damit an "den Bereich des Machbaren" heran rückt.

Weiterhin unterschreite die Herstellung und der Verbrauch menschlicher Embryonen eine ethische Grenze. Die "gezielte Herstellung menschlicher Embryonen zum Zwecke der Verwertung" bedeute nicht nur eine "Verrohstofflichung von Embryonen", sondern führe auch zu einer "folgenschweren Veränderung des Selbstverständnisses des Menschen".

Weiterhin erfordert die Praxis des therapeutischen Klonens die "›Gewinnung‹ menschlicher Eizellen in bisher ungekanntem Ausmaß. Das bedeute einen keineswegs risikofreien Eingriff in den Körper der Frau, der "mit einem Nutzen für die ›Spenderinnen‹ nicht gerechtfertigt" werden könne und die Gefahr in sich berge, die Frauen zu "Rohstofflieferantinnen" herabzuwürdigen. Darüber hinaus müssten in der Bundesrepublik, wo die Eizellspende aus guten Gründen verboten ist, entsprechende gesetzliche Neuregelungen getroffen werden.

Die ExpertInnen weisen darauf hin, dass eine Reihe von Krankheiten, die durch das "therapeutische Klonen" bekämpft werden sollen, durch Umwelteinflüsse entstehen. Die Beschränkung auf medizinisch-technische Lösungen versperre alternative Forschungsrichtungen.

Gänzlich unlauter halten es die UnterzeichnerInnen des Aufrufs, dass in der Diskussion über Stammzellenforschung so getan wird, als stünden in absehbarer Zeit neuartige Therapien zur Verfügung. Dagegen sei die "Aussicht auf therapeutische Effekte" noch "rein spekulativer Natur". Bislang gebe es lediglich Erkenntnisse im Bereich der Tierforschung, die "keine Voraussagen über konkrete therapeutische Optionen" zuließen. Dasselbe gelte für die möglichen Gefahren für die betroffenen Patienten.

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