Nils Markwardt
13.08.2012 | 11:18 8

Mustergültige Mimikry

Populismus Alain de Benoist, Vordenker der neuen Rechten, bedient sich linker Kapitalismuskritik und wirbt so für völkisches Denken

Mustergültige Mimikry

Vexierbild: Wo hat sich hier die rechte Kapitalismuskritik versteckt?

Foto: Mark Renders / Getty Images

Nachdem der konservative Publizist und Thatcher-Biograf Charles Moore vor einiger Zeit in einer vielbeachteten Kolumne darüber sinniert hatte, dass der Konservatismus sich bedauerlicherweise vom Big Money habe korrumpieren lassen und zähneknirschend eingestand, dass die Linke doch ein bisschen recht hatte, spendete diese triumphierend Beifall. Allein, sie musste das Ende seines Textes dafür schon geflissentlich überlesen haben. Dort prognostizierte Moore nämlich optimistisch, dass der Konservatismus bereits deshalb überleben wird, weil man sich auf die „Dummheit der Linken“ verlassen könne.

Indes gibt es aber auch Kapitalismuskritiker, die sich ganz vorbehaltlos über Moores politische Beichte gefreut haben dürften. Gemeint ist die „Neue Rechte“, jene heterogene Bewegung in der Grauzone von Nationalkonservatismus und intellektuellem Rechtsradikalismus, die sich hierzulande vor allem im Umkreis der Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) sammelt. In der geistesgeschichtlichen Tradition der „konservativen Revolution“ (Armin Mohler) um Ernst Jünger und Carl Schmitt eint diese vor allem ein Ziel: Den Konservatismus wieder als fundamentalen Anti-Liberalismus zu denken. Stand dabei lange die kulturell-moralische Dimension im Vordergrund, wird diese nun zunehmend durch eine ökonomische komplettiert.

Auf der Höhe des Zeitgeistes

Dass sich hieraus eine so explosive wie unheilvolle Mischung ergibt, beweist das neue Buch von Alain de Benoist, Vordenker und Cheftheoretiker der „Neuen Rechten“. Denn anlässlich der Finanzkrise hat die Edition-JF, die neben einigen früheren Werken des französischen Philosophen allerlei geschichtspolitische Deutschtümelei im Sortiment hat, nun dessen kapitalismuskritischen Essay Am Rande des Abgrunds – Eine Kritik der Herrschaft des Geldes herausgegeben. Einen Essay, der an Perfidie schwer zu überbieten ist.

Zunächst muss man Benoist attestieren, dass seine Analyse der Finanzkrise rhetorisch zwar etwas holzschnittartig daherkommt, inhaltlich aber durchaus profund wirkt. Betont lehnt er eine moralisierende Argumentation ab und verweist auf zwei inhärente Probleme des Kapitalismus: Zum einen auf die strukturelle Kapital-Überakkumulation, also die stete Selbstvermehrung des Kapitals, die gleichzeitig die Entstehung von Massenkaufkraft als eigene Wachstumsgrundlage verhindert. Zum anderen auf den postfordistischen Zwang zur Finanzialisierung, also zur finanzökonomischen Durchdringung aller Wirtschaftskreisläufe, um die fallenden Profitraten der Industrieproduktion spekulativ zu kompensieren. Damit steht Benoist fest auf der Linie der meisten (post-)marxistischen Ökonomen.

Und mehr noch: Indem er von Karl Marx über Rosa Luxemburg bis Cornelius Castoriadis und André Gorz das halbe linke Theoriespektrum durchkurvt und den Neoliberalismus nicht nur als Wirtschaftssystem, sondern ebenso als gouvernementale Technologie des Selbstmanagements zeichnet, begibt er sich auch hier auf die diskursive Höhe des kapitalismuskritischen Zeitgeistes. Obschon sein anti-neoliberaler Marshallplan – Abschaffung des Kreditwesens, Aufkündigung des globalen Freihandels und Rückkehr zu national-protektionistischen Wirtschaftszonen – haarsträubender Unsinn ist, staunt man dennoch, wie verstörend geschmeidig Benoist in linksintellektueller Mimikry seine eigentliche Botschaft überbringt.

Kultureller Rassismus

Und die hat es in sich: Wenn er den „riesigen homogenen Markt“ geißelt, „auf dem alle Menschen dieselben Objekte begehren, wo kulturelle Eigenheiten und unterschiedliche Mentalitäten niemals der Logik des Kapitals in die Quere kommen“, lauert dahinter ein zutiefst anti-egalitäres Anliegen. Im Zentrum von Benoists Denken, das auch ein wesentliches theoretisches Bindeglied der „Neuen Rechten“ bildet, steht der „Ethnopluralismus“ und das damit verbundene „Recht auf Differenz“.

Was sich nach postmodernem Multi-Kulti anhört, bedeutet jedoch genau das Gegenteil: Die Forderung der territorialen Trennung verschiedener Ethnien und Kulturen. Das unterscheidet sich theoretisch zwar insofern vom klassischen Rassismus, als dass hier „Rasse“ durch „Kultur“ ersetzt und der Fremde nicht zwangsläufig als minderwertig begriffen wird, ist aber letztlich nichts anderes als eine akademische Version von „Les français d’abord“ (dt. „Franzosen zuerst“) oder „Deutschland den Deutschen“. Wenn Benoist also die uniformierende Herrschaft des Geldes kritisiert, um ihr das „Recht auf Differenz“ entgegenzusetzen, ist damit tatsächlich kein Recht auf Alterität, sondern die Pflicht zur völkischen Homogenität gemeint.

In besonders infamer Weise zeigt sich das, wenn Benoist versucht, Fremdenfeindlichkeit zum ersten antikapitalistischen Gebot zu erklären. Als „Menschen ohne Klassenbewusstsein und Klassenkampftradition“ bildeten Migranten die „Reservearmee des Kapitals“ und unterwanderten als ausländische Agenten des Lohndumpings somit die nationale Solidargemeinschaft. Wer sich nicht gegen Einwanderer zu Wehr setze, mache sich folglich zum Komplizen der Großindustrie. Dass es also die unterbezahlte ukrainische Reinigungskraft oder der tunesische Ingenieur und nicht etwa der Mangel an politisch formulierten Sozialstandards sein soll, der den Wohlfahrtsstaat zurichtet, ist xenophobe Sozialdemagogie erster Güte.

Benoist pflegt hier einen kulturellen Rassismus, der Nationen und Völker nicht als schon immer hybride Konstruktionen, sondern als empirisch homogene Gebilde versteht. Deswegen kreist sein Buch auch beständig um die Vorstellung, dass der Volkskörper sich nur seiner fremden Elemente entledigen müsse, damit aus dem multikulturellen volonté de tous endlich ein völkischer volonté générale, aus der demokratischen Kakophonie also ein einheitlicher Nationalwille erwachse.

Lehrmeister Carl Schmitt

Beunruhigend ist dieser ökonomische Profilierungsversuch der „Neuen Rechten“ vor allem im Hinblick auf die Eurokrise. Denn wo einerseits die Kapitalismuskritik bis tief ins bürgerliche Lager vorgedrungen ist und andererseits die Völkerpsychologie in Gestalt von faulen Griechen und schwäbischen Hausfrauen wieder durch die Talkshows spukt, findet sich ein politischer Nährboden, den man nur bewirtschaften müsste. Sollte dies der „Neuen Rechten“ tatsächlich gelingen, wäre das nicht nur ihrem biederen Auftreten und dem Verzicht auf tumbe Parolen und (offene) NS-Nostalgie, sondern eben auch der argumentativen Geschicktheit ihres theoretischen Wortführers zu verdanken. Benoist scheint da seinen Lehrmeister Carl Schmitt besonders in wirkungsstrategischer Hinsicht genau gelesen zu haben. Die Lektüre seines Essays evoziert unweigerlich eine Bemerkung Ernst Jüngers über Schmitts Begriff des Politischen. Jünger konstatierte begeistert, dem späteren „Kronjuristen des Dritten Reichs“ (Waldemar Gurian) sei eine „besondere kriegstechnische Erfindung gelungen: eine Mine, die lautlos explodiert. Man sieht wie durch Zauberei die Trümmer zusammensinken; und die Zerstörung ist bereits geschehen, ehe sie ruchbar wird.“

Am Rande des Abgrunds – Eine Kritik der Herrschaft des Geldes Alain de Benoist Edition JF 2012, 200 S., 24,90€

 

Nils Markwardt hat zuletzt über Notizen aus Homs von Jonathan Littell geschrieben

Kommentare (8)

Tiefendenker 13.08.2012 | 13:13

Vielen Dank für diesen anschaulichen und wichtigen Beitrag!!! Wird eine wichtige Referenz zu diesem Thema und entsprechend verlinkt!

Ergänzung:

In England nähert sich der Neoliberalismus von der anderen Seite her der Neuen Rechten. Arbeit zu ontologisieren, getreu dem Motto "Jede Arbeit ist besser als keine" fügt man dort hinzu "selbst wenn sie unbezahlt erfolgen muss". Siehe.

http://www.jungewelt.de/2012/08-13/016.php

...da wird eine Grenzlinie überschritten, nämlich die zum Faschismus analog zur NS-Zeit. Damals benötigte man allerdings für Zwangsarbeit noch Stacheldraht und Wachtürme. Heute ist das Geschichtsvergessen so groß und sind Moral und Ethik so tief gesunken, dass man sogar ohne auskommt. Die Subjekte dürfen "frei" im Gehege umherlaufen und folgen der Doktrin der eigenen Unfreiheit trotzdem. Die Selbstkonditionierung durch das "automatische Subjekt" funktioniert prächtig.

Während gestern Abend in bunter Farbenpracht und viel Pomp die Abschlussveranstaltung der Olympischen Spiele 2012 über die TV-Bildschirme der Welt übertragen wurde, erniedrigt man sich selbst auf sozial eh schon niedrigem Niveau. Auch das ist vielleicht eine Art NS-Nostalgie oder zumindest eine Parallele. Geschichte wiederholt sich auf höherem Niveau.

Die Unsichtbaren Deutschen 13.08.2012 | 14:19

Rechte Geschichtsfälschungen

Die Neue Rechte betreibt ganz grobe Geschichtskitterung. Der Nationalstaat ist der grosse Gleichmacher in der Geschichte und schert sich sehr wenig um das Recht auf Differenz.

Frankreich war vor der Französischen Revolution ist Mosaik aus verschiedenen Sprachen und lokalen Dialekten. Die heutige französische Nationalkultur mußte mühsam mit staatlichen Monopolen auf das Erziehungswesen, der Armee und durch politische Zentralisierung durchgesetzt werden.

In Deutschland wurde diese historische Wahrheit gerade im Konzept der Kulturnation geleugnet. Eine Nationalkultur gibt es nicht urwüchsig, sondern es gibt immer einen durchsetzenden Staat. So war auch der Versuch der Konstruktion einer Nationalkultur durch das Grimmsche Märchensammeln auch immer eine lächerliche Angelegenheit, weil die Ursprünge vieler Märchen in Frankreich liegen.

(Post)marxistische Kapitalismuskritik

Der Artikelverfasser sollte erklären, was er mit linker Kapitalismuskritik meint. Marxistische Ökonomen knappern immer noch erfolglos an einer Theorie vom Mehrwert, die angeblich aus der Arbeit allein stammt. Der Beweis dieser Behauptung bleiben sie schuldig. Zeigen Sie einmal die ökonometrischen Arbeiten, die eindeutige Korrelationen von Güterwachstum & Preisindikatoren mit der Qualität und der Quantität der geleisteten Arbeitsstunden nachweisen.

volonté générale

Sie werden keine Konservativen und Liberalen finden abgesehen von halbgebildeten konservativen (?!) Journalisten, die sich freiwillig dem volonté générale ihr Schicksal überlassen.

Denn der volonté générale ist immer ein Ausdruck des Willens der Habenichtse. Eine politische Herrschaft des volonté générale ist daher immer auch die Herrschaft des Pöbels und ein solch eingerichteter Staat löst das Begehren auf fremden Privateigentums aus. Echte Konservative und Liberale lassen sich niemals vom Nationalwillen beeindrucken.

Vom volonté générale und seiner angeblichen Urwüchsigkeit bleibt nicht viel übrig, wenn man die Erkenntnisse der Soziobiologie in Anschlag bringt. In der Soziobiologie gibt es nur Individualselektion, Verwandtenselektion und sexuelle Selektion. D.h. in der Natur gibt es nur einen Mechanismus der dem volonté générale zugrunde liegen könnte - nämlich die sexuelle Selektion.

Die sexuelle Selektion kann aber keinen Kooperationswillen von Großgruppen zusammenhalten, dass eine Nation nun einmal darstellt.

Tiefendenker 13.08.2012 | 20:26

@DIE UNSICHTBAREN DEUTSCHEN

Der Beleg für

"...die eindeutige Korrelationen von Güterwachstum & Preisindikatoren mit der Qualität und der Quantität der geleisteten Arbeitsstunden..."

ist geschichtlich und empirisch durch den Fordismus erbracht worden. Das Kapital sog mehr Arbeitskräfte zu seiner eigenen Verwertung auf. In den 60ern gab es sogar Vollbeschäftigung in Deutschland. Qualität und Quantität der Produkte in den 1950/60er Jahren stieg beständig. Kann man sich heute in Museen und auf Flohmärkten immer noch ansehen. Nur so wurde Massenkonsum möglich.

Kapital hat wiederum zwei wesentliche Bestandteile, konstantes Kapital (techn. Aggregate, Maschinen, Werkzeuge) und variables Kapital (menschliche, bezahlte Arbeitsstunden). Die menschliche Arbeit unterteilt sich wiederum in direkte Arbeit (Bearbeitung der Natur) und indirekte Arbeit (wissenschaftlich-technischer Fortschritt zur Verbesserung der techn. Aggregate und Werkzeuge für die direkte Arbeit).

Daraus folgt logischerweise, dass Maschinen allein keinen neuen Mehrwert bilden können. Sie können weder wissen was produziert wird, noch in welcher Qualität oder Menge, noch werden sie dafür entlohnt und kaufen Dinge für eigene Bedürfnisse. Maschinen sind vielmehr selbst schon vergegenständlichte Arbeit, also „geronnener Wert“, der per Abschreibung (AfA-Tabellen beim Finanzamt) auf den Wert der Ware 1:1 umgelegt werden. Menschen bekommen hingegen Lohn und kaufen ein für ihre Bedürfnisbefriedigung. Daraus folgt: nur menschliche Arbeit bildet Mehrwert.

Anders formuliert: Nur die Ware Arbeitskraft hat als einziges Gut auf den Märkten einen Gebrauchswert, der höher ist als seine Kosten. Das äußert sich darin, dass nur die notwendige Arbeitszeit bezahlt wird und in die Kostenstruktur eingeht, während die Mehrarbeitszeit an den kapitalistisch-produktiven Unternehmer geht (Eigentumsrecht). Der Lohnarbeiter bekommt deshalb immer weniger an Wert bezahlt, also er produziert. Das bezeichnet man als Wertgesetz. Wo dieses Prinzip die gesamte Gesellschaft tendenziell beherrscht, hat man Kapitalismus...vereinfacht dargestellt.

Ich hoffe diese kleine Aufschlüsselung hilft Ihnen, in diesem Punkt Klarheit zu gewinnen.

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Ehemaliger Nutzer 13.08.2012 | 21:09

Benoist klingt für mich weniger fundamental konservativ (das findet man eher im Vatikan) als vielmehr reichlich kommunitaristisch. Vielleicht gehen Sie dieser Spur mal ergänzend noch nach.

Das Ganze hört sich schon sehr nach jener Denkschule an, die sich in den USA als Gegenströmung zum klassischen Liberalismus gebildet hat und die in ein tradiertes Links-Rechts-Schema nicht passt.

Die Kommunitaristen haben den Liberalen (womit ich keine Kasperlefiguren wie Rösler oder Westerwelle meine, sondern ernstzunehmende sozialliberale Köpfe wie John Rawls oder Ralf Dahrendorf) seit jeher vorgeworfen, den Menschen als reinen individuell-losgelöstes Wirtschaftsubjekt zu betrachten, während er in Wahrheit doch in einem irgendwie gewachsenen Umfeld mit irgendwelchen Bindungen etc. lebe.

Was man nicht so sehen muss. Aber Benoists "Ethnopluralismus" hat hiermit mehr zu tun als mit Ku-Klux-Clan, Kolonialpolitik und Weltmachtsstreben. (Wobei ich das Buch auch nicht kenne. Habe nur seinen "Aufstand der Kulturen" mal gelesen, aus dem meine Meinung über Benoist stammt.)

Sei´s drum. Prospektiv interessant ist doch eher, dass man den Gedanken eines "Rechts auf Differenz" nicht notwendigerweise als ein "Gegeneinander" lesen muss. Man könnte dieses Recht auf Differenz auch jeder Kultur gegenüber McWorld einräumen...

Erreicht "die Zivilisation" nicht in diesen Jahren die letzten unberührten Stammesgesellschaften - und zerstört Sie? Jammert nicht jeder China-Tourist über den Abriss der Pekinger Altstadt zugunsten seelenloser Betonklötze und Spekulationsobjekte? Es gibt tausend solche Beispiele.

Allerdings erfordern diese Gedanken natürlich, dass man gewachsene Kulturen nicht von vornherein (ich zitiere Sie hier) für hybride Konstrukte hält.

(Wer das tut, müsste konsequenterweise auch die Vereinten Nationen ablehnen. Wenn es doch nur Menschen"gibt... Und da ist sie wieder: die Abstraktion des Liberalismus... (eigentlich jedes Materialismus) Aber das nur am Rande und angesichts des an sich sehr interessanten Artikels beendet mit einem ;)

Man muss kein Anhänger Benoists sein (insbesondere nicht seines in der Tat vorhandenen Subtexts), um zu fragen, ob es überhaupt Sinn macht, von "Weltinnenpolitik" im "globalen Dorf" zu reden, wenn man von vornherein den Gedanken scheut, dass in diesem Dorf tatsächlich Häuser stehen könnten... (übrigens gerne mit offenen Türen und regelmäßigen "Dorffesten" wie der Olympiade etc. pp.)

Wie will man die Menschen aus dem Kapitalismus herausholen, wenn man sich zugleich auch an allem stört, was da sonst noch so ist? Lieber ein Scheißjob als das Nichts und einen anonymer Tod auf der Straße, antwortet der entwurzelte Mensch solchen Rettern.

Kulturstürmertum ist gegen McWorld chancenlos. Und diese Meinung kann sehr wohl auch in friedvoller Lesart vertreten werden. Ich halte sie sogar für genuin links.

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Ehemaliger Nutzer 14.08.2012 | 01:39

Der alte westdeutsche Sozialstaat hat mit "konservativ" - gar im Zusammenhang mit "Revolution" - kaum etwas zu tun. Ohnehin muss man sehr genau hinsehen, um zu verstehen, was mit dem an der Oberfläche zudem vollkommen widersprüchlichen Begriff "konservative Revolution" gemeint war (oder ist). Zumal die Bezeichnung erst ex post entstanden war für etwas, das - weltanschaulich wie charakterlich - denkbar heterogen war. Man sehe sich nur so unterschiedliche Figuren wie Carl Schmitt, Engelbert Dollfuß, Edgar Jung, Claus Stauffenberg an. Was hat ein Friedrich Hielscher mit einem Lanz von Liebenfels zu schaffen? Vertrat ein Thomas Mann wirklich dasselbe Weltbild wie ein Ernst Jünger? Man zählt sie alle zur "konservativen Revolution".

Man muss aber gar nicht in der Geistesgeschichte herumkramen oder den eigenartigen Benoist lesen. Man schaue besser auf das, was in Ungarn passiert. Dort ist die "konservative Revolution" nämlich nicht Thema, sondern Tatsache.

drhwenk 18.08.2012 | 16:05

die französusche postrukturalistische Philosophie läßt keinerlei interpreationsspielraum ins konversative. Die Krtik der Ökonomie von Marx verbindet sixch mit Krtik an den autritären Regierungen. Nirgendwo ist das Bewuusrtsein der Bedeutung des Eigentiums als totale Privatsierung und damit privatem Mactinstrument hächste Güte mehr entwickelt worden. Am Eige prallen die Differenzen ab, es selbst ist ein Differenz aus und mit (ökonomischer) Macht. Es wird eben fast alles kritisiert, da findet jeder Kritiker Anknüpfungspunkte.