Wieland Elfferding
08.01.2011 | 17:00 8

Nach oben offene Bepunktungsskala

Diskurskarriere Wie der bildungstheoretische Neusprech zu einem Steuerungsmedium für die Personalauswahl geworden ist

Die deutschen Bildungsanstalten werden seit nunmehr einem halben Jahrzehnt mit bisher nicht absehbarem Ende durch eine alles erfassende Diskursmaschine gedreht, die mit Begriffen aus der Welt der Kompetenzen, Standards und Evaluationen geölt ist. Wer nicht rechtzeitig von der Sprache der Lernziele auf die der Kompetenzen umschaltet, gerät früher oder später zwangsläufig ins Abseits. Wen Zweifel daran beschleichen, ob etwa soziale Kompetenzen von der gesteigerten „Selbstkompetenz“ begrifflich klar abgegrenzt sind, kann diese Zweifel zwar äußern, letztlich werden Diskursverweigerer aber erfahren, wie sie unmerklich aus dem Zentrum des Geschehens hinausmanövriert werden und wie andere ihren Platz übernehmen, die eleganter im neuen Sprachfluss mitschwimmen. Bei Bewerbungen ist die Liste von Fortbildungsveranstaltungen längst, gegenüber den früher im öffentlichen Dienst vorrangigen Kriterien der Fachkompetenz und der Sekundärtugenden, an die erste Stelle gerückt.

Vor Jahren hätte sich eine Biologin selbstverständlich im neuen Fachgebiet der Neurobiologie und der Hirnforschung fortgebildet und Gesellschaftswissenschaftler wollten wissen, ob an der allseits grassierenden Globalisierung mehr dran ist als an der altbekannten Inter- oder gar Transnationalisierung. Gewiss gibt es auch heute noch fachliche Fortbildungen, und doch spüren viele, dass sich ein Zertifikat in Selbstmanagement irgendwie noch schicker im persönlichen Portfolio macht. Und wie klingt das doch gleich besser, als wenn einfach nur die Frage besprochen werden würde, ob man seine Arbeiten termingerecht abliefert oder seinen Schreibtisch aufräumt.

Ob das Fußvolk zur Teambildung angeregt werden soll, ob die mittlere Führungsebene einer Bildungsanstalt ihre Kommunikationsprozesse optimieren und evaluieren soll, oder ob der Inner Circle des Managements sich in Fragen der Bewertung von Leistungen von einer bewährten Fortbildungsteamerin coachen lässt, – merkwürdigerweise begegnen alle Beteiligten immer wieder denselben Methoden. Diese sind auf den ersten Blick so merkwürdig inhaltsleer, weil universell anwendbar; sie schleichen sich von seitwärts an, tun ganz unschuldig, eben weil sie nicht moralisch, nicht befehlsförmig oder vorschreibend, praktisch voraussetzungslos und gegen jeden Inhalt, jede Ideologie und jedes politische Ziel neutral zu sein scheinen. Im Gegenteil geben sie aber, wovon schon Marx in anderem Zusammenhang schrieb, die Macht von Personen an Sachen ab: die Bewertung des Ergebnisses der letzten Arbeitsphase erscheint so objektiv wie unanfechtbar als Häufung roter Punkte auf einem Blatt, in dem sich alle irgendwie wiedererkennen, die einen Punkt irgendwohin geklebt haben. Wie dem auch sei, fest steht, wer vor einem beliebigen Publikum souverän mit Flipcharts, Pinnwänden, Bepunktungen, Doppelkreisen oder sonstigen in Fortbildungen erworbenen Methoden jonglieren kann, hat schon einmal die Nase vorn.

Die Macht der Kohortensprache

Andere haben die Nase voll. Da gibt es gestandene Lehrerinnen und Lehrer, die über Jahrzehnte erfolgreich gearbeitet haben – das war zumindest der allgemeine Eindruck –, die, kaum werden auf einer Konferenz die blassbunten Kärtchen verteilt und die dazugehörigen massiven Stifte, ein schwer zu erklärendes körperliches Unwohlsein überfällt. Unbeherrschte murmeln etwas von „Fortbildungswichsern“ und können den Griff zur noch zu korrigierenden Klassenarbeit nur schwer unterdrücken. Man weiß von Fällen, wo solche Mitarbeiter dann die Anstalt gewechselt haben und in einer anderen mit geringerer Fortbildungsdichte auf einmal vor Aktivität, Verantwortungsübernahme und kooperativer Kompetenz nur so explodieren. Kurzum, es kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass der elaborierte Code von Qualitätsmanagements, Teambildungsprozessen, Prozess-Coachings, Steuerungsgruppen und Evaluationen mittlerweile insgesamt zu einem Steuerungsmedium für Personalauswahl und Karrieren geworden ist.

An sich ist es noch nichts Besonderes, dass Neuerungen in verschiedenen Lebensbereichen mit neuen Begriffen einhergehen, die alte mit der Zeit verdrängen. Jede Zeit hat ihre Philosophie, wie das Denken heute großspurig genannt wird, und in der Wirtschaft oder in der Medizin oder wo auch immer werden alte Lehren von neuen abgesetzt. Mit solchen Verdrängungsprozessen gehen häufig Personalwechsel einher. Allerdings bedeutet es schon einen Unterschied, ob solche Reformen im sachorientierten Meinungsstreit durchgesetzt werden, so dass hernach alle Beteiligten wissen können, aufgrund welcher Entscheidungen und mit welchen Folgen das Neue betrieben wird und neue Leute an die Schalthebel gelangt und alte zurückgetreten sind, oder ob sich Generationswechsel in einem eher informellen Prozess durchsetzen, der sich anderer Medien als des rationalen Diskurses bedient. Bildungswelten im weitesten Sinne scheinen dafür paradoxerweise am ehesten anfällig zu sein. Und in dem Maße, wie Bildung nicht mehr als einmal gehobener Schatz verstanden wird, sondern als permanenter Prozess, wie Bildung sich also nur in ständiger Fortbildung begreift, kommt den in Fort- und Weiterbildungen üblichen Sprachen eine besondere gesellschaftliche Bedeutung zu.

Zum Beispiel die Hermeneutik

An den Universitäten kennt man das Phänomen schon lange. Da kann einer eine noch so interessante Sache betreiben, wenn es ihm nicht gelingt, den Forschungsantrag mit dem entsprechenden Projektdesign zu versehen und sich der gutachteradäquaten Sprache zu bedienen, werden Andere den Zuschlag bekommen. Im akademischen Milieu sind es immer schon Kohortensprachen, die wie ein Stallgeruch funktionieren und selektieren. Die Sprache der Standards und der Erfolgsmessungen stammt, wie bekannt, aus den amerikanischen Unternehmenskulturen. Hier haben sie, nach den organisationssoziologischen Ansätzen der sechziger bis achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, die ihren Erfolg aus der Enthierarchisierung veralteter Führungsstrukturen gewannen, der Tatsache Rechnung getragen, dass, nach dem Ende der industriellen Massenproduktion und angesichts absehbarer Ressourcenerschöpfung, die Arbeitskraft selbst, das Personal den einzig verbleibenden Spielraum zur Produktivitätssteigerung bietet. Die Formierung der Arbeitskraft in all ihren Dimensionen, die Manipulation von Haltungen und Einstellungen, die Entfesselung von „zurückgehaltenen“ Ressourcen des Personals treibt seit zwei Jahrzehnten die Personal- und Managerschulungen der Konzerne.

Ob die von den Global Players entwickelten Verfahren und Sprachen etwa zur Schule passen, ist kaum öffentlich diskutiert worden. Eins ist sicher: Wie die amerikanischen Konzernleitungen das neue Instrumentarium nutzten, um ihre Belegschaften, insbesondere das Management, globalisierungsreif zu schleifen, so bildet der neue methodische Diskurs der Prozesssteuerung das Milieu, in dem es dem leitenden Personal der Bildungsanstalten gelingen soll, die Kollegien, ja, – letztlich die ganze Bildungsklasse umzustrukturieren. Institutionelle Sprachen bestimmen Karrieren und schaffen sich ihre sozialen Milieus. Das ist als solches nicht neu. Die Hermeneutik etwa, bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein die in den Geisteswissenschaften einflussreichste Denkströmung, ließ sich immer schon als Diskurs des Bildungsbürgertums interpretieren. Verschiedene Schichten und Eliten schaffen immer wieder durch ihr „kulturelles Kapital“ Distanz im Klassen- und Machtgefüge und halten, wenn auch nur für eine Weile, die Kanäle frei für eigenes Fortkommen.

Um Missverständnisse zu vermeiden, muss hinzugefügt werden, dass diese Einsicht weder die Richtigkeit noch die Falschheit der karrierebestimmenden Diskurse beweist. Die absolute Monarchie hat nicht gegen ihr, sondern mit ihrem Hofzeremoniell eine spezifische historische Produktivität entfaltet, wie es das Bildungsbürgertum zu seiner Zeit mit seinen für manche unerträglichen Geheimcodes auch tat. In diesem Sinne ist zweifellos an den aus den Managerschulungen in die deutschen Bildungswelten überkommenen Diskursen auch „etwas dran“, und die Ressentiments dagegen verweisen eher auf die Verteidigung eines nicht weniger zweifelhaften Status-quo-ante als auf die Sinn- oder Wirkungslosigkeit der neuen Diskurse. Wenn allerdings nicht nur Diskurse Karriere machen, sondern Karrieren mittels neuer Diskurse gemacht werden, dann muss für die neuen Fortbildungssprachen dieselbe Forderung erhoben werden, die auch für andere Herrschaftsdiskurse erhoben wird: Wie der Absolutismus in der Souveränitätslehre eine so verständliche wie kritisierbare Selbstauskunft geliefert hat, wie die Hermeneutik als Selbstverständigung des Bildungsbürgertums gegengelesen werden kann, so müssten die neuen Karrierediskurse ihre Metatheorie liefern und somit aus der bequemen Mulde informeller Machtentfaltung heraustreten. Erst dann könnte überprüft werden, ob nicht nur ein paar Menschen Karriere gemacht haben, sondern die Menschheit mit Kompetenz, Standardisierung und Evaluation weitergekommen ist.

Wieland Elfferding arbeitet als Lehrer an einer Berliner Gesamtschule. Er ist Autor und Herausgeber von Büchern zu gesellschaftspolitischen sowie kulturphilosophischen Themen

Kommentare (8)

Chryselers 09.01.2011 | 11:31

Ach, so manches wird sich da schon von alleine abschleifen.

Wer einmal etwa Texte zum kompetenzorientierten Unterricht gelesesen hat, wie Lehrperson das macht, wie Lehrperson das durchführt, der weiß, dass das alles so gar nicht geschehen wird. Die früher in den Studienseminaren geübten Unterrichtsplanungen mit der Berliner Schule der Didaktik oder mit Klafkis Didaktischer Analyse waren schon aufwändig genug, da brauchte man für 45 Minuten in der Klasse glatt zwei volle Tage bis zum schriftlichen Unterrichtsentwurf, darf kompetenzorientiert noch einen ganzen Tag zusätzlich einplanen. Wer aber 25 bis 30 Stunden in der Woche zu geben hat, der wird da begreiflich nicht lange mitspielen. Zumal, vom Durchsickern des Jargons abgesehen, die Schüler deshalb ja nicht andere werden. Die werden sich schon gegen ihre Verkompetenzung wehren. Und im Alltag wird dann wieder einfach Stoff durchgenommen werden. Oder irgendein Halligalli gemacht, damit die Klasse Ruhe hält.

Die Kollegien werden deshalb zweisprachig werden: Sie werden sich im neuen Jargon ausdrücken können und dennoch wird geschehen, was immer geschah, weil es von diesem Jargon gar nicht erreicht wird. Die Lüge wird ganz selbstverständlicher Alltag des pädagogischen Gewerbes werden. Ist sie ja vielleicht schon.

Aber interessanter ist eigentlich die Frage, wie konnte es denn dazu kommen? Gibt es Forschung dazu, wie dieser Jargon, wie das dazu gehörende Menschenbild, die dazu gehörenden Steuerungsmechanismen in die Schule kamen? Wieso taucht das in allen Bundesländern gleichzeitig auf? In der Schweiz ist das nicht anders. Wie kommt es, dass ein großer Teil der Erziehungswissenschaft da mitmacht? Dass da nur vereinzelt sich Widerspruch regt, etwa bei den kleinen Resten der Heydorn-Schule? www.kritische-bildungstheorie.de/index.php?page=dokumente=heydorn Wie kommt es, dass selbst im "Freitag" zur letzten Bundestagswahl dieser Jargon auf der ersten Seite zu finden war?

Klagen reicht nicht.

wwalkie 10.01.2011 | 14:02

Eine zutreffende Beschreibung der "Implementation" (wunderschöner Begriff) der Diskursmaschine an unseren Bildungsanstalten (und nicht nur dort). In NRW ist es - seit einigen Jahren und mit freundlicher selbstloser Unterstützung des Hauses Bertelsmann - das "kooperative Lernen", das den Methodenguru Klippert, der selbst den Entscheidern wohl zu dürftig daherkam, ablöste und das mit aller Gewalt durchgesetzt wird. Mit "sanfter" Gewalt, mittels netter Moderatorinnen (aus dem "Kompetenzteam"), die zu kommunizieren pflegen, dass man das nicht so dogmatisch sehen soll, mit "härterer", mittels Vereinbarungen zwischen Dezernenten und Schulleitungen, einen bestimmten Prozentanteil kooperativen Lernens zu erreichen (von der Inspektion verifizierbar) und mit "existenzieller", die zum Beispiel Referendare zu bestimmten Methoden bei Strafe des Untergangs zwingt.

Und so gibt es sie denn überall, die "Placemet-Methode" und die "Fishbowl-Methode" mit dem allgegenwärtigen Prinzip des "Think-Pair-Share" - auf Lehrerkonferenzen, auf Fortbildungen, Elternseminaren und - demnächst - in jeder Unterrichtsstunde. Wo die Inhalte bleiben? Die Bildung gar? Aber ich bitte Sie! Sie wollen doch auch, dass die Kids fit for the future werden! Oder ...?

Was die berühmte Anstaltsresistenz von Lehrern und (!) Schülern betrifft, bin ich, lieber Chryselers, der ich oft über dieselbe verzweifelt war, nicht mehr so "optimistisch". Ich fürchte, dass die jungen Kollegen schon an der Uni angepasst werden- und wenn diese das "Ziel" nicht erreichen: die herrschenden Verhältnisse an den Schulen schaffen dies mit "links" (diesmal mit Gänsefüßchen).

Avatar
laserhirn 10.01.2011 | 15:20

Das ruft nach einem Doktor Postel, der die Angelsächselei zum Gespött macht. Und nicht nur Lehrer, sondern auch BWLer, Künstler usw.
Und er wird erscheinen. Es hat ihn immer gegeben: Als Münchhausen, als Eulenspiegel, als Felix Krull.
Ein Müßiggänger der charismatisch in Maschinensprache sabbert.

Avatar
laserhirn 10.01.2011 | 15:35

Ja im Grunde ist die Kompetenz in Anführungsstrichen nur eine Nährlösung für Schwache, so mit Wichsschuhen und Wichshaaren.
Ist doch klar, man muss nix können. Man wichst noch, wenn man sich reden hört. Muss das geil sein ?
Auch die Psychologiebrance gehört hier noch rein. Hab ich oben vergessen. Mit ihrem ICH ICH ICH gewichse. Da wird es nämlich dann am Offensichtlichsten, wenn die Psyche so verdinglicht wird. So wichs eben ein jeder. Ja wir sind eine Wichsgesellschaft, die einfach nur narzistisch ist. Man muss sich nur selber scharf finden, um sich da genug "Kompetenz" zu gönnen.

Und geschichtlich gesehen, würde ich wetten, die Unternehmen ließen sich als erstes psychologisch schulen. Das war damals gerade modern und galt als subtil.

Chryselers 10.01.2011 | 18:37

@ wwalkie

Ich war jüngst auf einem Kongress mit viel und maßgebender Professoralität, da ging von denen das Gerücht aus, das mit den Kompetenzen sei bald zu Ende, "Bildung" sei das nächste Thema, Gerücht, wohlgemerkt.

Und jüngst las ich einen schönen Aufsatz zu alledem in einem fachdidaktischen Blatte, in dem mit den neuen Fremdwörtern gespickt gezeigt wurde, dass das (fast) alles eh immer schon da war. In diesem schönen Heft www.hamburg.de/contentblob/2585312/data/hms-3-2010.pdf gesteht die wissenschaftliche Abteilung der Schulinspektion von HH ein, dass sie mit ihren Methoden gerade mal so ein paar Aussagen über die Form von Unterricht machen kann, nichts jedoch über Qualität und Resultat. Seitdem ist die Bedeutung dieses Instituts doch gewaltig gesunken.

Und dann wird in HH darüber diskutiert, dass der Zusammenhang zwischen der Ergebnissen zentraler Lernstandserhebungen und den Leistungen der einzelnen Schüler und deren weiterem Schulerfolg meist auch recht locker ist.

Einen Zusammenhang zwischen zunehmenden dienstlichen Beurteilungen und anpassungsabhängigen Gehaltsbestandteilen gibt es nach der letzten Tarifrunde des TV-L auch nicht mehr.

Wer, wie viele Lehrer, nicht auf Karriere geeicht ist, kann da vieles inzwischen sehr locker sehen.

Aber vieles wird sicher in den Bundesländern unterschiedlich sein.

Hier kann man sich übrigens mit Argumenten versehen: www.bildung-wissen.eu/,www.bildung-wissen.eu/beitraege.html Die Texte von Krautz geben schon was her.

wwalkie 11.01.2011 | 10:26

Krautzens Buch "Wa(h)re Bildung" gehört zu den Leuchttürmen, deren Licht einfach nicht richtig wahrgenommen wird. Entre nous, die Kollegen lesen zu wenig. Der Stark-Verlag liefert ja die Unterrichtsvorlagen für den nächsten Kompetens-Check. Für "Checkerwisser", wie ein Lehrbuch so treffend schreibt.

Wenn "Bildung" wieder angesagt ist, steht ja eine Revolution bevor. Aber ich fürchte, ich fürchte, ...es wird eine nur Konjunktur - mit den entsprechenden Rittern, den "Bildungscheckern". Hoffen wir, dass ich hier zu schwarz sehe.

Chryselers 11.01.2011 | 21:04

"Entre nous, die Kollegen lesen zu wenig."

Von dem einen oder anderen werden Krautz oder Liessmann schon gelesen, allerdings, die Literatur dazu ist ja nun auch sehr schwach entwickelt.

Wie ist denn dieser Jargon entstanden? Wer hat ihn in die Schulen (und die anderen Bildungseinrichtungen) reingebracht? Wie ist die Klippert-Welle entstanden? Wie die Welle des Individualisierten Lernens? Warum geschieht das in allen Bundesländern gleichzeitig, egal welcher parteipolitischen Richtung?

Dreht da einer dran? Wer dreht da dran?

Oder ist das dann doch Verschwörungstheorie?

Die Kollegen lesen kaum noch, weil sie den Eindruck haben, dass ihre Argumente und ihre Erfahrungen ohne Bedeutung sind, dass niemand das hören will, was sie zu sagen hätten.

Jüngst habe ich zwar in einer Broschüre über Bewerbung und Beförderung im Schuldienst meiner Behörde gelesen, dass das Personal die wichtigste Ressource des Öffentlichen Dienstes sei, aber gleichzeitig wird diesem Personal nicht nur die Mitbestimmung über Ihre Arbeit, sonder sogar das Gespräch über ihre Arbeit verweigert. Was soll man denn dann noch lesen, wenn es eh nicht gebraucht wird.

Seine Änderungen, seine Vorgaben, deren Wechsel werden nicht von Leitenden in Konferenzen um Einsicht und Zustimmung werbend vorgetragen, sie werden über Vorschriften einfach mitgeteilt. Die Mitarbeiter werden eben gerade nicht mitgenommen, sie werden schlicht ermüdet: Was immer Du denkst, es interessiert uns nicht.

MH277 12.01.2011 | 21:26

Der Artikel formuliert aus,was ich und auch viele Kolleginnen und Kollegen schon eine Weile ahnten. Im Grundschulbereich kommt noch hinzu, dass offenbar in der Regel vergessen wird, dass Lehrer/-innen studierte Leute sind und keine Kleinkinder.
Dieser ganze pseudowissenschaftliche Firlefanz, der sich zudem alle 10 Jahre komplett ändert, geht mir schon seit dem Studium auf die Nerven. Klafki und Hilbert Meyer fand ich ja noch ganz nett, aber bei Klippert und OpenSpace, Coaching, Supervision und was es da alles für einen Plunder gibt, schüttelt es mich nur. Da lob ich mir doch ordentliche Dialektik.