Nachrichten aus Laputa

Wissenschaftskolumne Diesmal über automatische Verstaubungsgebiete und einen Urknall, den es gar nicht gab

Überfällige Erfindungen

Lucy, Urahnin, schlurfte durch die Steppe. Ihr Mann blieb in der Höhle und passte auf die Kinder auf. Strauße und andere bewunderte Tiere, die größer waren als man selbst, machten es schließlich ebenso. Erschöpft also kehrt Lucy nach langem Jagdtag zur Höhle zurück. Wie ihre Füße aussehen, kann man sich unschwer vorstellen. Und ihr Mann? Statt sie über die Schwelle zu tragen, rennt er mit dem Straußenfederbesen herbei, wedelt und jammert: „Der Staub! Der Staub!“

Unendliche Geißel der Menschheit. Staub. Rieselte von Lucy, rieselt von uns. Rieselt um uns herum, kommt aus allen Ecken, wir fegen, saugen, atmen ihn ein. Kaum ist er weg, ist er wieder da. Aus dem Weltall fällt er herab.

Das macht klar: die hier notwendige Erfindung ist eine Herausforderung. Es ist zugegebenermaßen etwas ehrgeizig, gleich den Kosmos zu verändern, ­beginnen wir also mit der Erde. Ganz bescheiden: Staubfreihaltung gewisser Zonen. Das Erdfeld leicht – wir sind ja vorsichtig geworden – manipulieren, so dass etwa in den bereits vorhandenen Wüsten Areale erweiterter magne­tischer Staubanlockung entstehen? Automatische Verstaubungsgebiete, in ­denen sich Staubberge bilden, die kein Wind je aufscheucht, weil ihre Teile sich so sehr lieben, dass sie sich unendlich anziehen.

Ganz simpel – man muss allem Staub nur eines klarmachen: Indem er uns liebt, verhält er sich wie ein Schwan, der einen Kleiderbügel anbalzt. Nein, nein, nein, bester Staub, das kann nichts werden. Auch du sollst dich selbst und deinesgleichen lieben. Nur einmal einsehen muss er es! Dann wird er friedlich in riesigen Staubstaaten zusammenleben, und die Menschheit wird zum ersten Mal in ihrer Geschichte Zeit haben für gute und nützliche Dinge. Wie – tjaa, hmm – wie Blätter wegkehren.

Ulrike Draesner

Kleine Meldung

Den Urknall gab es nicht. Der junge deutsche Physiker Martin Bojowald von der amerikanischen Penn State Universität hat das herausgefunden und ­gerade sein Erstlingswerk veröffentlicht: Zurück vor den Urknall. Die ganze Geschichte des Universums (S. Fischer). Wenn er richtig gerechnet hat, gewinnen wir eine echte Ewigkeit ohne ­Anfang und Ende. Aber selbst wenn nicht, hat er doch eine recht anständige und allgemeinverständliche Einführung in die aktuelle physikalische ­Kosmologie mit einem schönem historischen und philosophischen Überblick geschrieben, die gar nicht so sensationslüstern daherkommt, wie man bei dieser These vielleicht vermutet.

Ulrich Kühne

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