Martin Mollnitz
06.05.2012 | 08:00 165

Neue Lyrik – neue Impotenz

Möchtegern-Dichtung Plattes Zeug wurde schon immer geschrieben. Es ließ sich nur nie so leicht veröffentlichen. Um Literat zu werden, bedarf es heute nur noch einer Tastatur. Eine Polemik

Was an neuer Lyrik zu lesen ist, erscheint zu oft als die introvertierte Innenschau in der bemühten, die erste Person allzu wichtig nehmenden Ausdrucksweise von Selbsthilfegruppen. Man blättere in den Publikationen der Independent-Verlage, klicke sich durch die einschlägigen Blogs, überfliege die Leseproben der Klappenbroschüren oder lese sich die Elaborate der vielen, vielen Preisträger laut vor. Man wird das alles kaum unterscheiden können, weil das Substanzielle und Markante fehlt; vor allem wird man den künstlerischen Ausdruck, ach, überhaupt nur die Aussage vermissen. Auf einer Website des ambitionierten Leipziger Literaturverlages finden sich „Gedichte“ wie das von Karolin: „// wenn du gehst // sag mir bescheid wenn du gehst / weck mich auf / laß mich wach sein / wenn du gehst / geh wohin du willst / doch laß mich wissen / wenn dein herz / mit dir von mir weggeht / tu was du willst / und was dir guttut / zeig mir, / was dich glücklich macht / geh von mir weg / doch vergiss einen teil / von dir bei mir / solange du bei mir bist.“ Man nimmt eine solche Etüde kein zweites Mal zur Hand. Aber sie findet sich unterm Verlagsmotto „Neue Lyrik abseits des Mainstream“.

War es der Lyrik immer Anliegen, eine neue Sicht zu vermitteln, etwas auszusagen, was auf diese Weise noch nicht gesagt worden ist, so etablieren die vielfältigen Publikationsmöglichkeiten eine Möchtegern-Lyrik, deren Layout noch Dichtung vortäuschen mag, aber dies nur der Silhouette nach ist. Plattes Zeug, Dahingeredetes wurde immer geschrieben; es ließ sich nur nie so unkompliziert an die Öffentlichkeit durchreichen. Denn um „Literat“ zu werden, benötigt man lediglich eine ans Netz gestöpselte Tastatur. Während früher der Druckbuchstabe das Privileg der gebildeten Stände war, produziert heute jeder Print. Die neue Vergesellschaftung im Medienzeitalter: Gutenbergs schwarze Kunst für alle, gern auch in Garamond Antiqua. Überall Schriftsteller! Das Diktat des Mittelmäßigen, das Übermaß an hohlem Geräusch verdirbt den Geschmack der im Internet gleichgeschalteten Gefällt-mir-Gesellschaft von den subkulturellen Online-Zeitschriften bis in die Lektorate allererster Verlage hinein. Oder gibt es vielleicht gar keine Lektoren mehr, weil sie zu hohe Kosten auslösen?

Emotionale Entlastung

Dass alles so Hingeschriebene publiziert wird, erschwert es, zwischen den narziss­tischen Selbstauskünften überhaupt mal eine Stimme zu vernehmen, die noch Kraft hat. Die Regression der Lyrik begann mit ihrer Inflationierung.

„(verletzte analyseverweigerung) die zärtlichkeit ist instinktiv / an den rändern unserer persönlichkeiten / dämmert der morgen / im zeitexil / in den sondersendungen ereifern sich die leute / die wir nicht kennen über dinge / die uns fremd sind / wir gehören (eigentlich?) nicht hierher / sind aber da und leben im stummen / einverständnis mit häusern und / bäumen instinktiv sind wir / im grunde / die fuge / zwischen zwei kapiteln / dieser geschichte“. Das Gedicht „fuge“ des Lyrikers Eisenhans ist symptomatisch für das Grundgefühl von Deplatziertheit und Verlassenheit, sehr leise, aber betont selbstbewusst in der Rede, froh darüber, gedanklich inzüchtig an einem anderen Ich zu kleben, ein Zwischenzustand, ausdauerndes Larvenstadium in der „fuge zwischen zwei kapiteln“, das Vergangene nicht kennend, das Kommende eher befürchtend als erwartend. Verletzte Analyseverweigerung! Dieses Abstraktum ist der unbeholfene Versuch einer Selbstdiagnose.

Im Schreiben sind mangels Botschaft und Leidenschaft die Formalien das Wichtigste, also die beinahe obligatorische Kleinschreibung, der Verzicht auf Interpunktion in der Hoffnung, so ganz nette syntaktische Überraschungseffekte erzeugen zu können, wenn sich in der zerhäckselten Befindlichkeitsprosa sonst schon nichts tut, willkürliche Zeilenbrüche, weil das moderner wirkt. Längst vergessen, dass freie Rhythmen immer noch des Rhythmus’ bedürfen, dass Lyrik in gebundener Sprache spricht, herkommend vom Lied und vom Gesang, von den Trommeln und Tänzen. Sie schlug seit den uralten Dithyramben tiefe Saiten im Hörenden an, sie verdichtete Welt und ließ diese wieder ursprünglich erleben.

„urbane Literatur“

Neue Lyrik wünscht vor allem eines, was angesichts ihrer kühlen Distanziertheit und ihres Solipsismus verwundert: Sie will veröffentlicht werden! Aber will sie, kann sie auch gehört werden? Oder geht es darum, dass der Text dem introvertierten Schreiber in dessen Hermetik selbst nur deutlicher sichtbar werden soll – gedruckt statt nur ausgedruckt? Die beschränkten Lebensereignisse der Städtebewohner, das Einerlei ihrer gechillten Settings in Café und Kneipe, ihr vegetatives Empfinden geriert sich als „urbane Literatur“; aber was ist das gegen Georg Heyms Stadt, Bert Brechts Städteballaden und die bewegte Beat-Generation einer Aufbruchsära?

Weil alles um sie herum so groß und übermächtig geworden ist, die Umbauungen ebenso wie die verstrickenden Netze und Netzwerke, findet die Winzigkeit des Eigenen keinen Ort, keine Position, von der aus Urteile erst möglich würden. Man wartet auf den Schrei, der etwas bewegte, aber was man liest, nimmt sich gegen Edvard Munchs Ruf von der Brücke dünn wie ein Zirpen aus.

Urbane Literatur ist vor allem Selbstbesprechung als emotionale Entlastungsfunktion, also so etwas wie das Pfeifen im Walde, um sich die Angst zu nehmen, selbst verloren zu sein, weil man zum einen allein ist, ein vereinzelter Einzelner, und weil aus dem Dickicht so allerlei Bedrohliches blickt oder sich hören lässt, dessen Ursprung und Zusammenhang man aber nicht kennt und sich nicht erklären kann. Nach Ursachen zu loten, an Gründen zu rühren, das erscheint vergeblich, weil man sich ohnehin abgekoppelt glaubt. Denn die Welt, hört man, haben die anderen eingerichtet; da kann man nichts machen. Wird das Eigentliche der Lyrik, die Sprache, deren Schwung und Strahlung, nicht beherrscht und fehlt es neben Empfindungsstärke und Gedankentiefe überhaupt an Worten und Wortschatz, so bleibt nur der Aufputz der Attitüde.

Armseliges Gedöns

Bemühte Naturlyrik wird man hier und dort lesen, etwas süßlich vielleicht und von der Fantasy-Welle fluoreszierend überglitzert: „Auf den nassen Straßen / leben Phosphorfische / und winden ihre kleinen Herzen um meine Füße // Ich trage die Glückshaut / von Tiefseekindern /und fresse die Eintagsfliege / mit silbernen Blicken vom Asphalt …“ (Fee Katrin Kanzler). Gedankenlyrik – Maßstab Benn, Eich, Celan – , die Dimensionen eröffnen wagt und über die Lebensweisheiten gehobener Ratgeberliteratur hinausgeht, gibt es kaum; und das über Jahrzehnte so reiche Feld der politischen Lyrik, oft am dichtesten am Lied, oft frech-satirisch, scheint völlig verödet oder an die Comedy-Barden verloren zu sein.

Der Indoor-Status des eigenen Daseins läßt die Welt jenseits des letzten Rückzugsraums als fremden Planeten erscheinen, in den man hin und wieder seine Mess-Sonden steckt, um skeptisch die Überlebensmöglichkeiten da draußen zu prüfen. Natur und Arbeitswelt oder existenzielle Streitfragen der Epoche – den meisten Autoren viel zu profan im Gegensatz zur eigenen tragisch oder bunt aufgeblasenen Nulligkeit, die so vor sich hinraunt. Thomas Kunst, Mehrfachpreisträger, echauffiert sich sogar in einem Sonett über ignorante Juroren:

„Das einfachste: sie meiden die Vergleiche. / Sie jubeln über größte Poesie, / Sie loben, preisen und sie feiern die, / Die sich im Hauptfeld wähnen, selten bleiche // Und blutleere Gedichtattrappen, starre / Gebilde ohne Trotz und Sprachverlangen, / Im Blick: die Ausreißer nie einzufangen, / Verfolge das schon über zwanzig Jahre. // Warum gelangt mit den Gedichten niemand / In meine Top Einhundertfünfunddreißig, / Ich hätte jetzt so gerne Gernhardt hier, // Auch Hacks und Heine, deren Sachverstand / Auf Netzwerke und auf das Hauptfeld scheiß ich / Und lese jetzt: Am Meer. An Land. Bei mir.“

Hoffnung im Einerlei des Banalen

Lyrik zu veröffentlichen, ist vor allem der Versuch, mit anderen monadischen Selbstformulierern der Szene Kontakt aufzunehmen. Weißes Rauschen von Zelle zu Zelle, von Isolation zu Isolation, Zwölftonmusik der großen Entfremdung, zurückgeworfen von den eigenen vier Wänden, „Zeichensprache der Affekte“ (Nietzsche). Die anderen, die sinnlich Lebendigen, jene mit mehr Puls und höheren Amplituden, interessiert das armselige Gedöns ohnehin nicht. Der im Mittelpunkt seiner kleinen Welt textende Autor könnte sich auch mit dem iPod abstöpseln und am Fenster ein wenig vor sich hin swingen.

Dabei gäbe es Veranlassung genug für tatsächlich neue Lyrik. Zunächst die philosophische, die Welt nicht als bloße Kulisse der eigenen Langweiligkeit, sondern als Problem aufzufassen, und zwar nicht vergreint, sondern offensiv. Heiner Müller sprach gern von Material. Das seine fand sich in der Geschichte der sozialistischen Hoffnungstragödie und in der Betrachtung der ihn gefangennehmenden Stagnation, das heutige könnte in einer allgemeinen, aber gerade ideellen Krise erkannt werden, die bereits größte Umbrüche ahnen lässt. Wir sind nicht nur in der Gefahr, dass etwas passiert, wir sollten dies als Hoffnung im Einerlei des Banalen begrüßen. Expressiv! Krass!

Möglich und nötig, das Dramatische von Stalinismus und Poststalinismus, von Kapitalismus und Postkapitalismus, von Kaltem Krieg, von Mauer und Stasi, von geschundener Natur und vergewaltigten Mitgeschöpfen poetisch zu fassen, und zwar so, wie es der Literatur stets Anliegen war, nämlich nach einer tieferen Lesart hinter der offiziösen Verlautbarungsrhetorik zu suchen. Insofern sollte gerade nicht die Welt poetisiert werden, sondern die Poesie mal wieder verweltlicht, ergo politisiert, indem man den etwas schweren Begriff möglichst weit fasse, etwa republikanisch, also wieder als „res publica“, als öffentliche Sache, eine Angelegenheit von Belang – gegen all die Belanglosigkeit.

In einer Gesellschaftskultur der Farce bedarf es wie im Märchen von des Kaisers neuen Kleidern des unmittelbaren Blicks des Kindes, das die Wahrheit sagt: Aber der Kaiser ist doch nackt! Und alle für einen Moment zum Schweigen bringt. Gerade die Lyrik könnte solche Blicke und Worte vermitteln.

Martin Mollnitz (geb. 1964) hat Germanistik und Geschichte in Leipzig studiert

Kommentare (165)

Anne 1982 06.05.2012 | 13:10

Bravo! D’accord! Dass das Feuilleton mal klare Worte findet! Empfunden seit Durs Grünbein kein neuer Ton in der Lyrik, von Inhalten ganz zu schweigen. Oder eröffnete nicht gerade Grünbein mit seiner sanft verschnittenen Prosa die Phase einer literarischen Stagnation im vielleicht mobilsten literarischsten Genre, der Lyrik? Worauf sich der Autor hier beruft, die Plattform des Leipziger Literaturverlages (Inskriptionen.de) – tatsächlich eine Sammlung von Stilblüten, die dort Schlange steht, um vielleicht gar gedruckt veröffentlicht zu werden, in Klang und Ausdruck wohl typisch für die sich wichtig nehmende Szene. Am symptomatischsten der Verzicht auf substantielle Aussage, mutige Positionierung, klares Urteil. Alles so lau temperiert, geschmacks- und ph-neutral. Dabei dürfte doch wohl gerade Lyrik auf Belebung hoffen, wenn politisch und ökonomisch, sozial sowieso, so vieles im Problem steht. Krisenseiten waren doch hohe Zeiten für Lyrik. Wo bleibt ein politisches Gedicht? Die Wiederbelebungsversuche in der „Zeit“ – insgesamt armselig! Wer zeigt mir einen Text, der sich auf das schwierige Erbe des 20. Jahrhunderts bezieht? Gibt es irgendwo einen Aufschrei zu den großen Ungerechtigkeiten und Diskrepanzen oder ruht überall der See?

THX1138 06.05.2012 | 13:20

Neulich, und weil die Kritiken ausnehmend gut ausfielen, das Feuilleton voll des Lobes war, habe ich mir "Karte und Gebiet" von Michel Houellebeq gekauft, in freudiger Erwartung, endlich wieder einmal ein Stück ausgesuchter Prosa lesen zu dürfen- und wurde bereits nach wenigen Seiten bitter enttäuscht: Holzige Sprache, Platidüden, schlechte Übersetzung, inhaltlich dramatisch banal und bar jeder Spannung... da habe ich mich auch gefragt, ob die literarischen Standards in letzter Zeit ganz gezielt abgesenkt worden sind. Auf dem Umschlag steht dann noch Spiegel Bestseller. Doch vieleicht stelle ich einfach zu hohe Anforderungen an die Literatur.

j.kelim 06.05.2012 | 13:35

Als du frühmorgens aufgewacht
in deinem Herzen noch ungeschminkt,
sah ich:
hinter den Mauern deines Ichs,
das weinende...
Die Fremdheit einer Nacht

Du hast,
wegen der vielen
ungeweinten Tränen,
Statt zu trauern, über dich selbst gelacht

Den eigenen Schmerz,
willst du nicht, kannst du nicht,
darfst du nicht fühlen,
Dein Herz muss erst erkühlen:

Denn niemals soll wahre Liebe in dich dringen,
Du Müsstest zuvor Erlöschen, (sagst du)
Um deiner Kindheit willen.

“Man kann auch ohne zu fühlen,
Gefühle denken!

So lange der Schmerz
die anderen plagen,
muss ich ihn,
nicht bei mir selbst ertragen…“

...ungeliebtes Kind.

Nil 06.05.2012 | 13:38

Endlich Jemand der Klartext spricht über die Lage der öffentlichen Landschaften in dieser Szene. Diese Banalitäten mitzuerleben tut einem schon fast körperlich weh.

Ach, der Erde Zukunft ist weinen,
und kurze Zukunft dazu,
nur ein kurzes Geschluchz,
und dann aus versiegten Tränenstürzen,
der dörrende Brand
in leer geweinten Augen und Höhlen,
schmerzendes Salz den Wangen,
ausglühendes Zehren dem entworteten Mund:

Aber keiner wagt mehr zu warnen.
Windrose und Kreuz sind verwirrt.
Und warnte selbst einer,
sie töteten ihn.

Was tut´s?

Lena Polska 06.05.2012 | 13:43

Die Lyrik ist Ausdruck der Zeit. Regt sich etwas, belebt das Lyrik, weil sie operativ reagieren kann. Man denke an den Vormärz oder Jahre starker Auseinandersetzungen in der Bundesrepublik. Die Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung blieben aber einer Restauration des Kapitalismus – was immer man von seinen Möglichkeiten und Grenzen hält – vorbehalten. Alles wurde durchkommerzialisiert und vermarktwirtschaftlicht. Vermutlich blieb der Lyrik da nur das Zurückziehen auf, nun ja, die Pflege von Befindlichkeiten, da drangvoll tätig, kritisch, kämpferisch sowieso nichts auszurichten schien. Deshalb diese leisen Töne des Privaten, das gedankenvolle, diffuse Sehnsucht, überhaupt die bevorzugte Unklarheit in Sprache und Metapher.

c. Bauer 06.05.2012 | 13:48

Vielleicht kann ich trotz der z.T. berechtigten negativen Kritik hier dennoch jemand für mein Buch "Sammelsurium..." interessieren. Das Cover mag wenig attraktiv sein, aber der Inhalt ist es dafür umso mehr.
Carmen Bauer
Sammelsurium – Eine Sammlung ungewöhnlicher Gedichte und Geschichten
Books on Demand
ISBN 978-3-8448-1182-7, Paperback, 92 Seiten
€ 9,90 *inkl. MwSt.

Leserstimme:
Liebe Carmen, ich gratuliere zur Veröffentlichung deines Buches „Sammelsurium…“, welches mir sehr gut gefällt, weil es so ungewöhnlich ist. Zum einen, weil es Einen zum Lachen bringt; zum zweiten, weil es gleichzeitig zum Nachdenken anregt und zum dritten, weil es so unterhaltsam ist….

Mehr dazu auf meiner persönlichen HP:
www.drcarmenbauer.com/my-books-buecher.html

Sigdrifa 06.05.2012 | 14:00

Die neue Belanglosigkeit der Literatur. Das greift um sich. Und das Problem ist - diese Texte werden tatsächlich veröffentlicht. In Lyrikbänden, die gerade mal so auf die 49 Seiten kommen, die notwendig sind, damit eine Publikation als Buch gilt.
Die, die diese Lyrik schreiben, haben selbst keine Ahnung von Dichtung. Wie oft hört man den Spruch: "Ich schreibe nur, was in mir ist. Was gibt es da zu lernen oder zu wissen?" Und BoD macht es den Leuten leicht, ihr Machwerk auf geduldiges Papier zu bannen. Und noch mehr: diese ganze Poetry-Slam-Bewegung, die ohnehin zum Comedy-Event verkommen ist und weder mit Poetry noch mit Slam etwas zu tun hat. Diese sog. urbane Lyrik... Blogs und einschlägige Internetforen sind voll davon. Und dort feiert es sich selbst, das untere Mittelmaß.
Aber es gibt auch die andere Seite: Leute, die sehr gut mit Sprache umgehen und den Anschein von Lyrik-Gemäßheit hervorrufen können. Ihre Texte sind auch hohl und leer, sehen nur besser aus.
Was eben jetzt so kommt, die "neue" oder - wie es auch so schön heißt - "junge" Lyrik ist auch ein Ergebnis des deutschen Bildungssystems. Die Lyrikproduzenten sind ungebildet, und die Konsumenten sind es ebenfalls.
Und das, was in diesem Bereich als "besonders", "neu" oder "andersartig" bezeichnet wird, ist längst Mainstream geworden. Ein bisschen Sex, ein bisschen Scheiße, ein bisschen Straßendreck - so ein bisschen eines auf Großstadt und Ghetto und Bukowsky machen. Hauptsache dreckig. Und wenn man sie sich dann anschaut, die Poeten - Wohlstandskinder, Mittelschicht. Nix mit Dreck, alles nur Pose. Leer. Was bringt das?

Dohle88 06.05.2012 | 14:02

Interessant finde ich die Argumentation des Autors, dass jeder, der nur über Microsoft Word verfügt, quasi sofort technisch Druckreifes produziert. Was sonst erklärt die spürbare Gegenläufigkeit, dass die Gesellschaft einerseits an Sprachproblemen bis hin zur Legasthenie und funktionalem Analphabetismus krankt, andererseits aber alles und jeder schreibt. Was durchaus sein Gutes hat, denn die neuen Medien (Mail, SMS, Chat usw.) binden ja grundsätzlich an Schrift. Jeder schreibt, vielleicht so viele, wie noch nie. Deshalb meint wahrscheinlich jeder, er könne gleich noch Literat sein. Und das Netz gibt ihm über verschiedene Plattformen die Möglichkeit: Gedichtchen rein, Enter-Taste, schon erschienen. Der nächste Debütant!

Nil 06.05.2012 | 14:52

Wir konnten es bei Güter Grass live erleben, wie voller Neid und Missgunst die Reaktionen ausgefallen sind. Denn sobald es Jemand wagt die Untätigkeit er Etablierten zu verlassen, um substantielles hervorzubringen, ist die gemeinschaftliche Ächtung seitens dieser Mittelmässigen gewiss. Es ist natürlich schwer zu ertragen für diejenigen, die jahrelang verdrängt, vergessen und gelogen hatten.

j.kelim 06.05.2012 | 15:32

Wenn er es fühlte
dieses, angekommen sein
in der Fremde
und doch
ist das andere ihm nicht auswärts

als wäre vorherbestimmt an jedem Ort
die gleiche Wärme und Geborgenheit
zu empfinden,
welche er immer in sich fühlte
und aus sich selbst heraus in das Objekt
in das er hineingehe, hineinsehe, hineinfühle,
außen wie innen, das gleiche ist

ob er also Zuhause sitze
oder anderswo weilt,
immer bringt er, hier wie dort,
im selben Maße, die Farben seiner Innerlichkeit mit.

jayne 06.05.2012 | 17:30

ja, es gibt sie, diese möchtegern-dichtung, es gab sie zu allen zeiten, nur daß die schwelle, sie zu publizieren, niedriger geworden, aber dies auch nur in einem bestimmten segment von verlagen ... Und damit komme ich zu dem, was mir am beitrag pauschal geurteilt erscheint, denn der autor macht an wenigen beispielen fest, was ihn zurecht wurmt, aber parallel zu dieser unsteten produktion vorgefertigter wortware existiert sie noch, die dichtung, die mit selbstanspruch, die reflektierte, welthaltige - da lohnt sich zum beispiel der blick auf die seite des poetenladen, und es gibt eine handvoll kleiner und sehr ambitionierter verlage, wie z.b. fixpoetry, kookbooks, poetenladen, roughbooks ... Da muß man nur mal hinschauen, denn die titel findet man nicht auf den bestsellerlisten oder bei titel thesen temperamente. Insofern halte ich auch die pauschalurteile der meisten, die hier bisher abgegeben wurden, kaum für sachlich untersetzt. Wer wirklich an zeitgenössischer dichtung interessiert ist, vermag sie auch zu finden ...

j13udith 06.05.2012 | 17:49

Über diesen Artikel muss ich mich sehr wundern. Der Autor klagt über mangelnde Qualitätsstandards in der Lyrik, doch auf welcher Grundlage tut er das? Welche Belege führt er dafür an? Von den vier zitierten Dichtern, ist nur Thomas Kunst einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Karolin wird nur beim Vornamen genannt, Herr Eisenhans und Fee Katrin Kanzler sind mir in renommierten Anthologien, wie z.B. Versnetze oder dem Jahrbuch der Lyrik, bisher nicht begegnet. Wenn ich einer Regionalligamannschaft beim Spielen zusehe, hat das Spiel kein Bundesliganiveau. Jemand, der das laut äußert, sagt etwas ohne besondere Relevanz. Da ist es schon ein grober Klotz auf einem groben Beil, auf einer derartigen Grundlage verallgemeinernd von "der Lyrik" zu sprechen. Mangelnde Qualität äußert sich manchmal auch in einer mangelhaften Analyse wie in diesem Artikel, die zu mangelhaften Schlussfolgerungen führt. Gibt es in diesem Land keine Chefredakteure mehr, die Artikel vor der Veröffentlichung auf ihre Stichhaftigkeit prüfen?

heraklesuschi 06.05.2012 | 18:09

Hähähä. Ich mag Polemiken! Aber wenn keine schlechte Lyrik erscheinen würde, woher wüßte man denn dann, wo die Mittelmäßigkeit geboren wird? Je mehr Schlechtes, desto besser! Immer her damit! Die "Das-kann-ich-auch-Kultur" trägt doch sehr zur täglichen Erheiterung bei. Sehr beeindruckend auch, wie sich diese lamoryante Ausdrucksform bei den Fusselbärten der "Schmerzensmännermusik" fortsetzt. Mögen sie noch lange weiter weinen, wie der arme Germanist der es lesen muss!

Solveig vom Fjord 06.05.2012 | 18:57

Wir leben in einer Applausgesellschaft. Das heißt, wenn einer überhaupt irgend etwas macht, und dann noch etwas so Elitäres wie ein „Gedicht“, gilt das schon per se als Leistung. Like! Schulklassen fabrizieren Haikus, veranstalteten Lyrikwettbewerbe, binden Kindertexte zu Broschüren; und wenn etwas ein wenig anders im Layout aussieht als eine Geschichten, dann finden alle gleich: Ein Gedicht! Alles ist möglich! Beifall! Diese Mentalität des „Jeder kann alles!“ setzt sich fort, so weit, dass beinahe jeder sentimentale Mensch, der Zeilenbrüche fabriziert, sich selbst und gleich noch anderen als Lyriker gilt. Das schwemmt im breiten Strom auf die Verlage zu. Machen die irgendwann dicht, weil eine Menge nette Gedanken, aber wenig an Sprachkunst ankommt, bauen sich die Enthusiasten selbst ihre Foren, um so Öffentlichkeit untereinander herzustellen und gleich noch behaupten zu können, sie retten die Lyrik, die von Verlage so despektierlich behandelt wird. Hat auch sein Gutes. Alles schreibt. Nur will niemand mehr nur liebenswerter Dilettant sein, sondern alle Profis.

RAJmue 06.05.2012 | 19:20

Die Polemik des Autors ist mir ebenso verständlich wie sie mir sinnlos erscheint. Analog zur „Neuen Musik“, „Neuen Kunst“ usw. muss man heute eben mehr suchen, um (möglicherweise) Relevantes zu finden. Demokratisierung geht immer mit allgemeiner Produktivität einher. Das meiste erkennt man allerdings auf den ersten Blick als intellektuell vernachlässigbar. Die Auswahl ist also vielleicht doch nicht so schwierig, wenn auch zeitaufwendig. Überhaupt: Mehr Mut zum Ignorieren und zur Beschränkung.

Interessanter scheint mir anderes. Strukturierte Lyrik, Lyrik mit Stil können auch Computerprogramme produzieren; die ersten wurden in den 1980er Jahren bekannt.

Zum Beispiel RKCP (Ray Kurzweils Cybernetic Poet). Man hat derzeit die Auswahl zwischen 50 Vorbildern. Es gibt auch einen „Poetic Screen Saver“, der laufend generiert und dessen Erzeugnisse verschwinden, wenn sie über den Bildschirm gezogen sind. Wie es sich eben für gute Augenblickslyrik gehört. (Ganz nebenbei: sind die Werbetexter, die Bild-Zeitung, die SMS usw. nicht der viel größere Feind der Lyrik?)

Ich zitiere von der Internet-Seite:

“The Kurzweil Cybernetic Poet is a computer program (written by the author) and provided with an input file of poems written by a human author or authors. The program analyzes these poems and creates a word-sequence model based on the poems it has just read. It then writes original stanzas of poetry using the model it has created.”

Auch wurden analog dem Turing-Test Versuche dazu durchgeführt, inwieweit Menschen die Gedichte als computergeneriert erkennen. Ich zitiere:

“The above 28-question poetic Turing test was administered to 16 human judges with varying degrees of computer and poetry experience and knowledge. The 13 adult judges scored an average 59 percent correct in identifying the computer poem stanzas, 68 percent correct in identifying the human poem stanzas, and 63 percent correct overall. The three child judges scored an average of 52 percent correct in identifying the computer poem stanzas, 42 percent correct in identifying the human poem stanzas, and 48 percent correct overall.”

Wichtig ist dies (bitte auf der Zunge zerschmelzen lassen):

“…. there were no trends based on level of computer experience or poetry experience clearly discernible from this limited sample. [….] The children scored essentially at chance level (approximately 50 percent) and the adults achieving slightly better than chance.”

Ferner dies:

“We can conclude that this domain-specific Turing test has achieved some level of success in tricking human judges in its poetry-writing ability.”

Die Zukunft sieht so aus:

“A more difficult problem than writing stanzas of poetry is writing complete poems that make thematic, syntactic, and poetic sense across multiple stanzas. A future version of the Kurzweil Cybernetic Poet is contemplated that attempts this more difficult task. To be successful, the models created by the Cybernetic Poet will require a richer understanding of the syntactic and poetic function of each word.”

Sollte vielleicht Frau Musica künftig ihre Lyra gemäß diesen Weisen spielen, statt fündig werden zu wollen im Schall von Humangeneratoren, die Stil weder kennen noch haben?

Sonnfrau 06.05.2012 | 20:27

Wir erleben vielleicht die Neuauflage einer Ära der Empfindsamkeit. So wie früher, als alle auf Poesiealben standen und es zur Schwärmerei der Jugend gehörte, „Verse zu machen“ und Lackbildchen daneben zu kleben. Denn es ist tatsächlich beeindruckend, welch hohe Zahl von „Poeten“ sich auf den einschlägigen Seiten tummelt und schillernder Seifenblasen produziert, meist eher mit höchstem Ernst als mit Leichtigkeit. Also vielleicht doch Melancholie angesichts von Umständen, die nichts Gutes ahnen lassen, das Bedürfnis, sich neu auszudrücken, wo die Phrase regiert und das Eigene immer in Gefahr ist. Es wuchsen bestimmt zwei Generationen heran, deren „Wachstum“ als Schlüsselbegriff eingebleut wurde und die auch davon unter Streß gerieten, sicher auch einer Echtheit entfremdet wurden, weil sie nur an blanken Fassaden entlangliefen. Die urbane Welt ist vielleicht cool, aber doch auch kalt. Jetzt suchen sie was hinter den Verblendungen. Legitime Versuche. Ich denke auch, diese Leute lesen sich vor allem selbst. Oder nur sich selbst. Die Wortfindung steht auf einer Website wie an der Wand, und das ihre Botschaft aus der Abgeschlossenheit hinausging, tut ihnen gut. Andere sprayen Graffiti oder rappen.

j.kelim 06.05.2012 | 21:38

Anstatt sich darüber zu freuen, das die Möglichkeiten heute auf vielfältige, kunterbunter, farbenreicher Art und Weise genutzt werden, damit nicht nur ein elitärer Zirkel und profitorientierte Verlage bestimmen, was grammatikalisch korrekt ausgedrückt, ein revolutionäres Gedicht ist, für den Banker im Ruhestand oder der ungebunden Boheme.

Nein, wir sind Menschen mit unterschiedlicher Wahrnehmung und es gibt nicht nur, eine Blickrichtung und einen der Norm entsprechenden Sinneseindruck.

Was dem Schreiber dieses Artikels als “dumm“ erscheint, mag bei einem anderen, etwas auslösen in das es sich hineinfühlen kann, weil er in den Zeilen etwas erkennt, das ihn für einen Augenblick bereichert.

Dieser Artikel will mir sagen, dass es nur dem Experten vergönnt ist Gedichte zu schreiben und diese müssen in die herrschende Ideologie eingegliedert sein, dann dürfen sie auch innerhalb des vorgegebenen Rahmens Ungehorsames schreiben.

Ich trage Wunden wie Armbänder
Biete sie feil, auf dem Marktplatz
Unverletzlicher Eitelkeiten

Und wenn mich einer fragt:
Weshalb ich mich nicht bedecke?
Frage ich zurück:
“Was verbirgst du vor dir?
Zeige mir,
Dein
Natürliches Gesicht!

Oder weißt du es nicht?
Was ursprünglich in jedem ist,
Bevor das Spiegelbild zerbricht.“

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Ehemaliger Nutzer 06.05.2012 | 21:43

Danke für diese gelungene Polemik.
Immerhin ist es so, daß die versammelten Plattheiten auf ein nicht weniger plattes Publikum treffen, das letztlich nur voyeristische Interessen an der Zurschaustellung mangelnder Begabung hat. "Das kann ich auch" ist logische Folge dessen.
Also machen Sie´s dann auch und schicken es in den virtuellen Äther. Und?

Mit literarischen Schreiben hat das wenig bis gar nichts zu tun. Eher mit kaskadierten Wortblasen, deren inflationärer Gebrauch zur "Orginalität" zwingt, d.h. zur Selbstverstellung und Introjektion - hurra, ich habe ein Buch herausgebracht, was ich im Freundes, Bekannten - und Kollegenkreis verschenke bzw. den zu Interessenten erklärten Anwesenden im aktuellen Lebensabschnitt aufdränge, in der Gewissheit, daß die nicht ablehnen können, weil sie mich nicht verletzen etc. wollen.
Mir sind bislang 2 solcher Produkte von Bekannten aufgenötigt worden und ich habe deren banales Zeug ungern zur Kenntnis genommen. Warum?
Weil ich die Leute vorher nicht so banal fand wie ihr pseudolyrisches Geschwurbel.
Insoweit diese schriftlichen Äußerungen mir aber die Augen öffneten für die gewöhnliche Nichtigkeit der Befindlichkeiten der "Autoren", hat es mir den Schritt erleichtert auf Distanz zu diesen "Persönlichkeiten" zu gehen.

Kurz: lasst die Leute ruhig ihren Müll publizieren, dann lässt sich die Spreu vom Weizen leichter trennen.

Tja, leider auch nur ne banale Alltagsweisheit^^

genau so wie:
Papier ist geduldig.

Wenn die selbsternannten "AutorInnen" nach ihrem unbeachtlichen Debuts nur nicht so anstrengend wären...

I.

RAJmue 06.05.2012 | 21:47

Vergleichen wir das doch einmal mit der Produktion von Photographien, oder derjenigen von Musik, die doch ebenfalls außerordentlich zugenommen haben, seitdem dafür leicht handhabbare technische Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Parallel dazu wuchs, so ist der Eindruck, der Umfang des nicht eingelösten künstlerischen Anspruchs; möglicherweise ist die Menge des Ernstzunehmenden über die Zeit konstant und nimmt daher relativ ab. Jede Photozeitschrift zeigt das enorme Ausmaß des Wollens, und die Zahl der hoffenden DJs und Bands und der computergenerierten Songs ist Legion.

Andererseits werfe man einen Blick etwa auf die Barockzeit. Unzählige Gelegenheitsgedichte zu Hochzeit, Beerdigung usw., die nicht überliefert wurden, unzählige Kompositionen und Improvisationen, die nicht auf uns gekommen sind, alleine seitens der riesigen Zahl der Kirchenmusiker. Der Unterschied ist, dass dies damals als Handwerk begriffen wurde und nicht als Vehikel einer Persönlichkeitsaufwertung. Es steckt die Künstlertheologie der Sturm-und-Drang-Zeit und Romantik dahinter. Göttliche Gnade genießt der, der sich als Künstler fühlen kann, der gesalbt ist. Verständlich, wenn jeder das sein möchte.

Einer der Kritikpunkte des Artikels betrifft den Mangel an Form, an erkennbarem Stil. Was spricht denn eigentlich dagegen, dass jemand, dem gerade der Hund gestorben ist sowie vor zwei Wochen die Oma, oder der beim Wein im Straßencafé einem gepflegten Weltschmerz nachhängt, auf den ihn soeben ein Beitrag in einem Qualitätspresseerzeugnis brachte, seine Gefühle im Stile von Shelley ausdrücken soll? Man nehme den Lyrikgenerator, gebe ein „Hund, Oma, tot, beide, traurig, untröstlich, Beerdigungskosten, Trost, Zukunft, Wetter morgen“ usw. und klicke „Shelley“ an. Das gibt es hoffentlich bald als App für alle. Man kann Teile des Ergebnisses dann nach Wunsch in eine SMS integrieren und Freunde stilvoll aufrichten sowie ein persönliches Posie-eBook damit bereichern (wieviele Leute schreiben denn nicht heute ihre Biographie? Auf dem Markt bieten sich ja sogar professionelle Helfer an, die eigene Lebensgeschichte als Teil der überlieferten Historie zu etablieren).

Warum sollte sich das Niveau der Poesieproduktion so nicht heben lassen? Nach einiger Erfahrung kann man sogar einen ganz eigenen Stil definieren. Beispielsweise 20% Percy Bysshe Shelley, 20% William Butler Yeats, 10% e.e. cummings, 20% Robert Frost, Rest frei definiert mit persönlichen Stichworten aus Familie und Beruf (die kleine Sophie sollte im Durchschnitt jedes vierte Mal vorkommen, Lucas alternierend dazu, mein Dienst-Audi jedes 10. Mal, selbstverständlich nicht plump direkt, sondern nur mittels eines erweiterbaren verbalen Assoziationsfeldes).

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Ehemaliger Nutzer 06.05.2012 | 22:06

Na klar kann man durch Lyrik-Apps das allgemeine Niveau der Poesie-Produktion heben, das ist ja genau der schmerzhafte Punkt bei der Lektüre der Möchtegern-Poeten...

Wünschenswert wäre aber, daß uns die realen Produzenten mit ihrer von Sachverstand und Handwerkskunst nicht getrübten Verfertigung von Zeilen nicht belästigen, sondern es bei den Adressaten belassen, an die es gerichtet ist.

Wenn ich bspw einer guten Freundin ein paar aufmunternde Worte zukommen lassen will, dann mache ich das notfalls in Gedichtform - aber poste das Zeug doch nicht in verallgemeinerter und kryptisch-vergeheimnister scheinbar lyrischer Form in alle Welt.
Es kommt dann doch auf die Botschaft an und bitte warum sollte sich irgendwie für meine gute Freundin und meine Aufmunterungen interessieren - und warum?

Mir scheint, diese Entwicklung hat viel mit der Suche nach Aufmerksamkeit zu tun, ganz ähnlich den Selbstdarstellungen auf youtube u.a. Portalen.
Lyrik als Selbstinszenierung lief schon immer Gefahr sich der Lächerlichkeit preiszugeben - nur merken es die Leute heute immer weniger wie lächerlich banal das was sie ausdrücken ist.
Das ist das eigentlich Schmerzhafte:
der Zwang zur Authenzität als eine Art Gegengift zu den Masken der Medienwelt grassiert nirgends so sehr wie in der nur für Ahnungslose scheinbar emotional dichten und zugleich in der Sprache regellos-frei wirkenden Lyrikwelt.

Triefende Trivialitäten von bestechender Nichtssagenheit oftmals...^^

I.

RAJmue 06.05.2012 | 22:18

@ideefix

Man wird das "Publizieren" nicht verhindern können, wenn das so einfach wie heute ist. Daher schrieb ich in meinem ersten Beitrag um 17:20 auch "Überhaupt: Mehr Mut zum Ignorieren und zur Beschränkung." Die Produzenten werden Sie vermutlich nicht einmal dadurch beeinflussen können, dass Sie sich ostentativ als Rezipient verweigern, denn die leben in ihrer Binnenkultur. Es wäre m.E. gut, wenn die Lyrikgeneratoren nicht so schnell weite Verbreitung fänden, denn sie machen das Beurteilen ja eher schwieriger. Aber sie werden natürlich kommen.

Michael Vau 07.05.2012 | 00:48

Schön, dass sich mal jemand beschwert über schlechte Lyrik.
Schön, dass sich Leute dadurch inspirieren lassen,
und mehr zu sagen haben als: Der Kaiser ist nackt.
Noch schöner, dass es niemand mehr nötig hat wie einst Friedrich Schiller, sich bis über beide Ohren zu verschulden, um das herausbringen zu können, was er glaubt herausbringen zu müssen.
Schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen, aber das Internet wird vielleicht auch das noch schaffen?

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Ehemaliger Nutzer 07.05.2012 | 01:51

@Michael Vau
das Problem ist nicht schlechte Lyrik, das Problem ist der Resonanzboden, sprich das Publikum.
Was gute Lyrik ist bzw. sein kann, das wissen nicht nur die AutorInnen nicht, die RezipientInnen wissen es auch nicht.
Schlechte Lyrik heutiger Tage ist gekennzeichnet von banalen Inhalten/deskriptiv gereihten Fragmenten bzw. Selbstthematisierungen usw. die in einem lyric-style publiziert werden.

Im Vordergrund steht der lyrische Stil, der orginell, authentisch, provozierend oder sonstwie daherkommt - das ist alles letztlich nur geklaut bzw. nachgeahmt - dabei ohne tieferen Sinn bzw. Perspektive in Wortarrangements gekleidet, die nicht mal den formalen Kriterien lyrischer Dichtung genügen.
Kurz die VerfasserInnen haben gar keine Ahnung was Gedichte als Textsorte sind und daß das Wesen von Lyrik in der Verdichtung von Inhalten und Aussagen in wenigen Zeilen lebt.

Was mir da vor Augen weit überwiegend vor Augen kommt ist nichts weiter als ein monologisierender Wortschwall im postmodernen lyrischen Gewand, der i.d.R. zutiefst narzisstisch motiviert ist und nach Aufmerksamkeit einer polymorphen like/dislike-community giert und meint es nicht nötig zu haben mal ein fachlich versiertes Auge seine Texte prüfen zu lassen.
Kritik von dieser Seite nehmen die sog. AutorInnen i.d.R. schwerst übel.

Dahinter steht auch kein jahrelanger Gärungsprozess inkl. Leidensphase, der / die zum Schreiben zwingt, als ginge es ums Überleben - bestimmt nicht.

Es ist nur Eitelkeit, auch verletzte, sowie eine oft dekadent anmutende Koketterie mit dem Fach Lyrik, wobei ich eine an Lächerlichkeit kaum zu überbietende Selbstüberschätzung der Hobby-LyrikerInnen verzeichne, die ihr Gestammel nicht selten auch noch als Anschreiben gegen das Lyrik verstanden wissen wollen.
Absurder geht´s nimmer, fürchte ich.
Dem wird das Internet nicht abhelfen, denn dieses Medium hebt die nötige Grundbildung in Sachen Literatur, speziell Lyrik, noch weniger als die Glotze.

Von einer lyrik-kompetenten Schwarmintelligenz ist weit und breit nichts zu sehen - von einer der eitlen Verblödung zueilenden Schwarmdummheit dagegen umso mehr.

Man sieht es ja hier auch im Kommentarstrang, in denen Leute allen Ernstes Zeilen posten, die sie für Lyrik halten.
Die Zukunft hat schon begonnen. Die wirkliche Lyrik wird es überleben und darauf evtl. ein paar Gedichte als Wegmarkierungen setzen.

Aber diese Eckpfosten werden ignoriert, weil lyrisch kann ja jede/r - Lyrik dagegen sehr wenige.

I.d.S.
Ideefix

luddisback 07.05.2012 | 03:33

"Die Regression der Lyrik begann mit ihrer Inflationierung."

das glaube ich nicht. gerade die lyrik lädt jeden ein, der mit mathematik nichts am hut hat, unsportlich ist und kein instrument spielt, ohne viel mühe sein glück zu versuchen. und das auch schon vor hundert oder 500 jahren. na und?
albern finde ich aber eher solche polemiken, die einschüchtern, und das dilletieren (de.wikipedia.org/wiki/Dilettant), aus dem heraus aber alles neue irgendwann einmal entwachsen ist, verhindern. riecht für mich nach verbrannten büchern hier!

wo ich noch mitlache, ist diese ganze fördergeldscheiße, die nichts will, als das nächste stipendium, und deren vorgestellter leser irgendso ein zufälliger bildungsbürgerfunktionär mit ein paar hundert mark oder tausend im topf ist, die später einem echten künstler zum leben fehlen.

lebowski 07.05.2012 | 12:08

Schlechte Lyrik gabs schon immer:

Wenn der holde Frühling lenzt...

Wenn der holde Frühling lenzt
Und man sich mit Veilchen kränzt
Wenn man sich mit festem Mut
Schnittlauch in das Rührei tut
kreisen durch des Menschen Säfte
Neue ungeahnte Kräfte -
Jegliche Verstopfung weicht,
Alle Herzen werden leicht,
Und das meine fragt sich still:
"Ob mich dies Jahr einer will?"

Friederike Kempner (1836--1904)

Man muss der Literaturkritik schon etwas Zeit geben, den ganzen Müll heraus zu sortieren.

j.kelim 07.05.2012 | 13:13

Mit seiner Polemik "Neue Lyrik - Neue Inkompetenz" hat der Dichter und Erzähler Martin Mollnitz einen Frontalangriff auf die deutsche Lyrikszene gestartet. Um zu verdeutlichen, was der Autor unter wirklich zeitgemäßer Lyrik versteht, veröffentlichen wir hier erstmals vier Gedichte, die die Breite seinex lyrischen Schaffens aufzeigen.

Martin Mollnitz

Tristesse

Die Fotoalben verschlossen, die Fragen offen.
Kalte Progression einer Lebensverspätung.
Nur die Kredite laufen noch. Und die Glotze.
Erstarrung im Terrarium, verstummte Intimfeindschaft in der Sitzgruppe.
Flacher Stoffwechsel hinter Glas. Stilleben mit Couchtisch
und Flachbildschirm: Lausiges Abendprogramm
vorm Quartalsex, kußfreie Kopulation, Mühsal im Satin,
erektionsschwache, ejakulationsreduzierte Begegnung,
während der sie die Astlöcher an der Wandschräge zählt.
Inwendig leise rieselnder Ekel. Taube Keime, blind verwimmelt.

Immer beim Aufschneiden von Mortadella denkt er an sie,
helles Brät im eigenen Saft, Naturdarm oder Schweinsblase,
mürbes Drüsenfleisch, jahrzehnteschwer abgehangen.

Alter ist der Abstand von einem fremden Land,
sagenhaft, zu dessen Entdeckung man aufbrach,
so wie zum Baggersee mit den Mopeds im Mai.
Paul, der ertrank, um den die Mutter sich wundschrie,
der mag als einziger dort wohl angekommen sein.

wasser-prawda.de/feuilleton/plattform142/6817-martin-mollnitz-vier-gedichte.html

j.kelim 07.05.2012 | 13:49

Nachdem ich die Gedichte von Martin Mollnitz gelesen hatte, fällt es mir trotz einem gewissen Unsicherheitsgefühl, etwas leichter meine eigenen Gedichte zu senden.

Ich will ganz offen sagen: Mich persönlich berührt an den Gedichten von Martin Mollnitz nur, dass mir tatsächlich diese Gedankenwelt fremd ist und auch fremd bleiben wird. Die Wirklichkeit derer die meinige ist, sind andere Welten.

Ich tauche kopfüber
ins mir vertraute kühlende Nass
und in jeder Zelle meines Körpers
erwacht, das wiederbelebte Ich;

Meine Hände
durchschneiden, wie ein Pflug,
die blaugrüne See

Jetzt
ist mir
zumute
Als ob

ich fliege
unter und über
das, mit Seerosen bedeckte, kristallklare Wasser

Ich tanze
den Wellen gleich
und lasse mich
sanft
ins offene, unbekannte, hinaustreiben.

Lange fließe ich dahin
bis ich nicht mehr zu Erkennen glaube,
bin Ich - sowohl... als auch,
Menschlich-Delphinstisch
oder ist das Wasser unter mir
ein, die Sinne betäubender, prickelnder Strom,
der meine Wahrnehmung, verschwimmen lässt.

Solveig vom Fjord 07.05.2012 | 14:00

Nun, der Text oben fängt doch etwas ein. Man besuche mal so ein Eigenheimglück. Vielleicht könnte man verdichten, aber ich will hier nicht analysieren.
Zur Polemik: Ich las selten einen im besten Sinne so unterhaltsamen Essay und so gewitzte Kommentare. Dabei habe ich den Eindruck, dass mancher hier Schwierigkeiten mit der Textsorte der Polemik hat und die trockene Redlichkeit einer literaturtheoretischen Arbeit erwartet. Eine Lyrikszene, die sich sehr wichtig nimmt, aber wohl kaum Bleibendes leistet (Bei allen wohltuenden Ausnahmen!), läuft doch von sich aus Gefahr, irgendwann auf einen qualifizierten Spötter zu treffen. Man mache sich den Spaß und klicke sich durch die „Lyrikzeitung“ oder den „Poetenladen“. Gut, da findet man allerlei annehmbar Gesetztes, aber ich kann von mir sagen, nur von mir: Nichts, rein gar nichts, wozu sich ausrufen ließe: Oh, was für ein Gedicht! Was für ein Dichter! Kann in solchen Zirkeln und Gemeinschaftsräumen überhaupt etwas Großes entstehen oder bedarf es dazu nicht doch der Einsamkeit und Stärke des Für-sich? Ich möchte, zumal ich es nie versuchte, niemandem seine Dichteleien verleiden, nur muß sich das an Ansprüchen messen lassen, für die die Literaturgeschichte ein hohes Maß vorgelegt hat. Der Rest, also das meiste, bleibt Hobby. Wie im Leben.

anne mohnen 07.05.2012 | 16:55

Liebe Jayne,

ich stimme Ihnen in allem zu. Kookbooks, Roughbooks und Poetenladen sind kleine aber feine, ambitionierte Verlage mit viel Herzblut. Auch ich bin ein großer Fan von Fixpoetry, denn Julietta Fix sitzt keiner Beliebigkeit auf.
Mich freut aber für die Kulturredaktion, dass der Artikel so viele Kommentare auslöst. In Facebook wird auch heftig darüber diskutiert. So schreibt man Fixpoetry über den Artikel in FB:
„es ist im wesentlichen so, dass mollnitz beschreibt, dass fast alles hingeschriebene publiziert, womit er recht hat und dass es somit dem leser und ihm, wie man leicht lesen kann, schwer gemacht wird, zu unterscheiden bzw. die tatsächliche entwicklung der lyrik zu erkennen. das liegt u.a. daran, dass die ernstzunehmenden ansätze in ihrer jeweiligen szene bleiben ( unzählige szenen) sind das mittlwerweile und sich durch die bildung dieser einzelnen szenegruppen kein ganzes bild entwickeln kann. und genau das bräuchte das gedicht. nicht in form von qualitätskontrolle oder inhaltlicher auseinandersetzung auf autoreneben, die findet ja täglich statt, sondern in form von außenverwirkung, so verpönten ansätzen wie z.B. wie findet man leser, wer könnte diese bücher kaufen, wo könnte man bücher verkaufen, wer könnte ein online format lesen, wie verpackt man dass, damit nicht gleich jeder angst bekommt, es nicht zu verstehen. welchen grad an unterhaltungswert verträgt das? das hat überhaupt noch nicht stattgefunden. über eine inhaltiche auseinandersetzung untereinander kommt die szene einfach hinaus. und wenn man mal ein buch verlegt, dass vielleicht nicht den ansprüchen bestimmter gruppen entspricht, dann ist man gleich ein arschloch. die lyrik findet abseits der literatur statt und leuchtet nur hier und da auf, um gleich wieder zu verschwinden. insofern ist der satz: nach ursachen zu loten, an gründen zu rühren, das erscheint vergeblich, weil man sich ohnehin abgekoppelt glaubt" schon wahr.“
Ich teile diese Auffassung, vor allem auch unter dem Aspekt, dass Fixpoetry für eine redaktionell gute Arbeit steht. Oder wie ein anderer Kommentator in FB sinngemäß meinte, wer in nicht redaktionell betreuten Internetforen nach Lyrik stöbere, der stoße zwar auf eine Menge Literatur, die allerdings außerhalb des Netzes bestenfalls den Weg in Druckkostenzuschussverlage gefunden hätte.

anne mohnen 07.05.2012 | 17:15

"Ist nicht Rosamunde Pilcher, sondern die Gegenseite davon. Interessant."

Hier hängt der Hammer aber sehr tief!

Dennoch das mit den Bauspartverträgen, die illusionsfrei angeschaut werden, gefällt mir!

Übrigens, sieht die Liebe, wenn sie abhandenkommt, nicht überall so aus: "Wüstenrot" vom Prenzlauer Berg bis nach Sindelfingen: „Immer beim Aufschneiden von Mortadella denkt er an sie,
helles Brät im eigenen Saft, Naturdarm oder Schweinsblase,
mürbes Drüsenfleisch, jahrzehnteschwer abgehangen.“

marquis 08.05.2012 | 02:09

Mir erscheint die Polemik doch recht pubertär. Da scheint sich jemand zu rächen für verweigerte Aufmerksamkeit. Die "neue Lyrik" derart pauschal in einen Schubkasten zu werfen, dazu braucht es schon eine gehörige Schwarzweißsicht. In meinen Augen ist Lyrik ein Spiel mit Worten, wo sie unpolitisch erscheint, ist sie am politischsten. Und wo sie scheinbar klare Botschaften vertritt, läßt sie sich am ehesten von Ideologen verbrauchen. Es ist noch immer die beste Eigenschaft der Poesie, das Sagbare ins Unsagbare hin auszuweiten und dazu bedarf es des Experiments, nicht des Festgefügten, oberflächlich Radikalen, wie es uns der Verfasser dieser Polemik glauben machen will. Im übrigen liest er ungenau ("Neue Lyrik abseits vom Mainstream") und scheint sich über Sinn und Unsinn von Blogs nicht im Klaren zu sein. Das ist entschuldbar, sie kamen erst nach ihm und immer schon haben sich die Älteren über die Jüngeren moniert.

Hier eine lustige Entgegnung:
www.inskriptionen.de/?p=1570

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2012 | 08:37

Im Schreiben sind mangels Botschaft und Leidenschaft die Formalien das Wichtigste, also die beinahe obligatorische Kleinschreibung, der Verzicht auf Interpunktion in der Hoffnung, so ganz nette syntaktische Überraschungseffekte erzeugen zu können, wenn sich in der zerhäckselten Befindlichkeitsprosa sonst schon nichts tut, willkürliche Zeilenbrüche, weil das moderner wirkt. Längst vergessen, dass freie Rhythmen immer noch des Rhythmus’ bedürfen, dass Lyrik in gebundener Sprache spricht, herkommend vom Lied und vom Gesang, von den Trommeln und Tänzen.

Das folgende Gedicht ist leider nicht von mir.
3 gegen sacramento

glaubst du daß
kleinschreibung und
seltsam gefügte
zeilen den ruf
meiner seele zur
deinen
tun?

hoffst du auf
das blutleere grau
eines gesichtes
das dich
sieht?

denkst du -
magie des wortes?
ein zitternder kelch
ein kreiselndes ei
elektrisierend
den einen oder
den keinen

Ich lobe mir den braven Mann,
Der heutzutag' noch reimen kann!

Neue Lyrik wünscht vor allem eines, was angesichts ihrer kühlen Distanziertheit und ihres Solipsismus verwundert: Sie will veröffentlicht werden!

Auch ein Solipsist braucht jemanden, der ruft "Schau, wie anmutig, ein Solipsist".
Konstantin Wecker hat vor vielen Jahren ganz selbstbezogen in einem Lied gesungen "Ich singe, weil ich ein Lied hab, nicht, weil es den Leuten gefällt" - und wäre doch weinend zusammengebrochen, wenn sein Lied den Leute nicht mehr gefallen hätte. Die Pose "Der Künstler pfeift aufs Publikum / dideldei und dideldum" ist nichts weiter als das, eine Pose.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2012 | 09:11

@ideefix
Na klar kann man durch Lyrik-Apps das allgemeine Niveau der Poesie-Produktion heben, das ist ja genau der schmerzhafte Punkt bei der Lektüre der Möchtegern-Poeten...

Hast du keinen Lyrik-Generator auf dem Computer, so tut's vielleicht auch ein Vogone:
Oh zerfrettelter Grunzwanzling
dein Harngedränge ist für mich
Wie Schnatterfleck auf Bienenstich.
Grupp, ich beschwöre dich
mein punzig Turteldrom.
Und drängel reifig mich mit krinklen Bindelwördeln
Denn sonst werd ich dich rändern in deine Gobberwarzen
Mit meinem Börgelkranze, wart's nur ab!
(aus: "Per Anhalter durch die Galaxis", von Douglas Adams)

Ciao
Wolfram

Johannes aus Pankow 08.05.2012 | 11:00

Ich fand den Beitrag in der Druckausgabe und sah dann hier nach. Bei allen Diskrepanzen und verletzten Empfindlichkeiten, die oben dokumentiert werden, ist es doch wohl beachtlich, wie viel Bewegung ein Beitrag des Kulturressorts auslöst, und dies noch zum Thema Lyrik. Grundsätzlich kann ich dem Autoren als Leser nur zustimmen. Dass die Sentimentalen davon zunächst mal getroffen sind – keine Frage. Hier wird polemisiert, nicht analysiert. So etwas gibt es nun mal im Feuilleton! Richtig so! Mehr davon! Dafür lässt sich in der deutschen und gerade österreichischen Presse eine schöne Traditionslinie aufzeigen, spätestens seit Karl Kraus. Es ist das Amt eines Pamphletisten zu polemisieren; das Amt eines Literaturtheoretikers ist ein anderes. Sollen die sich in ihren Seminaren zurücklehnen und Exegesen dazu formulieren. Es war außerdem offenbar gar nicht Mollnitz' Ansinnen, hier mit Gedichten aufzuwarten. Das haben andere besorgt, um sich zu legitimieren, bei der Gelegenheit gleich mal eigene Texte zu bunkern. Charmantes Verfahren? Was ich über die Verlinkung las – und wer weiß, ob da noch mehr steckt – das fiel mir wenigstens mal auf. Dass sich Mollnitz jetzt an seinen eigenen Ansprüchen messen lassen muss, ist spannend. Er braucht das wohl nicht zu fürchten. Gut, Geschmacksache. Ich mag die härteren Klänge und finde es gut, dass einer mal nicht nur von seinem kleinen Umkreis und Mini-Gesichtsfeld schreibt. Apropos klein. Hat ein winziger Verlag die Traute, so etwas zu bringen, kann man ihn nur ermutigen. Sehr tapfer.

Johannes aus Pankow 08.05.2012 | 11:38

Nun, das ist doch alles sehr nett und zeugt ganz sicher von Talent. Und ganz wie im Pamphlet: Viel, viel erste Person. Welcher begeisterte Schwimmer kennt nicht dieses berauschende Fluggefühl im Wasser überm Grund? Nur eben der das Wasser durchschneidende Hände-Pfug vielleicht etwas schwer für den Auftrieb. Ich sehe ja auch, dass Mollnitz mit den zitierten Texten nicht so auf der schönen frischen Seite des Lebens unterwegs ist. Vielleicht ist ihm ein prickelnder Kopfsprung zu empfehlen. In gewisser Weise hat er den hier ja gewagt.

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2012 | 12:46

Für Wolfram und andere
eine Improvisation
zum Thema

Die Muse flieht der Dichtung Pose

Dem freudschen Unbehagen an der Kultur
mit Gedichten nachzuspüren, haftet etwas
unzeitgemäß Elegisches, wie Komisches,
an.

Aus dem Behagen in die Kultur
lyrisch sich einzubetten, quillt
allzu geschwätzige, von Melancholie
getränkte Lustlosigkeit.

Der unentrinnbaren Oberflächlichkeit der Massenkultur
in Tiefen entfliehen, Niveauausgleich wenigstens
individuell, eine Lücke oder Nische finden,
eine Brücke bauen über den Mahlstrom
von Nichtigkeiten und Sensationen,
etwas Bedeutungsvolles schaffen
soll sein ein Gedicht.

Beständig gegenüber den Seziermessern des Feuilletons,
zeilenweise einwebbar in die Hochkultur, dem eitlen
Kopfschoß unmerklich alternder Intellektualitäten
schmeicheln, das Besondere, das Originale
das Authentische, das abstrakt Genitale und
konkret Geniale Wohlfühlstaunenmachen
soll sein ein Gedicht.

So beladen mit Ansprüchen und Erwartungen, überschwer
ankernd im leeren Unbeweglichen, bleibt nur die Flucht
in Schwermut oder Vielleichtigkeiten, düstere Esoterik
statt saftigem Eros, Vereinzelungsoptimismusmüssen
statt Inspirationsschulterschlüssen – das Leiden lahmt,
der Antrieb fehlt, der Überdruss am Überfluß allein
reimt diesen Stuß, beziehungsweisen Überschuß.

Wo bleibt denn nur der Musen Kuss?

(der Zeilenumbruch geht auf die Formatvorgaben hier, zerhackt den Text leider etwas)

I.

j.kelim 08.05.2012 | 13:44

Anspruchslos

Er fuhr mit ihr über das weite Meer
In ein exotisch fernes Land
Die Sprache die gesprochen wurde
War ihnen gänzlich unbekannt.

Sie verbrachten dreißig Tage lang
im Sonnenstuhl liegend am kühlen Meer,
und hin und wieder sprach er davon,
Wie schön es doch jetzt in der Heimat wär`.

Mit erinnerter Wehmut im Herzen,
vergaßen sie, für eine kurze Zeit,
alle unangenehmen Urlaubsschmerzen
Und machten ans Werk sich zugleich.

Sie liebten einander bei geöffnetem Fenster,
damit es auch keiner, jemals wieder vergisst,
was damals in exotischer, fremder Weise,
So wundervolles, an der Liebe gewesen ist.

Und als sie wieder Zuhause waren, -

Sagte Sie: „Gott sei Dank,
Wir sind wieder hier."
“Und weißt du was?“ Antwortet er, und sprach gleich hinterher:
„Die Hauptsache ist doch: Wir sind braungebrannt,
Und im Kühlschrank, steht außerdem noch ein Bier“.

b.limp 08.05.2012 | 15:17

Man kann dem Beitrag von Matin Mollnitz (bedauerlicherwiese) lediglich beipflichten.
Statt eines Blogbeitrags eines unwichtig geratenen Lesers Impressionen aus dem Poesieschlachthaus der Republik:

1981, Münster, Lyriktage: Christoph Meckel, Ulla Hahn, H.C.Artmann, Michael Krüger, Uli Becker etc.pp.
WDR damals in Münster Berichterstattung.
Artmann vor laufenden Kameras ans Pult, Victory Zeichen mit Zeige- und Mittelfinger. Einer fragt ihn auf dem, ob er "Victory" meinte, Artmann daraufhin: Valium. Szene geschnitten vom WDR.
Gleichwie: Michael Krüger im weiteren Verlauf der Veranstaltung: "Man glaubt es nicht was für einen Scheiß man auf seinen Schreibtisch bekommt, der sich Lyrik nennt."
Ulla Hahn pudert sich erwartungsvoll das Näschen. Uli Becker damals: der junge Wilde aus der Ambitionsgasse, Christoph Meckel als Vorzeigedichter. Entweder wollte Rühmkorf nicht, man hatte ihn nicht gefragt oder es gab um irgendwas Dissens. Egal.
Feine Vorträge: Westfalen von der Droste-Hüllshoff Society mit klugen Vorträgen.
Und jede Menge Lyrik der damals fast ebenso wie heute abgefunzelten Lyrik, damals "Neue Innerlichkeit" genannt.
Heute würde man nach so einem Fiasko vielleicht titeln:
"Neue Lyrik - alte Impotenz in neuen Schläuchen."
Tut man aber nicht.
Dann fliegt einem so ein Artmann-Fragment um die Ohren:
"Wer dichten kann ist Dichtersmann".
Keine Frage: das Volk der Richter und Henker ist remutiert zu dichtenden Lenkern des Leims auf den sie selbst gehen: ihres ambitionierten Persönchens.
So What.
So gesehen macht ein Grünbein noch keine Dichtung und ein Schirrmacher noch keinen Dichter.
15 Minuten gab Andy Warhol jedem Persönchen zum Abfeiern seines Persönchens.

Lyrik indes: damit will niemand was zu tun haben: weil das einfach nur ein Scheißjob ist. Und das ist auch ganz gut so.
Fideldei, Fideldum.

b.l. 08.05.2012 | 15:34

@ Solveig und andere: Polemik ist Polemik, wer sich eine Formulierung herausgreift und meint, MM habe es getroffen, übersieht, dass seine Polemik oft sehr billig das eine sagt und das Gegenteil dann auch noch: Streng aber nicht zu streng: gut gebrüllt Löwe, aber für den eigenen Mittelweg muss man nicht scharf werden, oder wenn wäre eine gute Polemik eine, die den mittleren Ton verteidigt. Wer die ausgelöste Debatte als etwas Positives sieht, bloß, weil es erine gibt: Ja so ist das, mit Pauschalkritik an Leuten, die sich mangels Öffentlichkeit nur sehr mühselig verteidigen können, das wird belohnt. Bei den Kommentatoren sind sicher welche dabei, die da bloß wieder etwas Saubermachen wollen, die die eigene Beteiligung eigentlich als Zeitverschwendung ansehen. (Auf das Notargument: Immerhin eine Debatte wird MM sicher auch stolz sein.)
Wer auf Lyrikzeitung und Poetenladen nun gleich wirklich gar nichts findet, was ihm irgend erwähnenswert vorkommt, muss sehr voreingenommen lesen oder einen sehr speziellen Geschmack haben, vielleicht gewisse verstorbene Dichter gut finden ... Man könnte auch mal überlegen, warum Dichter dann bestimmte Sachen notorisch offensichtlich nicht tun. Diese Mittel könnte man dann versuchen, als wichtige Mittel zu verteidigen. So käme etwas Fruchtbareres heraus, als das Naserümpfen.
Wo MM nicht zangenartig vorgeht, sind seine Beobachtungen banal (allgemeine Kleinschreibung, nervt mich übrigens auch) oder auf banale Weise falsch: Man lese einschlägige Anthologien! Der Trend "" statt "und" ist sowas von durch und sowas von ungelitten, dass diejenigen, die für "" gute Gründe haben es sich überlegen müssen, weil ihre Texte aufgrund dieser Formalie ungelesen aussortiert werden könnten.
Mit anderen Worten: MMs Artikel stabilisiert eher die allgemein als nicht sehr befriedigend empfundenen Verhältnisse, anstatt wirksam eine Kleinigkeit wenigstens daran zu ändern.

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2012 | 15:50

Da hier wahrscheinlich doch etliche Lyrikexperten mitlesen nütze ich die Gelegenheit für eine Frage. In den siebziger Jahren habe ich irgendwann an der Uni Regensburg in einer Zeitschrift für für süddeutsch/österreichische Mundartdichtung folgendes Gedicht gelesen.
REVAULUZIAUN
hosd
den frechn untadon
in mein
jawoi
ghead?

Für die, die mit den südlichen Dialekten nicht so vertraut sind, übersetze ich das mal auf Hochdeutsch:
REVOLUTION
hast du
den frechen unterton
in meinem
jawoll
gehört?

Das Gedicht hat mir so gut gefallen, daß ich es mir abgeschrieben habe, dummerweise habe ich den Autor nicht notiert. Seit ich Internet-Zugang habe, habe ich mehrfach nach dem Gedicht gesucht, es aber nirgendwo gefunden. Kennt jemand das Gedicht und kennt auch den Autor?
Es könnte dem Tonfall nach H. C. Artmann sein, aber der war damals schon viel zu bekannt, als daß er in so einer eher kleinen Zeitschrift publiziert hätte.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2012 | 15:58

@b.limp
Lyrik indes: damit will niemand was zu tun haben: weil das einfach nur ein Scheißjob ist.

Dürrenmatt hat mal in einem Interview gesagt, man sollte doch nicht Leuten wie ihm Literaturpreise verleihen. Er könne ganz gut von dem leben, was er schreibe. Literaturpreise sollte man nur an Lyriker vergeben, die seien arme Hunde, die seien wirklich auf das Preisgeld angewiesen.

Ciao
Wolfram

b.limp 08.05.2012 | 16:20

Auf Spitz: weder ein Schreiber noch ein Lyriker lebt von dem was er schreibt: die wundervolle Transsubstantiation wie Sie sie zu insunieren scheinen, werter Wolfram Heinrich resultiert auf einem sublimen Mißverständnis der Künste.
Von der Malerei oder Musik lebt man ja auch nicht: das meinte Kafka mit den Hungerkünstlern ggf.

Man sollte vlt. Hunger haben künstlerisch tätig zu sein - besser nicht: Mozart z.b. hatten die verbrannt wie eine Wunderkerze und der hat das mit sich machen lassen....

Temperieret besser nicht wohltemperieret könnte Kunst draus werden: vlt so - aber ich hab ja keine Ahnung von sowas.

b.limp 08.05.2012 | 16:26

der Nachsatz sei erlaubt: Passt man nicht auf wird man sich ggf von Herrn Jauch ob seiner Einkunftslage befragen lassen müssen, womit die eigentliche Arbeit ggf. desavouiert erscheinen könnte.
Wir sehen: Kunst ist was sie immer war: ein Spiel der Lebenden und ein Spiel der Lebensbeherrschenden.

Keiner mag Bela Bartok, erst recht nicht seine Streicherquartette: viel zu intellektuell...

Deswegen bleiben die Künste was sie sind: ein ausgemachter Scheißjob.

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2012 | 16:44

@b.limp
Auf Spitz: weder ein Schreiber noch ein Lyriker lebt von dem was er schreibt: die wundervolle Transsubstantiation wie Sie sie zu insunieren scheinen, werter Wolfram Heinrich resultiert auf einem sublimen Mißverständnis der Künste.

Ich insinuierte eine Transsubstantiation, und die auch noch sublim? Das hört sich doch sehr nach irgendeiner Schweinerei an, das nehmen Sie zurück.

Von der Malerei oder Musik lebt man ja auch nicht:

Ach, der Dieter Bohlen kommt ganz gut über die Runden, scheint mir.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2012 | 16:57

also ich
mag Bartoks Streichquartette (vollständig hier)
genauso wie das Kronos Quartett
u.a.

"intellektuellen" Scheiß.
Das ist eben vor´m "Mögen" aus dem Bauch heraus erst mal ein Verstehen gesetzt.

Immer noch besser als wenn ich zum Mögen den Kopf ausschalten muß, um nicht zu kotzen...
;-)

Das Einzige was an dem Umstand von der Kunst nicht leben zu können wirklich gut ist:
man lernt als zum schnöden Broterwerb Gezwungener auch noch andere Leute und nicht nur KünstlerKollegInnen, KaufInteressenten und die Businessmanager kennen.

Das ist ein nicht zu unterschätzender Fundus an Geschichten, Anregungen und Alltagstragödien wie Komödien.
Wenn man denn in der Lage ist bescheiden zu sein, d.h die Leute dazu zu bewegen dies sichtbar zu machen bzw. mitzuteilen - das ist letztlich der z.T. hochdramatische Stoff, aus dem alle menschbezogene Kunst sich speist.

I.

b.limp 08.05.2012 | 17:04

gemeint war natürlich nicht ideefix, um das zu erläutern.

Der Dicke meinte noch in einem meeting, diese sozn, die sich als intellektuelle tarnen: die machen wir weg.

Werter Wolfram Heinreich, das scheint ihm gelungen zu sein in Anbetracht Ihrer wirkenden Perspektive.

Nichts für ungut - nehmen Sie das bitte nicht als Einladung zu einem Diskurs:

Wobei: wenn Sie wollen: pls feel welcomed^^

j.kelim 08.05.2012 | 17:48

Alles geschieht heute in einer Geschwindigkeit
von Informationen, dass eines der Nachwehen davon ist:
junge Menschen suchen nach neuen Kommunikationsformen.

Täglich ändern sich unzählige Male die Botschaften.
Allein schon hier, das ist kaum noch fassbar und zu bewältigen, schon gar nicht für jene die noch zusätzlich 8 stunden täglich arbeiten, oder sich in schulischer oder anderweitiger Ausbildung befinden.

Dieses beschauliche Dasein, sich an Zeilen und Bildern zu ergötzen:
Ist eine vergangene Epoche.
Es mag ja sein dass intellektuell anspruchsvolle Gedichte von anspruchvollen Intellektuellen als geistige Nahrung gesund ist.
Doch es gibt unzählige Menschen deren Nahrungsvergnügen eine andere ist. Diese Abgrenzung die dadurch aufrechterhalten werden soll, wer bitte, nimmt sich für sich selbst heraus eine höher gestellte Wesen zu sein, nur weil er oder sie eine ausgeprägtere Bildung besitzt.
Menschsein beginnt da, wo Menschen aufhören anderen gegenüber belehrend aufzutreten, denn meistens sind das jene Leute, die das Menschsein nur imitieren und sie brauchen deshalb Abbilder in Form von Gedichten welche ihnen sagen: seht her ich bin der Mensch, der in diesen Gedichten lebt: wenn ich auch nicht selbst fühle, brauche ich etwas, dass Gefühle in mir auslöst, ohne wirklich berührt zu sein.

Was die Liebe verspricht
ist nicht immer ein Gedicht

für zwei

die um den heißen Brei
herumreden,
wenn es darum geht

wer mal wieder
nicht versteht,

dass es nicht nur,
um den heißen Brei herumgeht.

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2012 | 17:53

b.limp schrieb am 08.05.2012 um 15:15

etwas für mich nicht auf den ersten zu Durchblickendes, weil schlicht die Bezüge zu meinem Text fehlen bzw. nur angedeutet sind.

Ich meinte nur, daß mensch um Bartok zu genießen Grundkenntnisse der Musik als Universalsprache und der verschiedenen Arrangements besitzen sollte - denn Bartok ist n.m.A. eine Ausnahmeerscheinung.

Ähnliches gilt, da stimme ich dem Artikel zu, für Gedichte.
Auch da genügen die oft lange vergessenen Vorkenntnisse aus der Schulzeit nicht. Besonders schlimm ist das, wenn die Gedicht-AutorInnen nicht einmal mehr die Grundregeln erinnern, oder meinen sie könnten sich "avantgardistisch" darüber hinwegsetzen.
Hier haben wir die Ähnlichkeit mit der Musik von Bartok und Gedichten - es gilt die handwerklichen Regeln der Komposition zu beachten und diese in Richtung Kunst bzw. Meisterschaft zu entwickeln.

Jedem guten Gedicht liegt eine Komposition zugrunde, deshalb haben diese auch einen Rhythmus, eine Sprachmelodie und ein zur Aussage passendes Arrangement.

Die Funktion der Lyrik ist, bei aller Verdichtung, die Mäeutik durch Verführung. Insoweit hat jedes Gedicht auch einen sinnlich-erotischen Ursprung, denke ich.

Noch mehr Stoff bzw. neudeutsch "stuff"
gefällig?

;-)

I.

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2012 | 18:04

fühlen Sie sich doch nicht bitte fortgesetzt von den höheren Weihen der Lyrik unter Druck gesetzt.

Es gibt doch die Sparten Alltags - und Gebrauchslyrik, Spontan - und Balzlyrik usw. - neulich las ich auch von einem entfernten Bekannten ein paar Zeilen, die bezeichnete er als erotische Lyrik - und ich habe ihn darauf verwiesen, daß er doch - das dürfte W.H. interessiern - in recht pornographischen Metaphern sich ergießt, also Porno-Lyrik produziert.
Fand der Typ gar nicht witzig und wollte mich dafür hauen, so getroffen und beleidigt sah er seine Produktion.
Nun ja, ich hätte ihm vielleicht nicht den Rat geben sollen, es statt mit dieser Art Lyrik mal mit der Praxis zu versuchen...

Das ist eben leider oft so. Sagt man den Lyrik-Leuten direkt was man von dem Zeug hält, was sie herstellen - also nicht um den heißen Brei herum - dann werden diese ach so sensiblen Typen schnell mal ausfällig.

So ist das eben, wenn einer Textsorte das Etikett Empfindsamkeit und Verletzlichkeit der Herstellenden umgehängt und von diesen auch beansprucht wird, das mahnt dann doch zur Zurückhaltung...

I.

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2012 | 18:46

@ideefix
...neulich las ich auch von einem entfernten Bekannten ein paar Zeilen, die bezeichnete er als erotische Lyrik - und ich habe ihn darauf verwiesen, daß er doch - das dürfte W.H. interessiern - in recht pornographischen Metaphern sich ergießt, also Porno-Lyrik produziert.

Ich bin empört! Wie kommst du drauf, mich könnte dergleichen Schweinkram interessieren. Volvo ist schlimm genug.

Nun ja, ich hätte ihm vielleicht nicht den Rat geben sollen, es statt mit dieser Art Lyrik mal mit der Praxis zu versuchen...

Edler als das krude Schnakseln,
Ist sensibles Versedrakseln.

Das ist eben leider oft so. Sagt man den Lyrik-Leuten direkt was man von dem Zeug hält, was sie herstellen - also nicht um den heißen Brei herum - dann werden diese ach so sensiblen Typen schnell mal ausfällig.

Rat an den Kritiker
Ist der Dichter sehr sensibel
Brauchst du Siebenmeilenstiebel.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2012 | 19:04

@b.limp
wollte nur auf ihre bloom info in sachen hinweisen.
Na?
ist Ihre hose jetzt nass?

Ist jetzt klar, warum ich bei meinen Kommentaren immer hinschreibe, an wen sich der Kommentar richtet und - kursiv zitiert - auf welche Textstelle er sich bezieht? Es ist - ich verrate hier kostenlos mein Betriebsgeheimnis - eine Sache der Höflichkeit. Wer immer einen Kommentar von mir liest, sollte eine faire Chance haben, zu verstehen, was ich mit diesem Kommentar meine.
Aber gut, wir sind hier in einem Lyrik-Blog und ich habe schon seit meiner Schulzeit den Eindruck, manche (gar nicht mal so wenige) Hervorbringungen deutschsprachiger Lyrik (auch allseits hochgeschätzte) seien Formen von Kommunikationsverweigerung. Ich sag dir was, aber ich sag dir nicht, was.
Was ich sagen wollte: Obiger Kommentar von Ihnen bezieht sich anscheinend auf mich. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was mit der - angeblich meinigen - "bloom info in sachen" gemeint sein könnte, geschweige, daß ich wüßte, wieso deshalb meine Hose naß sein sollte.
Ich mein, wenn Sie jetzt sagen "Es geht Sie einen Scheisendreck an, was ich Ihnen sagen will", dann soll mir das auch recht sein. Ich wüßte es nur gerne, weil ich mich dann nämlich aus der Diskussion ausklinken könnte.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2012 | 19:05

@b.limp
Der Dicke meinte noch in einem meeting, diese sozn, die sich als intellektuelle tarnen: die machen wir weg.
Werter Wolfram Heinreich, das scheint ihm gelungen zu sein in Anbetracht Ihrer wirkenden Perspektive.

Für dies hier gilt das gleiche, was ich im anderen Kommentar schon geschrieben habe: Ich habe keine Ahnung, was damit gemeint sein könnte. Ich bin ratlos.

Nichts für ungut - nehmen Sie das bitte nicht als Einladung zu einem Diskurs:

Ist das die vornehmere Variante von "Es geht Sie einen Scheisendreck an, was ich Ihnen sagen will"?

Ciao
Wolfram

b.limp 08.05.2012 | 19:29

Werter Graf Wolfram Heinrich.
Mitnichten geht Sie einen Scheisendreckan was Sie sagen wollen - dessen sollte man sich gewiß bleiben.
Überhaupt geht niemanden iurgendeinen Scheisendrecken irgendetwas an was man sagen wollte.

Ging ja nur um Lyrik.

Und die interessiert alle einen Scheisendrecken beim Karrieremachen.

Das ist allerdings kein Gedicht: das ist Realprosa.

Nun gut, wer den "Schwarm" mag, um seiner generell mentalisiert wirkenden Spätromantistisierung aufzusitzen.

Nicht unser Problen: Ihres wie meines.

Mit besten Grüßen

j.kelim 08.05.2012 | 19:38

@ideefix

Ja das stimmt, was Sie schreiben, zweifellos ist die Lyrik einem Spiegel gleich, was das Seelenleben eines Menschen betrifft, desgleichen sichtbar auch außen erscheinen zu lassen und darin sind ebenso ungelebte Phantasien und auch Sehnsüchte verborgen.
Andererseits ist es doch zugleich auch interrasant, dadurch einem Menschen aus einer Nähe zu betrachten, eine Seite an ihm zu entdecken, welche sonst im verborgenen bleibt.
Das Wagnis im Offenleben einer Charaktereigenschaft kann eine knifflige Angelegenheit sein und bedarf manchmal, eines sehr stabilen Ichbewusstseins, und nicht immer, tut man dem anderen, damit einen Gefallen, weil es doch manchen an die Freiheit des Ungehorsams erinnert, welche wiederum einen Schmerz nach sich zieht, der besser nicht gefühlt ist. Ja ich will noch weitergehen und den Gedichten im allgemeinen auch einen therapeutischen Zweck zuordnen von dem der Schreiber, ebenso der Leser, durch Identifikation, wie auch immer, eine gewisse Befreiung innewohnt.
Sicherlich empfinde ich in manchen Texten, die eine stimmige Melodie in sich vereinen manchmal etwas Neid und Bewunderung. Ich will das vergleichen mit jemand der auf einem Klavier spielt und nicht nur Talent vorzuweisen hat, sondern zudem auch noch Noten lesen kann.
Und in diesem Sinne gibt es Menschen welche die Grammatik der Sprache beherrschen und ebenso Intuition und Phantasie besitzen, ebenso wie es Menschen gibt die von sich glauben alleine die Kunst der Grammatik oder Rhetorik machen aus ihm einen Redner Dichter. Um anschließend natürlich noch zu erwägen, dass alleine ein Talent oft nicht ausreichend ist und das Handwerk, eine Bildungsangelegenheit ist, was ja generell ebenso in anderen Künsten Vorraussetzung ist, wie z. b. beim Zeichnen eines Bildes.

Ich selbst weiß, um meine Mängel an grammatikalischer Erkennung von Worten, was mir auch heute immer noch wie ein Brief mit sieben Siegeln ist und dadurch richtet sich meine Kritik natürlich gegenüber denjenigen die in virtuos ausgedrückter Sprache mir einen Spiegel vorhalte, in den ich nicht gerne hineinsehe, weil es mich an meine Unkenntnis erinnert und eben daran, dass allein ein Talent nicht ausreicht und es an mir liegt meinen Gesichtskreis zu erweitern, was dazu noch anstrengend ist

b.limp 08.05.2012 | 19:45

Pornolyrik.
Fasst könnte man denken man habe es bei Lyrik mit ersten Versprachlichungsmomenten von subtiladoleszenten zu tun, die kaum, dass es sie der Sprache bemächtigt, es mit Gefühöen zu tun haben.

Spätromantik.

Überhaupt: man sollte zwischen Geschlechtsverkehr und Lyrik wohl trennen: andererseits: Muschies, die dichten wollen gibt es genug.

qed: Grass war zuletzt dran damit.

Mit Lyrik als vergegenwärtigt sprachlicher Auseinandersetzung hatte das nun wiederaum auch wenig zu tun.

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2012 | 19:52

Wolfram Heinrich schrieb am 08.05.2012 um 16:46 @ideefix

>Ich bin empört! Wie kommst du drauf, mich könnte dergleichen Schweinkram interessieren. Volvo ist schlimm genug

Der Ideefix verfolgt des Wolframs Spur schon eine Weile...

Volvo ist schlimm genug, stimmt.
Meine Frau hat eine/n V50. N beinah schon vulgär - komfortables Gefährt, geht bei Bedarf ab wie Schmidt´s Katze (heißt die wirklich Muschi?)

Könnte man auch lyrifizieren die Marke mit diesem supervirilen Logo.
Also meine Frau hat das bestimmt nicht deswegen gekauft, aber so ein Kombi hat eben viel horizontalen Platz, für alle Dinge die Spaß machen.
Und ich weiß genau, daß dich das interessiert...

Kennst du übrigens das Buch von Oliver Sacks
"Onkel Wolfram"
???

I.

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2012 | 20:45

Das Artikelthema lautet:

Neue Lyrik – neue Impotenz

insoweit sind wir thematisch nicht weit entfernt.

Soweit ich mich erinnere, war es der linke Dichter P.P.Zahl der (während seiner Haft) zu Gedichte u.a. Texten bemerkte:
"Schreiben ist nicht selten Fickersatz"

ich könnte hier mal ein paar wirklich bemerkenswerte Zeilen seiner Lyrik posten, die sowohl politisch wie erotisch nichts zu wünschen übrig lässt...

Lust darauf?
;-)

I.

Uwe Theel 08.05.2012 | 21:27

@ Wolfram Heinrich am 08.05.2012 um 13:50

Lieber Wolfram,

so viele "Zeitschriften für süddeutsch/österreichische Mundartdichtung" kann es in den siebziger Jahren doch nicht gegeben, dass Du nicht erst einmal diese recherchieren könntest, um Dich dann direkt an deren Archive zu wenden.

Es steht eben zum Glück nicht alles im Internet, ist das nicht nett? ("nett" reimt sich auf "Internet" war aber trotzdem nicht Lyrik).

lg
uwe

b.limp 08.05.2012 | 22:44

Wie Lyrik losgeht:
Du kannst ja echt schreiben.
Danach
Keine Ahnung was Du damit meinst
Danach
Du redest ja Scheiße, weil so redest Du ja nicht sonst,
Danach
Du Wortverkäufer
Danach
Du Kapitalistenschwein, Du hungerst ja immer noch nicht
Danach
Kunst mir mal füf Euro geben?
Du bist doch ein Künstler
Danach
Leck mich am Arsch, Du Wichser
Danach
Friede Deiner Asche
Danach
Ein ganz großer Dichter
Danach
Was für ein Arschlioch

Danke.

b.limp 08.05.2012 | 22:49

Warum die Intellektuellen lediglich nur über Leserbriefe sich kommunizieren?

Weil es keine Intellektuellen mehr gibt.

Und sofern die vorhanden sein sollten halten die einfach die Fresse, weil der Kleinspiesser hier das Sagen hat.

Und wo der Kleinspiesser das globalisierte Sagen hat ist einfach Ende mit der Kunst: da kann man sich nur noch die Karrieren anschauen.

Ganz ganz feine Karrieren; bis hin zu dem Spießerkram der Piraten.

Fein.

Sehr, sehr fein.

b.limp 08.05.2012 | 23:03

Was kann sich ein Harzler für seine schlichten Bedürfnisse kaufen wollen?
Kunst?
Warum?
Der macht lieber selbst Kunst.
Geht dafür mit einem IPhone gepflegt in die Insolvenz als Kunst zu machen: Kunst mir mal meinen account bezahlen.

Das wollter der Dicke.

Und das hat er geschafft:

Blühende Landschaften.

Sry Com ober mir geht der Hals hier grad wiedermal ganz fett hoch.

b.limp 09.05.2012 | 00:18

...und, um es zu komplettieren: an diesem Lagerfeuer habe ich garnichts zu suchen oderr zu finden.
Ja, ich bin groß geworden mit dem Satz: es ist Staub zu sein kein Amt.
Jeder ist außergewöhnlich: das ist das vulgäre der Außergewöhnlichkeit: das bedeutet auch schöpferische Freiheit.
Das allerdings macht alles noch eine Spur komplizierter. Umso besser.
Darob hatte bereits meine Mutti die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.
so what,^^

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Ehemaliger Nutzer 09.05.2012 | 07:57

@Uwe Theel
so viele "Zeitschriften für süddeutsch/österreichische Mundartdichtung" kann es in den siebziger Jahren doch nicht gegeben, dass Du nicht erst einmal diese recherchieren könntest, um Dich dann direkt an deren Archive zu wenden.

Ja schon, aber ich habe keinen Mordfall aufzuklären, sondern wollte eigentlich bloß wissen, wie der Autor heißt, falls ihn zufällig jemand kennt. Heißt: So eine Recherche ist mir zu aufwendig.

Ciao
Wolfram

Johannes aus Pankow 09.05.2012 | 10:21

Die enorme Resonanz zeigt m. E. so allerlei: Zunächst, dass es für viele mit Literatur Befasste offenbar immer noch zu wenig Artikulationsraum gibt, denn hier steht ja plötzlich alles - vom autonomen Poeten bis zum Germanisten und wieder hinab – oder hinauf – zum volkstümlichen Polemiker bzw. Grantler. Außerdem meint man abzulesen, dass solche Beiträge dem ansonsten doch elitären Genäsel des Feuilleton mal guttun. Das sollte sich der "Freitag" als Kompliment anheften – es zu schaffen, für einen Beitrag so viele Kommentare auszulösen, wie das andernorts nur der Fußball vermag. Als Lehrer hätte ich nie und nimmer angenommen, dass mit diesem Thema so anzuregen ist; und das dürfte - wie immer man zu MM stehen mag – doch wenigstens aus gutem Nützlichkeitsdenken heraus gerechtfertigt sein. Was der oben zitierte Independent-Verlag dazu sagen würde, hätte mich interessiert. Alles in allem viel mehr als nur gute Unterhaltung.

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Ehemaliger Nutzer 09.05.2012 | 11:16

"Solange ich mich erinnern kann, nannten wir ihn uncle tungsten, Onkel Wolfram, weil er Glühlampen mit feinen Drähten aus Wolfram herstellte. Seine Firma hieß Tungstalite. Oft besuchte ich ihn in der alten Fabrik in Farringdon und beobachtete ihn bei der Arbeit, mit Klappkragen und aufgekrempelten Hemdsärmeln. Das schwere dunkle Wolframpulver wurde gepresst, gehämmert, rotglühend gesintert und dann zu einem immer feineren und feineren Draht für die Leuchtfäden gezogen. Das schwarze Pulver hatte sich in Onkels Hände so eingebrannt, dass kein Waschen half.
Nach dreißig Jahren Arbeit mit Wolfram, so stellte ich mir vor, war ihm das schwere Element in Lungen und Knochen gedrungen, in Gefäße und Gedärme, in jedes Gewebe seines Körpers. Doch ich sah das als Privileg, nicht als Fluch - für mich wurde sein Körper gestärkt und gekräftigt durch das wunderbare Element, wurde ihm eine Kraft und Beständigkeit von fast übermenschlichen Ausmaß verliehen."

Oliver Sacks

(Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte / Der Tag, an dem mein Bein fortging / Awakenings:
Zeit des Erwachens u.a.)
berichtet in "Onkel Wolfram" aus seiner Kindheit und Jugend, seiner Faszination und Zugänglichkeit für Naturwissenschaften, Technik, Medizin, Sozialgeschichte und Philosophie und und und
= unbedingt lesenswert

Gruß
Ideefix

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Ehemaliger Nutzer 09.05.2012 | 11:41

Nachschlag:
>
zehntausend verrückte
klimpern ihre songs
auf dem alten klavier
unserer wirbelsäule
mit ihrer unterwasserstimme
rufen sie zur arbeit
zur anpassung
zum gebet in der börse zurück:
ratten sind sie
zahnlos und tückisch

träume in denen wir das gesicht
unserer feinde annehmen
kein biß in stränge aus fleisch
keine zunge seitlich am hals
und in all den köstlichen nischen

hier sind die lämmer schuldig
hier sind die grillen massenmörder
und wenn du zuviel
an mich denkst schwester
machst du mich unnötig schwach
vor dieser nacht
von schreien gefeil
angeschnallt
in der beruhigungszelle
der weißen stillen kammer
auge in auge mit der kamera
die dein bild wirft
pausenlos
auf die monitore
der macht
...
(P.P. Zahl - Alle Türen offen - 1978)

soundroom 09.05.2012 | 13:14

lieber martin mollnitz,

ik hatte einen onkel jan, jott hab ihn selich. und onkel jan, ja, der sachte imma, nee, er “dozierte” das so mit stolz jeschwellter brust, ja, und nem grinsen auf seinem jesicht und dabei freute er sich wie son schulbub: “junge, ehrlich sollste sein. imma ehrlich. denn: es ist und bleibt im ganzen land das größte schwein der denunziant!”

herzlich willkommen auf www.inskriptionen.de - mach mit, machs nach, machs bessa!

b.l. 09.05.2012 | 14:38

Nun ja, besonders rege sind Diskussionen dort, wo sie anhand von eingeführten Grenzziehungen geführt werden, also einerseits allgemein bekannten wie Verstand vs. Gefühl, Handwerk vs. Welt usw. Zweitens müssen Sie unentscheidbar sein. Was lernen Schüler daraus? Dass es eben Fragen ohne Antwort gibt, das letztlich alles eine Frage der Meinung ist usw. Sollte das ein Ziel des Deutschunterrichts sein? Trügt man sich nicht durch die lebhafte Debatte darüber hinweg, dass es allenfalls an den Rändern um Poesie ging? In Schreibseminaren ist das sehr merklich: Vom Text selbst wird sofort abgekommen, der Text wird sofort nur noch zum Statthalter für Meinungskriege um so allgemeine Fragen, wenn sie auftauchen. Sollte man nicht neue Unterscheidungen ausprobieren? Welche Beschreibungsverfahren etwas bringen sollte doch herauszubringen sein. Man muss die Vorschläge aus dem 19. Jahrhundert, die durch Deutschunterricht und Zeitungen immer wieder aufgewärmt werden und deswegen wichtig erscheinen, doch nicht für die bestmöglichen halten. Schließlich haben sie gezeigt, dass man bestimmte Dinge damit nicht ganz richtig zu fassen bekommt. Diskussionen auf Fb Foren und anderen auf denen namentlich gezeichnet wird, scheinen mir oft besser, denn sie ufern nicht so aus mit Spam, allenfalls mit humoriger Unsachlichkeit, was mir als Notwehr sympatisch ist. Dichter sind zwar mit Grund immer etwas skeptisch gegen deutschlehrer aber freundlich genug, jemanden "hinein zu lassen".

b.l. 09.05.2012 | 14:55

Aber man kann auch sagen: Lyrik kann einen angstfrei machen. Kann man sehr schön bei Endler nachlesen. Angstfreiheit bewahrt einen vor Impotenz, die psychisch verursacht ist. So kann man auf Freuds dch etwas unbedarfte Theorie auch gut verzichten und Deinen Witz retten: Es ist schon entmutigend manchmal, was so geschrieben wird alles ... (eigentlich wollt ich nur mal Endler sagen ;-) )

j.kelim 09.05.2012 | 15:51

Die Landkartenerstellung eines
Grundgedanken-Weltanschauungs-Eigentümers
festgehalten im allgemeinen Weltbild-Atlas
und folgerichtig, jede darin enthaltenen
gelebten und ungelebten Erfahrungen
und die noch nicht betretenen
Denkstrukturen-Wege-Einflüsse

Dementsprechend zutreffend
für alle Kartenleser
verbindlich oder unverbindlich
fühl- oder nicht fühlbar
dem Verstand
zugänglich
verständlich
nachvollziehbare und
nicht nachvollziehbare
Wirklichkeiten

im jährlich neu korrigierten Weltbild
unter Einbeziehung aller
Philosophisch- Psychologischen- Wirtschafts-Futurologen
inbegriffen Wertschöpfungen aus Religionen
gleich Mystikverweigerer gleichsam
Leidkulturgutträger rund um den Globus
verteilt und autorisiert vermittels
Nobeldynamitpreisträger
jederzeit bereit den Frieden auf den Mars
zu Exportieren

Ausnahmslos eingezeichnet
im Weltanschauungs-Atlas

Ein Bedeutungsvoller Schein
will gutgemeint die Schranke sein
den Blick nach innen abzuwenden
Nützlich nur dem Verstandesdenken.

Uwe Theel 09.05.2012 | 20:08

Was bitte soll ich Dir Erklären,

Dein unsägliches Verhalten, anerkannte Musikschaffende in nur allzubekannter Art als "Kulturschwuchtelen" zu beleidigen?

Wenn man weiß, dass diese Künstler "moderne" Musik machen, dann weiß man auch, was Deine Gedankenväter dazu gesagt und schlimmer mit den Komponisten gemacht haben.

Falls Du es nicht weißt, dann schlag unter "Entartete Kunst" nach und entschuldige Dich!

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Ehemaliger Nutzer 10.05.2012 | 07:16

@j.kelim
gefrorene Tränen
kaltes Gebein

zersplittertes
Nierengestein

zerronnen, wie Wasser
wie tauendes Eis

beseeltes Geseufze
wider dem Weltengeist.

Auf die Gefahr hin, hinkünftig als ausgesprochen prosaischer Mensch zu gelten: Ich glaube nicht, daß zertrümmerte Nierensteine ein Seufzen wider den Weltengeist sind. Bei gefrorenen Tränen oder kaltem Gebein lasse ich dagegen mit mir reden.

Ciao
Wolfram

b.l. 10.05.2012 | 11:33

@Dohle "tolles Stück" (Die pure Diskussion meint ja auch blimps spam und ist allenfalls ein Trostpreis, dass noch viel geschrieben wird und den Leuten die Sache eigentlich wichtig ist, darüber Zweifel zu hegen, das wundert mich schon.)Man kann auch mit größerer Nobless und gezielterer Bosheit (büchleindick) über das Thema Impotenz schreiben, nämlich z.B. auch die mittreffen, die in Jurys und Lektoraten mitbeteiligt sind daran, dass man öfters unbefriedigt bleibt, wenn man sich hochgelobte Lyrik reinzieht.

www.l-iz.de/Bildung/B%C3%BCcher/2012/05/Hoerspiel-Persiflage-auf-den-deutschen-Lyrikbetrieb-41565.html

b.l. 10.05.2012 | 11:58

@ Heinrich: Pardon, Freuds Theorie ist alles andere als unbedarft, behaupte ich mal ganz frech. Aso icke subliemier anders;-)
(Vielleicht sollten wir hier den Diskurs ostentativ umwidmen und zu einem über Freud und Impotenz machen. Dann kommen die Naseweiße vielleicht nicht mehr auf die Idee, es wäre eine Qualität des Artikels.)
Für mich erhellend: Der Briefwechsel Freud - Sandor Ferenczi: Ferenci entdeckt das traumatisierte Verhalten, dass sich ganz anders zeigt und ganz anders bearbeitet werden müsse, als Freud dachte. Ein echter Fortschritt. Freud führt das ziemlich borniert auf Ferencis Vaterkonflikt mit ihm zurück. Das ist wirklich Psychoanalyse von größter Geschmacklosigkeit.
Freud hat auf etwas als erstes deutlich hingewiesen, das will ich nicht bestreiten. Er hat, er konnte wahrscheinlich als erster kaum anders, einige Fehlstellungen: Erstens: Er überträgt die Macken seiner bürgerlich verbogenen Kreise auf die menschliche Psyche an sich. In unkultiviert derben Kreisen wird manches nicht gelten. Er überstrapaziert damit etwas die Figur: etwas ist eigentlich etwas anderes, sieht nicht, die der Schleier Teil des Gewebes ist. Will sagen: Wenn er seine Urmythen erzählt, kann er die ja laufend auch nur aus bewussten Kulturleistungen seines Kanons schöpfen (der die Verbiegungen mit enthält, denen er zu entgehen trachtet.)
Zweitens: Die reduktionistische Leitvorstellung, die sich an den Naturwissenschaften orientiert, die Objektebene des psychischen Geschehens allzuschnell auf ein anderes Wissenschaftliches zurückzuführen.
Psychoaanalytische Ansätze scheinen mir da besonders fruchtbar, wo sie nicht nur in der Praxis (wo es sich kaum vermeiden lässt) sondern auch in der Theorie länger auf der Ebene der Phänomene verbleiben und nur vorsichtig herunter schreiten. Bayards Analyse, die die Instanzenenlehre des Ich überträgt auf die Beschreibung dessen worauf wir uns beziehen, wenn wir von (gelesenen) Büchern sprechen: „Wie man über Bücher redet, die man nicht gelesen hat“

b.l. 10.05.2012 | 13:28

@Dohle 88 "hoffnungszeichen" Bedurfte es des Beweises, dass es sehr viele Leute gibt, die ihre Interessen unter dem Label Interesse für Gedichte begreifen? Wie viele von denen die hier schreiben lesen noch Dichtung (im Gegensatz zu umgebrochenem Selbstsachtext)? Selbst: die abgezogen, hätte ich keine Zweifel, dass es viele gibt. Brauchen wir noch einen Beweis, dass Regen nach unten fällt? Eine noble und auch treffsichere Kritik des Lyrikbetriebs liefert das Büchlein "Das deutsche Dichterabzeichen". Denn ist es nicht ein Bauernopfer, schwache Lyriker für Macken an der Distribution guter Lyrik haftbar zu machen? Sind da nicht alle anderen Agenten mächtiger?

j.kelim 10.05.2012 | 14:58

Wenn die Tränen nicht mehr fließen und hart werden wie kaltes Gebein, entstehen als Folge ein Nierengestein. Um den Schmerz zu lindern zersplittert das Gestein: zerronnen wie Wasser, wie tauendes Eis/ Geseufze wider dem Weltengeist.
…“Der Weltengeist will nicht fesseln uns engen
er will uns Stuf`um Stufe heben weiten..“

…er will, dass die Tränen sowohl... als auch, in Freude oder Trauer ungehindert ausströmen und nicht verhärten “wider dem Weltengeist“

j.kelim 10.05.2012 | 16:07

Es braucht nicht sein, dass am Ende ein - beseeltes Geseufze/ wider dem Weltengeist - Erleichterung verschafft, weil endlich der Nierenstein zertrümmert ist. Eben drum… es fließen zu lassen und nicht Staudämme bauen, weil wir gelernt haben, das die Liebe etwas ist, was man festhalten muss. Irgendwann bricht der Damm, denn Liebe will ungehindert fliesen.

Er legte Staudämme in seinem Herzen an
damit die Liebe nicht hindurchfließen kann:

Und als er einmal einen Herzinfarkt bekam
wunderte er sich, dass die Liebe
so kaltherzig ist:
Er wollte lediglich
festhalten, was ihm gehört,
weil er immer alles festhalte,
was nicht angebunden ist.

Corina Wagner 10.05.2012 | 18:53

Zunächst vielen Dank für den sehr interessanten Artikel.
Lyrik- ein absolutes Stiefkind in der Literatur.
Romane, die massentauglich verfasst wurden, die haben eine echte Chance auf dem Buchmarkt. Clevere Mitarbeiter von Verlagen wittern dann Besteller und mit ein paar netten Rezensionen auf dem Klappentext lassen sich die Verkaufszahlen steigern. Mal ehrlich formulieret: Welcher Personenkreis interessiert sich denn heute noch für Lyrik? Wie viele Menschen lesen gerne in ihrer knapp bemessen Freizeit Gedichte?
Verlage investieren lieber in anderen Werken. Schließlich wollen diese ja in der harten Branche überleben. Und zu allem Elend gibt es jetzt auch noch die Möchtegern-Lyrik, die z.B. bei Amazon im Internet vertrieben wird.
Zur Möchtegern-Dichtung kann man natürlich absolut viel negative Zeilen verfassen. „Jedem Tierchen sein Pläsierchen!“ Dieses alte Sprichwort passt meiner Ansicht nach hervorragend zum Schreiben. Wenn durch das Lesen von Möchtegern-Dichtung nicht gerade schwere massive seelische Schäden entstehen, sollte man jedem selbst überlassen, ob er/sie kostbare Zeit für das Lesen solcher „Literatur“ investiert.
„Plattes Zeug, Dahingeredetes wurde immer geschrieben;…“ Stimmt!
Es gibt aber auch schon immer anspruchsvolle Lyrik. Worte, die für Intellektuelle Balsam auf der Seele sind, die trotzdem nicht veröffentlicht werden, weil sie nicht massentauglich sind. So mancher gebildete Mensch, der das Zeug zum Literaten aufweist, schreibt vielleicht nur für den Hausgebrauch, weil er seine Texte z.B. renommierten Verlagen absichtlich vorenthält. Solche Menschen gibt es auch.
CoLyrik – Kreatives außerhalb der Norm beinhaltet Gedichte und Kurzgeschichten. Oweia – ich gehöre zu den…
Einige wenige Beispiele zum Aufregen oder auch nicht… :
www.youtube.com/watch?v=3LvOebh7wwY=relmfu
www.youtube.com/watch?v=bnJF3wh3EN8=relmfu
www.youtube.com/watch?v=S9JrETZNZOI
www.youtube.com/watch?v=LN0m12vLRiU=relmfu
www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Mutige-Ausritte-auf-dem-Musenross-id19204646.html

j.kelim 10.05.2012 | 19:12

@Wolfram Heinrich schrieb am 10.05.2012 um 05:16

Ich war mir nicht sicher ob ich schreibe: “den“ oder “dem“ Weltengeist.

Die Frage welche dabei auftaucht. Ist der Weltengeist sowohl… als auch
allgemein gedacht und ebenso persönlich angesprochen.

Ich fand zwei Aussagen:

“Vorzugsweise in Vollmondnächten trampeln diese irrlichternd zwischen den M., in die Fettnäpfchen und auf den Kornfeldern umher, woraus angeblich ein gepflegter Dialog mit dem Weltengeist erwächst.“( Quelle: TAZ 1993 )

“Vom Einssein mit dem Weltengeist“ (Titel eines Buches)

Was denken Sie? Was entsprechender ist?

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Ehemaliger Nutzer 10.05.2012 | 20:41

Na mal Glückwunsch zu diesen mutigen und gelungenen Auftritten, liebe Corina.

Was Lyrik als Stiefkind der Verlage betrifft, so hast du nicht ganz recht. Die Verlagsleute stehen seit der Digitalisierung und Online-Produktion unter enormen Preis - und Vermarktungsdruck.
Das hat den Markt sehr stark beeinflusst und außerdem die Lesegewohnheiten des Publikums massiv verändert.
Lyrik ist daher kaum noch marktgängig bzw. der Aufwand für´s Marketing steht in keiner Relation zum Ertrag.
Dennoch ist Lyrik immer noch die "Königsklasse" der Literatur und eine Sparte für sich.

Mithin ist hier seit ca. Mitte der 1980er ein Vakuum entstanden, in das seitdem immer mehr Hobby-LyrikerInnen einströmen.
Ich kann mich daran noch gut erinnern, weil ich damals meine Skripte nicht mehr einschickte, sondern auf meinem ersten Rechner speicherte und ggf. an Freunde, Bekannte und Interessierte per mail oder telnet verschickte.
(jaja, solange ist der Ideefix schon online unterwegs)

Tatsächlich bin ich seitdem auch so einer der "schreibt vielleicht nur für den Hausgebrauch, weil er seine Texte z.B. renommierten Verlagen absichtlich vorenthält."

Das Ding dabei ist, daß wenn du dich hierzulande als Lyriker oder Romancier, Dramatiker oder sonstwie auf dem Buchmarkt bewegst, hast du im Alltagsbetrieb auch dieses Etikett zu tragen bzw. es wird dir umgehängt.
Bei mir war das damals nicht mit meinem Berufsleben und dem Umstand erstmals Vater zu werden vereinbar.
Das gilt letztlich das ganze Berufsleben lang, was ein wenig an Kafka erinnert...

Gruß vom Ideefix

j.kelim 11.05.2012 | 03:43

Klassifikation nach Form:
Ventilsteine, Hirschgeweihsteine, Korallensteine, Ausgusssteine,
Auch Mischformen sind möglich.

Menschen, die das einmal erlebt haben, überbieten sich in ihren Schilderungen der Qualen. Sogar Geburtsschmerzen sollen dagegen verblassen.
Ein Urologe erklärte es seinen Patienten so: "Was Sie da spüren, ist eine Kolik.
In 30 Minuten bieten Sie mir Ihr Auto, in einer Stunde Ihr Haus und heute Nachmittag noch Ihre Frau dazu, wenn ich bloß dafür sorge, dass die Schmerzen aufhören."

Wie stark die Beschwerden sind, hängt von der Größe des Steins ab kleine Exemplare verursachen lediglich einen stechenden Schmerz beim Wasserlassen, schon bei linsengroßen Steinen kann es aber zu stundenlangen Nierenkoliken kommen. Zusätzlich zu den Krämpfen wird Betroffenen beim akuten Steinabgang oft übel, manche müssen sich erbrechen, einige bekommen Blähungen und Durchfall.

Corina Wagner 11.05.2012 | 12:13

@Ideefix
Hallo Ideefix,
vielen lieben Dank für den ausführlichen Kommentar.
Mitte der Achtziger, so muss ich zugeben, hatte ich noch keinen Rechner, den ich zum Speichern meiner Texte hätte missbrauchen können. ;-) Allerdings schrieb ich zu dieser Zeit auch noch keine Gedichte. Dafür war ich schon acht Jahre lang Mitglied eines bekannten Buchclubs, da mich meine Eltern dort als Zwölfjährige anmeldeten. Nicht jeder kommt als Leseratte zur Welt und nicht jede Person hat Talent zum Schreiben. Doch kann man zum Lesen animiert werden, wie auch zum Verfassen von Texten. Eine ausgeprägte Intelligenz schadet beim Formulieren absolut nicht, höchstens Zeitmangel, wenn man sich auf das Schreiben nicht konzentrieren kann. Wer nicht am Hungertuch nagen will, muss wohl Lyrik als schöne Bereicherung wahrnehmen, mehr aber auch nicht. Mit einigen wenigen verkauften Exemplaren kann man keine Familie ernähren. Dafür sind die Margen zu gering. ;-) Meine Schwester macht seit 15 Jahren Büchereiarbeit und leitet seit zwei Jahren eine Bücherei. In dieser Zeit wurde noch nie ein Lyrik-Band ausgeliehen. In anderen Büchereien sieht es leider ähnlich aus. Wer im Lyrik-Bereich Umsatz machen will und das nötige Talent mitbringt, sollte Hörbücher anfertigen lassen. Diese liegen nun im Trend. Sie sollten Ihre über Jahre gesammelten und abgespeicherten Werke als Hörbücher auf den Markt bringen.
LG
Corina
www.youtube.com/watch?v=yKvN3S3tiRM

Dohle88 11.05.2012 | 16:18

Kluge Worte, Frau Wagner. Ob etwa niveauvolle Zeitschriften mehr Lyrik publizieren sollten? Aber gerade auf die rollte dann eine Welle zu, und es bedürfte eines auswählenden Lektorats. Die "Zeit" versuchte es ja mit politischer Lyrik. Damit ging auch nicht gerade ein Ruck durch das Blatt. Mag es nicht tatsächlich so sein, dass Zeiten wie diese, in denen sich jenseits der Hysterie um Börse, Ranking, EZB etc. wenig bewegt, die Lyrik einen schweren Stand hat oder eben eher solche Selbstvergewisserungen und emotionale Entlastungsübungen geschrieben werden, wie sie der Autor hier etwas polemisch kritisiert, so dieser etwas romantische Narzissmus? Schaut man bei den ersten Adressen nach, etwa in der "Sinn und Form", so findet man auch dort eher Texte, die sich ganz gut bei inskripitonen.de u. ä. unterstellen könnten. Meint man. Vielleicht läuft man mit allzu viel "Erberezeption" mit einem festgelegten Geschmack rum, tut den jungen Skribenten Unrecht und möchte intuitiv mit dem Autor sagen: Kein Günter Eich, nirgends.

Corina Wagner 11.05.2012 | 18:16

@Dohle88
„Kein Günter Eich, nirgends.“ Vergleiche sind immer schwierig und dies ja nicht nur im Bereich Literatur. Die Welt zeigt sich in all ihren Facetten des Alltags in einem rasanten Tempo: Was gerade noch in war, ist dann schon wieder out. Überall versucht man neue Wege zu gehen, um durch Kreativität und Erfindungsgeist Fortschritte zu erzielen. Hätte niemand an dem einen oder anderen Schräubchen gedreht, dann könnten wir heute z.B. nicht in diesem Thread kommunizieren. ;-)
Warum sollte man dann im Bereich Lyrik nicht auch experimentieren dürfen? Warum muss man sich z.B. an das Reimchema halten – nur weil es einst berühmte Literaten taten? Man kann moderne experimentelle Musik, die z.B. durch „Klangmikroskopien“ oder „Klanglandschaften“ dargestellt werden kann, auch nicht mit Mozarts oder Bachs Werken vergleichen und doch können sie den geistigen Horizont erweitern - ein Genuss für die Ohren sein.

S. Steinebach 11.05.2012 | 18:50

Vor zwei Jahren schrieb ich zu dem Thema ein Gedicht:

Worte
Worte lassen sich nicht zwingen
nur sanft in richt’ge Formen bringen
Worte sind des Dichters Brot
d’rum bringt er sie ins rechte Lot.

Und so wird Wort um Wort gerungen
bis das Gedicht ist wohlgelungen
und hat der Dichter das geschafft
erfreut es seine Leserschaft!

und gleich noch eines:

Wortbaustellen
Du mögest zweifeln an meinen Worten,
du mögest zweifeln an meinen Reinem,
und doch sind sie alles für mich.
Formulieren meine Gedanken
und spiegeln meine Seele.
Darum sitze ich und schreibe,
befreie damit mein Herz.
Man möge mir verzeihen,
ich kann nicht anders.

Und nein, das bleibt ungereimt. :-)

marsborn 11.05.2012 | 22:43

Glückwunsch an den neuen Lyrikpapst aus der Westprignitz zum grandios gelungen Rundumschlag gegen all die geistigen Zwerge, die ihn tag und Nacht zwingen, ihre zweitklassigen Texte zu lesen! (Herr Mollnitz, warum lesen sie sowas? Ich habe einen Verdacht...) Ach, ab sofort wird sicher nur noch gute Lyrik im Mollnitzschen Stil in den Blogs und Kleinverlagen geschrieben werden! Nur zwei kleine Ergänzungen: Mollnitz kann leider die Gedichte nicht richtig abtippen (d.h. lesen), die er dann öffentlich nicht versteht. (Schon das erste Wort des zitierten Gedichts von "eisenhans" ist z.B. falsch. Vgl. hier: www.inskriptionen.de/?p=1468) Na, geschenkt. Der zitierte eisenhans stand übrigens durchaus schon im "Jahrbuch der Lyrik" u.ä.m. - nur eben nicht mit dem Bloggernamen. Tja, den Un terschied zwischen Blog- und Buchtext müsste man kennen. Aber jeder blamiert sich so gut er kann, das gilt eben nicht nur für Lyrikblogs, sondern auch für Lyrik-erklär-Blogs, hm...? (Kurzer Verständnis-Tipp an Herrn Mollnitz: Einfach eine Texte der dazugehörigen Serie im gleichen Blog lesen und schon erschließt sich mancher Zusammenhang, der dem eifernden Lyrikexperten ansonsten auf Grund nicht oder zu wenig angelesener Hintergrundinformation mangelt...) Ansonsten empfehle ich: Den großen Mollnitz lesen - und die Poesie hat wieder eine Zukunft!
;-)

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Ehemaliger Nutzer 12.05.2012 | 11:00

@marsborn
(Kurzer Verständnis-Tipp an Herrn Mollnitz: Einfach eine Texte der dazugehörigen Serie im gleichen Blog lesen und schon erschließt sich mancher Zusammenhang, der dem eifernden Lyrikexperten ansonsten auf Grund nicht oder zu wenig angelesener Hintergrundinformation mangelt...)

Genau das ist das Kreuz mit mancher Art von Lyrik (oder anderen Literaturprodukten). Das Gedicht wird dir isoliert präsentiert, du hast (zunächst) nichts weiter vor dir als die Zeilen des Gedichts. Du liest es und du verstehst nur "Freibier"? Um den Text zu verstehen, müßtest du viele weitere Texte des Autors lesen, müßtest du eine Menge über den biographischen Hintergrund des Autors wissen. Und wenn es ganz blöd kommt, müßte dir vielleicht zusätzlich noch ein sachkundiger Rezensent die Assoziationsketten des Dichters erklären.
Texte dieser Art sind Kommunikationsverweigerung. Ich sag dir was, aber ich sag dir nicht, was.
Lese ich dagegen ein Gedicht von - sagen wir mal - Heine, dann weiß ich ganz spontan, ohne jegliches Hintergrundwissen, was er damit ausdrücken will. Habe ich Hintergrundwissen (ich weiß, wer Heine ist, wann und wie er gelebt hat, ich weiß, wann und aus welchem historischen Zusammenhang heraus dieses Gedicht entstanden ist etc. pp.), so werde ich das Gedicht wahrscheinlich noch ein Stückchen besser verstehen können. Aber: Im Großen und Ganzen erklärt sich der Text selber. Die Schönheit der Form, der Funke des Inhalts kommt gänzlich ohne Interpretation aus. Zusätzliche Interpretation ist hilfreich und eröffnet mir weitere Dimensionen des Textes, klar, aber ich benötige diese Interpretation nicht wirklich.
"Alles, was einer Erklärung bedarf, ist die Erklärung nicht wert." (VOLTAIRE)

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 12.05.2012 | 13:19

@heidenplejer
"Ich nehme an, er ist eisenhans."

Das wäre heftig. Zeit zum Dementieren sollte aber sein.

Ich komme da drauf, weil er mir ein bißchen viel über den ansonsten relativ unbekannten Dichter "eisenhans" weiß. Er kennt sogar den Klarnamen von eisenhans ("Der zitierte eisenhans stand übrigens durchaus schon im "Jahrbuch der Lyrik" u.ä.m. - nur eben nicht mit dem Bloggernamen.)

Ciao
Wolfram

marsborn 13.05.2012 | 00:28

Zunächst @ alle: Es ist ja allgemein angeraten, das worüber man spricht/schreibt zunächst einmal gründlich zu lesen, nicht wahr? Mir wird hier zu viel unterstellt und ohne Sachkenntnis des verhandelten Gegenstands freihändig geurteilt. Leider hat auch der Autor dieses Artikels eher aus einer (nachvollziehbaren) Laune des Bauches heraus argumentiert als mit nachvollziehbaren Fakten. Hätte er z.B. nur die Texte, die er wahllos als Beispiele gewählt hat, mal ordentlich analysiert (studiert hat er das angeblich ja), wäre ihm evtl. aufgefallen, dass sie als Beispiele seiner durchaus bedenkenswerten Grundthese (zu viel neue Lyrik wird unlektoriert und unnötiger Weise gedruckt) wenig taugen. Und hätte er den Blog, den er als einziges (und leider nicht sehr repräsentatives) Beispiel erwählt hat - und den ich neben vielen anderen aus beruflichen Gründen zufälliger Weise gut kenne - nur ein wenig studiert, wüsste er: 1. dass die dortige Bloggergemeinde aus guten Gründen unter Pseudonymen arbeitet, sich untereinander aber teilweise gut "in echt" kennt und sich viele Texte und Formen aufeinander beziehen (und dazu braucht man, @Wolfram, auch keinerlei Insiderwissen, man muss dort eben nur mal aufmerksam nachlesen) 2. dass der Verlag, der eben jenen Blog betreibt, einer der wenigen anspruchsvollen Kleinverlage ist, die Lyrik nur mit einem hervorragenden Lektorat verlegt und mit dem eigentlich gesetzten Problem des Artikels eigentlich nichts zu tun hat. Zudem ist der "inskriptionen"-Blog im Gegensatz zu den sorgfältig verlegten Büchern in der Tat eher eine literarische Spielwiese, ein gemeinschaftliches Skizzenbuch, ein Textdiskussionsinstrument und deswegen als Exempel für die niveaulose Verkommenheit der neuen deutschen Volkslyrikbände eben wenig tauglich... Mollnitz hat das Gedicht von "eisenhans" (Klarname und Person sind mir in der Tat bekannt - und ich versichere: im Gegensatz zu Herrn Mollnitz hat man von "eisenhans" in der Klarnamen-Realität schon gehört) weder richtig zitiert noch (rein sprachlich) verstanden (nicht mal den Titel). Als Germanist hat er in diesem Fall komplett versagt. Mollnitz schreibt zudem im großkotzigem Krawallton und allerlei unbelegtem Sentiment von "impotenten Möchtegerndichtern", aber leider mit wenig überzeugenden Argumenten - gerade so, wie man es von "impotenten Möchtegern-Dichtern" kennt: Ein Sturm im Wasserglas, um die schmerzlich vermisste Aufmerksamkeit zu erzeugen... Bei ihm schwingt, offen lesbar, ein ungutes Motiv von Wahrnehmungsneid ("seht, so viel Schund wird gedruckt, aber nicht meine beispielgebenden Zeilen..."), Viertelwissen und ästhetischem Säuberungswillen mit. Fundierte Kritik sieht anders aus. - - Lieber "potenter" Herr Möchtegern-Dichter Mollnitz: Einfach mal selbst ein paar gute Gedichte schreiben. (Die vier aktuellen Beispiele in der "Wasserprawda" jedenfalls sind leider eher passende Beispiele für Ihren eigenen Artikel und seine Hauptthese.) - Oder wenigstens mal eine stichhaltige Lyrikkritik, hm? Die wäre zu Ihrem Thema nämlich in der Tat äußerst angebracht. Also, auf ein Neues! Ihren Ruf als Erneuerer der deutschen Gegenwartslyrik haben Sie sich ja bereits mit Ihrer (sicherlich selbst gewählten) Überschrift hart erarbeitet. Jetzt sollte geliefert werden.

Blackbird 13.05.2012 | 01:12

Auf diesen Artikel von Martin Mollnitz gibt es eigentlich nur eine Antwort:
Schreiben Sie zwei Wochen lang jeden Tag einen Artikel, der neu, kreativ, nicht-wiederholend und schöpferisch ist, der sich von allen Artikeln, die von allen anderen Journalisten Deutschlands geschrieben werden deutlich unterscheidet und qualitativ abhebt, der nicht nur eine gefundene Sache und ihre Meinung dazu beschreibt, sondern der ein zeitloses Werk einmaliger Genialität darstellt, eine ganz eigene Substanz hat und ein ganz eigenes Thema beschreibt, dessen Veröffentlichung sich lohnt und eventuell sogar gedruckt werden sollte.

PS:
"Die Berufsbezeichnung Journalist ist rechtlich nicht geschützt und darf auch ohne entsprechende Ausbildung geführt werden."

Eine Berufsbezeichnung "Lyriker" ist mir nicht bekannt.

Blackbird 13.05.2012 | 02:49

Bislang ist kein Kommentar von Martin Mollnitz in diesem Thread zu verzeichnen. War wohl nicht so ernst gemeint und es ist nur mal so auf die Quotenkacke gehauen worden, oder?

Bisher haben die Lyriker jedenfalls mehr gesagt als die Journalisten, was die Funktion der Lyrik sehr deutlich beleuchtet:

Lyriker sagen, was sie denken, Journalisten und Kritiker sagen, was sie über das denken, was andere geschaffen haben.

Dies zeigt, woher die Substanz stammt, sei sie auch immer dieselbe und dilettantisch dargeboten.
Das blinde Huhn sollte nicht über das gefundene Korn spotten. Es sieht ja die vielen anderen nicht.

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Ehemaliger Nutzer 13.05.2012 | 15:44

Zunächst: Den großen Abgleich an Interpretationen von Texten zu leisten, das hieße die Kommentarfunktion einer Website wohl überfordern. Zudem hier Autoren bereits ihre Lyrik einzustellen beginnen und das Forum praktischerweise als einen Publikationsort nutzen, an dem gerade so etwas wie das literarische Dorf im Netz entsteht. Zur großen Rechtfertigung besteht m. E. kein Anlass. Wie jeder andere hier ging ich von Wahrnehmungen als Leser aus. Man unterscheide zwischen einem Essay im Sinne von "exagium" und einer akademischen Literaturkritik. Es steht allen frei, seine Lesarten dagegen zu halten oder bspw. Erwiderungen anderswo abzufassen. Wolfram Heinrich möchte ich zustimmen: Ein Gedicht bedarf in Sinn und Form keiner Kontexte, Fußnoten und Verständnistips. Entweder es steht für sich oder es fällt für sich. Und keine Frage: Es gibt junge starke Texte. Sie waren hier gerade nicht Thema, und sie gehen m. E. nicht zuletzt aus technischen Gründen in der Kurzläufigkeit des Netzes und in den paar Metern Klappbroschüren unter. Dass Lyrik gegenwärtig als kaum publizierbar gilt, mag ja an ihrer Schwemme liegen, die sich im Netz staut. Wer all die hier aufgerufenen Online-Foren für Plattformen ambitionierter Literatur hält, dessen Gewissheit wird von einer einzigen polemischen Stimme, die nicht um jeden Preis Recht behalten will, doch gar nicht gestört. Was meine eigenen Elaborate betrifft, so müssen die sich selbstverständlich alle Kritik gefallen lassen und gelten mir selbst überhaupt nicht als mustergültig, zumal es nur vier sind, die eine interessante Online-Zeitschrift aus freien Stücken redaktionell auswählte. Schon klar: Wenn einer kritisiert und sich parallel dazu seine Texte im Netz finden, muss er den Kopf hinhalten. Fällt ein Name, stürzt nun mal alles an die Suchmaschinen. Selbstverständlich würde ich selbst nichts, aber auch gar nichts innerhalb irgendwelcher Foren selbsttätig „hochladen“, nur weil diese die bloße Möglichkeit dazu offerieren und alles „freistellen“. Ich bleibe bewußt im Abseits und empfinde diese weitgehende Verweigerung gegenüber e-Literatur nicht etwa als apart oder elitär, sondern einfach nur als ruhige und besonnene Art. Ein hinkender Vergleich: Ich mag ebensowenig überfüllte Freibäder oder die Dynamik von Sportstadien. Reflexhaftigkeiten, das Ping-Pong elektronischen Hickhacks in Kommentarspalten etwa, sind meine Sache nicht. Mich hier laufend mit Wortmeldungen einzuschalten erschiene mir unangemessen, denn meine kleine randständige Philippika bietet doch genug Angriffsflächen, wie sich eindrucksvoll zeigt. Dass der von mir überaus geschätzte „Freitag“ Beiträge wie den meinen online stellt, erweist sich hier ja als sehr interessant und lässt Aufschlussreiches sehen. Eine ganze Seite Druck finde ich sehr ausreichend. Lieber Druck als Netz. Ein solches Verfahren vermeidet die oben dokumentierte emotionale Hitzigkeit von Foren, auf denen jeder, auch ich, so gut brüllt, wie er eben kann. Und, lieber „Marsborn“: Was denn sollte ich liefern? Ich bin hier weder Herausgeber noch Chefredakteur noch irgendein anderer Entscheidungsträger. Sie werden nicht erwarten, dass ich hier am literarischen Dorf mit eigenen Texten weiterbaue. Für das Eigene ziehe ich mich wie stets in meine Werkstatt zurück. Ich bedanke mich herzlich für alle, ausnahmslos alle profunden und leidenschaftlichen Beiträge und verabschiede mich.

marsborn 01.07.2012 | 23:45

Ihre Gedichte, lieber Herr Heino Bosselmann (alias Martin Mollnitz) im "Philotast" zeugen von einer übergroßen Sehnsucht nach Vorgestern. Einserseits kennen Sie kaum "die" aktuelle Gegenwartslyrik, über die Sie ohne Kenntnis und Belege, aber voller wortreicher Missgunst effekthascherisch daherschwafeln ("Bionadebourgeoisie auf besonnten Freisitzen am Prenzlauer Berg"), sodass Sie auch gleich einen neuen kleinen Essay posten müssen, wenn er dann doch mal was von dem gelesen hat, worüber Sie - der schwer Verkannte - faktenarm rummotzen (in diesem Falle seine "Entdeckung" Nora Bossong). Andererseits träumen Sie in Ihren Aufrufen zu neuer deutscher Dichtungsgröße von einem - hört-hört - "neuen Expressionismus". Wow! Erleuchtung dräut aus Torgelow. Neue Stahl- und Starkstromgewitter der gesamtdeutschen Poesie kündigen sich an - geschrieben von wackeren Landmännern auf den nebelumhangenen Kneipenterrassen von Trogelow - oder wie? Und dann, ach, Ihre Philotast-Gedichte, denen man sprachlich wie inhaltlich so deutlich anmerkt, dass der vorpommerscher Depressionshorizont über 1989 nicht hinaus führt (als für Sie offenbar ein für alle mal die Zeit einstürzte, siehe da): Schicksalsschwer und heldensolitär, solide aus benn-jüngerschem Eiseneichenimitat geschnitzt, vollkommen licht- luft- und freudlos, bar jeden Lächelns und jeder Lässigkeit. Plattdeutsche Provinz-Ramstein-Epigonien für dörfliche Frührentnerpoesiealben mit einer kleinen Nostalgie für ihren Deutschlehrer aus den frühen Fünfzigern. Dass ein naseweise Möchtegern-Lyrik-Breivik auch viel für die "Junge Freiheit" schreibt, erscheint mir nur logisch. Kurzum: Mein Goßvater hätte Sie gemocht!

Badgunny 11.06.2013 | 21:39

Glückwunsch, Martin Mollnitz! Wer hätte so etwas "im" FREITAG erwartet. Es lohnt sich übrigens bei bestimmten "Dichtern" (bei Wiki) nachzuschauen, wie sie sich finanzieren: Durch eine endlose Kette von Preisen und Stpendien (wahrscheinlich mehrere hundert Lyrik-Preise gibt es in "D". Ganz spannend dazu eine Rezension des JAHRBUCH DER LYRIK 2013 hier:http://www.lyrikheute.com/2013/06/was-sollte-lyrik-heute-sein.html.