Mladen Gladić
27.04.2017 | 15:04 7

Neues vom Rechten Flüüügel

Medien Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz hat sich neuerdings der Wahrheitsfindung verschrieben. Er plant ein Online-Portal, das wacker gegen die "Meinungsdiktatur" kämpft

Neues vom Rechten Flüüügel

Strahlend gegen die "Meinungsdiktatur": Dietrich Mateschitz

Foto: Clive Mason/Getty Images

Das nächste große Ding in Sachen (unterdrückter) Wahrheit kommt aus Österreich. Der neurechten Website unzensuriert aus der österreichischen Hauptstadt jedenfalls, die seit 2009 online ist, geht es ziemlich gut. Das, was der Philosoph Karl Popper, selbst in Wien geboren, als „Verschwörungstheorie der Unwissenheit“ bezeichnet hat, erfreut sich in der Alpenrepublik offensichtlich einiger Beliebtheit. Popper meinte damit die Idee einer bösen Macht, die in der Lage wäre uns über die wahren Verhältnisse im Unwissens zu lassen. Genau das signalisiert der Name der Website: Jenseits unserer Wahrheit herrscht sie, die Zensur, und dort wird man manipuliert, kontrolliert, fremdbestimmt. Passend dazu lautet ihr Mottoauch: „Der Wahrheit verpflichtet“.

Neuerdings hat man, quasi für spezifisch bundesrepublikanische Wahrheiten, einen Namensvetter mit de-Endung. Das lässt natürlich darauf schließen, dass auch hierzulande dunkle Mächte am Werk sind, die die Wahrheit unterdrücken. Manche vermuten darin denn auch den Grund dafür, dass das deutsche Webportal Kopp Online im März diesen Jahres vom Netz ging. Im Dienste von „Informationen, die Ihnen die Augen öffnen“ war man auch hier einst angetreten. Am Ende mangelte es aber ganz schnöde am Geld: Nur 6000 Euro seien in einem Jahr an finanzieller Unterstützung seitens der User zusammengekommen, so der Betreiber. Glaubt man einem Spendenaufruf von 2015, so muss man sich jetzt Sorgen um die Zukunft von bis zu zwanzig Mitarbeitern machen.

Um seinen Arbeitsplatz muss sich Dietrich Mateschitz auf keinen Fall sorgen. Um Geld auch nicht. Auf der Liste der Superreichen dieser Welt ist der 1944 geborene Chef des österreichischen Getränkekonzerns Red Bull laut Forbes auf Platz 64.

Aber Sorgen macht er sich trotzdem, wie er jetzt der Kleinen Zeitung wortreich erzählt hat: Über die „selbst ernannte sogenannte intellektuelle Elite“ zum Beispiel. Bei der könne man „bei bestem Willen weder einen wesentlichen wirtschaftspolitischen noch einen kulturpolitischen Beitrag“ für das Land erkennen. Und über den Einfluss dieser Elite auf das öffentliche Klima. Denn hier scheine es so, „dass sich niemand mehr die Wahrheit zu sagen traut, auch wenn jeder weiß, dass es die Wahrheit ist.“ Zur Wahrheit gehört, folgt man dem Unternehmer, Rennsport- und Fußballsponsor, dass die meisten Flüchtlinge, die in den letzten Jahren nach Europa gekommen sind, diesen Namen gar nicht verdienten. „Auswanderer“ träfe es besser. Flüchtlinge seien das nicht, nicht nach der Genfer Konvention. Worüber sich auch keiner zu reden traue, sei die Scheinheiligkeit derer, die „Willkommen“ oder „Wir schaffen das“ gerufen hätten und von denen keiner sein Gästezimmer hergegeben, geschweige denn für fünf solcher „Auswanderer“ ein Zelt im Garten stehen habe. Gescheitert sei sie, die österreichische Flüchtlingspolitik. Aber auch das traue sich keiner öffentlich zuzugeben.

Gegen diese „Meinungsdiktatur“, die aus den Österreichern „unmündige, kritiklose und verängstigte Staatsbürger“ mache, „gläserne Menschen“, denen das „ureigenste aller Menschenrechte“, dasjenige nämlich auf „Eigenverantwortung“ (und zudem noch das Recht darauf, mit Bargeld zu zahlen), genommen werde, möchte Mateschitz etwas tun. Etwas für diejenigen, die manipuliert und reglementiert, überwacht und kontrolliert würden von denen, die sich in „politischer Correctness“ ergehen.

Breitbart findet es super

Folgt man der Kleinen Zeitung, so plant Mateschitz nun eine publizistische Antwort auf die österreichische Misere mit der Wahrheit. „Quo Vadis Veritas“ („Wohin gehst Du, Wahrheit?“) heißt die Stiftung, die hinter dem Format „Näher an die Wahrheit“ stehen soll. Eine multimediale, öffentlich zugängliche Rechercheplattform soll es werden.

Resonanz ist ihr wohl sicher, auch unter den Lesern der Kleinen Zeitung: Die rief auf, darüber abzustimmen, ob eine solche „Abrechnung“ mit Flüchtlingspolitik und Willkommenskultur berechtigt sei. Ergebnis: 88% der Teilnehmer sahen das so und gaben dem selbst ernannten Humanisten und Kosmopoliten, Pazifisten und Individualisten recht. Der mit soviel Zustimmung bedachte erklärt übrigens, zwar „hie und da das legitime rhetorische Mittel der Überzeichnung“ einzusetzen, „um Dinge kenntlich zu machen“ aber sonst bei den Fakten zu bleiben.

Positiv bewertet wurden die Aussagen von Mateschitz dann auch vom amerikanischen Portal Breitbart, der publizistischen Heimat der Alt-Right-Fraktion. Vor allem seine Auslassungen zur gescheiterten europäischen Flüchtlingspolitik und zum Diktat der Political Correctness gehen dort, wo sich auch ein Steve Bannon oder ein Milo Yiannopoulos intellektuell zu Hause fühlen, selbstredend runter wie Öl. Andere, etwa die Website artnet.com sind hingegen alarmiert. Red Bull sponsert nämlich nicht nur Autorennen, Fußball und Extremsport sondern hat sich mittlerweile auch als Mäzen in der internationalen Kunst- und Musikszene einen Namen gemacht. Zu den Projekten, die der Getränkehersteller unterstützt, zählt beispielsweise die Red Bull Music Academy, die sich auf elektronische Musik spezialisiert. Auch Red Bull Art, ein nach eigener Aussage experimenteller, nicht-kommerzieller Kunstraum im New Yorker Stadtteil Chelsea, wird gefördert.

Außer Frage scheint zu stehen, dass mit derlei Projekten ein anderes Klientel angesprochen wird als von dem geplanten digitalen Hort der Wahrheit. Mateschitz will den Konzern, der im letzten Jahr sechs Milliarden Dosen seines Energy Drinks verkauft hat, hierbei übrigens auch außen vor lassen, genau so wie seinen Fernsehsender ServusTV.

Dass die Marke den Einstieg des Milliardärs in die massenmediale Verschwörungstheorie der Unwissenheit trotzdem nicht ohne Einbuße überstehen wird, ist wahrscheinlich ein frommer Wunsch. Was hingegen abzuwarten bleibt ist, wie Breitbart, ein Riese in diesen Dingen, und zumal mit Expansionsabsichten auch in den deutschsprachigen Raum, auf den österreichischen Konkurrenten reagieren wird, wenn er erst einmal online ist.

Kommentare (7)

na64 28.04.2017 | 09:23

Tja. Gib den Affen sein Zucker. Damit gestalte ich dann die Welt wie ich sie mir vorstelle und verdränge alten Kapitalismus gegen meinen Vorstellungen von Kapitalgebundener Hortkultur. Oh Kinderlein kommet, so kommet zu mir. Ich gebe Euch Möglichkeiten die die anderen nicht für möglich erhalten. Prost und darauf ein Schluck Red Bull, als das neue Bier. Und was soll daran Neu sein!?. Ganz normale Verdrängung im verzerrten Wettbewerb. Will ich kulturschaffend jetzt tätig sein, muss ich zu Red Bull. Geht das auch ohne dieses Getränk, denn es schmeckt mir nicht und will trotzdem Kultur erschaffen!?. Ich kann auch Ignoranz erschaffen mit meinen eigenen Flügeln. Das hab ich gelernt.

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Ehemaliger Nutzer 28.04.2017 | 13:30

ich verstehe nicht was hier reeechts sein soll...oder wurde der linke gestutzt?

Die Flüchtlingspolitik ist eine Katasprophe, mit Bundeswehreinsatz im Inneren und Zensurbestrehbungen (Maas-Facebook) ist unsere Liberalität schon lange in gefahr.

Und wer glaubt die Bargeldabschaffung sei toll, sollte sich mal in Indien umschauen. Aber auch ich muss zugeben: wäre ich der Besitzer eines Finanzdienstleisters (Visa) oder TechUnternehmen (Amazon...) fände ich es ganz toll.....

Meinungspluralität finde ich toll.

Aber vielleicht geht es ja gar nicht um Pluralität und Liberalität, sondern um Meinungsmacht.

Und Gladic vertitt eine Partei.

Oder ihm ist die Brause einfach zu süß. Was ich wiederrum verstehen könnte.

balsamico 28.04.2017 | 13:32

Das Problem ist, dass das intellektuelle Potenzial von Energy-Drink-Verkäufern und Immobilenkaufleuten im direkten Gegensatz zu ihren finanziellen Möglichkeiten steht. Wenn Mateschitz, Trump und all die anderen Superreichen nicht an ihrem Vermögen, sondern an ihrem Verständnis des Weltgeschehens gemessen würden, könnten sie mit ihren kuriosen Ansichten keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken. Aber selbst dazu fehlt ihnen die Einsicht. Das allein erklärt, weshalb sie sich ins Rampenlicht drängen, obwohl sie dort rein gar nichts zu suchen haben. Merke: Wer Energy-Drinks in Dosen verkaufen kann, sollte es damit bewenden belassen. Das alte Sprichwort, wonach der Schuster bei seinen Leisten bleiben sollte, ist brandaktuell. Nur leider gibt es kaum noch Schuster.