Ursula Engelen-Kefer
01.02.2011 | 10:10 5

Nicht nur der Vorstand zählt

Gleichberechtigung Streit in der Bundesregierung über Frauenquoten in den Chefetagen? Überfällig ist ein Gleichstellungsgesetz für die private Wirtschaft

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder und die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) streiten um die mediale Hoheit über Frauenquoten. Frau Schröder will mit einem Stufenplan eine „gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung“ einführen. Unternehmen ab einer gewissen Größe sollten danach selbst eine Frauenquote festlegen, die innerhalb von zwei Jahren erfüllt werden müsste.

Offensichtlich scheint der jungen Ministerin entgangen zu sein, dass die bisherige Selbstverpflichtung der Deutschen Wirtschaft „krachend gescheitert“ ist – wie ihre erfahrenere Parteikollegin und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen urteilt. Mit ihrem sicheren Instinkt für Medienwirksamkeit hat von der Leyen flugs die Frauenquote auch für sich entdeckt. Sie will noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf vorlegen, wonach in Aufsichtsräten und Vorständen Männer und Frauen zu jeweils mindestens 30 Prozent vertreten sein müssen.

Fragt sich, warum nur 30 und nicht 40 Prozent, wie dies in Norwegen seit Jahren erfolgreich praktiziert und jetzt auch vom französischen Parlament beschlossen wurde. Die Wirtschaft schreit bereits Zeter und Mordio bei der Vorstellung einer jeglichen gesetzlichen Regelung. Ebenfalls harsche Kritik kommt von FDP und CSU. Nach FDP-Generalsekretär Christian Lindner würden „Unternehmen aus eigenem Interesse in ihre Führungen die Bestqualifizierten berufen“. Wie kommt es dann, dass nur 2,2 Prozent Frauen in den Vorständen der DAX-Unternehmen und 10 Prozent in den Aufsichtsräten – meist auf der Arbeitnehmerseite – vertreten sind? Gleichzeitig beträgt der Anteil der Frauen an den Abiturienten 55,7 und an den Absolventen eines Studiums 51,0 Prozent.

Im 100. Jubiläumsjahr des Internationalen Frauentages am 8. März wäre es ein gutes Symbol für die Bundesregierung, auch in der Bundesrepublik eine verbindliche Frauenquote von 40 Prozent in Aufsichtsräten festzuschreiben. Dabei müsste sie über ihren eigenen Schatten und viele Hürden in der Wirtschaft springen. An der Opposition dürfte sie nicht scheitern. Allerdings würde auch dies den vielen Millionen Frauen mit Niedriglöhnen, inhumanen Arbeitsbedingungen und mangelnden Aufstiegschancen wenig helfen. Erforderlich dazu wäre das längst überfällige Gleichstellungsgesetz für die private Wirtschaft mit Biss.

Dazu braucht es verbindliche Vorgaben der vom Grundgesetz geforderten aktiven Frauenförderung bei Einstellung, Entlohnung, Qualifizierung und Aufstieg. Hierzu muss den Arbeitnehmerinnen und ihren Vertretungen in Betriebsräten und Gewerkschaften Verhandlungsmacht auf gleicher Augenhöhe mit den Arbeitgebern gegeben werden. Unabdingbar ist die Verbesserung der praktischen Durchsetzung. Der unter Rot-Grün von der damaligen Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) mit tatkräftiger Hilfe der Gewerkschaftsfrauen eingebrachte Gesetzentwurf ist an der Macht der Männer in SPD und Gewerkschaften kläglich gescheitert.

Mit dem Antidiskriminierungsgesetz wurde 2006 ein Verbandsklagerecht eingeführt. Danach können Gewerkschaften und Betriebsräte klagen, wenn Frauen im Betrieb diskriminiert werden. Dies ist jedoch bisher kaum genutzt worden. Deshalb müssen auch Frauenverbände vor den Arbeitsgerichten klagen können. Von ihnen ist nicht nur ein größeres frauenpolitisches Engagement zu erwarten, sondern betroffene Frauen werden auch eher vor Repressionen durch den Arbeitgeber geschützt.

Kommentare (5)

Katharina N. 01.02.2011 | 15:33

Betrachtet man die unterschiedlichsten Untersuchungen hinsichtlich der Erfüllung einer Frauenquote in Chefetagen und Vorstandsetagen, so bleibt es unverständlich, dass trotz Hochschulabschlüssen und Studium so wenig Frauen vertreten sind. Zumindest wünschen sich über 80% der Aufsichtsräte mind. EINE Frau in ihren Gremien (lt. Aufsichtsratstudie wiwo.de). Im Rahmen dieser Studie vom Oktober 2010 gaben immerhin 41 % der befragten Unternehmen an, dass eine Umsetzung einer Frauenquote von mind. 30 % bis 2015 möglich erscheint, 30% halten dies
erst nach 2020 für realistisch. Ob hier eine Verpflichtung per Gesetzesentwurf in naher Zukunft die Gleichstellung qualifizierter Frauen in höheren Etagen erreichen wird, bleibt mit Spannung abzuwarten. An qualifizierten Frauen mangelt es jedenfalls nicht.

gweberbv 01.02.2011 | 22:15

Ich halte es zumindest nicht für ausgeschlossen, dass selbst willige Unternehmensführungen ihre liebe Not dabei haben, genügend qualifizierte Bewerberinnen für Führungsaufgaben zu finden.

Zwei mögliche Gründe liegen auf der Hand:

a) In der Generation 50+, die für solche Posten in der Regel in Frage kommt, haben bei weitem nicht soviele Frauen konsequent einen "Karrierepfad" verfolgt.

b) Führungskräfte müssen in der BRD (zumindest bisher) stärker als in anderen Ländern dem Stereotyp des omnipotenten und omnipräsenten "Machers" entsprechen. Männer können so ein Klischee besser erfüllen.

alf harzer 02.02.2011 | 00:54

wie schön, dass es auch winterszeit eine "sauregurken" sein kann. das wäre eine Erklärung. Aber vielleicht will F v d L. von ihrem menschwenunwürdigen Geschachere bei HaHa IV ablenken. Aber nehmen wir doch mal ernst, was sie da so verbreitet. die Zahlen sprechen im übrigen für sich. Wenngleich Herr Lindner davon spricht, das die Wirtschaft das schon richten werde, weil sie immer nur die besten ans Ruder läßt, dann sollte man ihm doch wenigstens einmal vertrauen. Das impliziert jedoch eine Ungleichheit von w und m, heißt doch, dass es bei Frauen um Abiturmittelmaß handelt, während die wenigen Männer mit einem schwindelerregenden IQ zu Recht ganz oben ankommen.
Oder eine weitere Überlegung entwickelt sich so etwas nach cdu oder hanseatischen Profil, das Bildungsbürgertum schottet sich unten durch das Bildungssystem ab, sodass der eigene Nachwuchs keine lästige Konkurrenz kommt. Aber wahrscheinlich ist das sozialistische Gleichmacherei. Soweit die ernsthaftigkeit des "schweatzkopfgeldsumpf"
Man stelle sich vor, das wird auch bei den Kirchen Pflicht. Keine Angst wird nicht, das wissen diese Pharisäer dort zu verhindern. Wie wäre es denn, wenn denn neben dem katholischen Bischof gleichzeitig als Team eine Bischöfin mit regiert. Ach so, ich hab vergessen, dass die Frau dem Mann untertan zu sein hat. Wie verträgt sich das dann mit dem "christlichen" Hintergrund von CDU Verantwortlichen. Irgendwie blicke ich niocht mehr durch. Aber vielleicht ist das auch die eigentliche Zielrichtung.
Das sind die "Lutterböcke", wie meine Großmutter immer sagte, schlauer. In dem "größten " Diakonieunternehmen Europas, den vBS Bethel in Bielefeld hat man schon vor Jahren den "Gender mainstream" beschworen. Mit dem Teilergebnis, dass aufgrund der Eignung seit Jahren der Vorstand dieser christlichen Einrichtung von Männern besetzt wird. Aber auch in der Etappe, also dem Mittelbau, ist Gender mainstream verwirklicht. Da steht offenbar der IQ vor. Oder? In einer Broschüre zum "GM" drapierten sich unter den vielen Führungskräften werbewirksam hier und da eine Person im Kostüm.
Na wenn das keine konsequente Umsetzung der eigenen Ziele ist.
Was lernen wir daraus? An den Taten - nicht nur bei GM- sollt ihr sie erkennen.
Was bleibt? Ich bin ratlos!

Margareth Gorges 01.04.2011 | 13:54

Ministerin Kristina Schröder tritt zurück!
Wie aus gut informierten Kreisen in Berlin verlautet, wird die Frauen- und Familienministerin am Montag ihren Rücktritt bekanntgeben. Noch zwei Tage zuvor hatte Schröder, 33, beim Spitzengespräch zum „Stufenplan Frauen in Führung“ sehr entschlossen gewirkt. Denn bei der Wirtschaft war ihr Vorschlag zur Einführung einer „Flexi-Quote“ sehr gut angekommen. Danach sollen die großen Unternehmen in Deutschland ihren Frauenanteil in den Spitzenposten bis zum Jahr 2013 freiwillig verdreifachen. Direkt nach der Pressekonferenz jedoch passierte etwas, was Schröder zutiefst verärgerte

Wie EMMA aus zuverlässiger Quelle weiß, gab es ein zufälliges Zusammentreffen der Ministerinnen Schröder und von der Leyen auf der Damentoilette. Am Waschbecken soll die Arbeitsministerin ihrer Nachfolgerin zugezischelt haben: „Flexi-Quote? Das ich nicht lache! Dreimal Null ist Null ist Null… Das wussten doch schon die Bläck Fööss.“ Woraufhin Schröder der siebenfachen Mutter entgegenschleuderte: „Ich erfülle die Flexi-Rate schon jetzt. Ich kriege im Juli Drillinge! Und das ist erst der Anfang!“

Bereits gestern Abend soll die werdende Mutter der Kanzlerin ihren Vorschlag unterbreitet haben: Das Ressort Frauen soll nun auch offiziell dem Arbeitsministerium zugeschlagen werden – und der so feminine Gesundheitsminister Rösler übernimmt den Rest. Der Kanzlerin ist es recht, sie interessiert sich eh nicht so für das Gedöns.

Und Schröder? Die möchte nun in Wiesbaden erst einmal in Ruhe ihre Drillinge zur Welt bringen und hat, wie verlautet, für jedes einzelne Kind bereits je ein Jahr Elternurlaub beantragt. Ab 2014 will die gläubige Protestantin als Beraterin der EKD tätig werden, denn auch da haben die Herren unter zu ehrgeizigen Frauen zu leiden. Schröder möchte den Kirchenherren eine Flexi-Quote bis zum Tag der Wiederauferstehung vorschlagen. Amen.

Quelle: Emma www.emma.de/news-artikel-seiten/breaking-news-ministerin-schroeder-tritt-zurueck/