Nicht Y2K-kompatibel

BORIS JELZIN Der wahre Grund für Jelzins Rücktritt lag, wie der Kreml gerade einräumen musste, in der Y2K-Inkompatibilität des Ex-Präsidenten. "Wir haben alle ...

Der wahre Grund für Jelzins Rücktritt lag, wie der Kreml gerade einräumen musste, in der Y2K-Inkompatibilität des Ex-Präsidenten. "Wir haben alle Y2K-Software aus dem Internet herunter geladen, die wir finden konnten, aber nichts hat funktioniert", gestand Russlands oberster Computer-Experte, Dr. Jakob Smirnow. "Schließlich mussten wir Hilfe aus dem Ausland holen." Um kein Risiko einzugehen, scheute die russische Regierung weder Mühe noch Kosten und engagierte Microsoft-Chef Bill Gates. Der prüfte Jelzin zwei Tage lang auf Herz und Nieren, um schließlich entnervt aufzugeben. "Windows 2000 ist ein Kinderkram, verglichen mit Jelzins Betriebssystem. Schließlich wurde der Mann noch zu Sowjetzeiten programmiert. Alles basiert auf einem Fünf-Jahres-Rhythmus. Hinzu kam: Das System-Jelzin behauptete ständig, die eigenen Pläne mit 20 Prozent übererfüllt zu haben. Egal ob das stimmte oder nicht!"

Ursprünglich hatten russische Computerexperten gehofft, das Problem einfach dadurch zu lösen, indem sie Jelzins Software auf den 1. Januar 1900 zurückfuhren. Zunächst sah es auch so aus, als sollte dieser roll back funktionieren. Jelzin stammelte etwas von "Mütterchen Russland" und "elenden Kaukasusrebellen". "Als der Präsident jedoch laut rief: ›Lang lebe der Zar‹ und den deutschen Kanzler als ›Kaiser Gerd‹ titulierte, wussten wir, das Problem war so nicht zu lösen."

Wladimir Putin, der neue Präsident, ist hingegen total Y2K-kompatibel, so die einhellige Meinung aller russischen Computerspezialisten. "Putins Chips stammen aus KGB-Produktion. Die überleben sogar einen Atomschlag", verkündete ein Kremlsprecher. "Was wir allerdings nicht wissen, ob sie auch den ultimativen Härtetest bestehen: eine russische Präsidentschaftswahl."

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01:00 07.01.2000

Ausgabe 42/2021

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