Nichts wie raus!

Balkone Von der grünen Idylle bis zum Themenpark: Es gibt so viele unterschiedliche Balkone wie Menschen, die auf ihnen sitzen. Ein paar haben wir besucht

Linda Müller und Andreas, Medienberaterin, 32, Friedrichshain

Mein Freund und ich sehen uns meist nur am 
Wochenende, dann wollen wir es uns richtig schön machen. Es ist der Höhepunkt der Woche. Wir 
kochen dann zusammen und meist bringt mein Freund einen guten Rotwein aus Hessen mit. Er ist ein Weinkenner. Dann decken wir unseren Tisch auf dem Balkon, der eigentlich klein, ziemlich leer und unpräsentabel ist, ein schlichter Betonbalkon in 
einem Ostberliner Mietshaus. Aber uns stört das nicht, wir machen es uns trotzdem gemütlich. 
Wir stellen Teelichter auf die Balkonbrüstung und 
Andreas erklärt mir Details über den Körper des Weins. Oder er erklärt mir, wie man Gerichte mit Grüner Soße zubereitet, eine Frankfurter Spezialität.

Ich finde das ziemlich romantisch, auf so einem eher schmucklosen Balkon stilecht mit karierter Tischdecke und gutem Wein zu essen. Ein bisschen wie in Italien. Wir waren gerade in Neapel. Auf dem Balkon können wir dieses Sommer-Gefühl noch 
ein bisschen verlängern. Andreas stellt auch öfter 
einen kleinen Elektrogrill auf, und brutzelt Würstchen oder Zucchini. Mich lässt er aber ungern an den 
Grill, das ist seine Sache. Wenn Andreas während der Woche in Frankfurt 
ist (ohne Balkon), sitze ich gern auch alleine draußen, esse irgendwas und schaue auf das Wohnhaus gegenüber. Dessen Fassade fasziniert mich mit ihrem morbiden Charme.

Für mich ist das typisch Ost-Berlin. Das macht für mich dieses Viertel, Friedrichshain, aus. Ich bin vor vielen Jahren ganz bewusst hierher gezogen, auf der Suche nach dieser untergegangenen Welt. Ich glaube, in so einem Haus wie gegenüber wurde auch der Film Das Leben der Anderen gedreht. Aber vor meinen Freunden aus dem Osten sollte ich den lieber nicht erwähnen, die sind da empfindlich.

Einmal hatte ich meinen Schlüssel verloren und bin erst morgens um fünf von einer Party nach Hause gekommen. Ich war ziemlich verzweifelt und habe bei meinem Nachbarn geklingelt. Er hat mich reingelassen und ist mit mir von seinem auf meinen 
Balkon gestiegen. Dann hat er für mich eine Räuberleiter gemacht – ich bin durch das offene Oberfenster in meine Wohnung gekommen. Ist doch auch romantisch, oder? Ich habe ihn dann am nächsten Tag auf ein Glas Wein eingeladen, 
wir verbrachten den Abend auf meinen Balkon. Er hat sich allerdings etwas gewundert, wie schmucklos 
der ist, aber die Spaghetti, die wir gegessen haben, waren köstlich.

Demnächst ziehe ich aus dieser Wohnung aus und mit meinem Freund zusammen. Aber es stimmt mich etwas wehmütig. Ich hatte hier wunderbare Momente und der Balkon ist ein Teil meiner Geschichte in dieser Wohnung. Er wird mir bestimmt fehlen.

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Burkhard Freutel, 
Bildender Künstler, 49, Kreuzberg

Ich lebe in diesem Haus seit 1977. Meine Wohnung unter dem Dach und mein Balkon sind aus der 
Hausbesetzung hervorgegangen. Als ich in das Haus „einzog“, war das gesamte Gebäude eine Wohnung. Und hier oben war der Trockenboden. Ich habe 
mir den Balkon nach und nach selber gestaltet, habe ein Stück Dach weggeschnitten.
Früher hatte ich nie so eine Sehnsucht nach einem Balkon. Aber nun kann ich aus dem Wohnzimmer heraustreten und bin in der Natur. Man fühlt sich 
als Mensch nicht mehr so eingepfercht. Ich gehe auch zum Denken raus, sinniere über das Leben im Allgemeinen und im Besonderen.

In einer Großstadt wie Berlin kann man meist 
nur bis zur nächsten Häuserecke schauen, aber so kurz man guckt, so kurz denkt man auch.
Der Balkon ist für mich ein Ort zum Alleinsein, 
es kommen dann Tauben und Vögel aller Art. Noch bis vor einer Weile war mein Balkon bewachsen und überwuchert, mit Gräsern und Pflanzen, Unkraut, das gedeiht auf jedem noch so trostlosen Gelände. Im Frühjahr habe ich gerodet, und selber ein 
bisschen etwas angepflanzt. Nun wuchert das Unkraut dort aber schon wieder.

Ich entspanne nicht nur auf dem Balkon, ich -schaffe dort auch etwas. Das schmiedeeiserne 
Geländer habe ich selber kreiert: Ich habe überall Schrott gesammelt und nun ist es ein Ensemble aus verrostetem Eisen, einem Stück Werkzeug, geschmiedeten Pflanzen, dem Stück einer Nähmaschine, 
der Schraube einer Eisenbahn und der Schwelle 
als Rahmenkonstruktion. Ich habe alles zusammen geschweißt und die Struktur entsteht dann von selbst.
Mein Balkon ist nicht designed, sondern gestaltet!
Ich werde ihn allerdings noch erweitern, bis an 
die Dachkante. Ich mag es, wenn etwas unfertig ist, wenn ich immer weiter basteln kann. Von dem 
Balkon aus führt eine Leiter direkt aufs Dach. Doch dort oben auf dem Dach wird nichts gepflegt oder bewässert, dort leben nur selbst samende Pflanzen. Beim nächsten Regen kommen sie von allein wieder.
Mittlerweile schaue ich mir auch viel bewusster die Balkone anderer Leute an. Die meisten, die ich hier in meinem Umfeld sehe, finde ich schrecklich. Sie sind so eng und geschmacklos, dass man an 
einen Knast denken muss.
Draußen, auf meiner Holzbank im Schatten, sitze ich oft stundenlang mit einem Buch. Ich gehe 
auch im Winter mit dicken Wollsachen raus auf die Bank, die nach und nach verwittert. Oder auch im Herbst, wenn man immer mehr Wolken sieht. Man kann von hier aus gut beobachten, wie der Himmel 
sich ändert, bevor ein Gewitter aufzieht. Die Luft riecht dann anders und ich fühle mich fast wie 
auf dem Land. Im Grunde bräuchte jeder Mensch solch einen Blick.

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Monika Blank, Rentnerin, 55, Neukölln

Gartenzwerge sind piefig, die haben alle. Das ist nichts Besonderes. Aber ein Anti-Gartenzwerg auf dem Balkon? Das wäre unhöflich. Ich möchte ja keine Kinder oder Schrebergärtner verärgern, sondern 
sie sollen sich freuen. Also habe ich Laafen, kleine Schmuckfiguren aus Holland, die aus dem Material Polyresin gefertigt werden. Die habe ich günstig 
bei Ebay ersteigert. Meine Balkonarie dauert schon 25 Jahre. Meine Mutter hat immer mit mir gebastelt, wir bemalten Karten und Ostereier – und das lebe ich nun weiter. Mich stört es, wenn andere Balkons gammelig aussehen, wenn Leute dort ihren Krempel abstellen. Ich möchte auch nicht auf einem kahlen Balkon sitzen. Ich tobe deshalb auf meinem Balkon meine künstlerische Ader aus.
Anfangs habe ich immer nur an Weihnachten 
etwas rausgehängt. Ich habe Weihnachtsdeko, 
Fußballdeko, Osterdeko (400 Eier), das Laafen-ABC (26 Stück), Seidenblumen, Hängetöpfe. Für Halloween habe ich Kürbisse, Spinnen, Lampions, 
Fledermäuse im Schrank. Aber mir fehlt noch ein Skelett. Das ist teuer. Ein Skelett aus Plastik, für Anatomie-studenten, kostet 20 Euro.
Natürlich habe ich auch Fahnen ohne Ende. Die hänge ich jetzt zur Frauen-Fußball-WM wieder raus. Mir wurden 2006 bei der WM 30 Fahnen geklaut, 
da muss nachts jemand auf dem Balkon gewesen sein. Der liegt im 1. Stock. Zu Ostern hatte ich früher 
auch zwei Hasen, mittlerweile ist es einer weniger. Ich nehme deswegen meine Figuren oder Fahnen jetzt immer nachts herunter. Ich wollte eigentlich auch schon mal das Balkongitter unter Strom setzen, 
aber das ist verboten, weil es Körperverletzung 
sein könnte.

Wenn ich mit dem Schmücken anfange, dauert 
es manchmal drei Tage, bis alles aufgebaut ist. Mein Balkon ist aber nicht nur hier im Kiez bekannt: 
Neulich kam extra ein Franzose vorbei, der hatte ein Bild meines Balkons in Lyon in der Zeitung gesehen und wollte ihn nun in Wirklichkeit fotografieren. Oder es klingelt mal ein Japaner und fragt höflich: 
Ist es denn gestattet, Ihren Balkon zu fotografieren? Manche der alten Menschen aus der Gegend 
nehmen extra einen Umweg: „Wenn es mir mal nicht gut geht, komme ich an ihrem Balkon vorbei – und muss dann immer lachen“, sagen sie. Manchmal höre ich von unten, von der Straße: Das sieht ja unmöglich aus. Man kann darüber streiten, ob es zu viel Dekoration ist, aber es ist eben mein Balkon. Ein 
Säufer, voll wie Hacke, zeigte neulich hoch und lallte: „Ihr Balkon muss so bleiben, weil ich dann nachts immer weiß: noch zwei Türen, dann bin ich zu Haus’.“

Mein Sohn hat auch eine kreative Ader und mein Mann duldet meine Spinnerei. Ein freier Balkon wäre ihm jedoch lieber. Aber ich schmücke weiter. Im nächsten Jahr kaufe ich ein Lichternetz. Wenn ich es mal laufen lasse und nur sparsam 
dekoriere, fragen die Leute: Warum ist denn 
bei Ihnen nicht geschmückt? Das macht mich stolz. 
Ich gestalte meinen Balkon auch für die anderen.

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Andreas Hoßfeldt, 
Maler/Sozialpädagoge, 43, Prenzlauer Berg

Ich bin nach der Wende hierher gezogen, meine Freundin kam aus Rostock, ich aus NRW. Wir hatten anfangs Schwierigkeiten, uns in Berlin, gerade in 
diesem Szenebezirk, wohl zu fühlen. Aber es gab 
den Balkon. Und ich liebe diesen Blick, ich schaue ins Grüne, auf den Friedhof gegenüber. Mein Balkon 
ist ziemlich winzig und vollgestellt, die meisten Pflanzen sind vertrocknet. Denn ich bin eher selten draußen, doch die Tür ist immer offen.
Mein Bild habe ich vor ein paar Jahren aufgehängt. Damals sollte der Friedhof bebaut werden. Das Bild war mein Protest dagegen. Meine Botschaft. Das 
Motiv habe ich einem Bild des Expressionisten Karl Schmidt Rottluff von 1918 nachempfunden, das mich schon als Kind sehr beeindruckt hat. Und ich suchte zum Raushängen etwas Plakatives, Starkes. Wir organisierten in der Nachbarschaft damals gemeinsam den Protest gegen die Friedhofsbebauung im Stadthaus-Stil.
Das macht ja das Flair dieser Straße und meines Balkons aus, dass nur eine Seite bebaut ist. Also 
protestierten wir mit dem Motto: nicht in der Nähe meines Hauses, not in the very backyard, diese 
Mentalität ist einem Kris-Kristofferson-Song 
entlehnt. Manche warfen uns vor, dass wir nur um 
die schöne Aussicht fürchten. Da ist natürlich 
was dran – aber wer soll sich gegen die Townhouse-
Bebauung wehren, wenn nicht die Anwohner?

Als dann die Bebauungspläne auf Eis gelegt 
wurden, nahmen die meisten meiner Nachbarn die Transparente wieder ab.
Dabei ist die Botschaft: „Ist euch nichts mehr 
heilig als das Geld“ noch immer gültig. Denn hier ist 
es greifbar, dass die Mieten steigen. Die Leute aus Stuttgart oder München, die die Häuser in Ostberlin nach der Wende gekauft haben, haben mit ihnen gar nichts zu tun, die schreiben die Kosten einfach ab. Das Milieu ändert sich, das sehe ich an unserem Haus: Für jede Familie, die hier auszieht, kommt ein kinderloses Yuppie-Pärchen. Viele Leute, die schon immer hier gewohnt haben, ziehen weg. Aber ich will mich nicht zum Moralapostel erheben, ich bin ja selber dahin gezogen, wo es schön ist.
Ich habe mein Plakat draußen gelassen, weil ich dachte: Das kann gerade hier nicht schaden. Es 
erregt Aufmerksamkeit. Es bleiben öfter mal Leute stehen und fragen, was es damit auf sich hat.

Meine Kunst sollte für jeden sichtbar sein. Als ich noch im Wedding wohnte, standen ständig Bilder von mir im Treppenhaus herum oder im Hinterhof. Die wurden auch mal geklaut. Aber ich möchte sie nicht in einer stillen Ecke verstecken.
Man geht an meinem Balkon vorbei, sieht das Bild, und viele Touristen verstehen erst gar nicht, was 
es bedeutet. Aber wer es anguckt und liest, der denkt darüber nach. Der Rahmen ist ein bisschen verzogen durch Sturm und Regen. Vögel haben drauf geschissen, die Leinwand ist unten etwas zerrissen, aber das gefällt mir. Malen ist ein Teil des Lebens. 
Ich lasse mein Bild so lange hängen, bis es abfällt.


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Petra Kuczmarski, Architektin, 46, Prenzlauer Berg

Ich habe dieses Haus entworfen, es ist noch ziemlich neu. Die Dachterrasse wollte ich unbedingt, sie ist 
begrünt. Aber wie ich sehe, ist der Rasen gerade nicht so saftig wie am Anfang. Wahrscheinlich wegen der Hitze. Wir haben hier anfangs auch Thymian 
angebaut, Rosmarin, Katzenminze und Schnittlauch. Wir wollten mit den Gewürzen kochen, aber das ist alles über den Jordan gegangen.

Es gibt eine Frau, die hier oben mäht, aber wer 
genau von den Mieterparteien für die Pflege verantwortlich ist, weiß ich gar nicht, darüber haben wir nie gesprochen.
Man kann so schön barfuß laufen hier oben. Die Füße im Gras, das hat man in der Stadt immer seltener. Manchmal komme ich ganz bewusst vormittags hierher, so zwischen Tür und Angel, wenn wenig 
los ist und kaum jemand mich stören kann. Dann nehme ich nicht einmal ein Buch mit, um Gottes Willen, da könnte man ja gar nicht abschalten. Ich bin einfach nur für mich. Ich suche die Einsamkeit, das blanke Dasein, 
mitten in der Großstadt. Ich schaue in den Himmel. Man sieht sehr viele Kräne, aber kaum Häuser, nichts lenkt einen ab. Man kann hier anonym sein. Wenn ich ein Haus hätte, wovon viele in der Stadt 
ja träumen, dann würde ich wahrscheinlich immer durch die Fenster schauen, und beobachten, was 
die anderen Leute so treiben. Aber hier auf der Dachterrasse ist es wie in einer Wanne. Man wird selber nicht gesehen, es sei denn, es kommt ein Nachbar.

An den heißen Tagen ist man allerdings nicht mehr so ungestört, abends wird es dann gesellig. 
Jeder bringt etwas zum Trinken oder Essen mit – und füllt den Kühlschrank auf. Ich liebe Prosecco mit Aperol. Ich würde auch jetzt gerne etwas trinken, schade, der Kühlschrank ist gerade nicht gefüllt. Einmal hat ihn jemand geputzt, da hatte das Bier schon Schimmel. Seltsam, jeder benutzt ihn wie er möchte.
Das Schöne ist, wir können hier oben auch mal lauter werden. Das verschallt sich, völlig anders als auf einem normalen Balkon. Eigentlich haben wir diese Terrasse nicht wirklich nötig, denn jede Mieterpartei hier im Haus hat auch einen tollen Südbalkon. Aber sie ist einfach traumhaft. Wenn ich auf meinem Balkon sitze, fühle ich mich viel näher dran an der Stadt. In ihrem Getriebe. Auf der Terrasse entspanne ich mich, denke aber trotzdem. Das Denken wird besser gefiltert hier oben. Man wird so leer, für einen kurzen Moment 
im Leben. Ich schaue lange in den Himmel über 
Berlin. Der ist zwar nicht so blau wie im Süden, aber er ist etwas viel Selteneres. So rar. Den kann man nicht einfach irgendwo im Urlaub sehen. Wenn ich hier liege und mich innerlich fallen lasse, scheint 
es, als sei das Meer über einem. Dabei ist es doch nur der Himmel.

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Ramona Bernd 
Kurierfahrerin, 51, Lichtenberg

Ich habe vorher in einer Wohnung ohne Balkon gewohnt und dachte: „So doll wird er dir schon nicht fehlen.“ Aber er hat mir gefehlt! Nur ein Fenster 
aufmachen reicht mir nicht, ich möchte rausgehen können. Und ich möchte meine Wäsche rausstellen können zum Trocknen. Das ist praktisch.
Ich würde mir nie eine Pflanze aufs Fensterbrett stellen. Pflanzen gehören auf den Balkon. Ich baue Geranien, Fuchsien und verschiedene Kräuter wie Petersilie und Schnittlauch an. Vor einer Weile sind mir allerdings die Tomaten eingegangen: Ich hatte die Eisheiligen vergessen. Mein Balkon ist mein 
kleines Stückchen Natur, der Ersatz für den großen Garten. Den könnte ich mir nicht leisten, aber dort könnte ich Beete anlegen.

Im Sommer sitze ich meist draußen, meistens zu dritt, mit meinen Kindern und manchmal auch mit meinem Hausfreund, der öfter mal unangemeldet vorbeischaut. Wir grillen und haben hier schon 
wilde Partys gefeiert, mit Girlanden, Cocktails und echtem Karibikflair. Wenn auf dem Balkon die Solarlampen, Öllampen oder Leuchten brennen, ist es hier fast wie im Süden. Wir spielen Rommée, wir würfeln, ich löse Kreuzworträtsel und mache oft Sudoku.
Der Balkon ist auch der Ort, an dem ich meinen Tag Revue passieren lasse. Ich setze mich raus 
und habe Ruhe. Für meinen inneren Frieden ist das sehr wichtig: Ich fahre Kurierdienste. Manchmal überbringe ich den Leuten Kündigungen. Das muss man hinterher erstmal verarbeiten.

Aber ich nutze den Balkon auch, um schön braun zu werden. Ich bin ein Sonnenjunkie und ab eins ist die Sonne hier, bis abends um sieben. Südbalkon. Wir haben extra ein Loch in den weißen Plastiktisch gebohrt, damit der Sonnenschirm hier stehen kann. Ich stelle meinen praktischen Klappstuhl auf und muss nicht mehr zum Strand fahren. Herrlich. Manchmal sitze ich hier sogar oben ohne – mich sieht ja niemand. Die meisten Nachbarn sind längst ausgezogen und vis-a-vis steht das Gebäude leer.

Im Winter, wenn kein Frost ist, kühle ich Getränke auf dem Balkon. Ich möchte ihn bald renovieren, 
er soll noch südländischer aussehen, ich denke an bräunliches Terracotta. Die Abtönpaste habe ich schon gekauft. Die steht hier draußen schon bereit. Abends ist es sehr ruhig. Ich habe von meinem Balkon aus einen schönen Blick in die Stadt: zum Alexanderplatz oder nach Marzahn. Wenn es 
dämmert, stehe ich an der Brüstung und schaue in die Ferne. Ich komme mir dann vor wie ein Kapitän auf seinem Schiff. Da ist so ein bisschen Fernweh. Meine Katzen dürfen allerdings niemals auf den Balkon, das ist viel zu gefährlich. Und wenn ich 
ein Netz spannen würde, ginge der Sonnenschirm nicht mehr auf. Im Sommer, wenn die Fledermäuse kommen, muss ich auch manchmal den Kopf einziehen.

15:30 05.07.2011

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