Konrad Ege
Ausgabe 0916 | 02.03.2016 | 12:35 25

Nur keine Panik

US-Vorwahlen Nach den Erfolgen am Super Tuesday ist Donald Trump als Kandidat der Republikaner kaum mehr aufzuhalten. Doch seine aggressive Strategie ist nicht mehrheitsfähig

Nur keine Panik

Wenn Trump hetzt, kommt das offenbar an bei seinen Leuten

Foto: Tom Pennington/Getty Images

Bei den Republikanern ist Donald Trump nach seinem Erfolg am Super Tuesday klar auf dem Vormarsch, auch wenn seine Rivalen noch nicht aufgeben. In einigen US-Medien wird vor der Gefahr für die Demokratie gewarnt, die von dem autoritären Milliardär ausgehe. Der Spaß hat aufgehört. Keine Scherze mehr über seine orangefarbenen Haare. Wenn Trump hetzt, und er hetzt viel, ist das hässlich, doch es kommt offenbar an bei seinen Leuten. Wenn er sagt, er würde einem Protestierenden am liebsten ins Gesicht schlagen, lachen und klatschen die Fans.

Ein Kommentar in der New York Times spricht von Trump als „modernem Mussolini“. Und mit Blick über den Atlantik, wo man entsetzt sei über Trump: „Wie Europa weiß, können Demokratien sterben. Oft sind sie die Geburtshelfer ihres eigenen Untergangs.“ Ein Anti-Trump-Editorial der Washington Post vom Super-Dienstag warnt, man müsse nicht einmal auf Adolf Hitler zurückblicken als „berühmtestes Beispiel der Geschichte“, um zu verstehen, dass „autoritäre Herrscher durch Wahlen an die Macht kommen“. Beispiele seien Erdoğan in der Türkei und Chávez in Venezuela.

Dabei ist Trump ein uramerikanisches Phänomen, denn rechte Demagogen haben Tradition in den USA. Der Name Sarah Palin fällt ein, ihr Gerede vom „wahren Amerika“. Der Ku-Klux-Klan war einmal ein Massenphänomen. Wie groß war die weiße Hetze gegen die Bürgerrechtsbewegung. Rassismus stand in den USA oft im Zentrum rechter Demagogie. Schwarze, Mexikaner, seit 9/11 die Muslime. Die moderne Tea Party kam zusammen als Protest gegen einen schwarzen Präsidenten. Trump war damals Wortführer der These, Barack Obama habe keine US-Geburtsurkunde.

Bei den Republikanern versammeln sich 2016 weiße Bürger, die sehnsüchtig auf vermeintlich gute alte Zeiten blicken und Frust im Bauch haben, weil Amerika nicht mehr funktioniere für sie. Was auch stimmt, wenn man aus der Arbeiterschicht kommt und eigentlich ein Verlierer ist in der Welt Donald Trumps. Der verspricht Erlösung im Stil eines Fernsehpredigers, angereichert mit Gewaltdrohungen gegen die Anderen und Andersdenkenden. Man muss Trumps Ergebnisse am Super-Dienstag einordnen, die Beteiligung bei Vorwahlen ist niedrig. Der Bewerber kam in keinem Bundesstaat auf mehr als 50 Prozent. Massenbewegungen sehen anders aus.

Der Demagoge ist gefährlich, doch bei den Hauptwahlen nicht mehrheitsfähig, wenn die Demokraten und das progressive Amerika ihre Leute aktivieren. Das erscheint durchaus machbar gegen einen Mann, zu dem die Adjektive rassistisch und sexistisch passen wie der Handschuh zur Hand, der kaum ein Programm artikuliert außer sich selber: das Programm vom starken Mann. Und natürlich das von der Grenzmauer. Gegen die Demokraten im November reicht Trumps weiße Vorwahlstrategie nicht. Beinahe ein Drittel der Wahlberechtigten sind Afroamerikaner, Latinos und Bürger asiatischer Herkunft. Und viele Weiße sind tolerante Menschen.

Auf demokratischer Seite hat Hillary Clinton am 1. März deutlich mehr Delegierte gesammelt als Bernie Sanders. Der tat sich besonders in den Vorwahlstaaten im Süden schwer, wo Afroamerikaner die Mehrheit der demokratischen Vorwähler stellen. Vorbei sei das noch lange nicht, beteuern Bernies Leute. Erst in 15 der 50 Staaten hätten die Wähler abgestimmt, sagt Sanders selbst. Auch wenn Clinton bei ihrer Rhetorik angeblich bereits umschaltet und sich mehr an ihren möglichen republikanischen Kontrahenten im November hält.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 09/16.

Kommentare (25)

McCormick 02.03.2016 | 13:42

Die amerikanische Außenpolitik hat sich unter Obama nicht verändert:

Bush.: Irakinvasion, Guantanamo, Surge im Iraq

Obama: Guantanamo entgegen seiner Versprechen nicht geschlossen, Surge in Afghanistan, Drohnenkrieg, massive Ausweitung der weltweiten NSA-Überwachung, Libyenkrieg, Ukraine

Strukturell ist die aggressive amerikanische Außenpolitik gleichgeblieben. Anders sind nur Obama blumige Worte, die Rethorik. Alles andere ist Augenwischerei.

Innenpolitisch hat sich die soziale Spaltung in den USA verfestigt, der Gini-Koeffizient ist größer geworden.

Genauso wie sich Bush und Obama beim genauen Hinsehen max. bei der Rethorik und den Bildern unterscheiden, kann ich auch zwischen Cruz, Trump oder Clinton (die Frau der Finanzindustrie) keine Unterschiede ausmachen.

Von Clinton erwarte ich ab jedoch mindestens 2 Angriffskriege, pro Amtszeit.

McCormick 02.03.2016 | 14:15

Nachtrag:

Ich erwarte übrigens ein enges Rennen zwischen Trump und Clinton. Clinton muss erstmal ihre Zielgruppen mobilisieren: Minderheiten und weiße Frauen. Obama erreichte unter diesen eine hohe Wahlbeteiligung. Wird das auch Clinton gelingen?

Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass Trump sich nach den GOP Vorwahlen neu erfindet.

Außerdem: was nützen Clinton die Stimmen der Minderheiten in den Südstaaten, wenn diese mehrheitlich republikanisch wählen?

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Ehemaliger Nutzer 02.03.2016 | 17:28

Kommen etwa den Marktschreiern unter den FC-Nutzern Zweifel an ihren oft kruden Elaboraten, wenn sie die unaufgeregten sauber recherchierten und handwerklich gut gemachten Artikel professioneller Kollegen lesen und verstehen?

H. Clinton könnte gar nichts besseres passieren, wenn die Parteiführung der Reps tatsächlich ihren ungeliebten Trump als Kandidat aufstellte, denn dann hieße die nächste und erste Präsidentin jetzt schon H. Clinten.

Aber wie der Autor richtig schreibt, wird es dazu leider nicht kommen, man wird Trump vorher los werden, wie, ist allerdings noch die spannende Frage, denn den Geist den man rief, werden sie so leicht nicht los.

Derzeit hat der beim Wahlvolk noch unbeliebte Rubio die größte Chance, Präsidentschaftskandidat zu werden, wie das die Parteiführung ihrem Parteivolk verkauft, ist derzeit noch ein Rätsel. Hilfreich wäre ein Rücktritt von Cruz, aber der ziert sich noch.

Es bleibt also noch spannend, aber anders als gedacht.

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Ehemaliger Nutzer 02.03.2016 | 17:46

Für die interessierten Lesser*innen: Gastbeitrag David Stockman: The Donald – Das Gute und das Schlechte an ihm

"Lassen Sie uns Klartext reden. Es gibt schon lange keine republikanische Partei mehr, die auf irgendeine Weise an der Basis der amerikanischen Bevölkerung verankert wäre. Was von der Partei noch übrig ist, lässt sich selbst nicht einmal mehr anhand des ausländerfeindlichen, nativistischen, krypto-rassistischen sowie alle einstigen Prinzipien über Bord werfenden und populistischen Rechtsflügels der Partei ableiten, den Trump auf erfolgreiche Weise zu den Waffen ruft.

Tatsache ist, dass das GOP in eine Partei der ewigen Kriegsführung mutiert ist. Komfortabel eingebettet in die Funktionsmechanismen der imperialen Hauptstadt Washington, operiert die Partei nur noch im Angesicht einer immensen Fülle von Spezialinteressen, welche ihren Amtsträgern zweimal im Jahr stattfindende Wahlkampagnen in den entlegensten Winkeln und Provinzen unseres Landes spendiert."

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Ehemaliger Nutzer 02.03.2016 | 23:58

Trump kann nur als Geschenk begriffen werden: er bringt die Reps auf einen Punkt - samt der Tea-Party, die mit sowas wie Trump nun gleich garnichts zu tun haben will - hüstel.

Während die Koch Brüder weiter investieren ins "Armageddon" der calvinistischen Betschwestern und Brüder, gibt Trump nichteinmal einen Pausenclown für die Reps: er bildet sie so gut ab so gut er es eben vermag.

Und mit seinen Milliarden können sie ihn einfach nicht so abtun - lol

karamasoff 03.03.2016 | 03:09

"seine aggressive Strategie ist nicht mehrheitsfähig"

Von welchen Mehrheiten ist hier eigentlich die Rede?

Trump wäre der Korken für den Kessel, der hart am überhitzen ist.

Als Zyniker könnte man sagen "Hoffentlich gewinnt er, alleine um zusehen zu können, wie sich das Establishment das Maul wund heuchelt oder die letzten Masken und Schranken fallen"

karamasoff 03.03.2016 | 15:44

Zu Trumps politisch und ideologisch eindeutig zuordenbaren Äusserungen kann ich nur zwei Spekulationen anstellen: entweder es sind Wahlkampflügen oder er meint das wirklich alles ernst.

Ihn für verrückt erklären und ähnliches ist jedenfalls profilaktische Vernebelung aus reinem Eigennutz. Denn ich sehe und höre von Trump nichts, was nicht auch schon in Deutschland von führenden Politikern geäussert (und veröffentlicht) wurde.

Gunnar Jeschke 03.03.2016 | 21:08

Erstens denke ich nicht, dass die Republikanische Partei Trump loswerden wird, denn dann tritt der als Unabhängiger an und in dem Fall hat die Republikanische Partei von vornherein verloren.

Zweitens halte ich es nicht mehr für ausgemacht, dass Clinton gegen Trump gewinnen wird. Man sollte Trumps jetzige Aufmerksamkeitsstrategie nicht mit dem verwechseln, was er an den Tag legen wird, sobald er republikanischer Kandidat ist. Natürlich kann er sich nicht völlig wandeln, aber er ist schlau genug zu wissen, dass er sich dann an ein anderes Publikum wenden muss als jetzt.

Clinton hatte gewisse Probleme mit einem schlecht finanzierten, für amerikanische Verhältnisse fast schon "kommunistischen" Opa, der aus dem Nichts auftauchte. Sie hat als Aussenministerin auch Fehler gemacht, die Trump genüsslich ausschlachten wird.

Ob es neben der vermutlich schon "ausgelutschten" E-Mail-Affäre weiteres Belastendes gegen Clinton gibt, wissen wir nicht. Wir wissen aber, dass der Kampf asymmetrisch ist, belastendes Material würde Clinton bei ihren potentiellen Wählern viel stärker schaden als Trump bei seinen.

Und wieso Cruz mit derzeit 230 Wahlmännern zugunsten von Rubio mit seinen 113 zurücktreten sollte, müssen Sie mir erst einmal erklären. Trump hat 332, für Cruz gibt es derzeit keinerlei Grund aufzugeben.

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Ehemaliger Nutzer 03.03.2016 | 21:42

Cruz ist selbst der Parteiführung zu rechts-radikal, auch weil er mit dieser Einstellung keinerlei Chancen auf einen Sieg hätte.

Rubio ist der smarte jugendliche "liberale" Kandidat, der Clinton gefährlich werden könnte.

Die Witzfigur Trump ist selbst den prekären erzkonservativen Amerikanern zu primitiv, er hätte gegen Clinton keine Chance.

Das weiß natürlich auch die Partei, denen Trump voll aus dem Ruder gelaufen ist. Sie wollen ihn los werden, das gelingt normalerweise nach den Vorwahlen nur über eine Mehrheitsentscheidung.

Daher dürfte es spannend werden, wie die Partei es schaffen will, die Geister wieder los zu werden, die sie rief.

Hier schon mal ein erster Versuch.

Gunnar Jeschke 03.03.2016 | 22:16

Die Witzfigur Trump ist selbst den prekären erzkonservativen Amerikanern zu primitiv

Das ist wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Irgendwelche Leute stimmen bei den Vorwahlen ja wohl für ihn ab und sagen vorher auch in den Umfragen, dass sie es tun werden.

Umfragelage von heute für kommende Vorwahlen:

Louisana: Trump 41-44% (18-20% mehr als Cruz, 26-29% vor Rubio)

Michigan: Trump: 39% (20% vor Cruz, 25% vor Rubio)

Mississipi (Umfrage 2.3.): Trump 41% (24% vor Cruz, 25% vor Rubio)

Landesweit (Umfrage 2.3.): Clinton 41% (5% vor Trump)

Nichts davon entspricht Ihren Annahmen. Ja, Clinton liegt in der landesweiten Umfrage (noch) vor Trump, aber "keine Chance" für Trump ist etwas Anderes als 5% Rückstand ein halbes Jahr vor der Wahl.

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Ehemaliger Nutzer 03.03.2016 | 22:32

Ich verstehe nicht, warum Sie die Vorwahlen mit der eigentlichen Wahl verwechsen, Sie sollten doch wissen, dass die Vorwahlen das Abbild derWahlmänner darstellen und nicht das der Bevölkerung.

Warten Sie doch einfach ab, dann werden Sie schon sehen, wie Trump von der eigenen Partei gestoppt wird, um Rubio zu installieren.

Ich hätte doch nichts dagegen, wenn Trump sich behaupten könnte, dann wäre Clintons Sieg schon jetzt Fakt.

Gunnar Jeschke 04.03.2016 | 06:21

Die Vorwahlen stellen nicht "das Abbild der Wahlmänner" dar. Sicher sind es im Durchschnitt die politisch aktiveren, die zu Vorwahlen gehen, aber gerade das lässt in puncto Trump keine Ggegentendenz unter der gesamten Wählerschaft erwarten.

Ausserdem haben finden die Umfragen repräsentativ unter allen US-Amerikanern bzw. eingetragenen Wählern einer Partei statt. So hat z.B. 41% Clinton/36% Trump/23% unentschieden unter der Gesamtbevölkerung gar nichts mit den Vorwahlen zu tun. Diese Umfrage ist das, was in Deutschland die Sonntagsfrage wäre.

JR's China Blog 04.03.2016 | 10:46

Denn ich sehe und höre von Trump nichts, was nicht auch schon in Deutschland von führenden Politikern geäussert (und veröffentlicht) wurde.

Für CSU-Politiker und Guido Westerwelle mag das zutreffen. Sein Auftreten allerdings fällt auf beiden Seiten des Atlantiks mächtig aus dem Rahmen. Ich finde es bedenklich, wenn jemand derart konsequent an den inneren Schweinehund appellieren kann und damit Erfolg hat - unabhängig, wie schnell er sich im Falle seiner Wahl seinem Amt anpassen würde.