OECD, CELAC & auch diese Woche: Ströbele

Chronik Nicht alles, was diese Woche unter dem Teppich landete, gehört dorthin: 6 weitere Themen der Woche in aller Kürze analysiert

./resolveuid/8f44335a80949b08fb8e259cd62be06cAfghanistan
Proteste, Konferenz, Tote
Dutzende Tote nach einem verheerenden Selbstmordanschlag auf schiitische Pilger in Kabul – kaum war 
die Bonner Afghanistan-Konferenz Anfang der Woche zu Ende, zeigte die 
Realität in Afghanistan einmal mehr ihre tödliche Fratze. Ob dagegen 
bilaterale Partnerschaftsabkommen mit Deutschland etwas ändern? Ob der vom Westen geforderte Kampf gegen Korruption? Könnte ein rascherer und konsequenterer Abzug des ausländischen Militärs die Lage befrieden? Ja, meint die Antikriegsbewegung, und protestierte in Bonn. Der Grüne Hans-Christian Ströbele wurde bei einer 
Demonstration mit Eiern beworfen – er sei Mitglied, hieß es, in der falschen Partei. Alltag eines Krieges. TS

./resolveuid/fd46429322ccde679e582a8d90f425eaOECD-Studie
Wer ist Deutschland?
Die SPD hat sich auf ihrem Parteitag gelobt: Ohne die Reformen der Schröder-Jahre wäre Deutschland nicht so gut durch die Krise gekommen. Aber wer ist Deutschland? Trotz gesunkener Erwerbslosigkeit ist die Kluft zwischen Arm und Reich seit den neunziger Jahren hier weit stärker gewachsen als in den meisten Industriestaaten, heißt es in einer Studie der OECD. Immer mehr Singles und Alleinerziehende müssen sich mit knappem Einkommen durchschlagen, die Lohnschere geht auseinander. Die obersten zehn Prozent „verdienen“ etwa acht Mal so viel wie die untersten. „Die Studie widerlegt“, so die OECD, „dass Wirtschaftswachstum automatisch allen Bevölkerungsgruppen zugutekommt.“ TS

./resolveuid/7cffe407aa147c646761b9a73dd8da4fLateinamerika
Absage an die OAS
Dieser Staatenbund wird 2011 6,3 Billionen Dollar erwirtschaften, er verfügt mit 338 Milliarden Barrel über die größten Ölreserven weltweit. Gemeint ist die gerade in Caracas gegründete Lateinamerikanische und Karibische Gemeinschaft (CELAC), an der bis auf die USA und Kanada alle Länder des Kontinents beteiligt sind. Unschwer zu erkennen, dass CELAC der etablierten Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) Paroli bietet. Venezuela und 
Brasilien zählen zu den Protagonisten dieser Integration, die eine seit Jahren andauernde Emanzipation von den USA abschließt. Sie wurde durch das Unvermögen der OAS beschleunigt, 2009 die Putschisten in Honduras zum Rückzug zu zwingen. LH

./resolveuid/fce5c49839d991dfd2194b2cca1c085dLeser-Kommentare
Einflussreiche Minderheit
Die Meinung der Leser gilt in Redaktionen von Zeitungen natürlich als ein hohes Gut – und zwar nicht nur aus Werbegründen. Die Kommentatoren können sich vielmehr auch empirisch abgesichtert als den Ton mitangebend betrachten: In einer Studie der Agentur Ecco unter Journalisten haben 60 Prozent der Lesermeinung einen Einfluss auf die Berichterstattung zugestanden. In 70 Prozent aller Redaktionen sind Kommentare regelmäßig Thema. 
Als sachlich werden rund 68 Prozent davon angesehen, kompetent nennen die Journalisten immerhin jedes zweite Echo auf ihre Arbeit. Wahr ist aber auch: Bei den meisten Medien beteiligt sich nur eine Minderheit der Leser an Diskussionen. TS

./resolveuid/91336e8670a9addf9c434a531f94bbbdÄgypten
Grüne Welle
Auf etwa 70 Prozent der Stimmen kommen islamische Parteien nach einer ersten Runde der Parlamentswahl. Freiheit und Gerechtigkeit, die Partei der Muslim-Brüder, verbucht 40 
Prozent – die radikalislamische Partei 
des Lichts fast 30 Prozent. Der Erfolg für das religiöse Lager verspricht Verfassunggebende Mehrheiten im Parlament. Die eigentlichen Urheber des Mubarak-Sturzes wie die Aktivisten des Tahrir-Platzes ließen sich entweder nicht registrieren oder blieben wie 
die Partei 6. April klar unter den Erwartungen. Die jetzigen Sieger dürften auch bei den noch anstehenden 
Wahlphasen triumphieren. Auf dem Lande haben die Muslim-Brüder noch mehr Einfluss als in den Städten. LH

./resolveuid/8f36a2445ca780bd315da38185d2f08dRussland
Ein Aderlass
Von stolzen 64,3 Prozent vor vier Jahren landet die Partei Einiges Russland nach der Wahl 2011 nur noch beim Wert 49,5. Ein Aderlass, der sich wegen der sozialen Stagnation im Land angekündigt hat und den erneuten Antritt von Premier Putin bei der Präsidentenwahl 2012 überschattet. Die KP wie auch die sozialdemokratische Formation Gerechtes Russland können mit 19,2 bzw. 13,2 Prozent ihren Stimmenanteil fast verdoppeln. Präsident Dmitri Medwedjew will die Opposition in eine nationale Allianz einbinden, kann aber nicht mit deren Zustimmung rechnen. Seit dem Wahltag 
gehen Teile des Anti-Putin-Lagers aus Protest auf die Straße. Offenbar verliert die Kreml-Partei an Einfluss. LH


(Alle Fotos: AFP/ Getty Images; außer (4): der Freitag)

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15:10 07.12.2011

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