Ölkonzern Saudi Aramco stellt den Sekt kalt – es wird 1,5 Grad wärmer

Kolumne Der Klimawandel beschleunigt sich – und der saudische Öl-Konzern Saudi Aramco löst Apple als wertvollstes Unternehmen der Welt ab. Wir steuern mit voller Kraft auf eine hausgemachte Katastrophe zu
Jetzt mal Tempo: Das Klima ruiniert sich nicht von allein
Jetzt mal Tempo: Das Klima ruiniert sich nicht von allein

Foto: Motorsport Images/IMAGO

Wir scheinen der Katastrophe näher als gedacht: Gerade hat die Weltwetterorganisation verkündet, dass eine Erderwärmung von 1,5 Grad in den kommenden fünf Jahren erreicht werden könnte. Wir erinnern uns: Mit dem Pariser Klimaabkommen haben sich die unterzeichnenden Staaten dazu verpflichtet, die globale Erwärmung möglichst unter dieser Marke zu halten. Wenn sie nun in einem Jahr gerissen wird, heißt das noch nicht, dass das Vorhaben gescheitert ist, dafür müsste die Temperatur langfristig bei plus 1,5 Grad liegen. Aber es ist eine klare Ansage, wo die Reise hingeht, und zwar sehr viel schneller als gedacht.

Während wir uns noch von dieser Schocknachricht erholen, knallen in Saudi-Arabien die Sektkorken. Denn der Ölkonzern Saudi Aramco, der zu 95 Prozent der saudischen Regierung gehört, hat dieser Tage den IT-Konzern Apple als wertvollstes Unternehmen der Welt abgelöst: Er wurde mit 2,42 Billionen US-Dollar bewertet – das ist eine Zahl mit zwölf Nullen –, Apple sank auf 2,37 Billionen Dollar.

Ja, Sie haben richtig gelesen: In Zeiten, in denen jeder Wicht verstanden hat, dass wir die weltweiten CO2-Emissionen so schnell wie möglich senken müssen, macht ein Ölkonzern nicht nur „business as usual“, sondern „business better than ever“. Und das, obwohl an der Weltmarktspitze eigentlich längst das Zeitalter der Tech-Firmen angebrochen ist. Saudi Aramco ist der letzte verbliebene Energiekonzern in den Top Ten, in denen ansonsten Microsoft, Alphabet, Amazon und Co. um die Führung konkurrieren.

Saudi Aramco hat Unternehmensgewinn 2021 verdoppelt

Aber für Saudi Aramco läuft es auch in finsteren Zeiten einfach rund, der Ölkonzern fördert größtenteils aus leicht und günstig zu erschließenden Feldern an Land oder in flachen Gewässern. Wenn ich schreibe „rund“, dann meine ich nicht Nuancen: Der Unternehmensgewinn von Saudi Aramco hat sich im vergangenen Jahr nicht nur ein bisschen verbessert – nein, er hat sich verdoppelt. Zupass kamen dem Ölgiganten die Krisen unserer Zeit: Zum einen das Ende der Coronakrise, denn die wirtschaftliche Erholung ließ die Nachfrage nach Öl in die Höhe schießen, zum anderen der Beginn der durch die russische Invasion in die Ukraine ausgelösten Energiekrise.

Und jetzt geht es eben mit Vollgas in die Klimakrise. Man wird da ja wohl ein bisschen Geld verdienen dürfen, solange es noch geht, oder? Wir hängen da übrigens so gut wie alle mit drin – wer in den vergangenen Tagen vollkommen ohne Öl oder Produkten aus Öl gelebt hat, werfe nun gerne den ersten Stein.

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