Ohne Mais kein Land

Ausstellung Vor 24 Jahren konzipierte Guillermo Bonfil die Ausstellung Der Mais - Fundament der mexikanischen Kultur im Museo Nacional de las Culturas Populares ...

Vor 24 Jahren konzipierte Guillermo Bonfil die Ausstellung Der Mais - Fundament der mexikanischen Kultur im Museo Nacional de las Culturas Populares in Mexiko. 20 Jahre später wurde seine Idee mit einer neuen Ausstellung mit dem Namen Ohne Mais - kein Land (Sin maíz no hay país) erneut aufgegriffen. Im Folgenden dokumentieren wir eine Auswahl aus den Texten zur Ausstellung.

(...) "Der Mais ist die Wurzel und das Fundament derjenigen Kulturen, die dort erblühen, wo heute Mexiko ist. Der Mais besteht mit uns. Er ist das historische Fundament unserer Kultur und der unfehlbare Gefährte der Heldentaten und Missgeschicke in unserer Vergangenheit. Er steht gleichwohl für unsere Gegenwart und ist der Schlüssel für unsere Zukunft. Er hat einen zentralen Platz im alltäglichen Leben, ist ein König ohne Rivalen in unserer Ernährung. Er beschäftigt Millionen von Personen, die ihn anbauen, vermarkten oder verarbeiten und die um ihn herum Aktivitäten und Feste organisieren. Für viele andere ist er Quelle der Inspiration, was in eine Vielzahl von für ihn und durch ihn geschaffenen Kunstwerken mündet. (...)

Aus Mais die Basis für ein kulturelles und politisches Projekt zu erschaffen, so wie es heute von vielen Bewohnern Mexikos gefordert wird, bedeutet weder, sich in die Vergangenheit zu flüchten, noch uns in unseren Traditionen und Gebräuchen einzuschließen. Es bedeutet, von ihm zu lernen, den Boden unter den Füßen wieder zu gewinnen und fest verankert in unserer Geschichte einen neuen, einen eigenen Weg zu gehen. Wir werden uns nicht in uns selbst verschließen. Der Mais symbolisiert auch einen radikal neuen Umgang mit der restlichen Welt. In einer Zeit, in der eine Isolierung und Abschottung unmöglich geworden ist, wird er den Weg zeigen, sich zivilisiert mit dem Fremden und anderen Kulturen auszutauschen.

Nichts, was von der Maispflanze kommt, wird weggeworfen, alles, was auf der Milpa wächst, wird genutzt. Für die Samenkörner, die Blätter, die Stängel, die Ähren, die "Olote" bis hin zum Wasser des "Nixtamal" gibt es eine spezifische und ganzheitliche Nutzung um bestimmte kulturelle und soziale Bedürfnisse zu befriedigen. Die Ähre wird benutzt, um daraus Tamales zu machen. Der Maiskolben wird als Ganzes gegessen, gegrillt oder gekocht, zerkleinert um Suppen zu kochen, Soßen oder andere Gerichte zuzubereiten: Als Körnermais in Suppen (Pozole) und Salaten; gemahlen für Tamales, Atole, Kuchen und Gebäck; der Stängel als Süßigkeit. (...) Jegliche Teile der Pflanze eignen sich als Tierfutter. Das Wasser des "Nixtamal" und die Haut um das Samenkorn, welche im Herstellungsprozess gewonnen wird, lassen sich in einem Gemisch mit Maismehl als Futter für Geflügel verwenden. Zerhackt und mit Kompost oder Hühnermist vermischt, lassen sich alle Teile der Pflanze als Dünger verwenden. Die Teile, die nicht geerntet werden wie die Wurzeln besitzen auch die Eigenschaften von Dünger, wenn sie bei der Vorbereitung des Bodens vor der nächsten Aussaat im Boden verbleiben.

Der haarige Aufsatz des Maiskolbens besitzt medizinische Eigenschaften: Als Tee, vermischt mit Basilikum und Guavenblättern, Kamille oder der Epazote-Pflanze (Gänsefuß) dient er zur Linderung von Magenschmerzen und hilft gegen Erbrechen; eingenommen mit Zucker oder Adiantum hilft er bei blutigem Urin; ein Tee aus den Haaren vermengt mit Wermut hilft gegen Beschwerden mit der Galle; mit Fenchel- und Ananasblättern begünstigt er die Milchproduktion stillender Mütter. Bei Frauen, die Schwierigkeiten haben schwanger zu werden wird eine Mixtur aus Kräutern, Heimia salicifolia (Lebenskraut) und dem Wasser des "Nixtamal" verabreicht. (...)

Bestimmte Gerichte können ausschließlich mit speziell ausgewählten Maissorten zubereitet werden, die traditionelle mexikanische Suppe cacahuacintle (Pozole mit Mais) oder Totopos (Tortilla-Chips) beispielsweise benötigen Mais, zapalote chico aus Oaxaca und Popcorn eine bestimme Sorte weißen Mais. (...) Die Blätter der Pflanze (totomoxtle) werden zum Einrollen der Tamales (Gericht aus Maismehl), zum Rollen von Zigaretten und zum Verschnüren oder Verpacken von Sachen wie Kräuterbündel verwendet. (...) Mit den Kolbenstängeln, den Pflanzenstängeln und den Wurzeln wird Feuer gemacht. Die Maiskolben, die verschiedenfarbigen Maiskörner (weiß, gelb, rot, blau, rosa, lila, schwarz), das "Kreuz des Stiels" und die Blätter werden allgemein bei Ritualen eingesetzt. Samenkörner werden zum Wahrsagen verwendet, Samen und Kolben jeglicher Farbe als Opfergabe in Zeremonien. (...)

Übersetzung: Kai Bentlage

Der Originaltitel der Ausstellung lautete: El maíz, fundamento de la cultura popular mexicana

Quelle: www.cdi.gob.mx/ini/sinmaiz/index.html


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