Pakistan

Thema der Woche Fakten

Pakistans Präsidenten seit der Ära Bhutto

Dezember 1971 - August 1973
Zulfikar Ali Bhutto
(1978 verhaftet und ein Jahr später wegen Anstiftung zum Mord hingerichtet)

August 1973 - September 1978
Fazal Ilahi Chaudhry

September 1978 - August 1988
Mohammed Zia ul-Haq
(Militärdiktator, 1988 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen)

August 1988 - Juli 1993
Ghulam Ishaq Khan
(ehem. Parlamentspräsident)

Juli 1993 - November 1993
Wasim Sajjar

November 1993 - Dezember 1997
Ahmed Khan Leghari

Dezember 1997 - September 1998
Wasim Sajjar

Oktober 1998 - Juni 2001
Mohammed Rafiq Tarar

seit Juni 2001
Pervez Musharraf
(kam bereits im Oktober 1999 durch einen Putsch an die Macht)

Die Rote Moschee

Seit den Wahlen zu den Provinzversammlungen und zur Nationalversammlung im Oktober 2002 zeichnet sich besonders in den an Afghanistan grenzenden Nordwest-Provinzen Pakistans ein reger Zulauf für die islamistischen Parteien ab, die in der Allianz Muttahhida Majlis-e-Amal (MMA) vereint sind. Die MMA ist seither auf nationaler Ebene mit 43 Mandaten in dem mit insgesamt 342 Sitzen ausgestatteten Zentralparlament vertreten.

Wie sich die Konfrontation zwischen der Militärregierung und den islamischen Fundamentalisten zugespitzt hat, zeigte Anfang Juli 2007 die Besetzung der Roten Moschee in Islamabad durch Tausende Koranschüler. Für ihren Sprecher, den Prediger Abdul Rashid Ghazi, gab es nur eine Parole: "Lieber werden wir zu Märtyrern, als uns zu ergeben". Als Armeeeinheiten vom 10. zum 11. Juli den festungsartig gesicherten Gebäudekomplex stürmten, kamen Hunderte Pakistani ums Leben, darunter auch Ghazi. Eine genaue Zahl der Opfer wurde nie bekannt. Die Folge dieses Blutbads war eine Welle von Selbstmordanschlägen gegen Militärobjekte und Sicherheitskräfte.


Der Oberste Richter

Seit Anfang des Jahres hat sich angesichts der Mitte November 2007 endenden Amtszeit von Präsident und Parlament der innenpolitische Konflikt zwischen Regierung und Opposition verschärft. Die Suspendierung des Obersten Richters am 9. März 2007 durch Präsident Musharraf führte landesweit zu Protesten von Juristen, Opposition und Zivilgesellschaft. Bei Zusammenstößen kamen allein am 12./13. Mai in Karatschi 50 Menschen ums Leben. Am 20. Juli 2007 entschied der Oberste Gerichtshof, nachdem General Musharraf eingelenkt hatte, den suspendierten Juristen wieder in sein Amt einzusetzen.

Danach wählte am 6. Oktober 2007 ein aus der Nationalversammlung, dem Senat und den Provinzversammlungen bestehendes Wahlkollegium Pervez Musharraf laut einem bisher nur inoffiziell vorliegenden Abstimmungsergebnis erneut zum Präsidenten. Etwa 200 Oppositionsparlamentarier hatten zuvor aus Protest gegen eine erneute Kandidatur Musharrafs in Uniform ihre Mandate niedergelegt. Abgeordnete und Senatoren der Pakistan Peoples Party (PPP) von Benazir Bhutto blieben dem Votum fern. Die offizielle Bekanntgabe der Wiederwahl sollte erst erfolgen, nachdem der Oberste Gerichtshof über Einsprüche gegen die Rechtmäßigkeit von Musharrafs Kandidatur entschieden hatte. Offenbar um dieser Entscheidung zuvor zu kommen, ließ der General am 3. November den Ausnahmezustand verhängen.


Der Kaschmir-Konflikt

Über kein Gebiet streiten Indien und Pakistan so heftig wie über Kaschmir: Kaum hatte sich die Republik Pakistan 1947 im Westen und im Osten des früheren Britisch-Indien gegründet, traten die Regionen Jammu und Kaschmir der ebenfalls 1947 ausgerufenen Indischen Union bei. Dabei hatte die Region Kaschmir aufgrund ihrer muslimischen Bevölkerungsmehrheit zunächst als Kandidat für einen Anschluss an Westpakistan gegolten - doch entschied sich der damalige Maharadscha, ein hinduistischer Herrscher, für Indien. Der daraus folgende militärische Konflikt führte zur Teilung Kaschmirs: Pakistan hält seither ein Drittel der Region im Nordwesten besetzt, das als Azad Kashmir (freies Kaschmir) bezeichnet wird. Der Rest des einstigen Fürstentums ist als Jammu und Kaschmir ein Teilstaat Indiens.

Pakistan fand sich damit nie ab und riskierte deshalb 1947 und 1965 die militärische Konfrontation mit Indien. Der dritte Krieg zwischen beiden Staaten im Jahr 1971 endete mit dem Ergebnis, dass sich Ostpakistan von Westpakistan lossagte und mit der damaligen Volksrepublik Bangladesch ein neuer, unabhängiger Staat entstand. Ein weiterer bewaffneter Konflikt konnte 1999 im Raum Kaschmir auf den Kargil-Distrikt begrenzt werden. Zuletzt drohten 2002 militärische Zusammenstöße.

Als sich die Lage etwas entspannt hatte, kam es Anfang 2004 in Islamabad zu einem Gipfel zwischen Präsident Musharraf und Indiens damaligem Premier Vajpayee, bei dem in der Kaschmir-Frage und darüber hinaus vertrauensbildende Maßnahmen vereinbart wurden: Am 7. April 2005 fuhr - erstmals seit 1948 - wieder ein Linienbus vom indischen in den pakistanischen Teil Kaschmirs. Seither können Menschen aus beiden Teilen der Konfliktzone die Line of control überschreiten.


Die größten Parteien im Nationalparlament

Pakistan Muslim Liga (PML-Q)
Sie entstand aus abtrünnigen Parteigängern von Ex-Premier Nawaz Sharif (78 Mandate)

Pakistan Peoples Party (PPP)
Partei von Ex-Premierministerin Benazir Bhutto
(52 Mandate)

Muttahhida-Majlis-e-Amal (MMA)
Koalition islamistischer Parteien
(43 Mandate)

Pakistan Muslim League Nawaz (PML-N)
Partei von Ex-Premier Sharif
(15 Mandate)

Militärpotenziale Pakistans und Indiens (Stand 2006)

PakistanIndien

Bevölkerung144 Millionen1,02 Milliarden

Truppenstärke615.000 Mann1.300.000 Mann

Panzer 2.2703.500

Artillerie 1.4804.175

Kampfflugzeuge380775

Flugzeugträger 01

U-Boote 1016

Nuklearsprengköpfe 60100

Quelle: SIPRI

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